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Comic Blog


Samstag, 30. August 2008

Die Blueberry Chroniken 10 - Am Ende des Weges

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 18:06

Die Blueberry Chroniken 10 - Leutnant Blueberry - Am Ende des WegesBlueberry und seine Freunde, Red Neck und Mac Clure reiten am späten Abend in die Stadt ein. Allen ist nicht so recht wohl, aber in diesem Gewühl werden sie, so glaubt Blueberry, nicht weiter auffallen. Während er ein Bad im Sinn hat, da er schon nicht mehr weiß, wie sich so etwas anfühlt, wollen Red Neck und Mac Clure lieber ihre Kehlen befeuchten. – Blueberry lässt sie gehen, wider besseres Wissen. Und tatsächlich, Red und Jimmy werden erkannt, der Alkohol tut sein Übriges, um die Häscher auf die Spur von Blueberry zu bringen. So war das nicht gedacht!

Vom Bad führt der Weg direkt ins Gefängnis. Jimmy schwört wieder einmal, dass er nie wieder einen Tropfen Alkohol anrühren werde. – Der Leser weiß, dass dieser Schwur nicht gehalten werden wird, denn das wurde er noch nie. – Der Schreiner kommt und nimmt bei den Gefangenen die Maße für die Särge. Am nächsten Tag sollen die Hinrichtungen sein. Es sieht so aus, als habe Blueberrys letztes Stündlein geschlagen, doch da …

Am Ende des Weges beschreibt einen Abschluss, eine Abrechnung und eine fehlgeschlagene Zusammenführung. Vor langer Zeit wurde Blueberry auf eine Mission geschickt, die sein Leben radikal veränderte. Als Dieb und Verräter, später sogar als Attentäter gebrandmarkt stand er lange Zeit auf der falschen Seite des Gesetzes. Nur seine engsten Freunde – Red Neck und Jimmy Mac Clure – halten während des gesamten Zeitraums zu ihm.

Nun wird abgerechnet. Endlich bekommt Blueberry die Chance dazu. Allerdings ist auch dieses Unterfangen halsbrecherisch und risikoreich wie jedes andere Unternehmen, das der Leser in einer langen Reihe begleiten durfte.
1983 begab sich Blueberry in Die letzte Karte auf die Suche nach dem Mann, der ihn entlasten konnte – nur um eine Gefangenenbefreiung in Gang zu setzen. Denn ausgerechnet der Mann, der ihn außerdem abgrundtief hasst, wird bei einem Regimewechsel in Mexiko festgesetzt und soll am nächsten Tag erschossen werden.

Jean Giraud begegnet dem Leser mit sehr glatten, moebius-artigen Linien, stark vereinfacht im Vergleich zu älteren Bluberry-Zeichnungen, aber immer noch zu komplex im Vergleich zu echten Moebius-Arbeiten. In Bonbon-Farben entsteht ein leicht entrückter Eindruck des Wilden Westens. Diese Trickfilm-Eleganz – und elegant sind die Zeichnungen zweifellos – stört ein wenig die Spannung, die ansonsten durch den erhöhten Realismus der Bilder aufkam. Mit einem Spaghetti-Western hat das optisch nicht mehr sehr viel zu tun. – Und mehr auf der letzten Seite genau hinschaut, mag in dem halb ertrinkenden Blueberry ein wenig von John Difool entdecken. Darüber hinaus sollte man aber auch als Leser nicht zu streng richten, denn ein Giraud, der sich selbst nicht so recht treu ist, ist immer noch ein begnadeter Künstler.

1986, als die Fortsetzung Der Weg in die Freiheit erschien, machte Giraud wieder einen Schritt zurück, gönnte seinem Blueberry wieder dicke kraftvolle Striche, weg von der architektonisch sterilen Art der vorherigen Bilder. Hier ist Blueberry wieder so, wie man(n) ihn kennt. Die Details sind wieder zahlreicher, die Tiefe der Bilder gerät wieder größer. Die Farben sind viel erdiger gestaltet als zuvor.
Die Schurken sind in diesem Band noch schurkischer, denn endlich enthüllt sich der Macher hinter den Anschlagsversuchen auf den Präsidenten. Blueberry hätte vieles vermutet, aber das nicht – und der Leser hätte es auch nicht vermutet. Die Auflösung ist jedoch nicht übel, denn es macht Sinn. Wesentlich interessanter ist das Auftauchen eines Handlangers, der Blueberry seine fürchterliche Entstellung anlastet. Hier findet sich alles. Das große Finale, die Rache aus niederen Motiven, eine lückenlose Aufklärung der Ereignisse.

1991 gibt es in Arizona Love noch ein weiteres Hühnchen zu rupfen. Mike Blueberry hat Chihuahua Pearl nicht vergessen. Wie einst in der Reifeprüfung platzt Blueberry in eine Hochzeit und entführt die Braut, bevor sie verheiratet werden kann. Die Optik ist wieder etwas exakter, gestriegelter, aber auch der Humor ist stärker vertreten. Mit dem Titelbild der Geschichte hält auch eine Mischung aus Postkartenkitsch, Jugendstil und Westernromantik in Blueberry Einzug – etwas, was sich immer auf einschlägigen Romanen findet, in denen ein Pirat oder Highlander eine wilde Braut entführt.

