Dienstag, 03. Juni 2008
Die Nacht vergeht – doch der Schaden, den Luuna angerichtet hat, bleibt. Die junge Frau, die von einem Fluch beladen mit den kleinen Waldgeistern durch die Lande streift, macht sich bei der Bewohnern der Natur nicht gerade beliebt.
Die Angst geht um vor diesem Wesen, dass zwar hübsch ist, aber gefährlich. Die Wesen des Waldes wollen ihr eine Chance geben. Während ihre beiden Totems noch darüber diskutieren, wer die größere Macht über Luuna besitzt, klettert die Indianerin in ein uraltes Höhlensystem hinunter.
Dabei war die Reise hierher schon merkwürdig genug. Die drei kleinen Pipintus, Waldgeister, die an der Seite von Luuna reisen, halten mit ihren Bemerkungen einfach nicht inne. Wompat, einer der drei, geht sogar seinen anderen beiden Brüdern ein wenig auf die Nerven – und das will etwas heißen.
Plötzlich zerreißt es die Luft vor ihnen, ein Platschen ertönt: Vor ihnen rappelt sich ein Fischadler wieder auf die Beine. Etwas benommen fragt er sich, wo die Lachsforelle abgeblieben sein mag, die er gerade noch gefangen hat. Ohne den Beobachtern irgendeine Aufmerksamkeit zu schenken, macht er sich wieder auf den Weg.
Diejenigen, die den Reisenden größere Aufmerksamkeit schenken, sind die Shinakas. Den Pipintus sehr ähnlich, haben diese fliegenden Shinakas nur ein Ziel: Wiedergutmachung. Wenn Luuna nur ein bißchen am Wald – und an ihrem Seelenheil – liegt, dann wird sie auf das Angebot der Shinakas eingehen und die Blume von Ha Wah Taka pflücken.
In der dritten Episode begegnet Luuna dem großfüßigen Oh-Mah-Ah, einem Vertreter der …
Bigfoots? Vielleicht auch unter dem Namen Sasquatch bekannt? Dieses seltsame Wesen, manchmal im Norden der USA und in Kanada gesichtet, war einst ein Freund der Kleinfüßler, bis die Eifersucht die Klein- gegen die Großfüßler aufwiegelte. So groß und gewaltig diese urtümlichen Riesen auch aussehen, so sanft sind sie auch und so wenig hatten sie eine Chance gegen die gewalttätigen Kleinfüßler, den Menschen.
Sie sind schlecht gemalt! Man erkennt gar keine Details!
Die Farben sind doof!
Obwohl die Pipintus sich derart über die Wandmalereien aufregen, trifft ihr Urteil weder auf diese Höhlenbilder zu, noch auf den Comic selbst.
Der disneyeske Zeichenstil von Nicolas Keramidas passt weiterhin wunderbar zu diesem inidianischen Abenteuer. Der Sasquatch könnte in der Tat dieser bekannten Animationswerkstatt entsprungen sein. Die beiden Rückblicksdoppelseiten, auf denen Oh-Mah-Ah vom Schicksal seines Volkes erzählt, bilden nicht nur einen Mittelpunkt des Bandes, sondern wirken wie ein Herz der Geschichte.
Damit liegt auch ein gutes Beispiel für die grafische Aufbereitung des Bandes vor. Sicherlich schafft Keramidas tolle Vorlagen für die einzelnen Seiten, aber was Bruno Garcia farblich daraus macht, hat nicht nur einen ganz besonderen Charme, sondern es vermittelt auch ein fantastisches Flair im wahrsten Sinne des Wortes.
Ein dunkler bedrohlicher Wald in der Nacht, ein goldener Tag unter glänzendem Geäst, eine grünlich schimmernde Höhle, ockerfarbene Wandmalereien und mit weiteren optischen Eindrücken, so wechseln sich die Szenarien ab und unterstreichen die märchenhafte Atmosphäre.
Durch die comichafte Farbgebung und den Tuschestrich im Vordergrund und den mehr dem Realismus zugeneigten Impressionen im Hintergrund entstehen schöne plastische Effekte.
