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Comic Blog


Samstag, 14. Juni 2008

Largo Winch 10 - … und sterben

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 19:01

Largo Winch 10 - ... und sterbenKaum in Venedig eingetroffen, hat Largo schon mit der Polizei zu tun – die ihm, wie so oft, nicht so richtig helfen kann oder will. Was bleibt ihm anderes übrig, als auf die Hilfe von Domenica Leone zu setzen, die sich in der Stadt bestens auskennt.
Largo kann indessen nicht ermessen, wer seine wahren Gegner sind. Ebenso wenig ahnt er, wer ihm noch zur Seite steht. Schließlich sind Tricks und Schläue gefragt, bevor es für Largo wieder zu einer lebensgefährlichen Situation nach der anderen kommt.

… die Schönheit deiner Stadt hast du mir dargetan, bis ihre Lieblichkeit mir in Tränen gerann. – Das kleine Zitat von Ezra Pound vorweg beschreibt die Grundstimmung der Geschichte sehr schön, wie auch sehr rätselhaft.
Und so ist in der abschließenden Episode dieses Abenteuers nach Venedig sehen … nun … und sterben angesagt. Auch Venedig ist eine Stadt der Liebe, ein Aspekt, der neben den Wirren aus Intrigen, Tragik, Dramatik und Action nicht ausgelassen wird.

In Venedig ist alles etwas anders. Die Mühlen der Justiz mahlen anders. Die Liebe flammt schnell und mit heftiger Leidenschaft auf. Ehre wird hier immer noch groß geschrieben und ein Maskenball kann in einem Kampf auf Leben und Tod enden.
Mehr noch als in der ersten Episode schöpft Philippe Francq aus den tiefsten Tiefen der Mythen Venedigs und macht die gesamte Stadt zu einer perfekten Bühne für diesen Abenteuer-Thriller (der noch neugieriger auf die anstehende Kino-Verfilmung der Figur Largo Winch macht).

Eine Verfolgungsjagd ist eine Sache, wenn diese jedoch mit Motorbooten in der Lagune von Venedig stattfindet, erhält die Szene ein ganz besonderes Flair. Was bei James Bond und Indiana Jones funktionierte, gelingt hier noch mal so gut.
Hier geht es noch einen Schritt weiter. Ein besonderer Kern der Geschichte dürfte die Auseinandersetzung mit der Stadt Venedig sein. Hier ticken die Uhren anders, wie man so schön sagt. Der Bösewicht (genauer, einer der Bösewichte) verfolgt ein hehres Ziel, wählt nur leider die falschen Mittel. Ein wenig in alten Denkweisen gefangen, gerät ein Maskenball zu einem Schlüsselerlebnis dieser spannenden Handlung, inklusive eines altmodischen Schwert- und Messerkampfes in venezianischen Kostümen.

Philippe Francq hat seine Hausaufgaben gemacht. Italienische Lebensart, wie sie auch andere Autoren zu nutzen wussten, und die grandiose Kulisse machen dieses Abenteuer innerhalb der Reihe – wie auch die asiatischen Abenteuer – zu einem Höhepunkt.
Die Auflösung zahlreicher Rätselknoten, das Spiel mit den Figuren ist hervorragend. Eine der besten Figuren in diesem Spiel, leider auch eine tragische, ist Cedric Haynes, der in Butler-Verkleidung und unter falschem Namen eine Weile für Largo Winch arbeitet. Mit dem Benimm einer Butler-Schule und der Wehrhaftigkeit eines soldatischen Veteranen ist dieser Charakter immer für eine Überraschung gut, die Francq perfekt zu platzieren versteht.

Als Zeichner kann Jean van Hamme natürlich tolles Vorlagenmaterial in Venedig finden. Wie von Francq geschrieben, nutzt er die Kulisse der alten Stadt. Ihre Fassaden, Kanäle, die Touristenattraktionen, aber auch Innenräume, Hotelzimmer, Paläste, alte Kirchen – alles ist etwas feiner, exquisiter, zerbrechlicher, auch romantischer. Ganz zwangsläufig stellt sich hier eine völlig andere Atmosphäre her als im modernen New York mit seinen Wolkenkratzern.
Van Hamme darf außerdem einen etwas reiferen Largo Winch zeichnen. Diesem Largo wird die Versuchung zwar ebenso häufig wie sonst auch wie eine überreife Karotte vor die Nase gehalten, aber er schnappt nicht danach, wenn die Pflicht ruft. So kommt auch optisch die erotische Seite der Serie nicht zu kurz, aber Largo gestattet sich nicht immer, ihr auch zu erliegen.

Mit Domenica Leone haben beide Macher, Francq wie auch van Hamme, eine Prachtitalienerin geschaffen, die mit einer frühen Sophia Loren perfekt besetzt gewesen wäre. Sexappeal, Temperament, Aussehen, Wandlungsfähigkeit sowie ein künstlerischer, draufgängerischer Touch machen aus der Frau einen herausragenden Charakter innerhalb der Serie. Außerdem harmoniert Domenica durch ihre zur Schau gestellte Stärke sehr gut mit dem verspielten, aber durchsetzungsfreudigen Winch, so dass es für den Leser wünschenswert wäre, käme diese Figur noch einmal zum Einsatz.

