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Comic Blog


Montag, 11. April 2011

Jerry Spring Gesamtausgabe 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:19

Jerry Spring Gesamtausgabe 2Diese Arbeit müssen sich die beiden Freunde teilen: Pancho ist der Spur des seltsamen Papierfetzens gefolgt. Endlich hat er einen Namen, aber der Adressat ist nicht daheim. Pancho schwant das Schlimmste. So schnell er kann, macht er sich an die Verfolgung. Hier ist die Lösung sehr zügig bei der Hand. In anderen Fällen müssen Spring und Pancho mehr Geduld an den Tag legen und auch einer noch größeren Gefahr trotzen. Gelingt es ihnen so eben noch, eine Auseinandersetzung mit ursprünglich friedlichen Indianern zu verhindern, sind Gangster und Gauner weitaus schwieriger zur Räson zu bringen. Und nicht hinter jedem Sheriffstern steht auch ein Ehrenmann.

Nicht nur ein Sheriff braucht mal Hilfe. Auch ein U.S. Marshal kann einen guten Freund gebrauchen. Mit Pancho an seiner Seite hat Jerry Spring genau den richtigen Mann. Erfahren im Wilden Westen, nicht zimperlich, hartnäckig, mutig und treu. Jije schuf mit Jerry Spring und Pancho ein gegensätzliches wie auch sehr gut zueinander passendes Duo, die selbst, wenn sie getrennte Wege gehen, letztlich wieder in letzter Sekunde füreinander einstehen. Und das haben beide bitter nötig.

Vier Alben finden sich hier vereint. An Einzeltiteln sind das Der Pass der Indianer, Die Spur in den hohen Norden, Das Gold des alten Lender, Die Unglücksranch, Ermittlung in San Juan, Die drei Bärtigen von Sonoyta, Onkel Toms Testament. Ein zentrales Thema der hier versammelten Abenteuer ist die Habgier. Jemand hat etwas, ein anderer will es. Da wir uns im Wilden Westen befinden, ist ein Mittel, um es zu bekommen, der Colt, das Gewehr oder auch Pfeil und Bogen. Aber die Gauner von Jije treten nicht immer offen zutage. Sie tarnen sich, haben auch nicht die berühmte Verbrechervisage. Manchmal erinnern sie sogar eher an einen smarten Rhett Butler.

Jerry Spring weiß sich seiner Haut zwar zu wehren, aber er ist viel mehr auf sein Köpfchen angewiesen als auf seinen Colt. Geduld erweist sich mitunter als elementar. Fallen zu stellen, ist häufig nötig. Der U.S. Marshal Spring bewegt sich balancierend zwischen Westmann und Polizist. Aufrecht, sorgfältig und keiner Situation ausweichend. Manchmal wird er gerufen, manchmal aber auch schlittert er durch puren Zufall in eine Situation hinein. Und obwohl er eigentlich ganz woanders hin will (zu einer eigenen Farm in Kalifornien, nicht nach Australien wie einst James Garner).

In reiner Schwarzweißgestaltung wird der Wilde Westen lebendig. Jije lässt zu Beginn die Utah Opfer einer Intrige werden, die beinahe einen kleinen Krieg auslöst. Die Szenen im Indianerdorf, Angriffe, Figuren zu Fuß und zu Pferd werden von Jije mit großer Lebendigkeit gezeichnet. Die Tusche, so scheint es, hat für Jije mitgearbeitet. Exaktheit und scheinbare Zufälligkeit liegen nahe beieinander. Die Bilder fallen sehr kräftig aus, einzig könnte beanstandet werden, dass Jije sich auch öfter mehr Platz hätte gönnen können. Seine Szenen sind ein Augenschmaus für jeden Comic-Interessierten, wenn sie in eher seltenen Momenten eine zweidrittelgroße Seite einnehmen.

