Freitag, 21. November 2008
In einer düsteren Nacht entscheidet sich, wer gegen die Sklaverei kämpft und wer sich gegen die Blauröcke rüstet. Mason Moore glaubte seine Schritte mit Bedacht gewählt zu haben. Die Wut seiner Gegner hat er nicht bedacht. Der Bussard lässt sein Anwesen niederbrennen, alle Menschen darauf töten. Nur einer kann dem Gemetzel entkommen: Gabriel Moore. Schwer verletzt wird er mit einem Schlafzauber belegt, der ihn dem Tod beraubt. Viele Jahre später erwacht Gabriel wieder, das Herz von Rachegedanken an den Bussard zerfressen. Die Bewohner von New Orleans hingegen haben zum Zeitpunkt seines Erwachens ganz andere Sorgen.
Der Hurrikan Katrina hat die weltberühmte Stadt schwer verwüstet. Im Durcheinander der Überschwemmungen und der Obdachlosen verschwinden junge Mädchen. Einige Menschen sind während des Sturms einfach verschwunden, da scheint ein Serientäter zu glauben, dass ein paar Mädchen mehr oder weniger nicht weiter ins Gewicht fallen. Die Spuren führen einerseits in einen Wohnwagenpark, andererseits in das Herz des organisierten Verbrechens. Und stets hängt der Dunkelheit, den finsteren Machenschaften ein Hauch schwarzer Magie an: Voodoo.
Wer ist Gabriel wirklich? Ist er der Engel, für den ihn manche halten? Oder doch nur ein Werkzeug des Bösen?
Weston Cage und Nicolas Cage haben sich dieses Szenario ausgedacht. Ersterer ist der Sohn des berühmten Schauspielers, letzterer ist der Schauspieler selbst, Neffe des Regisseurs Francis Ford Coppola, bekennender Comic-Fan und –Sammler.
Comic-Fans weltweit konnten außerdem seinen Auftritt als Ghost Rider bewundern. Mike Carey, Comic-Autor, hat die Geschichte geschliffen und ausgearbeitet. Voodo, das Geheimnis des Südens, hat schon den Einstieg von Roger Moore als James Bond beflügelt, ist aber ansonsten in der Literatur und im Film eher stiefmütterlich behandelt worden. Diese Lücke erfährt nun, angetrieben von einer überbordenden Phantasie, eine tolle Überbrückung, die wie eine klassische Bürgerkriegsgeschichte im Sinne von Fackeln im Sturm beginnt und in einer handfesten Grusel- und Thrillerhandlung endet.
Gabriel Moore war zu seiner Zeit – fast – ein normaler Junge. Als Kind einer Beziehung eines weißen Gutsbesitzers und einer freigelassenen Sklavin hat er es damals schon nicht leicht gehabt. Ähnlich wie in einer guten alten Geistergeschichte entwickelt sich die Faszination hier aus dem Umstand, dass der Rächer schon tot war, ein Kind ist und wie der Leibhaftige persönlich über seine Opfer kommt – wenn die Beleuchtung stimmt. Denn Gabriel hat ein paar Schwächen, so wie es sich für einen Rachegeist geziemt. Die Dunkelheit ist sein Freund, sie gibt ihm Kraft, aber das Licht einer 60 Watt Birne – im übertragenen Sinne – macht aus ihm ein hilfloses Kind.
Mehr noch: Gabriel hat durch seine Übergangsform dem Herrn des Todes ein Schnippchen geschlagen. Baron Samedi ist wütend über das entgangene Opfer. Nach so langer Zeit will er endlich das, was ihm zusteht. Gabriel balanciert auf der Kante zum Totenreich. Sobald er den Boden mit den bloßen Händen berührt, fällt er in das Reich von Baron Samedi. Nur eine Verstärkung von außerhalb kann ihn retten – sofern man in diesem Zusammenhang von Rettung sprechen kann.
Mike Carey gelingt ein sehr schöner Spagat, denn Gabriels Zustand schwankt zwischen bewunderns- und bemitleidenswert. Einmal ist er der Täter, dann Opfer. Der Leser kann den Weg von Gabriel verfolgen und bleibt gleichzeitig an der Seite von zwei ermittelnden Polizisten auf dem Boden der Tatsachen. Horror und tägliche Polizeiarbeit vermischen sich, es entsteht die Atmosphäre eines Angel Heart, jenes unvergessenen Streifens mit Mickey Rourke.