Dank toller Kulisse in Venedig und eines überaus ausgefeilten Plots eines der besten Abenteuer der Reihe. Am Schluss kann man nach einem atemlosen Endspurt nur sagen: Schade, dass es schon vorbei ist. :-D

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Freitag, 18. April 2008

Largo Winch 9 - Venedig sehen …

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 17:58

Largo Winch 9 - Venedig sehen ...Eine geheime Absprache. Der Auftraggeber bleibt im Zwielicht sitzen. Sein Name ist Mr. Brown. Mr. Haynes ist dem Auftrag nicht abgeneigt. Schon gar nicht, wenn 500.000 Pfund Sterling als Entlohnung winken.
Kurze Zeit später in Venedig. Es ist Mitte September und ein Mann wird in der Nacht durch die engen Gassen gejagt. Schließlich sieht er für sich keine andere Chance, als die Kanäle schwimmend zu durchqueren. Doch mit der Hartnäckigkeit der Verfolger hat er nicht gerechnet. Ohne eine Ahnung der Geschehnisse zu haben, die bald einen spürbaren Einfluss auf seine Leben nehmen werden, vertreibt sich Largo Winch derweil die Zeit in Paris.

Der Liebe wegen. Natürlich. Was sonst? Largo war schon immer ein Hans Dampf in allen Gassen, mit und ohne Geld. Allerdings ist die junge Frau, Charity, an seiner Seite nicht an einem Milliardär interessiert. Wenn das Geld ruft, ist für Unbeschwertheit kein Platz mehr im Leben. Schweren Herzens lässt sie Largo ziehen. Bei ihrer Freundin in Venedig findet sie eher die Sorglosigkeit einer Beziehung, wie sie sich es wünscht. Dort wartet aber auch die Gefahr – wie gut, dass Largo Winch mit all seinem Geld noch nützlich für sie sein kann. Andernfalls könnte es ihm kaum gelingen, so schnell zur Stelle zu sein.

Ah, Venedig! Schon Indiana Jones konnte der magischen Anziehung der alten Lagunenstadt nicht widerstehen.
Venedig sehen … ist der Auftakt eines Zweiteilers aus dem Leben des jungen Milliardärs, der wieder einmal von seiner Vergangenheit eingeholt wird. So mancher Leser wird diesen Spruch kennen. Entgegen der Annahme, es könnte erst im zweiten Teil mit dem Titel … und sterben gestorben werden, sieht sich der Leser schnell (positiv) getäuscht.
Jean van Hamme beginnt rätselhaft und steigt sogleich auf Action um. Aus einem konspirativen Treffen erfolgt ein Schwenk auf das nächtliche Venedig, der Dank Zeichner Philippe Francq auch hervorragend gelingt.

Van Hamme und Francq arbeiten mit zwei sehr schönen Erzählertricks in diesem Band. Der eine trägt die Überschrift Kulisse, der andere lautet Nebencharaktere. Venedig, Paris und New York ergeben wunderbare Gegensätze. Die kahlen Büroräume und die Straßenschluchten der amerikanischen Millionenstadt stehen im krassen Gegensatz zur klassischen Architektur mit all ihrer feinen Facetten.
In beiden Städten wimmelt plötzlich die Action, für New York nicht ungewohnt, für Venedig schon eher. Der Kontrast zwischen der Gemächlichkeit der Gondelfahrten und rasanter Verfolgungsjagden funktionierte bereits im James Bond-Abenteuer Moonraker und in diesem Largo Winch-Abenteuer geht es nicht weniger spannend zu.

Zu Lande, zu Wasser und in der Luft - Van Hamme weiß nicht nur, was seine Leser wünschen, er weiß diese Effekte auch mit bester Effizienz einzusetzen. So wird der Markusplatz zum Schauplatz einer Entführung per Hubschrauber, fliegt den Cops in New York ein Rasenmäher auf das Autodach, bevor eine der ungewöhnlichsten Todesszenen zu sehen ist, die es wohl jemals in einem Krimi oder Thriller- Abenteuer zu sehen gab.

Francq nutzt die Kulissen zum Einsatz verschiedener Figuren, die dem Hauptcharakter, Largo Winch, diesmal ein wenig den Rang ablaufen – das ist jedoch kein Nachteil, denn ein guter Hauptdarsteller kann nur sein Bestes geben, wenn das Umfeld stimmt.

Hier greifen ihm Domenica Leone und Brenda Cavanaugh unter die Arme. Diese beiden Frauen könnten äußerlich kaum gegensätzlicher sein. Erstere ist eine Italienerin, künstlerisch ausdrucksstark, leidenschaftlich und schön. Letztere ist Amerikanerin, etwas übergewichtig, Sekretärin – aber in beiden Fällen handelt es sich um sehr starke Frauen, die viel für das, was sie für richtig halten, riskieren. Domenica handelt aus Überzeugung, aus der Erfahrung ihres bisherigen Lebens heraus, Brenda handelt aus der Not heraus. Brenda liefert den Mitleidsfaktor, mit ihr bangt man, während man Domenica alles sofort zutraut.
Ebenfalls nicht unwichtig ist Largos neuer Butler Tyler. Einerseits ist sein Auftauchen für Largo eine Überraschung, andererseits sorgt er für eine Prise Humor, die allein seiner englischen Haltung entspringt. Mit seinem energischen Engagement sorgt er für eine sehr unerwartete Überraschung auf Seiten des Lesers.

Eine technisch sehr schöne Umsetzung von Philippe Francq mit sehr vielen Sehenswürdigkeiten im wahrsten Sinne des Wortes. Dank der gut gewählten Schauplätze und der diesmal herausragend guten Nebencharaktere ein richtiges Spitzenabenteuer um Largo Winch.

