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Comic Blog


Donnerstag, 04. September 2008

Die Unsterblichen 3 - Die Passion Nahels

Abgelegt unter: Mystery — Michael um 17:53

Die Unsterblichen 3 - Die Passion NahelsRio flieht. Doch wie so oft, ist die Absicht leichter in Gedanken gefasst, als in der Realität umgesetzt. Das Paradies ist in höchstem Maße gefährlich. Von der berühmten Schlange gibt es derer viele und hinter den grünen Auen wartet ein Reich, gruselig und grausam, mit furchtbaren Kreaturen, die mit Engeln gar nichts mehr gemein haben. Ihre Flucht dauert nicht lange. Nicht Engel sind es, die sie aufspüren, sondern eine Kreatur namens Freiaon. Da Rio über keinerlei Besitzzeichen verfügt, kommt sie ihm gerade recht. Das Wesen nimmt sie mit, denn für sie ist bestimmt ein guter Preis zu erzielen.

Jezephar wartet auf Rio bedrohlich auf dem Plateau. Die Stadt mit dem fremdartigen Namen ist eine verschachtelte Trutzburg, monströs in ihrer Architektur, verwinkelt, alt, ungastlich. Gewalt und das Recht des Stärkeren herrschen vor. Rio erweckt Aufmerksamkeit und wechselt bald den Besitzer. Doch Lamia, die neue Besitzerin, ist nicht weniger harmlos als der ruppige Freiaon. Sehr bald schon sinnt Rio wieder über Flucht nach, aber in Jezephar ist das viel schwieriger.

Neben dem allgegenwärtigen Verlangen nach Seelen ist Leidenschaft einer der wichtigsten Antriebe in dieser merkwürdigen Welt, die sich Engel und Dämonen teilen. Rio, nun in dieser Welt auf der Flucht, muss endgültig am eigenen Leib erfahren, dass nichts, was sie sich jemals unter Titel wie Paradies oder Hölle vorstellte, irgendeinen Wert besitzt. Stephen Desberg lässt das Szenario immer apokalyptischer werden. Rio wird zum Stolperstein einer uralten Ordnung, die für die Sterblichen nicht rechtens ist, so doch wenigstens eine gewisse Funktionalität gezeigt hat. Diese Stabilität, so zerbrechlich und falsch sie ist, kippt nun aus verschiedenen Beweggründen.

Mein Gott! Wie konntest du uns das nur antun?

So lautet die Frage von Rios Vater an den Herrn, von dem nicht einmal mehr sicher ist, ob er existiert. Zwar ist die Existenz der Engel bewiesen, aber warum lässt der Herr der Heerscharen diese unmögliche Entführung zu? Dabei weiß Rios Vater nicht, was der Leser weiß. In Wirklichkeit steht es noch viel schlimmer um seine Tochter. Als Leser gibt man sehr bald keinen Pfifferling mehr für Rios Leben, da auch sie selbst bereit scheint, in dieser unwirklichen Umgebung einen Schlussstrich darunter zu ziehen.

Dramatik bestimmt einen großen Teil der Handlung. Sehr viel weniger als bisher bleibt den auftretenden Charakteren – wie auch dem Leser – Zeit zum innehalten. Der Wechsel des Handlungsortes, besser die Erweiterung desselben, sorgt für weitere Abwechslung. Rio, obwohl die schwächste Figur in diesem Spiel, ist die wahrhaft aktive Person, während viele andere ihre Rolle spielen oder sich in ihr Schicksal fügen. Rio hat eigentlich keine Chance, aber sie rennt.

Der Wechsel des Schauplatzes scheint auch Henri Reculé gefallen zu haben. Bilder und Farben sind intensiver, besonders letztere leuchten regelrecht. In den finsteren Gassen, den Gladiatorenarenen reißen Lichter Gesichter und Körper aus der Dunkelheit hervor. Die Wärme der Laternen und Kerzen steht im vollkommenen Gegensatz zu den Szenen. Frauen bekämpfen sich bis aufs Blut, um nur etwas länger zu überleben, damit nicht sie es sind, die als Seelenspender ihr Leben aushauchen – im wahrsten Sinne des Wortes. Rio durchlebt eine richtige Nacht in Jezephar, doch mit Sonnenaufgang, dem Wechsel in die hellere paradiesischere Umgebung wird es keineswegs besser für sie.

