Freitag, 02. Mai 2008
In der Doloniac World Company herrscht wieder etwas, das an den gewohnten Arbeitsrhythmus erinnert. In der hektischen Betriebsamkeit fällt der Lieferant mit der Wassergallone gar nicht weiter auf. Er ist nur ein Mann, der seine Arbeit macht. Seine Nervosität wird zwar bemerkt, aber dies wird seiner Aufregung über das Zusammentreffen mit einem der Firmenmanager zugeschrieben. Der Mann erledigt seine Arbeit. Sobald die Wassergallone an ihrem Platz ist, erfolgt eine riesige Explosion. Teile des Firmengebäudes regnen in den Abgrund. Ein weiterer Anschlag auf die Konzernspitze erschüttert das Unternehmen.
Unterdessen übt sich Morea in ihren sportlichen Fertigkeiten. Ihr Lehrer, Mentor und Ritter an ihrer Seite, Terkio, gibt sich die allergrößte Mühe, Morea durch den Parcours zu hetzen. Die junge Frau, die nach der Eröffnung, eine Unsterbliche zu sein, bereits einiges gewöhnt ist, gerät auf diesem Hindernislauf in luftiger Höhe schnell aus der Puste. Man bewegt sich nicht alle Tage an Lianen durch die Luft vorwärts – und man wird dabei schon gar nicht von kleinen Affen geärgert. Allerdings können sie auch sehr hartnäckig sein. Einer folgt Morea fortan auf Schritt und Tritt.
Das Attentat löst neue Sicherheitsmaßnahmen aus, aber Morea nimmt dieses Vorgehen nicht mehr allzu ernst, nicht nach all ihren Erlebnissen. Auch will sie nicht warten und spielt selber Detektiv. Gemeinsam mit Terkio und ihrem Butler Jeeves findet sie alsbald eine Spur.
In der vierten Ausgabe der Reihe findet wieder ein Schauplatzwechsel statt. Wer steckt hinter dem neuerlichen Anschlag – der Leser weiß es - auf diese Frage gilt es eine Antwort zu finden. Die Spur führt hin zum organisierten Verbrechen von Havanna.
Christophe Arleston lässt sich nicht lumpen und führt die Reihe gewohnt spannend und abwechslungsreich fort. Als Leser erwartet man diese sehr ausgefeilte Erzählweise von dem Autor, der für Serien wie Lanfeust von Troy oder Die Schiffbrüchigen von Ythag verantwortlich ist. Mit Morea zeigt er auf leichtfüßige Art, wie gut er einen Thriller in der Zukunft erzählen kann, ohne in die reiche Trickkiste des Phantastischen greifen zu können – die Möglichkeiten innerhalb einer Fantasy-Welt oder auf einem vollkommen anderen Planeten sind natürlich unendlich größer.
Doch auch die Einschränkung bedeutet keinerlei erzählerische Bremse für ihn.
Im Gegenteil. Man mag den Eindruck gewinnen, dass Arleston in diesem Band ein paar Genres und Geschichten ein wenig auf den Arm nehmen will. Gleich als wir Morea begegnen, schwingt sie sich wie unlängst Tarzan, Verzeihung, Jane von Ast zu Ast. Der Butler ist zwar nicht der Mörder, aber dafür ein ausgebildeter Aufpasser. Und zum guten Schluss lässt das chinesisch geprägte organisierte Verbrechen Erinnerungen an die guten alten Bruce Lee-Filme aufleben. Oder neuere Kinogänger und Tarantino-Fans werden sich hier über weitere schlagkräftige Kung Fu-Frauen freuen können.
Vielleicht ist dieser Einfluss auch auf Dominique Latil, den Co-Autor, zurückzuführen. Das lässt sich von dieser Warte aus leider nicht sagen.
Fest steht jedoch, dass Thierry Labrosse seine Morea inzwischen aus dem FF beherrscht. Er lässt es sich auch nicht nehmen, seine Hauptdarstellerin mitunter nackisch zu zeichnen und propagiert auf seine Weise für ein Frauenbild, das nicht mit den berüchtigten Hungerhaken zu vergleichen ist. (Das Titelbild übertreibt hierbei ein wenig. In der Geschichte selber nimmt Labrosse die Proportionen etwas zurück und bleibt realistischer.) Neben einer gesunden Weiblichkeit wird auch auf Sportlichkeit gesetzt. Frauen sind hier nicht nur ansehnlich, sie sind auch Gegner – die selbst so erfahrene Recken wie Terkio manchmal blass aussehen lassen.
