Mittwoch, 29. Juli 2026
BEN REILLY hat den Weltkrieg mitgemacht, all das Grauen erlebt und ist scheinbar unversehrt aus den Schlachten heimgekehrt. Insgeheim jedoch hat er eine Verwandlung durchgemacht, unsichtbar für alle anderen, aber dennoch von solchem Gewicht, dass sich sein Leben danach für immer verändert hat. BEN REILLY hat Kräfte entwickelt. Größere Stärke, Agilität, Geschwindigkeit, ein Gefahrensinn, Spinnendrüsen… Es dauert nicht lange und BEN setzt seine Kräfte im Kampf für die gute Sache ein, bekämpft Verbrecher, macht sich einen Namen in NEW YORK. BEN REILLY ist der SPIDER. Gekleidet wie ein DETEKTIV, samt Hut, die Identität einzig verborgen von einer schwarzen Maske. Aber eines Tages geschieht ein Unheil, das BEN REILLYS Leben zum zweiten Mal verändert und er entschließt sich, den SPIDER nie wieder aufleben zu lassen. Und lebt so sein Leben in New York weiter, als ganz normaler DETEKTIV, ganze fünf Jahre lang…
SPIDER-MAN: A NEW UNIVERSE (deutscher Titel) brachte uns als Animationsfilm 2018 eine neue Sicht auf die Welt der freundlichen Spinne von nebenan. Das SPIDER-VERSE brachte uns neben MILES MORALES, dem neuen jungen SPIDER-MAN, auch verschiedene andere SPIDER-Varianten, so auch einen SPIDER-MAN NOIR. Diese eindeutig an die SCHWARZE SERIE HOLLYWOODS angelehnte Version SPIDER-MANS, den NOIR-Krimis und Thrillern, die mit HUMPHREY BOGART, JAMES CAGNEY, EDWARD G. ROBINSON und anderen Schauspielgrößen eine ziemliche Beliebtheit erfuhren, brannte sich bei so manchem MARVEL- und SPIDEY-FAN ins Gedächtnis. Darüber hinaus wurde dieser SPIDER-MAN im englischen Original auch noch von NICHOLAS CAGE gesprochen. Hierzulande übernahm entsprechend sein Stammsynchronsprecher MARTIN KeßLER den Part.
Nun hat SPIDER-NOIR eine eigene Realserie bekommen, hat also den Sprung von der Animation in eine Show mit echten Schauspielern geschafft. Sehr zur Freude vieler Zuschauer hat NICHOLAS CAGE auch die Rolle übernommen. Und, um das vorweg zu nehmen, das funktioniert hervorragend. Bislang waren alte SPIDER-MEN eher selten. Meist waren sie jung, Schüler eben, oder Erwachsene im besten Alter. Davon ist dieser SPIDER-NOIR weit entfernt. Er ist nicht einmal besonders fit. Das macht diese Verkörperung eines SPIDER-MAN sehr sympathisch und zeigt (wie es auch schon im SPIDER-VERSE mit einer Version des PETER PARKER anklang), wohin die Reise gehen kann.
SPIDER-NOIR ist in zwei Farbvarianten schaubar: In normalem BUNT (wenn man es so nennen will) und in Schwarzweiß (also dem NOIR-Thema angepasst). Ich habe nur kurz in die Kolorfassung geschaut und habe dann komplett alles in SW gesehen. Der Eindruck ist stimmiger, es ist auch gruseliger, die Bösewichter wirken so fieser, allen voran natürlich SILVERMANE (gespielt von BRENDAN GLEESON) und MEGAWATT (gespielt von ANDREW LEWIS CALDWELL). Das sind die Fieslinige, die herausstechen. Ersterer, weil er einfach versiert in solchen Rollen ist, letzterer, weil die Obzession für Theatralik, die MEGAWATT an den Tag legt, einfach die eher zurückhaltenden Bösewichte (ob mit oder ohne Superkräfte) in den Schatten stellt.
