Zum Inhalt springen


Comic Blog


Mittwoch, 30. Januar 2008

Ex Machina - Fakt vs. Fiktion

Abgelegt unter: Superhelden — Michael um 19:20

Ex Machina 3 - Fakt vs. FiktionMitchell Hundred folgt den abstürzenden Menschen in die Tiefe. Er rast hinter ihnen her, versucht sie zu erreichen, aber selbst ein Superheld hat seine Grenzen. Jetzt, da er Bürgermeister ist, verfolgen ihn diese Alpträume immer noch.
Wohin soll die Reise gehen? Hundred hat ein echtes Problem mit der Gegenwart, eigentlich auch mit der Vergangenheit und Zukunft. Als er auf eine Angestellte namens Ellen Shu trifft und diese ihn wegen des Wahrsager-Problems anspricht, gegen das er in seiner Funktion als Bürgermeister vorgehen will, möchte er sich zunächst dem Gespräch entziehen. Wider besseres Wissen lässt er sich dennoch auf einen Besuch bei einer jungen Dame dieser Zunft ein.

Die rührselige Geschichte über die Arbeit der Wahrsagerin prallt an Hundred ab, doch alleine das Gespräch reißt Wunden und Erinnerungen an den 11. September 2001 auf. Hundred ist erschüttert. Die Vorhersage allerdings, dass er noch einmal zu seiner Geheimidentität zurückkehren werde, glaubt er keinen Augenblick.
Es ist diese Zeit, da ein anderer Held plötzlich in New York auftaucht und das Gesetz in die eigenen Hände nimmt. Automaton fliegt mit einem Raketenpack auf dem Rücken, spricht mechanisch und sieht insgesamt eher technisch als menschlich aus. Doch irgendetwas scheint mit diesem merkwürdigen Wesen nicht zu stimmen.

Zu allem Überfluss hat Hundred noch ein anderes Problem. Er wird als Geschworener berufen. Was sich normalerweise ein ganz einfacher Vorgang ist, ufert zu einem Fiasko aus. Einer der Geschworenen ist Kriegsveteran. Seither lebt er im Glauben, dass ein Teil von ihm krank ist. Ausgerechnet Hundred soll ihn mit seinen Kräften heilen. Hundred muss sich beeilen, denn der Mann nimmt eine Geisel.

Ex Machina beschreibt mit seiner dritten Folge die Alltäglichkeiten eines Mannes, der mit einer ungewöhnlichen Fähigkeit ausgestattet ist und trotzdem lieber den Weg in die Politik gewählt hat. Fakt vs. Fiktion betitelt Autor Brian K. Vaughan diese Episode, in der sich tatsächlich Realität und Wahn einander gegenüber stehen.

Am Beispiel von Mitchell Hundred zeigt Vaughan die Hilflosigkeit auf, die den einzelnen Bürger von New York in seinen Erinnerungen immer noch befallen können, selbst nach so vielen Jahren. Mitchell, der in seiner zweiten Rolle bemüht war, Leben zu retten, versagte. Sein Pech ist es, dass er sich nicht mit seiner ganzen Energie auf seine Rolle als Bürgermeister konzentrieren kann. Zu vieles hängt ihm aus seiner Vergangenheit nach, es gibt Leute, die ihn gerade deshalb gewählt haben. Und es gibt Leute, die ihn genau deshalb immer wieder in Schwierigkeiten bringen.
Platt ausgedrückt sind es gerade die Letztgenannten, die entweder verzweifelt oder krank sind – oder beides.

