Samstag, 25. Oktober 2008
Endlich ist der Tag gekommen: Zombie Summer Camp III. Der Film ist in den Kinos. Das muss einfach der beste Film aller Zeiten sein. So hofft es jedenfalls Bart. Voller Elan macht er sich auf den Weg … aber niemand von den Erwachsenen will mitkommen und ohne Begleitung eines Erziehungsberechtigten darf jemand in Barts Alter die Gemetzel auf der Leinwand nicht sehen. Was tun? Wäre es nicht viel schöner, erwachsen zu sein und alles tun und lassen zu können, was man so will? Bart hat einen Wunsch: Ich wünschte, ich wäre alt genug, meine eigenen Regel aufzustellen. Als seine Mutter den jungen Mann, der einzig mit einer Unterhose bekleidet in Barts Baumhaus liegt, aus demselben vertreibt, merkt Bart schnell, dass es etwas faul ist in Springfield.
Aber das ist nichts Neues in dieser kleinen merkwürdigen Stadt, die auf ihre Art der Nabel der Welt ist. Plötzlich ist es in Springfield illegal, kein Geld zu haben. Dieses gesetzliche Hilfsmittel, das eigentlich dazu dienen sollte mit zombiefizierten Billionärs-Bettlern fertig zu werden, wird zum Zankapfel, als Maggie Simpson, ihres Zeichens noch ein Baby, wegen ihres mangelnden Besitzes angeklagt werden soll.
Die sind ja verrückt, die in Springfield! Aber seien wir ehrlich, das wussten wir doch schon. Aber so verrückt? Ein Baby anzuklagen, hat eine völlig neue Dimension, selbst für Comic-Verhältnisse. Nun gut, in dem von Bart so beliebten Splatter-Genre wurden auch schon Babys vor Gericht angeklagt, aber Maggie kann kaum mit mordenden Monsterbabys in einen Topf geworfen werden … na, in einen Topf sowieso nicht. Obwohl auch das als Idee eines Simpson-Autoren denkbar wäre. Mehrere dieser Menschen mit wahnwitzigen Ideen haben sich hier versammelt.
Amanda McCann (irgendwie klingt ihr Name wie der einer Politikerin) entwirft einen erwachsenen Bart, der in eine ähnliche Situation kommt, wie es seinerzeit schon Tom Hanks in Big schaffte oder auch Jennifer Garner in 30 über Nacht. Bart muss arbeiten gehen. Und dieser Job hat es körperlich in sich.
Besser klappt es da schon in dem Einseiter von Patric Verrone. In Der unglaubliche Bart betört er die Besucher eines Altersheims mit seinen hypnotischen Fähigkeiten.
Und was macht jemand in den USA – na, hier auch – der angeklagt wird, fälschlich oder richtig, berühmt ist, einen Namen hat, irgendwie im Fernsehen und den Nachrichten ist, der … Was macht der? Richtig, der schreibt ein Buch. (Oder lässt schreiben, was wohl meistens der Fall sein dürfte.) So wird auch Maggie dank Tom Peyer zum Medienstar – und reich. Auf feine und sehr treffende Weise karikiert Peyer den Gesellschaftswahn um Meldungen und Nachrichten sowie die Möglichkeit in den USA jemanden zu verklagen. (Die Klage eines ehemaligen Senators gegen Gott scheiterte jüngst wegen Unzustellbarkeit der Klageschrift.)
Grafisch hält sich alles im gewohnt guten Rahmen. Bekannte Simpsons-Zeichner wie Phil Ortiz und John Costanza sind mit dabei. Einige großformatige, mitunter auch ganzseitige Bilder zeigen die Simpsons ungewohnt hervorgehoben, aber immer höchst exakt dank eines peniblen Tuschens.
Gute Kost für den schnellen Simpsons-Humorhunger, gut abgeschmeckt, sehr albern, spitzfindig, hintergründig, in jedem Fall ein Spaß. Simpsons eben. Was soll man mehr sagen?
Stichwörter: phil ortiz
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Dienstag, 09. September 2008
Der Weihnachtsaffe und das Wunder auf dem Eis haben Homer so lange wach gehalten. Die Eishockeyspieler bejubeln ihr mitspielendes Maskottchen nach dem Spiel, ganz besonders, weil sie es den Kommies gezeigt haben. Homers Freude währt nicht lange. Denn plötzlich ist Rainier Wolfcastle auf dem Bildschirm. Dazu ist es auch noch 3 Uhr morgens. Und eigentlich müsste Homer morgen früh arbeiten. Eigentlich. Aber Homer müsste so vieles und macht es trotzdem nicht. Nur dieser eine verhängnisvolle Telefonanruf, der gelingt ihm noch.