Ähnlich wie seinerzeit Bigfoot an der Seite der Hendersons Unsinn trieb und Spaß verbreitete, ist auch Oh-Mah-Ah an der Seite von Luuna zu Späßen aufgelegt.
Um gänzlich rein zu sein, musst du deine Kleider ausziehen.
Beinahe wäre Luuna darauf hereingefallen. Aber nur beinahe, denn der kleine Zweifüßler an Oh-Mah-Ahs Seite stellt die Angelegenheit richtig.
Autor Didier Crisse wiegt den Leser durch den Humor zuerst in Sicherheit, bevor er mit einem konzeptionellen Hammer zuschlägt und den Leser mit einem grauenhaften Cliffhanger im Stich lässt.
Traumhaft gut, weil traumhaft anders. Ein leicht erzähltes indianisches Abenteuer, sehr mystisch und liebevoll geschildert von Didier Crisse, hervorragend bebildert von Nicolas Keramidas und Bruno Garcia. Wer den Einstieg verpasst hat, sollte dies schnell ändern.
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Stichwörter: didier crisse, nicolas keramidas, bruno garcia
Dienstag, 12. Februar 2008
Im Jahre 2009 soll Spider-Man in einem Comic für die UNO arbeiten und ihr gegenüber der Jugend zu einem besseren Image verhelfen. Dieses Projekt, das an ähnliche Projekte gegen Fremdenfeindlichkeit in NRW erinnert (Stichwort: Andi), soll in einer Auflage von einer Million an Schüler in den USA verteilt werden.
Die Verbindung von Superhelden mit realen Ereignissen und Begebenheiten ist nicht neu. Schon Superman sprach im Rahmen des Themas Umweltverschmutzung vor den Vereinten Nationen. Die Marvel-Helden und -Schurken ließen sich erschüttert am Ground Zero sehen und trauerten. Captain America half mit in den Trümmern. Es fragt sich, wie und ob ein solches Projekt den Nerv von Jugendlichen und Kindern treffen kann - interessant ist es auf jeden Fall, wie ein Medium, das lange Zeit aus erwachsener Sicht verdammt wurde, nun zum Informationsträger für sinnvolle Botschaften wird und Teil einer pädagogischen Maßnahme ist.
Quelle: Superheld für die Uno auf tagesschau.de
Stichwörter: spider-man, uno
Mittwoch, 12. Dezember 2007
Luuna verabschiedet sich von ihrem Vater und macht sich auf den Weg in den Wald. An ihrer Seite sind die kleinen Naturgeister Wompat, Wambat und Wimlat. Sie sind keine richtige Hilfe, sorgen jedoch für sehr viel gute Laune. Und ein heiteres Gemüt braucht Luuna auf ihrem Weg, denn in dieser Nacht soll sie endlich ihrem Totem begegnen.
Aber ihr Weg wird beobachtet. Luuna trifft auf den alten Elch Papaki. Mit ihm stößt sie auf eine kleine Versammlung von Tieren, die sich allesamt vor dieser Nacht gefürchtet haben. Unkui, der schlimmste der bösen Geister, treibt in dieser Nacht sein Unwesen.
Sind die Tiere auch schlau genug, diesem Geist aus dem Weg zu gehen, erhoffen sich andere Waldbewohner geradezu eine Begegnung mit diesem mächtigen dunklen Wesen. Ausgestoßene Indianer, die sich dem Bösen verschrieben haben, beschwören, beten, murmeln rituelle Formeln, einzig, um ihn gnädig zu stimmen.
Das Glück ist ihnen hold. Und Unkui hat auch sofort eine Aufgabe für sie. Sie sollen Luuna jagen.
Die Jäger können nicht ahnen, dass Unkui Luuna längst verdorben hat. Schließlich nimmt sie ihr Schicksal an und verteidigt sich – sehr zum Verdruss der Fremden, die mit einer solchen Gegenwehr nicht gerechnet haben.
