Zum Inhalt springen


Comic Blog


Montag, 11. Oktober 2010

Die Vier von der Baker Street 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:16

Die Vier von der Baker Street 1 - Das Geheimnis des Blauen Vorhangs1889. Der englische Gentleman, der sich in den Londoner Stadtteil Whitechapel verirrt hat, ist misstrauisch, indes seine Verfolger bemerkt er trotzdem nicht. Die kleinen Streuner, Kinder allesamt, gehören so sehr zum Stadtbild, dass sie niemand zu beachten scheint. Für Sherlock Holmes, den bekannten Detektiven, bedeuten sie ein hervorragendes Instrument der Beschattung. Und er kann sich auf sie verlassen. Je öfter sie ihrer Beschäftigung für den Meisterdetektiven nachgehen, umso versierter werden sie in ihrer Arbeit. Umso mehr sehen sie sich auch imstande, einen Fall selbst aufzuklären: Das Geheimnis des Blauen Vorhangs.

Die Baker Street Boys, Tom, Billy und Charlie, haben sich für ihre Verhältnisse gut mit dem Leben arrangiert. Tom, etwas eigenbrödlerisch, ist sogar auf dem besten Wege, sein Herz an das Blumenmädchen Betty zu verlieren. Als sie vor Toms Augen entführt wird, hält ihn nichts davon ab, ihre Spur aufzunehmen, um sie zu befreien.

Ein Serienauftakt ist immer etwas Besonderes. Mit den Vier von der Baker Street ist den drei Erzählern ein perfekter Start geglückt. Nach der anfänglichen detektivischen Arbeit in jener Zeitperiode, die nicht nur durch die literarische Figur Sherlock Holmes, sondern auch durch den realeren Mehrfachmörder Jack the Ripper in historischer Erinnerung geblieben ist, müssen sich die drei Helden auf eine gefährliche Rettungsmission aufmachen. Drei? Ja, richtig, zu Beginn sind es noch drei, aber so wie aus einem bekannten Duo im Laufe eines Comics einmal drei wurden, werden es auch hier … vier.

Die Erzählung besitzt Charme, Humor, Spannung, die Atmosphäre eines Jungendabenteuers von Dickens und auch ein gewisses Disney-Flair. Hätte ein Film wie 101 Dalmatiner konsequenter in einer Albumfassung gestaltet werden können, sicherlich auch mit den technischen Möglichkeiten von heute, hätte etwas ähnliches wie die Grafiken von David Etien daraus entstehen können. Die Qualität des Titelbildes zieht sich durch den gesamten Band und wurde nicht, wie in anderen Fällen, mit mehr Zeitaufwand gestaltet. Wer genau hinschaut wird viel vom Disney-Look entdecken.

Deutlich runde wie auch sehr schmale Gesichter mit großen Augen und breit ausgeführten Mündern. Stilistisch schwer anmutende Schurken mit pyramidenartigem Kopf, einem Oberkörper wie ein Fass und vergleichsweise Stummelbeinen. Ein eher bedächtiger Obergauner, mit einem Gesicht, wie es auch zu einem Kapitän Ahab passen könnte. Ein König der Bettler, der anmutet, als habe er einen Bruder bei den Ratten, der Rattenzahn heißt (aus: Basil, der große Mäusedetektiv, eine tierische Hommage an Sherlock Holmes). Gleichwohl ist bei aller Ähnlichkeit der Stilrichtung ein weitaus größerer Realismus hier zu finden.

Dies zeigt sich in allen Belangen, grafisch wie erzählerisch. Sind die Helden auch Kinder, wird das Thema Zwangsprostitution, besser gesagt die verbrecherische Versteigerung eines unberührten Mädchens, zum Hintergrund der Handlung. Da lassen die beiden Erzähler J.B. Djian und Olivier Legrand im wahrsten Sinne des Wortes den Spaß aufhören. Einerseits gibt es artistische Action zu bestaunen, andererseits fehlt den brutalen Schurken die disneysche Überspitzung, um spaßig zu sein.

David Etien hingegen bezaubert mit tollen Ansichten eines victorianischen Londons. Ob Gesamtansichten aus der Luft, die herrschaftlichen Straßen oder auch das Reich des Bettlerkönigs, alles ist prächtig anzuschauen und alleine für sich einen Blick wert.

