Samstag, 24. Mai 2008
In einer glanzvoll technisierten Zukunft scheint es keine Grenzen mehr zu geben. Das Leben verläuft in streng festgelegten Bahnen. – Aber Gewalt gibt es immer noch. Bei einem terroristischen Anschlag wird die Zivilisation von einem Augenblick zum anderen ausgelöscht. Die Zeit, die kommt, ist anders. In jener Zeit erinnern nur noch Mythen an eine Vergangenheit. Diese Mythen könnten ebenso gut Ammenmärchen sein.
Auf ihrer Flucht vor den Sklavenjägern finden die verzweifelten Männer eine Höhle. In den gläsernen Röhren, die dort aufgestellt sind, entdecken sie mumifizierte Tote. Ob dies eine Stätte der Alten ist?
Ein einziger in den Röhren hat überlebt, aber auch er kann diese Frage nicht beantworten, denn er weiß nicht, wer er ist, wann er einmal war, noch wo er jetzt ist. Außer Frage steht jedoch, dass er ein instinktiver Kämpfer ist, dessen Techniken die Sklavenjäger nichts entgegenzusetzen haben. Mit grausamer Leichtigkeit tötet er die Verfolger seiner Entdecker. Der weißhäutige Fremde, vom Blute seiner Feinde verschmiert, erhält von seinen dankbaren Findern einen Namen: Redhand.
Dem Leser könnten die Macher dieses Bandes durchaus bekannt vorkommen. Kurt Busiek ist inzwischen zu einem namhaften Schwergewicht der Comic-Autoren geworden – nicht zu Unrecht, denn mit seinen Erzählungen hat er neue Wendungen in bestehende Reihen gebracht. Mit frischen Ideen sind außerdem neue Triebe entstanden, die Impulse in die Comic-Landschaft brachten. Conan brachte das Traumteam Kurt Busiek und Cary Nord zusammen. Die Rächer vereinten Busiek und George Pérez.
Redhand ist das Projekt von Busiek und Mario Alberti, dessen grafischer Stil sehr individuell ist und einen hohen Wiedererkennungswert hat.
Hierzulande mögen Comic-Fans Albertis Arbeiten von Morgana her kennen, einer SciFi-Geschichte mit starkem Phantastikanteil. So mögen sich die richtigen Macher hier zusammengetan haben, denn der Mystik- und Mythenfaktor von Redhand ist deutlich hervorgehoben. Der seltsame Fremde ist von Busiek fast wie ein Messias konzipiert worden, allerdings ein Messias wider Willen, dessen Fremdartigkeit ihm beinahe zum Verhängnis wird.
Ähnlich wie bei Morgana ist Redhand eine sehr ernste Erzählung. Hier ist keinerlei Platz für Witz, Humor, weder in der Erzählung noch durch eine grafische Anspielung. Busiek und Alberti gehen in der Beschreibung dieser zukünftigen Welt wie auch des Charakters von Redhand auf.
Nicht nur sein Äußeres macht ihn innerhalb der Dorfgemeinschaft zu einem Außenseiter, auch seine mangelnde Eigenschaft auf die Götter zu reagieren.
Irgendetwas hat die Katastrophe in der Vergangenheit überlebt und kann die Menschen dieser Zeit beeinflussen. Der Aufwiegelungsprozess, den Busiek hier beschreibt ist klassisch, nachvollziehbar. Er findet sich in Western ebenso wie in Fantasy-Geschichten, aber er funktioniert immer wieder. Dem Leser sollte es schwer fallen mit Redhand Sympathien zu empfinden. Er kapselt sich sehr ab, nimmt seine Andersartigkeit an und unternimmt nicht viel, um sich zu integrieren. Dadurch entsteht die Möglichkeit, diese Hauptfigur aus der Warte der Dorfbewohner zu sehen. – Und der Schock zum Schluss sitzt so noch tiefer.
Die reduzierte Farbpalette, die Mario Alberti zum Einsatz bringt, verstärkt den Blick in eine andere Welt und eine besonders künstlerische Wirkung. Der Beginn, mit einem warmen Grau, Rot, einem giftigen phosphoreszierenden Grün unterlegt erweckt bei aller sorgsamen Technisierung den Eindruck einer düsteren (auch schlecht gelaunten) Welt. Im Wechsel zur Zukunft wird es heller, mitunter gelblicher, doch wenn die Vergangenheit spürbarer wird, wird auch die Farbpalette von zuvor wieder aktiver und legt schließlich auf ein kaltes Grau einen neuen Schwerpunkt.
