Teenager können, wenn sie wollen, manchmal ganz schönen Ärger bereiten. Aus Langeweile, Nachlässigkeit auch. Einfach weil sie Teenager sind. Doch das Foto von Kim Kellers Tochter, das auf dem Raumschiff seine Runde macht, geht eine Spur zu weit. Das ist bösartig. Aber Kim Keller hat andere Probleme als die aufsässige und über die Maßen neugierige Lorna. Ihre Mission, zu der sie sich bereit erklärte, droht bereits in den ersten Tagen viel schwieriger zu werden, als angenommen. Nicht nur der neue Planet birgt Gefahren, auch die Begleitung erweist sich als wenig kooperativ. Kim Keller muss sich fragen, warum sie überhaupt für diese Mission ausgewählt wurde.
Eine Raumfahrt, die ist nicht lustig. Sie bedeutet Enge, Streß, Ärger. Die Menschen, die sich aufgemacht haben, den neuen Planeten zu erobern, um ihr ganz persönliches Paradies zu gründen, haben eine besondere Sorte von Passagieren unter sich: Religiöse Fanatiker. Leo (Luiz Eduardo de Oliveira), Autor und Zeichner der Science-Fiction-Zyklen um Kim Keller, leitet die zweite Episode des dritten Zyklus mit dem Titel Antares sehr praktisch ein. Das Leben an Bord eines Raumschiffs auf seiner Reise zwischen Sternen nimmt seinen Fortgang, aber es ist selbstverständlich auch ein Belastungstest und längst nicht alle sind dieser Belastung gewachsen. Am Boden, ganz gleich auf welchem Planeten, mag sich jeder, so gut es geht, aus dem Weg gehen. In den engen Schiffsgängen, auf den Wegen zur Schiffsmesse oder den Hygieneeinrichtungen ist das unmöglich.
Kim Keller, die sich nicht nur bemüht, ein Geheimnis zu bewahren, steht alsbald inmitten eines Streits um Moral und Denkweisen. Ihre lockere Art sich zu kleiden, für moderne Frauen eigentlich nicht ungewöhnlich, stößt bei der religiösen Vereinigung, deren Mitglieder sich mit an Bord befinden, auf kein Verständnis. Da diese Glaubensrichtung nicht nur für keinerlei Freizügigkeit bekannt ist, sondern auch noch eines ihrer Mitglieder der Hauptfinanzier der Expedition ist, geraten Kim und ihre Freundinnen schnell in Schwierigkeiten. Leo zeichnet eine Zukunft, in der sich die Menschen in neue Ideen flüchten, gemischt mit Althergebrachtem, auch Altbackenem, Vergangenem, wo ihrer Ansicht nach weniger Verrohung herrschte. Wie verroht sie dennoch sind, zeigt sich anhand einer brutalen Attacke.
Unterkommandantin Scott versucht in diesen Wirren die Kontrolle zu behalten und für Ordnung zu sorgen. Allerdings wird klar, dass die Frau, die Abstand zu halten versucht, auch einer Unterforderung erliegt. Eine Kolonialisierung unter uneinigen Vorzeichen kann nur ein Desaster werden. Leo breitet den Dilettantismus der Kolonisten auch sehr süffisant vor dem Leser aus. Gott, so scheint es, ist nicht mit den Hochmütigen. Glaube ersetzt Wissen nicht. Als dann noch Katastrophen eintreten, die so nicht vorherzusehen waren, splittern sich die Kräfte der neuen Bewohner von Antares immer weiter auf.
Von den Sternen auf eine neue Welt. Leo bringt den Leser auf den fremden Planeten zurück. Nach den ersten Geheimnissen werden weitere offenbart, vornehmlich fremde Lebensformen, die der Zeichner sehr strukturiert inszeniert. Schnell entwirft er Gesetzmäßigkeiten, die einigen Charakteren bekannt vorkommen, anderen nicht. So werden mehr Katastrophen vorprogrammiert, absehbar für den Leser und jene Figuren, die bereits in den ersten beiden Zyklen mit dabei waren. Als Leser fiebert man mit muss erleben, wie Vorhersagen ein treffen. Zusätzlich arbeitet Leo zu einem sehr gemeinen Cliffhanger hin, der noch mehr ankündigt. Wer aber wissen möchte, in welcher Tragödie dieser Abschnitt der Geschichte mündet, muss sich bis zur nächsten Ausgabe gedulden.
Leo liebt die Natur. Als Zeichner hat er zwar bewiesen, dass er auf vielen Gebieten zu Hause ist, in der Historie (Trent) und auch in der Phantastik (Kenya), dass er mit Städten und Gerätschaften umzugehen versteht, doch die Entwürfe einer fremden Natur sind sein Ding, wie man so schön sagt. Allein das Titelbild, eine Art fliegender Rochen, zeugt von der Konsequenz und der Stilsicherheit seiner Arbeit. Hier finden sich keine Lebewesen mit Blubberhäuten oder andere Ideen, die sich in Space Operas finden. Wie in der realen Natur ist Leo mit seinen Konstruktionen weiterhin auf Einfachheit bedacht und bezieht auch ein System mit ein. Eine Kreatur existiert hier nicht einfach für sich oder wird irgendwo platziert. Bei Leo funktionieren die Tiere, auch die Vegetation auf eine bestimmte, nur nicht sofort erkennbare Weise (wie die Charaktere in dieser Ausgabe leidvoll feststellen müssen).
Science Fiction in Fortsetzung: Leo hat perfektioniert mit ANTARES seine Erzählweise und bereitet Wendungen von langer Hand vor. Auf Schlüssigkeit bedacht, die Spannung nicht vernachlässigend, setzt er hier weitere Ereignisse in Gang, die bereits jetzt hoffen lassen, dass ANTARES nicht der letzte Zyklus um die Hauptfigur Kim Keller gewesen ist. 🙂
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