Aber zurück zu NICHOLAS CAGE: In absoluter Spiellaune, oft recht ernst und ernsthaft (als Detektiv). Die Mischung macht es hier. Wenn er erkennbar als SPIDER-NOIR daherkommt, die Maske nur halb auf dem Gesicht sitzt, darf er neben der Verantwortung, die mit diesen Kräften einhergeht, auch die Qualen zeigen, die sie ihm bereitet hat (und noch bereitet). Die Handlung sorgt entsprechend für Aha-Momente (ungefähr, wenn BEN REILLY sein altes Kostüm reaktiviert; das hat sogar ein paar JOHN-WICK-Vibes, obwohl es auch eine recht lustige Sequenz ist). Das Düstere belegt die eine Seite der Waage, aber auf der anderen Seite der Waagschale ist das Menschliche: BEN REILLYS Freundschaft zu seiner Sekretärin JANET, seinem alten Kumpel ROBBIE, die sich langsam entwickelnde Liebe zu CAT und das ausschlaggebende Mitleid für Leute wie FLINT MARKO, dem SANDMAN. Deshalb funktioniert das Konzept ganz toll und macht von der ersten bis zur letzten Folge richtig Spaß.
Ein ungewöhnlicher SPIDER-MAN, aber einer, dessen Leben und Abenteuer eine starke Serie abgeben, viel Neues aus der Welt der SPINNE bieten und deshalb auch stets aufs Neue überraschen können. Das Zweifarbangebot ist ein nettes Gimmick. Das schmeckt insgesamt nach mehr! 🙂
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Donnerstag, 02. Juli 2026
Man lernt sich kennen, will zusammen einen Bruch machen, was Besonderes. Die meisten sind auf ihrem Gebiet alte Hasen, aber auch der Neuling ist nicht auf den Kopf gefallen. Klar, man trifft sich in einem Hinterzimmer, so macht man das. Da sind die Köpfe mit der Idee, mit dem Plan. Da ist einer, der kennt sich mit Fluchtwagen und -routen aus wie kaum einer. Und wenn es darum geht, Tresore zu knacken, da findet sich einer der Besten, so einer von der Sorte, die das im Vorbeigehen erledigen, weil es ihr Talent ist. Wenn solche Leute sich eine Sache vornehmen, dann wird das schon klappen, oder?
DONALD WESTLAKE schrieb seinen Roman BANK SHOT 1972. Die Adaption für das Comic-Medium von DOUG HEADLINE steigt ebenfalls in diesem Jahr ein. Für den Leser bedeutet dies eine schöne Zeitreise zum Beginn eines Jahrzehnts, das immer irgendwie ein Ausläufer der 1960er war und irgendwie auch nichts anderes als ein Vorläufer der 1980er. Alles uferte aus, Haartracht, Mode, die Hosenbeine. Amerikanische Automobile konnten gar nicht groß genug sein. Scheinbar fehlte der Halt, Grenzen wurden ausgehebelt. In dieser Zeit ließ DONALD WESTLAKE eine besondere Form der Halunken auf die Unterhaltungswelt los: Die netten Ganoven. Und die hatten einen kuriosen Einfall: Klauen wir gleich die ganze Bank. Das war auch der Titel der 1974 erschienen Kinofilmumsetzung.
Nun, wie, wird sich der Leser fragen, soll das funktionieren? Eine Bank klauen? WESTLAKE, und mit ihm DOUG HEADLINE, hat zu diesem Zweck ein Team aus der Taufe gehoben, das so ganz anders ist als die üblichen smarten Gestalten, denen einfach alles gelingen will. Und weil sie so anders sind, haben sie auch andere Ideen als die üblichen Typen. Der ursprüngliche Plan, eine Bank schlicht zu bestehlen, ändert sich, als die Zielbank in einem Provisiorium untergebracht worden ist, da das eigentliche Gebäude abgerissen und ein neues aufgebaut werden wird. Dieses Übergangsgebäude ist letztlich ein typisches Mobilheim, ein riesiger Wohnwagen.
