Mittwoch, 08. Februar 2012
Auf der Flucht: Dara hat ihre Familie verloren. Die offiziellen Stellen glauben nicht an ihre Unschuld. Das Geheimnis des Schwerts droht ihr zu entgleiten. Nur zwei Freunde sind ihr geblieben und diese sind sogar bereit, ihr zu helfen. Andererseits: Welche Wahl bleibt ihnen? Die Polizei machte keinen kooperativen Eindruck. Dara folgen? Das Mädchen will sich an den Mördern ihrer Familie rächen. Ob es eine gute Idee ist, jenen in die Quere zu kommen, die über solche Macht verfügen, dem Schwert im Kampf sogar widerstehen zu können? Allerdings sind sie in der Nähe von Dara noch am besten aufgehoben. Andere Probleme sind viel einfacher. Wie komme ich ohne Geld auf die Bahamas?
In der zweiten Episode schicken die Gebrüder Luna ihre Heldin Dara in einen Weltuntergang aus Wasser. Dara, ein Teenager, der nicht nur die Familie verloren hat, vormals querschnittsgelähmt war und durch das Schwert in ihrem Besitz geheilt wurde, hat eine grobe Spur. Einer der Mörder, Zakros, ist häufiger auf den Bahamas gesehen worden. Joshua Luna und Jonathan Luna zeigen, wie schwer es ist, jemanden zu finden, wenn der Aufenthaltsort nur in einem sehr weiten Radius bekannt ist. Die Chancen stehen für Dara und ihre Freunde Julie und Justin sehr schlecht.
Wie komme ich von A nach B mit begrenzten Geldmitteln? Wie komme ich an Kleidung? Wo schlafe ich? Was esse ich? Die drei Helden wider Willen müssen sich durchschlagen. Ganz nebenbei benutzen die Lunas die neuen, wahren Legenden dieser Welt, um Dara ihren Weg noch mehr zu erschweren. Bevor sie sich einem Halbgott stellen, gilt es normale Piraten zu überwinden, ohne Säbel, dafür mit Schnellfeuergewehren ausgestattet. Das ist weiterhin mit einer lässigen Filmoptik eingefangen. In dieser Phase gehen die beiden Comic-Macher verstärkt auf die Charaktere ein, Helden wie auch Bösewichtern.
Joshua Luna, der hauptsächlich für den Text verantwortlich ist (im Gegenzug seinem Bruder Jonathan Luna den Zeichenstift und die Kolorierung überlässt), lässt Dara und ihre Freunde starrsinnig sein. Er lässt sie auch schwanken, zaudern, nahe am Rand der Verzweiflung, bevor die Bombe platzt und ein fulminantes Finale startet, das sich über zwei Drittel des vorliegendes Bandes erstreckt. Im Vergleich: Würde diese Sequenz verfilmt werden, hätte ein Spezialeffekte-Team sehr, sehr viel Arbeit. Hier wird gekonnt inszeniert und Spannung mit allen Mitteln erzeugt. Darüber hinaus gelingt es Joshua Luna über eine sehr lange Strecke, den Leser über den Ausgang im Ungewissen zu lassen.
Die zarte Optik, schmaler Strich, atmosphärische Farben, aber ohne unechte Übertreibungen, besitzen inzwischen fast einen europäischen Charakter. Man könnte auch sagen: Weniger ist mehr, viel mehr. Bei den Figuren selbst äußern sich individuelle Züge eher durch Merkmale wie Haarschnitte, Farben, Kleidung, weniger durch Gesichtszüge. In verkleinerten Ansichten fällt dergleichen kaum ins Gewicht. In größeren Ansichten, auch Nahaufnamen, produziert Jonathan Luna glasklare Grafiken, die mit einigen Strichen das Gefühlsleben des jeweiligen Charakters bannen. Selbst in der besonders rasanten zweiten Hälfte der Fortsetzung gibt es hierzu reichlich Gelegenheit.
Mit zwei Schauplätzen, wie sie gegensätzlicher kaum sein können, krönen die Lunas den Action-Teil der Handlung, die in eine irrsinnig dramatischen Schluss mündet.
