Freitag, 04. Juli 2008
Da gibt es doch immer noch Leute, die glauben, dass Jackie Estacado ein ganz normaler Mafioso ist. Jake Nightly ist so ein Kerl. Jake hat eine Rechnung offen und er sucht Streit. Wäre die Sache ein ganz normaler Mafiastreit, hätte er vielleicht eine Chance. Aber so?
Es gibt gute Killer, also solche, die ihr Handwerk verstehen, und solche, die einfach nur Blindgänger sind. Jake Nightly war ein guter Killer. Palanco hingegen ist eine Flasche vor dem Herrn. Jackie sieht nur einen Ausweg. Er befiehlt Palancos Tod. Doch Palanco ist nicht nur absolut dämlich, er scheint das Glück des Dummen auch noch gepachtet zu haben.
Sind es zu Beginn, kurz nach der Machtübernahme, noch die ganz alltäglichen Dinge mit denen sich Jackie in seiner neuen Funktion als Don herumschlagen muss, wird aus einem einfachen Krieg um die Vorherrschaft ein Kampf der übernatürlichen Kräfte.
Jackies Darklings treten gegen Drachen an. In Mister Kuo steht ihm ein chinesischer Killer gegenüber, der keine Dunkelheit benötigt, um seine ihm dienenden Kreaturen heraufzubeschwören.
Ein neues Leben für Jackie Estacado. Lange stand er im Schatten der Mächtigen, nun bekleidet er die höchste Position. Und sofort sind Neider und Konkurrenten zur Stelle, die ihm das Leben nehmen wollen.
In der 10. Werkausgabe der Darkness hat sich einiges für den ehemaligen jungen Schnösel im Dienste seines Onkels geändert.
Paul Jenkins schreibt seine Abschlussgeschichten um Jackie Estacado und übergibt an Ron Marz (Cyberforce). Die Auswahl ist für den Leser genau richtig. Nach ein paar Einzelepisoden geht es mit Dragons & Darkness an einen Mehrteiler, in den Jackie endlich einmal wieder einen Gegner hat, der ihm gewachsen zu sein scheint.
Wenn Hong Kong bedroht wird, werden Drachen zu Hilfe eilen.
Mit Kuo, dem chinesischen Killer, hat Ron Marz ein helleres und mythisches Gegenstück zu Jackie Estacado geschaffen. Kuo ist nicht ganz so cool - aber ebenso arrogant. Das Aufeinanderprallen dieser beiden Kontrahenten ist besser als andere ungewöhnliche Begegnungen der Darkness, dazu lassen sich auch die Kämpfe gegen die Witchblade oder die Angelus zählen.
Neben Ron Marz steht für dieses Horror- und Gangsterspektakel als Zeichner Martin Montiel zur Verfügung. Montiel gestaltet mit sehr viel Stil und Eleganz in der Linienführung. An den Darklings und besonders den phantastisch aussehenden Drachen kann er sich richtig austoben.
Wer dachte, in der Zeit nach Paul Jenkins würde es mit Ron Marz etwas gewaltfreier zugehen, der täuscht sich. Marz hat für Montiel einige Vorlagen geschrieben, die in jedem Splatter-Film für das nötige Grauen sorgen würden.
Insgesamt ist die kleine Mini-Reihe Dragons & Darkness eher ernsthaft, was dem Szenario um die Darkness auch sehr gut bekommt.
Zuvor setzte Jenkins mit seinen Episoden mehr auf schwarzen Humor, das passt zuweilen recht gut, sollte aber auch nicht überstrapaziert werden. Es sei denn, der Humor ist vollkommen überzogen.
Mit dem Killer Palanco ist das gelungen. Jenkins beschreibt einen Mann, der ein Attentat auf der falschen Straßenseite begeht und somit das falsche Ziel um die Ecke bringt. Und so dumm wie Palanco selbst ist, das Ziel zu treffen, so viel Pech haben jene, die den Mann für seine Dummheit bestrafen sollen. Steven Cummings (www.sc-shiki.com) zeichnet eher glatter, lustiger, unterstreicht mit seinem grafischen Stil die Komik der Handlung.
Knallhart hingegen fallen die Bilder von Eric Basaldua, Michael Choi und Romano Molenaar (www.romanomolenaar.com) aus. Die Handlung verlangt dies aber auch. Wenn ein Mafioso ins Gebet vertieft in einer Kirche erschossen wird, verbietet sich jeder Funny-Effekt. So sind die ersten beiden Geschichten eher als Gangster-Geschichten mit kleinen Horroranleihen zu verstehen. Paul Jenkins hat sich zum Schluss den Alltag eines Dons vorgenommen. Fast könnte man als Leser den Eindruck gewinnen, dass diese Schuhe ein wenig zu groß für Estacado sind.