Dean Ruben Hyrapiet, der hierzulande noch nicht viele Veröffentlichungen vorweisen kann, zeigt mit der vorliegenden Ausgabe sehr gut, dass er durchaus in der Lage wäre in der obersten Liga mitzuspielen und sich auch mit der einen oder anderen Top-Serie zu beschäftigen. Grafisch würde seine Technik zu den Reihen aus der X-Men-Riege passen. Mitunter ist er sehr ausdrucksstark in Mimik und Haltung. Einige Perspektiven sind gewagt und so selten zu sehen. Man merkt, dass hier auch ein Filmkenner am Werk war, der gerne mit Kameraeinstellungen experimentiert. Ebenso gerne wie er realistische Abbilder der Gegenwart schafft, geht er in den Untergrund der Phantasie. Baron Samedi und seine fürchterlichen Genossen – allerdings toll gezeichnet – geben ihm reichlich Spielraum dafür. Das ist auch wenig Darkness und auch ein sehr naturalistischer Mignola. Dank der Farben von S. Sundarakannan verstärkt sich das Grusel- und Horrorflair noch.
Ein beinharter Horror-Grusel-Thriller-Trip, bei dem für jeden etwas dabei ist und der sehr stark auf die phantastischen Elemente des touristischen Voodoo setzt. Ein toll gestaltetes Zückerchen aus einem ansonsten vernachlässigten Fantasy-Bereich.
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Stichwörter: nicolas cage, mike carey
Dienstag, 01. April 2008
Es ist Nacht, weit draußen in der Wildnis. Aber Red Sonja fürchtet die Dunkelheit nicht. Ihrer Besonnenheit und auch ihrer Wildheit ist es zu verdanken, dass sie immer noch siegreich ist. Wie gefährlich eine nächtliche Reise ist, zeigt sich, als sie einem anderen Reisenden begegnet, der so gerade noch dem Ansturm von Wilden begegnen kann.
So treffsicher wie nur ein hyrkanischer Bogenschütze es sonst vermag, setzt Sonja ihre Pfeile ins Ziel und rettet so den Reisenden aus seiner Lebensgefahr. Allerdings währt das Glück des fremden Wanderers nicht lange. An einer Wasserstelle entscheidet sich sein Schicksal und Sonja, die kurz zuvor noch für sein Leben eintrat, muss sich nun im eigenen Interesse gegen ihn wenden.
Der Empfang in der Stadt Gathia fällt frostig aus. Der Fremde war ein Bote. Red Sonja macht sich nicht beliebt, indem sie den Mann tot, enthauptet, zurückbringt. Andererseits bleibt sie auch von der Abneigung anderer Menschen gänzlich unbeeindruckt. Selbst als die ersten Pfeile gegen sie fliegen und die Übermacht unerträglich scheint, setzt sie sich weiter tapfer zur Wehr.
Red Sonja ist als Schwertkämpferin immer ein gern gesehener Gast in Schwert und Magie-Geschichten. Lässt der Fan einmal das unsägliche filmische Machwerk beiseite, gibt es bereits im Comic-Bereich einige schöne Auftritte. In Kämpfer wider den Tod traf sie so auch auf Conan und König Kull, zwei anderen Charakteren, die Robert E. Howard ins Leben gerufen hat.
Michael Avon Oeming und Mike Carey haben sich nun erzählerisch der Kriegerin angenommen – und lassen sie erst einmal sterben!
Ein ungewöhnlicher Einstieg, den der Leser auf diese Art präsentiert bekommt. Auf den zweiten Blick allerdings gehen die Autoren äußerst geschickt vor. Da Red Sonja zum Zwecke des Kampfes wiedererweckt wird, wird ihr ein zeitlicher Dolch auf die Brust gesetzt. Ist ihre Aufgabe nicht rechtzeitig erfüllt, stirbt sie – endgültig.
Grafisch wurde hier aus dem Vollen geschöpft und es ist unübersehbar, dass die Qualität eines Cary Nord erreicht werden sollte, der die Figur des Conan jüngst zu neuen optischen Höhen führte.
Mit Mel Rubi wurde ein erfahrener Zeichner gefunden, der Nord durchaus auf Augenhöhe begegnen kann, nur gibt es Unterschiede in der Farbgebung. Bei Nord arbeitete Dave Stewart an der Farbgebung, während es bei Red Sonja zu einer Aufteilung der farblichen Arbeit kommt.
