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Comic Blog


Sonntag, 25. Juli 2021

STAR WARS – SONDERBAND 133 – OPERATION STARLIGHT

Filed under: SciFi — Michael um 23:04

STAR WARS - SONDERBAND 133 - OPERATION STARLIGHTLIEUTENANT COMMANDER ELLIAN ZAHRA wurde einst von GROSSMOFF TARKIN höchstpersönlich rekrutiert. Später in Misskredit gefallen und vom GROSSMOFF TARKIN zurückgewiesen, konnte sich ELLIAN ZAHRA niemals das Vertrauen ihres Mentors erneut verdienen. Der Todestern explodierte und GROSSMOFF TARKIN gleich mit ihm. Aber ELLIAN ZAHRA erhält eine neue Chance von niemand geringerem als DARTH VADER persönlich. Die Rebellion zu vernichten, ihr Niederlagen beizubringen, ist nahezu denkungsgleich mit ihren Rachegelüsten. Und eine Person will sie ganz besonders treffen: PRINZESSIN LEIA ORGANA.

Angesiedelt zeitlich nach DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK präsentiert der 133. SONDERBAND aus der STAR-WARS-Reihe die OPERATION STARLIGHT. Die Sicherheitscodes der REBELLION können von den imperialen Streikräften geknackt werden. Fortan steht jede Operation auf der Kippe. Doch C-3PO hat eine Idee. Allerdings, wie kann es anders sein, eine, die nicht ungefährlich ist. Die Geschichte fügt sich nahtlos zwischen die Kinoabenteuer ein. Als Gaststars lassen sich nicht nur LEIA und LUKE SKYWALKER finden, sondern auch LANDO CALRISSIAN und der weitaus weniger bekannte LOBOT geben sich die Ehre. Gerade letzterer hat einen bedeutsamen Auftritt. Von diesem hängt der Erfolg des Unternehmens ab.

LOBOTS Fähigkeiten wurden in DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK gerade einmal angerissen. Hier wird näher darauf eingegangen, ebenso wie auf den Hintergrund der Figur, die sehr wortlos agiert. So auch hier. LOBOT muss nichts sagen. Seine Fähigkeiten werden für einen Trick benötigt. CHARLES SOULE gestattet sich noch einen weiteren Trick (erzählerischer Natur). Der AUTOR schlägt eine Brücke zu DAS ERWACHEN DER MACHT, indem die Familie einer der späteren Hauptfiguren genauer beleuchtet wird. Das fügt sich ein in ein Szenario, das Erinnerungen an eine sehr gelungene Roman-Reihe aus dem STAR-WARS-UNIVERSUM weckt, nämlich jene der X-WING-SONDERSTAFFEL unter dem Kommando von WEDGE ANTILLES. Dieser Kampfpilot, eine überlebende Figur von EPISODE IV-VI, ist gleichfalls hier mit von der Partie.

Das bedeutet, CHARLES SOULE nimmt Fans der ursprünglichen Filme mit und lässt die Youngsters der neuesten Trilogie ebenfalls etwas entdecken. Da gibt es eine Menge Action, vor allem im Weltraum, aber eben auch Herz und Drama, nicht nur familiär, sondern genauso in einer echten Männerfreundschaft.

Gleich zwei Zeichner machen OPERATION STARLIGHT zu einem Highlight unter den besten STAR-WARS-Comics. JESUS SAIZ und JAN BAZALDUA sind sich stilistisch sehr ähnlich und höchst nah am Realismus. Die einheitliche Kolorierung von RACHELLE ROSENBERG zaubert eine runde Sache aus den Vorarbeiten der beiden Zeichner, so dass die Unterschiedlichkeit im Strich erst auf den zweiten Blick auffällt.

Die Stilistik setzt auf einen sehr präzisen Strich und kaschiert nichts mit besonders schwarzen Schattierungen. Das wirkt teils etwas zerbrechlich sowie sehr filmisch. Perspektiven und Optik ist hinsichtlich gezeigter Action an die Kinovorlagen angelehnt und kann sich gerade in Sachen Inszenierung erst recht mit neueren Abenteuern wie THE MANDALORIAN messen. Szenen eines imperialen Enterkommandos und eines Übergriffs auf ein imperiales Museum vermitteln das handgemachte Gefühl, mit dem ebenfalls die zwei Staffeln über den behelmten Kopfgeldjäger die Fans begeistern konnte.

