Freitag, 30. Mai 2008
Jackie Estacado arbeitet immer noch als Auftragsmörder für die ehrenwerte Familie. Dank seiner neuen Fähigkeiten als der Erbe der Darkness fällt ihm dieser Job noch ein wenig leichter als zuvor. Aber ein Problem gibt es dennoch.
Früher einmal war Estacado ein Frauenheld. Mit der Darkness jedoch geht ein deutlicher Nachteil einher: Sollte Estacado jemals Sex mit einer Frau haben, bedeutet das seinen sofortigen Tod und die Kräfte gehen auf seinen Erben über. Eine Alternative wäre eine Frau, die er Kraft seiner Gedanken, ähnlich wie die Darklings, erschafft. Doch damit hapert es gehörig.
Wenn es bei diesem Problem bliebe, wäre alles in Ordnung. Leider muss sich Estacado über die Gebühr abreagieren und riskiert so einen Kleinkrieg zwischen Mafia und Yakuza.
Liest man die Liste der Macher der vorliegenden 2. Werkausgabe der Darkness, meint man einen kleinen Ausschnitt aus dem Who ist Who des Comics vor sich zu haben.
Illustre Namen wie Marc Silvestri, Garth Ennis (!), Brian Haberlin und Michael Turner (!) haben ihren Beitrag zu dieser heftübergreifenden Begegnung zwischen der Darkness und der Witchblade geleistet.
Obwohl die beiden Figuren getrennt voneinander entwickelt wurden und auch alleine sehr gut bestehen, passen sie ungeheuer gut zusammen – wie es sich auch in späteren Crossovern zeigte. Das liegt an diesem kratzbürstigen Design, mit dem sich Witchblade und Darkness bei ihrer Verwandlung umgeben. Kantig, wie eine Ansammlung einer mit Klingen beladenen Oberfläche, aus der nach Bedarf mit weiteren Schnittkanten bewaffnete Peitschen schießen können.
So trifft es sich, dass eine aus der Witchblade-Saga bekannte Figur, Ian Nottingham, schließlich beide Kräfte in sich vereinen kann. Im Gegensatz zu manch anderem Crossover wirkt diese Zusammenführung nicht angestrengt sondern vollkommen geplant.
Die vorliegende Ausgabe ermöglicht den direkten Vergleich mehrerer Zeichnergrößen: Steve Firchow, Michael Turner und Joe Benitez.
Steve Firchow arbeitete für die verschiedensten Labels wie Image, Dark Horse, DC und andere. Leider steuert er hier nur einen kleinen Teil bei (mehr seines grafischen Talents sieht man unter www.stevefirchow.com). Michael Turner muss nicht erst groß dem Comic-Fan vorgestellt werden. Seine schmollmundige Witchblade, sein Fathom-Universum und diverse Ausflüge zu altbekannten Helden wie Superman und Batman haben ihn selbst hinreichend bekannt gemacht. Er ist ein Vertreter der Bombast-Panels, einer Kino-Comic-Variante, wo die Szenen den Bildrahmen zu sprengen versuchen, wo zeitweise die Körper derart ausdrucksstark zu sein scheinen, dass sie ihren eigenen Hautmantel zu sprengen versuchen.
Bei Joe Benitez wirken die Figuren wieder etwas zerbrechlicher, aber auch bodenständiger, nicht so ätherisch wie es manchmal bei Turner der Fall ist. Action-versiert sind alle beide. Benitez konnte dies auch mit seinen Bildern zur Magdalena unter Beweis stellen, einer Figur, die sich ebenfalls gekonnt in das Universum dieser modernen Gruselfiguren einfügt.
Der Zyklus um das erste Zusammentreffen von Witchblade und Darkness schließt mit einem furiosen Showdown in einem Naturkundemuseum ab. Wer die Kinofilme in der jüngsten Vergangenheit verfolgt hat, weiß, was alles Nachts im Museum passieren kann – dank der beiden Hauptfiguren geht es dabei noch ein härter zu Sache, aber nicht weniger überraschend.
Eine heftige Schauermähr mit den modernen Gruselgestalten, die immer noch auf eine würdige Verfilmung warten. Hier haben sich zwei Comic-Charaktere gesucht und gefunden. Top-Zeichner liefern einen tolles Action-Abenteuer ab.
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Montag, 17. Dezember 2007
Ja, die Liebe! Bereits Normalsterbliche können ein Lied davon singen, aber was ist eigentlich mit Superhelden? Wie geht ein Wesen mit übermenschlichen Kräften oder Fähigkeiten mit den Widrigkeiten dieses Gefühls um? Supergirl ist eine junge Frau, die bisher nicht viel Glück mit den Männern gehabt hat. – Aber dieser neue, dieser Powerboy, der könnte vielleicht …
Doch vor dem Techtelmechtel hat der Liebesgott erst einmal die Arbeit gestellt. Supergirl agiert Undercover, um grausamen Piraten das Handwerk zu legen. Leider konnte sie nicht ahnen, dass dieser Einsatz alles andere als ein Zuckerschlecken werden wird.
Wie ernst die Lage ist, erkennt Kara, das Supergirl, als sich das Geheimnis der Piraten offenbart. Ein unbekanntes Wesen wurde furchtbar gefoltert, seine Fähigkeiten zu schlimmen Zwecken missbraucht. Magie ist im Spiel. Die Konsequenz ist klar: Bei Magie versagen die Fähigkeiten einer Verwandten von Superman. Diesen Tag wird Kara niemals vergessen. Sie wird verletzt, sie blutet, wird durchbohrt und furchtbar verprügelt.
