Samstag, 19. April 2008
Leela, Fry und Bender sollen sparen! Ausgerechnet. Entsprechend groß fällt die Verzweiflung und die Entrüstung der drei Freunde aus. In Wahrheit wartet ein Auftrag auf die drei etwas albernen Abenteuer – ein Abenteuer, das sie Einen Kopf kürzer macht. Mehr oder weniger. Eher etwas mehr als weniger.
Die Flaschenstadt erhält durch ihre Scheiben nicht mehr genug Licht. Deshalb sollen unsere Freunde ein Reinigungsmittel liefern. Die Reise dorthin gestaltet sich wie ein Aufenthalt auf einer riesigen Rutsche. Mit ihrer Ankunft jedoch bricht bald das pure Chaos aus.
Die berühmte Flaschenstadt Kandor, das verkleinerte Städtchen mit den wohl letzten Volksanhörigen Supermans, dürfte wohl auch eine der merkwürdigsten Ideen um Superman sein, die sich jemals ein Autor ausgedacht hat – sieht man einmal von Bizarro oder Mxyzptlk ab.
Keine Frage, dass sich die Macher von Futurama dieser Flasche mit Stadt darin einmal annehmen würden.
Dieser Band ist ein gutes Beispiel dafür, wie merkwürdig so manche Science Fiction-Idee ist, wenn es nicht viel braucht, um diese durch den sprichwörtlichen Kakao zu ziehen. Der inzwischen berühmte Klassiker Flucht ins 23. Jahrhundert (Original: Logan’s Run) mit Michael York, Jenny Agutter und Peter Ustinov passt in die merkwürdigen Utopien der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Und er passt in die glitzernd kitschigen Ansichten, die man in jenen Tagen von der Zukunft hatte. Mit 30 hat man den letzten Gang anzutreten – von dem jeder glaubt, es handele sich um einen Weg zur Wiedergeburt. Das Leben findet unter einer Kuppel statt, kein Wunder also, dass Ian Boothby, der Autor, auf die Idee kam, Flaschenstadt und Flucht miteinander zu vermischen.
Die Riten in der Flaschenstadt entsprechen genau jenem Filmklassiker. Nachdem Leela, Fry und Bender dies aufgeklärt haben, geht es alsbald drunter und drüber. Polizisten, durch Judge Dredd inspiriert, sorgen für Ordnung – naja, beinahe jedenfalls. Ein rosafarbener Elefant namens Horton hört ein Hilfe aus der Flaschenstadt und unsere drei Helden sehen sich wenig später einer Welt gegenüber, in der alles irgendwie viel größer ist – wie in dem Film Die unglaubliche Geschichte des Mr. C von Jack Arnold. Dieser Hinweis bleibt in den Erklärungen, die sich zu den Hintergründen der Handlung immer in den Comics finden allerdings aus. Vielleicht liegt es daran, dass der jugendliche Leser wohl nichts mit dem Original anzufangen wüsste, ist es doch von 1957 und außerdem noch in schwarzweiß gedreht.
Vom Kampf gegen Flöhe (Mr. C trat gegen eine Spinne an) geht es weiter per Greyhound. In diesem Fall ist nicht die amerikanische Buslinie gemeint, sondern tatsächlich ein entsprechender Hund.
Anspielungen gibt es eine ganze Reihe, manchmal auch sehr versteckt, so dass der Leser zweimal hinschauen muss.
Am Ende dieser von Mike Kazaleh versiert gezeichneten Episode steht gar eine Kriegserklärung und die Suche nach einer neuen Heimat für die Bewohner der Flaschenstadt. Aber wo mag eine ganze Stadtbevölkerung unterzubringen sein? Bei den Immobilienpreisen heutzu… in der Zukunft natürlich.
Ein Haufen Gags am laufenden Band. Am meisten dürften diesmal aber jene davon haben, die besagte Filme gesehen haben und die ganzen Anspielungen einordnen können.