Reculé spielt mit optischen Eindrücken, kann phantastische Figuren erfinden und diese echten Lebewesen der Erde gegenüberstellen. In der Gestaltung tobt er sich richtiggehend aus und reiht eine Idee an die nächste. Das Szenario gewinnt dadurch enorm an Lebendigkeit.

Fernab der christlichen Mythologie gibt sich die dritte Episode als ein handfestes Fantasy-Abenteuer ohne Wenn und Aber. Gestalterisch ist es einer der Höhepunkte der Reihe und absolut spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Da es sich um eine permanente Flucht handelt, ist eine Vorkenntnis der bisherigen Geschehnisse zwar wünschenswert, aber nicht unbedingt erforderlich. :-)

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Samstag, 23. August 2008

Die Unsterblichen 2 - Der Wille des Bösen

Abgelegt unter: Mystery — Michael um 16:56

Die Unsterblichen 2 - Der Wille des BösenRio flieht zu ihrem Vater. Aber selbst auf dem Weg dorthin wird sie von unheimlichen Mächten attackiert. Ihr Vater ist über ihr Auftauchen überrascht, aber auch erfreut. Endlich kann er seine Erkenntnisse mit jemandem teilen: Engel sind nicht unsterblich! Er selbst hat einen ihrer Leichname gefunden, der vor Jahrhunderten ermordet wurde. Nahel ist ganz in der Nähe von Rio. Er ist einer der Engel, die es gewagt haben, sich mit den Menschen einzulassen. Und mehr noch: Nahel hat sich in Rio, eine Menschin, verliebt.

Eigentlich hätte Rio in der Nähe ihres Vaters in Sicherheit sein müssen, doch die Schakale aus der Hölle sind ihr weiterhin auf der Spur, selbst hier, weit von Frankreich entfernt. Nahel sieht nur eine Möglichkeit, die wirkliche Sicherheit für Rio bereithält. Er muss sie mit an einen Ort nehmen, an sich die Dämonen und Ausgeburten der Hölle nicht trauen: das Paradies.

Die Unsterblichen lassen sich auf verschiedene Weise mit den Menschen ein und die wenigsten davon sind wirklich selbstlos. Es scheint Der Wille des Bösen zu sein, dass die Menschen mittels ihrer seelischen Kraft tatsächlich nichts weiter als Kraftfutter für jene Wesen in den höheren Sphären sind. Himmel und Hölle eingeschlossen.

Das Schöne an der Erzählung von Stephen Desberg ist die Gegenüberstellung menschlicher Wunschträume und Vorstellungen im Gegensatz zur Realität. Der Engel sei edel und gut, so die Forderung, die der Mensch an die jenseitigen Kräfte stellt. Desberg entwickelt eine Engelschar, die auch genau das von sich annimmt, allerdings weitet sich dieser Edelmut nicht auf die Menschen aus.

Engel sind durchweg schön – so stellt sie Zeichner Henri Reculé jedenfalls dar. Sie bilden das optische Gegenstück zu den Dämonen, in denen alle Schönheits- und Häßlichkeitsideale zu finden sind. So vielgestaltig ihre Fähigkeiten sind, so unterschiedlich sind auch ihre Erscheinungsformen. Betrachtet man die Dämonen, die mit den einzelnen kleinen Episoden der Geschichte verknüpft sind, so sind offenkundig die von innen brennenden dämonischen Schakale interessant. Ihre Konzeption, der brennende Schädel, der eher an einen Pferde- oder Kuhschädel erinnert und viel gruseliger und ausdrucksvoller ist, als es ein Schakalschädel sein könnte, wird nur von den Gestalten beiseite gedrängt, die nicht sofort alles zeigen.

Jener unheimliche Verfolger, der den Vogelschwarm aufscheucht, um damit das kleine Sportflugzeug zum Absturz zu bringen, ist ein gutes Beispiel dafür. Ungewöhnliche Hörner zieren seinen Kopf, hakenförmige Auswüchse, die verkümmerte und verknöcherte Flügelimitationen aussehen, ragen aus seinen Schulterblättern. Eine grünlich schimmernde, fast delfinartig wirkende Oberfläche bedeckt seinen Körper.

