Montag, 03. März 2008
Annihilus wurde geschlagen. Galactus’ einstige Herolde sind über die Galaxis verteilt, richtungslos, ziellos. Terrax, Stardust, der Silver Surfer und auch Firelord räumen in den Trümmern auf. Nicht alle Gefolgsleute von Annihilus sind vernichtet. So mancher glaubt sein eigenes kleines Reich errichten zu können.
Terrax ist ein Wesen, das mit seiner Axt denkt. Sicherlich ist er furchtlos und Kämpfer, wie es nicht viele gibt. Sicherlich gibt er nicht so leicht auf, aber sehr weit reichen seine Gedanken nicht und Konsequenzen sind ihm gleichgültig.
Anders verhält es sich mit Stardust, nicht humanoiden Ursprungs, erkennt er sehr wohl Konsequenzen, zieht Schlüsse, ist aber in seiner Gedankenlosigkeit, die seine Ratio überlagert, ebenso brutal wie Terrax.
Wer glaubt, der Silver Surfer würde sich eher menschlich verhalten, sieht sich gewaltig getäuscht. In den Tiefen des Alls kämpft er gegen Wesen, die seinem Herrn gefährlich werden können. Der Surfer selbst gerät an die Grenzen der Belastbarkeit.
Auch Firelord sucht den Kampf, doch er muss dafür weitaus weniger Mühen auf sich nehmen. Dieser Herold hält nichts von den Verträgen, die während des Krieges geschlossen wurden. Die Reste dieser Unholdarmee müssen endgültig kapitulieren oder sterben.
Empfindliche Verluste nahm auch das Nova-Corp hin. Genauer gesagt existiert nur noch einer in dieser intergalaktischen Eingreiftruppe. Richard Rider, genannt Nova, einst ein normaler Superheld der Erde, ist nun viel mehr. Seine Kräfte übersteigen das von ihm bekannte Maß bei weitem. Wie draußen zwischen den Sternen versucht er alleine die Aufgaben zu bewältigen, die eigentlich für ein ganzes Corps gedacht waren. Bald ist er am Ende seiner Kraft. Psychisch angeschlagen scheint er nur eine vernünftige Lösung zu geben: Urlaub auf der Erde.
Aber: Dort hat man nichts von dem Krieg im All erfahren. Und mehr noch: Richard weiß nichts von einem Civil War und davon, wie sich die Dinge in seiner Heimat geändert haben.
Fünf Wesen mit übernatürlichen Kräften erleben ihren ganz persönlichen Wendepunkt. Terrax, Stardust, Silver Surfer und Firelord, Herolde von Galactus stehen mit ihren doch ungewöhnlich übermenschlichen Problemen Nova gegenüber, der, zwar voller Erfahrung, im Herzen immer noch ein junger Mann und von Heimweh geplagt ist.
Unterschiedliche Autoren und Zeichner mit gegensätzlichen Zeichenstilen kommen hier mit diesen Episoden zusammen und stellen einen Prolog bereit, der alle Protagonisten an einen Startpunkt entlässt. Christos N. Gage und Stuart Moore haben die undankbare Aufgabe erhalten, sich mit den unsympathischen Charakteren abzugeben. Terrax besitzt wirklich keine Eigenschaft, die es erlauben würde, dass ein Leser mit ihm fiebert. Und Stardust ist so fremdartig, dass eine Identifikation mit ihm schwer fällt. Kurz, das Schicksal der beiden nimmt keinen Leser sonderlich mit.
Im Gegensatz dazu können der Silver Surfer und Firelord schon eher mitreißen. Einsame Rächer, konsequent und erbarmungslos und – im Falle des Surfers – auch bereit, die eigene Existenz zu opfern, um den Sieg davonzutragen.
Nicht umsonst sind die zuerst Genannten und die zuletzt Genannten auf dem Cover auf der jeweils anderen Hand von Galactus abgebildet. Wer die Andeutungen von Galactus aufmerksam liest, kann sich außerdem sicher sein, dass sich hier etwas zusammenbraut.
