Samstag, 31. Dezember 2016
Zick ist endlich erwachsen. Er studiert an der Universität. Sein wahrscheinlich bester Freund Bombo, mindestens aber der anhänglichste, ist immer für ihn da. Sogar Elena, das Mädchen, mit dem er so viel erlebt hat, gehört ebenfalls zu seinem Leben. Alles wäre in bester Ordnung, gäbe es nicht ein kleines Problem. Zick kann Monster nicht nur sehen, sondern auch bändigen. Die Fähigkeit dazu besitzt er schon lange. Nur, und das ist das Problem, hat er seine eigene Fähigkeit, den Zähm, verloren. Allerdings wurde sie durch einen fremden Zähm ersetzt. Die hingegen beeinflusst Zick nicht zum Guten …
Zick, Elena und Bombo sowie einige andere sind wieder. Im Comic wie in der realen Welt sind seit den ersten Abenteuern von MONSTER ALLERGY einige Jahre vergangen, doch die Magie dieser Fantasy-Welt zündet noch immer. Waren Zick und Elena in der Vergangenheit Kinder, bringt das Erwachsensein neue Herausforderungen mit sich. Natürlich müssen diverse Kenntnisse und Fähigkeiten weiterhin vor den normalen Menschen geheim gehalten werden. Da sich Zick und Elena bald schon auf den Weg ins Hohe Waffenlager des Matterhorns machen, müssen sie sich darum erst einmal keine Gedanken mehr machen.
Der einleitende erste Teil der Handlung berichtet Neueinsteigern alles Nötige, um gleich in der fantastischen Welt zu einzutauchen. Das Autorenduo, Katja Centomo und Francesco Artibani, schaffen den Spagat, für Stammleser einen schönen Anschluss hinzulegen und neuen Fans alles nötige Rüstzeug an die Hand zu geben, um der Geschichte zügig zu folgen. Spätestens mit der zweiten Hälfte, wenn sich die Abenteurer von der echten Welt verabschieden und in eine parallele Realität im wahrsten Sinne des Wortes hinaufklettern, zeigen sich die Stärken von MONSTER ALLERGY.
Grafisch werden sich Fans der Reihe direkt einfinden dank Zeichner Federico Nardo, der von den Autoren Katja Centomo und Francesco Artibani zurück ins Boot geholt wurde und sich durch seine Arbeiten an der Ursprungsserie bestens im MONSTER-ALLERGY-Universum auskennt. Neulingen sei der Serienstart ans Herz gelegt, wenn sie Mangas (oder auch Animes) der fantastischen Art mögen, vielleicht Abenteuer mit tollen Kreaturen abseits von Ben 10 oder Atlantis suchen und sich über ebensolche netten Hauptfiguren freuen. Optisch reiht sich Federico Nardo mit seiner Technik in diesen modernen Zeichentricklook ein.
Bombo der heimliche Star aus MONSTER ALLERGY hat jenes Sympathiepotential, mit dem ebenfalls ein Chewbacca bei Freunden fantastischer Geschichten punkten konnte. Bombo ist ein Monster. Er ist nicht ganz so schlau, sehr verfressen, noch viel treuer und ein Spaßvogel. Bombo ist ein Tollpatsch und für den Rest der Welt unsichtbar (außer natürlich für die Bändiger). Seine Trampeleien hingegen sind für alle spürbar. Riesenkörper, rot mit schwarzen Punkten, Riesenmaul, Schwanz, pummelige Extremitäten, Kulleraugen, die rausfallen können, kurzum Bombo kommt als Kreuzung aus Teddy und Dino daher, eine rundum knuffige Gestalt. Allein dafür lohnt sich die Lektüre dieses MONSTER-ALLERGY-Bandes.
