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Comic Blog


Sonntag, 20. Januar 2008

Yoko Tsuno - Die deutschen Abenteuer

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 21:00

Yoko Tsuno - Die deutschen AbenteuerManchmal gibt es nicht nur Klassiker, die sehr langlebig sind, sondern die auch niemals unmodern werden. Mit Yoko Tsuno ist Autor und Zeichner Roger Leloup dieses Kunststück gelungen.
Im vorliegenden Sammelband um die ewig jung bleibende japanische Elektronikerin Yoko Tsuno sind die drei deutschen Abenteuer der jungen Frau versammelt. Wie immer bei Leloup wird aus dem selbst harmlosesten Auftakt nach und nach wenn nicht wenigstens eine schaurige, so doch eine allumfassend spannende Geschichte, die mit technischen Errungenschaften und vielen Ideen gewürzt ist.

Schaurig ist es gleich zu Beginn, wenn es um die Orgel des Teufels geht. Yoko reist nach Deutschland. In ihrem Beisein sorgen sich ihre Kollegen Vic und Knut während einer kleinen Schiffstour auf dem Rhein um gute Bilder für eine Reportage. Knut kann nicht anders. Das blonde Mädchen an der Reling hat es ihm angetan. Nicht immer, aber immer öfter schwenkt seine Kamera hinüber zu der jungen Frau, die zusehends in Tränen aufgelöst ist. Kurz darauf wird sie von einem Unbekannten über Bord gestoßen. Yoko springt hinterher, rettet die andere Frau und erhält zugleich eine Freundin fürs Leben.

Ingrid Hallberg, die Gerettete, ist nicht nur eine bekannte Organistin, sie hat erst vor wenigen Tagen ihren Vater bei einem furchtbaren Unfall verloren. Wie falsch sie mit dieser Annahme liegt, soll sich sehr bald herausstellen. Aus der Bekanntschaft der vier neuen Freunde wird sehr schnell ein Abenteuer, das tief unter die Burg Katz, nahe dem Lorelei-Felsen, führt. Dort wartet die Orgel des Teufels, ein Relikt aus der Vergangenheit. Ein spannender Fall und gleichzeitig eine Familientragödie nehmen ihren Lauf.

Und Deutschland ist für weitere Abenteuer gut. In Rothenburg ob der Tauber wird Yoko schon von Ingrid erwartet. Einmal mehr ist die junge Deutsche in Schwierigkeiten. Nichts weniger als Vampir scheint hinter den seltsamen Vorkommnissen zu stecken. Seither schwebt Ingrid Zwischen Leben und Tod. In der Tat ist ein ungebetener Gast alles andere erfreut über die Anwesenheit der Japanerin, die sogleich ihre eigenen Nachforschungen anstellt und Ingrid um jeden Preis beschützen will. In dunkelster Nacht kommt es zu einer ersten Verfolgungsjagd durch das beschauliche Städtchen.

Das ist nicht alles. Yokos Nachforschungen lassen die Elektronikerin bald hinter die mittelalterlichen Kulissen blicken. Diese neuen Informationen hätte sie am allerwenigsten erwartet und versetzen selbst sie in Staunen.

Wotans Feuer droht im Anschluss ihr Verhängnis zu werden, denn gegen die geballte Kraft der Natur, einen Blitz, hat ein Mensch keine Chance. Eine Erfindung könnte in der Hand von Terroristen zu einer immensen Bedrohung für die Menschen im allgemeinen und die Natur im besonderen werden. Jemandem ist es tatsächlich gelungen, die Kraft der Blitze zu speichern und nach Belieben wieder zu entladen. Für diese Waffe sind dunkle Elemente bereit, alles zu riskieren.
Yoko macht ihnen einen Strich durch die Rechnung, doch diesmal muss sie ziemlich an ihre Grenzen gehen, um mit dem Leben davonzukommen.

Roger Leloup und seine von ihm erfundene Figur Yoko Tsuno wurde mir in der Vergangenheit in der Topix-Reihe zugänglich. Das liegt schon ein paar Tage zurück. Und auch Yoko, so jugendlich sie ausschaut, ist eine feste Größe als Comic-Heldin geworden. Yoko war bereits eine emanzipierte Dame lange bevor Frauen wie Lara Croft in das Gedächtnis der Comic-Leser Einzug hielten.