Ja, das fügt sich doch hervorragend in den Kanon ein! Ein recht gruseliger Roboter (gruseliger als ein 4-LOM) macht den Rebellen das Leben schwer. Die Optik ist toll! Autor CHARLES SOULE kennt sich aus. Für alte und neue Fans! Sehr schön! 🙂

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VENOM VS. CARNAGE

Filed under: Superhelden — Michael um 22:57

VENOM VS. CARNAGEVENOM war und ist in seinem Umfeld lange Zeit nicht als friedensstiftendes Element bekannt gewesen. Seine Feindschaft mit SPIDER-MAN ist legendär. Als sich ein Abkömmling des Symbionten mit dem SERIENMÖRDER CLETUS KASADY verbindet und so das Monster CARNAGE entsteht, fällt all das ebenfalls irgendwie auf VENOM zurück. Doch nun vermehrt sich selbst CARNAGE. Das rote Monster hat nichts besseres im Sinn als seinen Ableger umbringen zu wollen. VENOM beschließt, nicht mehr nur zuzusehen und den neuen Symbionten zu beschützen.

NEW YORK ist das Revier von SPIDER-MAN und so manchem Gauner. Einer dieser Gauner, im weitesten Sinne und nicht immer auf einer Seite zu verorten, ist BLACK CAT. Athletisch, schlau, ladylike turnt sie ebenso wie SPIDER-MAN durch die Straßen. Und sie ist die erste, die auf PAT trifft, einen echten NEW YORKER COP. Und der neue Träger eines Symbionten. Der Polizist, gerade erst selbst frisch gebackener Vater, erlebt eine Veränderung, die ihn überrascht, abstößt und verängstigt. Doch schließlich muss er sich eingestehen, wer er nun ist: TOXIN.

2004 kam der Vierteiler VENOM VS. CARNAGE in den Handel, der hier in einem Sammelband neu aufgelegt worden ist, pünktlich zum Erscheinen des Trailers zum 2. VENOM-Kinofilm. Denn in der Fortsetzung, die den passenden Untertitel LET THERE BE CARNAGE trägt, bekommt der Zuschauer jenen grauenhaften Symbiontenverbund mit CLETUS KASADY präsentiert. In der vorliegenden Comic-Geschichte sind VENOM und CARNAGE im MARVEL-UNIVERSUM bereits etabliert. Wie das Titelbild es sofort verrät, können sich die beiden Kreaturen auf den Tod nicht ausstehen. Ähnliche Auseinandersetzungen finden sich ebenfalls in der Storyline, kurzum, es geht hier richtig zur Sache!

Aber Autor PETER MILLIGAN hat es nicht bei grober ACTION belassen. Wichtiger ist die Entwicklung von TOXIN, die menschliche Figur des PAT, der hin- und hergerissen ist von dem, was mit ihm passiert. EDDIE BROCK als Wirt für VENOM war etwas zwielichtig, CLETUS KASADY war komplett wahnsinnig, aber PAT als COP und junger VATER ist ein grundanständiger Typ. Kein Wunder, dass CARNAGE seinen Nachwuchs loswerden will. Und kein Wunder, dass er Hilfe von Helden wie SPIDER-MAN und BLACK CAT erhält. PETER MILLIGAN nimmt sich der verzweifelten Seite von PAT an, gibt der Figur Tiefe, orientiert sich ein wenig auch an SPIDER-MAN, denn auch hier gilt der Spruch: AUS GROSSER KRAFT FOLGT GROSSE VERANTWORTUNG.

Das Besondere an VENOM VS. CARNAGE, damals im Jahre 2004 (und auch durchaus heute noch), ist die Gestaltung von CLAYTON CRAIN. Rein digital erstellt (keine 3D-Figuren), gezeichnet, gemalt. Nah am Realismus, was Farben und Schatten anbelangt, stellt sich ein beträchtlicher Filmcharakter der Bilder ein. In Außenszenen, Inneneinrichtungen ist alles ein wenig düsterer. Es regnet in den Straßenschluchten NEW YORKS. Die Beleuchtung ist innen heimelig, außen bedrohlich. In letzterem Ambiente findet sich die richtige Umgebung für Symbiontenträger wie VENOM und CARNAGE.