Informative Interviews mit den beiden Machern sowie sehr schöne Entwürfe von Mario Alberti runden die vorliegende Ausgabe ab – und schüren die Neugier auf die Fortsetzung.
Durch den Tod einer Welt kommt ein Fremder in die Zukunft. Aber er ist kein Heilsbringer wie so oft, sondern ein Zerstörer – wider Willen – daraus entsteht ein spannender Plot mit unerwarteten Wendungen von einem Comic-Altmeister einerseits (Busiek) und einem Neuling andererseits (Alberti), die hier eine fesselnde Inszenierung zu Papier gebracht haben.
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Stichwörter: kurt busiek, mario alberti
Donnerstag, 06. Dezember 2007
Morgana muss nun allen Mut aufbringen, noch mehr als zuvor. Ihr treuer Mentor ist verstorben. Die Verwicklungen der letzten Zeit haben ihr den Atem geraubt. Ihr langjähriger Feind Vorrtt stellte sich als der Freund aus Jugendtagen heraus, den sie so lange vermisst hatte.
Während Morgana durch die Traumwelt ihrer aufgewühlten Gefühle treibt, befindet sich die Himmelskathedrale im Belagerungszustand. Jeder, der draußen in kleinen und großen Schiffen wartet, erhofft sich, einen Teil des Kuchens abzubekommen. Morgana erwacht, doch das Erwachen bringt keine Linderung. Denn plötzlich holt sie und ihren Begleiter Rosso die harte Realität wieder ein.
Morgana und Rosso werden gefangen genommen. An den Händen gefesselt muss sich Morgana den Müllpiraten stellen. Diese Bande attackiert sie mit wechselnden Kämpfern, bis ein gelangweilter Anführer den Schaukämpfen ein Ende setzt. Wenig später wacht Morgana in einem kleinen Raum wieder auf. Eine junge Frau macht sich vor einem Spiegel schön. Im Gegensatz zu Draupadi will Morgana sich nicht ruhig verhalten, sondern die nächstbeste Gelegenheit zur Flucht nutzen.
Aber wer ist dieser geheimnisvolle Geist, der aus den Schatten auftaucht und sich bei der geringsten Störung wieder entfernt? Was geschieht hier? Bald entdeckt Rosso die Lösung. Morgana fällt es nicht leicht, eine Entscheidung zu fällen. Ist diese Entdeckung gut oder schlecht? Und was bedeutet sie für ihre Zukunft?
Vom Regen in die Traufe, so lässt es sich treffend beschreiben. Morgana muss noch mehr durchstehen und ist in einer Haar sträubende, von der Außenwelt abgeschiedene Welt geraten. Die Abgeschiedenheit hat die Menschen und die Lebewesen etwas merkwürdig werden zu lassen. Nach all den großen Intrigen und Schlachten ist diese Welt ein ganz persönliches Horrorszenario für Morgana. Auch Rosso hat es nicht leicht. Getrennt von ihr hat er sein eigenes Martyrium zu erleiden.
Mario Alberti und Luca Enoch haben auf eine grafisch sehr zerbrechliche Weise Morganas Alptraum in Szene gesetzt. Die junge Frau sieht sich neuen Wahrheiten gegenüber und nimmt gleichzeitig neue Verpflichtungen an. Für die Kriegerin ist es eine Ehrensache den Schutz für die viel schwächere und im Kampf ungeschulte Draupadi zu übernehmen. Die Frau, eine Geisel, ist etwa so, wie Morgana hätte sein können, ohne das Schicksal voller Widrigkeiten und Kriege.
Alberti und Enoch zelebrieren eine Art Epilog zu den bisherigen Episoden. So ist der Einstieg nicht leicht. Wer die Geschichte aber auf die aktuellen Ereignisse hin liest, wird eine mysteriöse Science Fiction Geschichte erleben. Die Gefangennahme, die Auseinandersetzung von Rosso mit seiner Vergangenheit, Morgana, die ein wenig Ruhe findet und auch ihre Vergangenheit. Der Geist, dessen wahre Gestalt bald enthüllt wird, ist ein Abgesang auf alte Stärke, aber auch wie auf ein früheres Leben von Morgana. Irgendwie verabschiedet sie sich von sich selbst.