Ansonsten begnügt sich Jije mit klassischen drei Zeilen pro Seite mit maximal neun Bildern. Es ist sehenswert, wie Jije mit dem Platz auskommt, wie er selbst in der kleinsten Aufteilung noch den richtigen Blickwinkel findet. Das ist schnell voranschreitend und legt auf Hintergründe nicht wahnsinnig viel wert. Jije erzählt Geschichten, wie es der Western von Gestern, schnell, unterhaltsam, spannend. Wechselnde Handlungsorte, wie das Indianerreservat, Schneelandschaft, Ranches, Siedlungen in verschiedenen architektonischen Ausprägungen (mexikanisch, amerikanisch) verändern die Atmosphäre. So entstehen entweder klassische Szenarien mit Kino-Flair oder die Colts rauchen in Nahaufnahme.

Für den Western-Fan ist von jeder Zutat etwas dabei: Die Geschichten steigern sich von Abenteuer zu Abenteuer, bis Jije hier mit den drei Bärtigen die dichteste Episode des vorliegenden Sammelbandes vorlegt. Beste Western-Unterhaltung. 🙂

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Freitag, 08. April 2011

THE WALKING DEAD 12

Filed under: Horror — Michael um 18:46

THE WALKING DEAD 12 - Schöne neue WeltEin Gespräch unter Männern: Eigentlich sollte Rick Grimes ernste Gespräche nicht mit seinem Sohn führen müssen. Eigentlich wünscht er sich etwas anderes für seinen Sohn. Doch Carl hat einen Menschen getötet, ein anderes Kind, willentlich. Er tat es nicht ohne Grund. Er tat es aber auch, weil sein Vater es ihm vorgemacht hat. Weil sein Vater stets solche Aufgaben übernahm, die er keinem anderen aufbürden wollte. Ein Kind wurde zum Mörder, aus Wahnsinn vielleicht. Ein anderes richtete es. Das ist die Welt, in der die Toten die Erde beherrschen. In dieser Welt scheint das Ende nahe zu sein. Oder nicht?

Ruhepause? Ein Neubeginn? Eine Wende? Schwer zu sagen. Die Akteure können jedenfalls einen ruhigen Moment vertragen. Schon einmal wähnten sie sich in Sicherheit. Robert Kirkman ließ seine Charaktere Hoffnung und neuen Mut schöpfen, nur um wieder alles den Bach runtergehen zu lassen. Mit Anlauf. Was folgte war neuerlicher Kampf, gegen Menschen und Zombies, gegen fremde und eigene Unmenschlichkeit, gegen ein Leben, das so gar nichts Lebenswertes mehr an sich hatte. Und genau in diesem Augenblick schickt Robert Kirkman seinen Helden einen Lichtblick, der so unwirklich erscheint, dass sich nicht nur der Leser erst einmal die Augen reibt.

Schöne neue Welt: Einigen Menschen ist es gelungen, ein Reservat für Menschen in einer absolut lebensfeindlichen Welt zu schaffen. Es ist der Versuch einer Rückkehr in die Normalität und wirkt deshalb wie ein schlechter Scherz, ein nicht zu realisierender Neubeginn. Die kleine Mannschaft um den ehemaligen Polizisten Rick Grimes kann die neue Atmosphäre, die so trügerisch scheint, kaum fassen. Eben noch waren sie draußen, den Angriffen der Untoten ausgesetzt, fuhren durch eine menschenleere Stadt und nun wagen einige Menschen innerhalb eines Zauns eine regelrechte amerikanische Vorortsiedlung, mit spielenden Kindern auf der Straße inklusive.

Obwohl alles so schön aussieht (und für den Moment auch ist), unterlegt Kirkman die Szenerie mit Misstrauen auf beiden Seiten. Grimes und seine Begleiter können da draußen einfach nicht mehr so weiter machen. Sie sind körperlich, geistig und auch seelisch an einem Tiefpunkt angelangt. Kurz nimmt Kirkman ihnen noch den letzten Rest Hoffnung, bevor er ein Traumziel auf dem Silbertablett serviert. Die Menschen innerhalb des Zauns, die neue Mitbewohner suchen, da nur so eine Zukunft gewährleistet ist, gehen auf der Suche nach Mitstreitern vorsichtig zu Werke, denn negative Erfahrungen haben auch so gemacht. Und so schafft Kirkman schnell, dem Leser eine Erwartung einzupflanzen: Wann bricht die Gewalt aus?

