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Comic Blog


Samstag, 07. Juni 2008

Die Chaos-Kicker 2 – Ausgedribbelt

Filed under: Cartoon — Michael um 16:35

Die Chaos-Kicker 2 - AusgedribbeltDen Gegner schwindlig spielen – was wäre, wenn das gelingen könnte? Wenn es ein solches Fußball-As gäbe, mit solchen überragenden Fähigkeiten? Dies ist eine der vielen Fragen, die hier für den Fußball-Fan, oder solche, die es werden wollen, beantwortet werden.
Gürsel setzt mit Ausgedribbelt seinen alltäglichen Fußballwahnsinn fort, den er mit Abgegrätscht begonnen hat.

Es geht um schnelle Stürmer, Ausnahmetalente, Männer in Trikots, die keine Abwehr der Welt stoppen kann. Die einen nehmen dann doch tatsächlich das Wörtchen Schwalbe wörtlich. Die anderen haben es nur besonders eilig, weil sie ein sehr dringendes Bedürfnis über den gegnerischen Strafraum hinaus treibt.
Und es gibt solche, die es immer wieder versuchen, mit dem Ball ein Himmelstor zu schießen.
Nach einigen Situationen, in denen diese Art der Fehlschüsse natürlich zu Heiterkeitsausbrüchen des Gegners reizt, ist dieser vollkommen überrascht, wenn die Kirsche über einen Umweg dann doch sitzt.

Die Grinsegesichter bei einem Torschuss oder anderen Erfolgserlebnissen sind Gold wert. Wer den Film Fußball ist unser Leben oder FC Venus gesehen hat, kann den naiven Spaß und die besondere Form der Ehrerbietung dem Gott Fußball gegenüber nachvollziehen, die auch von den Spielern und Trainern in diesem Cartoon-Band praktiziert wird.

Aber es kommt auch noch hinzu, dass wir dieses Jahr sechs Monate Lieferzeit für die neuen Ferraris haben.
Derartige Probleme haben Spieler und Trainer hier eher selten. Auch wird die Seite der Fans nur selten beleuchtet – und dass beide Seiten zusammen ins Spiel kommen, ist so gut wie gar nicht der Fall. Es sei denn, man zieht den Priester in Betracht, der den Spieler ermahnt, er möge den Namen des Herrn nicht zum Fluchen missbrauchen.

So kommen wir denn zu den anderen Gesichtern des Fußballs, den Hasserfüllten Motzgesichtern, die neben Gesichtsvarianten, die von Panik oder Verzweiflung künden, die häufigsten Mimiken in diesen jeweils einseitigen Cartoons sind. Während ein Trainer schon mal in sein Käppi beißt, beißt ein Polizeihund in den nächstgelegenen Spielerhintern. So reagiert sich halt jeder auf seine Art ab.

Ausgedribbelt macht da weiter, wo Abgegrätscht aufhörte. Anarchisch, lustig, albern, auch schnell, meist wortlos mit internationalem Fußballwitz, den jeder Fan auf der ganzen Welt versteht. Einfach mal in der Halbzeitpause lesen, wenn Rückstand herrscht und wieder gute Laune bekommen. 🙂

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Wallace & Gromit – Fußballfieber

Filed under: Cartoon — Michael um 12:28

Wallace & Gromit 1 - FußballfieberDa besucht Wallace endlich einmal wieder seinen alten Freund Stan Pendlebury – nicht zuletzt, um ihm eine neue Erfindung vorzuführen – da wird sein alter Freund auch schon im nächsten Moment verhaftet. Und plötzlich muss Wallace schauen, wie er den Fußballverein Brimsdale wieder auf die Beine bekommen kann. – Ausgerechnet Wallace! Aber sein Freund Stan sitzt vorerst in Untersuchungshaft. Sein Partner Digby Hedgerow hat die Buchhaltungsaufzeichnungen manipuliert und stets einen Teil in die eigene Tasche gewirtschaftet. Leider war er dabei auch so schlau, um Stan die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben.

Aber du weißt ja, das Entscheidende beim Fußball ist immer noch die Mannschaft.

Und genau mit dieser Mannschaft ist es nicht weit her. Auch nicht mit dem Stadion, den sonstigen Einrichtungen, eigentlich stimmt es bei Brimsdale vorne und hinten nicht. Wallace hat die besten Absichten, aber Respekt will auch verdient sein. Am folgenden Tag legt Wallace los. Der Fufballomat ist erst der Anfang.

Vom Kurzfilm zum Kinofilm und jetzt zum Comic: Wallace und Gromit, ein Glatzkopf und sein Hund, sind fast so etwas wie der Charlie Brown und der Snoopy des ausgehenden alten und des beginnenden neuen Jahrtausends.
Wallace tüftelt die Sachen aus, die Gromit ausprobieren muss – nicht immer will. Allein wer die Geschichte aufmerksam liest, versteht bereits nach wenigen Seiten wieso. Denn Wallace’ Erfindungen sind nicht immer besonders ausgereift. Sie funktionieren, auf die eine oder andere Weise, aber nicht immer gut, zum Leidwesen derer, die sie benutzen oder jener, die in der Schusslinie solcher Erfindungen stehen.

So bezieht der Humor in Fußballfieber, dem Auftakt von Wallace & Gromit-Comics, seine Inhalte aus eben diesen Machwerken von Wallace, die ähnlich eines Schneeballs eine ganze Lawine in Gang setzen.
Die zweite Humorsäule ist Gromit. Er ist der Harold Lloyd der Hunde (ohne das freche Grinsen). Stoisch, und vor allem, unermüdlich macht er sich ans Werk und bügelt häufig das aus, was Wallace angerichtet hat.

