Samstag, 08. November 2008
Dieses junge Mädchen ist so waghalsig, dass es selbst dem hartgesottenen Gamma die Sprache verschlägt. Der Leichtigkeit nach zu urteilen, mit der sie in lebensbedrohlichen Situationen immer noch die Ruhe bewahrt, ist Wolfina, so der Name der jungen Frau, ein Naturtalent. Ihre Leistungen haben ihr die Bewunderung der Gesetzeshüter eingebracht. In gerade einmal zwei Jahren, so heißt es, habe sie 68 Fälle aufgeklärt und 23 kriminelle Organisationen zerschlagen. Auch diese Information nötigt dem hartgesottenen Gamma äußersten Respekt ab – was jedoch nichts daran ändert, dass er erst einmal mächtig in Schwierigkeiten steckt.
Magst du vielleicht meine Brüste anfassen? Wolfina ist um keinen Spruch verlegen. Und Gamma Akutabi, der Haudrauf, derjenige, der sich niemals von Gangstern der übelsten Sorte abschrecken lässt, gerät bei der schlagfertigen Wolfina in arge Verlegenheit. Das ungleiche Paar rauft sich zusammen, nicht zuletzt, weil gemeinsame Feinde zur Kooperation zwingen. Mystic, ein Magier, der nicht nur selber kämpft, sondern auch kämpfen lässt, bringt die beiden in Schwierigkeiten.
Die zweite Episode von Zombiepowder mit dem klangvollen Untertitel Can’t kiss the ring (of the dead) präsentiert einen neuen Handlungsstrang, der sich mit dem Geheimnis der Ringe beschäftigt, die maßgeblich zur Entstehung des Zombiepowders beitragen. Nebenher muss sich Gamma Akutabi mit einem neuen Gegner auseinandersetzen, der auch auf der Jagd nach den Kleinoden der Macht ist.
Das Zombiepowder, genauer seine Entstehung könnte eine Idee aus einem alten Zombie-Film sein, aus jenen Tagen, als diese untoten Wesen noch keine Menschen fraßen und im Kern ein Teil des Voodoo-Glaubens waren. Diese Ringe, die das Zombiepowder erst ermöglichen, werden aus menschlicher Lebenskraft gespeist. So jedenfalls ließe es sich beschreiben. Bevor der Ring Kraft geben kann, muss er sie zuallerst einmal aufnehmen. Tite Kubo, der mit seiner Serie Bleach als Manga und Anime in aller Fan-Munde ist, hat hier eine Serie geschaffen, die vor allem eine gewisse apokalyptische Tendenz besitzt. Sie hat Ähnlichkeiten zur Realität, weicht aber auch von ihr ab. Wenn ein Zirkusbesitzer, auf dessen Konto über 20.000 Tote (!) gehen sollen, hinter den Zombieringen hinterjagt und skurrile Kampfszenen aufeinanderfolgen, kann man sich als Leser des Eindrucks nicht erwehren, es mit einer Art japanischem dunklen Turm zu tun zu haben.
Gammas Gegner ist ein freakiger männlicher Zatanna, vielleicht auch jemand, der wirkt, als sei er dem Psycho Circus entflohen. Hier hätte Tite Kubo noch ein wenig mehr Mut beweisen und mehr Zirkusinsassen zum Einsatz bringen sollen. Der Auftritt des … (überraschen lassen) kurz vor Schluss gibt einen Eindruck, mit welcher Wucht eine größere Gruppe regelrecht durch die Handlung gefetzt wäre.
Die Zeichnungen sind in jedem Fall weiterhin fetzig, mitunter rasend schnell in Szene gesetzt. Wenn es rund geht, geht es rund, aber so richtig. Da Gamma nicht mehr der einzige ist, der im Kampf seinen Mann steht (na, gut, Wolfina steht ihre Frau, um auch ganz korrekt zu sein). Wer Mangas optisch kennt und mag, wird keine Überraschungen erleben. Tite Kubos Bilder sind solide Arbeiten, die den Gesetzmäßigkeiten des Genres gehorchen – außerdem sind es frühe Arbeiten, inzwischen ist er noch besser geworden. Seine Charaktere sind gelungen und kommen besonders durch die Konstellation zur Geltung. Einzeln sind sie gut, zusammen noch besser.
Eine spannungsgeladene zweite Folge mit einem sehr guten neuen Charakter – Mangas bringen erfreulicherweise viele starke Frauenfiguren hervor. Tite Kubo hat eine Fortsetzung geschrieben, die man erst ganz zum Schluss erst wieder weglegen mag.