Eine sehr liebevolle und mit Sinn für Perfektion ausgearbeitete Geschichte: Ein jugendliches Abenteuer mit ernstem Hintergrund, eine Hommage an den größten literarischen Detektiven, mit einer grafisch anspruchsvollen Gestaltung. Sehr gut. 🙂

Die Vier von der Baker Street 1, Das Geheimnis des Blauen Vorhangs: Bei Amazon bestellen

Mittwoch, 06. Oktober 2010

Valerian und Veronique 21 – Der Zeitöffner

Filed under: SciFi — Michael um 17:16

Valerian und Veronique 21 - Der ZeitöffnerDie Wolochs wirbeln das bekannte Universum durcheinander. Söldner und Monster versuchen sich ihren Teil der Zerstörung und Vernichtung zunutze zu machen. Daneben finden sich immer mehr Widerständler zusammen, die nur ein Ziel haben: Die Wolochs dahin zurückzuschicken, woher sie gekommen sind. Der Schlüssel zum Sieg über die Wolochs ist der Zeitöffner. Doch es bedarf einer Zeremonie, durchgeführt von reinen Seelen, um das Gerät zu aktivieren. Valerian und Veronique scharen ihre Freunde um sich. Ein riesige Flotte macht sich auf den Weg, den Feind täuschend, um das riskante und einzig mögliche Unternehmen zum Sieg zu führen. Und am Ende …

Alles hat ein Ende. Sage und schreibe nach 21 Bänden findet die Saga um Valerian und Veronique ihren Abschluss. Das Universum findet sich im Chaos versunken. Die Wolochs, gigantische und herzlose Monolithen, verbreiten mit ihrer Invasion eine apokalyptische Stimmung quer über alle existierenden (raumfahrenden) Völker. Nach und nachkommen viele bekannte Gesichter bisheriger Abenteuer zusammen, gibt es Rückblicke und darf der Stammleser einige bekannte Szenen oder auch Anspielungen Revue passieren lassen. Das ist nicht nur Apokalypse, das ist Abschiedstimmung.

Pierre Christin, Jahrgang 1938, schrieb diese Serie, deren erstes Abenteuer bereits 1967 erschien. Nur sehr sehr selten schaffen es Serien derart alt zu werden und eine Faszination zu wecken, wie es Valerian und Veronique geschafft haben. Die beiden Raumzeitagenten erleben ihre Abenteuer entsprechend ungebunden. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Im Abspann wird zwar eine Zeitleiste der Abenteuer veröffentlicht, das bedeutet jedoch nicht, dass diese Chronologie zwingend ist. Denn die Handlungen überlagern teilweise Gegenwart und Zukunft, so dass einzelne Zyklen auch unabhängig voneinander verstehbar sind.

Anspielungen, feinfühliger und auch alberner Humor, großer Ideenreichtum und der Sinn für eine gelungene Erzählung machen die Reihe zu etwas Besonderem. Jean-Claude Mezieres, der die Serie von Anbeginn an betreut, wies mit seinem grafischen Stil auch den Weg für andere Veröffentlichungen wie jener Abenteuer aus dem Troy-Universum, ist jedoch stilistisch reduzierter, aber in keinem Fall altmodisch. Ein Vorwurf, der angesichts des Alters der Reihe entstehen könnte. Im Gegensatz zu anderen Zeichnern hat Jean-Claude Mezieres auch sehr früh zu seinem grafischen Stil gefunden und diesen beibehalten. Während sich manche Figuren bei ihren Stammzeichnern über die Jahre hinweg deutlich verändern, hat Jean-Claude Mezieres diese höchstens noch ein wenig reduziert und seinen instinktiven Strich kultiviert.

Der Humor entsteht nicht nur durch die Erzählung allein, sondern auch und gerade durch die Charaktere, auch ihrer Konstellationen zueinander. Es ist unbeschreiblich, was hier alles aufeinander trifft, gerade im vorliegenden großen Finale Der Zeitöffner. Auf seiner Homepage zeigt Jean-Claude Mezieres, dass er sich nicht scheut, filmische Anleihen zu nehmen. Für Fans der Reihe entsteht so auch immer ein wenig Suchbildcharakter.

Der Tuschestrich ist waghalsig, organisch, immer etwas wackelig auch. Wenn mal etwas daneben gegangen ist, dann ist das eben so. Und es stört keineswegs. Der so entstehende Ausdruck erzeugt Atmosphäre. Die Farbgebung ist schlicht und zumeist ohne großartige Schattierungen. Wie sehr allerdings eine Veränderung durch eine aufwendigere Kolorierung eintreten kann, zeigt sich an einigen erzählerischen Einschüben, die auf die Gesamtereignisse im Universum hinweisen. Diese Kolorierung ist malerischer, kräftiger, eigentlich greift sie den Tuschestrich auf. Eine durchgehende Kolorierung in dieser Art wäre schön, aber für die Reihe ungewöhnlich gewesen.