Ein gutes Rezept ändert man nicht. So erzählt auch Ian Rimmer seine Geschichte in gewohnter Wallace & Gromit-Manier, eine Geschichte, die sicherlich auch filmtauglich gewesen wäre.
Theoretisch hätte die Handlung als eine Art Fotoroman umgesetzt werden können, aber man beschränkte sich auf einen handfesten Comic, für den sich Brian Williamson verantwortlich zeichnet – im wahrsten Sinne des Wortes.
Wallace und Gromit sind mit einer architektonischen Genauigkeit gezeichnet. Zufälle gibt es hierbei nicht, einzig ließe sich sagen, dass Inker Bambos Georgiou hier und da mal eine Linie etwas verrutscht. Aber das ist letztlich Erbsenzählerei und fällt nur wegen seiner sonstigen Akkuratheit auf.

Williamson dürfte wohl zu den Grafikern gehören, die die seltsamsten Gerätschaften seit langem in einem Comic zu Papier bringen durften. Der Fußballomat, ein Trainingsgerät für Torwächter, fand schon seine Erwähnung. Das passende Gegenstück ist der Torwartomat. Und für das leibliche Wohl in der Fußballarena sorgt der Snack-o-Matic.

Das sorgt bei dem Leser für große ungläubig geweitete Augen, bevor er richtig ablachen kann. Später geht es sogar wieder in die Lüfte – Kinobesucher erinnern sich –vielleicht nicht ganz so gesteuert, aber ebenso rasant. Passend zur EM 2008 gibt es das Abenteuer der beiden nun in Deutschland. Fußballfans, die die Freud und Leid eines kleinen Vereins nachvollziehen können, können hier unbesorgt mitfiebern. 🙂

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Freitag, 06. Juni 2008

Spirou + Fantasio – Die Gruft derer von Rummelsdorf

Filed under: Cartoon — Michael um 18:49

Spirou + Fantasio Spezial - Die Gruft derer von RummelsdorfDas muss ja wohl wieder ein Fehlalarm sein. Sicher wird sich der Graf wieder bei Spirou und Fantasio (und auch Pips) entschuldigen und ihnen zum Trost ein Gläschen Himbeerlikör anbieten. – Mit letzterem behält Fantasio sogar Recht. Aber ein Fehlalarm ist es nicht.
Ein verschwundener Pips führt sie auf die Spur eines uralten Geheimnisses, in die Gruft derer von Rummelsdorf. Eine kleine Spieluhr gibt Rätsel auf und natürlich bringen leuchtende Pilze wieder Licht ins Dunkel. Und so findet sich in den Memoiren von Kratius von Rummelsdorf auch die einzige Fotografie von Napoleon Bonaparte. – Aber das ist eher nebensächlich.

Auf den Spuren der Klassiker: Das Team Yann und Fabrice Tarrin schicken Spirou und Fantasio in bester Tradition auf ein wahnwitziges Abenteuer.
Alles beginnt vergleichsweise harmlos. Eine überstürzte Fahrt nach Rummelsdorf dürfte dem Spirou-Fan sehr bekannt sein. Und mit einer Träne im Augenwinkel kann er sich auch über dieses wunderbare Auto der beiden Helden freuen, das schon auf dem Cover zu sehen. Auch das Zyklomobil darf nicht fehlen. Spätestens an dieser Stelle sollte es allen Lesern klar sein – solchen, die Spirou und Fantasio kennen – es wird ein absolut klassisches Abenteuer mit vielen kuriosen Einlagen, die an alte Zeiten erinnern und natürlich eine Reise um die halbe Welt.

Yann lässt sich denn auch nicht lumpen. Die in Co-Produktion mit Fabrice Tarrin ausgedachte Geschichte bringt nicht nur Spirou und Fantasio auf den Plan. Auch das Fräulein Steffani, die jenen schicksalsträchtigen Vortrag über das Marsupilami hielt. Wie damals ist Steffani immer noch bereit, für einen guten Artikel ein entsprechend hohes Risiko einzugehen. Mit der Selbstverständlichkeit dieses Verhaltens sind auch alle anderen Figuren wieder in ihren spezifischen Rollen. An Zyklotrop wird durch diverse Spielereien wie Zyklomobil oder Zyklostrahler erinnert – ja, und das Marsupilami?

Das ist nicht dabei. Leider. Es kann nicht. Aber dafür haben sich Yann und Tarrin einen Ersatz einfallen lassen, der nicht ganz so sympathisch, doch nicht weniger geheimnisvoll ist. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn bei dem Ersatztier handelt es sich um eine kleine Sphinx. Die schlägt denn auch nicht mit ihrem langen Schwanz die Leute um, aber hypnotisiert sie und macht sie ihrem Willen Untertan.
Die Figuren sind in Stellung gebracht und sogleich schlagen die beiden Macher auch zu.

Bereits die Reise der vier Freunde (+ Pips) ist ein gehöriges Tohuwabohu, dessen Rasanz wunderbar vergleichbar ist mit Geschichten wie Schnuller und Zyklostrahlen. Der Graf von Rummelsdorf ist abgedrehter als jemals zuvor, was auch die riesige Angst der Anwohner in seiner Umgebung trefflich zu erklären vermag.
Und wo es schon von der Erzählstruktur an André Franquin zu erinnern vermag, tun es die Bilder erst recht. Das slapstickhafte Verdrehte in den Gliedmaßen und Gelenken, in den Mimiken der Figuren, das leichte Verknautschen von Fahrzeugen wie auch Landschaften wird der Fan wieder erkennen.
Nur wirken die Figuren insgesamt nicht so gedrungen, nicht so putzig, wie es einmal war. Man könnte sagen, die Figuren sind eine Mischung aus frühem Franquin und spätem Franquin.