Durchweg sind Caesar Rodriguez und Richard Isanove an den vorliegenden gesammelten Ausgaben beteiligt. Durch die Zuarbeit anderer Künstler entstehen jedoch qualitative Schwankungen. Dies wäre kaum anzumerken, würden nicht zum Beispiel Rodriguez und Isanove den Ball so hoch vorlegen, so dass nicht jeder diese Steilvorlage aufnehmen kann.
Rodriguez und Ivanove reduzieren Tuscheränder sehr schön, aber beseitigen sie nicht vollends. Teilweise werden sie mit Brauntönen übermalt und gehen so mehr in die anderen Farben über. Jeder der Koloristen ist allerdings um Sonjas Haare in höchstem Maße bemüht. Stets ergibt sich eine wallende Haarpracht, manchmal in einzelnen Strähnen gemalt.
Bei Hauttönen, Farben, bei denen am wenigsten gemogelt werden kann, können sich alle Koloristen beweisen – ein Beweis, um den sie nicht herum kommen, denn Sonja gibt ihre Reize zwar nicht preis, aber sie geizt auch nicht damit.
Mel Rubi hat seine Hausaufgaben in jeder Hinsicht gemacht. Die den Pikten ähnlichen Wilden könnten so auch von John Buscema entworfen worden sein. Aber er ist auch Red Sonja-erprobt, denn er war mit an der Umsetzung des überaus phantasievollen Crossovers zwischen ihr und Spider-Man beteiligt - für den Wandkrabbler, der sich schon in den Kampf der Hexenmeister einmischte, ist ein Ausflug in die Fantasy so ungewöhnlich nicht (von seinen Erlebnissen an Thors Seite wollen wir gar nicht reden).
Einige sehr gruselige Szenen hätte es so auch früher schon geben können. So ist der Rückblick auf die gute alte Zeit in Aquilonien und Umgebung durch Michael Avon Oeming und Mike Carey mehr als gelungen.
Mit dem Auftritt kleiner, an Kinder erinnernde Dämonen verbinden sie neuzeitliche Erzählung und Monströsitäten mit den alten Geschichten. Schlangendämonen, Abgründe, finstere und vermummte Zauberer, enorme Kämpfe, blutige Schlachten und Zweikämpfe: die Autoren und der Zeichner lassen nichts aus, um den Leser mit einer schnellen Schwert- und Magie-Geschichte zu unterhalten.
Wer schon Conan und seine Zeit und Welt mochte, den Reichtum der Geheimnisse an jeder Ecke, aber eines muskelbepackten Recken überdrüssig ist, wird mit der Roten Sonja bestens bedient und wird mit diesem Auftakt zweifellos seinen Spaß haben.
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Stichwörter: mel rubi, michael avon oeming, mike carey
Mittwoch, 28. März 2007
John Constantine ist ein Detektiv der anderen Art. Wer Probleme mit der jenseitigen Welt oder gar der Hölle hat, ruft den abgehalfterten jungen Mann, der nicht ohne Zigaretten auskommt.
Du borgst in der einen Hölle, um die andere zu bezahlen, John Constantine. Der Totengott, der John bereits als Kind erschienen ist, erkennt sehr früh, wie es um John bestellt ist. Zu diesem Zeitpunkt weiß John selbst nicht einmal, was später aus ihm werden wird. Als Kind ist seine Fähigkeit, mit anderen Welten, vornehmlich Höllen und mythischen Sphären, Kontakt aufzunehmen, eher hinderlich. Man könnte auch sagen, dass es die reinste Qual ist.
Sehr viel später wird John mit dieser Fähigkeit und der Respektlosigkeit, mit der er jedem dunklen Wesen begegnet, zu einem Rettungsanker, der letzten Hoffnung, die es in paranormalen Fällen noch gibt.
Ein solcher Fall ist das Koma der kleinen Trish. John nimmt den Ball auf und will seinem Freund Chas, dem Vater der Kleinen, helfen. Die ersten Ergebnisse sind nicht ermutigend. Die Spur führt von London in die Stadt der Engel, nach Los Angeles. Der Dämon, der sich ihnen dort offenbart, wirkt auf John wie ein Haufen Exkremente mit einem gedrungenen Kopf und klebrigen Armen und Beinen. Die Lösung ist einfach. Wenn John dem Dämon einen Gefallen tut und die unirdische Konkurrenz des Dämons aus dem Weg schafft, lässt er den Geist der kleinen Trish wieder frei.