Klassisch gangsterlich, modern gruselig, ein wenig Comedy zwischendurch. Ein perfekter Mix, zu jeder Zeit unterhaltend und kurzweilig, ganz besonders durch die kleine Mini-Reihe zum guten Schluss enorm spannend.
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Stichwörter: paul jenkins, ron marz, eric basaldua, romano molenaar
Donnerstag, 03. Juli 2008
Das Raumschiff tritt in die Erdatmosphäre ein. Für die beiden Beobachter ähnelt eines einem herabstürzenden Asteroiden. Für jene, die an Bord des Schiffes sind, bleibt keine Zeit für derlei Gedanken, weil sie sich einer großen Gefahr stellen müssen.
Eigentlich sind sie genau deshalb an Bord, aber damit haben die Mitglieder der Cyberforce dann doch nicht gerechnet. Diese Außerirdischen sind Riesen. Und wie so mancher Große behandeln sie alles, was kleiner ist, mit Geringschätzung. Menschen, selbst so kraftvolle Wesen wie die Cyberforce, sind für sie nichts weiter als missratene Insekten, nicht einmal würdig, dass man das Wort an sie richtet.
Alsbald wendet sich das Blatt. Boomer stellt sich den Fremden in einem gewaltigen Showdown.
Der abschließende sechste Teil dieser Reihe um die Mitglieder der Cyberforce beantwortet keine Fragen – wie auch? Die Fremden reden nicht mit unwürdigen Menschen.
Ron Marz weiß als Autor sehr genau, dass nicht alle Fragen immer gelöst werden müssen. Manchmal ist es einfach so, wie es ist. Diese Fremden sind gekommen, um die Brut, die sie nie beabsichtigt hatten, zu vernichten. Nichts weiter. Außerirdische Kräfte sollen nicht Menschen innewohnen. Marz zeigt eine Cyberforce, die gerne verhandelt oder sich in anderer Art verständigt hätte, aber dazu erhalten sie keine Gelegenheit.
Pat Lee spielt zum Schluss weiter mit dieser Bedrohung und lässt die Fremden mit ihren stacheligen Helmen auch schon mal als Schattenriss erscheinen, aus dem nur die glühenden Augen den nächsten Angriff erahnen lassen – der dann auch nicht lange auf sich warten lässt.
Der Abschied – und vorerst ist es für den Leser einer – ist weiterhin voller Action und mit Resignation und Traurigkeit angereichert. Ein wenig erinnern die Fremden hier an einen anderen Riesen namens Galactus. Diese mögen nicht ganz so machtvoll sein, dafür treten sie gleich als Paar auf. Charakterlich haben sie hingegen viel mit ihren Kollegen aus dem Marvel-Universum gemein.
Grafisch ist es immer noch Top, was nicht zuletzt daran liegt, dass während der gesamten Produktion ein beinahe identisches Macher-Team eine gleich bleibende Qualität gewährleistet hat. Hier wurde viel Herzblut investiert – ob das stimmt, kann ich nicht sagen, aber der Qualität nach zu urteilen, stellt sich wenigstens dieser schlussendliche Eindruck ein.
Knallig bunt, groß, größer, riesig groß und noch mehr, so verabschiedet sich die Cyberforce (leider) mit dieser für den Leser runden Angelegenheit. Das Konzept dieser kleinen Reihe hat von Anfang bis Ende gepasst. Davon könnte es ruhig mehr geben.
Stichwörter: ron marz, pat lee
Die Cyberforce hat das Mutterschiff der Angreifer gefunden. Es ist ihnen sogar gelungen, an Bord zu kommen. Doch wo ist der Feind? Ist denn keiner zu Hause? Die kleine Verschnaufpause nutzen die Cyberforce-Mitglieder, um sich sicherheitshalber voneinander zu verabschieden. Man weiß nie, was kommen mag.
Diese weise Voraussicht war beileibe nicht fehl am Platz, denn kurz darauf finden sie schon mehr Gegner, als ihnen lieb ist.
Velocity unternimmt einen kleinen Rundlauf durch das riesige Schiff. Überall herrscht gähnende Leere, bis plötzlich …
Auch der 5. Teil der Saga um die Cyberforce besticht durch atmosphärische SciFi-Bilder – stärker noch als zuvor, denn jetzt stehen die Team-Mitglieder vor ihrer direkten Konfrontation mit den Außerirdischen.
