Samstag, 10. Mai 2008
Die Penanggalan riss sich versehentlich den Kopf von den Schultern. Zusammen mit ihren Innereien flog er in einen Baumwipfel und wurde dort zu einem Dämon. – Hellboy hält diese Sage für das Blödeste, das er jemals gehört hat.
Dennoch hat er 1958 seinen Weg nach Malaysia gefunden, um dieser Geschichte nachzugehen. So unglaubwürdig sie sich auch anhören mag, etwas geht um in diesen Dschungeln. Bald findet Hellboy einen kopflosen Körper. Aber wo ist der Kopf? Denn von diesem geht schließlich die Gefahr aus. Hellboy muss nicht lange warten.
Jede Kultur hat ihre Sitten und Gebräuche – und ihre ganz eigenen Dämonen und Geister. Diese Erfahrung macht Hellboy auf seine bekannt eigenwillige Weise, als er sich mit dem Vampir von Prag anlegt. Das recht stumme, aber dafür nicht weniger aggressiv agierende Wesen wehrt sich vehement, doch nicht vehement genug. Und Hellboy sieht wieder einmal etwas Neues. Und begegnet ihm auf seine gewohnt schnoddrige Art.
War die Begegnung mit dem Vampir eher Routine, ist das Eintauchen in die Mythologie Afrikas ein ganz anderes Kaliber: Makoma lässt Hellboy zu einem Teil dieser märchen- und sagenhaften Erzählung um das Werden und Vergehen und die Auferstehung eines Kontinents werden.
Hellboy - in Farbe und bunt!
Hellboy-Stammleser werden zuerst etwas verwundert sein, doch die Eingewöhnung kommt mit dem Lesen. Wer bereits mit B.U.A.P. ist, ist dort bereits farbig am Ball und weiß, dass die Farbigkeit der gruseligen Atmosphäre keinen Abbruch tut, sondern eher noch neue Möglichkeiten eröffnet. Der Leser findet den B.U.A.P.-erprobten Koloristen Dave Stewart in diesem Band wieder, an der Seite von Lovern Kindzierski, die ebenfalls für die Farben zuständig ist.
Neben Mike Mignola, der die Geschichten schrieb, haben noch zwei weitere Künstler zum Bleistift gegriffen: P. Craig Russell und Richard Corben.
Mignolas Zeichenstil, über die Jahre hinweg herausgebildet, kantig, abstrahierend, mittlerweile Vorbild für andere Zeichner, kontrastiert sehr schön mit den grafischen Arbeiten von Russell und Corben. Beide begreifen den humoristischen Unterton von Mignola sehr gut. Russell setzt den Vampir von Prag um, eine Geschichte, die zu einem großen Teil ohne Text auskommt und ihren Witz und Schwung einzig aus den Bildern bezieht. Hellboy ist mitunter nur so kurios, weil seine Gegner kurios sind (manchmal auch ein bißchen albern, so als hätte Mel Brooks Frankenstein inszeniert).
Während Mignola den Rahmen von Makoma zeichnet, übernimmt Corben die eigentliche Handlung – und was für eine Handlung das ist! Sie trifft den Kern dessen, was Mike Mignola über Hellboy in den Comic transportierte. Die Einbindung fremder Mythen – ganz gleich, ob wahr, erfunden oder eine Mischung aus beidem – abseits der üblichen Religionen und kulturellen Sagen macht Hellboy zu etwas Besonderem. In der Geschichte über diesen außergewöhnlichen Kontinent Afrika, der noch viel reicher an Legenden ist, wie mein Lexikon der afrikanischen Mythologie zur Auskunft gibt, kann Mignola so richtig ausholen. (Bei der Gelegenheit: Wer sich Abbildungen alter afrikanischer Statuetten ansieht, könnte den Eindruck gewinnen, diese seien von Mignola entworfen worden.)
Hellboy übernimmt in seinem Tagtraum die Rolle von Makoma. Auf seiner Wanderschaft begegnet er jenen Wesen, die für die Form von Afrika mitverantwortlich sind: Riesen. Makoma muss sie besiegen. Im Kampf werden sie mit zunehmender Niederlage kleiner – bis sie in den mitgeführten Sack passen. Aus den Riesen werden Zwerge, die mit piepsiger Stimme ihre Meinung kundtun oder Makoma verhöhnen. Makoma/Hellboy weist sie auf einfache Art immer in ihre Schranken: Schnauze!