Aber sie, die Frauen, können auch in recht verfahrene Situationen kommen. Die neue Praktikantin in der Rechtsabteilung wird so auf einmal zu einer Figur mit einer eigenen kleinen Geschichte in der Geschichte. Die junge Frau wähnt sich nicht zu Unrecht später als Praktikantin der Action-Abteilung. Die Folterszenen wie auch die Flucht inszeniert Labrosse mit einem Augenzwinkern, einer Arbeitshaltung, die sich durch den gesamten Band zieht und so diesmal ein besonders heiteres Science Fiction-Vergnügen schafft.
Eine Übergangsepisode, in der sich einige Schleier lüften und lose Erzählenden miteinander verknüpft werden. Der vierte Band von Morea präsentiert sich mit viel Action und Situationskomik. Der letzte Band des Zyklus dürfte, wie es in vorhergehenden Episoden angedeutet wurde, wieder weitaus ernsthafter ausfallen.
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Stichwörter: christophe arleston, thierry labrosse
Sonntag, 02. März 2008
Morea wurde gefangen. Bewusstlos, an einen Stuhl gefesselt, der nur für Experimente entwickelt worden zu sein, sind die Drachen um sie herum nur an einem interessiert. Sie wollen endlich das Geheimnis der Unsterblichkeit erfahren.
Entgegen der langen Feindschaft der Gemeinschaften von Drachen und Engeln haben die Engel das Geheimnis um diesen Wettbewerbsvorteil der Engel immer noch nicht lüften können. Leider ist Morea nun zum Versuchskaninchen geworden. Die junge Frau ist unsterblich. Aber wie könnte das Geheimnis um diesen körperlichen Zustand gelüftet werden? Man muss während der Regenerierung nach dem Tod die Daten aufzeichnen. Dazu muss sie erst einmal sterben. Wieder und immer wieder.
Nach geraumer Zeit bleiben Morea noch nicht einmal Augenblicke, um zu realisieren, dass sie wieder unter den Lebenden weilt. Schon Sekunden nach dem Einsetzen der ersten Vitalzeichen, trifft sie erneut eine Kugel in den Kopf.
Schließlich greift sie zu einer List. Und nicht zu früh, denn die Engel sind mit den Untersuchungsergebnissen immer noch nicht zufrieden.
Derweil hält es ihr Freund und Mentor nicht länger aus. Nicht darauf vertrauend, dass ihr Konzern eine Rettungsaktion auf die Beine stellen kann, hat sich Terkio alleine auf den Weg zur entlegenen Raumstation auf der anderen Seite des Mondes gemacht. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er nicht, dass Morea längst woanders untergebracht ist.
Moreas Überraschung über ihren nächsten Aufenthaltsort ist groß. Nie hätte sie es für möglich gehalten, dass dieser Planet, auf dem sie sich befindet, nicht die Erde ist. Und wenn es nicht die Erde ist, wie gelangt sie wieder zurück?
Und warum – denn das ist viel beunruhigender – heilen ihre Wunden nicht mehr binnen kürzester Zeit?
Das Fantasy- und Science Fiction-Abenteuer um die Erbin des Doloniac-Konzerns bringt in seiner dritten Folge völlig neue Erkenntnisse und viele neue Schwierigkeiten, mit denen sich Morea, die Titelheldin, auseinandersetzen muss.
Es wird immer phantastischer, aber auch ausgeklügelter. Christophe Arleston fügt weitere Einzelheiten hinzu und wendet gekonnt das Prinzip an, in dem ein Leser zusammen mit der Hauptfigur in eine Geschichte hineinfällt. Nach der guten alten Erde sind die Spielorte nun das Weltall, eine Raumstation, und ein Nachbarplanet, der sich so ganz anders präsentiert, als wir ihn kennen.
Morea ist in mancher Situation hilflos, aber nicht einfallslos. Ihre Nacktheit als Versuchskaninchen unterstreicht die Hilflosigkeit, bedeutet dem Leser, dass ihre Wärter nicht in Betracht ziehen, sie noch einmal davon kommen zu lassen. Die Wissenschaftlerin, die ihre Experimente gnadenlos vorantreibt, um ihrem Vorgesetzten, dem ehrwürdigen Immaros, zu gefallen. Natürlich ist die generationsübergreifende Feindschaft der beiden Parteien auch ein Grund für diese Bestialität.