Die Vorkenntnis vergangener Abenteuer ist ein Muss. Mit dem vorliegenden Band 21 schließt die Reihe auf sehr schöne Weise ab (sogar mit der Option auf einen Neubeginn). Wer über die Jahrzehnte der Erscheinung der Reihe einiges verpasst hat, kann dieses demnächst mit der Veröffentlichung der Gesamtausgabe nachholen. Ein Klassiker. Top! 🙂

Valerian und Veronique 21, Der Zeitöffner: Bei Amazon bestellen

Dienstag, 05. Oktober 2010

Star Wars Sonderband 55 – Invasion 1

Filed under: SciFi — Michael um 17:48

Star Wars Sonderband 55 - Invasion 1 - Angriff der Yuuzhan VongDie Besatzung des kleinen Sternenschiffes hatte sich nicht auf besondere Vorkommnisse eingerichtet. Eher beschaulich verläuft die Reise des Wookies und der Chiss-Frau, als eine Nachricht die Langeweile beendet. Ein Volk wurde vernichtet. Der letzte Überlebende schickt eine Warnung vor den Yuuzhan Vong hinaus ins All. Obwohl er einer Kriegerrasse entstammt, der Kampf alles galt, hat er nur einen Rat für alle anderen: Flucht. Die Yuuzhan Vong, so sein Fazit, kann niemand aufhalten.

Die Yuuzhan Vong: Eine Rasse, die vollkommen auf Eroberung ausgerichtet ist. Die keine Gnade kennt. Der es gleich ist, ob sich ein Feind verteidigt oder nicht. Die Fremdartigkeit der Yuuzhan Vong, abgesehen von ihren Absichten, läuft etwas aus der gewohnten Bahn des Kriegs der Sterne. Das Volk ist überaus monströs, viel monströser als alles, was je eine Cantina von innen gesehen hat. Ihr Auftreten und ihr Eroberungswillen wirken wie eine Mischung aus den Schatten aus Babylon 5 und den Necromongers aus Riddick. Besonders ihre lebende Schiffstechnologie erinnert sehr stark an die Schatten.

Tom Taylor, Autor, entführt den Leser in eine Zeit des Aufbruchs. 25 Jahre nach der Schlacht um Yavin scheint sich die Galaxis zu beruhigen. Ein neuer Jedi-Orden nimmt Gestalt an. Just zu diesem Zeitpunkt beginnt die Invasion der Yuuzhan Vong. Ihr Auftreten mag manchen Star Wars Fan auch an die Invasion durch die Ssi-Ruuk erinnern. Parallelen sind vorhanden. Beide Spezies sind mit den Sith verknüpft. Erstere mit Darth Krayt, letztere sogar mit Imperator Palpatine. Hier offenbart sich schnell eine Schwäche der Geschichte: Es ist viel geschehen. Das Star Wars Universum hat sich weiterentwickelt. Kinder wurden geboren, Beziehungen geschlossen, Chewbacca ist verstorben. Ein Nicht-Fan wird viele Schwierigkeiten der Stamm-Charaktere untereinander nicht einschätzen können.

Bleibt, wie in allen Star Wars Geschichten, eine Reihe von neuen Figuren, die hier frisch kennengelernt werden können. Wie in einem Filmschnitt wird zwischen den einzelnen Handlungsebenen gesprungen, manchmal etwas zu ruckhaft, aber immer mit einer Geschwindigkeit, die zum Weiterlesen zwingt. Neben der Brutalität, die der Kampf gegen die Yuuzhan Vong zwangsläufig mit sich bringt, kann die neue Spezies mit ungewöhnlichen Angriffstechniken überraschen. Ihre Art, tödliche Kreaturen in der Schlacht einzusetzen, bringt außergewöhnliche Ansichten hervor.

Colin Wilson, einerseits als Zeichner im Star Wars Universum erprobt, ist gleichzeitig in verschiedenen Genres außerhalb der Space Opera versiert. Blueberry (Western), Point Blank (Superhelden) oder Rain Dogs (Science Fiction) gehören zu seinen vielfältigen Veröffentlichungen. Seine Bilder sind stets kraftvoll, mit starker Strichführung und stehen in enger Verwandtschaft zum Stile eines Cam Kennedy, der mit Das dunkle Imperium nachhaltigen Eindruck in den schier unzähligen Star Wars Veröffentlichungen hinterlassen hat. Wilson gehört zu den Zeichnern, der solchen Fußstapfen mit Bravour folgen kann.

Obwohl er nicht zu den Künstlern gehört, die versuchen die Gesichter der bekannten Figuren schauspielergetreu wiederzugeben, fängt er den Kern einer Figur wie Luke Skywalker (Mark Hamil) oder Han Solo (Harrison Ford) ein. In seinem persönlichen Stil ist ein Grinsen sofort Han Solo zuzuordnen, ist ein Lächeln sogleich als jenes von Luke Skywalker erkennbar. Mit sichtlicher Freude hat er die Aliens gestaltet, von denen es gerade auf dem Schmugglermond Nar Shaddaa nicht wenige gibt.

Grafisch top, aber Invasion ist nicht gerade eine Einsteigergeschichte in das unbändig gewachsene Star Wars Universum. Wer Fan ist und sich auskennt, wird sich über die tolle Arbeit von Colin Wilson freuen. Sich an die schnelle Erzählung von Tom Taylor zu gewöhnen, fällt leicht. 🙂

Star Wars Sonderband 55, Invasion 1, Angriff der Yuuzhan Vong: Bei Amazon bestellen