Ein langer Abschluss einer langen Handlungslinie, die einen großen Teil von Blueberrys Leben bestimmt hat. Am Ende ist unser Held wieder bereit für neue Abenteuer, nachdem alle Fäden zusammengeführt wurden. Jene, die mit den Vorgängerabenteuern vertraut sind, werden ihre Freude haben. Jene, die darüber nicht so viel wissen, werden zumindest – ein grundsätzliches Geheimnis der gesamten Reihe – spannend unterhalten. :-)

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Mittwoch, 28. Mai 2008

Die Blueberry Chroniken 9 - Tsi-Na-Pah

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 20:20

Die Blueberry Chroniken 9 - Leutnant Blueberry - Tsi-Na-PahAm Trading Post machen sich Tolson und seine Männer einen Spaß daraus, auf Indianer zu schießen. Die Angehörigen der Armee sind zwar empört, aber ihnen fehlt es ganz eindeutig an Durchsetzungskraft. Anders die Indianer: Sie wollen die Schmähungen nicht länger hinnehmen und ersinnen einen listigen Plan, um sich zu rächen.
Als eine Postkutsche im Trading Post hält, denken sich Tolson und seine Männer nichts Böses. Doch die Passagiere sind alles andere als harmlose Reisende.

Die 9. Ausgabe der Blueberry Chroniken beschäftigt sich mit einer der dunkelsten Seiten der amerikanischen Geschichte. Immer weiter zurückgedrängt, wissen viele Indianer nicht mehr ein noch aus. Einige lehnen sich auf, andere fliehen, wieder andere geben sich auf. Mit den Geschichten Gebrochene Nase, Der lange Marsch und Der Geisterstamm, zusammengefasst unter dem Titel Tsi-Na-Pah, erzählen Jean-Michael Charlier und Jean Giraud das spannende Schicksal des Stammes, bei dem Blueberry nach seiner Flucht vom Attentatsort auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten Zuflucht fand.

Die Chiricahua, bei denen Blueberry Unterschlupf findet, gehören zu den Apachen-Stämmen, die durch die amerikanische Geschichte (und einen bekannten Erzähler namens Karl May) besonders bekannt sind. Bereits früh wurde ein Blueberry gezeigt, der sich auf die Indianer als gleichberechtigte Gesprächs- und Verhandlungspartner einlässt und nichts auf die vorherrschenden Ansichten der Weißen gibt.
In dieser Trilogie verstärkt Charlier diesen Aspekt noch, indem er Blueberry auch in den Sitten und Gebräuchen des Stammes aufgehen lässt. Sein Kampf gegen den Adler, den er nur vollzieht, um eine indianische Frau zu beeindrucken, spricht Bände.

Wie wenig Eindruck er – ebenso wie Vittorio, sein indianischer Rivale – dabei hinterlässt, ist einer der gelungenen humoristischen Einsprengsel in diesen drei Geschichten, die es bei aller Dramatik und Tragik gibt.
Ob sie weiß sind oder rot, die Männer sind Dummköpfe! Der eine bringt mir einen Revolver mit, der andere einen stinkenden Geier, und dann wollen sie, dass Chini ihnen um den Hals fällt.
Ein moderner Zeitmesser wäre Chini lieber, die sich hier durch Mut und Weitsicht als moderne amerikanische Frau darstellt.

Weder erzählerisch noch optisch ergehen sich Charlier und Giraud sich im berühmten edlen Wilden, denn beide stellen auch ganz klar: In der Verzweiflung ist für Edelmut kein Platz, allenfalls für einen letzten Rest Vernunft.
Trotzdem mag man als Leser den Eindruck gewinnen, dass die Figuren allgemein etwas schöner geworden sind. Blueberry sind wieder die Haare gewachsen (die ihm während seines Gefängnisaufenthalts gestutzt worden waren) und selbst Mikes alter Freund Jimmy und auch Red Neck sehen besser aus. Im Vergleich zu vorhergehenden Ausgaben wurde der Strich noch leichter geführt, feiner, zierlicher, zum Teil wie eine ganz eigene Rasterimitation aussehend.

Insgesamt mag sich Charlier selbst nicht einig gewesen sein, wie er seinen Stamm nun zuordnet – Navajo oder Apachen – letztlich aber schildert er sie sehr behutsam, freundlich, auch Mitleid erregend. Es besteht gar keine Frage, auf welcher Seite die Sympathien dieser Geschichte liegen, obwohl mit Vittorio ein recht unbequemer Zeitgenosse eine der Hauptfiguren ist. Und das ist noch sehr vornehm ausgedrückt. Andere würden einfach sagen, dass es sich bei Vittorio um einen halsstarrigen Idioten handelt.
Aber solche Gestalten gibt es auf beiden Seiten. Egg Head und auch Wild Bill Hickok sind äußerst unverträgliche Zeitgenossen. Ersterer ein Indianerhasser ohne Grenzen, letzterer wird als Dandy mit Kopfgeldjägerambitionen gezeigt.