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Donnerstag, 28. Februar 2008

Largo Winch 4 - Business Blues

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 13:19

Largo Winch 4 - Business BluesDer Übernahmeversuch ist ein Fehler. Irgendwie kann Largo dieses Gefühl nicht loswerden. Sicherlich sind seine Manager sehr zuversichtlich, doch die Maßnahme wirkt zu aggressiv und – viel zu leicht. Etwas stimmt hier nicht.
Sein erster Weg führt Largo in die Schweiz. Dort muss er gemäß der Anweisungen seiner Manager eine gewisse Geldmenge in Aktien abholen, da diese als Grundlage der Übernahme dienen. Alles läuft glatt, zu glatt. Wie Largos Pilot feststellt, scheint der junge Milliardär sogar in seinem Element zu sein. Largo ist nicht sicher, ob das stimmt. Vielleicht solle er, so sein Schluss, einen Psychoanalytiker aufsuchen, wie alle Amerikaner.

Die Uhr tickt, als die Übernahme in ihre letzte Phase geht. Das Geld liegt bereit. Die Manager um Largo sind bereits in Feierlaune, die Champagnerkorken knallen, als ein kleiner Mann das Büro von Largo betritt, schwarz bekleidet und ohne jeglichen Humor ausgestattet. Mr. Winter hat nur an einem Spaß: Reichen Leuten, die ihr Geld nicht versteuern wollen, nachzujagen und diese zur Strecke zu bringen.
Mr. Winter hat einen genauen Betrag ausgerechnet, den er Largo als Erbschaftssteuer anlastet. Für Largo ist das ein großer Spaß. Offiziell wird sein Geld von einer Stiftung verwaltet. Er selbst besitzt keines – falsch gedacht.
Denn Mr. Winter hat genau den Moment abgepasst, als Largo für einen einzigen Tag eine Milliarde Dollar auf einem Konto einer amerikanischen Bank liegen hat, um die Übernahme in die Wege zu leiten.

Von einem Moment auf den anderen steht Largo vor der sehr großen Wahrscheinlichkeit, alles, was er besitzt, innerhalb von Stunden zu verlieren. Man hat nicht nur ihn, man hat alle um ihn herum hereingelegt.
Aber wer? Und wie?

Business Blues, eine weltweit gespielte Melodie. Mal gewinnt man, an verliert man. Im Falle Largos geht es dabei nicht nur um Alles oder Nichts, es geht um ein Imperium. Plötzlich sind Largos alte Qualitäten wieder gefragt. Improvisation, Mut und gute Freunde, die in den höchsten Höhen der Hochfinanz nicht zu finden sind. Wer es in New York schafft, schafft es überall und Largo ist nicht gewillt, sich von der Stadt und ihrer Wall Street unterkriegen zu lassen.

Die mit Der Coup begonnene Geschichte geht in die zweite und letzte Runde. Nach einem gelungenen Aufbau sind nun alle Spieler platziert, alle Fäden gesponnen und ein von Jean van Hamme sorgfältig geplanter Endspurt nimmt seinen Lauf.
Als Leser konnte man bisher gut merken, wie fehl am Platz Largo Winch inmitten dieser ganzen Finanzdetails und Transaktionen eigentlich war. Gerne flüchtete er sich in Empfänge oder andere Aktivitäten, um dieser trockenen Materie, die für noch trockenere Männer gemacht zu sein scheint, zu entkommen. Largo ist nicht dumm, aber er wurde nicht für, noch wurde er in diese Welt in der Welt hineingeboren.

Mit der Katastrophe erhält er auf einmal eine ganz reale Aufgabe. Geld beschaffen, viel Geld, eine Aufgabe lösen, das ist sein Metier. Zwar fehlt ihm nicht das Verständnis für die Hochfinanz, doch Winkelzüge, wie er sie hier kennen lernt, mit dem sprichwörtlichen Lächeln auf den Lippen und dem gezogenen Dolch hinter dem Rücken, sind für den jungen Mann fremdes Terrain. Largo ist eher geradeheraus, ein Charakterzug, der ihn sogar für seine Feinde sympathisch macht.
Nicht für alle, das versteht sich von selbst. Denn für jene, die nur mit Geld jonglieren, ist es leichter, sich mit Largo anzufreunden, als mit jenen, die nach seinem Leben trachten.

Die Geschichten um Largo Winch sind ein wenig gewürzt mit Harold Robbins oder Paul Erdman. Sex, Crime und Geld können eine stimmige Grundlage für Abenteuer und Thriller liefern. Jean van Hamme gehört zu den Autoren, die daraus eine sehr gute Mixtur erstellen können und ihr Handwerk als Erzähler verstehen.

Die Handlung hinter der Handlung wird nicht vergessen, kleine Einschübe, hier exemplarisch das Hadern mit dem eigenen Auftrag, der Rifka, genauer gesagt Melanie (wie Largo sie namentlich kennt), mit dem jungen Milliardär bekannt machte.
Auch Liebe, die echte, wird nicht vergessen und sorgt für das wichtige Drama, denn letztlich kann Largo gewinnen, aber er kann nicht alles gewinnen.
Und so verschließt sich Jean van Hamme auch dem vollkommenen Happy End, versucht realistisch zu bleiben, zwingt den Leser zum Mitleiden.