Autor Didier Crisse ist abenteuer- und fantasy-erprobt. Mit Serien wie Canari, Ishanti oder Atalante wandelt er über die Kontinente, durch exotische Länder oder durch Mythen. Er stellt ganz offensichtlich gerne Frauen in den Mittelpunkt seiner Geschichten, Frauen, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben stehen. Luuna ist eine solche Frau. Ihre Wurzeln hat sie bei einem ganz besonderen indianischen Stamm, den Paumanoks. Diesen Menschen ist es vergönnt, mit Tieren und Naturgeistern sprechen zu können. Wir begegnen Luuna, als sie sich aufmacht, um ihren Initiationsritus zu absolvieren.
So ist der Einstieg für den Leser schnell gefunden, denn für Luuna beginnt ein vollkommen neues Leben, welches mit den Tagen bisher nicht vergleichbar ist. Crisse lässt den Leser Seite an Seite mit der Hauptfigur in diese neue Welt eintauchen. Zuvor jedoch präsentiert er eine Schrecksekunde zum Auftakt. Die ausgestoßenen Indianer sammeln neue Trophäen, Büffelherzen, um den dunklen Geist milde zu stimmen. Die Szenerie ist gruselig, düster und auch brutal, aber die optische Inszenierung ist milde und geht nicht ins Detail.
Es könnte einmal mehr als disneyische Konzeption betitelt werden. Milder Grusel ist auch dort Trumpf. Die reißerischen Eckzähne des Anführers der Bösewichter spricht Bände. Dem gegenüber steht der Humor. Die Waage schlägt eindeutig zu den Lachern hin aus – alles überdacht von einem gut durchdachten Abenteuer mit einer Prise Prinzessin Mononoke. Der Zauber der Natur, all die Geheimnisse, die zu Naturvölkern einfach dazu gehören, die Gedanken- und Mythenwelt bilden stets eine gute Grundlage für eine märchenhafte Geschichte, die für gute Unterhaltung sorgt. Hier finden sich zusätzlich Aspekte, wie sie aus dem japanischen Unterhaltungs-Kulturkreis her bekannt sind. Luuna verfügt, entgegen der erzählten Norm, über zwei Totems, eine Konsequenz aus dem zweifelhaften Pakt des dunklen Geistes und des Herzens des Waldes. Luuna erhält charakterliche Wolfsmerkmale. Die ehemals eher sanfte junge Frau wird zum kämpferischen Tier – ein Nebeneffekt, den der dunkle Geist wollte, aber dessen Folgen er nicht richtig abgeschätzt hat.
Außerdem wird die junge Frau von den kleinen Waldgeistern begleitet. Darüber hinaus findet in einem anderem Waldgeisterstamm neue Freunde. (Das äußere Erscheinungsbild kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich habe gesucht, kann aber leider keinen Bezug herstellen. Doch dieses knuffige, etwas anarchische Äußere sehe ich nicht zum ersten Mal.) Eine sehr schöne Parallele zu Prinzessin Mononoke ist Kauyumari, der Herrscher des Waldes, der in Form eines kapitalen Hirsches auftritt. Und auch diesem Gott trachtet man nach dem Leben.
Ungeachtet der Ähnlichkeiten entwickelt Luuna eine sehr große Eigendynamik. Luuna steht allein. Natürlich hat sie Freunde an ihrer Seite, doch es läuft nichts, ohne dass sie den Stein ins Rollen bringt. Aus Freude wird Verzweiflung, aus Verzweiflung wird Kampf. Auf den Kampf folgt die Hoffnung und die Aussicht auf die nächste Folge.
Auf der Basis der Handlung, während der Didier Crisse seine Heldin Luuna auf eine Berg- und Talfahrt schickt, baut Zeichner Nicolas Keramidas seine Zeichnungen auf, die einen ziemlich eigenen Stil haben. Ein Augenmerk liegt dabei auf den Nasen, mit denen er sich von anderen Künstlern unterscheidet. Die Nasen sind kantig und mit einem breiten Rücken ausgeführt. – Wie sehr Nasen zu einem Wiedererkennungseffekt werden können, hat z.B. Albert Uderzo eindrucksvoll vorgeführt. Keramidas hat einen sehr sympathischen Strich. Der Elch Papaki wächst einem sofort ans Herz.
