Freitag, 04. Juli 2008
Da gibt es doch immer noch Leute, die glauben, dass Jackie Estacado ein ganz normaler Mafioso ist. Jake Nightly ist so ein Kerl. Jake hat eine Rechnung offen und er sucht Streit. Wäre die Sache ein ganz normaler Mafiastreit, hätte er vielleicht eine Chance. Aber so?
Es gibt gute Killer, also solche, die ihr Handwerk verstehen, und solche, die einfach nur Blindgänger sind. Jake Nightly war ein guter Killer. Palanco hingegen ist eine Flasche vor dem Herrn. Jackie sieht nur einen Ausweg. Er befiehlt Palancos Tod. Doch Palanco ist nicht nur absolut dämlich, er scheint das Glück des Dummen auch noch gepachtet zu haben.
Sind es zu Beginn, kurz nach der Machtübernahme, noch die ganz alltäglichen Dinge mit denen sich Jackie in seiner neuen Funktion als Don herumschlagen muss, wird aus einem einfachen Krieg um die Vorherrschaft ein Kampf der übernatürlichen Kräfte.
Jackies Darklings treten gegen Drachen an. In Mister Kuo steht ihm ein chinesischer Killer gegenüber, der keine Dunkelheit benötigt, um seine ihm dienenden Kreaturen heraufzubeschwören.
Ein neues Leben für Jackie Estacado. Lange stand er im Schatten der Mächtigen, nun bekleidet er die höchste Position. Und sofort sind Neider und Konkurrenten zur Stelle, die ihm das Leben nehmen wollen.
In der 10. Werkausgabe der Darkness hat sich einiges für den ehemaligen jungen Schnösel im Dienste seines Onkels geändert.
Paul Jenkins schreibt seine Abschlussgeschichten um Jackie Estacado und übergibt an Ron Marz (Cyberforce). Die Auswahl ist für den Leser genau richtig. Nach ein paar Einzelepisoden geht es mit Dragons & Darkness an einen Mehrteiler, in den Jackie endlich einmal wieder einen Gegner hat, der ihm gewachsen zu sein scheint.
Wenn Hong Kong bedroht wird, werden Drachen zu Hilfe eilen.
Mit Kuo, dem chinesischen Killer, hat Ron Marz ein helleres und mythisches Gegenstück zu Jackie Estacado geschaffen. Kuo ist nicht ganz so cool - aber ebenso arrogant. Das Aufeinanderprallen dieser beiden Kontrahenten ist besser als andere ungewöhnliche Begegnungen der Darkness, dazu lassen sich auch die Kämpfe gegen die Witchblade oder die Angelus zählen.
Neben Ron Marz steht für dieses Horror- und Gangsterspektakel als Zeichner Martin Montiel zur Verfügung. Montiel gestaltet mit sehr viel Stil und Eleganz in der Linienführung. An den Darklings und besonders den phantastisch aussehenden Drachen kann er sich richtig austoben.
Wer dachte, in der Zeit nach Paul Jenkins würde es mit Ron Marz etwas gewaltfreier zugehen, der täuscht sich. Marz hat für Montiel einige Vorlagen geschrieben, die in jedem Splatter-Film für das nötige Grauen sorgen würden.
Insgesamt ist die kleine Mini-Reihe Dragons & Darkness eher ernsthaft, was dem Szenario um die Darkness auch sehr gut bekommt.
Zuvor setzte Jenkins mit seinen Episoden mehr auf schwarzen Humor, das passt zuweilen recht gut, sollte aber auch nicht überstrapaziert werden. Es sei denn, der Humor ist vollkommen überzogen.
Mit dem Killer Palanco ist das gelungen. Jenkins beschreibt einen Mann, der ein Attentat auf der falschen Straßenseite begeht und somit das falsche Ziel um die Ecke bringt. Und so dumm wie Palanco selbst ist, das Ziel zu treffen, so viel Pech haben jene, die den Mann für seine Dummheit bestrafen sollen. Steven Cummings (www.sc-shiki.com) zeichnet eher glatter, lustiger, unterstreicht mit seinem grafischen Stil die Komik der Handlung.
Knallhart hingegen fallen die Bilder von Eric Basaldua, Michael Choi und Romano Molenaar (www.romanomolenaar.com) aus. Die Handlung verlangt dies aber auch. Wenn ein Mafioso ins Gebet vertieft in einer Kirche erschossen wird, verbietet sich jeder Funny-Effekt. So sind die ersten beiden Geschichten eher als Gangster-Geschichten mit kleinen Horroranleihen zu verstehen. Paul Jenkins hat sich zum Schluss den Alltag eines Dons vorgenommen. Fast könnte man als Leser den Eindruck gewinnen, dass diese Schuhe ein wenig zu groß für Estacado sind.
Klassisch gangsterlich, modern gruselig, ein wenig Comedy zwischendurch. Ein perfekter Mix, zu jeder Zeit unterhaltend und kurzweilig, ganz besonders durch die kleine Mini-Reihe zum guten Schluss enorm spannend.
The Darkness – Werkausgabe Band 10: Bei Amazon bestellen
Stichwörter: paul jenkins, ron marz, eric basaldua, romano molenaar
Freitag, 13. Juni 2008
Die Darkness geht zum Angriff über. Die beiden Wachen, die am Ufer aufgestellt wurden, können sich als letztes Erlebnis auf Erden von der Effizienz dieses Vorgehens überzeugen.
Dominic kann auf die fragenden Rufe seines Partners keine Antwort mehr geben. Vor dem Licht des nahen Leuchtturms entscheidet sich das Schicksal der Männer. Und Jackie Estacado hat gerade erst mit seinem Rachefeldzug begonnen.
Vom Turm aus entdecken weitere Wachen das Geschehen. Aber die Zeit reicht nicht einmal für einen Hilferuf. Die Darkness ist gründlich. Irgendwann fällt bei allen Beteiligten der Groschen. Er ist hier.
