Donnerstag, 24. Juli 2008
Wenn der alte Axel in den Saloon schleicht und vom Geisterzug erzählt, will ihm niemand mehr zuhören. Aus Mitleid bekommt er einen Whisky gratis. Lotta, die Besitzerin, hat ein gutes Herz. Die anderen, Lucky Luke einmal ausgenommen, treiben eher ihre Späßchen mit dem alten Goldgräber und verhöhnen ihn. Doch Axel lässt sich nicht von seinem (Aber)glauben abbringen. Er gibt sogar der ortsansässigen Journalistin ein Interview zu diesem unheimlichen Phänomen. Kurze Zeit darauf kommt er völlig aufgelöst zu Lotta. Der Geisterzug verfolge ihn. Lotta versteckt ihn in ihrem Zimmer und noch ein wenig später ist es tatsächlich passiert. Axel hat sich in Luft aufgelöst. Zurück bleibt nur Ruß auf dem Bettlaken.
Western-Fans dürfen sich in dieser Episode auf einen Gastauftritt von Jack Elam als Axel Ericson freuen. Elam war derart lange im Filmgeschäft, dass einer seiner frühesten Auftritte schon in 12 Uhr Mittags (High Noon zu sehen war. Sein Gesicht war unverwechselbar. Besonders mit zunehmenden Jahren wurde das Schielen, der leicht traurige Gesichtsausdruck, aber auch das schelmische Grinsen zu einem Markenzeichen. Elam arbeitete bis ins hohe Alter, bevor er 2003 leider verstarb.
Ein anderer Bekannter, auf fiese und hochnäsige Typen abboniert, ist David Huddleston. Ebenfalls lange im Filmgeschäft haben beide auch ihre Sporen im berühmten Gunsmoke (Rauchende Colts) verdient.
Und wer genau hinsieht, wird Steve Rankin entdecken, immer ein gern gesehener Nebendarsteller, hier einmal in einer komischen Rolle vertreten und in allen Genres präsent.
Die Besetzung stimmt also. Die Atmosphäre ist zuerst ungewohnt unheimlich und kaum komisch, eher bemitleidet man den alten Axel. Außerdem wird die Handlung immer mysteriöser, bis der Knoten platzt und Lucky Luke (Terence Hill) hinter das Geheimnis kommt. Jetzt hält auch wieder der Humor in seiner bekannten Art Einzug.
Enger an die Comics angelehnt ist die Geschichte Ma Dalton ist und bleibt einmalig. Fans von Lucky Luke dürfte noch das alte Alben-Cover mit einer strickenden Ma Dalton in guter Erinnerung sein.
In dieser Folge zieht die Mutter der vier wieder mal einsitzenden Gauner nach Daisytown. Die Einwohner haben Mitleid. Deshalb sagt auch niemand etwas, als Ma ihre Einkäufe mit der Waffe in der Hand tätigt. Etwas hat jeder Händler für die alte Dame übrig und so bewahrt sie ihren Stolz. Sogar Lucky Luke findet die alte Dame sympathisch, ja, dies beruht sogar auf Gegenseitigkeit. Joe Dalton geht allerdings bei Mas nächsten Gefängnisbesuch die Gefängnismütze hoch. Seine Mutter verkehrt mit dem verhassten Cowboy?!
Wenig später, als die Daltons mit einem neuen Trick ausgebrochen sind, zeigt auch Ma, wo ihre Prioritäten liegen. Erst einmal werden die Jungs in Sicherheit gebracht. Dann sollen sie auch ihr Essen bekommen. Aber all das reicht Joe nicht. Nachdem er weiß, wie Ma einkauft und sich niemand traut, der alten Dame entgegenzutreten, fasst er einen spitzbübischen Plan, der nur ihm einfallen konnte.
Ruth Buzzi, hierzulande vielleicht durch Auftritte in Eine himmlische Familie oder Sabrina aufgefallen, verkörpert eine resolute und liebe Ma Dalton, freundlich zu jedermann, unerbittlich, wenn es um ihre Söhne geht. Obwohl die Dalton-Darsteller sich alle Mühe geben – Averell ist der gewohnte Vielfraß und Tollpatsch – und Lucky Luke bemitleidenswert ist, da ihm beständig die Treffen mit Lotta vermasselt werden, ist Ma Dalton der Star der Folge.
Keine Ahnung, ob Ruth Buzzi einen Blick ins Comic-Album geworfen hat, bevor sie ihre Rolle gespielt hat, aber sie trifft in jeder ihrer Szenen mit ihrem Auftritt ins Schwarze.
Damit nicht genug. Wer sich noch nicht genug über Ma Dalton amüsiert hat, wird sich über den Running Gag von Joe Dalton mit Lukes angeleinten Hund freuen oder schlicht über den Umstand, ihn in einem Kleid einen Banküberfall begehen zu sehen.