Fabrice Tarrin ist ein ziemlicher Witzbold, im besten Sinne freilich. Im Anhang hat er sich selbst gezeichnet (als Lemur), wie er beim guten alten Tischerücken versucht, den verstorbenen Franquin dazuzubewegen, ein neues Spirou-Album zu zeichnen. Das misslingt, deshalb muss Tarrin selbst ran. In sehr humorvoller Weise inszeniert Tarrin die Inszenierung eines Comics – und er lässt auch nicht aus, dass er sich mit Yann nicht immer einig ist.
Seine DinA5-Skizzen, die er zur Festlegung einer Seitenstruktur anlegt, würden anderen Zeichnern schon zur Veröffentlichung gereichen. Aber dann geht die Feinarbeit erst los. Insgesamt entsteht so die humorvollste Erläuterung zur Entstehung eines Comic-Bandes seit langem.

Klassisch, humorvoll, überdreht. Yann und Tarrin nehmen den Staffelstab von Franquin beinahe nahtlos auf. Jene Fans, die wieder zurück zur Natur der Serie wollen, sollten bei dieser Spezial-Ausgabe zugreifen. 🙂

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Donnerstag, 05. Juni 2008

Remember

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:36

RememberEine Jugend mit Träumen, mit der Verweigerung der bestehenden Werte. Etwas tun wollen, was andere nicht mögen. Einen Weg gehen, der anderen zu steinig ist. Ein Mensch kann sich als Ausgestoßener fühlen, wenn er sich und seine Kunst unverstanden glaubt, wenn er nicht zu Kompromissen bereit ist. Auf einem Comic-Festival begegnet die junge Yu Xin einem Comiczeichner, der ein beeindruckendes Talent besitzt. Aber nicht veröffentlicht. So oft er mit seiner Kunst Geld verdienen wollte, so oft wurde er für seine Arbeit zurechtgewiesen.

Yu Xin arbeitete einst erfolgreich als Comiczeichnerin, doch im Sinne der Gesellschaft war dies eine Aktivität ohne Zukunft. Yu Xin fügte sich und suchte sich nach dem Studium eine Stelle als Sekretärin. Die Begegnung mit diesem rebellischen Künstler reißt alten Wunden bei ihr auf. Wenig später gibt sie ihr bisheriges Leben auf, nur um zu ihren alten Träumen zurückzukehren.

Was heißt: „Sie küssen sich.“?! Der Leser könnte das unüberlegt nachmachen. Außerdem hat das Mädchen einen zu kurzen Rock.

Das Verständnis einer biederen und überaus konservativen älteren Generation steht im vollkommenen Gegensatz zu den Wünschen der jungen Menschen. Comics sind nicht schlecht, aber sie gehören auf Linie gebracht – und die jungen Menschen gleich mit.
Ständig hinterfragen sich diese jungen Menschen, ständig rechtfertigen sie sich, ständig wehren sie sich, ständig unterschätzen sie sich, aber – wie jeder junge Mensch – sie überschätzen sich und ihre Erkenntnisse auch.

Glaub mir, so ändert sich nichts. In dieser Welt kannst du nur dich selbst ändern.

Selbstzerstörung alleine genügt nicht. Alles um den jungen Comiczeichner herum wird abgelehnt, sogar die Zuneigung von Yu Xin, die er so dringend nötig hat – was er natürlich erst so richtig bemerkt, als sie ihm den Rücken kehrt.
Die erste Geschichte Niemand kann fliegen – Niemand kann sich erinnern ist ungewöhnlich für einen Comic. Sie ist ungewöhnlich ernst und einfühlsam. Und sie ist ungewöhnlich schön gemalt. Da Benjamin in Personalunion schreibt und malt, ist diese, wie auch die nachfolgende Geschichte aus einem Guss. Neonfarbene Grün- und Blautöne bieten ein kaltes Bild dieser Welt um die beiden Liebenden herum. Vereinzelt wird die Kälte durchbrochen, zumeist mit Pastelltönen, ganz selten von einem knalligen Rot. Im Grundsatz ist die Atmosphäre eisig.

Bemerkenswert ist die Traurigkeit dieser jungen Menschen. Die Grundhaltung erinnert an die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts in Europa und auf dem nordamerikanischen Kontinent. Sie sind auf ihre Art rebellisch wie James Dean und Natalie Wood, desorientiert, angewidert, auf der Flucht. Selten waren optisch derart schöne Menschen so traurig.
Interessanterweise erkennt Benjamin in einem Nachwort zur Geschichte vieles, was auch der Leser sieht, aber er redet sich auch in dem Maße klein, wie sein Protagonist sich groß redet.

Die nächste Geschichte, Der Sommer in jenem Jahr, beginnt sehr bunt, wieder in diesem beinahe märchenhaft zu nennenden skizzenhaften Zeichenstil, bevor sie in einem graugrünen Alptraum eines jugendlichen Alltags versinkt, der so in einer westlichen Kultur nicht denkbar erscheint. Die Trennung zwischen Stadt- und Landleben, in der von Benjamin beschriebenen Welt, ist auch noch eine Trennung von Kultur und Zeit in einem Land.