Da naht der Retter – nicht in goldener Rüstung, so doch wenigstens in einem engen Dress, athletisch, muskelbepackt, so schwebt der Recke vor der bedrängten Maid in der Luft.
Ich bin Powerboy. Ich werde dir helfen.
Zuerst ist alles eitel Sonnenschein, der fremde Held ist der perfekte Freund und (vermutlich) Liebhaber in Person. Dieses Bild wandelt sich bald. Supergirl hat eine weitere Einsicht. Nicht nur unter normalsterblichen Männern gibt es Schweine, auch unter den so genannten Helden gibt es Männer, die eine sehr merkwürdige Ansicht über Beziehungen haben. Diese Liebschaft wird im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Schlag beendet.
Supergirl – Enthüllungen ist nicht nur ein Abenteuer einer jungen Heldin, es ist auch ein Blick hinter die Kulissen. Liebe: Viele haben sich bisher damit herumgeschlagen. Batman zog es stets zu den falschen Frauen, meist solche mit dunklen Ambitionen, seien es Catwoman oder Talia al Ghul und andere. Superman musste jahrelang darben, bis er endlich die große Liebe mit Lois Lane erfahren durfte. Der Joker hatte Harley Quinn, Oliver Queen alias Green Arrow fühlte sich zu Black Canary hingezogen. Nur einige Beispiele aus dem DC-Universum, von den Liebschaften anderer Universen, insbesondere Marvel, wollen wir gar nicht erst anfangen.
Liebe ist Drama – hoffentlich nicht immer – doch als Geschichte muss es dramatisch sein, sonst macht die Lektüre keinen Sinn. Daran haben sich auch Joe Kelly und Marc Sable gehalten. Der Schönling Powerboy ist ein richtiger Bastard, tolle Larve mit verdorbenem Kern. Optisch ist er der Inbegriff des Traums aller Schwiegermütter, allerdings ist sein Besitzdenken in einer Beziehung sehr stark ausgeprägt, zu stark, kurz gesagt: Powerboy ist ein Superheld mit einem enormen Minderwertigkeitskomplex und einem großen Hang zur Paranoia.
Für dich tu ich doch alles.
Um den Leser nicht zu überfahren, wird das Verhältnis und die Wandlung von Powerboy langsam aufgebaut. Das ist notwendig, soll es denn glaubhaft wirken, dass Supergirl auf diesen Freak hereinfällt. Und es funktioniert. Ein wenig erinnert er an den jüngst verstorbenen Superboy. Sehr von sich eingenommen, natürlich immer hinter den Frauen her, Heldentum als Spiel. Powerboy ist so ganz anders als der verbissene Robin oder der nicht minder zerknitterte Nightwing. Leider hat er auch außer Abhängen und ein bißchen Held spielen nicht viel anderes im Sinn.
Die Geschichte hält sich nicht nur mit der Liebe von Supergirl auf. Vielmehr flechtet sie auch die typischen Probleme eines Helden ein – Schurken und Bösewichter. Hier treten sie in der Gestalt von recht gruseligen Gestalten auf, sogar das etwas makaber geratene Batgirl ist dabei. Die komplett vermummte Gestalt hat sich entsprechende Waffen besorgt, um mit Supergirl fertig zu werden. Ihr Köder ist letztlich auch der Stein des Anstoßes, der Powerboy durchdrehen lässt.
Die Abfolge dieser Ereignisse ist stimmig und durchdacht, die Szenerie nicht vorausberechenbar. Diese Vorgabe, die sich die Autoren wohl selber gestellt haben, halten sie auch im letzten Drittel des vorliegenden Bandes durch.
Liebe ist nicht mehr das Thema, vielmehr geht es um die Wahrheit. Es geht um Kräfte. Es geht darum, was sie aus einem Wesen machen. Es geht darum, was sie aus einem Wesen machen, wenn es seine eigenen Kräfte nicht vollends ergründen kann oder wenn es sie wieder verliert. Selbstzweifel, Verzweiflung, innere Kämpfe, Mutlosigkeit, Aufraffen, Hoffnung schöpfen, all diese Themen finden sich in dieser Geschichte, in deren Zentrum Supergirl steht. Aber sie muss diese Probleme nicht alleine bewältigen, da sie mit diesen Schwierigkeiten nicht alleine steht.
Grafisch legen Joe Benitez und Ian Churchill einen tollen ersten Teil hin. Zum Abschluss übernimmt Alé Garza den Stift. Garza ist gut, gar keine Frage und erhält auch perfekte Unterstützung durch Marlo Alquiza (Tusche) und Rod Reis (Farbe), doch gegen die beiden Vorgänger verblassen seiner Bilder etwas. Garza ist schon Top, aber mit Benitez und Churchill ist er nicht auf Augenhöhe.
Perfekte Supie-Unterhaltung mit der kleinen weiblichen Version, die dank verschiedener Inkarnationen schon immer für Überraschungen gut war. Der Titel Enthüllungen trifft es sehr gut. Nach Abschluss der Lektüre weiß der Leser mehr über das Supergirl und wurde zudem gut unterhalten.