Flutlichter werden eingeschaltet. Onkel Paulie hat gelernt. Das Licht gefällt der Darkness nicht, aber sie ist auch nicht dumm. Als ein riesiger geflügelter Schwarm in der Dunkelheit sichtbar wird, halten die Mafiosi dies noch für Vögel oder Fledermäuse, die von dem ungewöhnlichen Licht angezogen werden. Ein tödlicher Irrtum.
Level 5 - die letzte Runde. Was hat Jackie Estacado nicht alles durchlitten, um an diesen Punkt zu gelangen. Die Autoren Paul Jenkins und David Wohl haben den jungen Mafia-Killer im wahrsten Sinne des Wortes bis hierher durch die Hölle geschickt.
Jetzt geht es auch nicht mehr um eine Entwicklung von Charakteren oder Geschichte. Alle Weichen sind gestellt. Jenkins und Wohl beschäftigen sich nur noch mit dem Finale.
Die Dunkelheit gehört zur Darkness einfach dazu. Mit Mike Choi wurde ein weiterer Zeichner ins Rennen geschickt, der seine Arbeiten gleichzeitig auch tuscht. Im Stile neuerer Darstellungen, bei denen es um Atmosphäre und Schnelligkeit geht sind die Bilder skizzenhafter und nehmen nicht für sich in Anspruch, bis in den letzten Strich hinein perfekt sein zu wollen.
Als vergleichbarer Künstler in dieser Machart können Sean Phillips (Criminal) oder Charlie Adlard (The Walking Dead) herangezogen werden.
Choi gelingen einige beeindruckende Bilder mit Großbildleinwandflair. Wer sich an den Film Van Helsing und flatternden Vampir-Nachwuchs vor Augen hat, kann sich sehr gut den nächtlichen Schwarm vorstellen, der Kurs auf das Mafiosi-Versteck genommen hat.
Stilistisch könnte Jackie Estacado dank Chois Technik auch in Schwarzweiß agieren. Es wäre angesichts der verschiedenen Zeichenstile in dieser kleinen Reihe ein gelungenes und passendes Experiment geworden.
Die Darklings werden von der Darkness ins Leben gerufen und bedürfen natürlich auch einer gewissen phantasievollen Grundausstattung ihres Herrn. Jenkins und Wohl zeigen einen Estacado, der wie geschaffen ist für dieses Leben, denn nachdem seine Mannen schon einige Vorarbeit geleistet haben, schreitet der Meister selber zur Tat. Zwar verfügt er nur über Kanonen, aber er ist nicht weniger kaltblütig und menschenverachtend und so wird einiges auch der Phantasie des Lesers überlassen und nicht gezeigt.
Das Finale. Jackie Estacado holt sich seine Rache und kann endlich die Mörder von Jenny Romano bestrafen – sowie jene, die ihm auch die ganze Zeit über ans Leder wollten. Knallhart, nichts für Zartbesaitete.
Stichwörter: paul jenkins, david wohl, mike choi
Sonntag, 09. März 2008
Der Kampf auf dem Schlachtfeld tobt. Welle um Welle rennt gegen die verzweifelten Soldaten an, die mit ihren simplen Schusswaffen keine Chance gegen die Monströsitäten haben. Riesige Mäuler, Reißzähne, knöcherne Panzer, Angriffe aus der Luft. Die Soldaten sind so gut wie wehrlos. Wahrscheinlich soll gerade das ihre Strafe sein, denn das Schlachtfeld befindet sich in der Hölle.
Ein einzelner Mann kann gegen diese Wesen erst recht nicht bestehen. Es sei denn, es handelt sich um einen Mann mit einer besonderen Gabe, die selbst in der Hölle ihre Macht nicht verliert. Jackie Estacado ist selbstbewusst genug, um nicht mit diesen Fähigkeiten anzugeben. Als eines der Wesen ihn herausfordert, ist er aber auch schlau genug, sich zur Wehr zu setzen.
Plötzlich wendet sich das Blatt. Die dämonischen Feinde sind zwar in der Überzahl, doch gegen die Kräfte der Darkness sind sie hoffnungslos unterlegen. Die Hilfe, die Jackie Estacado allein durch die Macht seines Geistes erschaffen kann, fegt die Gegner hinweg, sprichwörtlich.
Als der Kampf ruht, naht von fern ein Wagen. Der einzige Insasse sucht ihn. Jemand von ganz oben – oder von ganz unten, einzig ein Unterschied in der Perspektive – will mit Jackie sprechen. Die Begegnung, die kurz darauf auf Jackie einstürmt, wird er seinen Lebtag nicht vergessen.
Level 4 dieser Darkness-Saga nimmt eine völlig andere Wendung, als der Leser es von der normalen Serie her kennt.
Jackie Estacado, die Darkness bewegt sich in einer apokalyptischen Welt, einer Mischung aus Horror-Fantasy-Reich und den Grabenkämpfen des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Diese Mixtur aus der Feder von Paul Jenkins und David Wohl könnte ebenso der Phantasie eines Stephen King entsprungen sein. Der Situationsaufbau ist ähnlich.
Eine normale oder wenigstens bekannte Situation wird durch die Beimischung eines völlig anderen Elements zu etwas Ungewöhnlichem.
Hier wird es noch ungewöhnlicher für Darkness, wenn Estacado die Macht über die Darklings verliert und sich seine eigenen Vasallen gegen ihn wenden.
Mit Zeichner Patrick Blaine erhält diese kleine Reihe auch eine neue optische Interpretation. Blaines Darkness wirkt kräftiger, bulliger, fast ein wenig ungeschlacht, roher. In der Folge, wenn Estacado seine Kräfte gegen den Feind einsetzt, verstärkt sich dieser Eindruck noch.
Andere Zeichner haben diesem brutalen Charakter gerne auch etwas weiches, fast schon feminines mitgegeben und beinahe einen mordenden Brad Pitt daraus gemacht. Das ist nicht unpassend, wird die Wirkung eines Mörders in einer schönen Larve auf dem Leser doch so viel größer. Dieser Estacado wirkt eher wie ein Action-Held, kantiger, wie ein Tarzan im Staubmantel.