Unter Eine Welt der Farben wartet Benjamin mit einer ganzen Reihe von Portraitzeichnungen auf. Sicherlich ist es jeweils nur ein Bild, doch es ist spürbar – wie in jedem guten Portrait – dass sich eine Geschichte dahinter verbirgt, oder wenigstens verbergen kann. Benjamin erläutert diese Bilder anhängig. Man mag diese Erläuterungen annehmen, seinen eigenen Ansichten beifügen oder auch abschütteln.
Die Bilder zeigen natürliche Situationen wie auch solche, die einem Computerspiel entstammen könnten. Gelacht wird in den Portraits nur in Ausnahmefällen.
In einem anhängigen Portraitfoto von Benjamin selbst sieht der Künstler auch nicht sehr glücklich aus – aber es ist auch eine durchgängig kühle Traurigkeit, die ein Mitgefühl schwierig macht.
Und wenn ich die diversen Texte von Benjamin lese, die begleitend vorhanden sind, weiß er das auch.

Schöne Comic-Kunst, gefühlvoll inszenierte Momentaufnahmen, keine leichte eingängige Kost, ein Kulturbild, wie es der Künstler in China sieht, ein kulturelles Gefühl, wie es für Außenstehende heute nur schwer zu begreifen ist. Wer sich mit ernsthaften, echten Themen im Comic auseinandersetzen will, sollte zugreifen. 🙂

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Mittwoch, 04. Juni 2008

Castaka – Dayal – Der erste Vorfahre

Filed under: SciFi — Michael um 20:10

Castaka - Dayal - Der erste VorfahreKönig Divadal überschreitet die ungeschriebenen Regeln des Krieges und entführt die Königin, Oriela, des Feindes. Wer die Regeln verletzt, dem kann kein ehrenvoller Kampf eingeräumt werden. König Omezo sinnt auf Rache. Die Amakura, der feindliche Klan, sollen ausgelöscht werden. Alle. Männer, Frauen und Kinder.

Es gibt Science Fiction-Abenteuer und Science Fiction-Epen, die aus der Feder von Alexandro Jodorowsky stammen.
Mit den Meta-Baronen hat sich dieser Schriftsteller ein eigenes Universum erschaffen. Dem Leser, dem die bisherigen Ausflüge in die Geschichte dieser Krieger noch nicht umfangreich genug waren, der kann nun weiterführend in das Werden und Sterben des Planeten Zwerg-Ahur eintauchen.

Weißt du, wenn das Universum ein helles Zentrum hat, bist du auf diesem Planeten am weitesten davon weg.
So verhält es sich auch mit dem von Jodorowsky konzipierten Kleinplaneten, der eigentlich alles besitzt, was ein Volk zum Leben braucht, ohne sich gegenseitig zu bekriegen. – Sie bekriegen sich trotzdem.
Zwei Kasten, Amakura und Castaka, liegen in ständiger Fehde miteinander. Dieser Krieg ist ein Witz. Nicht, weil er besonders komisch wäre, sondern weil Jodorowsky mit sehr viel scharfer Ironie beschreibt, denn dieser Krieg ist so nötig wie ein Kropf.

Obwohl dieses Volk ganz anders aufgestellt sein könnte, hat es sich dem Krieg mit altertümlichen Waffen verschrieben und, vielleicht noch wichtiger, einem hanebüchenen Ehrenkodex. Bereits den Auftakt, den Zweikampf zwischen dem alten Bérard und dem jungen Othon, beschreibt Jodorowsky als Relikt dieser Urzeiten, aber Bérard ist wenigstens ein Spur realistischer als sein junger Nachfolger.
Jedes Gesetz erlaubt eine Ausnahme …
Eine Gesellschaft, die ihre Weisen allzu bereitwillig opfert, kann die Zeiten wohl kaum überdauern. Noch dazu eine Gesellschaft, die zu starrköpfig ist, um Veränderungen zuzulassen.

Um diese Lektion in den Köpfen der jungen Menschen um sich herum zu verankern, erzählt Bérard seine Geschichte. Eine Geschichte von Blut und falsch verstandener Ehre – letztlich eine Geschichte, die enorm an japanische Verhaltensweisen erinnert.
Doch jede Geschichte, deren Krieger einem Kodex folgen, erinnert an Bushido (Nein, nicht der Rapper!) Wenn Jodorowsky diesem Weg des Kriegers in seinem Epos noch den Namen Bushitaka gibt, sind Parallelen nicht mehr von der Hand zu weisen.
Seltsamerweise verschließt sich niemand – zunächst jedenfalls – diesem Kodex. Auch die Abschottung nach außen, zum Rest des Reiches, ist ein Thema. Im Gegensatz zum alten Japan ankern die Kanonenboote nicht nur vor der Küste, sie schießen auch ohne Warnung, weil sie von der elitär altertümlichen Einigelung leid sind.

Mit Das Pastoras tritt ein Künstler auf den Plan, der diese mittelalterliche Welt nicht nur mit höchster Präzision darstellt, sondern auch mit höchstem Genuss am Detail, an Farbenpracht, an Massenszenen, Ausstattungen, Landschaft …
Ein Paradebeispiel ist eine doppelseitige Schlachtszene, die deutlich macht, dass vor der Kunst das Können kommt. Ich musste einfach mit der Lupe an das Bild herangehen, um noch mehr Details zu entdecken. Obwohl brutal – und überaus blutig, wie auch viele andere Szenen der Geschichte – ist die Technik schlicht und ergreifend schön, versiert und in ihrer Umsetzung aufwendig.
Neben dem Krieg, der Tragödie, in der es kommen muss, wie es kommt, steht Dayal im Mittelpunkt. Dieser Held wird von Das Pastoras von der Geburt an begleitet.