Wie ist Yoko denn eigentlich so? Durchsetzungsfreudig, willensstark, sehr sportlich, intelligent, von eher sanftem Humor, rücksichtsvoll, lieb, manchmal mit dem Kopf durch die Wand wollend, gut aussehend sicherlich auch. Sie nimmt Hilfe an, wo sie sie brauchen kann. Sie ist keine Einzelgängerin und besitzt wohl einen ausgeprägten Beschützerinstinkt. Allerdings ist sie auch die geborene Spürnase. Ihre Abstammung bringt stets eine Spur Exotik in die Geschichten mit ein, die – wenn sie nicht gerade in Deutschland spielen – häufig schon durch exotische Gegenden der Welt bestechen können. Yoko ist wohl eine der sympathischsten Heldinnen des Comic-Abenteuers.

Wer meint, in Deutschland könnten keine spannenden Abenteuer handeln, sieht sich durch die drei vorliegenden Beispiele in diesem Sammelband gewaltig getäuscht. Leloup sieht auf unsere beschauliche Heimat mit dem Blick des Außenstehenden, der die Perlenschnüre dieses Landes mit einem sehr guten Instinkt aufspürt und sehr gut für seine Geschichten nutzt.
Burg Katz und die Loreley, romantisch und landschaftlich beeindruckend gelegen, hätten (und haben) die Kulisse für andere Abenteuer abgeben können als in Die Orgel des Teufels. Wie Leloup vor diesem Hintergrund den leichten Grusel wie auch die technische Komponente einfügt, ist nicht nur als Comic lesenswert, sondern insgesamt ein Paradebeispiel für eine Erzähltechnik mit unerwarteten Wendungen und Schauplätzen.

Zugleich sind die Verfolgungsjagden durch Rothenburg und der anschließende Weg zur Auflösung in Zwischen Leben und Tod ein gutes Beispiel wie eine Schauermär in eine Art medizinischen Krimi münden kann.
Wotans Feuer greift ähnliche Techniken auf, wie Yoko sie bereits in außerirdischen Abenteuern erleben konnte. Sie kommt dabei sogar durch Wuppertal. Hier dürfen Ansichten der Schwebebahn nicht fehlen.

Wer diese drei Abenteuer liest (wie auch alle anderen), dem fallen unwillkürlich die Akribie und die technische Versiertheit auf, mit der Leloup ans Werk geht. Zahlreiche Fotos von Originalumgebungen, von Leloup eigens vor Ort aufgenommen, und Skizzen künftiger Szenen, zeugen von seiner sorgsamen Vorbereitung auf sein nächstes Werk. Meisterhaft vermischt er echte Welt mit seinen Ideen. Wer wollte, könnte die Jagd von Yoko durch das nächtliche Rothenburg nachstellen, müsste dann aber an den gezeigten Katakomben scheitern, denn diese existieren so nicht. – Leloup nahm in seinem Comic sogar ein Modell des mittelalterlichen Rothenburg vorweg. Die Stadt selbst stellte er erst Jahre später ein solches Modell für Touristen zur Ansicht bereit.

Es ist richtig, Yoko Tsuno einen Klassiker zu nennen. Und es ist auch nicht völlig korrekt, denn Yoko ist so jung wie eh und je. Ihre Abenteuer sind dank der technischen Finessen immer noch aktuell und wurden noch nicht von der Zukunft eingeholt. Yoko ist dank ihres Schöpfers Leloup beste Comic-Kunst! Von dieser seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts existierenden Serie kann sich manche Neuerscheinung eine dicke Scheibe abschneiden. :-D

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Donnerstag, 16. März 2006

Der siebente Code

Abgelegt unter: SciFi, Abenteuer — Michael um 21:40

Yoko Tsuno 24 - Der siebente CodeDas in gefährlichen Abenteuern erprobte Team mit Yoko, Vic und Knut ist zum Amazonas aufgebrochen. Die drei folgen einer Einladung zu einem Schachturnier. Yoko ist außerdem in Begleitung ihrer Tochter Morgentau, die von ihrer Mutter auch sogleich ins nächste Abenteuer mitgerissen wird.
Dabei fängt alles so harmlos an. Sicherlich, Emilia, die Tochter ihres Piloten ist ein richtiger Tausendsassa und fliegt bereits mit 14 Jahren wie der Teufel. Klar, die Entführung von Vic und Knut stand auch nicht auf dem Plan. Auch die Gräfin, eine alte Bekannte von Yoko, ist in diesem Fall nur für eine Menge Ärger gut. Und Rasputin kann eine echte Nervensäge sein.