Thierry Labrosse zeigt eine Frau, die sich sehr schnell aufrappelt und – rein körperlich – sehr normal wirkt, kein Übermensch ist, wie sie von anderen Zeichnern zu Papier gebracht werden. Die Echtheit der Figuren, insbesondere der Hauptdarsteller, macht die Handlung nachvollziehbarer, erlebbarer für den Leser. Denn die phantastischen Eigenheiten dieser Welt wie die Raumstation und später der Lebensraum der Engel sind auf ähnlich natürliche Weise gestaltet.
Hier ist der Lebensraum auf dem fremden Planeten besonders hervorzuheben. Labrosse hat diese Architektur organischer und urwüchsiger gestaltet, als es der Leser aus den Bildern der zukünftigen Erde her kennt. Ein wenig kommen die Schauplätze jenen in Simbabwe nahe. Die Farbgebung, mit einem dunklen Rot als Grundton, tut ihr Übriges, um diese Szenarien optisch auch gegen die anderen Schauplätze abzugrenzen.
Der dritte Band von Morea teilt sich in die Erlebnisse von Morea und Terkio. Morea gelingt es, stets neue Geheimnisse zu lüften, während Terkio versucht, ihrem Weg zu folgen und dabei ein Einmannkommando ist.
In seinen Rettungsbemühungen ist Terkio nicht weniger gnadenlos als die Engel – sofern es erforderlich ist. Einfaches Personal wird durchaus verschont – sofern es sich vermeiden lässt und entsprechend verhält. Höherrangige Chargen bekommen ihre eigene Medizin zu schmecken. Die Brutalität, die zwischen den beiden Gruppen vorherrscht, weist auf einen tiefen emotionalen Graben zwischen den Parteien hin. Nach Jahrtausenden ist dieser unüberbrückbar geworden. Anders ist das Lächeln von Terkio nicht zu verstehen, als er zwei Engel auf der falschen Seite aus einer Luftschleuse entlässt.
In der Geschichte stimmt das Timing. Der Wechsel zwischen Szenen von Morea und Terkio ist sehr gut aufeinander abgestimmt. Zwischendurch werden Szenen eingeschoben, die als weitere Ausgangsbasis zusätzlicher Geheimnisse dienen. In der Chefetage versucht jeder seinen Schachzug anzubringen. Im fernen Simbabwe geht ein Reporter seinem Schicksal auf grausame Weise entgegen.
Arleston (und natürlich Dominique Latil, der Co-Autor) versteht es genau, wo er Akzente setzen muss und wo es auch einmal notwendig ist, die Handlung einfach laufen zu lassen.
Am Ende zeigt es sich auch, dass Morea zwar viel von Terkio gelernt, aber seine über die Jahrhunderte gewachsene Kaltblütigkeit noch nicht verinnerlicht hat.
Ein Wendepunkt in der Saga um die junge Unsterbliche. Die verschiedenen neuen Aspekte geben der Geschichte eine neue Richtung. Phantastischer, technischer, auch geheimnisvoller, wie es der Leser so nicht erwarten konnte. Gerade diese Überraschungen machen die Reihe aus. Für SciFi-Fans ist diese Reihe eine sehr schöne Lektüre.
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Stichwörter: christophe arleston, thierry labrosse
Donnerstag, 10. Januar 2008
Seit langer Zeit bekämpfen sich Engel und Drachen auf der Erde. Entgegen der landläufigen Meinung sind die Engel nicht die Guten! Nach ihrem ersten Tod muss die junge Moréa erfahren, dass sie zu den Drachen gehört, jener Gruppe, die die Menschheit in eine bessere Zukunft lenken will. Wir schreiben das Jahr 2082. Ort der Handlung: Kuba und die Vereinigten Staaten.
Es hat sich einiges getan in den letzten Jahrzehnten. Gegen jede Erwartung ist Kuba zu einem mächtigen Wirtschaftsstandort aufgestiegen. Und wider alle Erwartung ist das einstige gelobte Land der USA zu einem Dritte-Welt-Land verkommen, in dem alles streng überwacht wird und Puritaner die Oberhand gewonnen haben.
