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Comic Blog


Freitag, 28. Dezember 2007

Infinite Crisis

Abgelegt unter: Superhelden — Michael um 23:10

Infinite CrisisWonder Woman eine Mörderin? Das Bild der Helden dieser Erde ist angekratzt. Batman ist von Paranoia zerfressen. Die Helden sind zerstritten. Die Bedrohung von Brother Eye wird stärker. Doch damit nicht genug. Von weit her, aus einer anderen Realität, eilt eine Bedrohung heran, mit der niemand rechnen konnte.

Die Infinite Crisis ist eines jener Monumentalfilm-Ereignisse, wie sie sich nicht häufig in der Comic-Landschaft finden. Überbordende Bilder, Massenszenen auf einer Seite, eine getriebene Handlung, beinahe von den Ereignissen gejagt – ähnliche Comic-Ereignisse finden sich nur in Szenarien wie Rächer aller Zeiten oder das Crossover der Rächer und der JLA. In letzterer Veröffentlichung übernahm der Altmeister George Perez den Zeichenstift, langer Begleiter der Rächer. Ausflüge führten ihn auch in das untergegangene Crossgen-Universum. Mit den Titans oder auch Wonder Woman erkundete er das DC-Universum.

Vor dem Hintergrund jener besonderen Fertigkeiten von Perez, die verwirrend detailreiche Bilder entstehen lassen, ist nun Phil Jiminez der Erbe, jener der den Hang zu Massenszenen fortführt. Und Jiminez übernimmt dieses Erbe äußerst glanzvoll.
Einige der Massenszenen gehören in Postergröße gedruckt und eingerahmt – und wer derart versiert sein sollte beispielsweise in einer Schlachtszene in Metropolis alle Helden und Schurken beim Namen zu nennen, müsste einen Preis von DC erhalten.

Jiminez wird unterstützt von George Perez, Jerry Ordway und Ivan Reis. Die Hauptarbeit leistet Jiminez, aber es ist toll zu sehen, wie sehr die Bilder der drei anderen im roten Faden von Jiminez aufgehen und sich angleichen. Freilich sind ihre Stile noch erkennbar, besonders Perez kann sich nicht verstecken.
Insgesamt, wenn solche Könner aufeinandertreffen, ist das Ergebnis ein Höhepunkt im Superhelden-Comic.

Als besonders gelungene Figur sticht der alte Superman von Erde 2 heraus. Optisch wie auch von der Konzeption ist er sehr dicht geraten. Eine lange wie auch verzweifelte Geschichte hängt ihm an. Die Lois der anderen Erde stirbt. Ihr Tod ist ein endgültiger Bruch mit der Vergangenheit, ein Bruch den der Alte dem jungen Superman von Erde 1 anlastet. Diese Erde, unsere, scheint nur noch von Verderbtheit durchdrungen, belastet von Zorn, Furcht und Hass. Selbst eine Wonder Woman war zu einem Mord fähig.
Alt-Supies Charakterdarstellung hat echte Tiefe, er wirkt auf den Leser, während unser Supie ein bißchen blass bleibt.

Verantwortlich für die Geschichte ist Geoff Johns, der angesichts der zu verflechtenden Handlungsstränge und Charaktere eine sehr ausgetüftelte Handlung abliefern musste.
Der Einstieg fällt nicht unbedingt leicht, denn der Leser wird ins kalte Wasser geworfen. Keine lange Einleitung, das Debakel ist da, das Chaos gärt bereits. Für die Helden ist es ebenso groß, wie für den Leser. Ein bestürzter Batman muss miterleben wie seine Welt zusammenbricht, wie das, was er zum Schutz aufbaute, sich nicht nur gegen ihn, sondern gegen die Menschheit wendet.
Das Ende, die unabwendbare Apokalypse scheint nahe, der Untergang des DC-Universums. So scheint es jedenfalls. Zu diesem Zeitpunkt jagt die Handlung los. Plötzlich fügen sich erste Einzelheiten zusammen.

Johns belässt es nicht bei einer äußerst verschachtelten Handlung, die sich aufbaut wie jene ineinander gestapelten Puppen. Der alte Superman, Superboy Prime und Alexander Luthor agieren Seite an Seite. Zu Beginn sind ihre Motive identisch – so scheint es. Ihre Absichten driften auseinander. Ein Luthor bleibt immer ein Luthor, durchtrieben, immer den eigenen Plan verfolgend. Ein Superboy oder eine Superman ist auch zum Bösen fähig. Oder zum Wahnsinn. Superboy Prime ist kein harmloser Irrer. Er ist das, was von Superman manchmal von anderen Stellen her befürchtet wurde. Er ist der Auswuchs, den ein Batman fürchtete, der ursächliche Gedanke, warum Batman einen Ring mit Kryptonit für alle Fälle in seinem Inventar besitzt.

Aber dieser Superboy Prime ist noch mehr. Er ist eine mörderische Urgewalt. Sein Kampf gegen die Titans zeigt seinen Wahnsinn vollendet, seine Untat gegen den anderen Superboy ist der letzte Beweis. Sobald diese Gefahr erkannt ist, die stets größere Ausmaße anzunehmen scheint, mobilisiert Geoff Johns alle Kräfte: Alle Flashs, alle fliegenden Helden, alle Green Lanterns und noch mehr.
Kämpfe, Kämpfe, Kämpfe, gigantische Auseinandersetzungen, zwei Supermänner gegen Doomsday und zahlreiche andere Realitäten, die sich in unterschiedlichen kurzen Szenen manifestieren.