Auch Rosso ist an einem Scheideweg angelangt. Er entstammt einer Kriegerrasse. Zeit seines Lebens ist er einem Ehrenkodex gefolgt und muss nun zusehen, wie seine Vorstellung von Kriegerleben durch unwürdige Gestalten entehrt wird. Rosso ist ein gnadenloser Charakter, nicht ohne Humor, aber sehr grantig. Er agiert wie eine Figur, die ihren Horizont verloren hat. Er ist nur noch auf Ziel fixiert, allerdings ein verlorenes, ein überflüssig gewordenes Ziel.
Alberti und Enoch entzweien die beiden bisherigen Freunde und Mitstreiter, Morgana und Rosso, langsam aber stetig. Ebenso wie die Luft um sie herum langsam untergeht, geht auch ihre Freundschaft unter. Die Geschichte ist insgesamt als sehr traurig zu bewerten, sicherlich spannend, doch hauptsächlich tragisch.
Grafisch verfolgt Mario Alberti den gleichen diffizil ausschauenden Weg wie bisher. Die Bilder hingegen wirken düsterer. Die Gesamtstimmung, von der Handlung eingeleitet, ist auch optisch sehr gut eingefangen. Auch die Zeichen werden für jedermann offensichtlich gesetzt. Morgana verliert ihre Haare, gewinnt kurz, schöpft Hoffnung, um gleich darauf wieder alles zu verlieren. Alberti bewegt sich gerne in einem Sortiment von unbestimmbaren Farben. Sie sind alles andere als knallig. Es ist gräuliche Grün- und Rot-Töne. Irgendwie wirkt das Szenario schmutzig, verbraucht, am Ende, verkohlt. Und doch passt es hervorragend. In diesem gebrauchten Universum der Müllsammler gibt es keinen schönen Lichtblick. Das Kraftvollste ist immer noch die Schwärze des Welltalls.
Eine sehr philosophisch gestimmte Geschichte um Liebe, Freundschaft, Verlust, Tod, einen geplanten Lebensweg, der aus der Bahn läuft. Morgana ist nun endgültig am Ende. Oder ist es Wende? Die Antwort darauf lassen Alberti und Enoch offen, aber zuvor schicken die beiden Macher ihre Heldin durch einen grausamen und düsteren Parcour. Sehens- und lesenswert.
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Stichwörter: mario alberti, luca enoch
Samstag, 27. Januar 2007
Ein Arkanum fehlt dem Feind noch. Wenn das mythische Artefakt dem Feind in die Hände fällt, wird er kaum noch zu besiegen sein. Morgana und ihr Freund Rosso müssen unter allen Umständen vor dem Gegner am Versteck des Artefakts eintreffen. Ihr Zielplanet, die Heimat der Krritt, wurde vor langer zu einer Eiswüste. Nicht mehr viele von Rossos Spezies, selbst ein Krritt, sind übrig geblieben. Merlin, Morganas Mentor, bleibt im Orbit zurück, um den Sprungpunkt gegen Verfolger zu sichern. Das Duo macht sich an die gefährliche Landung.
Von nahem sieht die eisige Oberfläche noch trostloser und lebensfeindlicher aus als dem Cockpit des Raumschiffs heraus. Auf ihrem langen Marsch erzählt Rosso Morgana die Geschichte seines Volkes. Wer sie waren und wie sie zu dem wurden, was sie nun sind. Es ist eine Geschichte über eine Revolution, einem Kampf gegen Sklaverei. Ein Fremder mit einem Arkanum half den Krritt sich gegen ihre Herren zu erheben. Die Krritt legten all ihren Hass in den Kampf und nutzten ihre neuen, viel stärkeren Körper, um sich ein für alle Mal ihrer Herren zu entledigen.
Nach diesem Kampf gab es keine Ruhe. Die Krritt bewiesen ihre Dankbarkeit und zogen für ihren neuen Herren, den Fremden mit dem Arkanum in den Krieg. Doch irgendwann endete es und das Eis kam.
Die Zeit wird knapp. Merlin erwartet im Orbit eine unangenehme Überraschung. Vorrtt hat seiner Ankunft eine Vorhut vorausgeschickt, die Merlin ziemlich zusetzt.
Unterdessen sucht das Volk immer noch nach den verschollenen Thronerben Alix und Thor. Hunderte drängen sich um den Palast und prahlen mit ihren Ähnlichkeiten der Kinder, die einst im Brand um ihr Leben kamen.