Der Mensch ist zum Allesfresser geworden. Einer davon ist Homer Simpson. Aber er ist auch leichtgläubig geworden. Als eines Nachts die psychologische Kriegsführung des Werbefernsehens zuschlägt, als die Falle der Marketingstrategen zuschnappt und sie einen weiteren minderbemittelten Mitmenschen hereingelegt haben, nur um sich an seiner Dummheit zu bereichern, ist dieser Mitmensch namens Homer Simpson plötzlich im Besitz einer Straußenfarm.
In einer Zeit, in der selbst in unseren Breiten Strauße, Kängurus, Krokodile, Yaks, Erdmännchen und anderes Getier gezüchtet und teilweise – sowieso immer nur teilweise – verspeist werden, mag es tatsächlich nur ein kurzer Schritt dahin sein, dass der Erwerb einer Zuchtfarm über das Werbefernsehen möglich sein wird.
James W. Bates spinnt hier den Faden derer weiter, die nächtens einerseits vor dem Fernseher hocken und andererseits jener, die sich mit den unmöglichsten Verlockungen einen Platz (einen der hinteren) in der Popkultur gesichert haben.
Ein Mann, der aussieht wie eine blonde Simpsons-Schwarzenegger-Variante (und auch so spricht) wirbt für Straußen-Burger und indirekt auch für Riesenomeletts, schafft es also, Homer diese Farm anzudrehen. Jetzt greift der Slapstick-Humor an. Wenn Old McHomer sich um die Tiere kümmert, Brandzeichen setzen will und mit dem Lasso herumspielt, den Kopf in den Sand steckt und sich schließlich eine Lehr-DVD zum Thema Straußenzucht anschaut, ist alles dabei, was eine gute Simpsons-Komödie ausmacht.
Dabei ist die Geschichte noch gar nicht am Ende. Denn kann sich auch nur ein Fan Homer als Schlachter vorstellen? – Nein. Bestimmt nicht. Tief unter dem gelben Übergewicht schlägt ein weiches Herz. Außerdem ist da noch Lisa, die wieder einmal die Welt (diesmal in Form von Straußen) retten will.
Auf einmal wird aus dieser einfachen Straußenfarm mitten in der Stadt etwas anderes. Klar, es bleibt beim Fiasko und es kommt wieder einmal noch dicker (nein, nicht Homer), als man anfangs gedacht hat.
Der Fan darf sich auf schöne Auftritte von Rainier Wolfcastle (der Schwarzenegger-Kopie), Kent Brockman und Cookie Kwan freuen. Letztere tritt zwar als Maklerin auf, ist jedoch eine ähnlich Nervensäge wie Lucy Liu in Ally McBeal, nur mit schlechter Frisur. Phil Ortiz zeichnet gemäß den Vorgaben aus dem Hause Groening absolut exakt – wie auch jeder andere Handgriff im vorliegenden Abenteuer mit dem Namen Ein Strauß Ideen sitzt. Wie immer gibt es hier keinerlei böse Überraschungen – nur gute, denn mit den doch etwas blöd glotzenden Straußen und ihrem Uut-Uut ist ein sehr knuffiges Detail gelungen.
Gelber Spaß mit erhobenem kleinen Finger. Spiel nicht mit deinem Essen, wenn du es selber nicht schlachten kannst. Wer Homers Versagen als Unternehmer wie auch als Tierfreund miterleben möchte, liegt hier richtig. Spaß in Serie mit einigen interessanten Infos zur amerikanischen Popkultur.
Stichwörter: phil ortiz, james w. bates
Freitag, 22. August 2008
Ist das da Abraham Lincoln auf der Fünfdollarnote? Vor langer Zeit stand der amerikanische Präsident für das neue Zahlungsmittel Modell. Erleben wir zusammen mit den Simpsons den Weg eines ganz speziellen Geldscheins, wie er nach und nach seinen Besitzer wechselt, bis er schließlich … Ursprünglich als Anreiz für die Mitarbeiter des Kernkraftwerks gedacht, sich neue Einsparmodelle einfallen zu lassen, wird der Schein zum Stein des Anstoßes für allerlei Katastrophen – von denen natürlich ausnahmslos alle hausgemacht sind.