John macht sich an die Arbeit. Aber er weiß um die mangelnde Vertrauenswürdigkeit von Dämonen. Deshalb spielt er sein eigenes Spiel.
Am Ende gerät scheinbar alles außer Kontrolle. John ist derjenige, der die Hölle auf Erden gebracht hat.
John Constantine wurde einer breiteren Zuschauerschar durch die thematische Verfilmung mit Keanu Reeves in der Hauptrolle ein Begriff. Der paranormale Ermittler, der auf ähnlichen Spuren wandelt wie der von Clive Barker erfundene Ermittler Harry D’Amour, füllt eine Lücke in den Horrorgeschichten, in denen ansonsten die Hauptfiguren den Monstern eher ausgeliefert sind.
Constantine ist einer jener Detektive, deren Grundlage sich in den Geschichten von Erzählergrößen wie Dashiel Hammett oder Raymond Chandler findet. Ein einsamer Ermittler, heruntergekommen, mit einem eigenen Ehrbegriff ausgestattet oder einer eigenen Form von Moral. Ein solcher Mann glaubt alles gesehen zu haben – was im Falle von Constantine sogar stimmt. Nichts kann ihn mehr schrecken. Ein solcher Mensch raucht und trinkt zuviel, weil es sowieso keinen Unterschied macht. Im Gegensatz zum normalen Detektiv steigt Constantine noch einige Stufen tiefer in in den Untergrund, dorthin, wo finstere Mächte regieren und den Menschen das Leben schwer machen.
Constantine behandelt diese Dämonen nicht wie Monster, sondern wie Verbrecher. Natürlich wendet er die dazu nötigen Gesetzmäßigkeiten an, aber letztlich bleibt er dabei immer cool. (Auch eine Eigenschaft, die ein solcher Detektiv besitzen muss. Ein lockerer Spruch auf den Lippen muss noch in der verfahrensten Situation kommen.) Seine Vorgehensweise ist beeindruckend erzählt von Mike Carey. Man könnte Constantine auch als abgebrüht bezeichnen. Wie er sich in den verschiedenen Situationen bewährt, ist nicht nur toll geschrieben – es springt auch der Spannungsfunke direkt über.
Constantines erste Begegnung mit dem Totengott ist ungeheuer gelungen – und gruselig.
Leonardo Manco zeichnet sehr detailliert ein Wesen, dessen Knochen der menschlichen Anatomie so ähnlich und doch entsteht durch das folkloristische Äußere ein fremdartiges Wesen, das kaum besser entworfen sein könnte. Diese Gestaltung der Dämonen, bei denen Manco sich sehr viele Freiheiten nimmt und seinen Phantasien freien Lauf lässt, steht im vollkommenen Gegensatz zu der Präzision, die er mit der Zeichnung von Menschen, Fahrzeugen, Raum- und Stadtansichten zeigt. Auf diese Art wird all das Fremdartige exakt mit dem Bekannten verwoben zu einem hervorragenden Gruselerlebnis.
Constantines Hauptgegner ist wie ein Moloch angelegt. Rein äußerlich erinnert er an den Golgataner, wie er in dem Film Dogma zu sehen war. Ein sehr unappetitlicher Anblick, der jedoch mit einigen Überraschungen aufwarten kann, die selbst den sonst so nüchtern agierenden Constantine ein wenig aus der Bahn werfen.
Solche Szenen machen die vorliegende Geschichte mit ihren düsteren Bildern zu einem Fest für alle, die nicht nur Horror- und Gruselcomics mögen, sondern vielleicht auch von der Roman- oder Film-Seite her auf den Comic-Geschmack gebracht werden wollen.
Top! So kann Horror-Action-Grusel sein. Intelligent erzählt, spannend verpackt, perfekt gezeichnet. Mehr davon!
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Stichwörter: mike carey, leonardo manco, lee loughridge, john constantine
Sonntag, 18. Februar 2007
In der Halbwelt, jener Welt, aus der sich Menschen am besten heraus halten, kursieren Gerüchte, die den Blutsaugern keineswegs gefallen. Jemand macht Jagd auf sie, noch dazu jemand aus den eigenen Reihen. – Vampirella ist zurück!
In einer kleinen Bar wurde vor kurzem ein neuer Blutspeicher angezapft und die Gäste lassen es sich wohl schmecken. Ein jeder hat etwas zu den Gerüchten beizutragen, Halbwahrheiten, Details, Ängste.
