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Comic Blog


Dienstag, 03. Juni 2008

Luuna 3 - Auf den Spuren von Oh-Mah-Ah

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 17:40

Luuna 3 - Auf den Spuren von Oh-Mah-AhDie Nacht vergeht – doch der Schaden, den Luuna angerichtet hat, bleibt. Die junge Frau, die von einem Fluch beladen mit den kleinen Waldgeistern durch die Lande streift, macht sich bei der Bewohnern der Natur nicht gerade beliebt.
Die Angst geht um vor diesem Wesen, dass zwar hübsch ist, aber gefährlich. Die Wesen des Waldes wollen ihr eine Chance geben. Während ihre beiden Totems noch darüber diskutieren, wer die größere Macht über Luuna besitzt, klettert die Indianerin in ein uraltes Höhlensystem hinunter.

Dabei war die Reise hierher schon merkwürdig genug. Die drei kleinen Pipintus, Waldgeister, die an der Seite von Luuna reisen, halten mit ihren Bemerkungen einfach nicht inne. Wompat, einer der drei, geht sogar seinen anderen beiden Brüdern ein wenig auf die Nerven – und das will etwas heißen.
Plötzlich zerreißt es die Luft vor ihnen, ein Platschen ertönt: Vor ihnen rappelt sich ein Fischadler wieder auf die Beine. Etwas benommen fragt er sich, wo die Lachsforelle abgeblieben sein mag, die er gerade noch gefangen hat. Ohne den Beobachtern irgendeine Aufmerksamkeit zu schenken, macht er sich wieder auf den Weg.

Diejenigen, die den Reisenden größere Aufmerksamkeit schenken, sind die Shinakas. Den Pipintus sehr ähnlich, haben diese fliegenden Shinakas nur ein Ziel: Wiedergutmachung. Wenn Luuna nur ein bißchen am Wald – und an ihrem Seelenheil – liegt, dann wird sie auf das Angebot der Shinakas eingehen und die Blume von Ha Wah Taka pflücken.

In der dritten Episode begegnet Luuna dem großfüßigen Oh-Mah-Ah, einem Vertreter der …
Bigfoots? Vielleicht auch unter dem Namen Sasquatch bekannt? Dieses seltsame Wesen, manchmal im Norden der USA und in Kanada gesichtet, war einst ein Freund der Kleinfüßler, bis die Eifersucht die Klein- gegen die Großfüßler aufwiegelte. So groß und gewaltig diese urtümlichen Riesen auch aussehen, so sanft sind sie auch und so wenig hatten sie eine Chance gegen die gewalttätigen Kleinfüßler, den Menschen.

Sie sind schlecht gemalt! Man erkennt gar keine Details!
Die Farben sind doof!

Obwohl die Pipintus sich derart über die Wandmalereien aufregen, trifft ihr Urteil weder auf diese Höhlenbilder zu, noch auf den Comic selbst.
Der disneyeske Zeichenstil von Nicolas Keramidas passt weiterhin wunderbar zu diesem inidianischen Abenteuer. Der Sasquatch könnte in der Tat dieser bekannten Animationswerkstatt entsprungen sein. Die beiden Rückblicksdoppelseiten, auf denen Oh-Mah-Ah vom Schicksal seines Volkes erzählt, bilden nicht nur einen Mittelpunkt des Bandes, sondern wirken wie ein Herz der Geschichte.

Damit liegt auch ein gutes Beispiel für die grafische Aufbereitung des Bandes vor. Sicherlich schafft Keramidas tolle Vorlagen für die einzelnen Seiten, aber was Bruno Garcia farblich daraus macht, hat nicht nur einen ganz besonderen Charme, sondern es vermittelt auch ein fantastisches Flair im wahrsten Sinne des Wortes.
Ein dunkler bedrohlicher Wald in der Nacht, ein goldener Tag unter glänzendem Geäst, eine grünlich schimmernde Höhle, ockerfarbene Wandmalereien und mit weiteren optischen Eindrücken, so wechseln sich die Szenarien ab und unterstreichen die märchenhafte Atmosphäre.
Durch die comichafte Farbgebung und den Tuschestrich im Vordergrund und den mehr dem Realismus zugeneigten Impressionen im Hintergrund entstehen schöne plastische Effekte.