Säugling, Kindheit, Pubertät, all dies sind Lebensabschnitte, die Pastoras beinahe lässig löst. Grafisch interessanter wird es, wenn der junge Schnösel, der Dayal zuerst ist, über seine Abstammung aufgeklärt wird und in ein tiefes emotionales Loch fällt. In diesen Verwandlungen ist einfach alles dabei und sie helfen enorm den dramatischen Effekt der Geschichte zu verstärken.

Wie ein Mythos inszeniert und erzählt – endlich erfährt der Leser, wie es zu den legendären Meta-Baronen kommen konnte. Jodorowsky schnürt sich selbst nicht ein, erzählt ironisch, blutig, aber auch gerissen im Hinblick auf einige Wendungen. Mit Pastoras wurde ein Grafiker gefunden, der sich mit Größen wie Gimenez und Segrelles messen kann. 😀

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Dienstag, 03. Juni 2008

Luuna 3 – Auf den Spuren von Oh-Mah-Ah

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:40

Luuna 3 - Auf den Spuren von Oh-Mah-AhDie Nacht vergeht – doch der Schaden, den Luuna angerichtet hat, bleibt. Die junge Frau, die von einem Fluch beladen mit den kleinen Waldgeistern durch die Lande streift, macht sich bei der Bewohnern der Natur nicht gerade beliebt.
Die Angst geht um vor diesem Wesen, dass zwar hübsch ist, aber gefährlich. Die Wesen des Waldes wollen ihr eine Chance geben. Während ihre beiden Totems noch darüber diskutieren, wer die größere Macht über Luuna besitzt, klettert die Indianerin in ein uraltes Höhlensystem hinunter.

Dabei war die Reise hierher schon merkwürdig genug. Die drei kleinen Pipintus, Waldgeister, die an der Seite von Luuna reisen, halten mit ihren Bemerkungen einfach nicht inne. Wompat, einer der drei, geht sogar seinen anderen beiden Brüdern ein wenig auf die Nerven – und das will etwas heißen.
Plötzlich zerreißt es die Luft vor ihnen, ein Platschen ertönt: Vor ihnen rappelt sich ein Fischadler wieder auf die Beine. Etwas benommen fragt er sich, wo die Lachsforelle abgeblieben sein mag, die er gerade noch gefangen hat. Ohne den Beobachtern irgendeine Aufmerksamkeit zu schenken, macht er sich wieder auf den Weg.

Diejenigen, die den Reisenden größere Aufmerksamkeit schenken, sind die Shinakas. Den Pipintus sehr ähnlich, haben diese fliegenden Shinakas nur ein Ziel: Wiedergutmachung. Wenn Luuna nur ein bißchen am Wald – und an ihrem Seelenheil – liegt, dann wird sie auf das Angebot der Shinakas eingehen und die Blume von Ha Wah Taka pflücken.

In der dritten Episode begegnet Luuna dem großfüßigen Oh-Mah-Ah, einem Vertreter der …
Bigfoots? Vielleicht auch unter dem Namen Sasquatch bekannt? Dieses seltsame Wesen, manchmal im Norden der USA und in Kanada gesichtet, war einst ein Freund der Kleinfüßler, bis die Eifersucht die Klein- gegen die Großfüßler aufwiegelte. So groß und gewaltig diese urtümlichen Riesen auch aussehen, so sanft sind sie auch und so wenig hatten sie eine Chance gegen die gewalttätigen Kleinfüßler, den Menschen.

Sie sind schlecht gemalt! Man erkennt gar keine Details!
Die Farben sind doof!

Obwohl die Pipintus sich derart über die Wandmalereien aufregen, trifft ihr Urteil weder auf diese Höhlenbilder zu, noch auf den Comic selbst.
Der disneyeske Zeichenstil von Nicolas Keramidas passt weiterhin wunderbar zu diesem inidianischen Abenteuer. Der Sasquatch könnte in der Tat dieser bekannten Animationswerkstatt entsprungen sein. Die beiden Rückblicksdoppelseiten, auf denen Oh-Mah-Ah vom Schicksal seines Volkes erzählt, bilden nicht nur einen Mittelpunkt des Bandes, sondern wirken wie ein Herz der Geschichte.

Damit liegt auch ein gutes Beispiel für die grafische Aufbereitung des Bandes vor. Sicherlich schafft Keramidas tolle Vorlagen für die einzelnen Seiten, aber was Bruno Garcia farblich daraus macht, hat nicht nur einen ganz besonderen Charme, sondern es vermittelt auch ein fantastisches Flair im wahrsten Sinne des Wortes.
Ein dunkler bedrohlicher Wald in der Nacht, ein goldener Tag unter glänzendem Geäst, eine grünlich schimmernde Höhle, ockerfarbene Wandmalereien und mit weiteren optischen Eindrücken, so wechseln sich die Szenarien ab und unterstreichen die märchenhafte Atmosphäre.
Durch die comichafte Farbgebung und den Tuschestrich im Vordergrund und den mehr dem Realismus zugeneigten Impressionen im Hintergrund entstehen schöne plastische Effekte.