Das sind Plätze für dunkles Gesindel und für Diebe. Zu letzteren gehört BLACK CAT. SPIDER-MAN ist solchen lichtscheuen Typen auf der Spur. CLAYTON CRAIN hat in Sachen Stimmung alles richtig gemacht, geradezu perfekt möchte man sagen. Mit den menschlichen Figuren muss man sich als Leser anfreunden. Da wirken optische Aspekte der Karikatur mit, leicht überzogen menschliche Züge. Das gerät in eine optische Nähe zu VENOM-Comics von HUMBERTO RAMOS, aber CLAYTON RAIN fühlt sich dann am Ende doch noch ein wenig mehr den Realdarstellungen menschlicher Figuren und Gesichter verpflichtet.

Absolut gigantisch illustriert sind im jedem Fall seine Variaten von VENOM, CARNAGE und selbstverständlich später auch TOXIN. SPIDER-MAN passt sich ebenfalls stark ins Gesamtbild ein. Hier braucht er sich von der Umsetzung nicht hinter den aktuellen Bildern des genannten Kino-Trailers zu verstecken.

Eine Symbiontenhatz der besonderen Art. Bevor VENOM sich aus der Ecke der Superbösewichte und Monster ins Licht von Marvel-EVENTS kämpfte, prallen hier gleich drei Symbionten aufeinander. Starkres Gesamtdesign, tolle Grundstimmung, düster, gruselig, abgründig. WOW! 🙂

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Montag, 19. Juli 2021

DAS SCHICKSAL DER WINCZLAV 1 – VANKO 1848

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:37

DAS SCHICKSAL DER WINCZLAV 1 – VANKO 1848MONTENEGRO im Jahre 1848. VANKO WINCZLAV hat sich in einem kleinen Dorf versteckt, wo er Verletzte versorgte. Solche, die Widerstand gegen die türkischen Besatzer geleistet haben. VANKO wird verraten. Die Häscher sind bereits vor Ort und gefährlich. Doch das Blatt wendet sich. Die Dorfbewohner wehren sich. Eine Tragödie folgt, und Flucht bleibt weiterhin der einzige Ausweg. Mit einer neuen Reisebegleiterin kommt die Gefahr plötzlich von einer anderen Seite, überraschend und ungeplant …

Eine der erfolgreichsten und langlebigsten Comic-Serien im Genre THRILLER der letzten Jahre ist sicherlich LARGO WINCH. Jener junge Mann, der zum Erbe eines Milliardenimperiums wird und fortan auf der großen Bühne der Hochfinanz mitspielt. LARGO WINCH hat seine ganz eigene Vorgeschichte. Seine Familienchronik war bislang ein Geheimnis. Dieses wird nun von JEAN VAN HAMME und PHILIPPE BERTHET gelüftet. Alles beginnt im Jahre 1848 und mit einer Flucht in die Vereinigten Staaten von Amerika. Zu jener Zeit nannte sich der Osten der USA zivilisiert, und der Westen war noch wild.

VANKO WINCZLAV, seines Zeichens ausgebildeter Arzt, kommt mit Nichts in dieses Land. Selbst sein Studium der Medizin wird dort nicht anerkannt. JEAN VAN HAMME beginnt seine SAGA um die Familie WINCZLAV am Nullpunkt einer Existenz. Er nimmt den Leser mit auf die Reise und begleitet ihn bis in die nächste Generation, in der ein VANKO WINCZLAV fast schon wieder in Vergessenheit gerät. Die Familienchronik ist reich an Begebenheiten und Begegnungen. Das liegt allein schon an den vielen Gegensätzen, die in diese Lebensgeschichten einfließen.

Die Geschichte beginnt 1848. In Europa sind bedeutende Umwälzungen im Gange. Im kleinen Montenegro, auf dem Balkan, haben die türkischen Besatzer das Heft in der Hand. Der Titelheld macht sich auf in das, in jenen Tagen, für viele Menschen gelobte Land. Ohne zu ahnen, dass selbst diesem Staat noch ein Bürgerkrieg bevorsteht. Zu Beginn lässt sich JEAN VAN HAMME mit der Erzählung noch Zeit, springt ins Leben seiner Figuren, mitten hinein in einen wichtigen Wendepunkt. Bald wird es etwas sprunghafter, nachdem die Charakterzeichnung sich gefestigt haben. Andernfalls wäre dieser Lebensabschnitt von VANKO WINCZLAV, seinen Söhnen SANDY und MILAN , seiner Frau JENNY und seiner anfänglichen Reisebegleiterin VESKA STOJANOVA in einem (ersten) Band nicht zu erzählen.