Philippe Franqc kann hier ein ums andere Mal starren Bildern temporeiche Szenen entgegensetzen. In der Innenausstattung setzt er auf Einzelheiten, wie auch elegante Ausstattungen, von denen er dank der Vorgabe von Van Hamme auch viele zum Einsatz bringen kann. Beispielhaft ist das Schloss, mitten in Amerika, vom Besitzer der Fenico Gesellschaft erworben worden, so steht es nun inmitten eines nachgebildeten Schlossgrabens. Francq kann sich mit solchen Bildern ebenso erfolgreich beweisen wie mit Bildern von Verfolgungsjagden durch das nächtliche New York oder Mordszenen im Central Park.
Es ist die grafische Vielfalt, die diese Fortsetzung ausmacht. Die verschiedenen Schauplätze fesseln den Leser optisch. Schloss bei Tag und Nacht, wilde Aktionen in überfüllten Straßen und Schlossgängen, Fahrzeuge wie Motorräder, Automobile und Hubschrauber begleitet der Leser auf rasanten Kamerafahrten wie in einem Kinofilm.

Eine sehr gute Fortsetzung und ein sehr guter, spannender Abschluss, den der Leser hier an der Seite von Largo Winch erleben darf. Ein Thriller, eine Liebesgeschichte und ein Drama finden ihr Ende mit einem Hauptcharakter, der auf sehr gelungene Weise mitfühlen lässt. Ungeheuer geschickt nimmt Van Hamme die Leser mit auf einen gefährlichen Hindernislauf bis hin zu einem packenden Showdown.

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Montag, 18. Februar 2008

Largo Winch 3 - Der Coup

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 20:38

Largo Winch 3 - Der CoupVon allen Seiten versuchen die Manager des Konzerns Einfluss auf den jungen Erben Largo Winch zu nehmen. Nach dem Tod von Nerio Winch ist der junge Mann Alleinerbe. Ein abenteuerliches Leben liegt trotz seiner jungen Jahre bereits hinter ihm, ein eher angepasstes inmitten von Zahlen und Geldhaien vor ihm – denkt er. In Wahrheit war sein Leben nie gefährlicher als jetzt.
Sein Konzern wird angegriffen, sein Konzern, genauer, seine Manager wollen sich wehren. Eigentlich ist Verteidigung nur recht und billig, aber Largo denkt noch zu sehr in Kategorien von Angriff und Notwehr. Im Geschäft sind die Prioritäten anders. Dort zählt nur die absolute Vernichtung des Gegners.

Derweil zieht sich die Schlinge völlig unbemerkt zusammen. Weit entfernt von den USA, in der Schweiz, nimmt ein Intrigenspiel seinen Lauf, das seinesgleichen sucht. Largo ahnt von all dem nichts und hat auch andere Dinge im Kopf. Gerade lernt er seine Traumfrau auf einem Fest kennen, als sich eine neue, eine handfeste Gefahr eröffnet.
Der Grüne Schütze treibt sein Unwesen. Sein Ziel sind die Wirtschaftsbosse, jene, für die nach seiner Meinung Geld alles ist. Der Grüne Schütze redet nicht nur, er handelt. So ereignet sich auf den anfangs harmlosen Fest eine Tragödie. Matt Northridge, ein Magnat auf dem Gebiet der Petrochemie, wird sein erstes Opfer.

Largo weiß bald gar nicht mehr, auf welche Bedrohung er sich zuerst konzentrieren soll. Die Anschläge mehren sich, während er außerdem noch an einer Konzernleitung teilhaben soll. Und schließlich ist da noch die Liebe. Melanie Wagner, die Frau, die er auf dem Fest kennen lernte, kann er nicht vergessen. Doch welches Geheimnis umgibt die Frau, die nicht nur charmant ist und umwerfend aussieht, hoch intelligent ist und dazu äußerst schlagfertig? Bevor Largo diese Fragen beantworten kann, muss er noch dringlichere Probleme angehen.

Der Coup führt den Leser zurück zu den Anfängen, als Largo Winch noch ein junger Mann ist, der zwar Durchsetzungsfreude besitzt, dem es jedoch an Erfahrung auf dem Parkett der Hochfinanz fehlt. Aus der Feder von Autor Jean van Hamme stammt die Geschichte um den jungen Mann, der von einem Milliardär unter seine Fittiche genommen wird. Kurze Zeit später ist der Ziehvater tot und Largo in einer Situation, die er sich nie hätte träumen lassen. Der Leser darf an der Seite von Largo diese Welt erkunden, sich über den Luxus freuen, sich über die Bedrohung ängstigen, misstrauisch sein, blauäugig, aber enthusiastisch, zielstrebig. An seiner Seite wird der Leser über das Ohr gehauen, auf das Übelste hereingelegt und dennoch – der Mut geht nie verloren.
Mit Largo Winch hat Van Hamme in der Comic-Variante eine überaus sympathische Identifikationsfigur gefunden, mit der ein Leser liebend gerne Abenteuer erlebt.

Keine Spuren. Kein Ärger. Du hast zwar wenig Erfahrung, aber diese Spielregel solltest du inzwischen kennen.
Ja. Und es ist ein mieses Spiel.
Wie mies dieses Spiel ist, dafür kann Van Hamme seitens des Lesers nur gedankt werden. Denn Spannung steht im Vordergrund, eine vielschichtig angelegte Intrige bildet das Fundament. Immer, wenn der Leser dem Glauben verfällt, er wüsste nun, wie sich alles aufbaut, fällt er auf einen Hakenschlag von Van Hamme herein.