Feuerdämonen, Sandteufel, Drachen bereichern das Feindeslager und zeichnen sich durch eine phantasievolle Darstellung aus. Alles ist bei Hellboy ein klein wenig anders. Wahrscheinlich ist dies das Geheimrezept.
Mignola behauptet zwar, dass nicht alles erklärt werden muss, was in seinen Geschichten so vor sich geht, aber diesmal gibt er auch zu sich bei der einen oder anderen Geschichte etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt zu haben. Aber er nimmt es sportlich, denn selbst Hellboy kann so manche Legende oder Erläuterung nicht zufrieden stellen. Wie Hellboy selber sagt: Autsch!
Das Sketchbook (Skizzenbuch) im Anhang – ich liebe es – bietet wieder einige sehr schöne Entwürfe von Mignolas Ideen. In dieser ursprünglichen Form, in der seine Kreaturen noch nicht so starr wirken, sollte sich einmal eine alternative Darstellung finden lassen, etwas räumlicher vielleicht, mit der Hilfe eines Dave Stewart, der schon den Bildern von Guy Davis viele tolle Eindrücke entlockte.
Hellboy ist zurück. Ein rundum schöner Band mit vielen Einfällen Mignolas, mitunter sehr spaßig, immer mit überbordenden Ideen und Einflüssen aus real existierenden Mythologien verbunden. Corben und Russell fügen sich grafisch hervorragend ein, insbesondere Corbens Interpretation ist wunderbar geworden.
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Stichwörter: mike mignola, richard corben, p. craig russell
Dienstag, 11. Dezember 2007
Eine Reiterin bahnt sich ihren Weg auf einem Einhorn durch die Belagerer. Kurz bevor sie das rettende Tor erreichen kann, wird das Tier unter ihr durch einen Pfeil niedergestreckt. Ohne Hoffnung bleibt die Reiterin am Boden liegen.
In der Welt von Fables ist alles möglich! Das ist das Besondere an der Serie. Vermutlich ist nicht jeder amerikanische Leser mit den ursprünglichen Märchen und Mythen vertraut und orientiert sich eher an den geschichtlichen Versionen von Disney, das ändert jedoch nichts an der Originalität dieses Handlungsstrangs.
Nachdem wir in den ersten Folgen erfahren durften, wie sich die Fables, die Exilanten aus dem Märchenreich, in der wirklichen Welt schlagen, lernen wir nun in einem Rückblick, einer Erinnerung, wie es zum Exodus aus dem vermeintlichen Paradies kam. Besonders an diesem Ereignis wird deutlich, wie arg die Begebenheiten und die Figuren gemischt werden. Die gegnerischen Unholde, Monster und andere Kreaturen rennen gegen Die letzte Festung an, das letzte Bollwerk zum Schutz des Übergangs in die andere Welt.
Autor Bill Willingham hat auf den Festungsmauern so ziemlich alles versammelt, was Rang und Namen in Märchen und Mythen hat. So mag es nicht verwundern auch Robin Hood und Bruder Tuck dort oben anzutreffen. Blaubart, Rotkäppchen und die Kuh, die über den Mond springt, alle treffen sich im weiten Festungsrund und in den großen Hallen.
Während die Kuh den Schlachter noch warnt, ihr nicht zu Leibe zu Rücken, ist Blue Boy an der Seite von Red Riding Hood und wacht über sie. Das Rotkäppchen konnte im letzten Moment vor den Verfolgern in die Festung fliehen – ein Umstand, der später noch von großem Interesse sein wird.
Der erste Teil der Handlung, der Fall der letzten Festung, so tragisch und traurig er in Szene gesetzt sein mag, ist nur das Intro zu einer viel größeren Geschichte, die gleich zwei Welten einschließt, die imaginäre wie auch die wirkliche.
Hier beweist Willingham, wie elegant er einen Bogen schlagen kann. Der Aufmarsch der Holzsoldaten ist ein geschickt aufgebautes Szenario, in dem mit den Erwartungen des Lesers und völlig unerwarteten Überraschungen gespielt wird. Die Holzsoldaten erscheinen hier wie die Men in Black, jedenfalls stellt Jack Horner diesen Vergleich an, als er eine Begegnung mit diesen seltsamen Burschen hat. Wer das Verhalten dieser Männer begutachtet, könnte aber ebenso einen Vergleich zu Agent Smith herstellen. – Und wie man es von Matrix her gewohnt ist, tritt hier eine Figur gleich mehrmals auf und ist ähnlich humorlos.