In der ersten Hälfte eine gelungene Fortsetzung und gleichzeitig Neuauftakt, in der zweiten Hälfte schöne und abenteuerliche Fantasy-Action. Toll für Kids! 🙂
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Dienstag, 20. Dezember 2016
Flash Thompson hat als Agent VENOM eine weite Reise hinter sich gebracht. Er kämpfte an der Seite der GUARDIANS OF THE GALAXY, doch nun ist er allein. Flash hat Geschmack an seiner Funktion als kosmischer Ritter und eilt nun von Krise zu Krise zu Krise … Inzwischen ist klar, dass es sich bei dem Symbionten, den er mit sich trägt, um einen Klyntar handelt, ein außerirdisches Lebewesen. Und ganz entgegen den Erfahrungen, die SPIDER-MAN immer wieder mit VENOM gemacht hat, hat sich der Symbiont nun erholt, hat alle seine Sinne beisammen und ist eine effiziente Verbindung mit dem ehemaligen Soldaten Thompson eingegangen.
Ein Superheld, dem unterhalb der Knie die Beine amputiert wurden und dank eines Symbionten zu einem Retter im Kosmos geworden ist. Nicht zum ersten Mal bereist ein MARVEL-Held die Weiten des Alls. Die erwähnten GUARDIANS, NOVA natürlich, aber auch die AVENGERS haben sich im Weltraum herumgetrieben. Mit VENOM: SPACE KNIGHT wandelt der Mensch unter dem Symbionten, Flash Thompson, ein wenig auf den Spuren einer Green Lantern, denn ein Agent des Kosmos ist nicht völlig auf sich allein gestellt.
Autor Robbie Thompson (bestimmt nicht verwandt oder verschwägert mit Flash) spielt mit den Fähigkeiten des Symbionten und zieht aus der Kulisse ähnliche Register wie es die Macher von STORM taten, allerdings darf außerdem nicht PER ANHALTER DURCH DIE GALAXIS vergessen werden. Flash Thompson erhält den Roboter 803 als Reisebegleiter, dessen einziger Wunsch es bis zu diesem Zeitpunkt ist, zerstört zu werden. Hier finden sich kleine Parallelen zum deprimierten Marvin aus dem Anhalter. Hier spielt einer gekonnt mit dem sehr weiten Genre. Autor Robbie Thompson kennt sich auf der kurios gruseligen Seite der Fantasie weidlich aus, schließlich gehört er nicht umsonst seit Staffel 7 zum Autorenteam von SUPERNATURAL.
Wer Spaß an Star Wars hat, national betrachtet an Perry Rhodan, oder an Werken von Comic-Künstler Don Lawrence, etwa Storm oder Trigan, der wird die Arbeit von Ariel Olivetti lieben. Olivetti zeichnet keine Comics, der Argentinier malt sie. Jedes Bild besitzt Posterqualität. Hierzulande konnte er mit dem Crossover Superman / Batman / Predator / Aliens eine optisch faszinierende Graphic Novel vorstellen. Ariel Olivetti nimmt sich gerne möglichst viel Raum für seine Bilder und Robbie Thompson legt die Geschichte so an, dass der Argentinier auch die Gelegenheit dazu erhält.
Einige ganzseitige Bilder gönnt sich Ariel Olivetti. Darüber hinaus arrangiert er die Einzelbilder einer Seite gerne so, dass ein toller cineastischer Eindruck entsteht. Die Grafiken verströmen nicht nur modernes Flair. Durch das Design der Figuren schleicht sich auch das wunderbare Flair früherer SciFi-Jahre ein. Hier könnte ganz im Stil der 1930er oder 1940er Jahre gleich ein anderer Flash, nämlich Flash Gordon um die Ecke kommen. Schöne Einfälle werden hier gekonnt umgesetzt. Anklänge an irdische Mythologie finden sich hier ebenso wie Vermischungen verschiedener, teils putziger Erdentiere, die ein spaßiges wie groteskes Auftreten haben.