Die himmlichen Lebewesen sind grafisch weniger aufregend, weil sie stärker an die Realität angelehnt sind. Dafür sind sie vom erzählerischen Standpunkt interessanter. Die Seevögel, die Nahel bei seinen Ankunft begrüßen, sind Quasselköppe vor dem Herrn und bringen durch den aufkeimenden Humor etwas Ausgleich in das ansonsten sehr dramatische und klassisch wirkende Szenario. Besonders letzteres wird durch die Engelsfiguren gestärkt, deren gefällige Erscheinung sehr stark an Darstellungen in der Renaissance erinnern. Muskulös, aber auch grazil, mit länglichen ovalen Gesichtern und rockigen Haarprachten.

Der Wendepunkt der Geschichte: Rio kommt in den Himmel. Gegen ihren Willen wird die junge Frau zu ihrer eigenen Sicherheit in das Paradies entführt, wo sie ein wohl bedachten Plan anstößt – auch den der Macher Stephen Desberg und Henri Reculé – der das bestehende Gefüge einreißen soll. Ein spannender und wichtiger Teil der Saga um die Unsterblichen. :-)

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Freitag, 11. Juli 2008

Die Unsterblichen 1 - Das Grab des Engels

Abgelegt unter: Mystery — Michael um 11:19

Die Unsterblichen 1 - Das Grab des EngelsEngel sterben nicht! So glauben alle. Engel sind Gesandte Gottes. So glauben jene, die an Gott glauben. Rio wird im Alter von zwölf Jahren von ihrem angetrunkenen Onkel nach Hause gefahren. Aber seine trunkenen Sinne spielen im einen tödlich Streich und der Wagen landet im verschneiten Straßengraben. Plötzlich hört Rio eine Stimme. Sie entflieht dem Autowrack und sieht! Vor den Flammen steht ein Schattenriss. Seine Konturen sind menschlich, aber er hat Flügel! Diesen Anblick hat Rio niemals vergessen.

Ihr Vater unterdessen, der nie einen Engel gesehen hat, ist von ihrer Existenz überzeugt. Und er weiß: Irgendwo auf Gottes weiter Erde gibt es einen Beweis ihrer Existenz. Irgendwo, irgendetwas. In Äthiopien glaubt er endlich auf eine Spur gestoßen zu sein. In einer uralten Anlage eines Klosters stößt er auf ein Kleinod, das seine Zuversicht nährt. Die kleine Statuette eines Engels. Endlich! Doch die Häscher sind ihm bereits auf der Spur. Nicht jeder will, dass die Wahrheit über die Existenz der Engel ans Licht kommt.

Engel! Es gibt sie. So lautet der spannende Grundgedanke der Geschichte von Stephen Desberg und Henri Reculé. Es begann bereits vor langer Zeit. Engel begingen Verfehlungen, insbesondere dann, wenn sie sich mit Menschen einließen. Pläne wurde geschmiedet, solche, die viel Geduld erfordern und nun Früchte tragen.

So mancher Engel erliegt nicht nur den Genüssen eines menschlichen Lebens. Die Menschen sind so anders. Da ihre Zeit begrenzt ist, kosten sie diese ganz anders aus. Engel haben dieses Problem nicht. Unendlich viel Zeit hat sie träge werden lassen, arrogant, der Mensch ist nichts als Vieh, dazu dienend, ihnen das Leben zu verlängern. Mehr nicht. Wie frevelhaft kann es da sein, sich auf das Niveau eines Menschen hinab zu begeben, diesen gar zu lieben.

Desberg stellt diese Grundhaltung denen eines Forschers gegenüber, dessen größter Wunsch es ist, einen Beweis für die Engel zu finden. Mit unerschütterlichem Glauben ist er seit Jahren am Werk. Vor diesem Hintergrund ist es klar, dass Enttäuschung vorprogrammiert ist. Aber Desberg begnügt sich nicht mit einer Handlungslinie. Im Hintergrund sind noch andere Mächte am Werk, die nach und nach hervortreten und dazu gehören nicht nur Engel und Dämonen.
Auch Menschen wollen ihre Taten verschleiern. Der Titel Das Grab des Engels lässt es beinahe vermuten. Vor vielen Jahren töteten Menschen einen Engel, teils aus Zorn, teils als Probe und so vernichteten sie auch einen Teil ihres Glaubens. Denn was bleibt noch, wenn ein Mensch einen Engel zu töten vermag?