Charlier weicht von den realen Ereignissen des Wilden Westens im Sinne einer spannenden Geschichte ab, ohne den Kern der Historie zu verfälschen.
Im Gegenzug scheint es, als würde er die Odyssee auf amerikanische Verhältnisse übertragen. Nirgends sicher fliehen Blueberry und seine Freunde immer weiter und lassen sich stets neue Pläne einfallen, um zu entkommen. So ist eine sehr verschachtelte Trilogie entstanden, die auch alte Bekannte wie Jimmy oder Chihuahua Pearl zurückholt. So finden sich ebenfalls beste Voraussetzungen, um Girauds Gestaltungsfreude aus der Reserve zu locken. Zur Freude des Lesers sind dadurch grandiose Eindrücke entstanden.

Der Postkutschenüberfall, Mikes Kampf mit dem Adler und sein Aufenthalt bei den Chiricahua, Pearls Hilfestellung bei Blueberrys Flucht und einige Szenen mehr haben Vorbildcharakter, nicht nur auf zeichnerischer Ebene, sondern generell für einen schönen Bildaufbau und einen guten Sinn für Perspektive.

Ein aussichtsloser Kampf, eine packende Flucht. Charlier ist ein mitreißendes Western-Spektakel geglückt, in dem die Weißen die Bösen sind. Ein dunkles Kapitel amerikanischer Geschichte, dank der Bilder von Giraud eine tolle Abenteuertrilogie. Eine der besten. :-D

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Dienstag, 12. Februar 2008

Die Blueberry Chroniken 8 - Die Verschwörung

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 11:45

Die Bluberry Chroniken 8 - Die VerschwörungDas Leben hat es nicht gut mit Mike Blueberry gemeint. Obwohl er sich nach Leibeskräften bemühte, dem ihm übertragenen Auftrag auszuführen, wird er nun beschuldigt, einen riesigen Goldschatz beiseite geschafft zu haben. Abgemagert sitzt er nun in Francisville ein, einem der härtesten Militärgefängnisse der Vereinigten Staaten.
Darüber hinaus macht ihm Kommandant Kelly im Gefängnis das Leben schwer. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass Kelly mit gemeinen Tricks versucht, an das Geheimnis des Goldschatzes zu gelangen. Indes ist Blueberry unschuldig und versucht seinerseits Beistand von außen zu erhalten.

Nachdem Blueberry durch einen vorherigen Zellengenossen gelinkt wurde, sucht er nun nach einer neuen Möglichkeit, in die Freiheit zu gelangen. Kelly gibt ebenfalls nicht auf. Da trifft es sich, als Blueberry nach einer neuerlichen Züchtigung aufgibt und verspricht, die Soldaten zum Versteck des Goldschatzes zu führen. Außerhalb des Gefängnisses, so seine Annahme, sollte es leichter sein, seinen Bewachern zu entkommen. Und Kelly fällt auf die Finte herein.
Bald schon macht sich Blueberry unter strenger Bewachung auf den Weg in Richtung El Paso, dort, wo nach eigenen Angaben das Gold zu finden sein soll.

Bei einer Zugreise kommt Blueberry vom Regen in die Traufe. In einem der Wagons befindet sich ein stark bewachter Geldtransport: Noch mehr Soldaten. Die Chancen, tatsächlich entkommen zu können, werden nicht besser, sondern immer schlechter. Blueberry rechnet sich inmitten der schwer bewaffneten Männer schon keinerlei Chancen mehr aus, als es passiert: Ein Überfall.

Die Verschwörung, der 8. Band der Blueberry Chroniken, vereint die beiden Folgen
Vogelfrei und Angel Face miteinander. Mike Blueberry wird in der Tat in kompliziertes Geflecht einer Verschwörung hineingezogen, in der er als Sündenbock herhalten soll – wer wäre dazu besser geeignet als verurteilter Soldat, der immer durch Aufsässigkeiten auf sich aufmerksam gemacht hat.
Jean-Michel Charlier nutzt in seiner Erzählung einmal mehr die andere Seite des Blueberry aus, jene offizielle Seite, die sich in Akten und Steckbriefen niederschlägt. Bereits zuvor, in der Trilogie um das Südstaatengold, wurde ihm sein Ruf zum Verhängnis.
War er lange Zeit ein Kriegsheld und als Vermittler zwischen Indianern und Weißen bekannt, ist er nun zum Gesetzlosen wider Willen geworden.

Mit dem Wandel der Figur, des Flüchtigen, der sich gegen sein Schicksal aufbäumt, geht auch ein Wandel in der Gestaltung des Charakters einher. Jean Giraud hatte Blueberry lange Zeit als harten Kerl gezeigt, der durch diverse Torturen ein gestandenes Mannsbild geworden war – ähnlich wie das künstlerische Vorbild Jean-Paul Belmondo. Hier wendet sich das Bild. Blueberry ist kaum noch zu erkennen – na, eigentlich schon, aber in der Tat zeichnet Giraud seinen Helden so, wie ein Mensch aussieht, der gequält und erniedrigt wurde, nicht genügend Wasser und Nahrung bekam und die meiste Zeit in einer kleinen muffigen Zelle zubringen musste.