Eine wahnsinnig komplexe Handlung, die ein gesamtes Comic-Universum gründlich umgekrempelt hat, vielleicht nachhaltiger als der jüngste Civil War bei Marvel. In einem monumentalen Action-Kracher gelingt es Geoff Johns einige Charaktere mit Tiefgang in den Vordergrund zu stellen. Zeichner Phil Jiminez und seine Kollegen (die kleine Armee von Inkern und Koloristen nicht zu vergessen) haben eine Saga mit gigantisch praller Optik abgeliefert. Top! :-D

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Freitag, 09. März 2007

Infinite Crisis 7

Abgelegt unter: Superhelden — Michael um 19:30

Infinite Crisis 7Superboy ist tot. Die Helden trauern. Aber viel Zeit ist ihnen dazu nicht vergönnt. Der Angriff, der ihr gesamtes Leben auf den Kopf gestellt hat, tobt weiter. Das Monster, Superboy Prime, muss fallen.
Doch das ist leichter gesagt, als getan.
In Metropolis herrscht das Chaos. Mittendrin befinden sich namhafte Gestalten wie Aquaman, der verrückte Hutmacher, Bizarro, Bane, aber auch viele weniger bekannte Helden und Finsterlinge aus dieser (und anderer) Welten. Das Chaos beginnt sogar die Zeitlinien zu verändern.
Superboy Prime macht sich im Gegensatz zu seinem Verbündeten, Alexander Luthor, keinerlei Sorgen über die Verschiebungen der Realitäten. Pures Entsetzen packt den Green Arrow, als ein ganz besonderer Gegner aus Supermans Vergangenheit auftaucht: Doomsday.

Das Monster, das den Stählernen in einem gigantischen Kampf einstmals tötete, ist zurück. Wird Superman diesmal bestehen?
Die Frage ist schnell geklärt, denn Superman kämpft Seite an Seite mit sich selbst. Sein älteres Alter Ego schlägt gemeinsam mit ihm zu. Der geballten Kraft von zwei Stählernen hat dieses steinerne Monster nichts entgegenzusetzen. Diejenigen, die den Kampf von weitem verfolgen, können dieser Machtdemonstration nur fassungslos zuschauen.

Als das Hindernis aus dem Weg geräumt ist, geht der finale Kampf erst richtig los. Superboy Prime tritt den Rückzug an. Ein hoffnungsvoller Moment ist es trotzdem nicht, denn der Martian Manhunter liest die Gedanken dieses Irren, der eine wahnsinnige Kopie von Superman ist: Superboy Prime will der Planeten Oa vernichten, die Heimat des Green Lantern Corps.

Plötzlich ist es keine simple Schlacht mehr. Nun geht es um das Fortbestehen eines gesamten Universums.

Was für ein Finale! Was für ein Kampf! Nachdem die Fans erleben durften, wie Superman und Batman ihre eigenen Krisen zu überstehen hatten, wie sie gar Bösewichte und Weltherrscher waren, nachdem die JLA auf Mörderjagd war und beinahe darunter zerbrach, geht nun alles den Bach runter. Die Infinite Crisis stürzt alles vom Sockel, was im DC-Universum lange Zeit unverrückbar und hoch und heilig war.

Wie im Finale, dass bereits Superman zu Tode brachte, tobt hier ein Kampf von Seite zu Seite, der immer neue Höhepunkte und (für dieses Universum) unglaubliche Bilder zeigt. Autor Geoff Johns hatte die Möglichkeit, sich nach allen Regeln der Kunst auszutoben und er hat seine Chance total ausgenutzt.
Nicht umsonst nehmen bestimmte Szenen eine Doppelseite ein. Wenn Superman und Superman (kein Versprecher) Doomsday fällen oder das Green Lantern Corps den wahnsinnigen Superboy Prime aufhalten wollen, dann ist das nicht nur packend und dramatisch erzählt, sondern auch noch genial in Szene gesetzt.

Wer genau hinschaut, wird verschiedene Zeichenstile erkennen, die sich aber hervorragend ergänzen. Phil Jiminez, George Pérez (ein ungeheuer guter Marvel-Veteran, der das große Marvel/DC-Crossover gestalten durfte), Ivan Reis und Joe Bennett geben der Handlung ihr Gesicht.
Das ist aber auch, das lässt sich nicht verbergen, sehr brutal. Da die Zeichnungen nicht sehr cartoony sind, wie der Leser es vielleicht von Ed McGuinness her kennt. Die Zeichnungen sind überaus realistisch geworden (immer vorausgesetzt, dass Wesen mit Superkräften existieren).
Der Kampf zwischen Superboy Prime und der alten Ausgabe von Superman ist ein gutes Beispiel für diese Brutalität. Oder die Rache des Jokers. Es ist ein wenig wie das Buhlen um Ernsthaftigkeit, das in diesen Bildern zum Ausdruck kommt und eher aus Geschichten von Frank Miller und Co. bekannt ist.

Es mag jeder für sich entscheiden, wie und ob ihm das gefällt. Es ist ausdrucksstark, zweifellos, hätte aber sicherlich auch anders gelöst werden können. Die Tom-und-Jerry-Gewalt, nach der jeder Held die Möglichkeit hat, irgendwann zurückzukehren, gehört jedenfalls endgültig der Vergangenheit an.

Das Team aus Zeichnern und den Co-Künstlern aus Inkern und Koloristen hat ein bildgewaltiges Ende in feinster Comic-Technik geschaffen. Der grafische Realismus trägt dieses Universum ungeheuer gut. Der Nachhall dieses Comic-Urknalls verändert die Helden nachhaltig, wie sich bereits jetzt an vielen Abenteuern zeigt.
Man darf auf die kommenden Veränderungen gespannt sein! :-D

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