Henri Reculé malt mit der weichen Farbtönen und taucht die Szenen gerne in ein unirdisch erscheinendes wie auch romantisch wirkendes Licht. Strahlendes Orange, lilafarbene Umgebung, blauer Engel, viele Farbkombinationen haben künstlerischen Charakter, der auch gut einer Leinwand zu Gesicht stehen würde.
In solchen Szenarien ist es schade, dass Details, die zur Tiefe der Geschichte nur angerissen werden, nur sehr kurz zum Einsatz kommen. Hier sind es alte Wandmalereien, Statuen oder auch das Innere der so genannten Hölle. Sehr schön ist der Gegensatz von himmlischen und höllischen Gefilden geworden. Das feurig Finstere steht im gelungenen Gegensatz zu einem Paradies, wie es die Bibel vorgesehen hat. Darüber hinaus überspitzt Reculé die Darstellung sogar, wenn er das Pferd von Ashra, die Nahel versprochen ist, wie eine Art Barbie-Reittier mit flauschig kuscheliger Mähne darstellt.

Neben den sehr langgesichtig dargestellten Engeln – fast ein wenig ägyptisch wie auf Abbildungen von Echnaton und Nofretete – bilden manche Dämonen das vollkommene Gegenteil. Die Schakale der Hölle, nennen wir sie einmal so, erinnern ein wenig an die Geister aus Route 666 und sind eher schemenhaft vor einem glühenden Inneren.

Ein guter Auftakt in einem mythisch religiösen Fantasy-Szenario, das beinahe ein eigenes Genre innerhalb der phantastischen Literatur bildet. Der Wechsel der Erzählstruktur zwischen den einzelnen Welten ist reizvoll, die Bilder passend. Insgesamt haben Desberg und Reculé einen in sich geschlossenen, sehr runden ersten Teil geschaffen. :-)

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Dienstag, 01. Juli 2008

Die Unsterblichen 4 - Der zweite Reiter

Abgelegt unter: Mystery — Michael um 17:08

Die Unsterblichen 4 - Der zweite ReiterVon Dämonen erwartet der Gläubige Arroganz, Brutalität, Jähzorn, Eifersucht – kurz all die schlechten Eigenschaften eines Menschen. Von Engeln erwartet er die Schönheit in der Seele, Aufopferung, Edelmut, Sanftheit. – Diese Annahmen sind alle falsch!
Seit langer Zeit herrscht ein Vertrag zwischen Engeln und Dämonen, damit der Gleichklang zwischen Paradies und Vorhölle eingehalten wird. Doch vor vielen Jahren ergab sich mit dem Fehltritt eines Engels eine einmalige Gelegenheit, um diesen Vertrag endgültig zu beseitigen. Nun endlich könnte es den Dämonen gelingen, die Heerscharen des Paradieses für alle Zeit zu vernichten.

Wie konnte es dazu kommen?
Nahel, ein Engel, war dem weiblichen Engel Ashra versprochen. Doch Nahel, angezogen von der menschlichen Welt, entwickelte eine unerklärbare Zuneigung zu Rio, aus der sogar Liebe wurde. Das Verhängnis nahm seinen Lauf, denn Nahel und Rio tappen beide in eine wohl vorbereitete Falle, um Zwietracht unter die Engel zu säen.
Derweil versucht Rios Vater, ein Archäologe, hinter das Geheimnis des toten Engels zu kommen, der er vor kurzem fand. Von den furchtbaren Ereignissen in den himmlichen Gefilden weiß er nichts, noch ahnt er in irgendeiner Weise davon.

Ein neues Wesen ist entstanden, ein Wesen, von dem niemand dachte, dass es in dieser Form existieren könnte. Ausgestattet mit den drei Wesenheiten Mensch, Dämon und Engel hat es nur noch eines im Sinn: Die Apokalypse!

Die vierte Episode um die Unsterblichen läutet das Finale dieses Abenteuers ein und entzaubert den Mythos um die Engel endgültig.
Alle sind sie verdorben, Dämonen wie auch Engel. Stephen Desberg, Autor, und Henri Reculé, Zeichner, lassen kein gutes Haar an den beiden Stützen des christlichen Glaubens (wie auch anderer Glaubensrichtungen). Wo Licht ist, ist auch Schatten. Hier bewegt sich alles und jeder im Zwielicht. Schönheit ist nur aufgesetzt und Maske. Der Teufel steckt im Detail und Gott ist weit weg.