Die Monstren, wie auch Estacado selbst, sind mit extrem feinen wie auch voll fetten Schwarzflächen getuscht. Man meint mitunter auch Unterschiede in der Strichführung auszumachen, was nicht von der Hand zu weisen ist, da gleich vier Künstler daran beteiligt waren. Jay Leisten, Joe Weems, Sal Regla und Sean Parsons haben ihre Handschrift hinterlassen. Der Eindruck auf den ersten 10-11 Seiten ist eindeutig besser als im aufkommenden Finale.
Gleichbleibend gut ist die Farbgebung von Blond, erdig, metallisch, giftig. In dieser Welt erstickt eine Farbe stets die anderen, drückt ihr den Stempel auf, sei es auf den Schlachtfeldern, den Kerkern oder in dieser furchtbaren Festung, deren Gestaltung an die Auswüchse der Gedanken eines Bernie Wirghtson oder H.R. Giger erinnert.
Wer die Darkness-Welt einmal in anderem Gewand erleben möchte, ein wenig ultimativ, um es so auszudrücken, vielleicht auch ein wenig wie ein Computerspiel, der liegt mit dieser Reihe genau richtig.
Stichwörter: paul jenkins, david wohl, patrick blaine
Freitag, 30. November 2007
Jenny ist tot. Jackie, der so oft schon mit dem Tod zu tun hatte, kann es immer noch kaum fassen, dass der einzige Mensch, der ihm etwas bedeutete, nun tot ist. Butcher bestätigt ihm, was Jackie schon lange weiß: Im Krieg zwischen Gangstern sind Zivilisten tabu.
Dieses merkwürdige Ethos hat leider den Tod von Jenny nicht verhindern können, denn Onkel Paulie war kein Gangster der alten Schule. Der Gangsterboss wiegt sich in Sicherheit, weil er glaubt, dass Jackie Selbstmord begangen hat – in gewissem Sinne mag das sogar stimmen, sieht man einmal davon ab, dass Jackie aus dem Totenreich zurückgekehrt ist. Wer eine Einheit mit der Darkness bildet, stirbt nicht so leicht einen normalen Tod.
Als sich Paulie in einem Bordell zu entspannen versucht, schlägt Jackie zu. Aus der Dunkelheit heraus, seinem Lebenselixier, verschafft er sich Zugang und räumt unter den Lakaien seines Onkels auf. Doch Paulie hat schon wieder Glück. Zum Ausgleich nimmt Jackie die Drogenküche in den Hinterräumen hoch und fügt dem Gangsterboss so eine üble Schlappe zu.
Wenig später wird Jackie eine neue Falle gestellt, in die er ohne zu zögern hineintappt. Er wähnt sich unbesiegbar, dank der Darkness, aber der Feind hat dazu gelernt.
Der Krieg zwischen Mafiosi und der Macht der Darkness geht weiter. Der Rachefeldzug von Jackie Estacado geht in die dritte neue Runde. Die Neuerzählung um den Killer mit den höllischen Fähigkeiten, einem Teil einer Dreifaltigkeit aus Licht und Schatten, macht es Jackie Estacado nicht einfach. Zwar hat der Killer seine Fähigkeiten erkannt, aber er benutzt sie auch leichtfertig und verlässt sich inzwischen sehr auf sie. Nachdem er festgestellt hat, dass auch der Tod ihm nichts anhaben kann, ist aus ihm ein regelrechtes Einmann-Kamikaze-Kommando geworden.
Zeichner Eric Basaldua zelebriert diese Einsätze geradezu. All die winzigen Krallen, die dünnen Stacheln und Dornen, die wie lebendig gewordener Stacheldraht wirken, sind nur ein Teil des Panzers der Darkness und ihrer Bewaffnung. Die Darklings, ähnlich bestückt wie ihr Herr und Meister, haben ebenfalls ihre 15 Minuten - den haben sie eigentlich immer auf die eine oder andere Weise. Hier stellt sich einer der Darklings in den Vordergrund, weil er auf eine der Tänzerinnen scharf ist. Was sich dahinter genau verbirgt, wird dank Jackies Einschreiten niemals enthüllt werden – zum Glück für die Tänzerin. Die Brutalität hingegen, mit der die Darklings gegen die Gangster vorgehen, lässt keinerlei optischen Zweifel. Dies, wie auch die Vorgehensweise der Gangster ist nichts für zarte Gemüter. Wer im Kino schon entsprechende Filme meidet, sollte auch hier die Finger davon lassen.
Ansonsten kann man immer noch voll des Lobes über den zeichnerischen Aufwand dieser Mini-Serie sein. Zwischen der Cover-Gestaltung und den Innenseiten gibt es keinerlei Unterschied. Das Team mit den Inkern Rick Basaldua und Sal Regla sowie dem Koloristen Rob Schwager macht aus dieser Ausgabe einen mörderisch guten Hit – im wahrsten Sinne des Wortes.
Wie es sich gehört, haben die Autoren Paul Jenkins und David Wohl Gangster geschaffen, die in jeder Situation cool bleiben. (Sieht man einmal von Onkel Paulie ab.) Eine Bluttat wird mit einem Lächeln abgetan, eigene Schmerzen werden mit einem lockeren Spruch gemildert. Das sind ganze Männer, die sich keine Schwächen erlauben. Die Coolness mildert die Brutalität ab, die dadurch den schwarzen Humor eines Tarantino-Films bekommt und so erträglich wird. – Sicherlich nicht für jedermann, wie bereits erwähnt. Wer mit Tarantino nichts anfangen kann, ist auch hier falsch.
Fans von Gangster/Slasher-Geschichten mit einer ordentlichen Portion Horror hingegen liegen mit der Darkness-Level-Serie genau richtig.