Dieser neue Blueberry hat seine längeren Haare einbüßen müssen, sein Gesicht ist eingefallen – Blueberry wirkt viel älter, als es der zeitliche Abstand zwischen der Geschichte um das Südstaatengold und seinen neuen Status als Gesetzloser erlauben würde.
Überhaupt tobt sich Giraud in diesen beiden Abenteuern an Gesichtern aus. Man fühlt sich als Leser in die großen Spaghetti-Western eines Sergio Leone versetzt, in denen großformatige Einstellungen von Gesichtszügen noch das letzte Zucken eines Augenlides auf die Leinwand brachten.
Kelly, einer von Blueberrys Gegenspielern, hätte gut und gern von Lee van Cleef gespielt werden können, mit breiten und hohen Wangenknochen, einem Bärtchen und leicht geschlitzten Augen, ist hier das Paradebeispiel eines Intriganten. Eine Guffie Palmer, eine dickliche Frau mit bewegter Vergangenheit, ist eine Art guter Geist, eine Mutterfigur, die wahrhaftig alles dafür gibt, damit die Wahrheit ans Licht kommt. Eine weitere Frau, die Blueberry aus den Flammen rettet, weiß auch das Gute in dem Mann zu erkennen. Knurrig, alt und gelähmt, trägt sie ebenso das Herz auf der Zunge wie Guffie und wirkt ein bißchen wie eine weibliche Version von Blueberrys altem Freund Jimmy.

Faszinierend ist die Auswahl eines Gegners und Schurken: Angel Face. Der Spitzname dieses jungen Mannes ist Programm. Derart hübsch und weich aussehend, dass er sich als Frau durchmogeln kann, ist er doch eine der tödlichsten und skrupellosesten Charaktere in diesem Drama.
Ob als Beschreibung durch Charlier oder als Zeichnung von Giraud, die diesen Charakter natürlich enorm stützt, Angel Face geht ganz in der Tradition von tragischen Gangstern wie Pretty Boy Floyd oder Billy The Kid auf. So gönnt Giraud seinem dunklen Helden auch nicht den Tod, sondern etwas viel schlimmeres. Allein diese Auflösung, wie auch jede Wendung innerhalb des Handlungsstrangs – und davon gibt es viele – ist ein gutes Beispiel für den Erzähler Charlier, der zwar nicht alles immer neu erfand, aber es verstand, immer die richtige Mischung aus Erzählelementen zu treffen. Darüber hinaus lässt es sich wohl behaupten, dass es nur wenige Blueberry-Geschichten gibt, die ähnlich reich an Wendungen und Hakenschlägen sind und den Leser stets in eine andere Richtung führen. Charlier lässt sich keine Gelegenheit entgehen, um auch nicht die geringste Möglichkeit zur Vorhersage eines Schlusses zu geben.

Girauds Gesichter: Bereits erwähnt, bedarf es dennoch noch einer kleinen Lobeshymne. Die Gesichter, die Giraud, der spätere Moebius, hier abliefert, sind vermutlich ein Grund dafür, warum seine Fan-Gemeinde ihm die Vereinfachung in seinen späteren Zeichnungen so vehement vorwarf. Im Film würde man sagen: Selbst die kleinste Nebenrolle ist perfekt besetzt. Das trifft es. Ob es die Detektive von Pinkerton sind oder der kleine Soldat, der Blueberry durch die Kontrollen hilft, Giraud hat stets den richtigen Akteur zur Hand.

Western, Drama, Thriller in einem Band. Charlier und Giraud nutzen die Umbruchwelle nach dem Bürgerkrieg zu einer überaus spannenden Geschichte, in der sich Blueberry nur mit großer Mühe retten kann. Nur selten zuvor wurden ihm so viele Steine in den Weg gelegt. So wild und nervenaufreibend kann der Westen sein. :-D

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Dienstag, 13. November 2007

Die Blueberry Chroniken 7 - Das Südstaatengold

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 0:01

Die Blueberry Chroniken 7 - Das SüdstaatengoldBlueberry hat sich eingelebt. Eine kleine Schlägerei ab und zu, ein Kartenspielchen und seinen Vorgesetzten das Leben schwer machen. Aber Blueberry ist auch tüchtig. Was er anpackt, bringt er zu Ende. Dieser Bonus ist es, der ihn in noch größere Schwierigkeiten bringt.
Während des Krieges verschwanden 500000 Dollar aus der Kasse der Südstaaten. Jetzt, nach so vielen Jahren, gibt es endlich eine Spur. Ausgerechnet Blueberry kann diese Spur ausfindig machen – und will doch eigentlich gar nichts damit zu tun haben. Aber sein Ruf ist ihm bis nach Washington vorausgeeilt.

An höchster Stelle fasst man einen außerordentlichen Plan. Blueberry soll das Geld in Mexiko finden, wo es offensichtlich versteckt worden ist. Es muss jemanden geben, der das genaue Versteck kennt. Doch dieser Jemand wird einem Offizier der ehemaligen Nordstaaten keine Auskunft darüber geben. Also muss ein alternativer Plan gefunden werden. Kurzum wird Leutnant Blueberry unehrenhaft aus der Armee entlassen. Ein Steckbrief weist ihn außerdem als Dieb aus. Nun bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich auf die Flucht nach Mexiko zu begeben – aber nicht bevor er dem General, der ihm das alles eingebrockt hat, einen rechten Haken zu verpassen.