Und genau zu dem Zeitpunkt, als es für die Fables wieder einigermaßen gut zu laufen scheint (aber wirklich nur einigermaßen), taucht eine alte Bekannte wieder auf: Red Riding Hood. Die Freude ist groß. Sie ist seit langer Zeit die erste Fable, der die Flucht aus dem alten Reich gelungen ist. Seltsam genug, denn man glaubte die Tore fest verschlossen und in Feindeshand.
Willingham zeigt diese Begebenheit in Hauptsache durch die Augen und Nachforschungen von Bigby Wolf, der menschlichen Inkarnation des großen bösen Wolfs (von einigen Ausnahmen einmal abgesehen, denn Bigby kann sich nicht immer in seiner menschlichen Form halten. Als Sheriff ist er jedenfalls genau richtig. Bigby ist jene Art von Detektiv, die sich schon ein Dashiell Hammett oder Raymond Chandler ausdachten. Knurrig, ewig mißtrauisch, vom Leben (und von Ausschweifungen) gezeichnet, Kettenraucher, das ist die Sorte Detektiv, mit denen ein Leser mitfiebern kann. Denn Bigby verfügt über diesen (sehr tief) verborgenen Kern, den Funken Sympathie, der ihn sehr menschlich macht, menschlicher als jemanden wie Prince Charming, der nur auf seinen Vorteil bedacht ist. – Und außerdem erinnert Bigby irgendwie an Wolverine, den Superhelden, der eigentlich auch nichts anderes als ein geläuteter böser Wolf ist.
Zeichner P. Craig Russell begegnete der Leser unlängst in der fünften Ausgabe von Conan. Hier stellt er die Rahmenhandlung zu Blue Boys Erinnerungen. Dieser kleine Trick von verschiedenen Handlungsebenen, die durch unterschiedliche Zeichner erstellt werden, funktioniert immer wieder. Die optische Trennung der einzelnen Erzählbestandteile verschafft der Geschichte einen größeren Raum. Das Auge muss sich neu einstellen, neu die Fährte aufnehmen. Hier im speziellen Fall wird der Rückblick phantastischer, märchenhafter – haben sich doch die Fables in der wirklichen Welt sehr gut eingelebt.
Besonders deutlich wird dieser letzte Aspekt am Wahlkampf von Prince Charming, der gerne den Bürgermeister ablösen möchte.
Eine sehr mitreißende Geschichte über den Untergang der Welt der Fables und ein neu aufziehendes Fiasko, ausgelöst durch eine potentielle Spionin. Bill Willingham versteht sich auf die Erzählkunst, spielt mit bekannten Elementen, mischt sie nach Belieben und lässt bekannte Figuren auch gegen den Strich agieren. Gleich drei Zeichner erster Güte machen aus der vierten Episode ein märchenhaft gutes Leseerlebnis.
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Stichwörter: bill willingham, mark buckingham, p. craig russell, craig hamilton
Montag, 10. Dezember 2007
Die Juwelen von Gwahlur sind legendär. Natürlich wird der König der Diebe, Conan, von dieser Legende angelockt. Aber die Juwelen sind versteckt. Conan versucht einen neuen Weg. Als Oberbefehlshaber der Truppen will er das Vertrauen des Königs erschleichen.
Es dauert, bis Conan seine Gelegenheit in einem verschollenen Tempel erhält. Das Gebäude ist verwinkelt, in den Gängen finden sich Hinweise und Geheimnisse. Auch das Orakel, für das die Priester so oft die gefahrvolle Wanderung durch den Dschungel auf sich nehmen, sitzt wie seit Jahrhunderten auf seinem vorgeschriebenen Platz. Doch irgendetwas stimmt nicht! Der König der Diebe spürt instinktiv, dass man ihm eine Falle stellen will.
Nicht nur Intrigen machen Conan das Leben schwer. Jemand versucht das Orakel mit gefälschten Offenbarungen für seine Zwecke zu nutzen. Schnell sind die Priester aufgewiegelt und trachten Conan nach dem Leben. Nur – die Menschen sind nicht alleine im Tempel. Ein unbekannter Feind, vielleicht nicht menschlich, treibt ebenfalls in den Gängen und in der näheren Umgebung des Tempels sein Unwesen. Aber wer?