Ein Rundumsorglosunterhaltungspaket für die ganze Familie! Es ist schwer, in der derzeitigen TV-Unterhaltung so etwas Lustiges zu finden, dass sich vor allem Kinder bedenkenlos anschauen können. Prima!
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Stichwörter: terence hill
Mittwoch, 30. April 2008
Lucky Luke genießt die Ruhe in Daiys Town. Aber nicht lange. Neue Siedler haben in der Nähe ein Stück Land von der Regierung zugewiesen bekommen. Doch sie sind nicht die einzigen, die darauf Anspruch erheben. Bereits vor ihnen haben Viehtreiber diesen Grund als Weideland entdeckt und wollen diese Nutzung nicht aufgeben.
Und da der Westen immer noch wild ist, gilt auch bekanntlich das Recht des Stärkeren. Sollen diese Siedler doch mal versuchen, auf diesem Land zu siedeln, denken sich die Viehtreiber. Sollen diese Viehtreiber auch nur einmal versuchen, ihre Rinder auf unser Land zu treiben, denken sich die Siedler. Und jeder plant den Kauf von ein wenig Schießpulver, um dem anderen zu zeigen, wie es im Wilden Westen zugeht.
Weniger gewalttätig als Ein explosives Geschäft ist Ein Trunk von besonderer Güte. In Daisy Town soll es kultivierter werden. Zu diesem Zweck sind die Daltons eingeladen, damit sie in einer Theatervorführung ihre Schauspielkunst zeigen können. Zu diesem Zeitpunkt, als sich jeder in der kleinen Stadt auf ein nettes Fest einrichtet, trifft eine Wahrsagerin ein, die einen Trank im Gepäck hat, der einige merkwürdige Nebenwirkungen hat.
Plötzlich bricht die Liebe in Daisy Town aus und treibt gar seltsame Blüten.
Nach dem Kinofilm um dem Cowboy, der schneller schießt als sein Schatten, folgte eine kurze Serie, die sich der Motive der Comic-Reihe bedient, aber auch andere Wege beschreitet.
Gaststars dieser ersten beiden Episoden sind die Daltons, die sich auf unterschiedliche Weise bewähren müssen, aber stets Garanten für humorvolle Einlagen sind. Die erste Episode wartet noch mit den obligatorischen Slapstick-Einlagen auf. In der folgenden Episode jedoch wird mehr auf Situationskomik gesetzt. Hier darf auch Jack Dalton zeigen, dass er ein Liebendes sein kann. Und Averill …
Nun Averill würde sich in einen Sack Reis verlieben, wenn dieser Sack Reis lange genug Averills Hunger widerstehen kann. Leider ist Jolly Jumper, Lukes getreues Pferd, das Ziel der Liebesattacke.
Hier hat es eine kleine Änderung gegeben. Nicht mehr Wolfgang Völz leiht dem Hengst seine Stimme wie im Kinofilm, sondern Harry Wüstenhagen, dessen kräftige Reibeisenstimme aber ebenfalls komödienerprobt ist. Er lieh zum Beispiel Pierre Richard und Gene Wilder seine Stimme. Wer den Hengst besser spielen kann, Völz oder Wüstenhagen, ist letztlich Geschmackssache. Prädestiniert dazu sind alle beide.
Terence Hill bleibt seinem Lucky auch weiterhin treu. Wie im Kinofilm drängt er sich nicht nach vorne, spielt verhalten, beinahe schüchtern und überlässt die Witze den anderen.
In dieser Folge stimmt die Besetzung von A-Z. Das Mauerblümchen, das in Luke verliebt ist, angelt sich leider den Falschen, Jack Dalton (Bo Greigh), der eben noch in heißer Liebe zu Lotta (Nancy Morgan) entbrannt war. Während draußen Averill Jolly Jumper infolge des Liebestranks seine Liebesschwüre gesteht, lacht sich der halbe Ort im Saloon halb schlapp, denn wegen der Feierlichkeiten sind alle versammelt.
Ein richtig herrliches Komodiendurcheinander nach allen Regeln der Kunst.
Sehr schöne neue Geschichten um den einsamen Cowboy. Die zweite Episode trifft den Geist der Comic-Reihe ganz hervorragend.
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Stichwörter: terence hill
Mittwoch, 02. April 2008
Es ist keine leichte Zeit im Wilden Westen, aber immerhin haben die Bleichgesichter mit den Rothäuten einen Frieden besiegelt – einen äußerst wackeligen Frieden. Die Bewohner von Daisy Town geben sich die größte Mühe zur Einhaltung dieses Friedens, aber ein Quertreiber wie Joe Dalton könnte alles zunichte machen.
Daisy Town war zu Beginn ein feines kleines Städtchen. In mühevoller Kleinarbeit haben die Einwohner ihre Ortschaft mitten in der Prärie erbaut. Als irgendwann das Verbrechen Einzug hielt und die Tunichtgute jedem Sheriff den Garaus machten, konnte nur noch einer helfen: Lucky Luke.