Erzählung: Top! Grafisch: Top! Für alle Freunde von perfekten Fantasy-Abenteuern in urbaner Atmosphäre (wie es so schön heißt), mit gut geschilderten Charakteren, bietet Das Schwert originelle und weiterhin packende Unterhaltung. 🙂
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Dienstag, 07. Februar 2012
Freunde: Die meisten Menschen brauchen sie. Nicht jeder kann sicher sein, ob die, die er seine Freunde nennt, auch tatsächlich unter diesen Begriff fallen. Schon gar nicht nachts um 3.00 Uhr. Als das Telefon von Rafael klingelt, liegt er in tiefem Schlaf an der Seite seiner Freundin im Bett. Leo, der sich am anderen Ende der Leitung meldet, hat ein Problem. Er ist mit seinem Auto irgendwo im Nirgendwo liegengeblieben. Ein Freund, der ihm helfen könnte, den Wagen wieder flott zu bekommen oder der ihn wenigstens abholt, wäre jetzt vonnöten. Rafael sträubt sich. Seine Freundin überredet ihn, sich ins Auto zu setzen und zur Hilfe zu eilen. Am Ziel angekommen ergibt sich ein vollkommen anderes Bild. Und Rafael schwankt zwischen Ärger, Frust und Freude.
Jim, Thierry Terrasson oder auch Tehy: Drei Namen, ein Autor. Er brachte dem Leser bisher so unterschiedliche Titel wie YIU oder auch Der Engel und der Drache nahe. Aber auch Sonnenfinsternis stammt von ihm. Und damit kommt der Leser schnell auf die Spur des Genres, das Jim, wie er sich hier nennt, neben Science Fiction und Fantasy noch beherrscht: das menschliche Drama mit all seinen Spielarten. Schon Sonnenfinsternis erzählte von dem Verhältnis einiger Freunde, zusammengedrängt während eines besonderen Ereignisses. Mit Die Einladung geht Jim noch einen Schritt weiter.
Die Geschichte, selbst ohne Erklärung erkennbar als Theaterstück angelegt, benötigt eigentlich nur sechs große Szenen, sechs Akte. Und sie geht nur einer Frage nach: Wer ist dein Freund? Alles andere ergibt sich daraus. Man könnte es eine kleine Geschichte nennen, doch das wäre viel zu kurz gegriffen. Wie in solchen Handlungen nicht unüblich, darf hier besonders zwischen den Zeilen gelesen werden. Zu viel über die Handlung zu verraten, hieße auch, einige schöne Kniffe vorweg zu nehmen. Gesagt sei aber: Sicherlich liefert Jim hier eine seiner menschlichsten Geschichten ab, die Tiefsinn und Lebenserfahrung beweisen. Auch seine Fähigkeit der Erzählung ist hier absolut vorbildlich.
Es sind vergleichsweise junge Leute, die diese Geschichte bereichern, die soeben im Leben angekommen sind, ihren Platz gefunden haben, teilweise wenigstens, dennoch ist die Thematik so leicht erzählt, dass sie von jeder Generation nachvollzogen werden kann. Die Komik und die Tragik funktionieren durch die Grafiken von Dominique Mermoux noch einmal so gut. Für Die Einladung, einer Geschichte, von der ich behaupten möchte, dass sie in diesen Tagen nur aus Frankreich kommen kann, hat Mermoux Schauspieler geschaffen, die ihre Rollen mit großem Können spielen. Mehr noch: Ein Spiel mit der Kamera stützt den Inhalt zwischen den Zeilen. Wenn Rafael beispielhaft in einem szenischen Abschnitt allein auf weiter Flur steht, braucht es eigentlich keine weiteren Worte mehr.
Die Strichführung von Mermoux ist einfach, zerbrechlich, aber arbeitet bei allen Charakteren individuelle Merkmale heraus. Einzelheiten unterstreichen Charaktere. Krumme, vielleicht ehemals gebrochene Nasen. Ein Ghostbusters-T-Shirt. Da die Handlung häufig nachts angesiedelt ist, mit künstlichem Licht und Dämmerung spielt, finden sich hier hauptsächlich mildere Farbkompositionen. Wenn das Licht einmal strahlt, soll es auch als Spot wirken. Fast scheint es, als habe die theatergerechte Erzählung auch bei der optischen Umsetzung wichtigen Einfluss genommen.
