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Comic Blog


Montag, 06. April 2009

Die Kaste der Meta-Barone 3

Filed under: SciFi — Michael um 20:40

Die Kaste der Meta-Barone 3: Eisenhaupt und Dona VicentaEisenhaupt! Wie kann ein Mensch ohne Kopf lieben? Ist er überhaupt noch ein Mensch? Ist es nicht Fakt, dass Eisenhaupt ebenso wie seine Vorfahren ein würdiger Krieger der Meta-Barone ist? Wirklich? Nein, ganz und gar nicht. Eisenhaupt vergisst Regeln nicht nur, er bricht sie auch nicht, er befolgt überhaupt keine, da er keinerlei Regeln anerkennt. Er benutzt die eigene Mutter als Drohmittel gegen den Vater, sieht ungerührt und mitleidslos zu, wie beide sterben. Eisenhaupt ist ein Monster. Dieser Meta-Baron, so mechanisch er auch sein mag, dürstet nach Anerkennung. Was nützt es, der beste Kämpfer des Universums zu sein, wenn sich selbst in höchster Bedrängnis keiner findet, der ihn zu Hilfe ruft?

Um in den Hochadel aufgenommen zu werden, fehlt Eisenhaupt eine Stimme, die Stimme derer, deren Vater er getötet hat. Fragen kommen auf. Die Kaste der Meta-Barone muss fortgesetzt werden, sie bracht Söhne. Doch welche Frau würde sich in eine Monströsität mit einem stählernen Kopf verlieben, geschweige denn mit ihm einen Nachkommen zeugen. Eisenhaupt muss sich auf das größte und schwierigste Abenteuer einlassen, der Suche nach der Erfahrung von Liebe.

Ein Cyborg, durch und durch mit Verachtung erfüllt, soll die Liebe finden. Aber wie? Erklärungen aus Büchern zerfallen zu Staub und der letzte Dichter verstarb vor langer Zeit. Und plötzlich schenkt Autor Alexandro Jodorowsky seinen Helden einen Fingerzeig, ja, eigentlich ein kleines Wunder, denn es gibt noch einen Dichter, einen allerletzten.

Wer nun befürchtet haben mag, dass Jodorowsky seinen Helden in einen Liebestaumel hinabgleiten lässt, sieht sich gewaltig getäuscht. Das Wesen, dem es keinerlei Skrupel bereitete, die Finger seiner Mutter abzuschneiden (ohne Betäubung, versteht sich), begibt sich auf einen Weg, der für völlig neu ist. Auf der Suche nach dem letzten Dichter kann Eisenhaupt seinen ersten gewaltlosen Sieg verbuchen, ein für seine Verhältnisse ungeheuerliches Ereignis. Doch für Jodorowsky ist das nur der Anfang. Eisenhaupt braucht einen richtigen Kopf und er bekommt ihn. Dichter und Krieger vereinigen sich. Die Legende von Frankenstein und seinem Monster, der das Alleinsein nicht mehr ertrug, schimmert deutlich durch. (Allerdings haben seine Schöpfer es schon lange vorher vorgezogen, aus dem Leben zu scheiden.)

Die Realität ist der Ort, wo das Bewusstsein erlischt. Sich aufzugeben heißt, sich zu finden.

Rätselhafte Aussagen eines Dichters. Kantige, markige Sprüche eines Kriegers. Wie passt das zusammen. Nachdem die Liebe bei den Meta-Baronen schon häufiger seltsame Wege nahm, dürfte es durch die Symbiose der beiden, Eisenhaupt und Zaran Krlezas, zu der ungewöhnlichsten Reise überhaupt kommen. Aus den beiden wird eine neue Person namens Melmoth. Dieser neue Charakter drängt darauf, seine alten Fehler wieder gut zu machen (so schwierig das auch sein mag, nachdem Eisenhaupt den Vater seiner Angebeteten getötet hat). Hindernisse, überlebensgroße Hürden, Jodorowsky legt seinem Helden nicht nur Steine in den imaginären Weg. Ein Meta-Baron muss beinahe im wahrsten Sinne des Wortes Berge versetzen (oder wenigstens etwas ähnlich großes).

Neben vielen wahnsinnig ausschauenden Visionen und irren Mutationen, riesigen Explosionen und vielen anderen schaurigen Dingen darf Zeichner Juan Gimenez sich auch der Schönheit widmen. Schön ist der Dichter, schön ist die Auserwählte, schön so mancher Ort. Die gigantische Halerke mit ihren Vogelschwärmen ist ein von Gimenez paradiesisch gestalteter Ort inmitten von Zerstörung und Krieg. Beides, Schönheit und Irrsinn, legt Gimenez wie stets mit großer Protzigkeit ein, überbordend wie ein Schlachtengemälde. Würde dieser Zeichner nicht in unserer Gegenwart leben, würde er zu jenen Künstlern gehören, die Kämpfe vergangener Epochen auf die Leinwand bannen und Fresken an die Wände und Decken klösterlicher und kirchlicher Gebäude malen.

Die heimlichen Helden von Jodorowsky und auch von Gimenez sind Onko und Lothar. Das hat nichts mit Kaffee und dem, der ihn trinkt, zu tun, sondern mit zwei putzigen Robotern. Onko, der getreue kleine Roboter, der die Meta-Barone eine halbe Ewigkeit begleitet, erzählt die Geschichte seinem Gefährten Lothar. Die beiden Roboter, insbesondere Onko, verfolgen nicht nur den Werdegang der Krieger, denen sie dienen. Sie rücken auch stärker ins Geschehen. Endlich ist der Meister wieder da. Bislang konnte der Leser nur die Kopien des aktuellen Meta-Barons bestaunen, die sich zwar wacker schlugen, aber nur eine beschränkte Haltbarkeit aufwiesen. Wieder schlägt die Gigantomanie in Feuer, Blitz und Zerstörung zu (und als Leser erwartet man nichts anderes). Diese Nebenepisode über die … (das wird nicht verraten) mit den beiden Robotern macht Lust auf mehr. Das robotische Design verbunden mit einem losen Mundwerk könnte die Onko und Lothar zweifellos als Hauptakteure der Zukunft ins Licht rücken.

Die beste Liebesgeschichte von Jodorowsky, natürlich nicht ohne seinen wahnwitzigen Einfallsreichtum, toll in Szene gesetzt von Gimenez, der hier seine Meisterschaft nicht nur beweist, sondern zementiert. 🙂

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