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Comic Blog


Dienstag, 12. Oktober 2010

Sillage 11 – Die schwebende Welt

Filed under: SciFi — Michael um 19:43

Sillage 11 - Die schwebende WeltEigentlich hatte Nävis nicht mehr mit einem Auftrag gerechnet. Die Regierenden von Sillage, ihre einstigen Chefs, haben sie abgeschrieben. Ein Urteil untersagt ihr jede berufliche Tätigkeit, die mit ihrer Ausbildung für Spezialoperationen in Einklang zu bringen ist. Nävis, vormals noch eine Spitzenagentin, ist am Ende. Da sie so am Boden ist, ist sie auch allzu schnell bereit, einen Auftrag anzunehmen, der sie nicht weit weg von Sillage, dem riesigen Weltraumkonvoi, führt, sondern auch geradewegs auf eine Mission zur Rettung ihres besten Freundes Weweh. Gleichwohl reist sie nicht als Agentin, sondern unter dem Deckmantel einer Reporterin. Aber es geht um noch viel mehr.

Auf dem Planeten Ribehn herrscht eine globale Gesellschaftsform, einer ehemals irdischen nicht unähnlich, doch eigentlich gänzlich ungeeignet, um fremde Einflüsse zuzulassen. Mehr noch, die Feudalherrschaft ist jung, Revolten gären, da das normale Volk die Barbaren von außerhalb ablehnt. Allerdings ist ein Kontakt mit diesen Barbaren notwendig, da Ribehn mit Sillage Kontakt aufgenommen hat. Nävis, die sich nicht verraten darf, muss sich den örtlichen Gepflogenheiten unterordnen und das schmeckt ihr ganz und gar nicht.

Längst hat sich die Reihe um Sillage ihre ganz eigene Nische im Comic-Universum erobert und darf mit Fug und Recht von sich behaupten bereits ein moderner Klassiker zu sein. Zusätzlich zur Hauptreihe Sillage gibt es noch die Chroniken von Sillage und Nävis, mit Jugendabenteuern der hier erwachsenen Heldin. Vielfalt ist in vielen Science Fiction Serien Trumpf und Sillage macht hier keine Ausnahme. Die 11. Episode, Die schwebende Welt, entführt den Leser in eine Welt, die der japanischen Epoche der Kriegerfürsten, der Schogune, sehr ähnlich ist. Die Außerirdischen, die dort leben, sind in vieler Hinsicht menschlich, sieht man einmal von ihren flachen Nasen mit vier Nasenlöchern und zwei Fühlern auf der Stirn ab.

Jean David Morvan, der Autor, orientiert sich in vielen Beispielen an der japanischen Kultur, macht auch vor der Fremdenfeindlichkeit nicht Halt, wie sie vergleichsweise auch James Clavell mit seinem verfilmten Roman Shogun zeigte. Die Abschottung vor den Fremden, die Zurückweisung fremder Einflüsse, ist hier nicht nur ein wichtiges Thema, sie ist überhaupt erst der Auslöser für den Einsatz von Nävis. Wer diverse Geschichten, möglicherweise sogar echte Historie aus dem Bereich gelesen hat, wird im Verhalten dieses Volkes keine Überraschung finden.

Überraschend jedoch wird diese Welt für Nävis, die zur Tarnung in die untergeordnete Rolle der Frau in dieser Gesellschaft gezwungen wird. Überraschend wird auch die Erkenntnis, die ihr die anderen Frauen zuteil werden lassen. Das bietet amüsante Momente, während in der gewalttätigen Domäne der dortigen Männerwelt Kämpfe und Spannung die Handlung vorantreiben.

Philippe Buchet pflegt einen wunderbar klaren und akkuraten Zeichenstil. Die Linien sind in einem einzigen Duktus ausgeführt. Schwankungen gibt es nicht. Volumen erreicht Buchet durch eine sehr einfache, aber effektvolle Kolorierung mit butterweichen Schattierungen. Die Bilder beeindrucken durch ihre Zartheit, ihre nadelfein zu nennende Gestaltung. Buchet beherrscht die Breitwandoptik ebenso wie die rasante Bewegung. Ein Beispiel hierfür ist die toll ausgeführte erste Begegnung des Meisters mit Nävis. Dieser Kampf, den der Meister nur mit den Beinen und Füßen bestreitet ist ein echtes Kabinettstückchen.

Eine gelungene Episode der Reihe: Jean David Morvan gelingt es, ein Abenteuer mit Nävis schreiben, das, obwohl es die elfte Episode ist, keinerlei Vorkenntnisse benötigt und eine gute Mischung zwischen Science Fiction und Historienabenteuer darstellt. Philippe Buchets Bilder haben längst Vorbildcharakter erlangt. Die sehr sauberen und schönen Zeichnungen sind eine Augenweide. 🙂

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