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Comic Blog


Dienstag, 13. Dezember 2011

Zeit der Asche

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:29

Zeit der AscheFirfin ist nicht gerade derjenige, der einem Reisenden in den gefährlichen Gefilden des Landes Vertrauen einflößen kann. Dennoch sind die drei Zwerge auf Unterstützung angewiesen, so gaunerhaft sie auch daherkommen mag. Firfin kennt sich ein wenig auf dem Gebiet der Heilung aus. Damit kann er nicht nur sich selbst zum Vorteil gereichen, auch die drei Zwerge, die doch bloß einen königlichen Nachfolger nach Hause geleiten sollen, werden sehr auf seine Dienste angewiesen sein. Denn dieses Land wimmelt nur so von furchtbaren Überraschungen: Donnerritter! Und dann auch noch dieses Getier, das an jeder Ecke, in der Luft, auf dem Boden und im Wasser lauert, um zu töten und zu fressen. So hatten sich die ansonsten tapferen Krieger ihre Reise nicht vorgestellt! Dabei fängt sie gerade erst so richtig an.

Fantasy einmal ganz anders: Hier ist schon die Landschaft monströs und lebensfeindlich. Der Leser begegnet in dieser Welt nicht den feinen (natürlich auch unheimlichen) Gegenden, Kerkern und Schlachtfeldern. In dieser von Bruno Chevalier beschriebenen und von Thierry Segur gezeichneten düsteren Weite wirkt es, als habe sich ein H.R. Giger zusammen mit einem Terry Pratchett zusammen getan. Letzterer hätte jedoch seinen Humor vergessen. Firfin, der Gauner, der Zwerg Noren und Morkai, ein Akei (aus dem Süden, von denen man nicht mehr viele findet) sind ein Trio sehr unterschiedlicher Charaktere, die nur selten komische Momente vorfinden (und diese halten auch nicht lange vor). Chevalier und Segur schicken ihre Helden lieber in (scheinbar) auswegslose Situationen.

Ausweglos wirkt bereits die Landschaft: Mit Sumpfgelände mag der Fantasy-Fan vertraut sein, doch dieses vervollständigt einen Gesamteindruck, der sich mit einem Gelände fortsetzt, das wie ein gigantisches Knochengebilde aussieht. Steinerne, geradezu zerrissene Formationen wechseln sich ab mit einer üppigen Grünlandschaft, in der die Natur schier aus allen Nähten platzen will. Und sind es nicht Schnee, Eis und Meer, die weitere Kulissen bilden, so entführen die beiden Macher den Leser in traumartige Sequenzen, die, so könnte man sagen, jeden noch so phantastischen Einfall ausschöpfen, der für eine dramatische Fortführung der Handlung notwendig ist.

Der Einfallsreichtum, der hier gezeigt wird, legt sich keinerlei Grenzen auf. Zwar gibt es Zwerge zu sehen, der Akei mag so etwas wie ein Riese sein auf seine Art, aber darüber hinaus könnten sich für dieses hier geschilderte märchenhafte Reich neben den erwähnten Künstlern auch Lewis Carroll (allerdings mit einer noch abgedrehteren Phantasie als in Alice im Wunderland) und die Erfinder von Jason Vorhees eingefunden haben. Das mag sich merkwürdig und unvereinbar anhören. Wer aber den Donnerritter im Zweikampf mit Ewandor gesehen hat, der an eine ungewöhnliche Mischung aus Yoda und Raupe Absolem erinnert, wird sich vielleicht überzeugen lassen.

Grafisch setzt Thierry Segur auf sehr fein strukturierte Bilder: Zarte Linien, treffsicher gezogen und bereits nach wenigen Seiten zeigt sich, wie es ihm gelingt die Seiten mit unterschiedlichen Perspektiven zu komponieren. So vollführt er den Wechsel vom Beobachter, der heimlich zuschaut, zum Akteur, der sich mitten im Geschehen wiederfindet. Das Design ist sehr eigen und entzieht sich den gängigen Zeichnungen. Segur mag die märchenhafte Ansicht, Ansichten kleiner Wesen, die plötzlich in Massenszenen zu explodieren scheinen. Er setzt die Niedlichkeit der Figuren Ausbrüchen von Gewalt entgegen, die denen im Fantasy-Standard von HdR nicht nachstehen. Die Aquarelltechnik, mit der die Farben aufgetragen sind, in feinen Verläufen und nie wirklich richtig dunkel (selbst wenn es düster ist) verstärkt den Eindruck eines schönen Alptraums, dem man sich als Leser binnen kurzem nicht entziehen kann.

Ganz, ganz anders: Fantasy kann sich auch von gängigen Werken und Beschreibungen lösen. Bruno Chevalier und Thierry Segur machen es vor. Aufregend anders, phantastisch im wahrsten und besten Sinne des Wortes in dieser Gesamtausgabe. Fantasy-Fans sei der Band ans Herz gelegt. 🙂

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