Ein grafischer Knaller! Comic-Künstler Ariel Olivetti ist längst kein Geheimtipp mehr, dennoch sei dieses Weltraumabenteuer jedem ans Herz gelegt, der es bunt, einfallsreich, modern und nostalgisch zugleich mag und dazu noch mit 150prozentiger Perfektion illustriert. Klasse! 🙂
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Freitag, 16. Dezember 2016
Wer aufwacht, sicher ist, umgebracht worden zu sein und nicht weiß, ob sich der Mörder noch in der Gegend herumtreibt, hat ein Problem. Rachel hat dieses Problem. Doch mit ihrer Unsterblichkeit gehen auch Fähigkeiten einher, die es ihr ermöglichen könnten, eine Spur des Unholds zu finden. Im kleinen Städtchen reihen sich seltsame Vorkommnisse aneinander. Malus, der die Hölle auf Erden bereiten will und neben Lilith sein Unwesen treibt, versucht einen gehorsamen Nachkommen heranzuzüchten. Lilith hadert mit sich, zieht sich zurück und wird trotzdem von den Menschen eingeholt, von der alten Feindschaft mit Malus und einer ebenso uralten Freundschaft mit Rachel. Jeder scheint eine letzte, alles entscheidende Konfrontation zu suchen.
Terry Moore löst die einzelnen Knäuel auf. Er macht es weiterhin in Schwarzweiß, so dass allzu blutige Passagen dem Leser immer noch genug Vorstellungskraft abverlangen. Aber Blut ist nicht alles. Terry Moore versteht sich auf Mystery. Das hat er bisher weidlich bewiesen. Aber er versteht sich ebenso auf absurd überdrehten Splatter. Lilith hat hier ihre Momente, aber auch die menschlichen Charaktere können locker mithalten. Terry Moore schafft es hier mit Bravour eine typische CSI-Szene auf die Spitze zu treiben. Mehr Autopsie geht nicht!
Ein Meister der Momentaufnahme. Terry Moore stellt die Beziehungen der Charaktere zueinander hervorragend dar. Ihm gelingen die kleinen Dialoge, die mehr aussagen als bloße Worte, aber er versteht sich auch auf die beinahe wortlosen Szenen. Bestes Beispiel hier ist das noch junge Pärchen Earl und Jet. So zufrieden kann Zweisamkeit aussehen. Und so fein kann sie dargestellt werden. Aber Zweisamkeit bleibt hier die große Ausnahme, denn das Hauptthema dieser 7. Ausgabe mit dem Untertitel STAUB ZU STAUB ist eindeutig Rache. Mittlerweile ist genug geschehen, um (fast) jeder Figur genug Motivation für einen brutalen Akt gegen alles und jedermann mitzugeben.
Lilith ist so eine Figur. Sie besitzt einen Groll gegen den Menschen und alles, wofür diese Art steht. Mitleid ist ihr nahezu fremd geworden. Mitgefühl besaß sie einmal. Das zeigen Rückblicke. Inzwischen ist davon selbst der kleinste Funke erloschen. Gewalt macht den Figuren keinen Spaß. Oft ist es ein Ventil. Wo andere schreien, massakrieren sie. Es ist zu ihrer Natur geworden und geschieht mehr nebenbei. Terry Moore inszeniert derartige Szenen mit voyeuristischer Kälte. Seine Figur Lilith ist ein guter Träger für derlei Szenen, stets zwischen roboterartigen Vorgehen, Selbstkontrolle und einer jahrhundertealten Depression schwankend.
Ein schwarzweißes infernalisches Finale. Irgendwann überspannen selbst die Bösen den Bogen. Dann kracht es. Terry Moore hat seinen Figuren viel Geduld abverlangt. Schließlich präsentiert er das auslösende Ereignis für das Ende und die letzten Auseinandersetzungen. Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird. Genauso hält es Terry Moore. Und gerade die unterdrückte Wut, die Moore Lilith und letztlich auch der Titelfigur Rachel mit auf den Weg gibt, treibt die Spannung im letzten Viertel der Geschichte auf die Spitze. Klasse!
Terry Moore, durchweg ein Meister einer klaren Linie und eines perfekten Tuschestrichs, bringt hier seinen Mystery-Thriller um Rachel und ihre Freunde mit Paukenschlag zum Abschluss. Wer das Genre mag, neue Ideen abseits des Mainstreams sucht, kommt hier auf seine Kosten. Übersetzt gesprochen: RACHEL RISING lechzt geradezu nach einer Serienverfilmung. Gesamtnote: Sehr gut! 🙂
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Mittwoch, 14. Dezember 2016
Angriff auf BATMAN! Das kennt der Dunkle Ritter. Er hat wahrhaftig gelernt, damit umzugehen. Aber diese neue Sorte macht ihm schwer zu schaffen. Sie erfolgte heimtückisch und überaus geschickt aus dem Hinterhalt und gleich an zwei Fronten. BATMAN findet schnell einen ersten Hinweis, doch von der Lösung des Falls, in dessen Mittelpunkt er selbst steht, ist er weit entfernt. Sogar wortwörtlich, denn er ist gezwungen, Gotham City zu verlassen und sein Jagdgebiet auf EUROPA auszuweiten. Seine erste Station lautet BERLIN.
