Der JOKER ist tot, aber nicht vergessen. Eine Bande, als Clowns verkleidet, die Gesichter weiß geschminkt, Buttons mit dem Konterfei des Jokers auf den Jacken und den Basecaps, treibt ihr Unwesen, stiftet Chaos. BATMAN ist als maskierter Rächer immer noch in GOTHAM unterwegs und greift ein. Doch so gut er (meistens) seinen Job erledigt, kann er doch nicht an allen Orten gleichzeitig sein. So kann er nicht verhindern, dass auch HARVEY DENT auf offener Straße überfallen wird. Der will sich nicht unterkriegen lassen und den potentiellen Ganoven seine Wertsachen überlassen. Kühl und fast schon versiert, schlägt er die Gauner in die Flucht…
Als es damals, so zwischen 1987 und 1988 hieß, TIM BURTON werde einen BATMAN-Film inszenieren, stand die Fan-Welt eine ganze Weile Kopf. Niemand hatte einen MICHAEL KEATON als BRUCE WAYNE auf dem Schirm, ein JACK NICHOLSON als JOKER war schwer zu verdauen. 1989 änderte sich dieses Bild, denn was TIM BURTON auf die Leinwand brachte, war Comic pur, sein BATMAN wurde richtungsweisend, das BATMOBIL ikonisch und die Version von GOTHAM CITY war eine irre düstere Version jener Stadt, in der ein VIGILANT dafür sorgt, die Verbrechensquote auf seine Weise zu senken. Es gab eine Fortsetzung, in BATMANS RÜCKKEHR, leider war nach dem Auftauchen von PINGUIN und CATWOMAN mit TIM BURTON Feierabend (nicht so ganz für MICHAEL KEATON).
Aber der Comic ist ein Medium, das ebenfalls für Fortsetzungen bekannt ist. Wenn ein Film oder eine Serie Schluss machen, kann der Comic ein Thema oder eine Interpretation aufgreifen und fortführen, wie z.B. BUFFY. BATMAN ’89 ist weitere eine Fortsetzung und, das sei vorweg gesagt, eine überaus gelungene. Denn sie holt ein (gezeichnetes) Gesicht ins BATMAN-UNIVERSUM des TIM BURTON zurück: BILLY DEE WILLIAMS als HARVEY DENT. Zumindest in der Comic-Umsetzung erfüllt sich das gesteckte damalige Ziel, den Schauspieler in der Maske des TWO-FACE in Erscheinung treten zu lassen.
Und das ist beileibe nicht alles. CATWOMAN lässt sich wieder blicken. Wer den zweiten BATMAN-FILM mit MICHAEL KEATON gesehen hat, hätte es sich denken können. Aber BATMAN bleibt nicht allein auf weiter Flur, denn ein SIDEKICK kündigt sich an. Einiges läuft hier anders als in den übrigen Verfilmungen, ebenso in den Comics selbst (wo der Leser durchaus vor lauter SIDEKICKS den Überblick verlieren kann).
Autor SAM HAMM greift die Atmosphäre der beiden Vorlagen mit Feingefühl und Tiefgang auf. TIM BURTON kreierte COMIC auf der Leinwand, aber seine Charaktere waren echt, packend, echte Schicksale. Was nicht zuletzt den Darstellungen von MICHAEL KEATON und JACK NICHOLSON geschuldet war. Nun also ist HARVEY DENT an der Reihe seine Platz in der BATMAN-HISTORIE einzunehmen. Der Staatsanwalt hadert mit seinem Leben. Beizeiten stellt sich die Frage nach den verpassten Gelegenheiten, den Abzweigungen, denen man im Leben nicht gefolgt ist und was hätte sein können, wäre man sie gegangen. Fragen, die sich der/die eine oder andere sicherlich auch schon mal gestellt hat. Aber als ein schwerer Schlag ihn trifft, ausgerechnet, als er einem anderen Menschen zur Hilfe eilt, hört er auf, Entscheidungen zu treffen. Er lässt den Zufall entscheiden. Mittel einer Münze.
Der berühmte Münzwurf ist ein Markenzeichen von TWO-FACE alias HARVEY DENT. Sie entspricht dem Kriminellen, zu dem er geworden ist. Eine Seite ist entstellt, die andere heil. Hat ein TOMMY LEE JONES in BATMAN FOREVER nur mehr einen Abklatsch eines JOKERS gespielt (er war dort der Darsteller des TWO-FACE), ist die von SAM HAMM geschriebene Interpretation vielschichtiger aufgebaut und weitaus tragischer. Denn irgendwo ist in HARVEY DENT ein Ehrenmann übrig geblieben. Nicht umsonst wird er von der Tochter des COMMISSIONERS, BARBARA GORDON, geliebt, die den Fußstapfen ihres Vaters folgend ein COP geworden ist. SAM HAMM kann sich aber nicht von der POPKULTUR lösen, denn sein TWO-FACE hat ähnlich wie GOLLUM ein Problem mit einem anderen ICH. So entscheidet letztlich nicht nur die Münze, auch die böse Seite hat in HARVEY DENT ein Mitspracherecht.
Eine Comic-Fortsetzung eines Films kann am Ende nur funktionieren, wenn die Optik bzw. die Grafik der Vorlage angepasst ist. JOE QUINONES, der Zeichner, und LEONARDO ITO, der Kolorist, schaffen das mit mehr als nur Bravour. Solch exakten Bilder, die mit einer geradezu architektonischen Genauigkeit daherkommen, sind nicht so häufig gesät. Illustratoren, die ihre eigenen Techniken haben, ihre eigenen Figuren entwerfen, sind meist nicht in der Bedrouille, etwas nachzeichnen zu müssen. Wenn JOE QUINONES einen MICHAEL KEATON zu Papier bringt, den markanten Mund des Schauspielers zeichnet (weshalb BATMAN sich eigentlich bis zum Dorthinaus maskieren konnte, am Mund blieb er immer erkennbar), dann kehrt TIM BURTONS BATMAN tatsächlich zurück.
Dem Design der bekannten Figuren angepasst, ist auch jenes der neuen Charaktere wie DRAKE WINSTON. Anfänglich erinnert das Auftreten durch einen sehr flatterhaften Überwurf an die Figur des Helden aus UNBREKABLE, gespielt von BRUCE WILLIS. Die anderen Charaktere, BARBARA GORDON vorneweg, sind perfekt gestaltet. Alles in allem für Comic- und BATMAN-FANS ein grafisches Fest!
Top! Ganz bestimmt eine der besten Comic-Fortsetzungen, die es gibt. Richtig liebevoll gestaltet und erzählt, eine echte Verbeugung vor der Vorlage. Wer wissen will, wie die Geschichte damals filmisch hätte weitergehen können, kann hier vorbehaltlos zugreifen! 🙂
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