Stichwörter: paul jenkins.david wohl, eric basaldua, sal regla
Montag, 05. November 2007
Captain America ist ein Gefangener. Der Mann, der bereits im Zweiten Weltkrieg die amerikanischen Truppen in höchstgefährlichen Situationen angeführt hatte, war auch der Initiator gegen die neue Gesetzesrichtlinie. Auf der anderen Seite stand Iron Man und sein Alter Ego Tony Stark, erster Befürworter des Gesetzes. Aus den Freunden wurden unerbittliche Feinde.
Die beiden Journalisten Ben Urich und Sally Floyd erhalten die Gelegenheit, die beiden Kontrahenten Captain America und Iron Man zu befragen. Urich ist besonnener als seine Kollegin, ruhiger, auch beruhigend. Im Gespräch mit einem desillusionierten Captain America kann er Sally trotzdem nicht zurückhalten. Sally redet sich ihren gesamten Frust von der Seele.
Nachfolgend treffen sie auf Tony Stark, der mit seiner zweiten Identität Iron Man einen neuen technischen Höchststand erreicht hat. Außerdem ist er zum Direktor von Shield, der internationalen Eingreiftruppe der UN aufgestiegen. Obwohl er der Gewinner des Konflikts ist, hat er persönlich nur verloren. Zusätzlich sind die beiden Reporter Machenschaften auf die Spur gekommen, die das Ansehen dieses mächtigen Mannes gehörig ankratzen. Ihnen ist sogleich klar, dass sie diese Informationen niemals werden veröffentlichen können.
Ein gefangener Captain America kann immer noch zu einer Gefahr werden. Dieser Auffassung sind die verschiedensten Fraktionen, nicht nur die offiziellen Stellen. Als Cap die Stufen zum Gerichtsgebäude erklimmt, mehr oder minder sorgsam bewacht, fallen Schüsse. Das Symbol einer ganzen Ära bricht getroffen zusammen.
Der Bürgerkrieg zwischen den Helden findet sein Ende mit Civil War – Der Tod eines Traums und einem sehr lauten Knall. Wenn Helden ihr Ende finden, wird es ja häufig belächelt. Na, die werden schon wiederkommen. Irgendwie. Captain Americas Ende soll aber wohl nicht nur ein Meilenstein im Comic sein, sondern auch ein Zeichen sein, eine Aussage. Wer die Helden und Schurken in der schaurigen Episode am Ground Zero stehen sieht, entdeckt nicht nur Parallelen, sondern auch ein durchgehendes Konzept.
Cap trat nicht nur gegen Kriegsverbrecher, Schurken und außerirdische Invasoren an. Zuletzt kam er auch gegen Terroristen zum Einsatz, besonders unter dem Eindruck der Katastrophe vom 9.11.2001. Civil War ist nicht nur ein sehr großes verlagsinternes Crossover geworden. Es ist zugleich auch umwälzender als das vergleichbare jüngste Großereignis bei DC.
Iron Man selbst vergleicht seinen Sieg mit dem Desaster, dass auch für König Pyrrhus ein Sieg war. Ein Sieg, der so teuer mit Menschenleben erkauft wurde, dass von einem Sieg kaum die Rede sein konnte. Angespornt durch legendäre Anführer wie König Artus sah sich auch Tony Stark als Architekt einer neuen sicheren Weltordnung, ein Visionär für das Gute. Für Captain America bedeutete diese neue Weltordnung nur den Erstickungstod der Freiheit.
Beide Ansichten prallen aufeinander, nicht bereit auch nur einen Millimeter zurückzuweichen, so dass am Ende alles auf der Strecke bleibt, auch solches, was beiden Seiten lieb und teuer ist.
Marvel gestaltet hier den Niedergang des Helden-Mythos, des einfach gestrickten Supersoldaten, des edlen Rächers. Obwohl sich viele mit dem Unvermeidlichen abfinden und sich registrieren lassen, gärt es unter der Oberfläche weiter. Neue Konflikte scheinen nur aufgeschoben zu sein.
Insgesamt lässt sich sagen, dass dieser Band, von Autoren wie Paul Jenkins, Brian Michael Bendis oder Warren Ellis geschrieben, ein ziemlich dichtes trauriges Bild liefert. Zwar zeichnet sich auch ein Neubeginn ab, so die Gründung von Omega Flight, dem neuen kanadischen Superteam, aber der Niedergang ist offensichtlich. – Wenn die Thunderbolts zu einer tatsächlichen Ansammlung von Verbrechern und Psychopathen verkommen, ist dies ein deutliches Zeichen. Illustre Namen wie Bullseye, Venom oder der Grüne Kobold unter einem Dach? Das kann nicht gut gehen.
So aufwühlend und auch niederschmetternd diese Handlung für die Fans auch sein dürfte, so toll ist die optische Gestaltung, in der zweifelsohne wieder einmal die von Marc Silvestri dominiert und die anderen, die ebenfalls gut sind, doch in den Schatten stellt. Entsprechend dramatisch fallen die Szenen um Omega Flight (gigantische Neuvorstellung) und die neuen Thunderbolts aus.
Ein sehr düsterer Abschluss, wie ein weiterer Auftakt zur Revolution geschrieben, der Tod eines Mythos. Der Abschied von Iron Man und Captain America voneinander, äußerst ruhig erzählt, sehr intensiv in Szene gesetzt, dürfte einer der Wendepunkte in der Historie des Marvel-Universums sein. Praller, sehr ernsthafter Lesespaß.
Stichwörter: paul jenkins, ed brubaker, brian michael bendis, warren Ellis
Montag, 22. Oktober 2007
Jackie Estacado ist am Boden zerstört. Jenny ist tot. Die einzige Frau in seinem Leben, die ihm jemals etwas bedeutet hat, wurde geradezu hingerichtet. Sein Onkel schickte ihm ein Video. Nichts ahnend legte er das Band ein und sah den Tod des Menschen, den er aufrichtig liebte.