Denn ohne Gewalt geht es nicht mehr. Selbst Kinder sind nicht mehr davor gefeit. Gewalt ist zum schnellen Lösungsmittel geworden, fast schon zum Allheilmittel. In dieser Welt ist für Diskussion kein Platz und keine Zeit mehr. Falsch verstandenes Mitgefühl kann sehr schnell den eigenen Tod zur Folge haben.Charlie Adlard darf bis auf wenige Ausnahmen in die relative Normalität zurückkehren und einen kleinen Teil des amerikanischen Traums und Lebensgefühls zu Papier bringen. Die Untoten sind angesichts des reißerischen Titelbildes Mangelware. Auch der Sohn von Grimes, auf dem Titel zu sehen, ein Kind, das eine Waffe trägt, muss sich seiner Haut nicht erwehren.

Normalität bedeutet auch: Halloween. Kinder, die sich verkleiden, nach Süßem verlangen, ansonsten Saures verteilen wollen, erscheinen als furchtbarer Witz. Das wirkt optisch nach einer langen Odyssee, die bereits im 12. band angekommen ist, wahnwitzig. Der Eindruck steigert sich allerdings noch durch Annäherungsversuche, Menschen, die ihren Hund ausführen wie auch durch eine kleine Party, dem Gipfel der Normalität.

Sehr viel ruhiger als sonst findet die Geschichte ihren Fortgang: Robert Kirkman tätigt einen Einschnitt, drastisch, wie die berühmte Ruhe vor dem Sturm, ein Element, mit dem Kirkman Erfahrung hat. Auch in Folge 12 immer noch ein Dauerbrenner. 🙂

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RG – Verdeckter Einsatz in Paris 2

Filed under: Thriller — Michael um 16:18

RG - Verdeckter Einsatz in Paris 2 - Bangkog-BellevilleObservieren, das bedeutet: Warten. Warten gibt Zeit zum Gespräch unter Kollegen, denn die meiste Zeit geschieht nichts. Man spricht, trotzdem bleibt eine gewisse Distanz. Das ist neu, Pierre Dragon merkt nichts. Ein Fehler, für den er sich später schämen wird. Es kann geschehen, dass man nicht alleine wartet. Wer aufmerksam ist, und Dragon ist aufmerksam, entdeckt Kleinigkeiten, so auch andere Fahrzeuge am Wegesrand, die mehr und mehr auffallen. Und wenn sich zwei verschiedene Abteilungen in die Quere kommen, entsteht nicht automatisch eine Zusammenarbeit. Ganz besonders dann nicht, wenn sich die Kollegen untereinander nicht ausstehen können.

Es gibt sie noch: Sklaverei, mitten in Europa. Der Ermittler Pierre Dragon, im Einsatz im weltstädtischen Paris, muss diese Erfahrung machen, während er sich mit Schleusern auseinandersetzt und geheimen Nähereien auf der Spur ist. In einer sehr realistischen Erzählweise, gerade heraus, schnörkellos, berichtet er über die langwierigen Ermittlungen, damit einhergehende Frustrationen und Erfolge, aber er erzählt auch vom Leben eines Kriminalbeamten allgemein, das weit entfernt ist von jenen Action-Knallern, die von Romanen und Filmen so gerne propagiert werden.