Durch das Attentat, das die Spitze des Superkonzerns der Doloniacs auslöschte, rückte ausgerechnet Moréa ganz nach vorne als Erbin der riesigen Firma. Eben noch unter ferner Liefen in der Nachfolgekette, regiert sie nun nicht nur sprichwörtlich über ein Imperium. Ein solcher Sprung bringt bereits genug Probleme mit sich, leider gehört Moréa auch noch zu den Auserwählten der Drachen. An ihrer Seite steht als Lehrer wie als Verbündeter Terkio, ebenfalls ein unsterblicher Drache, ein Mentor, der sie in die Geheimnisse der Unsterblichen und ihrer ungeschriebenen Gesetze einführen soll.
Moréa wird zwischen ihrer Bestimmung und ihrer Verantwortung hin- und hergerissen, denn ein neuerlicher Zwischenfall wirft ihr altes Leben noch weiter aus der Bahn.
Industriespionage gehört auch in der Zukunft zu sehr einträglichen wie auch sehr kriminellen Geschäften. Eine der neuesten Entwicklungen findet ihren Weg in die Vereinigten Staaten, in die jeder Gast zuallerst nackt einreist – Paranoia wird im amerikanischen Polizeistaat groß geschrieben.
Moréa und Terkio beschließen auf eigene Faust, den Geheimnissen auf den Grund zu gehen. Eine illegale Einreise in die Vereinigten Staaten gestaltet sich allerdings alles andere als einfach. Getarnt als Urlauber steuern sie die fremde Küste an, nur um sehr bald schon wieder in die wildesten Abenteuer und Verfolgungsjagden verwickelt zu sein.
Wer Moréa auf dem Cover betrachtet, könnte der Auffassung sein, jemand wolle hier Angelina Jolies nächste Action-Rolle in die Wege leiten.
Die Serie Moréa verheimlicht seine Anleihen und seine Vorbilder nicht. Das macht es für den Leser aber auch sehr leicht, sich sehr schnell zurecht zu finden.
Nach einer Einfindungsphase in ihr neues Schicksal hat sich Moréa hier in der zweiten Folge mit ihrer neuen Rolle arrangiert. Sie genießt ihr neues Leben, liebt die ungeheure Abwechslung, aber sie ist auch genervt von der Aufmerksamkeit um sie herum. Wie es sich für eine hochgestellte Persönlichkeit gehört, die es leid ist, ständig mit Leibwächtern umgeben zu sein, geht sie auch bald eigene Wege und taucht unter – sehr zum Leidwesen der Sicherheitsleute, die nun alle Hebel in Bewegung setzen, um ihre Schutzbefohlene wiederzufinden.
Wie gefährlich das Leben sein kann, zeigen auch erneute Attentatsversuche, denen es mit Leichtigkeit gelingt, bestehenden Sicherheitseinrichtungen zu umgehen – jedenfalls scheint es so zunächst.
Terkio hat seine eigenen Auffassungen, seinen Schützling zu testen. So reiht er sich nicht nur optisch hinter sein Vorbild Sean Connery ein, sondern erinnert einmal mehr an den spanischen Pfau, der bereits dem Highlander zeigte, wie es um das Leben der Unsterblichen bestellt ist.
Kuba, das neue Mekka der Schönen und Reichen, erinnert in seiner Konzeption an das Hong Kong vor der Rückkehr in den chinesischen Schoss. Dekadent, modern und traditionell gleichermaßen, aufstrebend, in die Höhe wachsend, exotisch, schnelllebig, rasant. Demgegenüber steht das wenig freundliche Amerika. Streng, metallisch glänzend, martialisch, voller Fremdenhass, zurückgeblieben. Aus den Vereinigten Staaten ist die Sowjetunion des neuen Jahrtausends geworden. Willkür lautet die Grundregel des Gesetzes. Paragraphen sind ebensolche Witzfiguren wie jene Anwälte, die später zur Hilfe von Moréa einreisen.
