Das Geld ist weg. Geklaut. Für ein paar kleine Jungen war es auch nicht die richtige Aufgabe. Kleine Jungen sollten kein Geld transportieren. Kein Wunder also, dass es geklaut wurde. Aber die kleinen Jungen in diesen Tagen, in den 1930er Jahren, wollen sich ihren Platz in dieser Welt auch erobern. Und so fassen sie einen Plan. Wenn dieses Geld verschwunden ist, dann müssen sie es sich woanders zurückholen, im Austausch sozusagen, damit ihnen Toto Moreno, der Gangster, der ihnen eine Chance gab, vergibt. Alfonso, der heimlich Anführer der kleinen Gruppe, beschafft sich sogar eine Pistole und bringt alle damit in Teufelsküche.
Steve Cuzor erzählt die Geschichte um Alfonso, Peanuts, Vitto und Kröte fort. Die Vereinigten Staaten sind im Wandel, Chicago ist ein Hort des Verbrechens. Der neue Präsident Herbert Hoover gibt seinem Chefermittler J. Edgar Hoover, dem Direktor des FBI, den Auftrag, Scarface zu schnappen. Der berüchtigte Gangster Al Capone wird zur Chefsache. Die Übersicht über diese Gangsterjagd haben die Jungen nicht. Sie wissen, dass die Welt, in der sie leben, gefährlich ist. Für ihr Problem suchen sie eine einfache Lösung. Leider schlittern sie dadurch noch tiefer in den Schlamassel.
Cuzor, der hier Autor und Zeichner gleichermaßen ist, zieht die unsichtbare Schlinge um seine vier kleinen Helden immer enger. Als Leser, der über alle Details Bescheid weiß, fühlt man mit, möchte zeitweilig warnen und natürlich entwickelt man eine Vorliebe für die eine oder andere Figur, allen voran Peanuts, der durch Ängstlichkeit und Ungeschicklichkeit stets vom Regen in die Traufe taumelt. In Cuzors Bildern werden die schwarzweißen Ansichten jener Tage lebendig, ein wenig mit dem Flair der Geschichten um Huckleberry Finn und Tom Sawyer..
Ovale Kindergesichter mit großen Augen und ausdrucksstarken Schneidezähnen, gekleidet wie kleine Erwachsene: Schwungvolle Striche bilden diese Figuren nach, sparsam gestrichelt in den Schattenflächen. Pausbäckig stehen sie vor dem Betrachter, mal ängstlich, mal energisch, mal nachdenklich. Die Erwachsenen, sicherlich individueller gestaltet, verblassen vor diesen Akteuren, von denen Steve Cuzor nicht nur mit viel Herz erzählt, sondern sie auch mit ebenso viel Energie zeichnet. Laura, der Untertitel der zweiten der vier Folgen der kleinen Reihe, ist die gleichaltrige Herzdame Alfonsos. Ihr Blick ist längst erwachsen. Als Charakter wird sie immer wieder getroffen, bis nichts, so scheint es, ihren über Jahre gewachsenen Panzer noch aufbrechen oder erschüttern kann.
BLACKJACK hat in keiner Weise etwas von einer lustigen Abenteuergeschichte. Da die Erwachsenen mit so großer Leichtigkeit in dieser Zeit sterben, die Polizei bei der Aufklärung der Morde machtlos zu sein scheint (oder bei entsprechender Bezahlung wegschaut), wissen die Jungen ganz genau, dass ihr Leben erst recht nichts gilt. Atmosphärisch finden sich Cineasten hier auf den Spuren eines Es war einmal in Amerika wieder. Einige Gangster stechen optisch hervor und fesseln den Leser, manche Szenen sind sehr dicht inszeniert und fast surreal ausgeleuchtet. Von Szene zu Szene entkernt Cuzor dieses alte Chicago, bis am Ende kein Erwachsener mehr schuldlos dasteht.
Wer Kriminalgeschichten mag, Jugendabenteuergeschichten, die sich nicht mit falscher Heiterkeit aufhalten oder suggerieren, dass doch noch alles gut wird, vor allem aber einen spannenden Blick in die Ära vor rund 80 Jahren werfen möchte, könnte hier mit dieser liebevoll erzählten und illustrierten Geschichte richtig liegen. 🙂
BLACKJACK 2, Laura: Bei Amazon bestellen




