BERLIN, PRAG, PARIS und ROM. Große Städte, große Namen. Hier fallen die beiden ewigen Gegenspieler, BATMAN und JOKER, ein. Weil beide von derselben Krankheit befallen sind, agieren sie gemeinsam. Eine sehr unglückliche Mischung, die dauerhaft von Misstrauen geprägt ist. Autor Brian Azzarello und Kollege Matteo Casali schmieden hier ein Paar zusammen, das nur unter Zwang gemeinsam handeln kann. Und selbst dann befindet sich BATMAN im Zweifel, oder der irre Clown an seiner Seite nicht doch plötzlich seine Aggressionen gegen den Dunklen Ritter richtet.
BATMAN EUROPA bietet einerseits ein gewohntes Bild der beiden Erzfeinde, andererseits ist die Präsentation dunkler, (alp)traumhafter und viel, viel bedrohlicher als gewohnt. Selbst der bei DC-Fans allseits bekannte Jim Lee, der mit seinen Arbeiten zu BATMAN und SUPERMAN viel Aufmerksamkeit erregte, reiht sich stilistisch in die surreale Atmosphäre dieser Reise nach EUROPA ein. Denn optisch wird an allen Ecken nach einer Veränderung gesucht. Hier findet sich eine aquarellartige Kolorierung. Ebenso sind, höchstwahrscheinlich computerisiert, Buntstifte und Kreide und Ölfarbe zum Einsatz gekommen.
Die grafische Krönung ist die Ausreizung optischer Eindrücke, wenn in der PARISER Episode versucht wird, einen scheinbaren 3D-Effekt zu erzielen, mit künstlerischer Fotoverfremdung inklusive. Man stelle sich gedruckte 3D-Vorlagen für die gute alte 3D-Brille vor, diese teilweise etwas verschwommen, an anderen Stellen übersch?rft. Hinzu kommt ein künstlerischer Eindruck, etwa, wenn Werke eines H. R. Giger im Vollrausch konsumiert würden. Seltsamerweise passt die Optik zur wahnsinnigen Handlung, auch hier mit einem wahnsinnigen JOKER inklusive.
Wahn mit Methode. BATMAN und JOKER sind schwer krank. Die Optik versucht gerade diesen Aspekt, die immer schwächer werdenden Helden auf ihre Art auszudrücken. Das funktioniert oft, ist aber im Ausdruck (Vorsicht Wortspiel) manchmal zu erdrückend. Faszinierend anzuschauen, gar keine Frage, nur passt es, sobald es zu krass wird, nicht mehr so ganz zu einem BATMAN-Abenteuer.
Zu ungewöhnlich für den BATMAN-Otto-Normalleser. Wer sich mit den üblichen Events innerhalb der Comic-Universen anfreunden kann, dem normal agierenden BATMAN folgt, wird mit diesem Experiment nicht ganz so viel anfangen können. Wer sehen möchte, wie sich ein Superheld einmal anders ausprobiert und durchaus neues Potential entdeckt, sollte einen Blick riskieren. 🙂
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Sonntag, 11. Dezember 2016
Es waren einmal Spider-Men … Nach dem Zusammenbruch des ultimativen Universums hat sich ein Spider-Man in die andere Welt retten können. Und nun gibt es neben Peter Parker auch noch Miles Morales. Miles ist schwarz, so jung wie Peter einst war, als ihn die radioaktive Spinne gebissen hat und geht auch noch zur Schule. Sein Kostüm ist hauptsächlich schwarz, wirkt wie eine positivere Venom-Variante und tatsächlich hat er mit seinem Venom Blast eine Fähigkeit, die der alte Spider-Man nicht besitzt. In Sachen Feinde jedoch können sich beide die Hand reichen, denn es sind die dieselben Halunken, die es auf die Spinnenmänner abgesehen haben.