Pierre Dragon (Autor und Hauptfigur der vorliegenden Kriminal-Graphic-Novel haben denselben Namen), wirkt zunächst leidenschaftslo, unbeteiligt. Tatsächlich hat er sich ein dickes Fell zugelegt. Er kann charmant sein, wenn er will, ist aber damit nicht immer erfolgreich. Er hat Durchhaltevermögen und setzt sich für seine Ziele ein. Er ist ein Vollblutbulle, der sich auch durch Kollegen nicht in die Parade fahren lassen will. Sein Privatleben vermischt sich mit seinem Beruf. Seine Ehe ist dabei auf der Strecke geblieben. Sein bester Freund ist ebenfalls Polizist, seine neue Freundin lernt er durch den Beruf kennen.

Freunde neuerer französischer Kriminalgeschichten, härter, an Hollywood orientiert oder auch an streng konstruierten Thrillern aus dem Roman-Bereich, werden hier nicht so sehr fündig werden. Fans älterer Machart, fundierter, mit kernigen Charakteren, werden die Dichte der Erzählung, den versiert dargestellten Hintergrund und diesen besonderen Blick auf Paris sicherlich mögen. Die Figur des Pierre Dragon, für den ein Schauspieler wie Lino Ventura genau die richtige Wahl gewesen wäre, vereinnahmt den Leser von Seite zu Seite. Man lernt diesen kantigen Kerl zu schätzen.

Rückseitig findet sich ein Vergleich mit einem Schimanski-Tatort. RG, der Verdeckte Einsatz in Paris, ist echter, Dragon ist kein Schimanski, mitunter wütend, aber kein Prolet, jedenfalls nicht so wie der frühe Schimanski.

Frederik Peeters, Zeichner, führt seine Technik des ersten Teil rigoros fort. In einer Mischung aus Gerichtszeichnung, etwas Karikatur und auch gewohntem Comic-Eindruck entsteht ein Bild der Geschichte, das eine zweite, sehr starke Ebene ausmacht, in der weitere Informationen aus Gesichtern, Gestik und Kameraeinstellung herausgezogen werden können. Peeters bleibt dabei nah am Charakter, am jeweiligen Darsteller, weshalb der Eindruck eher der eines sehr guten Fernsehfilms entsteht, weniger der eines Blockbusters (um diese Vergleiche hier zu bemühen).

Es ist Februar, ein matschiggrauer Himmel liegt über Paris. Ein Sylvesterabend bringt Farbe an den Himmel, die sonst eher verhalten sind. Ab und zu, in den besseren Lebensmomenten von Dragon, wird die Farbe etwas bunter, kräftiger. Beim Abendessen mit seiner künftigen, bzw. neuen Freundin, in zärtlichen Momenten. Innerhalb von Büros, in Gebäuden im Flughafen wird realistischer ausgeleuchtet, aber draußen, besonders in der Nacht wird es unwirklich.

Echt inszeniert und dadurch echt gut: Der zweite Einsatz von Pierre Dragon vermittelt noch mehr Tiefe eines Polizistenalltags wie auch eines Polizistenlebens. Von Seite zu Seite intensiver. Empfehlenswert. 🙂

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Dienstag, 05. April 2011

DER JANITOR 4

Filed under: Thriller — Michael um 18:45

Der Janitor 4 - Schatten der VergangenheitDie Männer auf der Yacht haben nicht mit einem Überfall gerechnet. Allerdings haben die afrikanischen Piraten, die sich vermummt und mit Schnellfeuergewehren bewaffnet dem weißen Schiff auf kleinen Motorbooten nähern, auch nicht mit dieser Form der Gegenwehr gerechnet. Denn die Männer an Bord der Yacht sind ein besonderes Kaliber, die in dieser Situation absolute Ruhe bewahrt und professionell die Angreifer abwehrt. Viel schneller als gedacht, ist die Situation bereinigt. Es ist eine kleine Zwischenepisode, bevor die Männer ihr nächstes Ziel ansteuern. So, als wäre nichts gewesen.

