Zum Inhalt springen


Comic Blog


Sonntag, 03. Juni 2012

Cancer Woman – Eine wahre Geschichte

Filed under: Biographie — Michael um 18:24

Cancer Woman - Eine wahre GeschichteEin Comic über Krebs? Geht das? Darf man das? Der Comic als Ausdrucksform zu diesem sehr ernsten, schweren Thema funktioniert aus dem Erfahrungsschatz der Autorin und Zeichnerin Marisa Acocella Marchetto sehr gut. Plötzlich ist da ein Schmerz im Arm, wird ein Knoten in der Brust ertastet. Stoßgebete helfen nichts. Der Knoten verschwindet nicht von selbst. Marisa Acocella Marchetto nimmt die Leserin, den Leser von Anfang an bei der Hand, beantwortet Fragen, die sie selbst hatte. Wie ist der Ablauf der Diagnose, der Behandlung, der Heilung? Eine emotionale Achterbahnfahrt durch Marchettos Leben, die mitnimmt, auch zwischendurch aufmuntert, sogar Mut macht. Denn wie Marchetto ihr Comic-Ich dem Tod ins Gesicht schnauzen lässt: Ich tret dir in den Arsch …

Ein ganz normales Leben bis zur Diagnose. Plötzlich und auch langsam nehmen die Veränderungen immer mehr Platz ein. Wirre und klare Gedanken wechseln einander ab. Die junge Frau dieser wahren Geschichte gerät vom Leben einer Frau auf der Suche nach einem Platz, Jobs, einer Partnerschaft, Freundschaften plötzlich in eine Enge, die aus der Diagnose heraus entsteht. Gerade noch dachte sie, sie habe alles im Griff. Dann verändert sie sich, wird ängstlicher, forscht nach, holt weitere Ärztemeinungen ein. Was kann getan werden? Die Freunde wissen etwas. Sie wissen viel und nichts. Sie kennen jemanden mit Erfahrung. Die Mutter greift wieder in das Leben ein, nervt mit Ratschlägen und wird doch dankbar gebraucht.

Brustkrebs. Die Diagnose bedeutet nicht gleich das Ende des Lebens. Es gibt Chancen, auch das Leben will weitergelebt werden und es will auch, dass darum gekämpft wird. Marisa Acocella Marchetto lässt die Tücken in der Behandlung, im eigenen Umfeld außen vor und vergisst auch nicht das mangelhafte Versicherungssystem in den USA, in dem eine Krankenversicherung für den Einzelnen beileibe keine Selbstverständlichkeit ist. Marchetto beschreibt auch eine Frau voller Fragen, die nur natürlich sind in dieser Situation. Sie beschreibt aber auch ein Umfeld voller kurioser, wie auch naheliegender Vermutungen.

Woher kommt der Krebs? Liegt es an den ganzen Hühnern, die man sein Leben lang isst? Samt der ganzen Hormone, die man mit zu sich nimmt? Was ist mit der Hormonbelastung durch die Pille? Wie schädlich ist Mammographie? Chemotherapien und Bestrahlungen sollen den Krebs bekämpfen, schädigen aber auch den Rest des Körpers. Was sich hier durchweg ernst, auch düster liest, wird von Marisa Acocella Marchetto zeitweilig auch mit Humor berichtet. Galgenhumor, schwarzer Humor, auch solcher, den der Leser vielleicht eher in einer Sitcom vermuten würde und leichter, sehr menschlicher Humor, mit dem nicht nur erzählt wird, die Erzählerin auch ein Stück Sicherheit für sich selbst in ihrer Situation schafft.

Leichte Grafik. Dem sehr ernsten Thema setzt Marisa Acocella Marchetto leicht skizzierte, auch bonbonbunte Bilder gegenüber, deren Seitenaufbau stets variiert. Marchetto arbeitet manchmal sehr klein, stilisiert, abstrakt, in gewissem Sinne in Popart. Sie zeichnet das Leben, die Träume und Alpträume, dringt mit ihren Zeichnungen in Gedanken vor, entblößt die Bedeutungen hinter Gesprächen und entblättert Wunschvorstellungen. Da sind die Linien etwas krumm, krakelig, locker flockig dahin gezeichnet. Zeitweilig fühlte ich mich an die alte Zeichentrickserie Es war einmal der Mensch erinnert. Nicht ganz so rund sind Marchettos Figuren, aber sicherlich auch mit einer gewissen Knuffigkeit, die das Thema mit dem gleichen Humor der Erzählung etwas enternsten.

Marisa Acocella Marchetto weiß, wovon sie spricht und zeichnet. Sie selbst stellte sich in den Mittelpunkt des Comics und all den Erlebnissen und zeichnete ihren Krankheitsverlauf auf. Sie konnte den Kampf gegen den Krebs gewinnen (keine überraschende Neuigkeit, da sie schließlich diesen Comic über ihre Erfahrungen gemacht) und gibt so ihre Erfahrungen weiter. Außerdem fließt ein Teil der Einnahmen, die über den Verkauf von Cancer Woman zustande kommen, in einen Fond, der Mammographien zur Früherkennung von Brustkrebs finanziert.