Dabei war es nicht Jenny, die etwas falsch gemacht hatte. Jackie hatte den Fehler begangen, jemanden in sein Leben zu lassen, der am Ende für seine Vergehen büsste. Ein Druckmittel, ein Rachemittel. Sein Onkel nutzte die Gelegenheit, um seinem Neffen für die Schmach bezahlen zu lassen. Atemlos beobachtet Jackie, wie Jenny von der tödlichen Kugel getroffen wird.
Aber Jackies Onkel hat einen großen Fehler gemacht. Nein, sogar zwei große Fehler. Erstens tötete er das Wertvollste, was Jackie in seinem Leben begegnet war. Zweitens glaubte Jackies Onkel, er habe es mit seinem Neffen mit einem ganz normalen Killer zu tun.
Jackies Rache fällt furchtbar und ohne Mitleid aus. – Denn Jackie ist kein einfacher Mafioso, sondern der Träger der Darkness, jedenfalls solange er sich der Liebe und dem Sex entzieht. Ein Verhältnis mit einer echten Frau bedeutet das sofortige Ende. In diesem Fall würde die Darkness auf den nächsten Träger übergehen. Die Frau, zu der er ein familiäres Verhältnis pflegte, die er wie eine Schwester liebte, war seine letzte Verbindung zu einem normalen Leben. Jetzt gibt es nur noch die Darklings, Gnome und Monster, geboren aus der Dunkelheit und Jackie hündisch ergeben, bereit, jeden seiner Befehle auszuführen.
Jackie glaubt zunächst, dass mit dem Tod seines Onkels die Angelegenheit ausgestanden sei. Auch er unterliegt einem Irrtum, denn die Nachfolger stehen schon in den Startlöchern. Der kleine Gangster, der sich am Ziel seiner Träume glaubt und der neue Pate wird, will auch Jackie in seine Schranken weisen. Estacado muss an seine Grenzen gehen. Plötzlich begegnen ihm Menschen, die auch ohne Darkness monströs sind und gnadenlos agieren.
Paul Jenkins hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen unter den Comic-Autoren gemacht. Die Darkness lebt unter seiner Federführung von einer gut durchdachten Geschichte ebenso wie von dunklem Humor, der natürlich über die Darklings zum Ausdruck kommt.
Eine Figur wie die Darkness ist nicht leicht zu treffen, weder emotional noch körperlich. Am Tage, bei Licht ist sie verletzlich. In der Nacht, in der Dunkelheit ist sie (scheinbar) unbesiegbar. Jenkins verletzt Estacado über einen Umweg, die einzige Lösung die plausibel erscheint. Jenkins lässt die Darkness Selbstmord begehen und überrascht mit dieser Vorgehensweise den Leser völlig.
Estacados Abgang ist grafisch beeindruckend, durch den Auftritt der Darklings mit dem nötigen bösen Witz versehen. Jackie wirft nur ein brennendes Feuerzeug in die Benzinlache, die sich über den gesamten Hallenboden ausbreitet. Die Darklings werfen sogleich noch mehr Feuerzeuge wie Konfetti hinterdrein.
Die Darkness stirbt!
Mit dem Tod, und natürlich der Wiederkehr, gehen neue Fähigkeiten einher, eigentlich Visionen, die sogar den mit allen Wassern gewaschenen Killer erschrecken. Seine Rekonstruktion, seine Bilder wie auch die Endergebnisse seiner Racheakte sind optische Horrorszenarien, die dem Leser keine Phantasie mehr abverlangen. Immerhin, Jackie ist eine jener Charaktere, die mitunter durch ihre eigenen Taten doch noch erschreckt werden kann.
Interessant wird es, wenn dem Killer ein Trio gegenüber gestellt wird, dass sich selbst als den ultimativen Alptraum begreift und Ideen umsetzt, die der Phantasie von Jackies Darklings in nichts nachstehen. Noch interessanter wird es, wenn dieses Trio begreift, dass es gegen die Macht der Darkness keine Chance besitzt.
Hier findet sich auch eine kleine Schwäche dieser Geschichte, die ansonsten sehr stimmig und auch kurzweilig umgesetzt ist: Jackie ist über kurz oder lang zu mächtig, um sich überhaupt von jemandem aufhalten zu lassen. Was ihm letztlich immer wieder einmal im Weg steht, sind seine restlichen Skrupel – am Ende verdankt er es seinen Feinden, dass davon immer weniger übrig bleiben. So zwingt der Nachfolger von Jackies Nachfolger die Darkness geradezu zum Amoklauf.
Grafisch ist dieser Sammelband, ob man Horror mag oder nicht, ein ziemlicher Höhepunkt. Beide Zeichner, Dale Keown und Keu Cha, liefern eine tolle Arbeit ab. Außerdem nähern sie sich optisch so sehr einander an, dass es nur geringe Unterschiede gibt und der Gesamteindruck beibehalten bleibt. Die Arbeit eines einzigen Inkers, Jason Gorder, tut ihr Übriges, um die Handlung wie aus einem Guss erscheinen zu lassen. John Starr und Matt Milla haben das sehr gelungene Farbenspiel übernommen. Besonders Milla, der ein Faible für milchig ineinander übergehende Farben hat, zeigt hier wieder einmal, wie stark und eindrucksvoll er eine Kolorierung umzusetzen weiß.
Mafiosi unter sich: Gangster können noch viel grausamer sein, wenn eine Kreatur des Grauens unter ihnen wandelt. Diese Horror-Vision von Paul Jenkins hat es dank einer sehr gelungenen Umsetzung in sich und setzt sich positiv von anderen Produktionen ab. Sofern man bei einer Horror-Produktion von einer liebevollen Arbeit sprechen kann, trifft dies hier voll zu.
Stichwörter: paul jenkins, matt milla, dale keown, keu cha, darkness
Freitag, 14. September 2007
Der Krieg tobt mit ungebrochener Härte. Die Soldaten sind erschöpft und am Ende ihrer Kräfte. Stetig kommt von der Befehlsstelle die Anweisung zum Vorrücken. Inmitten dieses Wütens erinnert sich ein Soldat an die Heimat, an die Liebe, die er zurücklassen musste.