Keine Gnade: Während sich der Janitor mit dem Codenamen Trias alias Bruder Vince mit Albträumen plagt, passieren vor der Kulisse eines sonnigen Rio de Janeiro zwei Morde oder anders gesagt: Hinrichtungen. Denn so wird es von den beiden recht ungewöhnlichen Nazi-Jägern aufgefasst. Gerechtigkeit vor Gericht scheint ein Ding der Unmöglichkeit geworden zu sein, dennoch sollen die beiden, ein alter Mann und eine alte Frau, die im Zweiten Weltkrieg auf deutscher Seite schändliche Experimente im Namen des Rassenwahns begingen, ihrer Strafe nicht entgehen. Die vierte Episode von Der Janitor springt zunächst aus dem sehr fein aufgebauten Handlungsstrang heraus.

Yves Sente produziert einen Bruch, um schließlich die Handlungsstränge zusammenzuführen. Jahrzehnte in die Vergangenheit reichen die Linien, die sich schließlich in der Gegenwart kreuzen und Bruder Vince als verbindendes Element haben.

Die Wahl der Schauplätze sorgt für internationales Thriller-Flair. Im Comic müssen keine Kosten gescheut werden. Nach dem Start in Rio de Janeiro geht es auf hohe See vor die Küsten Afrikas. Ein Abstecher nach Rom (mit einer schönen Szeneneinstellung vor die Einzelteile der Konstantin-Statue) und ein Rückblick in ein vergangenes New York, genauer nach Harlem, komplettieren die Eindrücke. Yves Sente verschachtelt die Handlungsstränge sehr gut, setzt im richtigen Augenblick an anderer Stelle wieder an und hält so über die ganze Strecke die Spannung aufrecht.

So werden nicht nur die Bemühungen des Vatikans gegen jene geheimnisvoll im Untergrund operierende Organisation geschildert, sondern auch die Erinnerungen von Bruder Vince an seine Herkunft und die Geheimnisse, die damit einher gehen. Die Jagd auf die ehemaligen Angehörigen einer Führungsschicht des Dritten Reichs ist der Strang, der sehr aktionsbetont eingesetzt wird.

Francois Boucq pflegt als Zeichner einen feinen, schnellen, aber sehr genauen Strich. Hier ist Realismus Trumpf. Ähnlich wie ein Philippe Francq (Largo Winch) mit interessanten Ortsbildern arbeitet, sind die Schauplätze hier eine wichtige, stimmungsvolle Kulisse. Einige Spots zeigen zügig, wo die Handlung stattfindet, bevor sie in die Nebenschauplätze eintaucht. Von der Weite geht es in die Enge, so in Rio de Janeiro vom Corcovado hinein in ein Wellness-Center. Dieses wird nach der touristischen Atmosphäre zu Beginn zum Schauplatz eines brutal verübten Racheaktes.

Boucq zeichnet seine Figuren mit großer Individualität. Die beiden Nazi-Jäger als Beispiel genommen, ein älterer Mann und eine junge Frau, sind ein sehr gut aufeinander abgestimmtes Duo, ehemaliger KZ-Häftling und punkiger Racheengel. Bei all den Gesichtern, die starke Charaktere widerspiegeln, wirkt die Figur des Bruder Vince beinahe ein wenig neutral, zurückgenommen, aber auch wie ein direkt erkennbares gutes Gesicht, selbst in seinen beiden Rollen.

Eine sehr spannende, aber auch überleitende Episode aus der Geschichte des Janitors. Yves Sente versieht seinen Titelhelden mit noch mehr Tiefe, während Francois Boucq Rückblicke und Gegenwart von Bruder Vince cineastisch in Szene setzt. Die Kenntnis der bisherigen Geschichte ist jedoch ein Muss. 🙂

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Oder bei Schreiber und Leser.