JOHN DORTMUNDER, die Hauptfigur, ist eigentlich, ebenso wie seine Kumpane, kein schlechter Kerl. Alle zusammen wirken sie wie große Kinder, die vom Spielen im Sandkasten auf Bankraub umgestiegen sind. Man kennt die Gefahren, die Risiken, trotzdem wird alles eher spielerisch angegangen, so als wäre es das Normalste auf der Welt, auf diese Weise sein Geld zu verdienen. Nun soll hier nicht weiter gespoilert werden, aber so viel sei gesagt: Aus dem Umstand, mit welcher Ernsthaftigkeit die fünf Ganoven ihren Plan auf die Beine stellen und umsetzen (nebst einiger weiblicher Hilfe), entsteht ein knochentrockener Humor, pirschen sich die absurden Twists heran (hat man bei sonstigen Heist-Geschichten so noch nicht gesehen!), so dass am Ende über die Bande frech geschmunzelt werden darf (und gleichzeitig über ihr Unvermögen auch eine kleine Träne verdrückt werden darf, es sind eben nette Typen).
JESÚS ALONSO IGLESIAS ist ein Zeichner mit schnellem, skizzenhaften Strich. Es ist die Sorte grafischer Stil, der für den Gerichtssaal wie auch für ein Storyboard taugt. Kein Wunder also, dass so jemand auch als Charakterdesigner an den beiden SPIDER-VERSE-Filmen mitgearbeitet hat. Denn diese Geschichte hier, DORTMUNDER – FÜNF GEGEN EINE BANK, lebt von ihren Charakten, und JESÚS ALONSO IGLESIAS entwickelte diese mit einem solchen Schmiss, als habe er echte Figuren aus den 1970ern als Vorlage genommen (vielleicht hat er das, wer kann das schon sagen). Jedenfalls sind Typen entstanden, die echte Gesichter haben, denen Hintergedanken und Subtext in die Miene geschrieben steht. Dieser Stil ist mit ein Grund dafür, warum man diese Typen mag. Es sind Menschen von der Straße, die einem begegnen können, aber über die man höchstwahrscheinlich hinwegsehen würde. Weil sie eben auch nicht gleich wie Gangster aussehen, obwohl sie genau genommen eben das sind.
ISABELLE MERLET koloriert die Story zurückhaltend. Manches handelt in Räumen, Wohnungen, besagten Hinterzimmern, in Autos und die 1970er allgemein (wenn es nicht gerade in die Disco ging) haben einen eher industriell farblichen Eindruck hinterlassen, den ich hier durchaus wiederfinden kann. Gerade in amerikanischen Großstädten, auf den Straßen, in Häuserschluchten. Im weiteren Velauf geht es in die Nacht hinaus, die Stimmung wird düsterer, gefährlicher (für die Gauner und ihre eher unfreiwilligen Helferinnen, man könnte sogar sagen, es sind Helferinnen aus einer Art Mitleid heraus). Und diese Düsternis steht dem, was handlungstechnisch geschieht in weiten Teilen entgegen. Unter dem Strich ein sehr ausgewogenes Ambiente, das den Leser bisweilen aufs Glatteis führt.
Es gibt Krimis und es gibt solche, die einem im Gedächtnis bleiben. Das sind die Geschichten von DONALD WESTLAKE (auch bekannt als RICHARD STARK), der die Romanvorlage zu dieser Comic-Adaption von DOUG HEADLINE schrieb. Ein ernsthaftes Unterfangen, ein richtiger Coup, wird von Seite zu Seite kurioser, mit leichter Hand erzählt, sehr (sehr, sehr) unterhaltend und ebenso leicht gezeichnet und schmissig zu Papier gebracht. Wer Krimis und Thriller mag, liegt hier goldrichtig! 🙂
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