Nicht alle Figuren sind die großen strahlenden Helden. Nicht jeder ist mit Stärke und Optimismus bedacht wie vielleicht ein LARGO WINCH. Manche stehen nach Schicksalsschlägen wieder auf (wie ein VANKO WINCZLAV), andere haben Glück und lernen im richtigen Moment die richtigen Leute kennen (wie eine VESKA STOJANOVA). JEAN VAN HAMME verbindet das Schicksal oder den Lebensweg dieser Menschen mit dem Schicksal und dem Weg der Vereinigten Staaten. Namentlich bekannte Unternehmer freuen sich auf den Bürgerkrieg, weil zu diesem Zweck viele Uniformen verkauft werden können. Geld ist der Motor. Nicht nur, aber die stärkste Antriebsfeder der Entwicklung.

Während jedoch später im Osten schon der WILDE WESTEN von gestern ist und ein WILLIAM F. CODY alias BUFFALO BILL mit seiner legendären SHOW tourt und das ÖL im Süden zu enormem Reichtum verhilft, sind den Regierenden und Gierigen im Westen die Indianerstämme immer noch ein Dorn im Auge. Es läuft eine (tiefe) Spaltung durch das Land, ebenso wie durch die Familie WINCZLAV ein Spalt läuft. JEAN VAN HAMME pickt sich anschauliche Stationen aus den diversen Leben heraus. Das ist durchweg spannend, dramatisch, teilweise drastisch. An manchen Stellen anrührend, immer wieder interessant und gut in den historischen Zusammenhang eingebettet, darüber hinaus sehr oft (hat man seine Lieblingsfigur für sich entdeckt) mitreißend.

GRAFIK: Da darf einer nicht vergessen werden (der zu meinen Lieblings-Comiczeichnern gehört, zugegeben)! PHILIPPE BERTHET liefert klare Linien, klare Charakterzeichnungen. Thriller, Krimis und historischen Abenteuergeschichten (2. Weltkrieg) von ihm gab es hierzulande bereits zu lesen. Die Zeichnungen unterstützen den Lesefluss und besitzen eine gewisse Eleganz. Klare Linie ist nicht klare Linie, und PHILIPPE BERTHET ist stilistisch durchaus eigen, sein Wiedererkennungswert eindeutig. Seine Figuren sind etwas verspielt, vielleicht auch leicht lieblich zu nennen. Das Häßliche (sogar wenn es das optisch und charakterlich ist) wird man hier nicht wirklich finden. Besonders wichtig: Seine Bilder ermöglichen einen schnellen Zugang zur Geschichte. JEAN VAN HAMME hat einen tollen Illustratoren für seine Erzählung gefunden.

Der Auftakt einer tollen Familiensaga. DAS SCHICKSAL DER WINCZLAV ist hier eng mit der Geschichte der Vereinigten Staaten verbunden. 13 Jahre vor dem BÜRGERKRIEG erreicht VANK WINCZLAV die USA. Er, seine Familie, ein paar Weggefährten werden dem Land Impulse geben. Besonders in der zweiten Generation. Das ist von JEAN VAN HAMME gut mit den wahren Geschehnissen (und historischen Figuren) in den USA vermischt. Gewohnt fein von PHILIPPE BERTHET illustriert (der hierzulande bereits mit MOTOR CITY, PERICO oder POISON IVY aufgefallen ist). Ein abwechslungsreicher Ritt durch die Jahrzehnte. Filmreif. Klasse! 🙂

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Donnerstag, 01. Juli 2021

WÜSTENSKORPIONE 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 10:16

WÜSTENSKORPIONE 2Lufthoheit bedeutet, die Macht am Himmel zu besitzen. Ein großes Flugzeug ist noch lange kein Garant für das Überleben, denn grundsätzlich sind viele Jäger des Hasen Tod. In diesem Fall sind es gleich drei Doppeldeckerjagdflugzeuge, die CAPTAIN KOINSKY und seinen Kameraden in ihrer behäbigen Maschine das Leben schwer machen. Ohne Möglichkeit einer realistischen Gegenwehr – einer mit Aussicht auf Erfolg – werden sie zur Landung und in Gefangenschaft gezwungen.

DIE WÜSTE: Diese unwirkliche Landschaft, deren Horizont sich immer weiter zurückzuziehen scheint, je energischer man darauf zuhält, spielt mit ihren Figuren. Sie hält sie gefangen. Sie reduziert sie auf das Wesentliche. Sie legt den Charakter frei. Sie zwingt ihn geradezu, sich zu stellen. DAS FORT IN DANAKIL fordert zum Abenteuer heraus. Waghalsig muss man sein, will man seinen Feinden entkommen, um dann doch am Ende zu realisieren, dass die WÜSTE nur ihre Spielchen mit einem treibt. HUGO PRATT zeigt, wie Männer den letzten Ausweg nutzen. Er zeigt, wie der Wahnsinn umgeht, die einen packt, die anderen zwangsläufig mit sich zieht.