MILES MORALES ist als SPIDER-MAN ein ähnliches Reboot, wie es die Figur demnächst auf der Kinoleinwand erlebt. Auch die Konstellation ist ähnlich. Dieses Zurück-zu-den-Wurzeln wird hier sehr gut in die Gegenwart umgesetzt, da Peter Parker im normalen MARVEL-Universum gestattet wurde, sich ordentlich zu entwickeln, auch mal eine Spur zu altern und längst aus den Teenager-Problemen herausgewachsen ist. Brian Michael Bendis, der damals auch den ersten ULTIMATIVEN SPIDER-MAN geschrieben hat, nimmt sich ebenfalls der neuen Version an.
Was ist anders? Nun, erst einmal wurde dieser SPIDER-MAN nicht im normalen MARVEL-Universum geboren. Jetzt ist er hier, einiges hat sich für ihn verändert, teils zum Besseren, doch die Eingewöhnung fällt verdammt schwer. Natürlich ist die Umwelt neugierig auf den neuen SPIDER-MAN. Das macht dem Jungen, der sein Geheimnis mit nur ganz wenigen Eingeweihten teilt, schon Probleme. Schwierig wird es, als sich eine ganz besondere Person in sein Leben einmischt, nämlich seine Oma. Miles Morales besitzt nicht jenen Humor, mit dem Peter Parker so oft punkten konnte, deshalb muss Brian Michael Bendis sich ein paar andere Möglichkeiten ausdenken, um die Szenerie aufzulockern. Mit der Oma ist ihm das gelungen.
Grafisch: WOW! Sara Pichelli versteht sich aufs Zeichnen! Sie gehört zu jener Künstlerriege, die dem Superrealismus verpflichtet scheinen. Jim Lee oder Bryan Hitch spielen auch in dieser Liga. Zur Abgrenzung jener Künstler, die ziemlich harte Kerle zu Papier bringen, tendiert Pichellis Stilrichtung ein wenig gen Frank Cho, der seinen Figuren eine Spur Humor anzeichnet. Das passt erst recht bei Figuren wie besagter Oma oder Spideys bestem Freund Ganke.
Auftritt: SPIDER-MAN. Der Einstieg der Geschichte findet sich just in dem Moment, als der Kampf eigentlich schon vorbei ist. Die Avengers liegen geschlagen am Boden und der junge SPIDER-MAN steht allein einem annähernd drei Meter großen Dämonen namens Blackheart gegenüber. Der Sohn von Mephisto hätte auch der Comic-Reihe Der Schwur des Ambers entsprungen sein können. Die optische Wirkung ist blanker Clive-Barker-Horror. Das ist ein gelungenes Wechselspiel zu den später auftretenden klassischen Schurken, die SPIDER-MAN das Leben schwer machen. Sara Pichellis Bilder erhalten durch den Top-Koloristen Justin Ponsor eine filmische Tiefe.
Was für ein Einstand im altehrwürdigen MARVEL-Universum! Eine klasse Gelegenheit für jugendliche Einsteiger zum Erkunden an der Seite einer Figur, für die ebenfalls vieles neu ist. Ein grafisches Sahnestück ist es sowieso. Klasse Start! 🙂
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Montag, 05. Dezember 2016
Eigentlich sollte Batman sich zurücklehnen und beobachten, wie jemand seine langjährigen Gegner aus dem Weg räumt. Er hat sie oft genug gejagt und bekämpft und zurück nach Arkham Asylum gebracht. Aber er wäre nicht der Dunkle Ritter mit dem besonderen Ehrenkodex, ließe er sich von einem minderen Gefühl leiten. Und so macht sich Batman auf die Suche nach dem Killer, der seine schlimmsten Feinde töten will. Dabei macht er absonderliche Erfahrungen mit dem Riddler ebenso wie mit Two-Face. Andere Feinde, da gibt sich Gotham, die Gangsterstadt, wenigstens solide, bleiben sich treu und wollen Batman schaden, wo und wie sie nur können. Eine Geheimgesellschaft mischt hier an vorderster Front mit, doch der Dunkle Ritter hat eine neue Methode zur Infiltration gefunden und ist ihnen haarscharf auf den Fersen.