Zwar schränkt Keramidas das Äußere seiner Figuren durch die Kantigkeit und geringe Details selber ein, trotzdem vermitteln die Figuren jegliches erforderliche Gefühl mit großes Genauigkeit, auf den Punkt gebracht. So kann sich auch der Kolorist Bruno Garcia zurücknehmen, da die Zeichnungen auch sehr gut allein in Schwarzweiß wirken könnten – Es wäre jedenfalls schön einmal einen reinen Schwarzweiß-Comic von Keramidas zu sehen.
Perfekte Abenteuer-Unterhaltung in indianischer Umgebung. Mythen, Geister, Grusel, Humor, eine sympathische Hauptfigur ergeben die Mischung für einen soliden und spannenden Start in eine neue Reihe. Wer Indianergeschichten mag – und wer aus dem Lande des Karl May mag sie nicht – bekommt hier sehr schönes Lesefutter.
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Stichwörter: didier crisse, nicolas keramidas, bruno garcia
Donnerstag, 16. März 2006
Das in gefährlichen Abenteuern erprobte Team mit Yoko, Vic und Knut ist zum Amazonas aufgebrochen. Die drei folgen einer Einladung zu einem Schachturnier. Yoko ist außerdem in Begleitung ihrer Tochter Morgentau, die von ihrer Mutter auch sogleich ins nächste Abenteuer mitgerissen wird.
Dabei fängt alles so harmlos an. Sicherlich, Emilia, die Tochter ihres Piloten ist ein richtiger Tausendsassa und fliegt bereits mit 14 Jahren wie der Teufel. Klar, die Entführung von Vic und Knut stand auch nicht auf dem Plan. Auch die Gräfin, eine alte Bekannte von Yoko, ist in diesem Fall nur für eine Menge Ärger gut. Und Rasputin kann eine echte Nervensäge sein.
Als Yoko versucht, ihre Tochter wieder zu finden, schlittert sie immer tiefer in ein Abenteuer, mit dem sie in diesem Teil der Welt einfach nicht rechnen konnte. Tief im Dschungel befindet sich eine alte Fabrik, deren Zweck zunächst unbekannt ist. Je mehr Yoko und ihre Freunde jedoch erfahren, umso mehr wird deutlich, wie sehr ihr Abenteuer zu einem guten Ausgang gebracht werden muss, soll nicht eine riesige Katastrophe ihr aller Ende bedeuten.
Die Technik und überaus exakte Zeichnungen waren von jeher ein Markenzeichen der Serie. Roger Leloup ist ein herausragendes Beispiel für die frankobelgischen Comickünstler. Details werden hier keinem Zufall überlassen. Fahrzeuge jeglicher Art, Gebäude, Hintergründe, stets hinterlassen die Bilder einen filmischen Eindruck. Der optische Augenschmaus mischt sich bei Yoko Tsuno mit phantastischen Einflüssen, die stets mit großer Fingerfertigkeit in die Realität eingebunden werden. Seien es gruselige Elemente, Science Fiction oder auch Thriller-Anteile, immer verbindet sich die technische Raffinesse der Wirklichkeit mit den Ideen von Leloup aufs Trefflichste.
Für mich hat die Serie ein gleich bleibendes hohes Niveau und auch der vorliegende Band Der siebente Code reiht sich nahtlos in diese feine Comicserie ein.
Die Geschichten um Yoko Tsuno ziehen Elemente so heran, dass eine Handlung nie vorhersehbar wird. Was im 24. Band als Auftakt zu einem privat organisierten Schachturnier im Amazonasgebiet beginnt, wird alsbald zu einer Geschichte, die tief in die Vergangenheit greift und später phantastisch und beinahe apokalyptisch wird. Eine uralte Fabrik tief im Dschungel erhält durch die Handlung den Anschein eines verwunschenen Tempels und auf gewisse Weise haust in ihm auch ein furchtbarer Gott – ein Vergleich, der gar nicht so weit hergeholt ist. (Mehr soll nicht verraten werden, aber ein, zwei bestimmte Science Fiction Geschichten kennt, wird diesem Vergleich sofort zustimmen.)