DAS FORT IN DANAKIL ist beinahe eine philosophische Geschichte. Man könnte es leichten Tiefsinn nennen, den HUGO PRATT hier anwendet. Lebenserfahrung, Mitgefühl mit seinen Charakteren, das Wissen um KRIEG und WÜSTE vermengt sich zu einer kuriosen Handlung, die einen CAPTAIN KOINSKY (vormals LEUTNANT) mal zu einem Akteur, mal zu einem wissenden Beobachter macht. Wer die klare Front in diesem KRIEG vermisst, wird als Leser sehr schnell feststellen (ebenso wie CAPTAIN KOINSKY), dass es innerhalb der geschilderten Gemeinschaft des Forts von Minifronten nur so wimmelt. Der KRIEG tobt und fordert auch hier seine Opfer.

DRY MARTIN PARLOR, ein Kammerspiel. HUGO PRATT verengt die Räume und lässt dort die Maskerade seiner Figuren fallen. In diesem Fall ist das sogar wörtlich zu verstehen, denn der spätere GASTGEBER von CAPTAIN KOINSKY, KOMMANDANT FANFULLA, ist an LEPRA erkrankt. Als Charakter ist FANFULLA von einem verzweifelten Humor umgeben, eine traurige Gestalt, die den Leser mitnimmt – immer vorausgesetzt, man lässt sich als Leser auf die Geschichte ein. Und wie so oft bei den WÜSTENSKORPIONEN ist der Tod von KOMMANDANT FANFULLA nur eine der traurigen Absurditäten.

Eine andere, außerordentliche Kuriosität betrifft die Darstellung des KRIEGSGERÄTS. HUGO PRATT orientiert sich hier selbstverständlich ebenfalls an der Realität und präsentiert einen ANSALDO-Panzer. CAPTAIN KOINSKYS Begleiter DE LA MOTTE nennt es einen lustigen Panzer. Als sich das Feuer eines im Fahrzeug installierten FLAMMENWERFERS über ihnen zu ergießen droht, ist das Fahrzeug alles andere als komisch anzuschauen. Und szenisch bekommt es die besondere erzählerische Note, wenn HUGO PRATT andere Figuren sich an der Zerstörungskraft des Feuers ergötzen lässt.

FRAUENGESCHICHTEN. Männer in KRIEGEN haben so etwas. In der Literatur und im Film vermischen sich Romanzen und die Auswüchse des Krieges häufiger mal. Mehrere dieser Geschichten hier drehen sich um ADRIENNE. Der Leser sieht sie nicht, dennoch ist sie ein Angelpunkt der Handlung. Sie verkörpert Sehnsüchte, eine glücklichere Vergangenheit, auch Kriegsmüdigkeit. ADRIENNE hat sich mehreren Männern ins Herz und Hirn gebrannt. Nach einer Weile kommt man als Leser nicht umhin, sich seine eigenen Gedanken um ADRIENNE zu machen. Ein schöner erzählerischer Effekt, den HUGO PRATT hier einsetzt.

Wendungen machen die WÜSTENSKORPIONE interessant und abwechslungsreich. Andere Autoren würden sich mit einer erzwungenen Landung und einer Gefangennahme, dem sich daraus entwickelnden Fluchtwunsch begnügen. Bei HUGO PRATT mündet das Szenario in eine Handlung, die unvorhersehbar abläuft, sich an menschlichen Abgründen und Wahnsinn entlanghangelt. Der Krieg, der schlussendlich doch noch ins Spiel zurückkehrt, reißt DAS FORT IN DANAKIL in die Realität zurück. Träumerischer ist DRY MARTINI PARLOR. Wann wurde zuletzt ein Panzer erschossen? Hier geschieht es und als Leser wundert man sich nicht einmal darüber. Hier lässt es sich mehr als nur zwischen den Zeilen lesen. HUGO PRATTs Geschichten, so auch diese beiden hier, inspirieren, unterhalten, machen nachdenklich. War gut, ist gut! 🙂

WÜSTENSKORPIONE 2, Das Fort in Danakil, Dry Martini Parlor: Bei Amazon bestellen.
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