In Mexiko kommt Blueberry beinahe mit jedem Schritt vom Regen in die Traufe. Seine Kontaktperson, Chihuahua Pearl, eine Sängerin und Tänzerin, die es zu einer kleinen Berühmtheit gebracht hat in dieser verlassenen Ecke, hilft ihm zunächst weiter. Eine Hilfe, die sich von selbst in Luft auflöst, als ein eifersüchtiger Gobernador ihm noch mehr Probleme bereitet. Schließlich endet es, wie es enden muss. Blueberry wird ins Gefängnis geworfen. Und dort, endlich, trifft er auf den Mann, der ihm wirklich bei der Suche helfen kann.

Jetzt heißt es nur noch, aus dem Gefängnis zu entwischen. – Leichter gesagt, als getan.

Die 7. Ausgabe der Blueberry Chroniken präsentiert einen der gelungensten Dreiteiler der Reihe. Chihuahua Pearl, Der Mann, der $ 500.000 wert ist und Ballade für einen Sarg ist in seiner Gesamtheit nicht nur ein spannender Western, sondern auch eine originelle Schatzsuche.

Jeder Archetyp des Westerns ist hier auf perfekte Art vertreten. Blueberry, der Outlaw und Abenteurer. Sein Freund Mac, der abgehalfterte Westmann mit starkem Hang zum Whisky. Chihuahua Peal, die schöne Frau, die es versteht, mit ihren Reizen zu betören. Gangster verschiedener Sorte jagen dem Gold und Blueberry hinterher. Allen voran Finlay, der mit seiner Bande ehemaliger Konföderierter über Leichen geht. Die Mexikaner wollen auch ihren Teil abhaben. Jean-Michel Charlier und Jean Giraud liefern hier ein Meisterstück ab – nicht das Meisterstück, aber ein Meisterstück, denn richtig gut sind viele Blueberry-Abenteuer.
Hier gelingt allerdings das Meisterstück, die Spannung über drei Geschichten hinweg kontinuierlich zu steigern und eine lange Planung schließlich mit Knall endet.

Obwohl die Bände sehr zeitnah entstanden sind, in der ersten Hälfte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts, lassen sich sehr deutliche Stilveränderungen in den Bildern von Giraud erkennen. Chihuahua Pearl ist nicht unbunt, doch die Farben sind gedeckter, deutlich gegeneinander abgegrenzt. Brauntöne, Rot, Gelb, Blau, die Farben sind kräftig, aber nicht grell.
Auch in der Fortsetzung Der Mann, der $ 500.000 wert ist hält sich diese Farbgebung.
In der dritten Episode Ballade für einen Sarg ändert sich schlagartig. Hier knallen einem die Farben regelrecht um die Ohren, als habe Giraud einen Farbkasten über den Seiten ausgeschüttet. Der Effekt ist jedoch verblüffend. Lila trifft auf Gelb trifft auf Rot. Das fetzt! Die Experimente, die hier von Giraud so ungewohnt eingesetzt werden, erzeugen eine für einen Western ungewohnte Atmosphäre. Andererseits verwendet er aber das Farbenspiel auch für mehr Schattierungen, als der Leser es von den vorhergehenden Ausgaben her kennt.
strong>Ballade für einen Sarg dürfte für sich allein genommen zu einem der absoluten Höhepunkte der Reihe gehören.

Wie gut die Geschichten gelungen sind, zeigen auch die Episoden in den Episoden. Charlier zelebriert Szenen wie die Überredungsversuche des mexikanischen Soldaten, der Blueberry zu überreden versucht, ihm das Versteck des Schatzes zu verraten. Giraud steuert Großaufnahmen von Gesichtern bei, in denen man seine Zeichentechnik so richtig bewundern kann. Darüber hinaus zeigen die Cover von Chihuahua Pearl und Der Mann, der $ 500.000 wert ist, was für ein großartiger Grafiker Giraud ist, der ein vollfarbiges Bild ebenso aufzubauen weiß, wie eine reduzierte eingefärbte Tuschezeichnung.

Eine wunderbare Westernerzählung, hoch spannend gleich von Beginn an, mit einem Blueberry, der hier so richtig Gauner sein und seine Outlaw-Seite ausleben darf. Der dritte Teil dieser hier vorliegenden Trilogie ist richtiges Sahnehäubchen im Schaffen des Duos Charlier/Griaud. Für Fans von Western und Abenteuern ein echtes Muss. :-D

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Dienstag, 31. Juli 2007

Die Blueberry Chroniken 6

Abgelegt unter: Klassiker, Abenteuer — Michael um 15:34

Die Blueberry Chroniken 6 - Prosit Luckner und die vergessene GoldmineBlueberry hat sich mit seiner Arbeit als Sheriff vorübergehend abgefunden. Gemeinsam mit seinem Freund Jimmy vertreibt er sich die Zeit mit Poker. Doch Ruhe währt nicht lange in Blueberrys Leben. Plötzlich fällt ein Schuss. Ein Anschlag auf das Leben des Sheriffs?
Blueberry geht in Ausübung seines Amtes in den gegenüber liegenden Saloon. Von dort kam der Schuss. Nur eine kleine Kneipenauseinandersetzung, kein Anschlag, war der Auslöser der Kugel, die versehentlich im Sheriffbüro einschlug. Bei dieser Gelegenheit lernt Mike S. Blueberry einen der schlimmsten Betrüger seines Lebens kennen: Baron Werner Amadeus von Luckner. Rein äußerlich ist von Adel bei dieser zerlumpten Gestalt nichts mehr zu erkennen. In Wahrheit unterscheidet er sich nur durch sein beständiges Gebrabbel über eine Goldmine von den anderen Säufern, die sich im Saloon herumtreiben.

