Man lernt sich kennen, will zusammen einen Bruch machen, was Besonderes. Die meisten sind auf ihrem Gebiet alte Hasen, aber auch der Neuling ist nicht auf den Kopf gefallen. Klar, man trifft sich in einem Hinterzimmer, so macht man das. Da sind die Köpfe mit der Idee, mit dem Plan. Da ist einer, der kennt sich mit Fluchtwagen und -routen aus wie kaum einer. Und wenn es darum geht, Tresore zu knacken, da findet sich einer der Besten, so einer von der Sorte, die das im Vorbeigehen erledigen, weil es ihr Talent ist. Wenn solche Leute sich eine Sache vornehmen, dann wird das schon klappen, oder?
DONALD WESTLAKE schrieb seinen Roman BANK SHOT 1972. Die Adaption für das Comic-Medium von DOUG HEADLINE steigt ebenfalls in diesem Jahr ein. Für den Leser bedeutet dies eine schöne Zeitreise zum Beginn eines Jahrzehnts, das immer irgendwie ein Ausläufer der 1960er war und irgendwie auch nichts anderes als ein Vorläufer der 1980er. Alles uferte aus, Haartracht, Mode, die Hosenbeine. Amerikanische Automobile konnten gar nicht groß genug sein. Scheinbar fehlte der Halt, Grenzen wurden ausgehebelt. In dieser Zeit ließ DONALD WESTLAKE eine besondere Form der Halunken auf die Unterhaltungswelt los: Die netten Ganoven. Und die hatten einen kuriosen Einfall: Klauen wir gleich die ganze Bank. Das war auch der Titel der 1974 erschienen Kinofilmumsetzung.
Nun, wie, wird sich der Leser fragen, soll das funktionieren? Eine Bank klauen? WESTLAKE, und mit ihm DOUG HEADLINE, hat zu diesem Zweck ein Team aus der Taufe gehoben, das so ganz anders ist als die üblichen smarten Gestalten, denen einfach alles gelingen will. Und weil sie so anders sind, haben sie auch andere Ideen als die üblichen Typen. Der ursprüngliche Plan, eine Bank schlicht zu bestehlen, ändert sich, als die Zielbank in einem Provisiorium untergebracht worden ist, da das eigentliche Gebäude abgerissen und ein neues aufgebaut werden wird. Dieses Übergangsgebäude ist letztlich ein typisches Mobilheim, ein riesiger Wohnwagen.
JOHN DORTMUNDER, die Hauptfigur, ist eigentlich, ebenso wie seine Kumpane, kein schlechter Kerl. Alle zusammen wirken sie wie große Kinder, die vom Spielen im Sandkasten auf Bankraub umgestiegen sind. Man kennt die Gefahren, die Risiken, trotzdem wird alles eher spielerisch angegangen, so als wäre es das Normalste auf der Welt, auf diese Weise sein Geld zu verdienen. Nun soll hier nicht weiter gespoilert werden, aber so viel sei gesagt: Aus dem Umstand, mit welcher Ernsthaftigkeit die fünf Ganoven ihren Plan auf die Beine stellen und umsetzen (nebst einiger weiblicher Hilfe), entsteht ein knochentrockener Humor, pirschen sich die absurden Twists heran (hat man bei sonstigen Heist-Geschichten so noch nicht gesehen!), so dass am Ende über die Bande frech geschmunzelt werden darf (und gleichzeitig über ihr Unvermögen auch eine kleine Träne verdrückt werden darf, es sind eben nette Typen).
JESÚS ALONSO IGLESIAS ist ein Zeichner mit schnellem, skizzenhaften Strich. Es ist die Sorte grafischer Stil, der für den Gerichtssaal wie auch für ein Storyboard taugt. Kein Wunder also, dass so jemand auch als Charakterdesigner an den beiden SPIDER-VERSE-Filmen mitgearbeitet hat. Denn diese Geschichte hier, DORTMUNDER – FÜNF GEGEN EINE BANK, lebt von ihren Charakten, und JESÚS ALONSO IGLESIAS entwickelte diese mit einem solchen Schmiss, als habe er echte Figuren aus den 1970ern als Vorlage genommen (vielleicht hat er das, wer kann das schon sagen). Jedenfalls sind Typen entstanden, die echte Gesichter haben, denen Hintergedanken und Subtext in die Miene geschrieben steht. Dieser Stil ist mit ein Grund dafür, warum man diese Typen mag. Es sind Menschen von der Straße, die einem begegnen können, aber über die man höchstwahrscheinlich hinwegsehen würde. Weil sie eben auch nicht gleich wie Gangster aussehen, obwohl sie genau genommen eben das sind.
ISABELLE MERLET koloriert die Story zurückhaltend. Manches handelt in Räumen, Wohnungen, besagten Hinterzimmern, in Autos und die 1970er allgemein (wenn es nicht gerade in die Disco ging) haben einen eher industriell farblichen Eindruck hinterlassen, den ich hier durchaus wiederfinden kann. Gerade in amerikanischen Großstädten, auf den Straßen, in Häuserschluchten. Im weiteren Velauf geht es in die Nacht hinaus, die Stimmung wird düsterer, gefährlicher (für die Gauner und ihre eher unfreiwilligen Helferinnen, man könnte sogar sagen, es sind Helferinnen aus einer Art Mitleid heraus). Und diese Düsternis steht dem, was handlungstechnisch geschieht in weiten Teilen entgegen. Unter dem Strich ein sehr ausgewogenes Ambiente, das den Leser bisweilen aufs Glatteis führt.
Es gibt Krimis und es gibt solche, die einem im Gedächtnis bleiben. Das sind die Geschichten von DONALD WESTLAKE (auch bekannt als RICHARD STARK), der die Romanvorlage zu dieser Comic-Adaption von DOUG HEADLINE schrieb. Ein ernsthaftes Unterfangen, ein richtiger Coup, wird von Seite zu Seite kurioser, mit leichter Hand erzählt, sehr (sehr, sehr) unterhaltend und ebenso leicht gezeichnet und schmissig zu Papier gebracht. Wer Krimis und Thriller mag, liegt hier goldrichtig! 🙂
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