Sonntag, 03. April 2011

YIU – Die Apokalypse 6

Filed under: SciFi — Michael um 19:34

YIU - Die Apokalypse 6 - Das Buch des LichtsDaka, der alter Hacker, der sich weigerte, an der Seite von YIU die Flucht anzutreten, ist dort, wo er sich nun aufhält, sehr viel wertvoller. Er überspielte sein Gedankenkonstrukt in YIUs Gehirn und versucht nun für sie den Überblick zu behalten. Angesichts einer Unmenge von Kämpfen und vieler Feinheiten, die es beobachten gilt, ist es beinahe ein unmögliches Unterfangen. Die Menge der Feinde, die schier aussichtslosen Situationen, die YIU eine nach der anderen zu bewältigen hat, würden einen anderen (oder eine andere) längst das Leben gekostet haben. YIU schont sich nicht, agiert stets am Limit und diesmal könnte es ihr Ende bedeuten. Aber spielt das überhaupt noch eine Rolle?

Das Tier ist tot. Es lebe das Tier. Der Attentäterin YIU ist das Unmögliche geglückt. Sie hat das Tier, den Antichristen, den Vorboten zum Ende allen Seins, zu Fall gebracht. Doch Tehy, Guenet und J.M. Vee haben das Ende der Geschichte noch nicht erreicht. Obwohl es sich bereits um die sechste Folge der siebenteiligen Reihe von YIU, Die Apokalypse handelt, reißt die Achterbahnfahrt nicht ab. Das Tier liegt leblos am Boden, doch seine ektoplasmischen Inkarnationen sind nicht nur gefährlicher, sie sind auch zahlreicher. Während an vorderster Front von offizieller Seite aus ein Versuch gestartet wird, die Antichristen durch ein Team von Attentätern zu stoppen, geschieht im Hintergrund endlich das, für das YIU die ganze Zeit über gekämpft hat: Ihr kleiner Bruder wird endlich operiert.

Tehy und J.M. Vee geben ihrem Zeichner Guenet einige schwierige Aufgaben. Nur wenige Szenen, die Guenet hier zu Papier bringt, sind von Ruhe bestimmt. Das Tier ist gefallen, aber es ist nicht tot. Im ersten Akt beendet YIU ihre Aufgabe. Die Operation des kleinen Bruders bildet ein sehr ruhiges Gegengewicht zu diesem Gewaltszenario und ist optisch beeindruckend umgesetzt. Es wirkt wie eine sorgfältig eingesetzte Pause, die dem Leser ein wenig Erholung gönnt. Denn der zweite Akt heißt Flucht und Kampf. Mit der Vernichtung des Antichristen in seiner fleischlichen Form, hat sie den Zorn der Shiva-Teks auf sich gezogen (robotischen Drohnen). Eine Drohne allein ist ein mächtiger Gegner. YIU nimmt es gleich mit zweien auf.

Die Operation, eine Sequenz, die in ihrer Konzeption ein wenig an Matrix erinnert, besticht nicht nur durch ihre grafische Eleganz, sondern auch durch besonderen Detailreichtum und genau aufeinander abgestimmte Bilder. Allein der Eintritt des Arztes ist bereits ein Augenschmaus (ein Wort, das nicht unbedingt auf die Bilder der Operation anzuwenden ist, es schmälert aber in keiner Weise Guenets tolle Leistung). Peinlich genau wird Ji-A, dem kleinen Bruder, die Haut entfernt, bevor es an die Rekonstruktion der Organe (und mehr) geht. Derweil gebärdet sich Yiu außerhalb der Festung auf dem Tier wie einstmals ein Johnny Rico auf einem Bug (Starship Troopers).

In der zweiten Hälfte ein genial choreografiertes Wettrennen gegen Tod und Zeit: Tehy, Guenet und J.M. Vee leiten das Finale ein. YIUs Flucht vor den Shiva-Teks hätten die Wachowski-Brüder nicht besser gestalten können. 🙂

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Freitag, 01. April 2011

YIU – Die Apokalypse 5

Filed under: SciFi — Michael um 19:07

YIU - Die Apokalypse 5 - Der Sturz des evangelistischen ImperiumsDer kleine Ji-A wartet. In der Umarmung einer robotischen Amme wartet er auf seine große Schwester Yiu, die irgendwo da draußen im Chaos auf dem Weg zu ihm ist. Beide Geschwister, so weit entfernt sie auch voneinander sein mögen, hegen immenses Vertrauen ineinander. Und Yiu macht sich bereit, obwohl ihr Feind nicht menschlich ist. Obwohl das eingetreten zu sein scheint, was Legenden und Religionen vorhergesagt haben: Das Ende der Welt. Die Apokalypse. Und noch schlimmer: Der Sturz des evangelistischen Imperiums.