Vaughan versetzt seine Charaktere über das Klischee und gibt ihnen Tiefe, was in der Kürze der Zeit nicht einfach ist. So ist es erklärbar, dass man als Leser auch Mitleid für den Geiselnehmer empfinden kann – auf jeden Fall ist es nachvollziehbar, warum Hundred dieses Gefühl aufbringt.
Vaughan schreibt seine Geschichten, so auch diese, auf sehr hohem Thriller- und Unterhaltungsniveau, während im Hintergrund immer noch das Superhelden-Thema schwebt und beständig präsent ist.
Über zeitweilige Umwege gelingt es dem Leser, sich immer weiter dem Charakter von Hundred anzunähern. Selbst die Beeinflussung, die von ihm ausgeht, damit solch ein Ableger wie Animaton entstehen konnte, wird so erklärt und schlüssig.

Ein Held wird immer ganz besonders interessant, wenn die Familie ins Spiel kommt. Wir lernen, dass Hundreds Mutter in einem ziemlichen Schlamassel lebt, das viel ärger ist, als man es von der Mutter eines Bürgermeisters von New York erwarten würde.
Nach all den Auseinandersetzungen und Konflikten, die Hundred zu bestehen hat, gehört diese zu den lustigsten – vielleicht, weil Hundred hier auftritt, als habe er nichts zu verlieren oder zu fürchten.

Der Zeichenstil von Tony Harris gefällt mir immer besser. Zwischen Cover-Ausarbeitung und Innenseiten gibt es qualitativ keinerlei Unterschied. Harris’ Bilder sind einfach schön zu nennen. Zeitweilig erinnern sie Jugendstil-Techniken, wie sie z.B. Alfons Mucha in seinen Bildern angewandt hat. Nur wurde diese Technik durch Tom Feister und Karl Story (beide: Tusche) sowie JD Mettler (Farbe) in die Gegenwart übertragen. Besonders das Cover steht für diese Theorie. So geben die Bilder der Geschichte etwas Altertümliches, Handfestes, zuweilen sogar etwas Klinisches. Der Eindruck, den sie hinterlassen, gefällt mir ausnehmend gut – hier vielleicht auch, weil die Gestaltung in dieser Form auch eine Ausnahme ist.

Ex Machina ist noch ein Stück menschlicher geworden. Hundred ist weiter auf der Suche nach sich selbst, belastet von seiner Vergangenheit. Gute Charakterschilderungen und dramatische Situationen ergeben eine tolle Unterhaltung eines etwas anderen Superhelden. :-D

Stichwörter: , , ,

Freitag, 17. August 2007

Ex Machina - Zeichen

Abgelegt unter: Superhelden, Thriller — Michael um 14:07

Ex Machina 2 - ZeichenEin Mann kann plötzlich mit Maschinen reden. Er kann ihnen Befehle erteilen und sie gehorchen. Ein ungeheurer Vorgang, der in den Vereinigten Staaten auf reges Interesse stößt. Mitchell Hundred war The Great Machine. Das ist nun vorbei!
Mitchel Hundred ist nun der Bürgermeister von New York. Der Mann, der früher gegen Schurken vorging, der den 11. September als Superheld erlebte – und seiner Meinung nach versagte – hat die Herausforderung angenommen: In der Politik versucht er verantwortungsvoll zu handeln, aber einfacher als seine Arbeit als Superheld ist es nicht.

Neben den täglichen Problemen der Verwaltung einer Millionenstadt wie New York nimmt unterhalb der Straßen in den Röhren und Seitengängen der U-Bahn eine Serie von unheimlichen Vorkommnissen ihren Lauf. Es beginnt mit einem Hund, der tot von Arbeitern aufgefunden wird. Das Tier wurde grausam misshandelt und schließlich wie ein rituelles Opfer an die Wand eines unterirdischen Ganges gehängt. Der Anblick schockt selbst die hart gesottenen Arbeiter, die schon vieles in den Eingeweiden der Stadt gesehen haben. Das grünlich leuchtende Zeichen in der Nähe des Tatortes gibt aber auch ihnen Rätsel auf. Welche Straßengang hat solch ein Erkennungssymbol?

