Mit der Diskette stimmt etwas nicht. Obwohl Fito den Speicherträger nach der Benutzung in dutzende kleine Einzelteile zerhackt, lässt ihn der Gedanke in dieses merkwürdige Ereignis nicht los. Als Clara, das Mädchen, das alle für Fitos Freundin halten, ins Koma fällt, hat der Junge ein Verdacht. Langsam kommt er dem Geheimnis dieser seltsamen Diskette auf die Spur, aber viel schneller ist klar, dass er Hilfe braucht. Gemeinsam mit Rafael, einem Spieletester, taucht er in eine Welt ein, von der er niemals geglaubt hätte, sie auf diese Weise zu erfahren.
Spieler, komm‘ rüber! Was wäre, wenn ein Spiel Realität würde. In TRON wurde diese Frage gestellt und optisch sehr futuristisch aufbereitet. Für den normalen Spieler, heute und vor Jahren ebenfalls, ist die Spielelandschaft weitaus vielschichtiger. Das hat auch Juan Gimenez erkannt und schickt seine Helden auf unterschiedliche Missionen, die nicht immer etwas mit Kampf zu tun haben. Juan Gimenez, der sich mit Publikationen wie Die Kaste der Meta-Barone und Die vierte Macht einen Namen gemacht hat, schreibt und zeichnet mit Dein letztes Leben eine Art Action-Komödie.
Fito ist ein ganz normaler Computerspieler. Gimenez stürzt seinen jugendlichen Helden gleich auf der ersten Seite ins Abenteuer. Keine lange Einleitung: Eine neue Spielediskette (die Konzeption der Geschichte liegt wohl etwas länger zurück) wird in den Rechner geschoben und schon geschieht das Wunder. Die Welt um den Spieler herum verflüchtigt sich, der eigene Körper scheint sich aufzulösen (siehe auch das Motiv des Titelbildes), um sich im nächsten Augenblick in einer anderen Realität zusammenzusetzen. Fito findet sich vor einem riesigen Panzer wieder, viel zu groß und überladen, um echt zu sein. Die darauffolgende Begrüßung und die dargebotenen Möglichkeiten der verschiedenen Spiele überfordern ihn vollends und treiben ihn beinahe in den Wahnsinn.
Der Beginn ist von Juan Gimenez mit viel Ironie gestaltet. Fito erlebt die gesamte Vielfalt eines Spielerlebens auf einen Schlag: Den Aufmarsch von Computergegnern aller möglichen Genres, die ultimative Ansammlung von Geländeformationen und Fahrzeugen. Ironie ist eines, doch Gimenez ist natürlich vor allem für eines bekannt: Für seine grafische Meisterschaft. Diese kann er hier nach allen Regeln der Kunst ausleben. Die Geschichte, genauer die Spielwelten kennen keine Grenzen und als Leser ertappt man sich dabei, Fito möge doch bitte ganz schnell wieder die Realität verlassen und auf das Spieleraster wechseln.
Die Aquarelltechnik von Juan Gimenez lässt die Bilder leuchten, die Farben sind auf jeder Seite kräftig und der Künstler scheint es auch zu lieben, sich nach Science Fiction und Fantasy in der realen Welt austoben zu können. In dieser spielt Gimenez mit der Komödie, setzt ein wenig Drama hinzu, immerhin geht es auch um Leben und Tod. Leben, davon gibt es in der Spielewelt wenigstens drei Stück, aber mehr nicht. Gimenez setzt Fito und dessen neuem Freund Rafael, einem professionellen Spieletester, eine Hürde: Ist das letzte Spieleleben vertan, erwartet einen in der realen Welt das Koma. Das letzte Leben, so der Titel des Zweiteilers, will also gut verteidigt werden.
Und wie: Es beginnt mit Strip-Poker und endet bei einem Szenario, in dem sich Spiele wie Delta Force und Halo kreuzen. Selbst für hartgesottene Spieler sollte dieses von Gimenez erfundene Level eine schwer zu knackende Nuss sein. Grafisch hingegen schließt es sich den anderen Einsatzszenen und Kämpfen an, die mitunter auch recht blutig ausfallen. In der anderen Welt muss selbst der Tod noch eine makabre Inszenierung sein.
Dramatisch, auch lustig, sehr kurzweilig, toll illustriert von einer Comic-Ikone, garniert mit überraschenden Wendungen, wie es sich für Computerspiele gehört. Das Ende lässt einen mit Spannung den abschließenden zweiten Teil erwarten. 🙂
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