Die Welt geht unter: Das Tier ist erwacht. Dieses Wesen, ein Gigant, dessen Muskeln bloß liegen, bahnt sich seinen Weg aus seiner Brutstätte heraus, zerstört alles und tötet jeden, der ihm auf seinem Weg begegnet. Das ist die Apokalypse. Die Macher Tehy, zuständig für Konzept, Szenario und Vorzeichnungen, Guenet, zuständig für Zeichnungen, Grafik, sowie J.M. Vee, zuständig für Szenario, histroische und technologische Ausarbeitung überlassen in ihrer Endzeitvision nichts dem Zufall.

Vordergründig ist es ein Action-Feuerwerk, das seinesgleichen sucht. Hintergründig dürfte es mit zu den am besten ausgebauten SciFi-Krachern gehören, die jemals im Comic-Bereich zu Papier gebracht worden sind. Sicherlich: Es schießt, explodiert, schreit, spritzt, verdampft, stürzt ab in dieser Geschichte. Aber das geschieht mit erstaunlicher Berechnung und wahnsinniger Liebe zu Detail. Seien es die technische Ausrüstung, Bekleidung, Architektur oder auch die Charaktertiefe einer YIU, von der sich zu Band zu Band mehr enthüllt.

YIU wird durch Liebe angetrieben und dennoch wählt das TIER sie als Vorbild des Hasses. Eine Fehleinschätzung, denn Yiu liebt ihren kleinen Bruder derart abgöttisch, dass sie schlichtweg bereit, alles (wirklich alles) auf sich zu nehmen, um ihn zu retten und sei es auch nur für eine ganz kurze Zeit. Und nebenher stirbt die Welt.

Die fünfte Episode der siebenteiligen Reihe dieses Zyklus aus dem YIU-Universum bringt ein paar Wendepunkte und führt gleichzeitig eine neue Figur ein. Yius alter Freund Daka, eine Zukunftsversion eines Vollblut-Hackers, hilft der Attentäterin wieder (etwas) auf die Beine zu kommen. Es ist eine kurze Ruhepause, sehr kurz, bevor gleichzeitig neue Feinde ins Rennen geschickt werden. Shiva-Tek, robotische Kreaturen mit dem Aussehen eines indischen Zerstörungsgottes (hier nur weiblich und nicht männlich, wie es eigentlich sein sollte). Mit vier Armen, bewaffnet mit Klingen (anstelle von Händen) und einer Menge durchschlagender Schusswaffen und starker Panzerung, wirken diese Kampfmaschinen auf dem Schlachtfeld nur solange fehl am Platz, bis sie ihre tödliche Wirkungskraft unter Beweis gestellt haben.

Hinter den Kulissen spielen sich Dramen ab. Der Glaube, ohnehin eine merkwürdige Angelegenheit geworden in dieser Zukunftsvision, bricht in sich zusammen. Ehemals Mächtige wählen den Freitod. Guenet malt und zeichnet mit einer höchst peniblen Art, die umso erstaunlicher ist, betrachtet man den Gesamtaufwand des Werks. Feine farbliche Strukturen, sorgfältige Kamerafahrten sorgen für ein filmisches Erlebnis.

Weiterhin nichts für Zartbesaitete: Wer allerdings einen Action-Knaller vor einer SciFi-Kulisse lesen will, dessen Hauptfigur sich entwickelt, dessen Grafik überdurchschnittlich ist, der liegt hier richtig. 🙂

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