Homer ist daran nicht unbeteiligt – natürlich nicht! Würde das irgendjemanden wundern? Aber was wäre, wenn Homer sich grundlegend ändern würde? Wenn er plötzlich ordentlich würde? Geradezu furchtbar freundlich? Wenn Homer und Flanders ihre Leben tauschen würden? Ganz so schlimm wird es selbstverständlich nicht, aber für eine Fernsehshow ändern die beiden Nachbarn jeder beim anderen die Wohnungseinrichtung. Das Ergebnis ist erschütternd für beide. Doch langsam schleichen sich durch die neue Umgebung Verhaltensweisen des anderen ein – zwangsweise. Während Flanders immer mehr verkommt, ist Homer auf wundersame Weise ein Musterbeispiel an Redlich- und Arbeitsamkeit. Das ist sogar ein Schock für seine Familie.
Dollars für Donuts bietet einen großen Stapel Geschichten aus dem Simpsons-Universum. Die Vielfalt macht’s, wie man so schön sagt. Neben völlig albernem Humor – der natürlich in den Geschichten mit Homer zu finden ist – stehen Geschichten mit Lisa, die ernsthafter sind. Darüber hinaus wird alles aufs Korn genommen, was das amerikanische Leben hergibt.
Die Währung und seine Herkunft ist nur ein kleiner Teil. Arbeitslosigkeit und ihre Bekämpfung, das Schulsystem, der gesellschaftliche Wert von Uniformen, Bible Belt (wer wollte nicht die Zehn Gebote, sogar als Steintafeln, auf seinem Sofa stehen haben), Pop-Kultur, der American Way, Umweltschutz und Energieeinsparung, die Entstehung von Superhelden und vieles mehr bilden die roten Fäden.
Die Entstehung von Superhelden nimmt mehr oder minder eine Klamotte wie die aktuelle Verfilmung Superhero Movie vorweg. Wenn Bart und Milhouse mittels eigens dafür radioaktiv verseuchter Ameisen versuchen, selber zu einem Superhelden zu werden und sich unentwegt zu beißen lassen versuchen, dann ist das ein Bild für die Götter. Leider werden die meisten Ameisen, geradewegs aus einer radioaktiven Tunke kommend schneller tot gequetscht, als dass sie überhaupt noch zubeißen können. Und die, die schließlich die Kraft aufbringt, hat bei Bart und Milhouse keinerlei Wirkung.
Aber bei Homer.
So darf der Leser erleben – wie einst bei John Travolta in Phenomenon - wie Homer zu einer Intelligenzbestie mutiert. Sein kleiner Besuch beim Hausarzt mit der Vorführung seiner erwachenden telekinetischen Kräfte ist eine direkte Homage an den genannten Film.
Nun, ich bin sicher, dass ist für einen Mann Ihres Alters ganz normal.
Normal ist bei den Simpsons noch lange nichts und das ist hier wirklich gut so, denn einem ein neues Weltwunder dank der Kraft der Donuts erspart. Homer nimmt sich nicht nur auf sehr ungewöhnliche Weise der Energiegewinnung an, er wird außerdem noch Schuldirektor. Er mag beruflich nicht die besten Ideen haben, aber in Sachen Schülermotivation wird hier etwas vorgeführt, das wirklich seinesgleichen sucht.
Simpson? Warum steckt eine Banane in meinem Ohr?
Moment! Den Witz kenne ich! Weil die Wassermelone nicht reingepasst hat?
Eine geballte Ladung Wahnsinn mit Methode, mitunter auch mal hart an der Realität – so furchtbar das auch ist – hier wird nichts ausgelassen. Selbst ein James Bond bekommt hier sein Fett weg. Wer mag, kann sich nur an dem Ulk erfreuen. Wer tiefer blicken will, kann die kabarettistische Seite der Simpsons in Augenschein nehmen – ja, es gibt sie.
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Stichwörter: ian boothby, phil ortiz
Freitag, 08. August 2008
Grampa Flanders gibt es eigentlich nicht, weil die Flanders keinen Grampa haben. Aber die Simpsons haben einen. Und sie brauchen ihn nicht. Doch Grampa braucht jemanden. Jemanden, der seinen Geschichten lauscht, der ihn ernst nimmt, der so etwas wie eine Familie ist. Irgendwie sind die Simpsons nichts davon. Nach einer kurzen Kuchenübergabe an Grampas Geburtstag macht sich die ganze Bande auch schon auf den Weg ins Kino.
