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Comic Blog


Samstag, 25. Juli 2009

M

Filed under: Thriller — Michael um 17:23

M - Eine Stadt sucht einen MörderEine Stadt sucht einen Mörder. Kinder sind verschwunden. Seit einiger Zeit treibt jemand in der Stadt sein Unwesen, tötet vermutlich die vermissten Kinder. Die Polizei steht vor einem Rätsel, scheint machtlos. Die Menschen in der Stadt werden zusehends missmutiger, verzweifelter. Hysterie macht sich breit. Die Polizei holt schließlich zum großen Schlag aus. Sie ist überpräsent in Stadt und stört so die Kreise derer, die sich in der Unterwelt tummeln. Mit der Polizei im Nacken lässt es sich schwer Verbrechen begehen. Die Unterweltler fassen einen Plan. Wenn es schon nicht der Polizei gelingt, dann machen sie den Mörder eben dingfest. Und wenn sie ihn haben, dann können sie auch über ihn zu Gericht sitzen … Auf ihre Art.

Ein Film ist ein Film. Und ein Comic ist ein Comic. Sicherlich haben beide durchaus ähnliche Erzählmöglichkeiten, aber letztlich sind sie so verschieden wie Äpfel und Birnen. Jon J Muth hat sich eine berühmte Filmvorlage angenommen. M Eine Stadt sucht einen Mörder gehört den berühmtesten Filmen von Fritz Lang (Regisseur) und Peter Lorre (Schauspieler). Muth übersetzt den Film von 1931 in ähnlicher Bildsymphonie. Mehr sollte dazu auch nicht gesagt sein. Sicher kann ein Comic eine Erzählung eines anderen Mediums stützen, aber letztlich muss eine Geschichte, wie sie sich präsentiert, alleine stehen. So kann die mehrseitige Einführung zum Comic von einem Filmkritiker zum Verständnis des Comics beitragen, aber sie muss überflüssig sein.

Die Bildsprache des Comics spricht für sich. Diese entführt in eine andere Zeit und in eine andere Welt. Sie ist grau. Sicherlich ist sie in Wahrheit so bunt wie die unsere, doch angesichts der Bilder mag man nicht daran glauben. Es wirkt immer diesig, bewölkt, neblig, wie in einem unscharfen Traum. Das Ergebnis ist eine kalte und unmenschliche Atmosphäre. Die Stadt ist düster, sie stößt das Leben ab und so betrachtet, ist es kein Wunder, dass sie ein Monster wie diesen Kindermörder hervorbringt.

Warte, warte nur ein Weilchen,
bald kommt der Schwarze Mann zu dir,
mit dem kleinen Hackebeilchen,
und macht Schabefleisch aus dir.

Der kleine Reim, der eigentlich auf den Mörder Fritz Haarmann abzielt, der in den frühen 20er Jahren sein Unwesen trieb und schließlich gefasst und hingerichtet wurde, leitet hier die Geschichte ein. Der Mörder dieser Geschichte begeht zwar ein furchtbares Werk, aber sein Handeln ist zu keiner Zeit derart grausam, brutal und monströs wie das eines Harrmanns. Seine Taten bilden zwar einen zentralen Punkt, aber sie sind nur ein Schwungrad für alle anderen Akteure: Die Polizei einerseits, die Verbrecher andererseits. Die Polizei bleibt im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Sie ermittelt mit den gebotenen Mitteln, sie drohen ein wenig, sie bedienen sich polizeitechnischer Methoden. Ganz anders verhalten sich die Verbrecher, die (nur scheinbar) keine Regeln befolgen.

Ihre Fahndung ist aktiv und nur den Ohren eines Blinden ist es zu verdanken, dass ein Suchraster plötzlichen Erfolg bringt. Ein Kreide-M auf der Schulter wird zum Fanal. Der Mörder kann nicht entkommen. Alpträume setzen dem Mörder zu. Ein Mädchen mit durchschnittener Kehle nähert sich ihm in geschönter Horrorfilmtheatralik von unten über eine Treppe. Als er erwacht, sieht er sich dem Verbrechertribunal gegenüber. Es wird eine der intensivsten Szenen, aber auch eine, die immer mehr der Realität entgleitet, bis es zu einem sehr abrupten Ende kommt.

Es ist die Kälte der Handlung und der Optik, die den Leser zurückhält. Die Bilder, auf der Basis von Fotografien erstellt, sind technisch zwar toll umgesetzt, wirken aber zuweilen hölzern, da die Schauspieler sich eher puppenhaft aufgestellt haben oder ihre Mimik nicht zur Szene passt. Hier hätte ein sprechender Mensch auch sprechend gezeigt werden können. Denn so entzieht sich an vielen Stellen die Lebendigkeit und die Emotionen und der tiefe Riss, den die Handlung aufzeigen will, sind eher eine Art pantomimischer Darstellung, in der die Sprechblasentexte störend wirken. In seiner Gesamtheit jedoch, geht man von einzelnen Darstellungen weg, packt es wieder, vorausgesetzt man verweilt nicht allzu lange bei einem Bild oder einer Seite.

Ein Comic-Experiment, eine ziemlich grandiose künstlerische Arbeit (auch im Sinne von: sehr viel Arbeit), wie sie in Zeiten eines schnelllebigen Marktes selten anzutreffen ist. Die Handlung stellt sicherlich wegen ihrer Kälte ein zweischneidiges Schwert dar. Ein Blick vorab wäre gut. Wen die alte Schwarzweißoptik nicht stört, wer eine gewisse Stummfilmoptik mag, der wird dieses Projekt sehr mögen.

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