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Comic Blog


Freitag, 21. Oktober 2011

Annas Paradies 1

Filed under: Mystery — Michael um 20:16

Annas Paradies 1 - Von Dieben und Schmugglern1946. Der Krieg ist beendet. Aber noch immer hat Europa mit den Auswirkungen zu kämpfen. So mancher, der im Krieg seinen Vorteil gesucht hat, ist nun selbst auf der Flucht. Und so mancher versucht mit Fluchthilfe etwas Geld zu verdienen. Viktor ist so jemand. Die kleine Familie, die aus dem Kleinen Paradies flüchtet, einem Viertel, dessen Häuser von den Bombenangriffen der Alliierten verschont geblieben ist, hat alles zusammengerafft, was sie an Wertsachen besitzt. Die Frisur des Vaters lassen keinen Zweifel daran, an wen er seine Sympathien im Krieg heftete. Viktor, der diese Flucht halbherzig organisierte, erkennt zu spät, dass sie in eine Falle laufen. Die anschließende Katastrophe kann er nicht mehr verhindern.

Die Engel sind unter uns: Aber warum? Die Antwort, eine unheimliche und spannende dazu, gibt der Auftakt der neuen Reihe Annas Paradies. In einer Welt nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich inmitten eines Trümmerfeldes ein kleines Viertel halten können. Hier gingen seltsamerweise keine Bomben nieder. Ein Paradies ist es dennoch nicht. Die Bewohner haben wie alle anderen auch unter dem Mangel zu leiden. Notdürftig halten die Menschen das alltägliche Leben aufrecht. Daniel Schreiber beginnt sein Debüt-Album mit dem gebotenen Ernst. Seine Figur Viktor, der als Lebensmittelhändler arbeitet, sieht sich plötzlich in der Verantwortlichkeit einem kleinen Mädchen gegenüber, dessen Eltern auf der Flucht erschossen worden sind.

Daniel Schreiber malt ein graues Bild jener Tage. Auf der Seite der Verlierer gibt es jene, die darunter litten und jene, die wirklich verloren haben und nun eine Strafe befürchten müssen, wie auch immer gearteter Natur. Doch es gibt auch jene auf der Seite der Alliierten, die wahre Halsabschneider sind und die ihren Vorteil im Sieg über den Feind suchen. Viktor und Oma Lotte, die das kleine Mädchen Lena aufgenommen hat, gehören zu denen, die überlebt haben und nun einen Neuanfang versuchen. So weit, so realistisch. Dann kommt Anna.

In diese halb zerstörte Welt fällt ein Mädchen: Vom Himmel herab. Viktor ist derjenige, der sie findet. Ist die Welt in Trümmern höchst realistisch gezeichnet, sind die Figuren viel märchenhafter skizziert. Gesichter mit ausdrucksstarken Augen, Körper, die den Charakter unterstreichen: Markant, bullig, zerbrechlich, gemütlich. Ist Viktor ein Bär, gutmütig, ist Oma Lotte eine Figur mit Hochfrisur, die den weisen Aspekt einbringt. Die Farbe wirkt mit feinen Aquarellfarben aufgetragen, Bleistift scheint durch. So entsteht ein schöner organischer Charakter der Bilder, echt, greifbar, wärmer, ein Eindruck, den moderne Computerkolorierungen vermissen lassen.

Die herzlich anmutende Machart zeigt eine zunehmend düster werdende Geschichte, denn (wie es so schön heißt) ein Engel bleibt selten allein: Anna ist auf der Flucht. Nach anfänglicher zögerlicher Begegnung kann Anna auch ihre Macht zeigen. Mehr noch: Ein Engel hat auf der Erde nichts verloren, selbst wenn er alles daran setzt, auf der Erde bleiben zu können. Die Figur der Anna reiht sich in jene Engel ein, die moderner gezeigt werden. Sie sind Zweifler, gegen die Menschen, vielleicht sogar von Gott abgekehrt. Anna ist eine Figur, die an ihrem Dasein innerlich zerbrochen ist und nur langsam wieder zu sich findet. Diese Figur hätte in jeder erzählten Epoche Wirkung gezeigt.

Ein sehr schön gestalteter Serienauftakt, sehr ansprechend und warmherzig wie auch intensiv gestaltet, der Geschichte entsprechend. Einnehmende Charaktere runden die Handlung ab, deren Mystery-Faktor von Seite zu Seite wächst. Sehr schön. 🙂

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