Blueberry nimmt den unsympathischen Kerl sicherheitshalber in Schutzhaft. Der Sheriff kann nicht ahnen, wie groß der Ärger, den er mit diesem Prosit Luckner bereits hat, einmal werden wird.

Prosit scheint noch viel mehr auf dem Kerbholz zu haben, als nur sein loses Mundwerk. In seinem Gepäck findet sich ein alter Revolver, der jemand anderem gehört hat und der vor gar nicht langer Zeit mit einer Kugel im Rücken aufgefunden wurde. Gaunern wird im Wilden Westen schnell der Prozess gemacht. So machen sich die versammelten Menschen aus dem Saloon auf den Weg, um den alten Luckner aufzuhängen. Blueberry locken sie unter einem Vorwand weg.

Eigentlich sollte Jimmy auf Prosit aufpassen. Aber Jimmy trinkt nicht nur gerne einen Schluck zu viel, er ist auch viel zu vertrauensselig. Die Aussicht auf die Hälfte einer Goldmine und das Auftauchen zweier seltsamer Kopfgeldjäger lassen ihn mit Prosit einen Handel abschließen. Jimmy verhilft dem Gauner zur Flucht. Blueberry bleibt nichts anderes übrig, als die beiden zu verfolgen und zu hoffen, dass er sie vor den beiden professionellen Pistoleros findet.

Mit der 6. Folge der Blueberry Chroniken wird eine der spannendsten Doppelfolgen aus den Blueberry-Erzählungen neu aufgelegt. Prosit Luckner und die vergessene Goldmine fasst Die vergessene Goldmine und Das Gespenst mit den goldenen Kugeln zusammen. Obendrein findet der Leser die etwas kürzere Episode Donner über der Sierra, in der sich Blueberry gegen einen gemeinen Überfall zur Wehr setzen muss.

In der ersten Geschichte, in der Blueberry sich plötzlich in einem unerwarteten Kugelhagel wieder findet, stößt der Leser auf Zeichnungen, in denen Giraud einen weitaus leichteren Strich als sonst führt. In der Ausführung ist Giraud erkennbar, aber auf den ersten Blick könnte auch Hugo Pratt den Zeichenstift geschwungen haben. Der Blueberry-Fan, der skeptisch sein mag, ob ihm die Geschichte gefällt, kann ganz beruhigt sein. Die Handlung ist straff durcherzählt, sie hat Action und sie mündet in einer gelungenen Pointe.

Weitaus aufwendiger ist das Abenteuer, für das Prosit Luckner der Auslöser ist. Aus einer völligen Routineszene entwickelt sich ein handfestes Abenteuer. Erzähler Jean-Michel Charlier belässt es nicht bei der Jagd, bei der Blueberry, aber auch sein Freund Jimmy, an seine Grenzen gehen muss. Ein Prise Grusel durch das Gespenst mit den goldenen Kugeln, indianische Verfolger und Auseinandersetzungen unter Gangstern machen aus der Titelgebenden Doppelfolge ein Western-Ereignis, das sich mit den ganz großen Western, die der Fan von der Leinwand her kennen mag, messen kann. Spätestens in der Abgeschiedenheit der Mesa, einem Felslabyrinth, das von den Apachen gemieden wird, herrschen eine fesselnde Spannung und eine unheimliche Stimmung vor, die jeden Leser an die Geschichte bannen wird.

Der Tausendsassa Blueberry ist ganz bestimmt ein sympathischer Held. Aber es ist sehr erfreulich, dass sein Sidekick Jimmy McClure eine größere Rolle in dieser Geschichte inne hat, sogar maßgeblich daran beteiligt ist. Es zeigt auch ein besonders enges Verhältnis zwischen Blueberry und Jimmy. Anders lässt sich Blueberrys verzeihendes Verhalten nicht erklären. Dank Jimmy hat er nicht nur seine Arbeit als Sheriff nicht zur vollsten Zufriedenheit ausführen können, ihm fällt auch noch ein halber Berg auf den Kopf, unter dem er sich erst einmal frei graben muss. Von seinen Problemen, die sich ergeben, als die beiden Freunde wieder zusammen agieren können, soll gar nicht gesprochen werden.
Was die Strapazen anbelangt, die Blueberry zu überstehen hat, gehört diese Geschichte sicher zu den besonders schwierigen Abenteuern.