Mach’ es groß, müssen sich Ron Marz und Pat Lee gedacht haben, als sie an der Geschichte arbeiteten. Ganz im Sinne anderer außerirdischer Invasionen darf der Leser an der Seite der Cyberforce einen Blick in das Mutterschiff werfen. Der Eindruck ist nicht so groß wie der Leser es von einem Film wie Independence Day her kennen mag – aber er ist groß genug!
Die Scheinwerfer des Kreuzers der Cyberforce reißen Deck auf Deck aus der Dunkelheit. Da die Macher sich nicht lumpen lassen wollen, gestalten sie diese Szene auch gleich auf einer Doppelseite und erhöhen so den Effekt. Natürlich erwartet nicht nur das Cyberforce-Team einen Angriff, sondern auch der Leser – nach dieser Demonstration von Macht. Aber zunächst finden die Freunde – nichts!
Und als sie es dann finden, gestaltet Pat Lee auch gleich eine weitere Doppelseite voller Action, auf der die Tuscher Rob Hunter, Rick Basaldua und Sal Regla sich an allen Regeln der Kunst austoben können. Farblich müssen Matt Yackey und John Starr nachziehen.
Da das gesamte Team so konsequent gut zusammenarbeitet, stimmt das Ergebnis und so können sich bestimmt auch Leser, die vielleicht nicht ganz mit Lees Zeichentechnik einverstanden sind, an den Bildern erfreuen.
Lee zeichnet für das Auge gerne ein wenig sperrig. Das mag an der Mischung aus Manga-Stilen und herkömmlichen Übersee-Richtlinien liegen, die sich über die Jahre hinweg einfach festgesetzt haben. Aber gerade das leicht Unbequeme macht die Geschichten, insbesondere diese auch sehr spannend.
Ron Marz schreibt seine Geschichte mit dem größtmöglichen Aufwand, sät soviel Spannungselemente wie möglich und ist auch immer bemüht, so unvorhersehbar wie möglich zu bleiben. Zusammen mit Lees Bildern ergibt sich so ein tolles SciFi-Abenteuer mit vielen Überraschungen. – Wer das letzte, natürlich wieder doppelseitige Bild, dieses Bandes sieht, wird verstehen, was ich meine.
Jetzt geht’s rund. Die Cyberforce hat das Raumschiff der Fremden betreten. Dieses Abenteuer lässt es richtig krachen. Optisch werden Space Opera Fans sehr verwöhnt und können sich auf ein rundum tolles Vorfinale freuen.
Stichwörter: ron marz, pat lee
Mittwoch, 14. Mai 2008
Die Idylle ist überaus beschaulich. Ein Holzhaus inmitten von ruhiger Natur. Wild äst am Waldrand, die Sonne scheint auf dieses Postkartenmotiv. Dann erschüttert eine gewaltiger Donner die Szene.
Das Kampfschiff der Cyberforce rast über die Baumwipfel hinweg und setzt sie mit seinen Triebwerken in Brand. Die Konstruktion von Dylan Cruise muss sich bewähren. Zum Glück für alle Teammitglieder versteht Cruise sein Handwerk. Der entstehende Schaden durch die Waffen des Schiffes ist jedoch nur ein Vorgeplänkel, denn am Boden geht es erst richtig los.
Na, Kumpel, was gibt’s Neues?
Ich war tot. Geht mir aber wieder besser.
Der finale Kampf am Boden ist die Einleitung für ein neuerliches Wiedersehen. Und was für eines! Konnte der Leser im vorhergehenden Band seine Augen noch am Kampfschiff der Cyberforce weiden und die Gestaltungslust von Pat Lee bewundern, scheint es jetzt erst so richtig loszugehen.
Zuvor konnte bestaunt werden, wie schnell die außerirdischen Fluggeräte den terrestrischen Jagdflugzeugen den Garaus machen können. Im Gegensatz dazu findet nun der Luftkampf in diesem Band unter anderen Vorzeichen statt – und geht sogleich am Boden weiter. In einem Kinofilm würde man dies mit dem Begriff Materialschlacht überschreiben.