Eine sehr menschliche Erzählung, komisch, tragisch, sehr einfühlsam vorgetragen. Jim offenbart mit dieser Geschichte einmal mehr seine große Bandbreite, zeigt, was Comic alles kann. Mit Dominique Mermoux hat er den richtigen Zeichner für dieses echte Szenario gefunden. Wer schon Sonnenfinsternis mochte, wird von dieser Geschichte begeistert sein. 🙂
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Montag, 06. Februar 2012
Der König macht sich durch seinen Umgang nicht gerade beliebt. Sein Stand innerhalb des Hofes ist schlecht. Missgunst trifft ihn häufig durch taxierende Blicke. Ein Mann in seiner Position sollte das Königsgeschlecht fortführen, er sollte einen Nachkommen zeugen. Eine Ehe, in der er noch nicht einmal das Bett mit seiner Frau geteilt hat, da ihn offensichtlich das schöne Geschlecht nach eigener Aussage nicht lockt, ist nicht dazu da, den Fortbestand seiner Linie des Königsreiches zu sichern. Die Königin will diesen Worten keinen Glauben schenken. Die junge Frau an der Seite des Königs ist die Ursache für Gerüchte und ihre Gegenwart ist ein Quell des Spotts wider die Königin.
Mag er Frauen nun oder nicht? Wie es scheint, mag der König nur seine Frau nicht. Ariane de Troil hingegen hat es geschafft, ihm den Kopf zu verdrehen. In jener Zeit, aus der sich auch ein Alexandre Dumas für seine Geschichten bediente, findet Patrick Cothias reichlich Quellenmaterial für sein Abenteuer um die Figur hinter dem Roten Falken. Ariane muss aber nun auch privat um ihr Leben fürchten. Seit Bekanntwerden ihrer Schwangerschaft und des möglichen Urhebers derselben haben einige Kräfte bei Hofe nichts geringeres im Sinn, als sie umzubringen. Umbringen zu lassen, denn natürlich machen sich solche Machtfiguren im Hintergrund niemals selber die Finger schmutzig.
Patrick Cothias nutzt genau diese konspirativen Treffen, die kleinen Gespräche am Rand, manchmal sogar eher nebensächlich geführt, für einen süffisanten Blick hinter die Kulissen der Macht in Frankreich in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Cothias nimmt seine Charaktere sehr ernst, skizziert eine Hassliebe, wie auch eine unglückliche Liebe, ebenso wie eine tiefe Freundschaft. Aus einer Anschlagsserie resultiert eine kuriose Begegnung, die angesichts eines längst vergangenen Ehrbegriffs zwar auch komödiantisch wirkt, aber trotzdem möglich sein kann.
Der rote Falke kommt mit seinen Auftritten für Gerechtigkeit infolge des Zustandes von Ariane zu kurz, dafür hat ihr treuer Freund Germain umso mehr zu tun. Hier kann der bärenstarke Kämpfer, der schon im ersten Band an ihrer Seite wirkte, deutlich zeigen, was er kann. Als Fechter und Beschützer flankiert er seine Baronin von einer filmreifen Szene zur nächsten. Marco Venanzi, ein sehr klassisch zeichnender Künstler, vergleichbar mit dem Strich eines Francois Bourgeon (Reisende im Wind), hat die Nachfolge von Andre Juillard in der Reihe übernommen. Das Ergebnis ist verspielter als im kürzlich neu aufgelegten ersten Band.
Darüber hinaus überlässt Venanzi weniger dem Zufall, sein Strich ist exakter, vielleicht sogar romantischer zu nennen. Insgesamt ist der Stil der Darstellung jener Epoche sehr träumerisch, aber angemessen, übermittelt er doch ein Gefühl alter Kostümfilme, als noch ein Gene Kelly als Musketier über die Leinwand fegte. Die von Cothias fein und verschmitzt erzählte Geschichte schlägt in die gleiche Kerbe. Edgar Favaux und Marco Venanzi selbst stützen den Eindruck mit einer am ersten Band angelehnten Kolorierung, gehen aber noch mit leichten Schattierungen zu Werke. So sind die Grafiken etwas plastischer, auf jeden Fall in strahlende Farben getaucht.
Wer ist die Frau hinter der Maske des roten Falken? Ihr Leben ist komplizierter, nun da sie selbst zur Zielscheibe auserkoren wurde und sie sich nicht mehr verstecken kann. Patrick Cothias erzählt ein charakterlich dichtes Abenteuer mit viel Sympathie für die historischen Vorbilder. Dank des Zeichners Marco Venanzi finden Freunde des Genres eine perfekt eingestellte Optik vor. 🙂
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Freitag, 03. Februar 2012
Morgwen folgt ihrem Lehrer ins Wasser. Mit jedem Schritt, mit dem sie den Strand hinter sich lassen, weicht das Wasser zurück und bildet eine schützende, bald schon meterhohe Wand. Schließlich sind die beiden, Myrddin und Morgwen, vom Ufer aus nicht mehr zu sehen. Die Beherrschung der Elemente ist eines der Ziele von Myrddins Unterweisung. Morgwen ist eine gelehrige Schülerin, aber sie hängt auch noch an ihrer Vergangenheit und denkt an ihre Verwandten. Doch Myrddin hat eine klare Botschaft für sie: Jemand, der ihren Weg eingeschlagen hat, kann kein normales Leben inmitten einfacher Menschen führen. Niemals. Das hat er selbst bewiesen.