Das mag daher kommen, dass Prosit Luckner zwar auf den ersten Blick nicht zu den furchtbarsten Verbrechern gehört, aber letztlich zu denen zählt, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit über Leichen gehen. Trotzdem gelingt es Charlier und Giraud aus ihm einen Charakter zu formen, dessen eigene Erfahrungen während der Handlung mitfiebern lassen. Nicht selten wird aus der Sicht Prosits erzählt. Besonders in den Momenten, wenn er sich gegen das Gespenst behaupten muss, ist der Leser gezwungen, weiter zu blättern. Das abschließende Kapitel in der alten Pueblo-Höhle, in der es von Gängen und Kammern nur so wimmelt, in der jederzeit etwas aus den Schatten kommen kann, gehört ganz bestimmt zu den ungewöhnlichsten, aber auch zu den präzisesten Showdowns im Western.

Eine Hommage von Giraud an Morris (Lucky Luke auf Gir-Art) und eine Gegenhommage im Vorwort der Geschichten bieten hervorragend zeichnerisches Anschauungsmaterial und sind für mehr als einen Lacher gut.

Western pur und konzentriert: Prosit Luckner und die vergessene Goldmine gehört zu einer der besonders guten Abschnitte innerhalb einer bereits herausragenden Comic-Reihe. Besser geht’s kaum! :-D

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Donnerstag, 08. Februar 2007

Blueberry Chroniken 4 - Das eiserne Pferd und die Sioux

Abgelegt unter: Klassiker, Abenteuer — Michael um 19:10

Blueberry Chroniken 4 - Das eiserne Pferd und die SiouxEine Verbindung beider us-amerikanischer Küsten ist der Traum vieler Geschäftsleute und Reisender in den noch sehr jungen Vereinigten Staaten. Die Eisenbahngesellschaften Union Pacific und Central Pacific bewegen sich während ihres Baus quer durch das ganze Land aufeinander zu – sehr zum Leidwesen der Indianer, denn mit dem eisernen Pferd kommen immer mehr Weiße, die ihre Lebensgrundlage bedrohen.
Doch nicht nur die Indianer sind bedroht. In der Geschichte Das eiserne Pferd wird sehr schnell deutlich, wie hart auch der Konkurrenzkampf der Gesellschaften untereinander ist, denn je länger die Strecke des Einzelnen ist, umso mehr Eisenbahnlinie kann hinterher vermarktet werden. Spionage und Sabotage mit allen Mitteln sind an der Tagesordnung. Und Blueberry gerät wieder einmal zwischen die Fronten.

Bereits auf dem Hinweg geraten Blueberry und sein neuer Weggefährte Red in Gefahr. Eine riesige Bisonherde, die bewusst in Panik versetzt wurde, droht die beiden Reisenden zu zertrampeln. Die Reise wird nach überstandener Gefahr nicht leichter. Bald schon treffen Blueberry und Red auf Blueberrys alten Freund Jimmy. Schnell ist klar: Jemand wiegelt ganz bewusst die Indianer auf, um den Vormarsch der Union Pacific zu verlangsamen, wenn nicht sogar zu stoppen.
Im Lager der Eisenbahner angekommen ist es für Blueberry noch vor seinem offiziellen Amtsantritt Streit zu finden. Der Gegner heißt Steelfingers, ein Raubein und Verbrecher, der einst eine Hand verlor und durch eine stählerne Hand ersetzte, die er eigens in Europa anfertigen ließ. Mit Steelfingers hat Blueberry gleich von Beginn an einen Feind gefunden, der ihm noch viele Schwierigkeiten machen wird.

Blueberrys Mission ist klar. Da niemand weiß, warum die Indianer derartig in Aufruhr geraten sind, wird der abkommandierte Soldat zu ihnen geschickt, um zu vermitteln. Der junge Mann legt all seine Fähigkeiten und sein ehrliches Mitgefühl in die Waagschale, aber seine Mission gerät zur schwierigsten seit langem. Die Indianer haben keine Geduld mehr. Nur mit Mühe sind sie von einem Treffen auf Häuptlingsebene zu überzeugen. Sitting Bull und Red Cloud erklären sich bereit, Blueberry zu treffen. Leider stehen seine Bemühungen unter einem schlechten Stern, weil Steelfingers seine eigenen Interessen verfolgt, die zufällig mit denen der rivalisierenden Central Pacific Gesellschaft übereinstimmen.

Der Halunke Jethro Steelfingers versteht es sich, sich geschickt auf neue Situationen einzustellen. Was Blueberry sich nicht vorstellen konnte, geschieht. Steelfingers überredet die Indianer zu einem Zugüberfall. Plötzlich geht es für Blueberry und seine Freunde nicht nur um das Geld der Eisenbahngesellschaft, sondern um das nackte Überleben.

Die vierte Zusammenfassung der Abenteuer in den Blueberry Chroniken erweckt eine weitere dramatische Zeit in den jungen Vereinigten Staaten zum Leben: Die große Zeit des Eisenbahnbaus. Jean-Michel Charlier und Jean Giraud mischen wieder einmal harte Fakten und geschichtliche Ereignisse gekonnt mit abenteuerlicher Fiktion. Erneut entsteht ein Western-Epos, das damals zur Zeit seiner Entstehung wie auch heute den Leser festnagelt und erst wieder loslässt, wenn die letzte Seite gelesen ist.