Neben all der Aktion (engl.: Action – kleiner Scherz) beweist Texter und Autor Christohpe Arleston mit diversen Nebenschauplätzen und Figuren auch seinen Humor. Die Anwälte der Doloniacs, zu dritt, gleich dick, gleich aussehend, nur durch ihre Größe zu unterscheiden, wirken wie von aktuellen humoristischen Anwaltserien inspiriert. In den Vereinigten, Verzeihung, in den Christlichen Staaten von Amerika, wie sie sich jetzt nennen, besitzen Anwälte kein großes Ansehen. Das gesamte Verhalten ist irgendwie klingonisch geworden. Wer vor Gericht gestellt wird, ist eigentlich schon verurteilt, eine Verteidigung hat keinerlei Auswirkung – auch wenn sie erlaubt scheint.
Arleston karikiert gegenwärtige Zustände und überspitzt sie mit leisem Humor. Es ist gerade ausreichend, um der die Geschichte die Härte zu nehmen, sie amüsant zu gestalten, ohne sie durch zu viel Witz zu verunstalten. So zünden die kleinen Scherze umso mehr, bleiben die Situationen realistisch genug und packend.
Thierry Labrosse hat sich ebenfalls der realistischen Darstellung verschrieben. Eine Welt, die sich an der Grenze zur Überfüllung befindet, wie sie in Genre-Filmen wie Das fünfte Element Ausdruck fand, verlangt einem Zeichner eine außerordentliches handwerkliches Können ab, das Labrosse aber immer wieder unter Beweis stellt. Technik und Architektur sind wieder einmal sehr gelungen, lebensnah und bieten die beste Kulisse für dieses SciFi-Märchen, das für beste Unterhaltung steht.
Neue Informationen erweitern die Welt um Moréa deutlich, machen sie plastischer, unterhaltsamer. Arleston und Labrosse navigieren ihre Heldin in eine scheinbar aussichtslose Situation und beenden diese Episode mit einem sehr gemeinen Cliffhanger, wie ihn die Urväter dieser Erzähltechnik nicht besser hätten schreiben können. Spaß, Spannung und eine hohe Erzählfreudigkeit machen Moréa zu einer klasse SciFi-Geschichte.
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Donnerstag, 04. Oktober 2007
Morea Doloniac führt ein ganz normales Leben auf Kuba im Jahre 2082. Sie arbeitet für einen der mächtigsten Konzerne der Welt, dem DWC, und ist zugleich eine der Erbinnen dieser Firma, wenngleich sie in der Rangfolge auch ziemlich weit hinten steht.
Als sie zur Arbeit geht, ist alles so wie immer. Sie verabschiedet sich von ihrem Freund, nicht ahnend, dass bereits ein Killerkommando in den Wolkenkratzer eindringt, um alle Angehörigen der Doloniacs auszulöschen.
Morea hat außerordentliches Pech. Auch sie wird erschossen – nur um im Krankenhaus wieder aufzuwachen. Ihre Wunde ist verheilt, während ihr Blut noch ihren Oberkörper bedeckt. Nicht nur für den Sanitäter kommt diese Tatsache einem Wunder gleich. Dachte Morea, dies sei der Gipfel ihrer Probleme, sieht sie sich bald gewaltig getäuscht. Ihre unbekannten Feinde geben nicht so schnell auf.
Da trifft es sich, als im Moment höchster Not ein Unbekannter ihren Weg kreuzt und sie rettet.
Es kann nur eine geben, trifft in diesem Fall nicht zu, denn Morea gehört zu einer ganzen Reihe von Unsterblichen, die auf dem Planeten weilen. Ähnlich wie es der Fantasy-begeisterte Leser von Highlander her kennt, haben auch diese von Christophe Arleston geschaffenen Unsterblichen eine Schwachstelle: Sie können verbrennen. Das bedeutet ihren endgültigen Tod.
Morea, die Erbin eines Multimilliardenunternehmens, ist jedoch nicht allein. Pünktlich zu ihrem Ableben findet sich ein Lehrer ein, der ihr beibringen will, wie sie sich als Unsterbliche künftig zu verhalten – und zu verteidigen hat!
So weit, so ähnlich.
Der Leser findet eine Umgebung vor, die recht selten in dieser Form anzutreffen ist. Aus Kuba, der ehemals kommunistischen Hochburg in Spuckweite zum riesigen kapitalistischen Nachbarn USA ist ein gigantisches Handelszentrum geworden. Hier reihen sich riesige Wolkenkratzer aneinander.
