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Comic Blog


Donnerstag, 08. September 2011

ANTARES 3

Filed under: SciFi — Michael um 20:27

ANTARES 3Auf der Erde, in früheren Tagen, als die Welt noch nicht unter der Umweltverschmutzung erdrückt wurde, wurde man angehalten, um Nester einen Bogen zu machen. Auf Antares sollte diese Regel auch gelten, ganz besonders wenn das einzelne Ei in diesem Nest, auf der Spitze eines Baumes, die Größe eines Kleinbusses besitzt. Aber Neugier, Faszination, auch kindliche Begeisterung über derlei Entdeckungen können unvorsichtig werden lassen. Als entsprechende Gedanken zur Vorsicht mahnen und die Gruppe bereits den Entschluss gefasst hat, weiter zu fahren, ist es beinahe schon zu spät. Das Muttertier, nicht zu Unrecht besorgt um den Nachwuchs, greift an!

Sehr rätselhaft, mit ungewöhnlichen Wendungen, nimmt der dritte Teil von Antares seinen Lauf. Nachdem die Gruppe der Siedler zwangsweise getrennt wurde und erst einmal wieder zueinander finden muss (was über eine Distanz von mehreren tausend Kilometern ohne die erforderlichen Beförderungsmittel schwierig ist), ergeben sich Situationen, die nicht einmal die Scouts, die bisher den Planeten erkundet haben, vorhersehen konnten. Leo, Autor und Zeichner dieses mehrteiligen Abenteuers, taucht nun tief in die Fauna und Flora des fremden Planeten ein. Die Geschwindigkeit der Erzählung nimmt deutlich zu, die Facetten werden vielfältiger.

So ungern Kim Keller, die Hauptfigur der Reihe (genauer: aller drei Zyklen), den Auftrag auch angenommen hat, so ungern sie sich auch wieder einer Expedition unterordnete, so ist sie doch, einmal angekommen, wieder in ihrem Element. Hier ist eine greifbare Aufgabe, in freier, wenn auch fremder Natur. Hier führt ein Schritt vor den anderen zu einem Ziel. Kim Keller ist eine Frau der Tat, nicht des Wartens. Leo beschreibt sie einmal mehr als Frau, die so emanzipiert, natürlich und modern wie sie ist, immer noch anecken kann und selbst Frauen, die sich in den Hierarchien nach oben gearbeitet haben, erstaunen kann.

Aber die gesellschaftliche Struktur der Menschen wird im dritten Teil zur Nebensache. Es ist ein Erbe, dessen Bedeutung angesichts realer Bedrohungen schwindet. Selbst kleine Vertrauensbrüche werden verzeihbar. Es ist für einen Science-Fiction-Comic ungewöhnlich, mit welcher Leichtigkeit Leo Szenen zum Thema Menschlichkeit schafft und wie sehr es ihm gelingt, die Balance zwischen Text und Bild zu finden. Und in den richtigen Momenten auch zu schweigen und einfach die Bilder wirken zu lassen.

Keine Experimente: Leos Bilder wie auch der Seitenaufbau sind klar strukturiert. Die Bilder sind eckig, es werden keine neuen Mischformen gefunden. Es können elf Bilder auf einer Seite sein oder auch nur vier. Schöner ist es allerdings, wenn Leo den zur Verfügung stehenden Raum nutzt und die Bildsprache sehr szenisch, cineastisch ist. Die eingangs geschilderte Szene, Teil einer längeren Sequenz, ist ein Beispiel für eine solch gelungene optische Entführung in eine fremde Welt. Dabei ist das erst der Anfang. Ähnlich wie Leo es schon zuvor praktizierte (auch dort verwendete er einmal ein Flussfahrt), entdeckt der Leser auch hier zusammen mit den Kolonisten diese Welt und erlebt die eine oder andere Überraschung, die sich von bisherigen Ereignissen abhebt.

Mit dünnen Außenlinien und zart, durchscheinend aufgetragenen Aquarellfarben kreiert Leo eine sonnendurchflutete Welt, auf Realismus bedacht. Doch aus der Fassade bricht er mit Kreaturen hervor, die zuweilen kurios wirken, aber auch zur Echtheit des Szenarios beitragen. In seiner Gesamtheit, bis zu diesem Punkt der Erzählung der drei Zyklen, ergibt sich bereits ein grandioses Werk.

Dramatisch: Die Geschichte um die Geschehnisse auf Antares erreichen nicht nur einen vorläufigen Höhepunkt, sondern auch einen Wendepunkt, den der Leser schon durch Band 2 befürchten konnte. Allerdings war die Konsequenz nicht vorherzusehen. Phantastisch, im wahrsten Sinne des Wortes. 🙂

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