Flanders, der die Traurigkeit seines alteingeborenen Nachbarn bemerkt, lädt den Opa in sein Heim ein. Grampa ist begeistert. Da gibt es zwei Kinder, die seine Geschichten hören wollen und es gibt ein Buch, in dem steht, dass man Vater und Mutter ehren soll. Jemand – wer auch immer das gewesen sein mag – hat es in die Bibel geschrieben, die Grampa auch sogleich von den Flanders’ geschenkt bekommt.
Und drüben, auf der anderen Seite des Zaunes?
Mitten in der Nacht fällt Marge auf, dass etwas fehlt. Was war das noch? Ach ja, Grampa!
Dass einem etwas fehlt, merkt man erst, wenn es nicht mehr da ist. Diese Erfahrung machen die Simpsons – wie kann es anders sein – zunächst nicht, schließlich gibt es noch einen Alten namens Homer in der Familie. Genüsslich nimmt Ian Boothby Leben und Leid der älteren Generationen in dieser Geschichte aufs Korn. Die Dummheit Homers ist ein bekanntes Thema, wird hier aber eher gestreift. Die Suche nach einem Ersatz-Opa gestaltet sich gewohnt humorvoll, aber da ist natürlich noch mehr.
Und so haben die Hundeschnauzen Adolf Hippo befohlen, nicht mehr so gemein zu sein, weil sie ihm sonst sein Apfelmus wegnehmen.
Grampa hat natürlich einiges erlebt. Das will erzählt sein – und nicht zensiert werden. Sicherlich hat er den Krieg erlebt und ähnlich, wie es der alte Arthur in King of Queens jedem unter die Nase rieb, hat auch Grampa seinen Militärdienst geleistet. Aber wenn Geschichten derart für Kinderohren verfälscht werden müssen, damit sie auch sonntagsschulentauglich sind, dann beginnt Grampa doch ein wenig an seiner neuen Familie zu zweifeln.
Doch wer ist der neue Ersatz-Opa?
Das sei nicht verraten, doch es ist jemand, der sich in der Welt auskennt, der die Menschen gnadenlos beeinflusst und bei der Gelegenheit viele gute Ratschläge für Lisa und Bart parat hält.
Und Ian Boothby hält sich an die allseits beliebte Aussage, dass die bestgemeinten Ratschläge auch häufig das größte Unheil angerichtet haben. So ergibt sich auch für Lisa und Bart keinerlei Gewinn aus diesem Opa-Tausch.
Da wäre noch Homer. Er ist dumm, verfressen, faul, (nein filosofisch ist er nicht) auch gemein, aber eigentlich hat er auch auf dem tiefsten Grunde seines Herzens ein wenig Mitgefühl. Und so wird eine Grampa-Falle gebaut, die alles an Lockstoffen enthält, was so ein Opa (oder eine Oma) eben braucht.
Aber wird sie auch funktionieren?
Viele Anspielungen, weniger Slapstick heben die Geschichte aus der Menge der anderen Handlungen hervor, weil das Thema insgesamt etwas ernsthafter ist. Die Zeichnungen sind – wie immer, es kann gar nicht anders sein – dank der internen Vorgaben und der strikten Ausführung von Zeichner Phil Ortiz und Tuscher Mike Decarlo auf gewohnt gleichmäßigem Niveau. Unter dem Strich könnte man diesmal sagen: Lachen mit viel Herz.
Stichwörter: ian boothby, phil ortiz
Freitag, 16. Mai 2008
Schon wieder nicht gewonnen! Und wer trägt die Schuld dafür? Homer, wer sonst. Aber das spielt für Homer auch keine Rolle, denn der Spaß am Bowling kommt nicht vom Bowling, sondern vom Bier.
Nur leider findet sein Team einen Ersatz für ihn, jemanden, der tatsächlich bowlen kann. Und plötzlich ist Homer allein, allein draußen auf der Straße, während seine Freunde in der Kneipe feiern – nur Spieler sind zur Feier eingelassen. Für Homer wird keine Ausnahme gemacht.
Wie lautet die beliebte Sportart des Durchschnittsamerikaners, gleich auf dem dritten Platz nach American Football und Baseball? BOWLING!