In zwei groß angelegten Handlungssträngen erwachen die BATMAN ADVENTURES zu neuem Leben. DIE GESELLSCHAFT DER SCHATTEN und DIE FALSE FACE SOCIETY verlangen dem Mitternachtsdetektiv alles ab. Auf rund 250 Seiten widmet sich der vorliegende Band den beiden erfolgreichsten DC-Zeichentrickserien der 90er des 20. Jahrhunderts. BATMAN sowie BATMAN UND ROBIN waren in jener Zeit wegweisend und nutzten den Erfolg der beiden Verfilmungen mit Michael Keaton als Startschuss. Gleichzeitig schob der Erfolg der beiden Serien um BATMAN auch eine Zeichentrickserie von SUERMAN ähnlicher Machart an.
Die hier gezeigten Grafiken greifen das Ambiente der Serien auf, eine gelungene Verbindung eines düster kantigen Fledermaushelden, etwas Film Noir und die Leichtigkeit eines makabren Humors, der besonders von Joker und Harley Quinn getragen wird. Pupsie, wie der Joker von Harley auch liebevoll genannt wird, ist zeitweilig wegen einer Gehirnwäsche aus Arkham nicht ganz bei sich und benötigt erst einmal Starthilfe, um wieder ganz der Alte zu werden. Der Comic schafft es, die inhaltliche Düsternis der Zeichentrickvorlage einzufangen, ist aber bei weitem optisch nicht so dunkel wie die Bildschirmfassung. Hier musste die Comic-Umsetzung Abstriche machen.
Darüber hinaus aber haben die Autoren Ty Templeton und Dan Slott ihre Hausaufgaben gemacht. Beide sind fest im Comic-Business und in verschiedenen Comic-Universen verwurzelt. Mit BATMAN haben beide einschlägige Erfahrungen gemacht. Das Projekt BATMAN ADVENTURES ist für Templeton und Slott wie ein Heimspiel. Die feinen Zeichnungen von , aber auch Ty Templeton (ja, ist hier in Doppelfunktion unterwegs) greifen einerseits die Leichtigkeit des Originals auf, andererseits bleiben sie natürlich hinter der in den letzten Jahren erwachsenen Ernsthaftigkeit sonstiger BATMAN-Abenteuer zurück. Mord und Totschlag ist hier ein Thema, aber eher eines, das wie in der legendären Serie aus den 60er Jahren daherkommt.
Schurken wie den Joker oder Two-Face sieht der Leser, mittlerweile auch der Kinogänger häufiger. Die Geschichte über die FALSE FACE SOCIETY fügt einige seltenere Gäste hinzu. Neben einem freilich seit SUICIDE SQUAD bekannteren Deadshot finden sich das PHANTOM, FIREFLY oder der BRONZE TIGER, Figuren also, die eine sehr populäre Phase hatten, aber länger nicht mehr im großen Stil zum Einsatz kamen. Diverse redaktionelle Vorstellungen mancher Figuren runden etwaige Wissenslücken von Stammlesern ab. Neueinsteiger finden sich ebenso zurecht. Denn dank der Erzählweise eignen sich die ADVENTURES gut für jugendliche Comic-Einsteiger.
Mission erfüllt. Schwungvolle Fortführung des Zeichentrickklassikers aus den letzten 90er Jahren, auf den Strich genau gezeichnet und mit dem Geist der damaligen Serie erzählt. Für BATMAN-Neueinsteiger ebenso wie für gestandene Fans. 🙂
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Freitag, 02. Dezember 2016
Timo und Luce befinden sich in einem Überlebenskampf. Noch ahnen sie nichts davon, dass sie als Sklaven verkauft werden sollen. Aber Timo hat einen Freund, klein zwar, aber findig und voller Fähigkeiten, die von den Kindern ebenfalls nicht vorhergesehen werden konnten. Derweil tobt andernorts ein Partisanenkrieg. Die fremden Besatzer, die sich, dank einer überlegenen Technologie und ihres brutalen Vorgehens, in dieser Welt einigeln konnten, werden bei ihren Patrouillen immer öfter angegriffen und vernichtend geschlagen.