Ähnlich wie seinerzeit Bigfoot an der Seite der Hendersons Unsinn trieb und Spaß verbreitete, ist auch Oh-Mah-Ah an der Seite von Luuna zu Späßen aufgelegt.
Um gänzlich rein zu sein, musst du deine Kleider ausziehen.
Beinahe wäre Luuna darauf hereingefallen. Aber nur beinahe, denn der kleine Zweifüßler an Oh-Mah-Ahs Seite stellt die Angelegenheit richtig.
Autor Didier Crisse wiegt den Leser durch den Humor zuerst in Sicherheit, bevor er mit einem konzeptionellen Hammer zuschlägt und den Leser mit einem grauenhaften Cliffhanger im Stich lässt.

Traumhaft gut, weil traumhaft anders. Ein leicht erzähltes indianisches Abenteuer, sehr mystisch und liebevoll geschildert von Didier Crisse, hervorragend bebildert von Nicolas Keramidas und Bruno Garcia. Wer den Einstieg verpasst hat, sollte dies schnell ändern. 😀

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Montag, 02. Juni 2008

Boule & Bill 3

Filed under: Cartoon — Michael um 18:00

Boule & Bill 3Wer kleine Hunde kennt, der weiß, welchen Unsinn sie machen können. Zu welchen Leidensmienen sie fähig sind, um das zu bekommen, was sie wollen. Und welche Überraschungen sie ihrer nächsten Umgebung, insbesondere ihren Herrchen und Frauchen, bereiten können.
So einer ist Bill, ein Cocker Spaniel. Dass Cocker Spaniel auch Jagdhunde sind, mag angesichts ihrer optischen Putzigkeit etwas in Vergessenheit geraten. Wer jedoch einen Blick in die gesammelten Abenteuer von Boule & Bill, aus der Feder von Jean Roba wirft, der sieht sofort, dass Cocker reinrassige Jagdhunde sind, die es faustdick hinter den Ohren haben.

Nun, ein paar Eigenschaften hat Bill schon, mit denen ein echter Cocker Spaniel nicht aufwarten kann. Die Schlappohren werden von Bill – manchmal zum Leidwesen des Vaters von Boule – auch zweckentfremdet und das in einer hervorragenden Präzision, wie sich Boules Vater in Zurück an den Absender am eigenen Leib überzeugen kann. Perfekt wird der Schneeball gefangen und noch perfekter Boules Vater an den Kopf gedonnert – und das nur mit den Ohren!

Der Winter hält noch allerhand Abenteuer für die beiden Freunde parat. Ein kleiner Junge wie Boule könnte keinen besseren Freund erwischen, denn in ihrer Fähigkeit, immer wieder neuen Nonsens zu ersinnen, bestreiten sie ein stetes Kopf-an-Kopf-Rennen. Herrlich, wie Bill herangehüpft kommt und Lawinenhund spielt – nachdem Boule gemeinsam mit einem Freund einen harmlosen Passanten unter einem Schneehaufen verschüttet hat.

Zur Ehrenrettung von Boule & Bill muss man sagen, dass nicht aller Unsinn ihrer Fantasie entspringt. Auch Boules Vater hat einen gehörigen Anteil daran. Er ist einer dieser Charaktere, die wider besseres Wissen ins Fettnäpfchen treten oder weil sie sich gerade unbeobachtet glauben. Und wenn dann noch eine neue Nachbarin mit ganz eigenen Vorstellungen von Nachbarschaft nebenan einzieht (und auch noch eine Katze hat), dann ist das Chaos einfach vorprogrammiert.
Bei Frau Dreispitz führt er sich sofort gut ein, als nicht der Sohn, sondern der Vater ein Spielzeugflugzeug in ihr Fenster wirft. Durch die Rauchschwaden eines Grills animiert, ruft Frau Dreispitz die Feuerwehr. Jetzt ist der Kleinkrieg endgültig eröffnet.

In schönster Cartoon-Manier von Jean Roba sind Boule & Bill mal Beobachter, mal sind sie direkt am Schabernack beteiligt. Besonders schön wird es, wenn niemand etwas von Bills Beitrag zu einem mittelschweren Desaster mitbekommt. Da läuft er nicht nur zu einem Metzger, um eine Bestellung aufzugeben, sonder gleich zu einem halben Dutzend. Da stirbt er im Cowboy- und Indianerspiel als Pferd den Heldentod, so dass sich jeder von diesen schauspielerischen Fähigkeiten eine Scheibe abschneiden könnte – und Boule bemerkt es nicht einmal.

Die kleinen Knuffelgesichter, die Roba hier zeichnet, funktionieren auch heute noch. Kreisrundes Gesicht, Knopfaugen, eine markante Nase, ein prägnanter Haarschnitt, mit kleinen Ausflügen in die Karikatur – wer sich den Hundefriseur, einen verhinderten Coiffeur, genau betrachtet, versteht, was ich meine.
Die Zeitlosigkeit des Humors entsteht auch aus der Vermeidung von Themen, die eine zeitliche Festlegung ermöglichen. Hier geht es nicht um neumodischen Schnickschnack, bei dem man sich in zehn Jahren fragen würde, um was es eigentlich geht.

