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Comic Blog


Mittwoch, 12. März 2008

Global Frequenzy 2

Filed under: Thriller — Michael um 20:01

Global Frequenzy 2Der Leiter des MI6 wollte sich mit Kollegen des deutschen und russischen Geheimdienstes in Hamburg treffen. Leider entpuppt sich das Treffen als Falle. Ein Glück, dass Miranda Zero mit einer Auswahl ihrer Agenten zur Stelle ist und das Attentat vereiteln will.
Wenig später befindet sich Ms. Zero selber im Mittelpunkt des Interesses. Jemand möchte die Global Frequenzy zerschlagen. Aber Ms. Zero weigert sich beharrlich, die entsprechenden Auskünfte zu erteilen.
Damit nicht genug. Chirurgen laufen Amok. Zwei Killer haben miteinander eine Rechnung zu begleichen. Chicago soll dem Erdboden gleichgemacht werden. Die Global Frequenzy hat alle Hände voll zu tun.

Jede der hier abgedruckten Geschichten hätte das Zeug zum berühmten Introvorfilm eines James-Bond-Kinostreifens – nur: Wie sollte ein Bondfilm diese Spannung und Dramatik noch übertrumpfen können?
Autor Warren Ellis, schon lange eine der Schwergewichte unter den Comic-Autoren, könnte mit dieser Reihe den guten alten Frank Miller vom Thron stoßen. Im Stile einer Hetzjagd, wie der Leser bzw. Fernsehzuschauer sie allenfalls von 24 her kennt, rasen die Geschichten am Leser vorüber, immer schneller werdend, immer schneller lesend, schockiert, gebannt.

Die Global Frequenzy, eine Organisation zur Abwendung von kriminellen Katastrophen jedweder Art, ist über den gesamten Erdball verteilt. 1001 Agenten stehen dem Netzwerk zur Verfügung, alle angeleitet von der geheimnisvollen Ms. Zero, unterstützt durch ein Mädchen namens Aleph, dessen Gehirnfunktionen einem Verbund von Hochleistungscomputern gleich kommt.
Geiselnahmen, Attentate, Gräueltaten fallen in das Arbeitsgebiet der Global Frequenzy, kurz GF. Und manchmal wird die GF selbst zum Angriffsziel, denn ihre Arbeit ist Terroristen, organisierten Verbrechern, mitunter auch verbrecherischen Staaten ein Dorn im Auge.

Jede Episode hat ihren ganz persönlichen Stempel. Natürlich ist Warren Ellis immer als Autor tätig, aber der Wechsel der Zeichner sorgt für eine sehr unterschiedliche Atmosphäre. Die Grundstimmung der Episoden, mal klassische Thriller, mal Duelle oder fast schon Horrorszenarien sorgen für Abwechslung und einen immer anderen Aufbau.
Den Anfang macht Simon Bisley, Anarcho-Urgestein in Sachen Zeichnung. Sein Lobo, wie auch die Begegnung zwischen Judge Dredd, Batman und Judge Death sind knackig, wüst, wild, irgendwie anders und von der ordentlichen Gestaltung oder von der auf Ordnung bedachten Gestaltung anderer Zeichner weit entfernt.
Hier gibt sich Bisley vergleichsweise zahm, aber nicht zahnlos. Die Chinesin Ms. Lau und der Russe Mr. Grushko passen voll in sein Konzept der merkwürdigen Killer-Figuren. Das Gegensätzliche der Figuren erinnert (der Name fiel bereits) an Mr. Miller. Grushko, der Riese im Frankenstein-Look, und Lau, die kleine agile Chinesin, bilden ein Gespann, wie es ungewöhnlicher kaum sein könnte.

So manche Szene mag den Leser an Filmzitate erinnern. Der Beginn der Episode über Takashi Sato ähnelt noch dem Auftakt von Apokalypse Now, um sogleich zu einem Horrorszenario im Stile eines Haunted Hill zu werden.
Zeichner Lee Bermejo gehört zur Gruppe der extrem realistisch zeichnenden Grafiker. Bei einer Episode, bei der es zwar nicht ans Eingemachte, dafür an die Eingeweide geht, geht das im wahrsten Sinne des Wortes an die Nieren. Die Farben von David Baron simulieren die Beleuchtung während des nächtlichen Einsatzes treffend, kühl, drastisch. Wenn es im Krankenhaus hygienisch grün erstrahlt, steht der Leser mit einem Fuß in der Geisterbahn.
Ultrabrutal ist nicht nur der Titel der nächsten Geschichte – der Titel ist Programm. Seit Marv den Tod von Goldie rächte (Sin City), hat es wohl nur selten zwei Killer gegeben, die sich derart angefallen haben. Bei der GF weiß man von der Gefährlichkeit des Killers Lionel Wellfare, der in eine Einrichtung eingedrungen ist, wo er nichts zu suchen hat. Der Franzose, Agent der GF, will diesen Auftrag. Er hat eine persönliche Rechnung offen.
Warren Ellis gönnt sich einen Splatter-Spaß und dank des Zeichners Tomm Coker geht hier so richtig der Punk ab.

Nach einer Episode, bei der Aleph beweisen kann, dass sie nicht nur mit der Tastatur eines Rechners umzugehen versteht, wird es wirklich global.
Gene Ha zeichnet die Geschichte, in der es am Boden und im All (!) höchst spannend weitergeht. Ha arbeitet realistisch wie sein Kollege Bermejo, lässt aber im Endergebnis durch die aquarellartige Farbgebung von Art Lyon einen ganz anderen, organischeren Eindruck entstehen.

Perfekter Thriller-Mix. Einzeln betrachtet ist jede Episode top. Gesamt betrachtet entsteht durch die Episodentechnik ein vielfältiger Blick auf die Global Frequenzy Organisation. Mit diesem Konzept hat Warren Ellis eine Grundlage geschaffen, auf der sich viele weitere Ideen verwirklichen lassen. 🙂

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