Der vorliegende Teil der Erzählung ist eine Offenbarung für jeden Beteiligten. Einerseits erfährt jeder, wo er steht und lüftet auch Bereiche eines großen Geheimnisses. Langsam wird für Rio, die Menschin, die Rolle deutlich, die ihr zugedacht war. Auf ihrer Flucht durch die ihr unbekannte Welt lernt sie Zusammenhänge kennen und ein Jenseits, das sie nun mit Abscheu erfüllt. Sklaverei, Ausbeutung, Mord, um der Unsterblichkeit willen, all das eint die beiden großen Parteien in dieser Sphäre.
Verfallene Städte, finstere Straßenschluchten, Käfige, schmutziges Gestein und Monströsitäten in jeder dunklen Ecke sind Ausdruck einer verfallenen Welt. Selbst im Paradies lauern die Schlangen auf ihre Opfer. Selbst hier gibt es keinen paradiesischen Frieden. Zwar können die Tiere hier sprechen und verhalten sich friedlich gegenüber den Engeln, die Gebäude und die Landschaft sind prachtvoll, aber unter der Oberfläche ist der Charakter des Paradieses verfault.

Durch Henri Reculé kommt dieser Gegensatz von Anspruch und wahrhaftiger Realität sehr schön zum Tragen. Die in Aquarelltechnik aufgetragenen Farben spiegeln das gesamte Spektrum von Gefühlen wider, die in den jeweiligen Szenen vorherrschen. Eine blaue saubere Kühle in den griechisch anmutenden Gefilden der Engel, eine braungrüne Giftigkeit in den Gemäuern der Dämonen. Ein glühendes reinigendes Feuer, das alles verzehrt, Dämonen, Menschen und auch Engel.
Die Engel sind klassisch phantastisch gemalt, mit langen wallenden Haaren, schlank, athletisch, mit schimmernden Rüstungen, auf sagenhaften Reittieren, die an elegante fliegende Seepferdchen erinnern.
Die Dämonen sind vielfältig, mal monströs, mal äußerst tierisch. Vor Muskeln strotzend, auch gepanzert oder geheimnisvoll gewandet. Vielfalt spielt hier eine viel größere Rolle.
Feuer ist eine Gefahr für alle und wird von Reculés für sehr schöne und dramatische aussehende Bilder genutzt.

Als das Lamm das zweite Siegel aufbrach, erschien ein feuerrotes Pferd. Und der es bestieg, bekam die Macht, den Frieden zu nehmen, auf dass alle sich gegenseitig umbrächten.
So ist es eine Offenbarung, die ein Mensch empfing, die hier zum Ende der jenseitigen Sphären beitragen soll. Eine Offenbarung im Übrigen, die ein Engel wie Ashra beinahe ungläubig liest, in jedem Fall aber unwissend, denn dieser biblische Text scheint ihr völlig unbekannt zu sein. Desberg hat die religiösen Mythologien hervorragend dazu genutzt, um ein feines Fantasy-Epos zu schaffen.

Klassisch phantastisch, beinahe etwas transsylvanisch gruselig in den Gefilden der Dämonen, asketisch arrogant und kalt in der Welt der Engel. Für Freunde der Fantasy bietet sich hier eine sehr gute Variation des Apokalypse-Themas, voller Wendungen und Dramatik. :-)

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Mittwoch, 27. Dezember 2006

Tosca

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 21:49

TOSCADas Leben des jungen Mannes bricht mit einem Schlag zusammen. Sein Bruder stirbt an einer Überdosis Drogen. Seine Mutter begeht wenig später Selbstmord. Für den jungen Mann gibt es nur eine Lösung: Die beiden Dealer, von denen sein Bruder seine Drogen kaufte, müssen sterben.
Das Rechtssystem hält nicht viel von Selbstjustiz. Der junge Mann wird kurz nach der Tat gefasst. Die Strafe folgt auf dem Fuße. Er wird zum Tode verurteilt.
Er hat bereits mit dem Leben abgeschlossen, da überlegen sich einige Männer bei der DEA, der amerikanischen Drug Enforcement Administration, dass der junge einen idealen Undercover-Agenten abgeben würde – nicht zuletzt, weil er einem Sohn des Tosca-Clans, einer führenden Mafiosi-Familie, sehr ähnlich sieht. Diese Chance darf nicht ungenutzt bleiben.

Und wer die Wahl hat zwischen der Todeszelle und einem kurzzeitigen Leben als Mafiosi mit der Chance, anschließend ein neues Leben zu beginnen, wird nicht lange überlegen: Wenn etwas schief läuft, wartet der Tod so oder so.