Charles hat seinen Brief an die Heimat gerade beendet, als bereits der nächste Befehl eintrifft. Die Kompanie soll sofort aufbrechen. Das Ziel lautet Reims, doch das ist 30 Kilometer entfernt. Die Aufgabe scheint kaum lösbar angesichts ihres Zustandes.
Charles hat seinen Brief an die Heimat gerade beendet, als bereits der nächste Befehl eintrifft. Die Kompanie soll sofort aufbrechen. Das Ziel lautet Reims, doch das ist 30 Kilometer entfernt. Die Aufgabe scheint kaum lösbar angesichts ihres Zustandes.
Nanu?!
Charles erlebt ein Dé-Jà-Vu. Der Befehl, das Verlassen des Schützengrabens, das Vorrücken der Truppe, all das kommt ihm plötzlich allzu bekannt vor. Genau in diesem Augenblick schlägt das Schicksal zu. An den Angriff, der folgt, kann er sich bereits erinnern. Die Explosion vernichtet seine Kameraden auf einen Schlag. Und plötzlich hat er wieder diese Begegnung, die ihn schon zuvor im Mark erschütterte.
Doch das Blatt wendet sich. Aus den Rauchschwaden tritt ein mannshoher Schatten hervor, der das Monster, das Charles’ Leben beenden will, erschießt. Der langhaarige Mann ist alles andere als militärisch gekleidet und gehört auch keiner der kämpfenden Einheiten an. Außerdem ist seine Waffe ziemlichungewöhnlich – abgesehen davon scheint er die Waffen, die er benötigt, irgendwie erschaffen zu können.
Was geht hier vor?
Die Odyssee von Jackie Estacado findet in The Darkness – Level 2 ihre Fortsetzung. Ist das die Hölle, in die die Autoren Paul Jenkins und David Wohl ihn hier geschickt haben? Der Eindruck mag sich dem Leser aufdrängen. Umso spannender ist die Tatsache, dass Jackie diese Frage nicht klären kann.
Fest steht, dass es sich um keinen der Weltkriege handelt, nicht einmal um einen zukünftigen Krieg, denn der Feind ist monströs und verfügt über schweres Kriegsgerät, welches so noch nicht in Erscheinung getreten ist.
In Charles findet Jackie einen Weggefährten. Charles weiß sowieso nicht, wohin er soll, nachdem seine Kameraden aufgerieben worden sind. Also kann er auch an der Seite des merkwürdigen Fremden bleiben.
Jenkins und Wohl beschreiben eine Welt, die als Hölle angesehen werden könnte. Eine ständige Wiederholung von Sterben und Tod? So könnte die Hölle aussehen. Und wie es scheint, hält die Hölle für jeden einzelnen Gast die ganz persönliche Hölle parat. Für Charles ist es der Krieg.
Aber was ist es für Jackie Estacado?
Jenkins und Wohl haben für die Darkness, die dem Italo-Killer innewohnt, ein Erziehungsprogramm geschaffen. Als alle Waffen versagen, erschafft Jackie seine ganz eigene Kompanie von Darklings, die sich auf den Feind stürzen.
Dank der versierten Technik von Zeichner Tyler Kirkham ist der Comic dieser bekannten Horror-Comic-Figur auf einem gewohnt hohen Niveau. Das liegt nicht zuletzt auch an der guten Tuscheführung von Sal Regla und dem kolorierenden Studio F.
Braune Erdtöne, olivgrüne Uniformen, grellgelbe Explosionen, stahlblaue Darklings und schmutzigbeige Feindmonster bestimmen das Farbspiel der vorliegenden zweiten Episode der Level-Reihe der Darkness, die das Thema auf andere Weise anpackt und einen Estacado in unbekanntem Umfeld zeigt.
Die Ideen sprechen für sich. Das ist die Darkness einmal anders, gruselig, überraschend, ein Horrorspaß, mit Rätseln und Geheimnissen, zu kurz zwar, aber dennoch mit guten unvorhersehbaren Wendungen versehen. Gut.
Stichwörter: paul jenkins, david wohl, tyler kirkham, sal regla, darkness
Samstag, 21. Juli 2007
Jenny ist wieder daheim. Es ist wie ein Ausflug in die Vergangenheit. Sie erinnert sich an gute alte Zeiten, an eine schöne Kindheit. Das Bild von ihr und Jackie auf der Kommode kündet von einer sehr engen und vertrauensvollen Verbindung.
Jackie hat Geburtstag. Eigentlich sollte er sich freuen. Jenny hat inzwischen bestimmt wieder alles für einen Pate-Marathon vorbereitet und die DVDs bereitgestellt. Aber Jackie noch ganz andere Probleme. Sein alter Kumpel Gianni hat eine Schrotflinte auf ihn gerichtet. Zwar entschuldigt sich Gianni für die Umstände, doch irgendwie kann Jackie dieser Entschuldigung keinen Trost abgewinnen. Da er kein unbedarfter junger Mann ist, kehrt sich die Situation bald um. Nach einer kurzen Befragung kann Jackie von Gianni erfahren, wer ihm den Tod wünscht. Die Antwort begeistert ihn noch weniger.
Während Jackie weiter gejagt wird, wartet Jenny auf ihn alleine in ihrem Apartment. Sie weiß nicht, dass pünktlich zum 21. Geburtstag etwas äußerst Ungewöhnliches mit Jackie vorgeht. In seinem Versteck meldet sich eine Stimme in seinem Kopf. Ohne es beherrschen zu können, bricht eine schwarze Horde aus seinem Rücken hervor. Seine Augen leuchten rot auf. In dieser Nacht hat er nichts mehr zu befürchten, denn fortan sind die Darklings an seiner Seite und beschützen die Darkness.
Nach einer kurzen Stippvisite bei Jenny beschließt Jackie mit seinem neuen Freunden bei seinen alten Freunden aufzuräumen.