Dieser Arthur ist nicht der strahlende Held, den andere Geschichten aus Roman und Film, mitunter auch Comic gezeigt haben. Dieser Arthur ist ein starker Krieger, charismatisch, aber er hat auch keinerlei Ambitionen sich zum großen und legendären Herrscher aufzuschwingen. Sein Hof ist nicht Camelot, noch denkt daran, eine Tafelrunde aus der Taufe zu heben. Gäbe es da nicht Myrddin (Merlin), der seine ganz eigenen Pläne verfolgt.
Die Fragen, deren Antworten du nicht hören willst, solltest du besser nicht stellen, Arthur.
Wurde Myrrddin auch der Verrückte genannt, so arbeitet sein Geist dennoch scharf und sicher. Seine Winkelzüge bleiben unterdessen rätselhaft. Aber es ist auch eine rätselhafte Welt, in der sich Weissagungen erfüllen und Mut tatsächlich etwas bewirkt. Arthur selbst wie auch Gwalchmei, der Held können diese Feststellung nur unterstreichen. David Chauvel führt den Helden keineswegs so vor, wie es aus so vielen Geschichten her bekannt ist. Es gibt keine gerade Linie und es scheint, als verweigere sich Chauvel ganz bewusst den üblichen Regeln der Erzählung, die er zweifellos beherrscht, wie er in anderen Veröffentlichungen bewiesen hat.
Die Reihe Arthur ist sicherlich keine Comic-Dutzendware. Autor David Chauvel, Comic-Fans hierzulande auch bekannt durch Cosa Nostra und Black Mary, setzt hier einen Erzählstil durch, der wahrhaftig an alte Sagen erinnert. Kleine Passagen, im Stile alter Buchillustrationen gehalten, stützen diese Erzählweise, die sich teilweise wie ein Vorläufer eines Comics ausnimmt. Das ist, gibt man ihm eine Chance, erfrischend anders in seiner nostalgischen Aufmachung. Wer sich mitunter über die Vermischung von modernen Elementen in Ritterszenarien gewundert hat, wird sich mit dieser eng an jene Zeit gebundenen Sequenzen vielleicht eher anfreunden können.
Grafisch kann Jerome Lereculey mit seiner exakten Art zu zeichnen weiterhin gefallen. Lereculey überlässt nichts dem Zufall. Ob Mienenspiel, Kostüme, Körperbau, Muskelspiel, Waffen, Pferde, sonstiges Getier, Natur, Landschaft: Jedes Detail wird mit architektonischer Präzision zu Papier gebracht. So entsteht eine sehr lebensnahe Abbildung, die das Auge festhält und bannt. Lereculey könnte sicherlich auch historische Illustrationen zu alten Kulturen abliefern und Dokumentationen mit seinen Arbeiten ergänzen. Wie das aussehen könnte zeigt sich an einer Verfolgungsjagd zur See, als Arthur den gewohnten Kampfplatz zu Lande mit den schwankenden Drachenbooten vertauscht.
Ebenso schön anzuschauen ist die Begegnung zwischen Arthur und seiner späteren Frau. Aus dieser Begegnung wird im weiteren Verlauf eine Schlachtensequenz und Befreiungsaktion, die weniger mit den alten Hollywoodinszenierungen gemein hat als vielmehr mit der neueren Bildgewalt eines Braveheart oder Gladiator. Allerdings sind auch Vergleiche zu alten Schlachtengemälden durchaus heranzuziehen.
Im wahrsten Sinne des Wortes sagenhaft erzählt und meisterhaft illustriert. Die einzelnen Charaktere verdichten sich zunehmend. Der Band darf nur im Zusammenhang mit den Vorgängeralben gesehen werden. Wer Interesse an einer sehr klassischen Arthur-Sage hat, könnte hier richtig liegen. 🙂
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