Im Gegensatz zur Technik haben Leloups Figuren in der Yoko Tsuno Reihe stets etwas Puppenhaftes. Sie sind weit davon entfernt jenes übermenschliche Aussehen zu haben, was sich in vielen Comics seit zig Jahren findet. Ich finde sie sehr menschlich gelungen, obwohl sie etwas Künstliches haben. Künstlich heißt jedoch nicht, dass sie unsympathisch sind: Das Gegenteil ist der Fall. Ähnlich wie der Leser es zum Beispiel von Tim und Struppi her kennt, zieht Yoko Tsuno einen großen Teil des Charmes (den die Geschichten wahrhaftig besitzen) aus ihren wirklich liebevoll angelegten Charakteren. Selbst neue Figuren, wie die der draufgängerischen 14 Jahre alten Emilia, wachsen einem schnell ans Herz.
Die zeichnerische Darstellung der Menschen hat sich etwas verändert. Sie ist nicht mehr so glatt wie früher. Wer die Bilder aus den ersten Alben mit dem des aktuellen Bandes vergleicht, wird den Unterschied schnell sehen. Es ist immer noch Leloup, aber gereifter, man könnte auch sagen: Yoko ist erwachsen geworden. (Angesichts ihrer Tochter kein abwegiger Gedanke.)
In der Reihe findet sich immer ein, na, ich nenne es einmal Betthupferl. Das ist häufig etwas ganz Besonderes. In diesem Fall ist es der Zar. Das kleine Fluggerät, irdischen Ursprungs diesmal, erinnert an die technischen Errungenschaften des Volkes von Vinea. Vielleicht ist es Leloups eigene Hommage an sich selbst. Das ist natürlich reine Spekulation. Trotzdem ist es schön zu sehen, dass Leloup bei Liebe zum Detail bestehender Technik sich immer noch die tollsten Vehikel selbst ausdenkt und diese so echt konzipiert, als hätten sie tatsächlich eine Werkshalle verlassen.
Spannung, Abenteuer, und das von der ersten Seite an, technische Finessen und eine Handlung, deren Verlauf nicht vorhersehbar ist: Comickultur vom Feinsten. Comicleser, was willst Du mehr?
Stichwörter: yoko tsuno, roger leloup
Samstag, 13. August 2005
Das Bild des Außerirdischen ist ziemlich unterschiedlich im Comic dargestellt.
Der Kosmi
Eines meiner frühesten Bilder ist das des Kosmi. Dieses Männlein, einer Kreuzung aus Äffchen und Hamster nicht unähnlich, gehört zur friedfertigen Sorte seiner Spezies. Sein Roboter, eine Art Beschützer und eine Mixtur aus Taschenlampe und Staubsauger auf vier Beinen, ist schon etwas aggressiver.
Es ist eine kleine, sehr lieb erzählte Geschichte. Der Zeichenstil ist durchaus vergleichbar mit den alten Fix und Foxi oder auch Pauli. Kosmi kommt, wie kann es anders sein, aus dem frankophonen Sprachraum. Sein Vater ist der 1937 geborene Wallone Roland Goossens. Angeblich fand er seine Muse bei der Armee, wo er damit begann, Akten mit lustigen Figürchen vollzukritzeln.
Ich habe den Kosmi mal wieder hervor gekramt. (Comics sind auch ein wenig stimmungsabhängig, glaube ich. Nach handfesten Aliens steht mir momentan nicht der Sinn.) Das ist so lustig harmlos.
Mischa
In eine ähnliche putzige Kategorie mit ebensolchen putzigen Außerirdischen fällt Mischa mit seinem kleinen Team. Wenn er den Extraterrestrischen begegnet, die lediglich ein düsenbetriebener Kopf sind, dann treibt das die Veralberung der Fremden wirklich auf die Spitze. In Ermangelung anderer Methoden sich zu wehren, beißt so ein Außerirdischer einem schon mal in die Nase. Richtig gut wird es allerdings, wenn der Leser sogar einen außerirdischen Ehekrach verfolgen darf.
