Monthly Visitor. Diese beiden Worte, der Name eines Revolverblattes, wecken nicht bei vielen Menschen – genauer gesagt, Frauen – viel Interesse, noch weniger Anerkennung. Paloma West kennt sich damit aus, aber es macht ihr nichts. Sie ist immer auf der Jagd nach Geschichten über den letzten Mann. Bislang waren das alles unbestätigte Gerüchte. Bislang … Denn der letzte Mann, Yorick Brown, ist soeben in Sidney eingetroffen. Es verlief nicht so wie geplant, aber immerhin, er ist da und auch seine Begleiterinnen haben es geschafft. Leider wurden sie von einem U-Boot der australischen Marine aufgebracht und befinden sich nun in Gefangenschaft. Kein guter Ausgangspunkt für Yorick, der in Australien seine verschollene Verlobte finden wollte.
Agentin 355 hat andere Prioritäten. Ihr ist es nur wichtig, Yoricks Affen Ampersand zu finden, der nach Japan entführt wurde. Zusammen mit Yorick stellen sie die letzten männlichen Exemplare dar und bilden die Ausgangsbasis für Forschungen, um die menschliche Art vor dem Aussterben zu bewahren.
Yorick, der es gewohnt ist, sich zu verstecken, schafft es dank seines Starrsinns, doch noch seinen Willen zu bekommen. Nur wie immer ist er nicht so vorsichtig, wie Agentin 355 es gerne hätte. Er war schon häufig der Gejagte, aus den unterschiedlichsten Gründen, aber, dass man ihn als Schlagzeile verwenden will, das ist neu.
Extrablatt! Extrablatt! Letzter Mann in Australien entdeckt! Die Zeitungen haben mehrfach mit ähnlichen Schlagzeilen aufgemacht. Jetzt gibt es dank Paloma West ein handfestes Foto mit nackten Tatsachen dazu.
Brian K. Vaughan schlägt ein neues Kapitel in der Saga von Y – The Last Man auf. Yorick und seine Begleiter, Agentin 355 und Dr. Mann, hat es auf die andere Seite des Globus verschlagen. Ein Foto – eigentlich das Foto, denn im Augenblick gibt es in dieser Geschichte wohl nichts, was mehr Aufsehen erregen würde – hat unterschiedliche Folgen.
Yoricks Mutter erhält die Zeitung gut einen Monat später. Yoricks Verlobte weiß leider nichts davon. Zu den dramatischen Ereignissen erhält der Leser Einblick in die Vergangenheit von einigen Hauptdarstellern und zeigt Nebenakte der Geschichte auf. Yorick wird Vater und weiß nichts davon. Die Kirche ist auf der Suche nach dem nächsten Pontifex. Hero, Yoricks Schwester bekommt neue Einsichten in das Leben ihres Bruders und Ampersand ist auch noch da. Der kleine Affe macht seine ganz eigenen Erfahrungen in der Welt der Frauen.
Im vorliegenden Band ist die Handlung etwas zerschnitten. Jeder Teil ist wichtig, doch wirken die Informationen etwas zusammengewürfelt, nicht immer am richtigen Platz. Einige Bestandteile und Informationen hätte man sich als Leser ausführlicher gewünscht. Die Kirche, Nonnen und weibliche Schweizer Gardisten, sucht ihren nächsten Heilsbringer, der männlich sein soll, denn so wurde es vorher gesehen. Vaughan streut viele Details in die Handlung ein, die ein riesig komplexes Bild dieser neuen Welt entwerfen, aber auch von der eigentlichen Handlung ablenken. Interessant ist besonders alles, was sich im direkten Umfeld von Yorick abspielt. Das betrifft gerade die geheimdienstlichen Aktivitäten von Rose, die sich an Dr. Mann heranschmeißt. Neben der Kirche brauen hier alle ihr eigenes Süppchen, das noch heißer gekocht wird, da es um das Überleben der Menschheit geht.
Vaughan beschreibt jeden Abschnitt mit größtmöglicher Spannung, aber er schreibt nicht mehr so geradlinig wie zu Beginn der Reihe.
Pia Guerra wird hier als Hauptzeichnerin der Reihe abgelöst. Sie entwirft klare Formen, beinahe modellhaft. Die Ausstattung verwendet das Nötige zur Gestaltung der Umgebung, aber nicht mehr. Der Mensch ist stets das Zentrum der Aufmerksamkeit. Guerra arbeitet mit einer Art TV-Optik.
Ihr Nachfolger, Goran Sudzuka, weiß ihren grafischen Stil derart perfekt zu kopieren, dass der Übergang nicht auffällt. Horror-Fans konnten seine Arbeit auch erst vor kurzer Zeit in dem Abenteuer um Lady Constantine bewundern. Er arbeitet sehr versiert, ohne einen experimentellen Charakter zu besitzen, wie so manch andere Newcomer, die sich durch einen extravaganten Stil profilieren wollen. Sudzuka ist Techniker, Handwerker. Alles, was die Geschichte erzählt, ist Pflicht. Alles andere lenkt nur ab. – Und es funktioniert.
Immer noch wegen seiner Unvorhersehbarkeit eine der reizvollsten aktuellen Comic-Serien. Vaughan macht aus einer bekannten Welt mit nur einem Fingerkniff etwas völlig Neues. Die Situation wird unmerklich immer verzweifelter. Ein SciFi-Roadmovie rund um den Globus im Sinne von Klassikern wie der Omega-Mann. Nicht ganz perfekt, aber nah dran. 🙂
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