Mittwoch, 13. August 2008
Das Lebenselixier wurde entwendet. Voller Erstaunen hört der Priester, dass ein Cimmerier für den Diebstahl verantwortlich ist. Nestor, der Gundermann, hat sich dem Fluch des Priesters entgegengestellt und Conan nicht getötet. Unbemerkt zieht sich die Schlinge um die beiden Freunde zusammen. Dabei bilden die beiden die richtige Kumpanei, um sich durch das Leben zu schlagen. Während Conan in einem Ring dem Publikum einen guten Kampf gegen einen Koloss von Gegner bietet, räumt Nestor mit seinen Tricks den Zuschauern die Taschen leer.
Cary Nord ist wieder am Werk. Sein muskelbepackter, impulsiver, auch rachsüchtiger Barbar gehört sicherlich zu den besten Comic-Varianten von Conan (immer erst nach John Buscema natürlich). Aber – und das zeigt sich hier im vorliegenden Band ganz besonders – seine Bilder bedürfen eines guten Koloristen. Daran hapert es in der einen oder anderen Episode.
Zu Beginn, in den ersten beiden Episoden, die zur großen Geschichte Der rote Priester hinführen, ist die Kolorierung perfekt. Milchig, pastellartig aufgetragen, mit ein wenig Gesprenkel und einigen fetten Farbstrichen wird ein echter Farbauftrag simuliert. Doch dann mehren sich die fetten Striche, die zwar von einem guten Farbgefühl zeugen, aber technisch etwas unelegant wirken. In den letzten beiden Kapiteln wirken die Bilder wie gewohnt. Richard Isanove (jüngst können seine Arbeiten bei Der dunkle Turm bewundert werden), der Kolorist, hatte zwischendurch entweder einen schlechten Tag oder nur sehr wenig Zeit.
Mit den Geschichten Das Rattennest und Das Labyrinth findet wieder eine Wende in Conans Leben statt. Nestor, der Gundermann, der den Barbaren verraten sollte, hat vor einiger Zeit von seinem schändlichen Plan abgelassen und ist Conan seither ein guter Freund. Freilich haben andere Nestor den Verrat des Verrats nicht verziehen. Und wie in jeder Schwert und Magie-Geschichte gibt es dafür nur eine Strafe.
Und wer Conan kennt, weiß auch, wie dieser auf den unfreiwilligen Tod eines Freundes reagiert.
Allerdings besinnen sich nicht alle auf die Werte der Freundschaft. Conan hatte nicht oft ein gutes Händchen für Frauen. So ist es Jiara, die ihn schließlich verrät. Mit dem Kapitel Mörder vor der Tür startet eine vierteilige Geschichte mit der Überschrift Der rote Priester. Diese Geschichte aus der Jugend Conans gehört zu den Klassikern aus dem Leben des Barbaren. Mit der erfolgreichen Verfilmung Conans (mit Arnold Schwarzenegger) erhielten diese Geschichten neue Aufmerksamkeit. In dem Band Conan sind Der Turm des Elefanten, Die Halle der Toten, Der Gott in der Schale und eben Der rote Priester versammelt, alles Geschichten, an denen Robert E. Howard, der Erfinder Conans, noch persönlich schrieb.
Diese Klassiker fanden bisher alle eine Comic-Umsetzung.
Der rote Priester ist das Ziel eines Mordauftrages, den Conan im Gegenzug für seine Befreiung aus dem Gefängnis ausführen will. Ein Priester mehr oder weniger, darauf kommt es ihm nicht an. Doch aus diesem Auftrag wird mittels eines ganz einfachen – und dennoch genialen – Kniffs eine höchst unheimliche Handlung, die schließlich in einem Zweikampf von Titanen mündet.
In einem Rückblick wird die Herkunft des Wesens geschildert, das Conan und allen anderen hier das Leben schwer macht. Dieser kleine Einschub ist faszinierend und könnte allein als Basis für mehrere Geschichten dienen. Conan, von Timothy Truman, sehr schön für den Comic adaptiert, tritt schließlich gegen dieses urzeitliche Wesen an, nicht mehr Affe, aber auch noch nicht ganz Mensch. Diese Szenen mit Thak, der Name des Wesens, den sein Herr der Priester ihm gab, sind hochgradig spannend, da vieles an der Seite der Protagonisten nur hilflos beobachtet werden kann. Nach kurzer Zeit ahnt man, was Conan erwartet und Robert E. Howard hat mit Thak einen Gegner entworfen, der Conans letzter hätte sein können.
Eine grandiose Geschichte mit einer ganz einfachen Struktur, diese aber ist so spannungsgeladen und unterschwellig gruselig, wie es eigentlich nur noch mit der Geschichte um den Elefantenturm gelungen ist. Perfekte Conan-Unterhaltung!
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Stichwörter: timothy truman, cary nord
Samstag, 25. August 2007
Es sind die Geschichten über Conan, die für den Fürsten spannender sind als das eigene Leben. Aber auch Conan war nicht immer der strahlende König späterer Zeiten. Lange vorher war er einer der talentiertesten Diebe, die es jemals gegeben hat. Kein anderer hätte sich ein Königreich stehlen können.
Doch zuvor warteten viele Abenteuer auf ihn. Eines dieser Abenteuer führt ihn in Die Halle der Toten. Während eines ganz normalen Diebstahls begegnet Conan einem Gundermann, der das gleiche Ziel hatte. Es mag Ehre unter Dieben geben. An diesem Abend hält Conan nicht viel davon.