Als Yoko versucht, ihre Tochter wieder zu finden, schlittert sie immer tiefer in ein Abenteuer, mit dem sie in diesem Teil der Welt einfach nicht rechnen konnte. Tief im Dschungel befindet sich eine alte Fabrik, deren Zweck zunächst unbekannt ist. Je mehr Yoko und ihre Freunde jedoch erfahren, umso mehr wird deutlich, wie sehr ihr Abenteuer zu einem guten Ausgang gebracht werden muss, soll nicht eine riesige Katastrophe ihr aller Ende bedeuten.

Die Technik und überaus exakte Zeichnungen waren von jeher ein Markenzeichen der Serie. Roger Leloup ist ein herausragendes Beispiel für die frankobelgischen Comickünstler. Details werden hier keinem Zufall überlassen. Fahrzeuge jeglicher Art, Gebäude, Hintergründe, stets hinterlassen die Bilder einen filmischen Eindruck. Der optische Augenschmaus mischt sich bei Yoko Tsuno mit phantastischen Einflüssen, die stets mit großer Fingerfertigkeit in die Realität eingebunden werden. Seien es gruselige Elemente, Science Fiction oder auch Thriller-Anteile, immer verbindet sich die technische Raffinesse der Wirklichkeit mit den Ideen von Leloup aufs Trefflichste.
Für mich hat die Serie ein gleich bleibendes hohes Niveau und auch der vorliegende Band Der siebente Code reiht sich nahtlos in diese feine Comicserie ein.

Die Geschichten um Yoko Tsuno ziehen Elemente so heran, dass eine Handlung nie vorhersehbar wird. Was im 24. Band als Auftakt zu einem privat organisierten Schachturnier im Amazonasgebiet beginnt, wird alsbald zu einer Geschichte, die tief in die Vergangenheit greift und später phantastisch und beinahe apokalyptisch wird. Eine uralte Fabrik tief im Dschungel erhält durch die Handlung den Anschein eines verwunschenen Tempels und auf gewisse Weise haust in ihm auch ein furchtbarer Gott – ein Vergleich, der gar nicht so weit hergeholt ist. (Mehr soll nicht verraten werden, aber ein, zwei bestimmte Science Fiction Geschichten kennt, wird diesem Vergleich sofort zustimmen.)

Im Gegensatz zur Technik haben Leloups Figuren in der Yoko Tsuno Reihe stets etwas Puppenhaftes. Sie sind weit davon entfernt jenes übermenschliche Aussehen zu haben, was sich in vielen Comics seit zig Jahren findet. Ich finde sie sehr menschlich gelungen, obwohl sie etwas Künstliches haben. Künstlich heißt jedoch nicht, dass sie unsympathisch sind: Das Gegenteil ist der Fall. Ähnlich wie der Leser es zum Beispiel von Tim und Struppi her kennt, zieht Yoko Tsuno einen großen Teil des Charmes (den die Geschichten wahrhaftig besitzen) aus ihren wirklich liebevoll angelegten Charakteren. Selbst neue Figuren, wie die der draufgängerischen 14 Jahre alten Emilia, wachsen einem schnell ans Herz.
Die zeichnerische Darstellung der Menschen hat sich etwas verändert. Sie ist nicht mehr so glatt wie früher. Wer die Bilder aus den ersten Alben mit dem des aktuellen Bandes vergleicht, wird den Unterschied schnell sehen. Es ist immer noch Leloup, aber gereifter, man könnte auch sagen: Yoko ist erwachsen geworden. (Angesichts ihrer Tochter kein abwegiger Gedanke.)

In der Reihe findet sich immer ein, na, ich nenne es einmal Betthupferl. Das ist häufig etwas ganz Besonderes. In diesem Fall ist es der Zar. Das kleine Fluggerät, irdischen Ursprungs diesmal, erinnert an die technischen Errungenschaften des Volkes von Vinea. Vielleicht ist es Leloups eigene Hommage an sich selbst. Das ist natürlich reine Spekulation. Trotzdem ist es schön zu sehen, dass Leloup bei Liebe zum Detail bestehender Technik sich immer noch die tollsten Vehikel selbst ausdenkt und diese so echt konzipiert, als hätten sie tatsächlich eine Werkshalle verlassen.

Spannung, Abenteuer, und das von der ersten Seite an, technische Finessen und eine Handlung, deren Verlauf nicht vorhersehbar ist: Comickultur vom Feinsten. Comicleser, was willst Du mehr? :-D

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