Vampirella, die Verräterin an ihrer eigenen Art, wurde hier gesehen und dort. Dieser und jener ist tot, ausgelöscht, in einer Ascheexplosion vergangen. Aber was ist ihr Ziel?
Auch darüber streiten sich die Gemüter. Angeblich soll sie sich auf einem heiligen Kreizzug befinden, der erst dann sein Ende findet, wenn der letzte Vampir tot ist – verständlich, dass die anwesenden Blutsauger von dieser Aussicht nicht gerade begeistert sind. Die Person um die sich letztlich alles dreht, heißt Lilith, jene Urmutter der Vampire, die wegen ihrer Brut bis zum jüngsten Tag verflucht ist.
Es sei denn, jemand nimmt sich des Problems an und tilgt die Blutsauger vom Angesicht der Erde.
Ein Streit bricht in der Bar aus. Auch unter Vampiren kann solch ein Streit mit einer kleinen Lokalrunde besänftigt werden. Aber als der nächste Blutspeicher, Mensch, angezapft werden soll, kommt es für die anwesenden Gäste völlig anders als erwartet.
Vampirella ist zurück!
Kein Vampir davor oder danach ist derart sexy aufgetreten und ist im Comic-Bereich zu einem Inbegriff der Blutsauger geworden.
Vampirella bildet einen äußerst gegensätzlichen Charakter. Einerseits ist sie mit äußerst großen weiblichen Attributen ausgestattet und kurvenreicher als die Serpentinen einer Gebirgsstraße, andererseits geht sie oftmals blutiger ans Werk als der Ur-Vampir, Dracula persönlich, schlechthin.
Vampirellas Vergangenheit ist darüber hinaus noch sehr ungewöhnlich. Immer wenn die Sprache auf ihre außerplanetare Herkunft von Drakulon kommt, entsteht so eine B-Movie-, wenn nicht sogar C-Movie-Geschmack, der angesichts der Verfilmung mit Ex-Bondgirl Talisa Soto in der Hauptrolle gar nicht so weit hergeholt ist. Drakulon als Hintergrundgeschichte spielt keine Rolle mehr, der Pulp-Geschmack bleibt.
Man darf aber auch nicht vergessen, dass Vampire lange Zeit nur im Pulp-Bereich überlebt haben, bevor sie mit Anne Rice & Co. und einem leicht schwülstigen Horror ein Comeback erlebten.
Vampirella hat nicht nur überlebt, sie hat sich außerdem noch einen Namen gemacht. Das mag auch an ihrem Outfit liegen: ein knapper roter Einteiler, hohe Stiefel, mehr nicht. Diese gewisse sexuelle Komponente hat sicherlich auch zum langen Comic-Dasein von Vampirella beigetragen. – Sex war aber schon zu Draculas Zeiten unterschwellig thematisiert und ist keine Erfindung von Vampirella. Bei ihr ist es eher eine Aussage wie: Wenn schon, denn schon. So teilt sie mit Dracula nur den hohen Kragen und das Rot seines Umhangs.
Neben ihren ganz eigenen Auftritten war sie ein beliebtes Crossover-Girl – mit Lady Death, Purgatori, Shi, Pantha, Chastity oder auch mit der Magdalena.
Aus dem Vampir-Genre ist Vampirella nicht mehr weg zu denken, zumal sie auch mit ihren Ausflügen in Romane und Mangas andere Wege beschritt.
Vampirella Revelations ist ein Prolog zu einem neuerlichen Feldzug der Vampir-Ikone. Wie bei den Fans so hat sich die schwarzhaarige Vampirin auch bei ihren Feinden in der Erzählung einen Namen gemacht – wie es sich gehört, ist es ein Name der gefürchtet wird.
Nette Kleinigkeiten dieses Auftakts sind zum Beispiel die Art und Weise, wie in der Vampirkneipe für Getränkenachschub gesorgt wird. Es ist eine Szene, die den Leser in die Geschichte hineinkatapultiert, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Die Bilder unter der Federführung von Mike Lilly bleiben düster. Es bleibt ihm nicht viel Zeit, sich selbst und seine Fähigkeiten angemessen in Szene zu setzen. Dort, wo ihm mehr Platz bleibt, gelingt es ihm schon ganz gut, besonders als sie ihr Versteck verlässt. Der Auftakt insgesamt, von Mike Carey geschrieben, macht Hoffnung auf eine stark actionhaltige Handlung. Man darf gespannt sein.