Der junge Mann stimmt zu und beginnt sein Training. Er erwirbt das Gedächtnis eines völlig Fremden. Ein paar kosmetische Operationen machen die Tarnung perfekt. John Tosca, den es auszutauschen gilt und der sich von seinem Vater losgesagt hatte, stirbt unerwartet. Fortan gibt es einen neuen John Tosca, einen, der sich wieder mit seinem Vater versöhnen möchte.

Die Tosca sind nicht mehr so mächtig, wie sie einmal waren oder wie sie es gerne sein möchten. Don Paliacci, ein eingefleischter Sizilianer, streckt seine Hand auf den amerikanischen Markt aus. Dabei sind ihm die Toscas im Weg. Für John Tosca bedeutet dieses Anliegen eine Chance – eine, mit der niemand gerechnet hat, auch nicht die DEA.

Das neue Leben ist gefährlich, aber auch reizvoll und aufregend. Nicht jeden Tag erhält man die Gelegenheit, die schöne Tochter eines reichen Mannes zu heiraten und so die Karriereleiter hinauf zu fallen. So manches könnte schön sein, wäre nicht die schöne Tochter Angelina ein Flittchen und ihr zwischenzeitlicher Geliebter ein recht humorloser und gemeingefährlicher Killer Don Paliaccis namens Cicero.
Vor dem Hintergrund einer verdeckten Operation entspinnt sich eine tödliche Dreiecksgeschichte.

Tosca ist ein Mafia-Thriller im Comic-Format, der mit den besten Vertretern des Genres, aus Roman wie auch aus Film, auf gleicher Höhe angesiedelt ist. Das Team um Autor Stephen Desberg, Zeichner Francis Vallès und Koloristin Marie-Paule Alluard hat hier eine sich stetig steigernde Geschichte rund um Verrat und Liebe zu Papier gebracht.
Im Original erschien Tosca über mehrere Alben verteilt, wird aber in der Ausgabe des Epsilon-Verlages in einem Band präsentiert.

Grafisch ist hier ein wunderbar kunstvolles Comic-Album gelungen. Mit wenigen, aber aussagekräftigen und exakten Strichen sind hier sämtliche Charaktere eingefangen worden. Francis Vallès zeichnet Menschen, die ein wenig Soap-Charakter haben, reich und schön sind, jedoch steckt hinter der Fassade nur Habgier und Missgunst – das Familiäre der Mafia wurde von ihm geradezu ästhetisch gezeichnet, um so erschreckender wirkt die Gewalt, wenn sie ausbricht.
Insgesamt sind die Zeichnungen überaus realistisch. Das Medium Comic wird hier zudem stark in die Nähe des Mediums Films gerückt. Viele Szenen kommen ohne Dialoge aus. Seien es Verfolgungsjagden oder Action-Szenen, aber auch atmosphärische Szenen wie in der Oper und auf dem Landsitz der Paliaccis.
Bei allem, was der Killer Cicero sagt, die rechte Hand von Don Paliacci, sind doch die Szenen die beeindruckendsten, wenn Cicero nichts sagt. Entweder geht er dann seiner Arbeit nach oder dreht regelrecht durch.

Unter dem Strich lässt sich Tosca auch als Hochglanz-Thriller titulieren. Verantwortlich für diese Atmosphäre ist auch die farbfederführende Marie-Paule Alluard. Ihre Farben verwandeln diese Geschichte in eine Theaterbühne, strukturiert mit klaren Farben. Sie stützen die Zeichnungen sehr schön, untermalen sie im Aquarell-Stil, so dass es zu feinen sehr natürlichen Effekten kommt.

Autor Stephen Desberg erzählt ohne Umwege – und führt damit den Leser ein ums andere Mal auf’s Glatteis. Denn, wer glaubt, den nächsten Schachzug der Charaktere zu kennen, der wird gehörig getäuscht. Der Schluss wartet ebenfalls mit einer Überraschung auf, nachdem es immer wieder Wendungen gegeben hat, die so nicht vorher zu sehen waren.