Die zweite Folge von Morgana – Das Geheimnis der Krritt bringt sehr viele Antworten auf die Fragen, die sich aus dem ersten Teil ergaben. So einiges wurde von den Machern bereits angedeutet. Richtig sicher konnte man sich als Leser jedoch nicht sein. Mario Alberti, Autor und Zeichner, und Luca Enoch, Autor, führen die auf einem anderen, neuen Pfad fort, dadurch dass die Nebenfigur Rosso des ersten Teils viel mehr Gewicht erhält.
Alberti und Enoch spielen auf geniale Weise mit den Erwartungen des Lesers. Genre-Fans kennen natürlich viele Szenarien, Raumkämpfe, Rüstungen, Helden, Bösewichter und vieles mehr aus den Science Fiction Sagas.
Die beiden Autoren fügen ihrem Szenario eine mythische Komponente wie auch eine Variante hinzu, die der Leser aus der Geschichte der guten alten Mutter Erde kennt – wie lange glaubte man, dass es bei diesem oder jenen Unglück überlebende Familienmitglieder gegeben hat. Die Geschichte um Morgana spielt mit dieser Idee und zeigt auch die Hysterie derer, die ihre einzige Chance auf ein besseres Leben darin sehen, sich als Überlebende einer ähnlichen Tragödie auszugeben.
Wieder einmal weiß der Leser mehr als die einzelne handelnde Figur. Alberti und Enoch streuen dieses Wissen wie beiläufig und legen auch Fährten, Spuren, denen der Leser folgen kann.
Die Fährte der verlorenen Kinder ist eine, das Schicksal der Krritt eine andere. Die Krritt, obwohl rattenähnliche, mannshohe Wesen mit vier Armen, haben eine Art Samurai-Ehrenkodex entwickelt. Für den Betrachter fällt es natürlich schwer einen solchen Zusammenhang herzustellen, denn Ratten sind wahrlich keine Lebewesen, die in erster Instanz mit Ehre verknüpft werden. Allerdings schafft die Geschichte Mitleid mit diesem Volk, das einst versklavt war.
Mit Rosso wurde außerdem ein Charakter geschaffen, der Morgana als Hauptfigur zeitweilig in die zweite Reihe verweist. Dieser Zug, auch einmal von bestehenden Erzählstrukturen abzuweichen, schafft Unvorhersehbarkeit und ein gehöriges Maß Spannung.
Zeichnerisch wird die hohe Qualität des ersten Teils aufrechterhalten. Die Farben sind sehr gedeckt und werden durchaus sparsam eingesetzt. In Wahrheit arbeitet Alberti mit dem Nötigsten, um nicht von kleinen Details und vielen Mustern abzulenken, die sich zuhauf in den Bildern finden. Die Farbgebung stützt außerdem die Anmutung der zerbrechlich wirkenden Zeichnungen viel besser als eine überbordende Farbexplosion.
Ein tolles Science Fiction- und Fantasy-Event im Comic-Bereich. Spannend, geheimnisvoll, optisch ein Hit. Mit Morgana und Vorrtt entstand ein neues Feindesduo, dessen Schicksal eng miteinander verknüpft ist.
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Stichwörter: mario alberti, luca enoch
Mittwoch, 02. August 2006
Die Stadt Deneth Skaag wird belagert. Belagerer wie Verteidiger führen den Kampf mit unerbittlicher Härte. Über die Stadt wacht eine den Verteidigern heilige Reliquie. Eben diese Reliquie ist nicht nur Schutz, sondern auch das Ziel von Morgana und ihres Begleiters Rosso.
Unbemerkt von den Kämpfern beider Seiten finden die beiden Freunde einen unterirdischen Weg in die Stadt. Obwohl sie auf Weisung ihres metallenen Mentors Merlin handelt, werden Morgana und Rosso nicht freundlich empfangen. Morgana setzt ihr Können ein, um ihre Fähigkeiten vorzuführen. Sie will zeigen, wozu sie in der Lage ist, was sie tun könnte und trotzdem unterlässt. Ihr Zuvorkommen stößt zunächst auf keinerlei Gegenliebe.
Morgana mischt sich in einen Krieg ein, der nicht der ihre ist, noch es jemals sein wird. Sie versucht die ihre zugewiesene Aufgabe mit Ehre und Respekt vor den Sieth zu erfüllen, denen sie das heilige Artefakt entwenden soll. Die Angriffe der Tromak, die eigentlich nichts weiter wollen, als ihre Stadt zurück zu erobern, stören sie dabei ungemein. Und noch etwas beunruhigt sie.