Ähnlich wie seinerzeit Bigfoot an der Seite der Hendersons Unsinn trieb und Spaß verbreitete, ist auch Oh-Mah-Ah an der Seite von Luuna zu Späßen aufgelegt.
Um gänzlich rein zu sein, musst du deine Kleider ausziehen.
Beinahe wäre Luuna darauf hereingefallen. Aber nur beinahe, denn der kleine Zweifüßler an Oh-Mah-Ahs Seite stellt die Angelegenheit richtig.
Autor Didier Crisse wiegt den Leser durch den Humor zuerst in Sicherheit, bevor er mit einem konzeptionellen Hammer zuschlägt und den Leser mit einem grauenhaften Cliffhanger im Stich lässt.

Traumhaft gut, weil traumhaft anders. Ein leicht erzähltes indianisches Abenteuer, sehr mystisch und liebevoll geschildert von Didier Crisse, hervorragend bebildert von Nicolas Keramidas und Bruno Garcia. Wer den Einstieg verpasst hat, sollte dies schnell ändern. :-D

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Mittwoch, 26. März 2008

Luuna - Die Dämmerung des Luchses

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 20:30

Luuna 2 - Die Dämmerung des LuchsesLuunas Weg ist noch weit. In Begleitung der kleinen Pipintus, jener vorwitzigen Waldgeister, hat sie sich in die kalten Regionen vorgewagt. Der Schnee liegt knietief. Die junge Kriegerin und ihre drei Begleiter kommen nur sehr beschwerlich voran.
Die kleinen Geister tragen durch ihre vielfältigen Beschwerden nicht dazu bei, Luuna zu beruhigen. Dabei gibt es für keinerlei dieser Beschwerden einen Grund. Denn Pipintus besitzen kein Gespür für Temperatur, noch empfinden sie Hunger oder Durst. Aber, wie es sich für sie gehört, wollen sie bei allem ein Wörtchen mitreden.

Geister haben es nicht leicht. Das Gespenst von Canterville oder auch Hui Buh können ein Lied davon singen. Die Motive der Geister des Abendlandes sind allerdings nicht so verschieden von denen anderer Kulturen. In der Dämmerung des Luchses hat ein einsamer Mann noch eine Aufgabe zu erfüllen, hat er Reue zu zeigen, muss er an den Ursprung zurückkehren. Aber alleine kann er das nicht bewerkstelligen.

Auf ganz eigene Weise entwirft Didier Crisse eine märchenhafte Welt innerhalb der indianischen Mythologie, kindlich, witzig, geheimnisvoll. Die Welt der amerikanischen Ureinwohner ist eine kräftige Welt mit vielen Ideen, Geistern, Natur und großer Phantasie. Die verschiedenen Entwicklungen und Ansichten, der Reichtum der Landschaft innerhalb eines einzigen Kontinents prädestiniert geradezu zu einer langen Wanderung, zu der Luuna durch ihre beiden völlig gegensätzlichen Totems gezwungen ist.

Gleich nach Beginn der Geschichte stößt Luuna auf eine Grabstätte. In zahlreichen Kulturen ist die Form der Hochbettung (auch mit anschließender Verbrennung) verbreitet. Crisse vermeidet es allerdings, die Geschichte allzu traurig oder düster anmuten zu lassen. Zu diesem Zweck helfen ihm die Pipintus bei vielen Gelegenheiten aus. So auch hier. Die Grabesstimme, die von dem Lager ertönt, gehört keinem Toten, sondern einem dieser kleinen Waldgeister. Die Situation wird durch ein Lachen entschärft, bis …
Die Erzählung balanciert zwischen Abenteuer, Komödie und einem weiteren Genre. Nicht nur die kleinen Pipintus reizen zum Lachen. Auch der weise alte Mann trägt zum Humor bei. Von anderen alten Männern weiß der Leser um all die Weisheiten, die sie verbreiten. Dieser weise Mann ist nicht so leicht zu verstehen. Da auch Luuna zugibt, die Moral seiner kleinen Episoden nicht gleich zu begreifen, atmet man an ihrer Seite auf.
Und wer an dieser Stelle glaubt, er befinde sich nun wirklich nur in einer Komödie, wird sehr zügig eines besseren belehrt.

Das Schicksal des alten Mannes ist alles andere als lustig, sondern sehr ernsthaft einerseits und auch sehr traurig andererseits.
Und damit nicht genug: Bald wird der Vollmond wieder am Himmel zu sehen sein. Luunas dunkle Seite wird die Oberhand gewinnen. Urplötzlich schwenkt die Geschichte erneut. Das geheimnisvolle Abenteuer bekommt Züge einer Gruselgeschichte – was nicht ausbleibt, wenn Luuna eine Art von Werwolf wird.
Didier Crisse lässt sich nicht einengen. Er erzählt, wie es ihm gefällt. Das macht die Geschichte frisch, unverbraucht und für den Leser besonders wichtig: unerwartet.