Dabei geht Van Hamme geschickt zu Werke. Ich weiß nicht, ob der Autor seinen Edgar Wallace so gut kennt, wie wir hierzulande, doch der meuchelnde Mörder mit Pfeil und Bogen klingt wie eine Verbeugung vor dem Grünen Bogenschützen (The Green Archer, 1923) des englischen Krimiautors. In beiden Fällen ist der Einsatz eines Bogenschützen natürlich bestechend. In Largo Winch trifft dies sogar noch mehr zu. Diese Welt ist moderner, klinischer, kälter, aber auch verkitschter. High Tech trifft die gute alte Gier, die Rücksichtslosen, die Raffgierigen. In ein solches Szenario passt ein mit dem Bogen schießender Rächer sehr gut hinein und sorgt für das Quäntchen Geheimnis am Rande. Der Bogenschütze wirkt zu Beginn wie eine verrückte Idee, wenn sich die Toten mehren, ändert sich diese Meinung schnell.

Zeichner dieser überaus erfolgreichen Abenteuer ist Philippe Francq, dessen ebenso treffsicheren Zeichnungen, die kühle Atmosphäre, die spannenden Momente und die humorvollen Szenen genau einfangen. An letzterem fehlt es auch nicht, wie vielleicht zu erwarten gewesen wäre. Spitzfindigkeiten und süffisante Anspielungen, feine Auseinandersetzungen von Menschen, die in der feinen Gesellschaft zu Hause sind, sorgen für Erheiterung wie auch für ordentlichen Witz. Francq hatte die schwierige Aufgabe, diese doch eher starren Szenen mit der gleichen Sorgfalt umzusetzen wie eine aktionsgeladene Sequenz. Da es ihm gelingt, das Mienenspiel einer Person in solchen Dialogen zum Einsatz zu bringen, kann der Leser in den Gesichtern ebenso lesen wie im Text.

Ein fesselndes Intrigenspiel in der Hochfinanz, angesiedelt im pulsierenden New York, mit packenden Action-Einlagen und einer Reihe von Rätseln, die nur spärlich gelüftet werden und die Neugier auf die abschließende Fortsetzung schüren.

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Montag, 02. Juli 2007

Largo Winch - Hüter des Tao

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 19:23

Largo Winch 15 - Hüter des TaoPeking. Tsai Industries will eine Kooperation mit der Luftfahrt-Sparte des Winch-Konzerns eingehen. Obwohl diejenigen aus der Chefetage, die den Vertrag ausgehandelt haben, mit allen Vollmachten ausgestattet sind, würde man es in China als Beleidigung empfinden, wenn Largo Winch den Vertrag nicht persönlich unterschreiben würde. - Ohne es zu ahnen, wurde für Largo eine neue Falle aufgestellt. Aber wo steckt Largo überhaupt? Es bleiben zehn Tage, um den Konzerneigentümer zu finden. Doch dieser hat sich in ein privates Versteck zurückgezogen. Hier existieren kein Handy und kein Computer. Es gibt nur eine Möglichkeit, mit ihm in Verbindung zu treten: Per Brieftaube.

Davon ist den Managern in der Chefetage leider nichts bekannt. Selbst Miss Pennywinkle, Largos persönliche Sekretärin, hat keine eigene Möglichkeit, ihm eine Nachricht zukommen zu lassen. Schweren Herzens nimmt man Kontakt zu Simon Ovronnaz auf. Largos bester Freund weilt derweil im Urlaub. Seine Erfolge als Frauentyp lassen sehr zu wünschen übrig. Immer wieder wird er auf diesem Gebiet von Silky, Largos Privatpilotin, vorgeführt. Da kommt die Aufgabe, Largo zu benachrichtigen, wie gerufen. Wenig später schickt er eine Brieftaube auf den Weg.

Sind Brieftauben nicht ein Anachronismus heutzutage?
Das Problem ist, Herr Direktor, dass alle anderen Kommunikationswege heutzutage ausspioniert werden.

Leider vergisst Simon, dass auch Brieftauben ihre ganz besonderen Schwierigkeiten haben können, ihr Ziel zu erreichen. Damit beginnt das Unheil für Largo. Die Nachricht, die ihn erreicht, führt ihn nach Südfrankreich. Der Aufenthalt ist kurz, aber ereignisvoll. Die Nachricht hat Largo zutiefst beunruhigt. Bald schon ist er auf dem Weg über Dubai nach Hongkong. Largo wird bereits erwartet. Die Vergangenheit hat ihn endgültig eingeholt.

Der Reichtum hat Largo Winch kein Glück gebracht. Zu viele Menschen halten ihn für einen Emporkömmling und für noch mehr Menschen gilt es, mit Largo eine Rechnung zu begleichen.
In Hüter des Tao erhält Largo eine Nachricht, von der er wusste, dass sie eines Tages kommen wird – er ahnte jedoch nicht, dass es so schnell geschehen würde. Ausgehend von den Ereignissen in den Epsioden Makiling und Tiger, während derer er sich einen Gefallen der örtlichen Triaden erbat. Die asiatische Variante der Mafia gibt jedoch nichts umsonst. Eines Tages soll er den Gefallen vergelten. Diese Zeit ist nun gekommen.

Autor Jean van Hamme und Zeichner Philippe Francq zeigen zu Beginn einen Largo Winch, der arg im Zweifel über sich und sein Leben ist. Zurückgezogen, völlig abgeschieden von der normalen Welt, auf einer paradiesisch anmutenden Insel, denkt Largo über sein Leben nach.
Ich bin nicht so stark, wie alle glauben.
In diese Zeit der Selbstzweifel platzt die Nachricht aus der Vergangenheit. Geschickt spielt van Hamme mit den Elementen eines Thrillers. Sein Hauptcharakter, der sowieso am Boden ist und ständig mit Gedanken und Alpträumen aus seiner Vergangenheit gequält, kommt zusätzlich vom Regen in die Traufe. Die Erwartungen, die das Duo van Hamme/Francq mit den letzten Ausgaben geschürt hat, sind sehr hoch. Gleich von der ersten Seite an lassen die beiden keinen Zweifel daran, dass die Falle für Largo von ganz oben gestellt wurde und entsprechend gefährlich für den jungen Milliardär ausfallen wird.