Stichwörter: ian boothby, mike kazaleh
Dienstag, 15. Januar 2008
Wagst du den Blick in die Tür des Grauens? In einer fernen Zukunft wird eine Fernsehserie die Menschen fesseln: Die Tür des Grauens. Dahinter verbergen sich die furchtbarsten Geschichten, eine andere Welt, in der die Ironie die beherrschende Kraft ist. Was als schöner Abend für Fry, Leela und Bender beginnt, wird bald zu einem Abenteuer jenseits aller Vorstellungskraft. Sie überschreiten die Schwelle der Tür des Grauens.
Der Übergang ist weniger dramatisch, als die drei zunächst befürchten. Vielmehr sieht zu Beginn alles eher furchtbar normal aus. Erst ganz langsam beginnt jeder der drei Reisenden auf seine ganz persönliche Art festzustellen, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Leela begegnet dem Tod, der sie sogar heiraten will. Bender tauscht seine Beine gegen Hühnerschenkel ein – er kann zwar darauf stehen, aber stehen tun sie ihm nicht wirklich. Und Fry? Nun, Fry hat es in die Hölle verschlagen, die alles andere als furchtbar ist. Das ist die Ironie.
Und gerade als es wirklich anfängt, unterhaltsam zu werden, zieht eine höhere Instanz die beiden Teufelchen, die Fry zugeteilt wurden, ab.
Futurama ist Futurama, Witz, Humor und eine Menge Anspielungen auf alte, bestehende, aktuelle und vielleicht zukünftige SciFi-Schmankerl. Wohl niemand hätte vor vielen Jahren geglaubt, dass kleine gelbe Knubbelfiguren wie die Simpsons ein Erfolg werden könnten. Heute sind sie ein real existierender Klassiker. Futurama wurde der nächste Erfolg, so anders als die Simpsons, und doch mit einem ähnlichen anarchischen Humor ausgestattet.
Willkommen hinter der Tür des Grauens, mit der das Team um Matt Groening die gute alte Twilight Zone auf die Schippe nimmt.
Gemäß des Humors von Futurama erfährt der Leser sehr bald, dass die furchtbaren Geschichten aus der Fernsehserie der Tür des Grauens nicht erfunden sind. Vielmehr kann ein Mensch dieser Dimension in die Dimension voller Ironie blicken und schreibt die Geschehnisse einfach nur auf.
Wer baut den größten Unsinn in Futurama? Nach Fry natürlich? Bender, na, klar. Seiner Hilfe ist wieder einmal zu verdanken, dass das Trio in die andere Welt gelangt – und läuft in der richtigen Dimension schon nicht alles schief, ist diese andere Welt geradezu prädestiniert, verrückt zu spielen.
Ian Boothby jagt seine Helden denn auch gleich von einem Schlamassel zum nächsten Missverständnis und von dort gleich zum nächsten Verhören.
Was soll man als begeisterter Leser von wunderbar albernem Humor sagen? Die Handlung ist ein Treffer nach dem anderen. Eigentlich können die besten Stellen für jeden einzelnen nur nach persönlichen Vorlieben und geliebten Charakteren eingeteilt werden. Bender, der jegliche ethische Grundsätze über Bord schmeißt, nur um einen riesigen Gewinn einzuheimsen. Fry, der sich in der Hölle de Simpsons anschaut und von Abraham Lincoln bedient wird. Leela, die es sich wohl überlegen will, ob sie den Tod heiratet oder nicht.
Aber erstens kommt es anders und zweitens …
Das könnte ganz bestimmt ein Grundmotto dieser Comedy sein. Im Prinzip ist der Comic ebenso lustig wie das Original des Fernsehens. Wer die Stimmen kennt, kann sie sich dazu vorstellen. Wer sie nicht kennt, wird trotzdem seinen Spaß haben, denn neben aller Albernheit besitzt Futurama Comics auch einen ziemlich trockenen Humor, von der Art, dass der Leser sich auf nahezu jeder Seite fragen kann: Das meinen die jetzt nicht ernst, oder?
Doch, das tun sie! Und Spaß macht es auch noch!
Stichwörter: ian boothby, mike kazaleh, futurama