Ein perfekter Comic-Thriller, geradlinig erzählt, mit vielen Überraschungen und einer sehr sympathischen Hauptfigur – spannende Unterhaltung vom Feinsten. :-D

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Samstag, 04. November 2006

Jimmy Wynberg - Der Niedergang der Weißen

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 17:22

Jimmy Wynberg - Der Niedergang der WeißenJimmy Wynberg besucht in den Ferien gute Freunde in Afrika. Die Aussicht, nach dem Ende der Ferien wieder nach Europa zurückzumüssen, reizt ihn überhaupt nicht. Zunächst genießt er seine letzten Ferientage, aber dann gerät er ihn höchste Gefahr.

Auf der Farm seines Freundes Schatzy fühlt er sich außerordentlich wohl. Inmitten dieses wundervollen Landstrichs möchte Schatzy eine Herberge einrichten. Die ersten Gäste, eine Frau mit einer Tochter in Jimmys Alter, mögen ihre Unterkunft. Jimmy freundet sich sogar mit Helene, dem Mädchen an, aber er muss feststellen, dass seine Vorstellungen von den Menschen dieses Landes gänzlich andere sind als von Helene. Ihre rassistische Einstellung kann er nicht leiden. Die beginnende Freundschaft endet so schnell, wie sie begann.

Da trifft es sich, dass Jimmy von Minister M’Boula eingeladen wird. In Europa hatte Jimmy das Glück sich mit dessen Sohn Napoleon anfreunden zu können. Jimmy freut sich sehr auf das Fest. Aber das Wiedersehen mit Napoleon fällt nicht so aus wie erwartet. Die Kluft zwischen Schwarz und Weiß, kulturelle Missverständnisse tun sich immer wieder grundlos auf – auch zwischen den Freunden.
Die Annäherung zwischen den Kulturen, von Minister M’Boula gefördert, stoßen nicht bei allen auf Entgegenkommen. Viele haben sich mit den alten verkrusteten Strukturen abgefunden, nutzen sie zu ihrer persönlichen Bereicherung aus. Bald ist Jimmy in eine Intrige verwickelt, in der es für ihn um das nackte Überleben geht. Denn obwohl er noch jung an Jahren ist, hat er sich bereits mächtige und skrupellose Feinde geschaffen.

Jimmy Wynberg – Der Niedergang der Weißen ist ein vollkommen klassisch frankobelgisch erzähltes und gezeichnetes Abenteuer. Zeichner Daniel Desorgher wuchs bis zum Alter von 12 Jahren im Kongo auf. Zusammen mit Autor Stephen Desberg bringt er eine Geschichte zu Papier, die den schmalen Grat der Verständigung recht gut inszeniert.
Nichts ist wirklich schwarz oder weiß, genauer, gut oder böse. Eine Seite verdammt die andere, ohne genaues Wissen oder auch wider besseres Wissen. Wer verletzt wird, warum auch immer, zieht sich schnell auf das Gebiet der Vorurteile zurück, denn dort kann er sich sicher wähnen. Man kann sich dort auf seine Gefühle verlassen und muss nicht nachdenken.
So ergeht es Napoleon, Minister M’Boulas Sohn, der wütend über Jimmys schlechte Gewinnermentalität ist. Sicher kann sich ein Gewinner freuen, doch er sollte sich hüten, den Verlierer runterzumachen. Napoleon deutet Jimmys Freude denn auch als weißes Geschwätz.

Ein wenig erinnerte mich der vorliegende Band, dessen Vorgänger noch in einem anderen Verlag erschienen, an eine Episode aus Peter und Alexander bei einem ihrer Ausflüge nach Afrika. Das Abenteuer-Duo, das mit ihrem Papagei, unterwegs ist, weist einen ähnlichen Zeichenstil auf. Außerdem erinnert Schatzy, Jimmys Mentor in Afrika, sehr an Nero aus Die Abenteuer von Nero und Co. Ob es tatsächlich Parallelen zu diesen doch recht alten Vorlagen gibt oder nicht, sei dahingestellt, der Stil mag altmodisch sein, aber er ist auch erfrischend geradlinig. Keine Schnörkel, keine Experimente, es ist eine zeichnerische Gestaltung, in der sich ein Leser sofort heimisch fühlen kann.

Die Erzählung ist so angelegt, dass sie sich ab einem gewissen Zeitpunkt von einem Schülererlebnis zu einem Abenteuer, fast einem Thriller wandelt. So gesehen, erinnert die Handlung an frühere Weihnachtsvierteiler. Es ist eine Geschichte für die ganze Familie und jede Altersstufe. Ein bißchen erzieherisch vielleicht, aber immer unterhaltsam und spannend. :-)

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