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Donnerstag, 22. Juni 2006
Die Fantastischen Vier sind auf dem Heimweg. Die Stimmung ist nach dem Desaster in Las Vegas ein wenig gedrückt. Doch das ist fast kein Vergleich zu dem, was sie beim Anflug auf ihr Hochhaus erwartet. Plötzlich setzen die Motoren des Transporthubschraubers aus.
Die Bruchlandung in das Baxter Building verursacht zwar keine Opfer, aber fortan werden die Beteiligten zu einem Spielball einer seltsamen Macht, die sich der Labors bemächtigt hat.
I’m smarter than you. (So das scheinbare Motto des Gegenspielers der Fantastischen Vier.)
Das Spiel nimmt seinen Lauf. Reed Richards wird direkt herausgefordert und muss seine Intelligenz unter Beweis stellen. Leider ist das nicht das einzige Problem, das sich ihm stellt. Er muss die Impulsivität von Johnny und Ben zügeln, andererseits versucht er Susan zu beschützen. Schließlich findet sich der Gegner: Wieder einmal müssen sich die Fantastischen Vier dem Wahnsinn eines Feindes stellen, der keine Gnade walten lassen will.
Denkfabrik ist eine wunderbar gruselige Geschichte im Ultimativen Marvel-Universum geworden. Verantwortlich für die stimmige Geschichte zeichnet sich Autor Mike Carey, Zeichner Jae Lee liefert die perfekt darauf zugeschnittenen Bilder. June Chung sorgt mit einer sparsamen, aber äußerst punktgenauen Farbgebung für einen feinen Kontrast und unterstützt so den Bildaufbau und den zeichnerischen Stil perfekt.
Jae Lee hat bereits mit dem Vierteiler um die Inhumans beweisen können, wie sehr sein scheinbar einfacher Zeichenstil für eine düstere Atmosphäre taugt. Auf den zweiten Blick ist es sogar unglaublich, wie sehr er es schafft, durch seine Strichführung diese umfassenden Eindrücke zu vermitteln. Lee hat einen Stil geschaffen, der zwar gewöhnungsbedürftig ist, aber gleichzeitig auch unverwechselbar. Wollte man den Stil beschreiben, ließe sich vielleicht sagen, dass die Bilder wie Fotografien wirken, die mittels Vektorgrafiken überarbeitet und vereinfacht wurden.
Lees Bilder können sicherlich die Meinungen der Leser polarisieren. Ich für meinen Teil finde es gut, dass es mit Jae Lee einen weiteren Zeichner mit einer sehr individuellen Handschrift gibt und dessen Arbeit sofort zu erkennen ist. Lee besitzt ein hohes Maß an Abstraktionsfähigkeit. Diese setzt er jedoch so geschickt ein, dass es dem Leser (in diesem Falle mir) nicht so vorkommt, als fehle etwas.
Auffallend in diesem Band ist die Darstellung mittels Schattenrissen. In so mancher Szene entsteht ein ziemlich surrealer Effekt. Diese Bilder erinnern ein wenig an die guten alten Borg aus Star Trek. Verkabelungen, rote Lichter, kreisrunde Monitore vor kaltblauen Hintergründen, alles in allem gruselig technisch. Eben eine Art moderne Frankenstein-Variante im Marvel-Universum.
Deshalb muss dem Autor Mike Carey in der Tat ein großes Lob ausgesprochen werden, wie viel er aus dieser Geschichte herausholt. Nicht oft sind kürzere Geschichten derart gehaltvoll. Zu häufig sind die Erzählungen auf längere Mehrteiler ausgelegt, die zweifellos einen hohen Reiz haben. Aber in einer kürzeren Geschichte sind die Autoren viel mehr gefordert, weil sie viel stärker die Kerninformationen in kürzerer Zeit an den Leser bringen müssen. Das erfordert ein viel besseres handwerkliches Geschick.
Carey gehört zu den Autoren, die im Marvel-Universum zu Hause sind. Er verdiente sich seine Sporen bei den X-Men ebenso wie im Ultimativen Universum bei den Fantastischen Vier, den X-Men und er brachte Daredevil und Elektra in einer neuen ultimativen (sehr gelungenen) Version zusammen.
Fazit: Ein echtes Zückerchen für F4-Fans.
Stichwörter: mike carey, jae lee, june chung