Ein Hieb und der Gundermann Nestor legt sich schlafen. Conan macht sich davon und lässt den Sündenbock für die hereinbrechenden Wachen zurück. Aber er hat nicht mit dem nachhaltigen Zorn und den Rachegedanken des Gundermanns gerechnet. Dieser ist nur zu gern bereit, bei der nächsten Gelegenheit mit dem Barbaren aus Cimmerien abzurechnen. Manchmal hat die Vorsehung andere Pläne. Der Gundermann wird zum letzten Überlebenden eines Trupps, der den Barbaren einfangen sollte. Aber sie treffen sich bald wieder.
Meide die Stadt des gefallenen Gottes, wo die Toten träumen. Meide die Schlange. Und vor allem meide die Kröte.
Die Vorhersagen sind finster. Dennoch betreten die beiden diesen dunklen Ort, an dem nichts zu leben scheint außer einigen kleinen Kröten. Conan verfährt mit ihnen, wie er mit Ungeziefer verfährt und zieht sich damit den ungeteilten Zorn eines alten Gottes auf sich. Bald stehen Conan und der Gundermann Seite an Seite. Wie so oft in Conans Leben ist das Ende hier nur der Anfang von weiteren Geschehnissen, die seinen Mut zu noch größeren Taten anfachen.
Conan – Die Halle der Toten enthält einen großartigen Abschnitt aus dem Leben Conans. Fans des Barbaren, die sich besonders freuen, wenn Conan in gruselige und magisch beeinflusste Situationen gerät, werden an der Halle der Toten ihren Spaß haben. Wer sich die Bilder genau betrachtet, kann auch glauben, dass Zeichner Cary Nord bei diesem Szenario mit noch mehr Eifer bei der Sache war als sonst. Gleich drei Autoren haben die Vorlagen zu diesem prächtigen Fantasy-Band geschrieben. Kurt Busiek, ein Rächer-Veteran, Mike Mignola, namhaft in der Szene durch Hellboy, und Timothy Truman.
Besonderes Augenmerk verdient die längste, namensgebende Geschichte: Halle der Toten. Es beginnt harmlos – jedenfalls für Conans Begriffe. Frauen und Raub sind sein Leben. Er hat eine junge Dame erwischt, die seine regelmäßige Begleiterin ist, und mit Vorliebe Dankbarkeit für schönen Schmuck zeigt, wenn Conan ihn nicht gerade für den Lebensunterhalt verkauft. Der Raub, den Conan begeht, scheint zunächst keinerlei Folgen zu haben. Die Geschichte nimmt langsam ihren Lauf. In der Stadt, vor der so eindringlich gewarnt wird, ist zu Beginn alles furchtbar harmlos, beinahe zum Lachen.
Es ist in gewisser Weise ein genialer Schachzug des Autors. Selbst das Erscheinen des mysteriösen Gottes wäre eigentlich für einen Lacher gut, wäre da nicht das kompromisslose Vorgehen und der stille, unbarmherzige Kampf, der zwischen der Monströsität und Conan entsteht.
Als Conan schließlich nach Barbarenart durchdreht und dem finsteren Gott den Garaus macht, zeigt Nord diese Szene gnädigerweise nur aus weiter Ferne. Einzig das Gesicht des Gundermanns verrät dem Leser, welcher Irrsinn den Cimmerier in seinem Kampfeswahn ergreifen kann.
Ist dieser Abschnitt der Geschichte für die Action gut, folgt darauf gleich ein gelungener Grusel, wie ihn Robert E. Howard in diversen Geschichten für Conan pflegte. Lebende Tote sind es, die den beiden Dieben im Verlauf das Leben schwer machen. Die Szene ist in blaugrünen Farbtönen der Angreifer und der Umgebung gehalten und sorgt mit dem grellen Rot und Gelb der Flammen für einen genialen Kontrast, der in der Realität so nicht möglich wäre, im Comic jedoch für eine geniale Stimmung sorgt.
In diesem Zusammenhang kann die Farbgebung von Dave Stewart gar nicht hoch genug gelobt werden. Was er aus den Skizzen von Cary Nord herausholt, zeigt sich besonders in diesem Kern der Episode Die Halle der Toten. Der dunkle Gott wie auch die lebenden Toten, in Conans Vision ebenso wie im Verlies, sind feinster Grusel - der leider aufgrund der Geschichte viel zu schnell vorüber ist.
Wie sehr Nord und Stewart mit Monstern punkten können, zeigt sich auch im Auftakt zu Hunde der Berge. Diese Szene erinnert an eine alte Folge, als Conan sein Schwert fand und sich der Wölfe erwehren musste. Diese vorliegende Szene ist nicht weniger spannend und wird durch das Auftreten des alten einäugigen Leithundes außerdem ein wenig unheimlich.
Mit Die Halle der Toten verabschiedet sich das Ausnahmetalent Cary Nord von dem Barbaren. Der Abschluss seiner Arbeit an dieser Reihe krönt ein tolles Werk, das – das mag der wichtigste Aspekt sein – den Kurzgeschichten von Howard und seiner Nachfolger mehr als nur gerecht wird. Conan ist immer noch der Beste!
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Stichwörter: kurt busiek, cary nord, mike mignola, timothy truman, conan