Dieser Eindruck verstärkt sich durch die Ansicht der Zweikämpfe. Boomer, der nächste gefundene Freund, eine Mischung aus Hulk und Colossus, tritt gegen einen außerirdischen Soldaten an. Rein optisch glaubt man es aber mit einer Abart eines Transformers zu tun zu haben. Pat Lee hat einschlägige Erfahrungen mit der Umsetzung von Transformers-Comics, deshalb war er hier regelrecht in seinem Element.
Da waren es wieder sechs.
Sie werden nicht weniger, sondern mehr. Ein wenig fühlt man sich in der Geschichte von Ron Marz an die sieben Samurai oder die glorreichen Sieben erinnert. Die Gruppe wird immer schlagkräftiger. Und hier ist es kein Dorf, das ihrer Hilfe bedarf, es ist die Erde selbst. Ron Marz geht seinen Kurs konsequent weiter. Bisher setzte er in jeder Folge einen besonderen Akzent, was nichts anderes bedeutete, als sich selbst noch einmal zu steigern und den Handlungsfaden klettern zu lassen.
Wer sich schon über das Schiff der Cyberforce freute, der wird bei dem Mutterschiff der Außerirdischen zweimal hinschauen.
Mit all seinen Streben, Stützen, Vorsprüngen, Türmchen und … wer weiß schon, was das alles sein soll – jedenfalls bereitete Pat Lee der Tusche-Mannschaft richtig viel Arbeit mit derlei Bildern. Gleich fünf Leute haben sich mit ihren Tuschestiften auf die Bilder gestürzt, allen voran versierte Künstler wie Sal Regla und Rick Basaldua.
Der Endspurt kann kommen. Ron Marz hat das Finale verdammt gut vorbereitet, nachdem bereits diese Ausgabe einen finalen Charakter hatte. Die Bilder sind noch bombastischer, ausgeprägter, drastischer geworden. Wer sich mit einer Comic-Mischung aus amerikanischen und asiatischen Einflüssen anfreunden kann, hat hier eine Geschichte mit starkem Unterhaltungswert.
Stichwörter: ron marz, pat lee
Zwei Jagdflugzeuge rasen durch ein wundervoll blauen Himmel. Dennoch sind die Piloten zornig. Die Meldung über ein Radarecho war nur ein Hirngespinst der Leitzentrale. Doch plötzlich fegt ein unidentifizierter Flugkörper einen der Jäger beinahe vom Himmel.
Von dieser Begegnung der dritten Art wissen Cyblade, Velocity, Ballistic und Ripclaw nichts. Sie sind auf der Suche nach einem sicheren Unterschlupf. Ripclaw hat auch schon eine Idee. An ihrem Ziel angekommen erwartet sie eine Überraschung.
Der alte Luftschutzbunker, von dem Ripclaw annahm, er werde kaum mehr als eine komfortable Höhle sein strotzt vor Technik. Und er ist nicht unbewacht. Kaum haben die Freunde die unterirdische Kammer betreten, werden sie bereits angegriffen. Der Gegner ist wehrhaft und schlecht einzuschätzen, dem Team unterlaufen Fehler. Gerade gewinnen sie die Oberhand, als etwas geschieht, mit dem niemand gerechnet hätte.
In der dritten Episode haben sich Missverständnisse aufgeklärt. Ein neues Bündnis wurde geschlossen. Nachdem klar ist, dass Ripclaw nicht der Feind ist, wird eine neue Operationsbasis gesucht.
Ihr neuer Freund, Dylan Cuise, eigentlich tot, hatte seine ganz eigene Begegnung mit den Außerirdischen. Und auch er weiß, dass eine Bedrohung auf sie zukommt.
Ron Marz muss punktgenau erzählen. Für Weitschweifigkeit bleibt keine Zeit, ausgeruht werden kann sich nur innerhalb der Geschichte. Marz nutzt dazu das Wiedersehen der Freunde, um gleichzeitig die Charaktere etwas mehr herauszuarbeiten. Die Frauen umarmen ihren verloren geglaubten Freund. Die beiden Männer gestatten sich einen überschwänglichen Händedruck. Männer, insbesondere Superhelden, wissen ihre Gefühle eben besser zu verbergen – in diesem Fall tragen auch die Masken dazu bei.
Machte Ripclaw bereits einen ziemlich kolossalen Eindruck, so kann Dylan Cruise dies noch einmal toppen. Pat Lee steuert für diesen muskulösen Kämpfer noch eine ausgefeilte Uniform bei, die Cruise im Gegensatz zu den anderen Figuren mehr soldatisches Aussehen verleiht. Wie sehr sich der erzählerische Rahmen verschiebt, zeigt sich kurz darauf auf einer Doppelseite. Cruise hat ein kleines Schiff überarbeitet, denn wie er selber sagt:
Das hier wird Krieg.