Unter den Angreifern befindet sich Vorrtt, ein mächtiger Magier und Krieger, mächtiger als sie. Beide haben sie das gleiche Ziel. Morgana will sich Vorrtt stellen, obwohl sie weiß, dass es nicht klug und noch viel zu früh ist. Doch Morgana ist jung und hat ihr Ungestüm manchmal nicht im Griff.
Schließlich ereilt alle Protagonisten die Ungeduld und die Ereignisse überstürzen sich. Morgana sieht sehr schnell ein, dass sie einen Fehler begangen hat. Vorrtt lässt sie diese Lektion auf sehr schmerzhafte Weise lernen.
Morgana 1 – Die Himmelspforte ist der Auftakt einer neuen fünfbändigen Reihe, einer sehr einfallsreichen Mischung aus Fantasy und Science Fiction. Eine enorme Detailfülle und eine gewaltige Menge an Hintergrundinformationen, die sich dem Leser nach und nach enthüllen, bilden ein regelrechtes Panorama vor dem äußeren und inneren Auge. Die Welt, die hier von Mario Alberti und Luca Enoch geschaffen wurde, strotzt wegen seiner vielen Einzelheiten regelrecht vor Kraft. Die Zeichnungen von Mario Alberti (also in einer Doppelfunktion als Szenarist und Zeichner dabei) eifern der inhaltlichen Detailfülle nach.
Der Leser wird sehr schnell mit der eigentlichen Geschichte konfrontiert. Ein kleiner Prolog wirft mehr Fragen auf, als er enthüllt. Allerdings ist das Lüften von Fragen nicht die Vorgehensweise der Erzähler. Es setzt das Hintergrundwissen der Leser voraus – obwohl der Leser noch gar nichts wissen kann, da es sich um den Auftakt der Geschichte handelt. Seltsamerweise funktioniert das Konzept. Alberti und Enoch fangen einen mit viel Spannung ein. Der Leser erlebt diese Welt aus dem Blickwinkel von Morgana. Für sie ist alles ebenso neu, aber auch sie stellt kaum Fragen. Für sie ergeben sich die Informationen aus dem jeweiligen Moment, sie empfängt die Antworten, wenn sie sie benötigt. Diese Erzählweise macht die Handlung unvorhersehbar und auch rätselhaft. Die beiden Erzähler konzentrieren sich auf die immer faszinierender werdende Figur der Morgana. Die Kriegerin wird von Szene zu Szene vielschichtiger, wächst weit über die anfänglich gezeigte perfekte Kämpferin hinaus.
Interessant ist die Verquickung von Fantasy- und Science Fiction-Elementen. Der Planet selber ist noch recht mittelalterlich, seine technische Entwicklungsstufe niedrig. Mit dem Eingreifen von außen ändert sich die Gewichtung dramatisch. Durch die Hilfe des Magiers Vorrtt halten neue Techniken bei den Belagerern Einzug. Geschütze schlagen gleichzeitig neben altmodischer Reiterei zu.
Ruhige Szenen, Landschafts- oder Gebäudeabbildungen wechseln sich mit rasanten Kampfes- oder Actionszenen ab, zu Wasser, zu Lande und auch in der Luft.
Diese Mischung ist von Mario Alberti farblich in eher erdigen, atmosphärisch düsteren Farben umgesetzt. Wo die Farben greller sind, bilden sie deutliche Hinweise auf wichtige Akzente der Handlung oder der gezeigten Welt. Bilder und Geschichte ergeben so eine sehr schöne Einheit. Was während des Betrachtens der Bilder regelrecht begeistert sind wirklich kleinste Details wie Verschönerungen an Fernrohren, an Kleidung, an Gebäuden und und und. In diesem Sinne bietet die fein gezeichnete Cover-Abbildung einen guten Ausblick auf die Art und Weise, wie auch das ganze Album gestaltet ist.
Der Auftakt der Erzählungen um Morgana überzeugt mich in seiner gesamten Bandbreite, von der Handlung bis zur künstlerischen Umsetzung. Außerdem gehört er zu der Art von Comics, die man nach dem ersten Lesen gleich wieder von vorn beginnen kann, um noch einmal die Bilder eingehend zu betrachten. – Einfach, weil sie so gut sind.
Stichwörter: mario alberti, luca enoch, morgana, science fantasy, space opera