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Stichwörter: tite kubo
Donnerstag, 31. Juli 2008
Mujata Kringo, ein kleiner Bandenchef, möchte gerne diesen Gamma Akutabi zur Strecke bringen. Aber der ist wie vom Erdboden verschluckt. Als sich Kringo den kleinen Elwood vornimmt, um den Aufenthaltsort des großen weißhaarigen Mannes mit dem schwarzen Arm herauszufinden, bricht jemand die Vordertür entzwei. Akutabi ist da. Kringo ist nicht der einzige, der sich ein Kopfgeld einstreichen möchte. Auch Akutabi verdient sich so seinen Lebensunterhalt. Zwar ist das Kopfgeld von Kringo noch lange nicht so hoch wie sein eigenes, aber man nimmt, was man kriegen kann.
Die Figur Gamma Akutabi ist sicherlich nicht nur sehr geheimnisvoll, sondern zeichnet sich auch durch außerordentliche Macht aus – die man ihr keineswegs ansieht. So ist, auch für den Leser, jede Begegnung mit Feinden stets eine Überraschung. Die Handhabung des Schwerts, eine äußerst stylische Version einer Kettensäge, und die damit verbundene Geschwindigkeit der Handlung reißen den Leser regelrecht mit. Tite Kubo weiß, wie Rasanz zu Papier gebracht und Schnelligkeit imitiert wird.
Tite Kubo, Autor und Zeichner in Personalunion, zitiert sich auf dem Cover gleich selbst. Wer Zombiepowder 1 mit Bleach 24 vergleicht, wird hier Ähnlichkeiten feststellen. Schlimm ist das keineswegs. Die auf den Betrachter geöffnete Hand erregt Aufmerksamkeit, zu Recht, denn Gamma Akutabi besitzt das Flair des einsamen Helden und zugleich edlen Schurken, wie er in Western und Eastern so beliebt ist. Auf der Jagd nach den Ringen der Toten wird er selber gejagt und verdient sich doch so ganz nebenbei sein Geld als Kopfgeldjäger. Akutabi ist cool, eher leise als laut, zielstrebig, ein wenig knurrig, raue Schale, weicher Kern, sportlich und sehr agil.
Ein solcher Held kann den Leser fesseln. Tite Kubo wählte den Weg, Akutabi einen Sidekick zur Seite zu stellen. Elwood ist nur ein kleiner Junge, der aus der Notwendigkeit, seiner Schwester helfen zu wollen, auf die schiefe Bahn geraten ist. Ausgerechnet ein Taschendiebstahl macht die beiden miteinander bekannt. Leider ist Elwood als Dieb bei weitem nicht so versiert, wie es Akutabi mit seinen Fertigkeiten ist. Aus einem Treffen wird Schicksal. Elwoods Schwester wird getötet. Der Junge sieht nur eine Chance. Das legendäre Zombiepowder muss helfen. Es kann Menschen das ewige Leben bescheren, aber es kann auch Tote zum Leben erwecken. Notgedrungen reist er mit Akutabi weiter. So wird aus der Geschichte, die wie ein moderner Western beginnt, kurz darauf ein Roadmovie - aber wenn man genau hinschaut, beinhalten viele Western und Eastern genau diese Elemente.
Das Schöne ist, dass es ein Ziel gibt, aber auf dem Weg dorthin alles passieren kann. Finstere und lustige Charaktere, solche wie C.T. Smith und Lord Calder, sorgen für Spannung, aber auch für viele mysteriöse Momente in dieser effekt- und actionreichen Handlung.
Tite Kubo, der durch seine spätere Serie Bleach bekannt wurde, startete mit Zombiepowder seine künstlerische Karriere. Bei der Betrachtung der Grafiken, die alle gängigen Manga-Tricks einsetzen, aber selber auch eine eigene Bildsprache entwickeln, ist der Erfolg nicht verwunderlich.
Das Design von Gamma Akutabi ist fremdartig, aber nicht so vollkommen gestylt, dass eine Identifizierung nicht mehr möglich ist. Wie gut Tite Kubo sich auf das Entwerfen von Charakteren versteht, zeigen Skizzen zwischen den einzelnen Episoden, die die Charaktere noch einmal vorstellen. Hier zeigt sich auch mehr Tites Talent, der sich in den eigentlichen Zeichnungen zurücknehmen muss und nicht mit der gesamten Bandbreite seines Könnens aufwarten kann, da mehr Details die Geschwindigkeit aus der Handlung nehmen würden.
Das Gezeigte genügt allerdings, um sich blendend in dieser Welt zu unterhalten, in der die Waffen schnell gezogen sind und es nur so kracht. Sympathische Charaktere, Fantasy, etwas Mystery machen den ersten Band von Zombiepowder zu einen guten Serienauftakt.
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Stichwörter: tite kubo