Das Design dieses Schiffes wirkt gemein. Er erinnert an einen stählernen Raben mit abgespreizten Federn und riesigen Triebwerken. Für einen Comic ist dieses Design recht aufwendig. Bei näherer Betrachtung könnte es aus einem Computerspiel stammen und steht jenen Entwürfen in nichts nach. Darüber hinaus hat Pat Lee hier wieder seinen Spaß. Mit den angreifenden Robotern und den Feuergefechten über den Wolken kann er seiner Gestaltungsfreude freien Lauf lassen.
Der Auftakt fällt leider etwas kurz aus. Um den Mystery-Faktor noch zu erhöhen, hätten der Szenerie noch ein, zwei Seiten mehr gut getan. Allerdings gleicht der weitere Verlauf der Geschichte dies wieder aus. Langsam findet sich ein schlagkräftiges Team zusammen. Farblich schön von Dream Engine bearbeitet muss sich der Leser mit einem spannungsgeladenen Cliffhanger zufrieden geben und auf den 4. Teil warten.
Stichwörter: ron marz, pat lee
Donnerstag, 31. Januar 2008
Der Astronaut ist schockiert, beeindruckt, erschüttert. Das Spiegelbild eines riesigen Raumschiffs unbekannter Herkunft füllt das Sichtglas seines Helms aus. Weit draußen im Orbit des Mars, bei einer für Menschen denkwürdigen Expedition, kommt es zur Begegnung zwischen Menschen und einer anderen Zivilisation.
Das Treffen ist nur von kurzer Dauer und mitleidslos.
Auf der Erde macht sich Velocity keine Gedanken über ein geschichtsträchtiges Zusammentreffen zwischen Menschen und Außerirdischen. Überleben ist im Augenblick viel wichtiger für sie. Bis vor einigen Sekunden stand ihr Leben noch auf des Messers Schneide. Der Mann, von dem sie annahm, er wolle sie töten, rettete ihr gerade das Leben. Plötzlich sind zwei Ripclaws mit ihr im Zimmer. Aber wer ist der echte?
Während Velocity ihre Freundinnen Cyblade und Ballistic aus der Gefahrenzone bringt, geht im Gebäude der Kampf zwischen den beiden Ripclaws erst so richtig los.
Die Fähigkeiten, die Ripclaw an den Tag legt, machen aus ihm eine lebende Waffe. Sein Kampf gegen dieses Ungeheuer, das versucht hat, seine Identität anzunehmen, ist ein ziemliches Gemetzel. Alsbald gibt das Wesen auch seine menschliche Gestalt auf und greift ihn mit noch größerer Gewalt an, als sich kein schneller Sieg einstellt.
Ron Marz stellt Ripclaw in den Mittelpunkt des zweiten Teils. Glaubte man zu Beginn, der ehemalige Freund von Velocity habe sich vollkommen gewandelt und sei nur noch eine mörderische Kampfmaschine, tritt nun eine Änderung ein. Marz lässt zwei Ripclaws gegeneinander aufmarschieren, ein jeder im Kampf um seine Identität. Und wieder sieht es zu Beginn nach einer leichten Angelegenheit aus. Der fremde Gegner fällt ein ums andere Mal, nur um wie ein Stehaufmännchen wieder hoch zu kommen und Ripclaw erneut anzugehen.
Die wenigen Sätze, die zwischen den einzelnen Gefechten fallen können, liefern weitere Rätsel. Velocity will helfen, muss aber einsehen, dass sie nichts tun kann.
Die Metamorphose des fremden Organismus erinnert ein wenig an die Verwandlung des Tordenkakerlakk im Kampf der Hexenmeister, als es Spider-Man in eine andere Dimension verschlägt.
Viel Zeit bleibt Marz nicht für seine Erzählung, aber er setzt sämtliche Mittel ein, die er nutzen kann, um Spannung zu erzeugen und die Neugier auf die nächste Folge anzuheizen. Zwar weiß der Leser mehr als die Hauptakteure, aber er kann sich auch nicht sicher sein, was er da eigentlich weiß.
Pat Lee teilt sich die zeichnerische Arbeit mit Alex Milne, der für die Hintergründe verantwortlich ist. Hierbei ist es manchmal irritierend, dass die Figuren zwar Schatten aufweisen, die Flächen, auf denen sie stehen, allerdings nicht. Das ist ein kleines Missgeschick, welches den Genuss dieses SciFi-Superhelden-Abenteuers aber nur unwesentlich stört.