The Darkness: Level 1 ist eine Neuerzählung des modernen Darkness-Mythos, einer Horror-Figur, die sich neben der Witchblade einer größeren Beliebtheit erfreut. Paul Jenkins und David Wohl haben den Anfang dieser Figur neu erzählt, veränderten sie sogar und können so den Leser sicherlich überraschen.
Die Optik, sicher in Szene gesetzt von Stjepan Sejic, könnte als The Darkness trifft Final Fantasy umschrieben werden. Wer die Gesichter der Final Fantasy-Verfilmungen vor Augen hat, kann sich die Gesichter und die gesamte Ausstrahlung der Bilder in diesem Comic sehr gut vorstellen. Es wirkt etwas kühl, aber auch sehr echt und die rückt die Darkness in ein ganz anderes Licht. Sejic hat einen Trickfilm zu Papier gebracht. Die Kunstfertigkeit, die er dabei zeigt, ist beeindruckend. Die Portraits des Jungen Jackie und das des Erwachsenen sind ungeheuer gelungen und vermitteln, was nicht eben häufig ist, auch leise Emotionen sehr gut.
Die Darklings, jene Getreuen der Darkness, die aus ihrer Macht und Phantasie entstehen, erinnern zum Teil an die guten alten Gremlins, aber auch an jene Bildern von gruselig anzuschauenden Tiefseefischen und –schlangen. Das Design dieser Horrorgestalten ist recht ausgefeilt und könnte auf dieser Basis sicher auch gleich für einen Film oder ein Spiel umgesetzt werden. – Wer sich die Bilder des Darkness-Spiels ansieht wird Parallelen im Design feststellen. Eine Grundlage gleichzeitig für einen Film? Oder ein Popularitätstest dafür? Die Witchblade hat es immerhin zu einer Fernsehserie geschafft. Nach dem Erfolg einer Figur wie Blade wäre Jackie Estacado vielleicht ein nächster Anwärter für die Leinwand.
Zuerst hat alles den Anschein eines üblichen Thrillers. Aus den beiden Kindern, die ihre Jugend gemeinsam in einem Waisenhaus verbrachten, sind Erwachsene geworden. Die Beziehung von Jackie und Jenny ist bereits aus der Originalserie bekannt, wird hier jedoch liebevoller dargestellt. Es ist mehr Familie im Spiel, die im krassen Gegensatz zur ehrenwerten Familie steht, für die Jackie arbeitet – uns es zeigt sich, dass die glorifizierte Familie, die Jackie in der Pate-Trilogie so toll findet, in der Realität nicht zu finden ist.
Ein Rädchen greift hier exakt ins andere. Der Werdegang von Jackie Estacado gewinnt besonders durch die Optik eine neue Dimension. Eine herausragende Neuerzählung der bekannten Geschichte.
Stichwörter: paul jenkins, david wohl, stjepan sejic, the darkness
Sonntag, 24. Juni 2007
Der Kampf tobt. Das Unglaubliche ist geschehen. Freund kämpft gegen Freund. Iron Man geht ohne Gnade gegen Captain America vor und bestätigt diesen mit jedem Schlag und jedem Fetzen Kostüm, der zu Boden fällt.
Plötzlich halten die Frauen und Männer um Captain America inne. Ein neuer Gegner hat das Schlachtfeld betreten. Niemand hatte mehr mit diesem mächtigen Helden gerechnet. Thor ist zurück! Aber irgendetwas ist anders an dem Donnergott. Sein Blick ist finster, vom Wahnsinn umnebelt. Im nächsten Augenblick greift er an.
Mit brutaler Gewalt und gnadenlos setzt Thor seinen Hammer und elektrische Energien gegen den Feind ein. Frauen und Männer wirbeln herum wie Blattwerk. Der Boden bricht auf. Regen prasselt stürmisch hernieder. Thors Wiederkehr scheint zugleich die Tore der Hölle aufgestoßen zu haben. Falcon gelingt es, Captain America aus der Gefahrenzone zu bringen. Zugleich mit der Gewalt des Gottes fallen auch die letzten Hemmungen. Als sich Goliath dem Donnergott in den Weg stellt, geschieht das Unfassbare. Der Gott überschreitet die Grenze, die er stets einzuhalten versuchte. Und ein Held fällt.
Susan Storm ermöglicht denen, die sich auf Caps Seite stellten, die Flucht. Inmitten des abflauenden Regens weint der Beobachter.
Inzwischen nehmen auch Speedballs Probleme kein Ende. Gerade scheint er dem Knast entronnen, da kommt es auch schon schlimmer, als er es sich in seinen schlimmsten Träumen ausmalen konnte. Für Superverbrecher und Abweichler wurde ein neues Gefängnis geschaffen. Aus Fantasy Island in der Negativzone kann es kein Entkommen geben.
In Schläfer macht Wonder Man eine Entdeckung, die ihn sehr schockiert. Die Umwälzungen in der menschlichen Gesellschaft hat eine weitere Gruppe dazu animiert, wieder aus dem Abseits zu treten.
Drei verschiedene Episoden warten in dieser Ausgabe mit Schockeffekten auf. Diese fallen durchaus unterschiedlich stark aus, doch aus jeder erwächst eine folgenschwere Konsequenz. Dem größten Schock begegnet der Leser in der neuesten Folge der Handlung zum Civil War. Der Auftritt von Thor ist von Mark Millar derart gruselig inszeniert, dass man als Fan nur mit ungläubigem Blick weiterblättern kann. Das starre Auftreten des Gottes und seine Sprüche, die jedes Mitleid fehlen lassen, wecken ein wenig die Erinnerung an Zombies, die im Marvel-Universum binnen kurzer Zeit einen hohen Beliebtheitsgrad bei den Lesern sammeln konnten. Ein Gott, der Amok läuft, lässt den Leser erahnen, welche Kraft in Thor verborgen liegt und wie sehr er sich in der Vergangenheit gezügelt haben muss. Millar belässt es aber nicht mit diesem Schock. Gegen Ende trumpft er noch einmal auf und schafft einen unheimlichen Cliffhanger, der enorme Neugier auf den nächsten Teil erschafft.