Wäre DER RING DER 7 WELTEN ein Filmset, würde es wohl einen höchst beeindruckenden Drehort abgeben. Im Kern spielt die Handlung auf oder in der Nähe einer schwebenden Stadt. Hinzu kommen die nicht zu vernachlässigenden Luftschiffe. Zeichner Matteo Piana und Kolorist Davide Turotti erschaffen eine verwinkelte Welt, scheinbar aus Teilen, die gerade zur Hand waren, zusammengehämmert. Hier passt nichts richtig, hier wurden Reste einer vergangenen Welt verbaut. Blech wurde wild vernietet, Versorgungsrohre laufen überall, ohne erkennbares Muster an den Wänden entlang.
Das Set könnte optisch einem Zeichentrickfilm entsprungen sein, hier noch mehr als in drei Vorgängerbänden. SCHICKSALSBANDE, so der Untertitel des 4. Abenteuers, schließt den Vierteiler als durchgehendes Finale ab. Der Junge Timo und das Mädchen Luce werden zu Schlüsselfiguren im Niedergang und Neubeginn einer Zivilisation. Waren die bisherigen Ereignisse bereits sehr abwechslungsreich und voller ungewöhnlicher Ideen, toppen die beiden Autoren Giovanni Gualdoni und Gabriele Clima noch einmal, indem sie besonders Timo eine spezielle Rolle zukommen lassen.
Timo besitzt nicht nur eine ausgefallene Gabe, er verfügt auch über das Talent, andere Menschen für sich einzunehmen. Dafür strengt er sich nicht einmal an. Die beiden Autoren haben ihn als Jungen angelegt, der eine ungezwungene Sympathie verströmt. Seine Beziehung zu Edon, einem kleinen Gestaltwandler, bringt ein märchenhaftes Element in die Geschichte ein. Gualdoni und Clima haben hier ein ähnliches Gespür für solche Verquickungen wie ein Loisel.
Zurück zur kriegerischen Auseinandersetzung, die im RING DER 7 WELTEN eine Kernrolle spielt. Die Optik wird von jenen Anime-Fans, die Filme mit archaisch technischem Hintergrund mögen, sofort ins Herz geschlossen werden. Dabei handelt es sich nicht japanische Comic-Künstler, sondern um ein italienisches Duo (Zeichner, Kolorist), das hier am Werk ist. Der Ausdruck der Figuren, die Atmosphäre, vermischt mit etwas Underground-Stil ergibt den perfekten Endzeit-Anime. Matteo Piana und Davide Turotti haben sich seit der Entstehung von DER RING DER 7 WELTEN in ein anderes SciFi-Universum, nämlich Star Wars begeben, wo sie an den Comic-Umsetzungen der Kinofilme beteiligt sind. (siehe Link)
Toll wirkt die weiche Farbgebung. Hier wechseln sich monochrome Eindrücke mit stimmigen, sehr intensiven nächtlichen Szenen ab. Licht in Form von Feuer oder Explosionen bedeutet stets Gefahr. Davide Turotti geht perfekt mit Licht und Schatten um und erzeugt eine sehr tiefe Szenerie, was letztlich den Zeichentrickeffekt um ein Vielfaches erhöht. Die Bilderabfolge von den Details der Wolkenstadt, den Straßenzügen, dem Kabelgewirr hinaus auf Abstand in die Wolken hat etwas von einem Storyboard, einer Filmvorlage für eine Kamerafahrt.
Ein schöner Knaller, weil die Geschichte und die Umsetzung einmal für Alben eine völlig andere sind. Unvorhersehbar erzählt, mit asiatischem Einschlag grafisch gestaltet ist DER RING DER 7 WELTEN ein kleiner Geheimtipp. Die Kenntnis der drei Vorgängerbände ist ein Muss, da es sich um eine sehr dicht zusammenhängende Geschichte handelt. Für Fans von Animes und Weltuntergangsszenarien. 🙂
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Links:
Blog von Matteo Piana
Making Star Wars mit Matteo Piana und Davide Turotti