Seit Lucky Luke Sheriff ist, ist vieles besser geworden, ruhiger – aber auch langweiliger. Nichts geschieht mehr. Gesetzlose landen entweder hinter Gittern oder werden aus dem Ort geworfen. Selbst der einfache Bürger, der sich anfangs über Luke rigoroses Eingreifen freute, empfindet ein wenig Grimm bei seinem allzu ruhigen Städtchen.
Eines Tages tauchen alte Bekannte auf, vier Brüder, welche die meisten nur schlicht als die Daltons kennen. Lucky Luke kann nichts unternehmen, denn da die Gefängnisse überfüllt sind, haben ein paar Übeltäter ihren Platz in den Zellen für die Nachkömmlinge räumen müssen. – Und wer hat den Strafvollzugsbehörden diesen Nachschub beschafft? Lucky Luke!
So muss sich der gute Lucky eine andere Möglichkeit ausdenken, um mit der Situation fertig zu werden.
1991 erweckte Terence Hill, absolut Komödien- und Western-erfahren, einen Comic-Helden für die Leinwand zum Leben, der zu den langjährigsten Begleitern vieler Comic-Fans gehört: Lucky Luke.
Überschattet vom Tode von Terence Hills Sohn Ross entstand dennoch eine feine Produktion, deren Handlung sich auf die Comic-Vorlage Daisy Town stützt, die als Band 40 der langen Reihe erschien, die inzwischen über 80 Ausgaben umfasst.
Terence Hill versucht gar nicht erst optisch dem zeichnerischen Original nachzueifern. Mit Staubmantel eher klassischen Western-Outfit verleiht er der Figur weitaus mehr Ernsthaftigkeit als in jüngeren Produktionen zu sehen. Diese Ernsthaftigkeit gibt der Figur viel mehr Volumen, denn an ihrer Seite bleibt so viel mehr Platz für die eigentlichen Komödianten – ganz so wie im gezeichneten Original.
Ganz vorneweg ist hier natürlich Jolly Jumper zu nennen. Durch die Synchronstimme von Wolfgang Völz, knotterig, knurrig, nordisch angehaucht, lebt der weiße Hengst so richtig auf und seine Kunststückchen kommen so richtig zur Geltung. (Wer sich unter der Stimme von Wolfgang Völz nichts vorstellen kann, sollte einmal an Käpt’n Blaubär denken, dem Völz durch seine Stimme auch Charakter verleiht.)
Ebenso wichtig ist Ron Carey in der Rolle von Joe Dalton. Nicht ganz so klein, nicht ganz so schlank, verkörpert Carey den Revolverhelden mit der nötigen Arroganz und den nötigen Wutausbrüchen. Zu Beginn der Dreharbeiten konnte Carey auf ein lange Schauspielkarriere zurückblicken und unterstreicht mit seinem Können das, was auf die gesamte Produktion zutrifft: der nötige Ernst.
Als Zuschauer fällt es immer schwer über Figuren zu lachen, die von Schauspielern verkörpert werden, die ihre Rolle nicht ernst nehmen. Das trifft auf Komödien zu, mehr noch auf Comic-Verfilmungen.
Carey tritt in der besten Schauspieltradition eines vergleichbaren Bob Hoskins an, von ähnlicher Gestalt, mit einem ähnlich verschmitzten Lächeln und mit ähnlicher Energie. Wenn Joe Dalton (Carey) endlich alle hinter sich glaubt, seinen Plan aufgehen sieht und schließlich mit seinen Brüdern allein vor den Einwohnern steht und sich die Indianer die ganze Szenerie nur kopfschüttelnd anschauen, dann entsteht richtiges, echtes Lucky Luke-Gefühl.
Fritz Sperberg gibt einen herrlich überdrehten Averell Dalton, der mit seiner phantasievollen Kriegsbemalung nicht nur die Indianer überrascht. Oldtimer kann das Lachen nicht lassen, wenn in Daisy Town wieder ein Halunke dingfest gemacht wird. Nichts wurde vergessen. Gleich zu Beginn kann man Luckys Training beobachten. Immer schneller wird er, bis es ihm endlich gelingt, schneller zu ziehen als sein Schatten. Und wenn die einzelnen Stämme untereinander wild per Rauchzeichen kommunizieren, spätestens dann schwankt man als Zuschauer und Lucky Luke-Fan zwischen Schmunzeln und Brüllen.
Als besonderes Bonbon steuert Roger Miller den Titelsong bei. Bekannt wurde Miller durch seinen unsterblichen Song King of the road. Hier singt er Lucky Luke rides again.
Ein guter Lucky Luke, ein wunderbar trainiertes Pferd in der Rolle seines Lebens, Humor, wie ihn Morris mochte und selber umgesetzt hat, ein Spaß für die ganze Familie, für Lucky Luke-Fans insbesondere.
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Stichwörter: terence hill, lucky luke