Ein Krieg scheint nicht mehr abwendbar zu sein. Frankreich hat halb Europa gegen sich aufgebracht. Nach einem kurzen Bürgerkrieg muss es sich nun gegen äußere Feinde wehren. Während es in die spanischen Lande vorstößt, nähern sich immer mehr feindliche Armeen von Osten und bedrohen schließlich sogar Paris.
Doktor Julièn Sauniere interessiert der Krieg nur am Rande. Er hat wahrlich andere Probleme. Bei seinen Nachforschungen ist er zwischen die Fronten von Aristokratie, Kirche und Inquisition geraten. Nicht nur, dass ihn ein Golem angegriffen hat, nun schmort er auch noch in einer Zelle, nachdem Pater Calvet ihn an die Inquisition verraten hat.
Nachdem Calvet sieht, wie die Kirche mit Sauniere umspringt, bereut er seinen Verrat und befreit den Doktor. Doch zu welchem Preis! Sauniere unterdessen gibt nicht auf. Noch ist das Geheimnis um die Merowinger-Könige nicht vollends gelüftet, noch ist die Abstammungslinie seit Jesus Christus weiter im Dunkeln. An der Seite von Genevieve Tournon, einer früheren Geliebten und jetzigen Freundin, macht er sich auf den Weg nach Südfrankreich. Aber weiterhin ist es keine leichte Spurensuche. Nach seiner Flucht haben seine Feinde die Verfolgung noch einmal intensiviert.
Der optische Wechsel ist komplett vollzogen. Im vorliegenden 4. Band von Rex Mundi hat Juan Ferreyra den Zeichenstift in der Hand.
Das Ergebnis ist ein grafischer Leckerbissen geworden. Normalerweise ist eine Lobrede des Autors, in diesem Falle Arvid Nelson mit Vorsicht zu genießen, aber hier erwachen die frühen 30er Jahre eines alternativen 20. Jahrhunderts zu einem geradezu unheimlichen realistischen Leben.
Unheimlich ist hier besonders der kalte Schrecken, der hier vermittelt wird. Der Anführer der Inquisitoren verbirgt sein Gesicht hinter einer silbernen Maske (siehe Titelbild). Bei Hofe ist alles Pomp und Glanz, aber die Taten sprechen eine andere gnadenlose Sprache, die sich in der Bombardierung von Schloss Versailles, der Ermordung des Königs und dem europaweiten Krieg äußert. Der unheimliche Killer, den Sauniere bereits tot glaubte, trägt einen weißen Anzug.
Diese Kühle prägt auch die Politik Frankreichs. Der neue selbst ernannte Führer, der Herzog von Lorraine, wähnt sich selbst als neue alte Stimme von Gottes Gnaden, mehr noch als direkter Nachfahre von König David und Jesus Christus.
In dieser Welt, in der neben dem Glauben auch die Magie lebendig ist, könnte eine solche Abstammungslinie nicht nur die Politik in ihren Grundfesten erschüttern, auch die Kirche käme ins Wanken, würde sie allein diesen Gedanken zulassen. Allein deshalb ist Sauniere zu einem unliebsamen Zeugen geworden, der zum Schweigen gebracht werden muss.
Arvid Nelson (u.a. Hellgate London) hat die Geschichte zwar vielschichtig aufgebaut und erzählt so, dass man auch als Leser nichts verpassen sollte, dafür ist jedoch eine Welt entstanden, in die es sich so richtig hineinfühlen lässt. Durch kurze Einschübe, Zeitungsartikel und Kriegsjournale erfährt der Leser von der Lage Frankreichs. Immer verändert sich die ehemalige Monarchie zu einem faschistischen Staat. Nelson und Ferreyra zögern auch nicht, mit den obligatorischen Zeichen eines faschistischen Staates zu spielen, wie sie hinreichend aus den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts bekannt sind.
Obwohl sich beide Handlungslinien, die von Lord Lorraine und Sauniere diesmal nicht begegnen, steigt die Spannung von Seite zu Seite. Denn ob sie wollen oder nicht, dass Schicksal beider Männer ist miteinander verknüpft und letztlich werden oder fühlen sich wenigstens beide von jenen verraten, die sie liebten oder vertrauten.
Doch während der eine nach der Wahrheit sucht, jagt der andere nur der Macht hinterher. Am Ende bleibt nur verbrannte Erde.
Als Zugabe finden sich in der 4. Ausgabe von Rex Mundi nicht nur ausgezeichnete Cover-Interpretationen verschiedenster Künstler, sondern auch eine kleine Geschichte, die die erste Zusammenarbeit von Nelson und Ferreyra darstellt. Sauniere und Tournon haben in dieser auch magischen Welt eine Begegnung mit einem Horror-Wesen, das allseits beliebt und bekannt ist im Genre. Kurz und dennoch überraschend macht das Pärchen eine sehr eigenständige Erfahrung mit dieser Kreatur.
Grafisch hinreißend und gruselig realistisch in Optik und Erzählung sind hier alternative 30er Jahre entstanden, die einfach packen. Der vierte Band dürfte der bisher beste der Reihe sein, aber das ließ sich von jedem Nachfolgeband behaupten. Noch sind einige Rechnungen offen. Sauniere hat die Kirche im Nacken. Das verspricht auch für die Zukunft noch ein spannendes Szenario. 🙂
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Mehr Informationen zur Serie (mit Ausblicken) unter www.rexmundi.net.




