Der Beginn und das Ende der Geschichte weisen auf den kommenden Handlungsstrang hin. Außerdem lässt Ripclaw einige bedeutungsschwere Sätze fallen, die auch zu interessanten Bildern beitragen könnten. Denn eine außerirdische Rasse ist auf dem Weg zur Erde. Das könnte so schlimm nicht sein, hätten sie nicht mit den Mitgliedern der Cyberforce ein Hühnchen zu rupfen.
Action und Rätsel, Helden, die sich bald einer Übermacht gegenüber sehen werden. Gerade vereint und bald schon … Ron Marz spielt mit dem Leser und gibt Pat Lee viel Spielraum für seine Phantasie (die er bereits mit Warlands unter Beweis stellen konnte).
Stichwörter: ron marz, pat lee
Samstag, 24. November 2007
Eine Raumstation am Rande des Batai-Imperiums. Hier ist nichts los. Aber auch gar nichts. Deshalb heißt das vorherrschende Gefühl auch Langeweile – die mit dem Alarmsignal im nächsten Augenblick schlagartig verfliegt. Aus der Tiefe des Raums befinden sich plötzlich fremde Raumschiffe auf Angriffskurs.
Andernorts weiß man nichts über die riesige Schlacht, de sich im lautlosen Weltraum abspielt. Die drei Frauen, der Rest der Cyberforce, hat eher eine kleine Feier im Sinn und ergeht sich in Erinnerungen an bessere Zeiten. Ein alter Wein, eine gelöste Atmosphäre täuscht nur darüber hinweg, dass es sich bei diesem Treffen um eine Falle handelt.
Und der Feind kommt! Schneller und stärker, als es den drei Freundinnen lieb ist.
Mit Cyberforce ist Pat Lee wieder zurück. Der Mann, der daran beteiligt war, dass Projekte wie Warlands und Neon Cyber entstanden. Oder Crossover wie Wolverine / Punisher. Und lange bevor der Transformers-Film das Kino mit Bombast-Action unsicher machte, machten Dreamwave Comics aus diesem Thema eine gelungene Scifi-Comic-Reihe.
In der Serie Cyberforce für die Gestaltung und Zeichnung der Figuren verantwortlich. Seine leicht verwackelten Gesichter und die überirdisch gestreckten und proportionierten Gestalten sind sein stilistischer Fingerabdruck. Unübersehbar ist der Einfluss von Manga-Techniken – die bei der Gestaltung der eingangs erwähnten Raumschiffe sehr hilfreich sind. Eine Doppelseite zeigt einen Abschnitt der Raumschlacht, vollkommen ohne Worte, und, wie es bei Pat Lee häufig der Film ist, wie in einem Fall arrangiert.
Hat Lee den Part des Vordergrunds übernommen und liefert eine schöne Arbeit ab, hat Alex Milne mit den Hintergrund alle Hände voll zu tun. Reine Hintergrundzeichner finden sich in Heft-Reihen nicht besonders oft, doch das Konzept geht auf und das Ergebnis ist sehr überzeugend.
Im Zusammenspiel mit dem kolorierenden Studio Dream Engine Colors entsteht eine für eine Heft-Serie wirklich aufwendige Gestaltung. Einerseits durch die Hintergründe organisch anmutend und mit einer großen Bildtiefe versehen, entsteht durch die getuschten Außenlinien der Figuren ein zusätzlicher feiner Kontrast.
Jeder krallenbewehrte Held (oder auch Schurke) muss sich mit dem Standard dieser Charaktere messen, der da Wolverine heißt. Ähnlichkeiten zu dieser Heldenfigur hat der hier auftretende Robert Bearclaw nicht. Das Cyberwesen, das durch eine außerirdische DNS umgestaltet wurde, erinnert vielmehr an eine abgewandelte Version des Freaks aller Freaks namens Lobo. Viel lässt sich von Roberts Charakter in diesem Band nicht ablesen, außer, dass er zum Feind seiner ehemaligen Kameradinnen geworden ist und diese wohl lieber als alles andere töten möchte – wie es in einem Crossover der Cyberforce mit der Justice Leaque of America auch deutlich zum Ausdruck kommt.
Fakt ist in jedem Fall, dass die drei Frauen gegen seine mutierten Fähigkeiten keine Chance zu haben scheinen, weshalb der Schluss eine ziemliche Überraschung ist.