Steve McNiven gehört zu den Zeichnern, die auf einem sehr hohen Niveau arbeiten. Ähnliche Leistungen bringen Leute wie Jim Lee oder David Finch. Obwohl die Bilder sehr viele Details zeigen, sind die Seiten doch so gestaltet, dass sie mit ruhigen Blicken zu lesen sind. Andere Zeichner, die so viele Informationen in ihren Bildern unterbringen müssen, gestalten mitunter derart hektische Bilder, so dass ein Lesen keinen rechten Spaß mehr macht. Es mag an der Farbgebung von Morry Hollowell, die dank einer imaginären Lichtquelle den Blick immer auf das Wesentliche lenkt und so das jeweilige Zentrum des Bildes festlegt.
In den bisherigen Folgen von Angeklagt hatte es Speedball schon nicht leicht. Jetzt gibt Paul Jenkins der Geschichte eine neue Wendung, die den Civil War in immer finstere Bahnen lenkt. In Schläfer, ebenfalls von Paul Jenkins, wird diese strenge Linie fortgesetzt. Der Civil War bringt die dem Leser bekannte Marvel-Welt vollends an den Rand des Abgrunds.
Keine Verschnaufpause für die Helden. Die heimliche Überschrift dieser Ausgabe lautet: Extratragisch!
Stichwörter: mark millar, steve mcniven, paul jenkins
Samstag, 23. Juni 2007
Kameras und Mikrofone sind auf Peter Parker gerichtet. Seine Maske hält er in den Händen. Ansonsten trägt er noch sein altes Kostüm. Nun weiß jeder seine wahre Identität.
Tony Stark spricht Peter Mut zu. Peters Gesichtsausdruck spricht Bände. Er ist überhaupt nicht begeistert über die Situation. Immer noch existiert da ein leiser Zweifel. Hat er richtig gehandelt? Ist er auf der richtigen Seite? Oder hat er gerade die Menschen, die ihm die Liebsten auf der Welt sind, ans Messer geliefert? Auch in Wakanda versucht Reed Richards Überzeugungsarbeit zu leisten. T’challa, der Black Panther, ehemaliges Mitglied der Rächer und Regierungsoberhaupt von Wakanda, kann sich der Argumentation von Richards nicht anschließen.
Auch Doctor Strange sind die Pläne von Tony Stark nicht geheuer. Er hat sich zum Fasten in die Arktis zurückgezogen. Selbst unter den bekanntesten Helden gibt es zahlreiche Vorbehalte gegen die Registrierung der Superhelden. Auch Emma Frost kann sich noch gut an das Fehlen von Helden erinnern, als die Übergriffe gegen Mutanten Überhand nahmen und Genosha vernichtet wurde. Wo waren die Helden in jenen Tagen? Die Kluft zwischen den Anhängern von Tony Stark alias Iron Man und Captain America wird immer tiefer. Eine handgreiflich ausgetragene Konfrontation wünscht sich keine Seite, aber die Wahrscheinlichkeit dafür wird ständig größer.
Für einen Helden ist die Arbeit Undercover nicht leicht. Für die Helden um Captain America, die sich neue Privatidentitäten zugelegt haben, wird die Heldenarbeit noch schwieriger. Schließlich treffen beide Gruppen aufeinander.
Die Schwierigkeiten und der aufziehende Sturm könnten im Civil War kaum schlimmer sein. An allen Ecken und Enden werden Intrigen gesponnen und Vorbereitungen getroffen. Das Marvel-Universum ist paranoid geworden. - Magneto dürfte seine helle Freude daran haben. Ebenso wie der Leser, denn nichts ist mehr sicher, nichts ist mehr vorhersagbar. Die Helden wurden von der Leine gelassen und verhalten sich nun ziemlich eigenmächtig.
Die Helden, die eben noch vorhersehbar waren, gehen nun gegeneinander vor, schmieden Pläne für alle Eventualitäten oder tauchen in den Untergrund ab. Eine sehr schöne Szene findet sich bei einer Zusammenkunft, die Captain America ins Leben gerufen hat. Hercules, Daredevil und Goliath sitzen in einem ganz normalen Diner und haben sich nett verkleidet. Abgesehen von Captain America kommen sich die anderen wie eine Neuauflage der Village People vor.
Was für ein Name ist Rockwell Dodsworth? wundert sich Goliath. Der Einfallsreichtum des untergetauchten Nick Fury ist recht groß gewesen. Aus dem überdimensionalen Helden Goliath wurde ein Gemeindeaußendienstmitarbeiter. – Eigentlich eine nette Umschreibung für die Arbeit eines Helden.
Die umfangreichste Episode dieser Ausgabe endet mit einem Knaller, der nur noch das Sahnehäubchen ist. Optisch kann man nur Spaß an dieser Ausgabe haben. Die Kampfszenen sind überraschend und waren so noch nicht zu sehen. Yellow Jacket gegen Goliath oder Hercules gegen Shehulk und andere Paarungen - an Dramatik und Realismus wird hier einiges geboten.
Dieser Realismus findet einen noch stärkeren Ausdruck in der Episode um Speedball. Der junge Held war an einer der größten Katastrophen in der Geschichte des Marvel-Universums beteiligt. Nun sitzt er im Gefängnis. Ähnlich wie bei einem Polizisten, ist es für einen ehemaligen Helden nicht leicht im Knast. Hier haben es alle auf ihn abgesehen, Wärter und Häftlinge.
Dieses Drama, das für einen Superhelden-Comic eher ungewöhnlich ist, wird abgelöst durch eine weitere Epsiode um Wonder Man, der seine eigenen Schwierigkeiten mit den neuen Gesetzen hat.
Ein vielschichtiger Erzählabschnitt im Marvel-Universum, der das Superhelden-Genre noch erwachsener werden lässt.
Stichwörter: paul jenkins, lee weeks