Mitchell muss sich nicht nur mit kriminellen Machenschaften auseinandersetzen. Die Politik ist zu seinem Hauptlebensinhalt geworden. Das, was er sich einst gewünscht hat, kommt einem realen Albtraum gleich, dem berühmten Kampf gegen die Windmühlen. Aber Mitchell wäre nicht der Sturkopf, der ihn auch zu einem Helden machte, würde er die Konfrontation scheuen. Vor der ganzen Welt möchte er New Yorks erste Homosexuellenhochzeit abhalten. Er weiß, dass er sich damit zum Ziel von Angriffen aller Art machen wird.

Über all den Dingen, die von allen Seiten auf ihn einstürmen, vergisst er beinahe, dass er auch ein Privatleben hat. Wie schwer es ein Mann in seiner Position hat, die Bekanntschaft einer Frau zu suchen, zeigt sich bei seinem ersten Date nach langer Zeit.

Ex Machina 2 – Zeichen bietet eine ungewöhnliche Mischung aus Superheldengeschichte, gruseligem Thriller und Politikdrama. – Und es funktioniert. Mit der Reihe Ex Machina aus der Feder von Y – The Last Man-Autor Brian K. Vaughan ist wieder eine Serie entstanden, die viele bekannte Inhaltsstücke zusammenfügt und etwas Neues kreiert.

Seit einiger Zeit gibt es Ansätze, das Superheldengenre neu zu erfinden. Dazu wird der Mythos der besonderen Kraft, des normalen Helden aus dem Volke enger an das einfache Volk angelehnt. Der einfache Mensch entdeckt plötzlich ungeahnte Fähigkeiten an sich und muss sich mit der veränderten Situation abfinden. Zur Zeit finden sich solche Geschichten in Demo, Heroes und in Ex Machina.
Mitchell Hundred steht auf besondere Weise mitten im Leben. Den ehemaligen Helden, Great Machine, hat es in die Politik verschlagen. Es ist eine Welt, wie sie aus der Realität sattsam bekannt ist und wie sie auf beeindruckende Weise in der Verfilmung City Hall umgesetzt wurde. Auseinandersetzungen mit seinen engsten Mitarbeitern, gewagte politische Programme und sogar Anschläge auf sein Leben – Mitchell bekommt das konzentrierte Szenario eines Menschen in einer politischen Spitzenposition präsentiert.

In dieser Situation holt ihn seine Vergangenheit ein. Ein seltsames Zeichen, das er einst dem Geheimdienst überließ, taucht an ungewöhnlicher Stelle wieder. Ein Monstrum, dessen Untaten immer grauenvoller werden, lässt Angst in der Millionenstadt aufkommen. Auf überaus geschickte Weise verschachtelt Vaughan die einzelnen Kapitel der Geschichte. Diese Tricks schicken den Leser stets mit einer anderen Achterbahn los. Hat man gedacht, man könne sich durch die politische Welt und ihre Intrigen bewegen, wird man durch die schockierenden Bilder aus dem Untergrund aus der Feder von Tony Harris eines Besseren belehrt.

Die Schocksequenzen, die hier präsentiert werden, brauchen sich wie die politische Szenerie nicht vor ihren filmischen Vorbildern zu verstecken. Was die Arbeiter in der Tiefe vorfinden, rangiert auf dem gleichen Level wie die Ekel-Szenen wie in Sieben oder Das Schweigen der Lämmer.
Harris ist ein Zeichner, der äußerst exakte Bilder schafft. Manchmal drängt sich der Eindruck einer Gerichts- oder Reportagezeichnung auf, was aber durchaus zur Erzählweise der Geschichte passt, die den Leser zwar nahe rankommen lässt, aber auch Abstand zu den Geschehnissen generiert, was letztlich ein recht kühles Endergebnis bringt.

Superheld, Drama, Thriller, Horror, mit einem fulminanten Showdown, Ex Machina 2 bietet für jeden etwas und entzieht sich so einem direkten Vergleich. Hier entsteht etwas Neues! Und ein Blick (oder auch zwei) lohnt sich! :-)

Stichwörter: ,