Überhaupt werden in Mischa die E.T.s gerne auf das Nötigste reduziert. Mischas Begegnung mit dem blauen Mann gehört wohl mit zu den besten Cartoon-Comedys, die es gibt. Wie er damit beginnt, den blauen Mann (dessen Kopf einfach ein blauer Ball ist) zu ärgern, nur um Forschungsergebnisse zu erzielen, ist einfach zum Rumkugeln. (Aber nicht zuviel davon nehmen, sehr viele Kalorien und mancher verträgt den Alkohol nicht.
)
Die Pichelsteiner
Eigentlich residieren die Pichelsteiner ja in der Steinzeit, was bei waschechten Steinzeitmenschen nicht ungewöhnlich ist. Aber eines Tages landet ein metallischer Außerirdischer, der Englisch spricht. Da Englisch in der Steinzeit nicht verstanden wird, verleiht der Fremde seinen Forderungen mit Blitzen aus den Augen ziemlichen Nachdruck. Dieser E.T. ist aber auch fies. Er piesackt die Steinzeitleutchen und lässt es sich auch nicht nehmen, ähnliche Gelüste wie King Kong an den Tag zu legen, als er Petra, die Schwester der Pichelsteiner, vernaschen will.
Ich habe diesen Außerirdischen nie gemocht. Ein Roboter, einen Terminator für Kinder, liefert keine gute Figur. So bleibt dieser Außerirdische auch recht blass und charakterlos.
Yoko Tsuno
Die Begegnung Yokos mit den Vinetanern hat ihre ganz eigenen Qualitäten. Yoko war ein Comic-Meilenstein für mich und ich finde immer noch, dass diese Reihe von Roger Leloup zu den ganz besonderen Comics gehört. Möglicherweise gehören die Vinetaner äußerlich zu den Einfallsloseren (sie sind einfach nur blau und blond – nein, sie haben nicht zuviel rumgekugelt), aber ihre Technik spinnt ein Geflecht von Ideen um sie herum, dass die vielen bunten Lichter in Unheimliche Begegnung der dritten Art total verblassen lassen. Man könnte Leloup ein wenig Technikverliebtheit vorwerfen, aber gerade diese Ernsthaftigkeit in einer doch eher abenteuerhaften Comic-Serie macht ihren Charme aus. Als kleiner Leser habe ich mit großen Augen davor gesessen und als großer Leser schaue ich auf die vielen Details und habe immer noch große Augen.
Trigan
Mit einem Comic des für mich bombastischen Don Lawrence möchte ich den kleinen Reigen schließen. Die künstlerische Ausführung ist hier freilich eine ganz andere. Interessant ist trotzdem die Tatsache, dass der gute Don auch auf blaue Außerirdische zurückgriff. Hier waren sie ausnahmsweise sehr böse und Bewohner eines Nachbarreiches, dessen Land durch einen Meteoreinschlag ausgelöscht werden sollte. Na, das ist recht verniedlicht ausgedrückt. Die Trigan-Geschichten kamen zwar stets sehr vereinfacht im Sinne einer SciFi-Soap daher, aber hier ging es um Abenteuer, Intrigen und Krieg. Das Reich Trigan war immer irgendwie in Gefahr. Die Darstellung der Technik und die modische Optik der Akteure schwankte zwischen den Ideen eines H. G. Wells und der Optik eines italienischen Sandalenstreifens. Aber es besaß Charme, das ist für mich die Hauptsache. Lawrence hatte zu der Zeit noch nicht zu seinem Perfektionismus gefunden, trotzdem arbeitete er schon photorealistisch.
Nicht von dieser Welt
Diese Außerirdischen machen in der Summe richtig Spaß. Natürlich gibt es noch sehr viel mehr. Von Predatoren und Aliens gar nicht zu reden. Aber das ist mir heute, wie gesagt, viel zu ernsthaft.
Stichwörter: kosmi, mischa, pichelsteiner, trigan, yoko tsuno