Zwei Handlungsstränge bleiben offen zurück. Ersterer, jener der Raumschlacht, wird hoffentlich seine Auflösung finden (mit noch beeindruckenderen Szenen). Das Rätsel zum guten Schluss verlangt nach mehr.
Ein für eine Heft-Serie richtig guter und sehr aufwendiger Auftakt im Genre Scifi-Action, von dem zu hoffen bleibt, dass die eigene Steilvorlage auch wieder aufgenommen werden kann.
Stichwörter: ron marz, pat lee, eric sander, alex milne
Dienstag, 10. Januar 2006
Es gibt Comic-Serien, da stimmt es mich richtig traurig, wenn sie ihr Ende finden. Mystic ist eine solche Serie.
Der Planet Ciress. Magie ist hier nichts, was irgendjemanden aufregen würde, denn Magie gehört zum Alltag. Zauberer, Dämonen und Geister bevölkern die Länder inmitten all der Menschen, die einigermaßen normalen Berufen nachgehen.
In dieser Welt haben die Zauberergilden einen sehr hohen Stellenwert. Genevieve soll neue Gildemeisterin werden. Es steht außer Frage, dass ein Gildemeister auf sein Ansehen achten muss. Hat, wie in diesem Fall, die Gildemeisterin eine Schwester, die als Partygirl verschrien ist, dann ergeben sich daraus zwangsläufig Familienprobleme.
Diese Probleme werden noch viel größer, wenn dieses Partygirl Giselle heißt, eine atemberaubende Frau ist und durch einen merkwürdigen Zwischenfall am Ende mehr magische Macht besitzt als ihre ältere Schwester.
Und die Probleme werden noch viel größer, als sich herausstellt, dass Giselle diese Macht überhaupt nicht will.
Die Ausgangssituation erinnert an eine Komödie und in der Tat hat Autor Ron Marz nicht mit Humor, witzigen Einlagen und Slapstick nicht gespart. Magie wird hier nicht so ernst genommen, andererseits ist es aber vom Witz einer Scheibenwelt auch wieder weit entfernt. Sagen wir, der Witz ist in Mystic eher skurril.
Inmitten dieses Szenarios stellt Ron Marz mit Giselle die wohl schönste Zauberin aller Zeiten in den Mittelpunkt der Geschichte. Dank des ersten und maßgeblichen Zeichners Brandon Peterson ist Giselle eine Sexbombe geworden. Vergiss Gandalf, kann ich da nur sagen.
Spaß beiseite, Brandon Peterson versteht sein Handwerk auf das trefflichste und für Comic-Freunde ist solch ein Augenschmaus ein Fest.
Andere Zeichner wie Kevin Sharpe, Fabrizio Fiorentino, Al Rio, Paul Ryan, Paul Pelletier und Aaron Lopresti sind gut, aber nicht so gut wie Peterson. Einzig Lopresti schafft einen ähnlich feinen Zeichenstil. Muster seiner Arbeiten finden sich unter http://www.aaronlopresti.com/. Leider ist die Homepage nicht besonders aktuell.
Tony Bedard übernahm die Serie als Autor von Ron Marz. Das Konzept des Humors wurde mit ihm noch verstärkt, wie ich finde. Giselles Erlebnisse in einer Art Uhrzeit (wie z. B. einen T-Rex mit einem vernuftbegabten Drachen verwechselt), ihre Begegnung mit einer Art Yeti, die Entwicklung der Figur des kleinen Skitter, einem mit Intelligenz und Zauberkraft gesegneten hundeähnlichen Lebewesen, erfolgt mit Bedard noch ein bißchen besser.
Alles in allem hatte die Serie keine Durchhänger, sondern variierte ihre Themen sehr schön und flechtete die Welt Ciress auf sehr feine Weise in die Geschichte ein.
Als Giselle im ersten Abschnitt ihre Erzfeindin Animora besiegt, bleibt fortan Zeit, um das außergewöhnliche Setting mit ihren Augen zu erkunden. So fremd es ihr ist, so sehr machte es mir als Leser Spaß, ihrer Erkundungsreise zu folgen.
Sehr gelungen waren die jeweiligen Kulturen der Gilden angelegt, die sich ganz besonders auch in ihren Ländern niederschlagen. Um den Leser nicht völlig vor den Kopf zu schlagen, entlieh man irdische Begebenheiten nach Ciress. Seien es die Gilden, die in enger Verbindung zu Naturgeistern oder Dschinns stehen, aber auch jene, die eine Art Kamasutra-Kultur zugrunde legt, was eine gewisse erotische Komponente in sich birgt und Giselles so aufgebautem Charakter auch Rechnung trägt.