Nicolas Keramidas kann den Vergleich mit einer Disney-Produktion immer noch nicht von sich weisen. Qualitativ bewegt er sich mit Pocahontas auf Augenhöhe, pflegt aber seinen eigenen Stil. Die breiten Nasenrücken der Gesichter sind ein Markenzeichen dieser Produktion. Dieser Ausgefallenheit stellt Keramidas eher normale Körper gegenüber. Diese sind zwar immer noch in einem gängigen Comic-Stil abstrahiert, wirken aber nicht vollkommen anders.

Grafisch für den Leser interessant und auch spannend ist der Wechsel zwischen der eigentlichen Handlung und den Erzählungen in der Erzählung.
Für die moralischen Geschichten, die der alte Unsichtbare Luchs erzählt, wählte Kolorist Bruno Garcia eine etwas andere Technik, die wirkt, als sei man mit Buntstift bei der Arbeit gewesen. Das ist bei der Ansicht der sonstigen Computer-Kolorierung nicht anzunehmen, aber so liegt doch wenigstens der Verdacht nahe, dass hier der Einsatz des Buntstifts simuliert wurde. Auch dieser Effekt, die optische Trennung der Erzählstränge, wirkt sehr gut und gibt den Weisheiten des Luchses Bilderbuchcharakter.
Sehr gut gelungen ist die farbliche Grundstimmung. Zu Beginn ist es schon durch die winterliche Atmosphäre düster, dann wird es kurz aufgerissen durch einen Sonnenaufgang, bis eine lilafarbene Dämmerung Einzug hält und schließlich von der amerikanischen Nacht abgelöst wird.

Eine märchenhafte Abenteuergeschichte mit einer sehr ausgewogenen Mischung der Hauptcharaktere. Didier Crisse zeigt, wie gut er sich in neue Erzählstränge mit mythologischem Hintergrund einfinden kann. Nicolas Keramidas beweist, wie fein er Crisse’ Geschichte umzusetzen weiß. Flüchtig betrachtet, könnten die Bilder einem Zeichentrickfilm entnommen sein und wissen noch mehr als im ersten Teil zu gefallen.

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Mittwoch, 12. Dezember 2007

Luuna - Die Nacht der Totems

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 23:14

Luuna 1 - Die Nacht der TotemsLuuna verabschiedet sich von ihrem Vater und macht sich auf den Weg in den Wald. An ihrer Seite sind die kleinen Naturgeister Wompat, Wambat und Wimlat. Sie sind keine richtige Hilfe, sorgen jedoch für sehr viel gute Laune. Und ein heiteres Gemüt braucht Luuna auf ihrem Weg, denn in dieser Nacht soll sie endlich ihrem Totem begegnen.
Aber ihr Weg wird beobachtet. Luuna trifft auf den alten Elch Papaki. Mit ihm stößt sie auf eine kleine Versammlung von Tieren, die sich allesamt vor dieser Nacht gefürchtet haben. Unkui, der schlimmste der bösen Geister, treibt in dieser Nacht sein Unwesen.

Sind die Tiere auch schlau genug, diesem Geist aus dem Weg zu gehen, erhoffen sich andere Waldbewohner geradezu eine Begegnung mit diesem mächtigen dunklen Wesen. Ausgestoßene Indianer, die sich dem Bösen verschrieben haben, beschwören, beten, murmeln rituelle Formeln, einzig, um ihn gnädig zu stimmen.
Das Glück ist ihnen hold. Und Unkui hat auch sofort eine Aufgabe für sie. Sie sollen Luuna jagen.

Die Jäger können nicht ahnen, dass Unkui Luuna längst verdorben hat. Schließlich nimmt sie ihr Schicksal an und verteidigt sich – sehr zum Verdruss der Fremden, die mit einer solchen Gegenwehr nicht gerechnet haben.

Autor Didier Crisse ist abenteuer- und fantasy-erprobt. Mit Serien wie Canari, Ishanti oder Atalante wandelt er über die Kontinente, durch exotische Länder oder durch Mythen. Er stellt ganz offensichtlich gerne Frauen in den Mittelpunkt seiner Geschichten, Frauen, die an einem Wendepunkt in ihrem Leben stehen. Luuna ist eine solche Frau. Ihre Wurzeln hat sie bei einem ganz besonderen indianischen Stamm, den Paumanoks. Diesen Menschen ist es vergönnt, mit Tieren und Naturgeistern sprechen zu können. Wir begegnen Luuna, als sie sich aufmacht, um ihren Initiationsritus zu absolvieren.