Dieses Familienleben, wie hier von Roba gezeigt, mit diesen beiden Rangen, kann auch heute noch so humoristisch aufs Korn genommen werden. Spätestens wenn Bill vor dem Spiegel die Pose von Napoleon einnimmt, muss man sich einfach kringeln. 😀

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Fix & Foxi 5

Filed under: Cartoon — Michael um 16:50

Fix & Fox 5 - 2008Urlaub! Endlich! Auf einem Schloss. Einem finsteren Schloss. Mit finsteren Gestalten. Sprechenden Kissen! Moment? Sprechenden Kissen? Ja, keine Poltergeister, sondern Polstergeister. Sprechenden Uhren und natürlich Flaschengeistern. Na, dahaben sich Fix und Foxi ja wieder was eingebrockt!
Den Geistern sind sie allerdings immer eine Nasenlänge voraus, obwohl es auch hier gilt, den Kopf zeitweise besser einzuziehen, da die Gespenster und Knochenmänner allesamt keinen Spaß verstehen.

Nach all dem hat Lupo immer noch nicht die Nase voll und übt sich in Magie. Die Betonung liegt auf übt, denn wie immer ist Lupo nicht gut in dem, was er macht. So finden Oma Eusebia und Fix und Foxi nur noch ein dampfendes Hexagramm auf dem Boden des Wohnzimmers vor. Von Lupo ist keine Spur mehr zu sehen.

Gespenstisch, teuflisch geht’s in dieser Ausgabe zu, dem eine Portion Gespensterschleim beiliegt, um die Erwachsenen zu erschrecken.

Massimo Fecchi weiß, als eine Art Epilog, noch einen schönen Einseiter mit Lupo nachzuliefern. Nicht immer hat jemand keine Angst, weil er besonders mutig ist. Manchmal, so zeigt es uns diese kleine humoristische Variante, hat man einfach keine Ahnung, dass Angst in diesem Moment angebracht wäre. – Da gibt sich Lupo einmal Mühe und dann ist das auch wieder nix!

Dieser Lupo, wie auch jener von José Antonio González, ist der beste – zusammen mit den anderen Figuren (Eusebia, Fix und Foxi) natürlich, die sich in Reise in die Unterwelt ganz enorm gruseln. Im Reich von Satanas ist es nicht nur extrem heiß, sondern diese Welt hat auch ihre ganz eigenen Gesetze.
In bester Cartoon-Manier treiben hier Untiere ihr Unwesen, durchleben so manche Sünder ihre persönliche Hölle und Raser sind dazu verurteilt, fortwährend Unfälle zu bauen.

Klar, dass der Spaß hier an erster Stelle steht – nicht für die Sünder, aber für die Leser! Diese Unterwelt lässt nichts aus. Wer sich im Vorfeld in der Geschichte Grusel-Dusel noch über die vielfältigen Wesen wunderte, der wird über die Masse dieser Unholde in der Unterwelt staunen.
Kurt Italiaander zeichnet Lupo kurz darauf wieder ins Gruselmilieu, etwas hölzerner vielleicht, aber die beiden Kurzepisoden zeigen, wie fein sich mit einer Figur umgehen lässt, die nicht lernfähig ist und ungehemmt Fettnäpfchen sucht.

Neben einer reichen Seitenzahl an Comic-Geschichten (die Peppercorns nicht zu vergessen) warten Infos, Witze und Rätsel auf die jungen Leser.
Von González wünschte man sich eine längere Geschichte, am besten in Albumlänge. Die erwähnte Geschichte, in der Unterwelt spielend, ist ein gutes Beispiel dafür, wie fein solch ein Album werden könnte.

Sonntag, 01. Juni 2008

Die Chaos-Kicker 1 – Abgegrätscht

Filed under: Cartoon — Michael um 18:49

Die Chaos-Kicker 1 - AbgegrätschtIn diesen Tagen, ach, was sag’ ich, in diesen Zeiten ist Fußball zu einer Sprache geworden, zu einem alles verbindenden Element ähnlich der Musik. Glaubt Ihr nicht? Na, aber der Humor ist es auf jeden Fall. Und wenn Fußball und Humor zusammenkommen, dann kann alles passieren.

So ist es auch in der ersten Ausgabe der Chaos-Kicker mit dem schönen Untertitel Abgegrätscht.
Bei der Lektüre dieser Sammlung von einseitigen Witzepisoden wird erst einmal deutlich, wie viele Situationen eines Fußballspiels zu einer humoristischen Variante einladen – wenn es das reale Fußballgeschehen nicht schon selber schafft und einfach in eine Zeichnung übertragen werden muss.

Freudentänzchen heißt es so gleich zum Auftakt, mit dem uns Zeichner Gürsel erfreut. So mancher Indianertanz durch den Strafraum, nach einem erfolgreichen Torschuss, brachte schon allerhand Freude auf die Zuschauerränge. Dieser hier dürfte auch für einige Schadenfreude sorgen – und bei den Herren der Schöpfung für ein unangenehmes Mitgefühl in der Lendengegend.

Ein Flitzer in Form eines Postboten erhält hier völlig neue Bedeutung (hat vorher ein Flitzer schon versucht mitzudribbeln?). Und was ist eigentlich mit den Trainern los? Regen die sich nur auf, wenn die Kamera auf sie gerichtet ist? Und sonst nicht? Je rauer die Sitten auf dem Platz werden, umso nötiger kann es für einen Schiedsrichter sein, die roten Karten nur noch unter Polizeischutz zu verteilen.
Dank Gürsel und der urkomischen Gesichter all der Spieler, Schiedsrichter, Trainer und Nebenakteure bleibt hier kein Auge vor Lachen trocken.