Nah dran am Leben, warmherzig beschrieben, heiter, mitunter eindringlich im Cartoonstil gezeichnet, ohne dem Thema den nötigen Ernst zu entziehen. Sehr informativ, ohne plakativ oder respektlos zu sein, kein Wunder, da die Autorin über sich selbst schreibt, nichts beschönigt und anscheinend wenig verschweigt. Sehr gut. 🙂

Cancer Woman, Eine wahre Geschichte: Bei Amazon bestellen

Freitag, 01. Juni 2012

Das Schwert 4 – Luft

Filed under: Mystery — Michael um 21:06

Das Schwert 4 - LuftDara Brighton hat den Kampf gegen den Beherrscher der Erde für sich entschieden. Ein Triumph bleibt ihr trotzdem verwehrt. Denn Malia, die letzte, noch verbliebene Göttin und Beherrscherin der Luft, zieht mit einem Trick ins Feld. Während Malia in Manhattan vor die Weltöffentlichkeit tritt und Spekulationen über die wahnwitzigen Aufnahmen, die in den letzten Tagen über die Kanäle gingen, ein Ende bereitet, müssen Dara und ihre Freunde einen Weg finden, um aus Mexiko in die USA zu kommen. In höchster Not gelingt ihnen die Kaperung eines kleinen Flugzeugs. Aber die amerikanische Luftwaffe ist nicht gewillt, die Frau mit dem Schwert einfach so gewähren zu lassen.

Luft. Eine überaus starke Macht, nicht weniger beeindruckend als die vorherigen Naturgewalten, die von den vier Göttergeschwistern beherrscht wurden. In der Gestalt einer attraktiven jungen Frau schwingt sich der letzte Feind von Dara Brighton in die Lüfte, bereit zum finalen Kampf, nachdem sie sich nun in der Position wähnt, das Duell für sich zu entscheiden.

Finale. Bei der vierten und abschließenden Folge von Das Schwert dürfte es sich um eine der spannendsten Finalfolgen handeln, die ich bislang lesen durfte. Schrieben und zeichneten die Gebrüder Luna mit den bisherigen drei Folgen schon Geschichten, die nur mit den Worten drastisch und dramatisch tituliert werden konnten, ist der letzte Kampf der Hauptfigur Dara Brighton mit der über die Luft gebietenden Malia nicht nur ein Höhepunkt des Fantasy-Comics, vielmehr des gesamten Genres. Man gewinnt den Eindruck, dass die Gebrüder Luna sich selbst keine Grenzen auferlegt haben. Ein Paradebeispiel hierfür ist der wirklich spektakuläre Ritt auf einem Harrier-Jagdflugzeug (den nicht einmal Eliza Dushku in True Lies hinbekommen hat).

Das Schwert ist häufiger eine zentrale Waffe in Mythen, in Comics, Filmen oder Romanen. Abgesehen vom sehr bekannten Excalibur ist das Schwert, eine spezielle Waffe, wie in diesem Fall, aber selten von solcher Bedeutung. Die Gebrüder Luna haben keine Schmuckwaffe entworfen, sondern in der Tat ein Werkzeug, das nur für den Zweck des Tötens geschaffen worden ist. Ein stabiler Griff, ein breiter Klingeneinsatz, eine lange Klinge mit leicht geschwungenem Blatt. Optisch ist es keine Waffe, die man in der Hand einer jungen Frau vermuten würde. Als Nahkampfwaffe und Instrument für grauenhafte Wunden wird es hier auch für Schockeffekte verwendet, die selbst in der sehr klaren, fast kühlen Optik treffen.

Aber diese Effekte stehen hinter der sehr abwechslungsreichen und voller Wendungen steckenden Handlung zurück. Allein die Findigkeit der Beteiligten, von A nach B zu kommen, obwohl ihnen die Mittel fehlen, ist für Überraschungen gut. Die Art und Weise, die Vergangenheit aller Hauptfiguren zu beleuchten, schafft die nötige Tiefe, bietet Erklärungen und sorgt in der letzten Folge für einen sehr großen Aha-Effekt. Dieser wird jedoch durch den Abschluss der Handlung übertroffen. Selten gingen Comic-Macher so gnadenlos mit ihrer Hauptfigur um und folgen doch der bisher aufgebauten Logik mit aller Konsequenz.

Ein Spiel mit den Medien. Falls ein Gott (auch ein Superheld oder eben ein Bösewicht, der einen Guten nur mimt) vorhaben sollte, eine wie auch immer geartete Machtergreifung (weltweit natürlich) durchzuführen, muss er vor allem eines hinter sich wissen, nämlich die Medien. Jedem scheint die Macht der verschiedenen Medientypen bewusst zu sein (insbesondere immer noch dem Fernsehen), aber in den seltensten Fällen gibt es eine sympathische Sicht auf die Medien, die in solchen Geschichten meist nur sensationslüsternen Journalismus abliefern. Hier wird diese gängige Darstellung noch durch den Live-Auftritt von Malia übertroffen. Sie bietet sich als rettender Engel an.

Ein wenig wie Schach. Mit Gewalt allein, auch nicht nur mit Mut ist der Gegner diesmal nicht zu besiegen. Aus einem leibhaftigen Duell wird so zeitweise ein Machtspiel, ein Psychoduell, bis die vierte Folge in einen wuchtigen Abschluss übergeht.

Ein im wahrsten Sinne des Wortes gigantisches Finale, ohne Übertreibung furios inszeniert, mit ungeheuer viel Gefühl, Respekt und Mitleid vor der Hauptfigur, aber letztlich auch ohne Gnade. Ein echter Hammer. 🙂

Das Schwert 4, Luft: Bei Amazon bestellen