Zeichnerisch können in den Herold-Episoden besonders Andrea Di Vito und Scott Kolins überzeugen. Di Vito stellte sein Können schon im untergegangenen Crossgen-Universum unter Beweis und zeigte gleichzeitig damit, dass er mit phantastischen Stoffen hervorragend umzugehen weiß. Der Silver Surfer wird von ihm gewohnt exakt und mit einem guten Blick für schnelle Bewegungen gezeichnet. Maßgeblichen Anteil an den guten Bildern hat aber auch Paul Mounts, ein Kolorist, dessen Name häufig in Erscheinung tritt. Die Qualität seiner Arbeiten spricht einfach für sich.
Scott Kolins zeichnet einfacher, comic-hafter, aber immer noch aufwendiger als es zum Beispiel Giuseppe Camuncoli, in der Terrax-Episode macht. Durch die Kolorierung von June Chung, die auch die Bilder von Camuncoli veredelte, werden Kolins’ Grafiken richtig schick - das dürfte ein treffendes Wort dafür sein.
Der grafische Höhepunkt des vorliegenden Bandes ist aber die Geschichte um Nova. Hier stimmt einfach alles. Zeichnung (Sean Chen), Tusche (Scott Hanna) und Farbe (Guru EFX) ergeben ein Gesamtbild, das mittlerweile als neoklassisch bezeichnet werden könnte. Ähnliche Stile finden sich auch von anderen Zeichnern, besonders im Bereich der Superhelden.
Die Begegnungen von Nova mit Iron Man wie auch mit den (neuen) Thunderbolts stechen in dieser Episode hervor. Gerade das Zusammentreffen mit den Thunderbolts sollte für Überraschungen sorgen, denn Nova kann hier beweisen, wie stark er ist.
Ein guter Start in einen neuen wichtigen Abschnitt im Marvel-Universum. Über den Auftritt von Nova kann sich der Marvel-Fan nur freuen, da dieser Held hierzulande (und überhaupt) etwas zu kurz kommt.
Stichwörter: andrea di vito, keith giffen, paul mounts
Donnerstag, 03. Mai 2007
Black Adam, der mit göttlicher Macht ausgestattete Potentat, hält Hof. Er ist von seiner Anstrengung, ein stabiles Bündnis sicherer Staaten zu schnüren, absolut überzeugt. Für dieses Ziel geht er mit jeder erforderlichen Gewalt zu Werke.
Er hat ein leichtes Spiel, da sich im Augenblick niemand wirklich gegen ihn und seine Pläne stellen kann, denn noch nie waren Helden derartige Mangelware auf der Erde. Es ist das Jahr nach der Infinite Crisis.
Während sich Superman, besser gesagt, Clark Kent, in seinen Kochkünsten schult, versieht er seinen Job als Reporter eher schlecht. Wer hätte gedacht, dass Kent einmal beim Daily Planet gefeuert wird? Ein Interview muss her. Über Metropolis hat sich ein neuer Held etabliert. Sein Name ist Supernova. Auch Clark ist neugierig darauf, was hinter dem Fremden mit den außergewöhnlichen Energiekräften steckt. Leider ist er dazu auf ein gewöhnliches Interview angewiesen. Dank seines Kräfteverlustes ist es ihm verwehrt, kurz per Röntgenblick hinter die Maske zu schauen. Booster Gold indessen, ein Held zum Mieten, fühlt sich durch den ehrenhaften Supernova um seinen Job gebracht und ist entsprechend wütend. Eine richtige Heldentat muss her, die ihm wieder neue Sponsoren einbringt. Aber ein Desaster, an dem ein Held sich austoben kann, ist ja nie dann zur Stelle, wenn man eines braucht.
In Opal City mag es Ralph Dibny kaum glauben. Ein Kult versucht mit merkwürdigen Mitteln Superboy wieder zum Leben zu erwecken und ist fest überzeugt davon, es schaffen zu können. Wonder Girl gehört dem engsten Kreis des Kults an. Auch Ralph soll mitmachen. Er verlangt einen Beweis. Sie versprechen ihm, seine Frau ins Leben zurückzuholen.
Ralph wird von seinen Emotionen überwältigt. Ähnlich ergeht es auch Adrianna, die von Black Adam ein einmaliges Angebot erhält. Sie bekommt die Chance, göttliche Kräfte zu erhalten. Niemals wieder gäbe es für sie eine bessere Möglichkeit, ihrem Volk zu helfen und es zu beschützen.