Schneller als Conan es erwartet hat, lernt er das Grauen in den Katakomben des uralten Gebäudes kennen. Dieses Grauen stellt selbst den kampferprobten Barbaren vor eine schwierige Aufgabe.
Conan hat sich kaum von diesem Abenteuer erholt, als ihn die Frauen schon in die nächsten Schwierigkeiten bringen.
Ein König hat zwei Töchter. Ausgerechnet jene Tochter, die als Thronfolgerin auserkoren ist, wird entführt. Nicht viele sind fähig, die Täter aufzuspüren und die verschollene junge Frau wieder zu finden. Conan nimmt die Aufgabe des verzweifelten Königs an. Allerdings muss er jemanden mitnehmen, der ihm auf die Finger schaut: Valensa, die Zwillingsschwester der Entführten.
Hochkarätige Namen stehen für eine Fortsetzung der Abenteuer von Conan – diesmal ohne den Starzeichner Cary Nord.
Dafür haben sich die Autoren P. Craig Russell und Jimmy Palmiotti sowie der Zeichner Mark Texeira zusammengefunden. Mit den beiden Geschichten, einer Schatzjagd und einer Verfolgung, sind zwei sehr unterschiedliche Handlungen in diesem band vereint. Die Juwelen von Gwahlur und Die Töchter von Midora bieten für den Conan-Leser gute Einstiege. Und doch ist die Hatz um die Juwelen ein wenig ungewöhnlich.
Aus der Feder von P. Craig Russell, geschrieben und gezeichnet, begegnet dem Leser ein erfahrener und doch sehr jung aussehender Conan. Er wirkt geschmeidig, sportlich, aber nicht so kantig, breit, wie man es von anderen Veröffentlichungen her gewohnt sein mag. Wollte man es auf die Spitze treiben, könnte man behaupten, jemand habe Prinz Eisenherz in ein Barbarenkostüm gesteckt. Conan wirkt weniger ungeschlacht als adelig. Das steigert allerdings auch den Eindruck seiner Intelligenz, über die er zweifellos verfügt, obwohl er so häufig das Schwert kreisen lässt und der Gewalt die Lösung des Problems überlässt.
Russells Zeichnungen sind grazil, zerbrechlich, ein wenig wie ein früher Mike Mignola, wie er noch in Fafhrd und der Graue Mausling zeichnete. Wer sich die Monster betrachtet, die Conan im Verlauf der Handlung zu Leibe rücken, wird diesen Eindruck bestätigt sehen. Jedenfalls hat Russell auch eine ähnliche Art mit Licht und Schatten umzugehen wie Mignola – vielleicht hat diese Arbeitsverwandschaft dazu geführt, dass Russell an Hellboy: Command Performance arbeitete.
Gelungen ist, wie sich Lovern Kindzierski und Michelle Madsen mit ihrer Kolorierung den feinen Strichen Russells anschließen. Die Farbgebung ist wirklich zart zu nennen. Farben und Strichführung gehen ineinander auf – allzu leicht hätte es geschehen können, dass die Kolorierung die Bilder erschlägt. Darüber hinaus nehmen sich die Farben auch sehr zurück. Die Farbgebung ist in ihrer Einfachheit beinahe rückschrittlich zu nennen. Aber das hat Charme und es passt.
Ein ganz anderes Kaliber ist der Zeichner Mark Texeira. Der versierte Künstler, von Ghost Rider her bekannt, zeichnet Conan so, wie der Leser es in der Tat von anderen Comics, Covern und Verfilmungen her gewohnt ist. Dieser Conan ist wuchtig, brutal anzuschauen – und hat nicht automatisch den durchschlagenden Erfolg bei Frauen. Früher oder später natürlich schon, aber die intelligente Frau in den Conan-Geschichten sträubt sich zunächst erst einmal und zeigt dem Barbaren auch wo der sprichwörtliche Hammer hängt.
Eine Zusammenfassung zweier Conan-Abenteuer. Hier ist durch die unterschiedliche Machart für jeden etwas dabei, künstlerisch wie geschichtlich. Gute Autoren und Zeichner drücken Conan ihren Stempel auf, führen ihn aber auch durchaus klassisch fort. Beständig, solide, gute Unterhaltung.
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Stichwörter: jimmy palmiotti, mark texeira, p. craig russell