Dieser Humor ist wirklich international, denn er kommt meistens ohne Worte oder im Höchstfall mit ein, zwei Sätzen aus. (Demzufolge haben die Übersetzer Joost van Duiven und Jens Presche hier nicht allzu viel zu tun.) Jeder, der nur einmal im Stadion gewesen ist oder wenigstens die Sportschau sieht, kann diesen Humor nachvollziehen und herzhaft grölend über den Boden rollen.
Nun bin ich leider nicht in dem Maße der Riesenfußballfan (womit der Beweis erbracht wäre, dass der Humor auch bei weniger versierten Spielbeobachtern funktioniert) und kann deshalb nicht sagen, ob Gürsel hier auch mit real existierenden Trikots gearbeitet hat. In dem Fall dürften die Witze noch tiefer reichen und mit Anspielungen versehen sein – betrachte ich mir allerdings so manche Statur wie auch die Haartracht einzelner Spieler, ist dies auf keinen Fall von der Hand zu weisen.

Fußballfans, die vor der EM 2008 noch so richtig in Stimmung bringen wollen, können mit all diesen Momentaufnahmen über Mann- und Raumdeckung, Sturm, Stürmer, arbeitslose Trainer, genervte Schiris, einfallsreiche Mittelfeldspieler und formvollendete Schlafmützen ihren absoluten Spaß haben – der Rest, also wohl eher Frauen, wird sich angesichts dieser gesammelten Manpower-Episoden eher langweilen.
Wissen halt nicht, was gut ist! Selbst Schuld! 😀

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Der Ultimative Iron Man 2

Filed under: Superhelden — Michael um 17:16

Der Ultimative Iron Man 2Wer ist Tony Stark? Was ist mit seinem Organismus geschehen? Ausgerüstet mit einer wahnsinnig anmutenden Heilkraft um die ihn Helden wie Captain America und Wolverine beneiden würden, ist eigentlich nur noch eines größer: Sein Ego.
Doch so sehr er sich auf seine Heilkraft auch verlässt, es dauert, damit ein Arm nachwachsen kann. Und als hätte er nicht genug mit seiner eigenen Heilung zu tun, kommen noch dubiose Regierungskräfte ins Spiel, die gerne den neuen Roboter von Stark im Feld einsetzen wollen.

So machen sich Iron Man und sein Backup War Machine auf den Weg in terroristisch besetztes Gebiet. Anfänglich scheint es ein Spaziergang für die gepanzerten Männer zu werden. Doch dann stellt sich ihnen ein Kind mit einem Sprengstoffgürtel in den Weg.

In diesem Band darf wieder ein grafisches Dream-Team auflaufen: Cary Nord und Dave Stewart.
Der Fantasy- und Conan-Fan konnte die beiden schon in den neuesten Ausgaben des Helden aus Cimmeria bewundern. Nun haben sich die beiden Grafiker dem Stählernen des Marvel Universums und dem grauen Riesen.
Wenn einer mit Muskeln so umzugehen versteht, dass sie einen äußerst natürlichen Eindruck hinterlassen, dann Cary Nord. Der Hulk besitzt hier diese ungeheure und zur vernünftigen Darstellung nötige Grobschlächtigkeit, die ihn besser aussehen lasst als in der Statur des muskulösen Wucherungen ausgerüsteten Giganten – so, wie ihn manch andere Zeichner zu Papier bringt.
Manchmal ist weniger einfach mehr.

Warren Ellis nutzt die Episode Ultimativer Mensch außerdem dazu, um dem Leser die Figur des Bruce Banner näher zu bringen. Banner, innerlich gebrochen, weil er bei seiner Arbeit versagt hat, geht auf das Angebot weiterer Tests ein, damit der Hulk langfristig unter Kontrolle gebracht werden kann.
Der Ansatz, die Technologie von Tony Stark zu nutzen, um den Hulk-Ausbruch zu unterdrücken, ist treffsicher, der gesamte Aufbau der Geschichte sehr zielgerichtet.
Zu bemängeln wäre einzig, dass Stark das Experiment so ausufern lässt. Andererseits passt es auch zum Charakter der Figur, großmäulig, risikofreudig, ein Mann, der sich dank seiner Regeneration für unsterblich zu halten scheint.

Ellis beschreibt das Szenario mit der richtigen Portion Dramatik, während derer man natürlich nur auf den Auftritt des Hulk wartet. Wie eben schon erwähnt, wird dank der zeichnerischen Fähigkeiten der beiden Künstler ein richtiges Happening daraus.

Doch auch die erste, weitaus ernsthafter formulierte Episode darf nicht unerwähnt bleiben. Das von Pasqual Ferry und Dean White in Cover-Qualität angelegte Abenteuer zeigt dem Leser denn auch gleich zwei Eiserne zum Preis von einem in Aktion.
Diese Phrase ist sogar wörtlich zu verstehen, denn in der Geschichte von Orson Scott Card ist die Regierung ursprünglich nur an einem Roboter zur Terroristenbekämpfung interessiert. Der aktuelle globale Kampf gegen den Terror bietet auch hier (wie im Kinofilm) ein Szenario, das einem vor geraumer Zeit in einem Comic noch unwirklich vorgekommen wäre, seit 9/11 aber eine Art Standard geworden ist – der nicht überstrapaziert werden sollte.

Eine runde Mischung aus der Entwicklungszeit des Ultimativen Iron Man, wie auch eine noch bessere Episode zusammen mit dem Ultimativen Hulk, der hier einen weiteren Teil seiner Kräfte präsentieren kann. Dank der zeichnerischen Fähigkeiten aller Beteiligten ein echtes Leckerchen. 🙂

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