An unterschiedlichen Plätzen auf der Welt, so scheint es, dreht sich die Welt unterschiedlich schnell. SIGI HASSLER, auf ihrer Reise um die Erde in PERU angekommen, staunt über das Land, die Menschen, die Hilfsbereitschaft, die Freundlichkeit. Aber das Schlechte lauert auch hinter hellen Fassaden. Diese Erfahrung, nicht die erste dieser Art, macht sie einmal mehr, als sie und ihr Team ein Hilfsangebot eines reichen Ranchers annehmen. Rasch ändert sich die Haltung des Hazienderos und eine Nacht wird zum Alptraum. Daheim, buchstäblich einmal um den Globus, hat SIGIS Freundin HANNA ganz andere Probleme, obwohl diese ebenfalls mit einem Mann zu tun haben und ebenso lebensbedrohlich sind…
SIGI HASSLER und ihre Begleiter haben den nordamerikanischen Kontinent verlassen und ihren Weg nach SÜDMAERIKA fortgesetzt. In PERU, in jenen Tagen, der Zweite Weltkrieg ist noch nicht ausgebrochen, sind auf Gebirgsstrecken Werkstätten für Automobile Mangelware. Und Ersatzteile für jeden erdenklichen Zweck lassen sich ebenfalls nicht mittransportieren. So sitzt man erst einmal fest und die findige Gruppe macht sich daran, das entsprechend benötigte Material selbst anzufertigen.
ERIK ARNOUX zeigt dem Leser, neben aller Dramatik und historischem Kolorit, eine Epoche, die gegenüber heute vergleichsweise von einer spartanischen Technisierung ist und eine Reise um die Welt in einem Auto ein sehr mutiges Unterfangen darstellte. Und dann auch noch, wie es propagiert worden ist, von einer Frau, die dieses Automobil steuert. In diesem Rückblick in Form einer sehr fein gestalteten Graphic Novel werden viele Schwierigkeiten jener Tage deutlich, viele Herausforderungen, die gemeistert werden müssen und zahlreiche Abgründe, derer sich die Menschen jener Zeit ausgesetzt sahen und die teilweise immer noch nicht ausgemerzt sind. Und ERIK ARNOUX spielt mit den schier unerschöpflichen Facetten dieser Welt und ihrer Geschichte.
Nun sind diese Facetten oft von der eher dunklen Seite. Erschüttert muss SIGI HASSLER feststellen, dass in PERU japanische Auswanderer auf den Baumwollfeldern ausgebeutet werden. Die Missstände im eigenen Land, DEUTSCHLAND, übersieht sie getrost, obwohl ihre gute Freundin HANNA vom aggressiven Antisemitismus jener Tage bedroht ist und alles daran setzen muss, um nicht einfach von der Bildfläche zu verschwinden und ihre Cousine zu schützen. So stellt ERIK ARNOUX zwei verschiedene Lebenswege einander gegenüber. Da wird Reise von SIGI HASSLER, so gefährlich sie sein mag, zu einer Art Luxustour, die mit dem wirklichen Leben nicht viel gemein hat.
DAVID MORANCHO, verantwortlich für Zeichnungen und Kolorierung, öffnet dem Leser diese Zeit (wir nähern uns langsam dem Zeitpunkt, da diese Vergangenheit einhundert Jahre zurückliegt) sehr lebendig und anschaulich. Der Leser wird mit einem Schnappschuss aus MACHU PICCHU empfangen, der letztlich nur eine Zwischenstation SIGIS gewesen ist. Grüne menschenleere Weiten, kleine Ansiedlungen, steile Gebirgswege, wo Fahrzeuge einfach nicht das beste Mittel zur Fortbewegung ist und das Pferd immer noch die bessere Alternative. Das ist ein Stück romantisiert, nur um wenig später mit dem gleichen Realitätseifer und einer hohen grafischen Qualität die Kehrseite der Medaille vorzuführen.
Und dabei handelt es sich nur um Eindrücke, die nur in Teilen die Handlung voranbringen und SIGI HASSLER in ihrer Aktion beeinflussen. Die Strecke, von der SIGI gar nichts weiß, dem nämlich, was in BERLIN geschieht, lässt für die Zukunft erahnen, was der Reisenden dort noch bevorstehen wird. DAVID MORANCHO arbeitet mit sehr feinen Outlines und äußerst sanftfarbigen Kolorierungen. So ergibt sich der Eindruck (dafür steht das Titelbild sogar exemplarisch) alter Fotografien oder sogar nachkolorierter Schwarzweißaufnahmen auf der einen Seite, auf der anderen Seite könnten es Zeichnungen sein, die der Künstler vor Ort aquareliert hat.
Augen sagen mehr als tausend Worte. Wer die Zeichnungen von DAVID MORANCHO betrachtet, kann diese Aussage bestimmt unterschrieben. Viele Gefühle lassen sich anhand SIGI HASSLERS Augenpartie ablesen, das zeugt von den Fertigkeiten des Illustratoren und stärkt die sehr filmisch geprägte Umsetzung der Geschichte. Nah an die Charaktere heran, zeigen, wie sie sich fühlen, was sie empfinden. Das reißt einen ohne weitere Erläuterungen mit.
TERRA INCA, die zweite Episode von SIGI, weiß mit ihrer abenteuerlichen dramatischen Geschichte weiterhin zu überzeugen. ERIK ARNOUX erzählt ein sehr ernstes Szenario, in dem einigen Charakteren ein schlimmes Schicksal widerfährt, während und abseits der fulminanten Reise um den Erdball. Dank perfekter Illustrationen von DAVID MORANCHO wird der Leser sehr nah ans Geschehen herangeholt. Die Atmosphäre stimmt auf jeder Seite, ein weiterer Subtext, der den Leser packt. Das sind am Ende Bestandteile des Fundaments, auf dem die Handlung vonstatten geht und einen echten Pageturner kreiert. Für alle Fans von historischen Thrillern und Abenteuern aus den Anfangstagen des 20. Jahrhunderts. Klasse! 🙂
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