So ist der Einstieg für den Leser schnell gefunden, denn für Luuna beginnt ein vollkommen neues Leben, welches mit den Tagen bisher nicht vergleichbar ist. Crisse lässt den Leser Seite an Seite mit der Hauptfigur in diese neue Welt eintauchen. Zuvor jedoch präsentiert er eine Schrecksekunde zum Auftakt. Die ausgestoßenen Indianer sammeln neue Trophäen, Büffelherzen, um den dunklen Geist milde zu stimmen. Die Szenerie ist gruselig, düster und auch brutal, aber die optische Inszenierung ist milde und geht nicht ins Detail.

Es könnte einmal mehr als disneyische Konzeption betitelt werden. Milder Grusel ist auch dort Trumpf. Die reißerischen Eckzähne des Anführers der Bösewichter spricht Bände. Dem gegenüber steht der Humor. Die Waage schlägt eindeutig zu den Lachern hin aus – alles überdacht von einem gut durchdachten Abenteuer mit einer Prise Prinzessin Mononoke. Der Zauber der Natur, all die Geheimnisse, die zu Naturvölkern einfach dazu gehören, die Gedanken- und Mythenwelt bilden stets eine gute Grundlage für eine märchenhafte Geschichte, die für gute Unterhaltung sorgt. Hier finden sich zusätzlich Aspekte, wie sie aus dem japanischen Unterhaltungs-Kulturkreis her bekannt sind. Luuna verfügt, entgegen der erzählten Norm, über zwei Totems, eine Konsequenz aus dem zweifelhaften Pakt des dunklen Geistes und des Herzens des Waldes. Luuna erhält charakterliche Wolfsmerkmale. Die ehemals eher sanfte junge Frau wird zum kämpferischen Tier – ein Nebeneffekt, den der dunkle Geist wollte, aber dessen Folgen er nicht richtig abgeschätzt hat.

Außerdem wird die junge Frau von den kleinen Waldgeistern begleitet. Darüber hinaus findet in einem anderem Waldgeisterstamm neue Freunde. (Das äußere Erscheinungsbild kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich habe gesucht, kann aber leider keinen Bezug herstellen. Doch dieses knuffige, etwas anarchische Äußere sehe ich nicht zum ersten Mal.) Eine sehr schöne Parallele zu Prinzessin Mononoke ist Kauyumari, der Herrscher des Waldes, der in Form eines kapitalen Hirsches auftritt. Und auch diesem Gott trachtet man nach dem Leben.

Ungeachtet der Ähnlichkeiten entwickelt Luuna eine sehr große Eigendynamik. Luuna steht allein. Natürlich hat sie Freunde an ihrer Seite, doch es läuft nichts, ohne dass sie den Stein ins Rollen bringt. Aus Freude wird Verzweiflung, aus Verzweiflung wird Kampf. Auf den Kampf folgt die Hoffnung und die Aussicht auf die nächste Folge.

Auf der Basis der Handlung, während der Didier Crisse seine Heldin Luuna auf eine Berg- und Talfahrt schickt, baut Zeichner Nicolas Keramidas seine Zeichnungen auf, die einen ziemlich eigenen Stil haben. Ein Augenmerk liegt dabei auf den Nasen, mit denen er sich von anderen Künstlern unterscheidet. Die Nasen sind kantig und mit einem breiten Rücken ausgeführt. – Wie sehr Nasen zu einem Wiedererkennungseffekt werden können, hat z.B. Albert Uderzo eindrucksvoll vorgeführt. Keramidas hat einen sehr sympathischen Strich. Der Elch Papaki wächst einem sofort ans Herz.

Zwar schränkt Keramidas das Äußere seiner Figuren durch die Kantigkeit und geringe Details selber ein, trotzdem vermitteln die Figuren jegliches erforderliche Gefühl mit großes Genauigkeit, auf den Punkt gebracht. So kann sich auch der Kolorist Bruno Garcia zurücknehmen, da die Zeichnungen auch sehr gut allein in Schwarzweiß wirken könnten – Es wäre jedenfalls schön einmal einen reinen Schwarzweiß-Comic von Keramidas zu sehen.

Perfekte Abenteuer-Unterhaltung in indianischer Umgebung. Mythen, Geister, Grusel, Humor, eine sympathische Hauptfigur ergeben die Mischung für einen soliden und spannenden Start in eine neue Reihe. Wer Indianergeschichten mag – und wer aus dem Lande des Karl May mag sie nicht – bekommt hier sehr schönes Lesefutter. :-)

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