Fällt der Start der Handlung auch in die Chef-Etage, findet gleich darauf ein Wechsel statt. Ein Formen- und Farbenspiel nimmt den Leser zuerst mit auf eine Urlaubsreise nach Nizza und die südfranzösische Küste. Francq zeigt uns Jachthäfen, bunte Märkte und aufreizendes Nachtleben. Van Hamme fügt mit Simon Ovronnaz und Silky ein Paar hinzu, dass für zusätzliche Spannung, Humor und amouröse Verwicklungen gut ist. Wenn ein Frauenheld, ein selbsternannter, mit ansehen muss, wie eine Frau mehr Frauen abschleppt als er, ist wohl etwas faul im Staate Dänemark. So oder ähnlich fällt sein Fazit aus. Jedenfalls fängt Simon an, sich Sorgen über seinen Sexappeal zu machen. Mehr Humor gönnt van Hamme der Geschichte jedoch nicht.

Nach einem sehr kurzen Auftakt nimmt das Abenteuer seinen Lauf. Alles Nötige erfährt der Leser innerhalb weniger Seiten. Die verschiedenen Charaktere, die Manager und Largos Erscheinung seines verstorbenen Adoptivvaters, geben dem Leser alle wichtigen Informationen, die er zum Einstieg in die Welt von Largo Winch braucht.
Van Hamme wechselt zwischen Action und Schockelementen hin und her. Die Verfolgungsjagd durch die engen Straßen der französischen Hafenstadt erinnert optisch an ähnliche Szenarien von Erzählern wie Roger Leloup. Allerdings könnte die Szenerie in den engen Gassen auch durch Vorlagen alter Bond- oder Belmondo-Filme inspiriert sein. Es mag sein, wie es will, ein Thriller-Fan wird sich wieder einmal direkt zu Hause fühlen. Van Hamme führt den Leser sogleich weiter. Nach einer winzigen Station in Dubai, bei der Largo standesgemäß im Burj Al Arab wohnt, jenem Hotel, dessen segelähnliche Form inzwischen weltweit bekannt ist.

Derartige Schauplätze sind Programm in diesem Band der Reihe. Außenansichten, wie die Straßentäler Hongkongs, wechseln sich ab mit großartigen architektonischen Innenansichten von Spitzenhotels, Villen und palastähnlichen Anlagen. Optisch besonders beeindruckend ist Largos Besuch auf Tsai Island. High Tech steht hier eindrucksvoll neben altehrwürdigem chinesischem Ambiente. Es finden sich sogar die weltbekannten Terrakotta-Soldaten in Tsais Sammlung.
All diese Kleinigkeiten, die sich dank der Gestaltung von Francq immer wieder finden lassen, machen die neue Episode aus dem Leben von Largo Winch zu einem optischen Leckerbissen.

Largo Winch gerät erneut in Schwierigkeiten, die bedrohlicher scheinen als jemals zuvor. Van Hamme und Francq haben sich noch einmal gesteigert – was kaum vorstellbar schien – und liefern einen Abenteuer-Comic ab, der alles hat, was spannende und stilvolle Unterhaltung braucht. :-D

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Samstag, 30. Juni 2007

Largo Winch - Tiger

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 16:47

Largo Winch 8 - TigerLargo ist in Asien angekommen. Schnell wird deutlich, dass die Befreiung seines Freundes Simon besondere Maßnahmen erfordert. Largo nimmt Kontakt zu einem Nachtclubbesitzer auf, der ein ungewöhnliches Treffen für ihn arrangieren soll. Largo braucht die Hilfe der Triaden.
Im Tempel der himmlischen Glückseligkeit kommt es wenig später in dunkler Nacht zu einer Begegnung, die für Largo schicksalhaft sein wird. Der Mann, der Largo droht, ihn bei der geringsten unstimmigen Antwort zu töten, sieht zwar aus wie ein Mönch, aber seine Autorität begründet sich auf einer hohen Stellung in einer anderen Organisation. Largo gibt preis, woher er das Kennwort der Triaden kennt. Vor vielen Jahren hatte er das Glück, einem Angehörigen der Triaden das Leben zu retten. Largo weiß, dass das Einfordern eines Gefallens einen sehr hohen Preis fordern wird. Sein Gegenüber lässt keinen Zweifel daran, dass der Zahltag kommen wird.

Eines Tages - in sechs Monaten, zehn Jahren, vierzig Jahren – wird ein Mann aus meinem Volk zu Ihnen kommen und Sie an die drei Augen der Hüter des Tao erinnern. Und dann werden Sie gehorchen, wo immer Sie sich befinden oder wer Sie geworden sind. Blind und ohne Fragen zu stellen. Das ist der Preis für unsere Hilfe.

Largo findet sich mit dieser Situation ab und stimmt zu. Sein Freund Simon bereitet sich gerade auf seine Hinrichtung vor. Da die Weltöffentlichkeit in Form der Presse zu diesem Ereignis eingeladen ist, will man sich im ehemaligen Birma nicht vorwerfen lassen, man gebe auf seine Gefangenen nicht Acht. So kommt Simon Stunden vorher in den Genuss von ausgesuchter Körperpflege in Form von einigen attraktiven Körperpflegerinnen. Sauber und mit frischer Kleidung ausstaffiert macht sich Simon zusammen mit den anderen Delinquenten auf den Weg zum Richtplatz.