Richtig. Gerne wird in Fernsehserien oder auch Kinofilmen (siehe: The Big Lebowski, Kingpin) gezeigt, wie der gemeine Amerikaner, der ansonsten gar nichts kann, diesen Sport zu höchsten Höhen erhebt, weil er hier seine Erfolgserlebnisse hat (siehe: Al Bundy). Homer Simpson gehört zu einer ganz besonderen Fraktion – denn er kann selbst das nicht.
Ian Boothby schickt den gelbsten Helden mit dem dicken Bauch und dem schütteren Haar auf eine ganz eigene Tour De Force. Nimm einem Mann seinen Sport, seine Gruppe, in der er sein darf, wie er ist. Was hat er dann noch?
Jedenfalls verliert Homer über all dem nicht seinen Appetit.
Das ergibt doch gar keinen Sinn. Oder, Mom?
Für Homer schon, denn die Art und Weise, wie er eine Ersatzsportart findet und neue Freunde gleich dazu – ausgerechnet jene, die seinen Sohn Bart sonst verhauen - Streetbowling ist ein würdiger Ersatz, weil Homer es hier endlich allen zeigen kann. Na, wenigstens denen, die den Mumm haben, die Straße zu überqueren oder auf dem Bürgersteig lang zu gehen.
Boothby zelebriert an Homers Beispiel einmal mehr die Rache des kleinen Mannes. Da werden Passanten vom Bürgersteig gekickt, dass es nur so kracht. Homer wirft einen Strike nach dem anderen, was hier nichts anderes bedeutet, als einen Passanten so umzuwerfen, so dass er mit dem Kopf auf dem Boden landet.
So weit, so sportlich.
Weniger sportlich, als vielmehr künstlerisch – und hier wechselt Boothby die Sphären – geht es im Erzählteil um Bart zu, der mit seinen Graffitis die gesamte Stadt terrorisiert. Unter dem wenig einfallsreichen Pseudonym El Barto hat es Bart zu einiger Berühmtheit gebracht. Und ähnlich wie echte Sprayer werden auch seine Werke künstlerisch wertvoll. Leider …
Das soll nicht verraten werden, doch auch dieser Schuss geht nach hinten los und so schließt Ian Boothby den Kreis auf elegante Weise.
Homer und Bart, sehr menschlich dargestellt, werden hier von ihren Gewissen und ihrem Zugehörigkeitswunsch eingeholt. Bei all dem Unsinn, den sie ansonsten anstellen, bleiben sie so liebenswert – na, wenigstens sympathisch.
Wer als Leser diesmal genau hinliest wird Anspielungen auf Monk und die Blue Man Group entdecken. Das amerikanische Rechtssystem bleibt nicht außen vor, jenem, in dem sich schon Kinder vor Gericht wieder finden. Herrlich schräg, wunderbar gemein und politisch unkorrekt.
Außerdem kann, wer Boothby und seine Frau, die Zeichnerin Pia Guerra, live in Deutschland verpasst hat, sich im Anhang ein Bild von seinen Signierstunden auf der Leipziger Buchmesse 2008 machen.
Stichwörter: ian boothby, phil ortiz
Mittwoch, 05. März 2008
Wenn das Schiff sinkt, hat nur einer den Vortritt: Mr. Burns. Schließlich hat er den kleinen Schiffsausflug finanziert. Da ist es nur gerecht, wenn er als erster in das Rettungsboot gelangt. Zum Glück ist dies nur eine Übung, doch für die Angestellten des Springfielder Kernkraftwerkes ist dies schon Aussage genug.
Aber die wenigsten haben daran etwas auszusetzen. Einzig Lisa, die wahrhaft Intelligente in der Simpsons-Familie erkennt den Auflug als das, was es ist: Eine Farce.
Denn während sich die Angestellten amüsieren, bugsiert Mr. Burns’ Privatsekretär radioaktiven Abfall über die Reling ins offene Meer.
Als Mr. Burns über Bord geht, ist das Chaos natürlich vorprogrammiert, denn Smithers, der Privatsekretär macht alles falsch, was falsch zu machen ist. Wie gut, dass Mr. Burns schwimmen kann. Und wie gut, dass Homer Simpson derart viel Fett angesetzt hat, dass er wie ein Rettungsfloss an der Wasseroberfläche treibt. So kommt keiner zu Schaden.
Außerdem bringt ausgerechnet dieses kleine Malheur Mr. Burns auf eine folgenschwere Idee. Homer soll eine Belohnung erhalten.