Die Luftfahrzeuge, fliegende PKWs und Motorräder, die hier von Zeichner Thierry Labrosse gestaltet werden, erinnern, ebenso wie das gesamte Umfeld an Szenarien wie Das fünfte Element und Blade Runner. Auf dem Boden ist kein Platz mehr, weshalb die Gebäude in den Himmel sprießen. Die Architektur ist verspielt, geschwungen, fast könnte man sagen französisch, zieht man das Set-Design von Das fünfte Element zum Vergleich heran.
Am Boden herrscht ein zivilisiertes Durcheinander. Es ist ein wenig ungepflegt, aber bei weitem nicht so schmutzig wie im erwähnten Blade Runner. Hinzu kommt ein strahlendes Sonnenwetter, kurzum, der Handlungsort ist ein irdisches Paradies, das von der Hochfinanz weidlich ausgenützt wird.
Wie in Das fünfte Element ist der Hintergrund auch mystisch zu nennen, stehen sich doch zwei rivalisierende Parteien gegenüber, die sich selbst Drachen und Engel nennen. Im Gegensatz zur religiösen Mythologie verschiedener Glaubensrichtungen handelt es sich bei diesen Gruppen jedoch nicht um Gut und Böse, vielmehr sind es Wesen, die einzig um die Vorherrschaft kämpfen. Aus der Sicht der Drachen sind die Engel freilich die Bösen, denn ihre Vorstellung einer menschlichen Zukunft aus Gewalt, Sklaverei und der Vorherrschaft durch eine Minderheit behagt den Drachen überhaupt nicht.
Engel haben in Comics schon länger keinen besonders guten Leumund mehr. Oft schon wurde das so genannte Böse zum Missverstandenen, Fehlinterpretierten oder Opfer von feindlicher Propaganda. Inwiefern Morea hier tatsächlich schon die Wahrheit offenbart wurde, wird die weitere Entwicklung der Geschichte zeigen.
Angesichts von Arlestons Erzählkunst, die er bisher mit seinen Troy-, Lanfeust-, Ythag-Arbeiten und vielen anderen bewiesen hat, kann man sicherlich auf einige Überraschungen gefasst sein.
Wie paradiesisch das Gelände ist, zeigt sich auch am späteren Trainingsort von Morea und ihrem neuen Mentor Terkio. Ist das Training mit dem Schwert schon eine Hommage an Highlander, ist es der schlanke, in Ehren ergraute, bärtige und mit einem Pferdeschwanz versehene Terkio erst recht. Es wäre kaum glaubhaft, würde Labrosse behaupten, er habe bei dem Entwurf zu Terkio keinen Sean Connery vor Augen gehabt.
Labrosse ist als Künstler vergleichbar mit Terry Dodson. Wie der amerikanische Comic-Künstler setzt auch Labrosse hauptsächlich auf Außenlinien und nur wenige Tuscheschatten (von schwarzer Kleidung einmal abgesehen). – Dodson (mit Frau Rachel) hingegen setzt auf verschieden starke Linien, während Labrosse es doch eher bei einer Linienstärke belässt und diese auch nicht so exakt ausgeführt werden wie bei den akribischen Dodsons. Es ergibt sich ein eindrucksvoll realistisches Gesamtbild durch die menschlichen Figuren, aber auch durch Land, Architektur, technische Ausstattung wie auch durch die cineastischen Blickwinkel, mit denen Labrosse gerne arbeitet, wenn die Action die Handlung zeitweise bestimmt.
Farblich hält sich der Kolorist Didier Arpin sehr zurück. In der Regel gönnt er dem Szenario eine Grundfarbe und einen Schattierungston. Mit einer aufwendigen Farbgestaltung könnte eine viel plastischere Optik erzielt werden. Dank der realistischen Gestaltung hingegen, die bereits ein hohes Maß an Atmosphäre vermittelt, konnte aber auch darauf verzichtet werden.
Ein spannender Auftakt mit vielen bekannten Inhaltselementen, durch den sehr versierten Christophe Arleston gekonnt neu gemischt und einen sehr begabten Thierry Labrosse in Szene gesetzt. Die Mischung aus Science Fiction und mythologischer Auseinandersetzung wartet mit einer sympathischen Hauptfigur auf, die trotz ihrer Unsterblichkeit sehr menschlich bleibt und das Beste aus der Situation zu machen versucht.
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Stichwörter: christophe arleston, thierry labrosse, morea