Sind ihre Motive auch edel und geht sie auch mit großem Enthusiasmus zu Werke, so sind die Probleme von Renee und The Question ganz anderer Natur. Sie sind auf der Spur von Intergang. Die Verbrecherorganisation, die ihre Krallen in alles zu schlagen versucht, was sich nicht rechtzeitig wehrt und entsprechende Maßnahmen ergreift, will die beiden nervtötenden Detektive endgültig kaltstellen. Für Renee wird die Jagd auf Intergang zu einer ganz persönlichen Tragödie.
Wer die grobe Zusammenfassung der zweiten Ausgabe von 52 mit den Wochenabschnitten 10 – 18 stellt schnell fest: Hier kommen viele Ereignisse zusammen, die einen leicht puzzleartigen Charakter haben. Da kann der Überblick schon mal verloren werden, doch wie bei einem Puzzle kommt nach und nach ein Teilchen zum anderen und das Gesamtbild offenbart sich.
Die geschilderten Ereignisse sind noch nicht einmal komplett wiedergegeben. Neben den Figuren wie Black Adam, Ralph Dibny (der frühere Elastoman), Booster Gold, Supernova geben sich auch Helden wie Green Lantern, Green Arrow, Batwoman, Starman und Lobo die Ehre. The Question werden manche Comic-Fans vielleicht noch unter dem Namen Das Schemen kennen (Eigentlich auch ein treffender Name für den Detektiven, der seine Identität mittels einer Art hautfarbenen Latexschicht schützt, die sein Gesicht konturlos erscheinen lässt. Ein Nebel verschleiert seine Maskierung.) Wer genau aufpasst, wird außerdem einen Blick auf Metamorpho erhaschen, der früher mal dem Batman-Team angehörte.
So weit, so viele Charaktere.
Interessant und wirklich gut aufgebaut sind die Tragödien in diesen Geschichten. Leider kann ich nicht allzu sehr in die Tiefe gehen, um nicht zu viel zu verraten. Aber die verschiedenen Autoren wie z.B. Geoff Johns, Greg Rucka oder Mark Waid (und noch mehr) schenken den Helden wahrlich nichts. Besonders Ralph Dibny und Renee stechen dabei heraus. Ersterer ist bald dem Wahnsinn nahe, letztere wird in eine tiefe Gewissenskrise gestürzt. Neben diesen Szenarien, die sehr erwachsener Natur sind und ähnliche Tiefe erreichen wie in besseren Kriminalserien aus der amerikanischen Fernsehschmiede, finden sich auch neue Rätsel.
Wer ist Batwoman? fragt dieser Sonderband auf dem Cover. Fans werden sich vielleicht noch an eine andere Batwoman erinnern. Kathy Kane wurde vermutlich von einem Mitglied der Mordliga getötet. Die neue Batwoman hat einen kurzen, aber knallharten Auftritt, der auch grafisch ein Knaller ist. Tatsächlich ist das Rätsel interessant – und wird auch immer wieder gerne aufgegriffen, wie die Zeichentrickverfilmung Rästel um Batwoman zeigt, die im Stile der beliebten Trickserie Batman – The Animated Series gedreht wurde.
Einen ähnlichen Knallerauftritt legt auch Booster Gold hin. Nachdem ich ihn bei einem Auftritt in der Trickserie der Justice League gesehen hatte, hat er hier ähnliche Probleme: Ein Mietheld wird eben nicht sehr ernst genommen. In diesem Band allerdings wächst er deutlich über sich hinaus.
Nach all diesen Überraschungen ist es keine Überraschung mehr, dass die grafische Umsetzung der gesammelten Abenteuer absolut Top ist. Besonders schön sind die Bilder nach den Vorzeichnungen von Keith Giffen. Die Episoden um Black Adam und Starman sind sehr gelungen.
Letztere setzen all den düsteren Ereignissen einen guten entschärfenden Humor den gesamten Geschehnissen gegenüber.
Gelungen, tragisch, spannend, sehr komplex, das DC-Universum einmal anders und doch vertraut. Wie könnte man sagen: DC wird ultimativ, ohne das Universum zu wechseln.
Stichwörter: geoff johns, mark waid, jimmy palmiotti, keith giffen, greg rucka, alex sinclair, 52