Derweil haben Largos neue Freunde ihr Wort gehalten. Ein ausgeklügelter, aber waghalsiger Plan nimmt Gestalt an. Das Befreiungskommando ist im Anflug auf die Festung Makiling.

Die Fortsetzung des ersten Teils (Makiling) reißt den Leser gleich von Beginn an mit. Die Tiger haben sich auf den Weg gemacht, um ihre Freunde zu befreien. Eine Geschichte in bester Söldner-Manier breitet sich vor dem Leser aus. Die Befreiungsaktion, in anderen Geschichten gerade einmal der Höhepunkt, ist hier der Start zu einer dramatischen Flucht voller gefährlicher Ereignisse.

Die Flucht führt querfeldein. Der Helikopter, der zur Flucht eingesetzt wurde, wird schnell zu einem zu auffälligen Element der Flüchtigen. Zeichner Philippe Francq setzt die Flucht und die Flugmanöver mit dem besten Auge eines Kameramanns um. Als Leser ist man hautnah dabei. Wie auf einer Kinoleinwand rast das Luftfahrzeug durch die Canyons. Weniger halsbrecherisch, dafür mit mehr Abenteueratmosphäre durchzogen, schildert sich die weitere Flucht durch das beinahe undurchdringliche Grün des Dschungels und über weite grüne Ebenen und Felder. Die Fremdartigkeit des Landes, der Landschaft, der Kultur wie auch der Menschen und ihrer Lebenssituation macht aus dieser Flucht einen Ausflug in eine andere Welt. Autor Jean van Hamme nutzt die Gelegenheit aber auch für eine amouröse Entwicklung.

Largo ist ein Frauentyp. Diese Zutat zieht sich durch viele Thriller, ist beinahe unverzichtbar. Aber er ist nicht unersättlich, wie es den Anschein bei seinem Freund Simon hat, der sich eher in Schwierigkeiten bringt. Malunai, die Freiheitskämpferin, ist bereit, ihre Jungfräulichkeit ihrer Dankbarkeit zu opfern und Largo mit einer gemeinsamen Nacht zu belohnen. Er lehnt ab – und macht sich damit für sie noch interessanter. Largo Winch ist ein Charakter, der für seine Freunde bis zur Selbstaufgabe alles Mögliche unternimmt. Die zeitweiligen Rückblicke in seine Sturm- und Drangzeit zeigen aber auch, wie erwachsen Largo mit seinem großen Erbe geworden ist. Sicherlich benimmt er sich nicht, wie der Herr über ein Wirtschaftsimperium sich benehmen sollte, aber auf seine Art übernimmt er vermutlich noch viel mehr Verantwortung.
Mit Largo Winch ist van Hamme eine Figur gelungen, die auf Augenhöhe mit Haudegen wie Andy Morgan, Dan Cooper oder Bruno Brazil. Zwar altern Comic-Figuren nicht so schnell wie der normale Mensch, aber seine Jugend lässt auch noch auf viele Abenteuer hoffen, die sich in seinen späteren Jahren abspielen werden.

Der Aufbau des Abenteuers ist durchaus filmisch zu nennen. Zwangsläufig überlegt man dank der schönen Umsetzung durch Francq, wer denn für eine Verfilmung in Frage käme. Einer, der in der gezeichneten Version schon einem bekannten Schauspieler nahe kommt, ist der Bildreporter French. Gene Hackman würde in dieser Rolle sicherlich brillieren. Eine Verfilmung für die Kinoleinwand von Largo Winch ist nicht weit hergeholt, denn schließlich hat es einen Ausflug ins Fernsehen gegeben.

Unter dem vorangestellten Motto von Albert Camus Das Ziel rechtfertigt die Mittel, aber wer rechtfertigt die Ziele? lässt sich tatsächlich die Leitschnur beschreiben, die sich durch den gesamten Band zieht. Jeder Akteur verfolgt seine eigenen Ziele und nicht jedes ist edel, nicht einmal das eines Largo Winch.
Eine ausgeklügelte Fluchtgeschichte mit sehr gelungenen und glaubhaften Charakteren in den Dschungeln Asiens. Der Schluss ist ungeheuer dramatisch. Francq und van Hamme untermauern, dass sie zu den Top-Teams im europäischen Comic gehören. :-D

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Freitag, 29. Juni 2007

Largo Winch - Makiling

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 19:10

Largo Winch 7 - MakilingYangon, Hauptstadt von Myanmar. In der ehemaligen Stadt Rangoon, der Hauptstadt des ehemaligen Birma, sind Korruption und Intrigen an der Tagesordnung. Eines Tages ergibt sich für die Militärobrigkeit und den dortigen CIA-Kontaktmann eine großartige Gelegenheit. Mittels eines Köders wollen sie die Auseinandersetzungen mit den Rebellen im Goldenen Dreieck endlich beenden.
Die Köder in diesem düsteren Spiel sind Marjan Texel, eine niederländische Polizeiinspektorin, und Simon Ovronnaz sind Freunde von Largo Winch, einem weltweit bekannten Multimilliardär. Winch hatte vor vielen Jahren freundschaftliche Kontakte zu rebellischen Stammesmitgliedern im Goldenen Dreieck geknüpft. Irgendwie muss es gelingen, Winch nach Myanmar zu locken, damit er sie zu den Verstecken der Rebellen und ihren Anführern bringt.