Allerdings ist es kein Geld, in Schinken gewickelt, auf einem Pool voller Bier – wie Homer es sich wünscht. Vielmehr soll Homer ein Held sein, ein Held der Arbeit, der beweist, der Springfielder Kanal nicht verseucht ist, wie einige angesichts der explodierenden Lachse behaupten.
Während Homer sein Heldentum unter Beweis stellt, hat die kleine Lisa ein ganz anderes Problem. Das Gemüse ist weg. Es ist aus dem Haushalt der Simpsons verschwunden und selbst in der Schulkantine fehlt es. Da begegnet sie dem Maskottchen einer Gemüsefarm.
Eine Schwarte macht noch keinen Sommer! So lautet der böse Untertitel der vorliegenden 137. Ausgabe der Simpson Comics. Dank Ian Boothby trifft die Geschichte gewohnt humorvoll mitten ins Ziel. Die Zeichnungen sind überaus exakt, dank der Vorgaben, die von Phil Ortiz ohne Probleme erfüllt. Man merkt auf jeder Seite und bei jedem Witz, dass hier versierte Simpsons-Profis am Werk waren.
Langsam und stetig, auf einem witzigen Weg, kommt die Action ins Spiel. Ausgerechnet Homer soll ins Wasser. Das funktioniert eine Weile, aber natürlich belässt es Ian Boothby nicht dabei.
Gnadenlos werden Ideen und Ereignisse aus Film, aus der Vergangenheit, aus Politik und Comedy herangezogen und verarbeitet. So wird aus dem Lesen des Comics nicht nur ein kurzweiliger Spaß, sondern auch ein Suchen und Mitraten – und ein wenig Lernen durch die Hintertür. Denn wer die einzelnen Elemente der Geschichte nicht errät, kann sich im Anhang auf drei Seiten die notwendigen Informationen holen. Viele dieser Informationen betreffen natürlich die amerikanische Kultur und Lebensart – ja, es gibt sie – von der auch reichlich in das gute alte Europa hinübergeschwappt ist. Anspielungen auf Popeye oder Free Willy versteht man hierzulande auch.
Und nicht nur das. Auch die Bemühungen des englischen Fernsehkochs Jamie Oliver haben auch ihre Auswirkungen auf Springfield. Da die Schulspeisung in England gesünder werden soll – auch dank der Bemühungen von Jamie Oliver – wurde auch in Springfield das Gemüse aufgekauft. Im Gegenzug bekamen die Amerikaner all das, was für englische Kids nicht mehr gut genug war. Man könnte es als Rache für den Tee bezeichnen, den die Amerikaner in die Häfen kippten.
Zum guten Schluss – das soll natürlich nicht verraten werden, aber rundum gelungen ist es allemal. Die Fernsehserie ist sehr gut eingefangen – fast könnte man meinen, die Stimmen der einzelnen Figuren während des Lesens zu hören. Daumen rauf für die gelbe Rasselbande.
Stichwörter: ian boothby, phil ortiz
Montag, 11. September 2006
Simpsons-Zeichner Phil Ortiz ist auf Signiertour. Seine Stationen:
26.9.2006 Comic-Galerie Wien, Albertgasse 24, 1080 Wien, 14-16 Uhr
27.9.2006 Manor Basel, Greifengasse 22, 4005 Basel
28.9.2006 Manor Basel, Greifengasse 22, 4005 Basel
30.9.2006 Ultra Comix, Vordere Sterngasse 2, 90402 Nürnberg, 14-16 Uhr
2.10.2006 Karstadt in Stuttgart, Königstraße 27-29, 70173 Stuttgart, 16-18 Uhr
5.10.2006 X-tra Boox, Berliner Straße 20, 60311 Frankfurt, 16-18 Uhr
6.10.2006 Karstadt in Gießen, Seltersweg 64, 35390 Gießen, 16-18 Uhr
7.10.2006 Frankfurter Buchmesse, Panini-Stand 3.0 K 845, 14-16 Uhr
8.10.2006 Frankfurter Buchmesse, Panini-Stand 3.0 K 845, 11-13 Uhr
Für alle Fans wahrscheinlich eine schöne Gelegenheit, um die Wartezeit bis zum Kinofilm ein wenig zu überbrücken.
Quelle: Panini Pressemitteilung
Stichwörter: simpsons, phil ortiz