Wer Gelegenheit hat, Bände dieser Serie zu ergattern, und Spaß an komischer wie auch spannender Fantasy hat, sollte unbedingt einen Blick wagen. (Auf den ersten Sammelband achten, der die ersten 5 Bände zusammenfasst.)
Stichwörter: ron marz, brandon peterson, tony bedard, aaron lopresti, mystic
Donnerstag, 06. Oktober 2005
Johnny Estacado möchte sich ein neues Geschäftsterrain unter den Nagel reißen. New York genügt nicht mehr, jetzt soll es Metropolis sein.
Kaum dort eingetroffen, bekommen er und seine Gehilfen eine eindeutig ablehnende Botschaft von einem Handlanger des ansässigen Gangsterbosses: Metallo stellt sich selbst der Darkness furchtlos entgegen und er gibt keinen Penny für dessen Drohungen.
Estacado weiß genau, auf wessen Terrain er sich in Wahrheit bewegt: Superman. Dieser Superheld bereitet ihm tatsächliche Sorgen und eine Lösung dafür hat er noch nicht gefunden. Die Darkness traf bereits einmal mit Batman zusammen und sogar dort holte er sich eine blutige Nase. Aber vor Batman hat er regelrecht Angst, während Superman ihm einen gehörigen Respekt einflößt.
Erste Tests verlaufen wie erwartet. Das erste Zusammentreffen der beiden gerät jedoch ganz anders, als die beiden vorhersehen konnten.
Wen hat die Darkness eigentlich noch nicht kennen gelernt?
Die Begegnungen zwischen der Darkness und der Witchblade sind bereits Standard. Beide legten sich als Team schon mit Aliens und Predatoren an. Eine Begegnung, dem wir sogar einen Alien-Darkling verdanken.
Crossover von DC und Top Cow gab es bereits auch schon zwischen der Witchblade und der JLA, eine Begegnung, die ich recht enttäuschend fand, da Zeichner Mark Pajarillo einen sehr klinisch, kalten Job ablieferte.
Die Begegnung der Darkness mit Batman (Dino Crossover 30) war seinerzeit schon besser. Die Charaktere, beide von Haus aus düster, passten recht gut zueinander. Marc Silvestri, Dave Finch und Clarence Lansang bringt hier wunderbar gruselige Bilder zu Papier. Darunter sind einige sehr schöne Batman-Portraits und Ansichten seines Batmobils. Two-Face sah niemals schauderhafter aus. (Natürlich nur eine Hälfte.) Die Handlung war spannend aufgebaut und das Zusammentreffen ist gelungen. Batman wäre nicht Batman, würde er nicht die kleine Lichtschwäche der Darkness ausnutzen.
Besser geriet eigentlich nur das Zusammentreffen zwischen der Darkness und dem Hulk. Eine perfekte Erzählung nach allen Regeln der Kunst, die auch eine neue Fähigkeit der Darkness zum Vorschein brachte: Estacado konnte sehen, wann und wie ein Mensch sterben würde, wenn der Zeitpunkt in nicht allzu ferner Zukunft lag.
Apropos Lichtschwäche. Im vorliegenden ersten Teil des Crossovers zwischen dem Stählernen und der manifestierten Dunkelheit verpasst Supie der Darkness eine Breitseite mit dem Hitzeblick. Bislang war ich der Ansicht, dass es ein laserähnliches Licht ist. Das sollte eigentlich außer ein paar Schmerzen größere Auswirkungen auf die Darkness haben. Und was ist mit dem grellen grünen Licht, was das Kryptonit-Herz von Metallo abstrahlt?
Nun, man soll Comics nicht so sehr den Puls fühlen.
Das Team um Autor Ron Marz, der Zeichner Tyler Kirkham, Tuscher Matt Banning und John Starr hat eine grafisch beeindruckende Szenerie in Metropolis geschaffen.
(Wenngleich ich auch nicht verstehen kann, was die Macher an Metallo, dieser zur Terminator-Imitation gewachsenen Figur, finden. Ich finde ihn ziemlich langweilig. Ein Zusammentreffen mit dem Parasiten und/oder Bizarro hätte dem Ganzen vielleicht mehr Pep verliehen.)
Stichwörter: superman, darkness, ron marz, tyler kirkham, matt banning, john starr