Marjan und Simon wollen eigentlich nur Urlaub machen. Auch Myanmar ist reich an kulturellen Schätzen und Gebäuden, die sich von Touristen erkunden lassen. Wenig später werden sie ohne Begründung von der örtlichen Polizei zu einer Unterredung gedrängt. Dann schnappt die Falle auch schon zu. Als Simon Marjan gegen die aufdringlichen Beamten beschützen will, kommt ein Polizei-Captain zu Tode. Marjan kommt während einer Gerichtsverhandlung noch glücklich davon. Simon hat Pech. Niemand glaubt ihm die Notwehrsituation. Ihn trifft die volle Härte des myanmarischen Gesetzes. Simon wird zum Tode verurteilt.

Largo Winch, derjenige, der angelockt werden soll, erfährt von den Problemen seines Freundes erst sehr spät. Doch sobald ihn Marjan persönlich von der anstehenden Hinrichtung unterrichtet hat, hält ihn nichts mehr. Auch Beamte der eigenen Regierung können Largo nicht aufhalten. Unterstützt von einem Berufsfotografen, der sich die Geschichte seines Lebens erhofft, bricht der junge Milliardär auf, um sich im Goldenen Dreieick Unterstützung für eine Befreiungsaktion zu suchen.

Basierend auf der Romanfigur Largo Winch, erschaffen von Jean van Hamme, ist eine Comic-Reihe entstanden, die in bester Tradition das Thriller-Genre in der Comic-Welt fortführt.
Largo Winczlav wird in jungen Jahren von dem Unternehmer Nerio Winch adoptiert. Largo ist ein Abenteurer. Er genießt das Leben. Ernsthaftigkeit und eine geregelte Lebensführung sind ihm fremd. Alles ändert sich für ihn, als sein Mentor und Adoptivvater stirbt. Plötzlich steht er an der Spitze eines riesigen internationalen Unternehmens. Largo muss sich nun mit zahlreichen Geschäftsführern auseinandersetzen, die allesamt mehr von den Geschäften verstehen als er. Und Largo bleibt sich treu, denn seine Vergangenheit holt ihn immer wieder ein und bringt ihn in Schwierigkeiten.

Sein Ehrgefühl und sein Sinn für Freundschaft bringen ihn dazu, persönlich einzugreifen. Sein Geld, über das er nun im Überfluss verfügt, und seine Verbindungen sind hilfreich, aber immer ist seine Anwesenheit ein wichtiger Garant, um eine Situation wirklich zu klären. Das 7. Abenteuer Makiling entführt den Leser mit auf eine Reise rund um die Welt. New York, Washington, Birma (Myanmar), Thailand, Großstadt, Chefetagen, Hochfinanz, Agenten, Politik, Dschungelkämpfe, sportliche Skiabfahrten, Liebe, Intrigen und vieles mehr bilden ein Gerüst für dieses gelungene Thriller-Szenario, das in seiner Machart an die Hochzeiten der guten Alben-Comic-Unterhaltung erinnert und diese eindeutig auf das Feinste wiederbelebt.

Die zeichnerische Verantwortung trägt Philippe Francq. Seine Grafiken zeigen eine realistische Welt, in der gläserne Wolkenkratzer und computerisierte Büros krasse Gegensätze zur wilden Natur in den Dschungeln Asiens und ihren bunten Städten bilden. Selbst wer in Sachen Comics unbedarft sein mag, aber vielleicht den einen oder anderen James-Bond-Film gesehen haben mag, wird sofort in dieses Szenario eintauchen können. Eine gesunde Mixtur aus Abenteuern von Harold Robbins oder Söldner-Filmen wie Die Wildgänse kommen spiegelt sich in dem hier geschilderten Auftakt zu einer spektakulären Rettungsaktion wider. Wie in einem guten Film mit exotischen Schauplätzen sind die Ansichten sehr gut ausgewählt und erfüllen die Geschichte mit Leben.
Farblich wechseln kühle Blautöne aus dem eisigen Winter an der amerikanischen Ostküste und warmes Grün des heißen Dschungels einander ab. Rote Sonnenuntergänge und dunkle Nachtszenarien lassen optisch wie szenisch keinerlei Langweile aufkommen. Darüber hinaus zeichnet sich der Strich von Francq durch eine feine Zerbrechlichkeit aus, die ein wenig an den Stil von Hermann erinnert, wie er z.B. in Andy Morgan oder Comanche zeigte.

Ein guter Trick der beiden Erzähler ist der zwischenzeitliche Szenariowechsel innerhalb einer Seite. Mitunter findet sich nur ein Bild des nächsten Szenarios am Ende der Seite. So wirkt der Wechsel zwischen amerikanischer Eiseskälte und asiatischem Dschungel noch eindringlicher und die Neugier auf die folgende Seite wird noch größer.

Die Geschichte gliedert sich in zwei Hauptbereiche. Kleine Nebenarme beschäftigen sich mit einigen wichtigen Charakteren, die der Handlung immer wieder neue Anstöße geben. Neben Largo, der gezwungen ist, in Asien selber aktiv zu werden, verfolgt der Leser die verzweifelte Lage von Simon, der durch alle Instanzen der myamarischen Justiz geht. Gerichtsverhandlung, Gefangenentransport, schlechte Behandlung, Fluchtversuch aus der alten Festung Makiling im Gebirge – Francq und van Hamme lassen nichts aus, um die Spannung auf den Höhepunkt zu treiben.

Ein genialer erster Teil einer Abenteuergeschichte an exotischen Schauplätzen. Largo Winch steht in der besten Albentradition neben den ganz Großen des Abenteuer- und Thriller-Genres.

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