In diesen Chroniken mit der Überschrift Das eiserne Pferd und die Sioux sind die Geschichten Das eiserne Pferd, Steelfingers, Die Fährte der Sioux und General Gelbhaar zusammengefasst. Alle vier Geschichten gehen beinahe nahtlos ineinander über und bilden so einen sehr spannenden Handlungsbogen.
Sehr auffallend ist in diesen vier Geschichten ist die Verachtung, mit der der Großteil der Weißen den Indianern begegnet. Wer sich über die gut aufbereiteten Informationen im Vorfeld der Handlung über jene Zeit hinaus Details anliest, muss zugeben, dass Charlier die Atmosphäre des Hasses und der Verachtung den Indianern gegenüber perfekt eingefangen wurde.
Gleichwohl kommen Charlier und Giraud auch an der Geschichte nicht vorbei, so ist klar, dass Blueberrys Misserfolg vorherbestimmt ist. Sein Bemühen ist verzweifelt, kleine Erfolge liegen eher in seinem Überleben. Sein Pech ist es außerdem, dass er in der Befehlsstruktur der Armee gefangen ist.

Blueberry, wie von Giraud als Belmondo in Reinkultur gezeichnet, kann gegen den Starrsinn von General Allister nicht an, der es sich auf die Fahne geschrieben hat, die Indianer per Waffengehalt zu befrieden und dies auch im tiefsten Winter – selbst gegen Frauen, Kinder und Greise.
Man kann nicht anders, als dieses Westerndrama gebannt zu verfolgen.

Girauds technische Fähigkeiten und sein Talent in dieser Zeit stehen außer Frage. Selbst aus heutiger Sicht gibt es rein gar nichts an den Bildern auszusetzen. Auffällig sind jedoch ein wenig besseren Bilder, wenn Indianer in Szene gesetzt werden, die natürlich wegen ihrer Aufmachung und ihrer Kleidung optisch weitaus mehr zu bieten haben. Vielleicht hat Giraud sie lieber gezeichnet als das übrige Szenario. – Das mag natürlich ein völlig subjektiver Eindruck sein.
Für Humor in diesem Band sorgt selbstverständlich die alte Saufnase Jimmy, der mit Red einen ebenbürtigen Kumpanen erhält. Zum Ausgleich auf der weiblichen Seite taucht Guffie Palmer auf, die Leiterin einer kleinen Variete-Truppe. Giraud zeichnet die resolute Frau mit einem wirklich tollen Schmiss, der ihr lautes Verhalten großartig unterstreicht.

Besser kann Western nicht sein. Ein tragisches Drama aus den Pioniertagen im Wilden Westen. Charlier und Giraud waren ein tolles Team. :-D

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Montag, 20. November 2006

Blueberry Chroniken 3 - Der verlorene Reiter

Abgelegt unter: Klassiker, Abenteuer — Michael um 13:52

Blueberry Chroniken 3 - Der verlorene ReiterDas Halbblut: Die Auseinandersetzung zwischen den Apachen und den weißen Kolonisten in Texas droht in einen neuen offenen Konflikt auszuarten. Ein Reiter ist in dringender Mission unterwegs. Seine Nachricht kann einen weiteren Krieg verhindern. Doch nicht alle sind an der Verhinderung eines bewaffneten Konflikts interessiert. Während man in Camp Bowie die Rückkehr des Reiters erwartet, haben sich bereits Apachen an dessen Fersen geheftet, um die Nachricht in die Hände zu bekommen.

Die Mission würde auch kläglich scheitern, gäbe es da nicht einen Heißsporn namens Blueberry, seines Zeichens inzwischen Leutnant. Er erklärt sich bereit, Leutnant Craig zu retten, obwohl die Hoffnung nicht mehr sehr groß ist. Blueberrys Vorhaben wird zusätzlich durch ein Ultimatum erschwert. Ist er nicht rechtzeitig mit der Antwort zurück, die Craig überbringen sollte, setzt sich die Armee in Bewegung.

Die Spur der Navajos: Das zweite Abenteuer führt Blueberry und seinen neuen Freund, den alten Vagabunden Jim Mac Clure, geradewegs in die Höhle des Löwen. Der Präsident hat sich zu Verhandlungen mit den Apachen unter der Führung unter Cochise bereit erklärt. Blueberry will diese Nachricht an den Häuptling überbringen, der sich mit seinem Volk auf mexikanischen Boden zurückgezogen hat. Crowe, Blueberrys Blustbruder, führt die beiden Freunde immer tiefer auf mexikanisches Territorium.
Nach einiger Zeit reitet Crowe voraus. Er überzeugt Cochise davon, mit Gebrochener Nase zu sprechen. Der Häuptlingsstab von Cochise soll Blueberry freies Geleit gewähren. Leider sind nicht alle Indianer von diesen Gesprächen begeistert und wollen lieber mit den von den Mexikanern zugesagten Waffen in den Krieg ziehen. Einsamer Adler und seine Getreuen, die Blueberry unlängst Schwierigkeiten machten, wollen Crowe mit allen Mitteln aufhalten.

Der Sheriff: Ein kleiner Ort namens Silver Creek. Hier Sheriff zu sein, bedeutet, in sein eigenes Todesurteil eingewilligt zu haben. Die Gebrüder Bass haben Silver Creek fest in der Hand und beherrschen es mit der nötigen Gewalt. Der Stadtrat fasst einen Plan. Ein neuer Sheriff muss her. Wenn sich schon keiner aus dem Ort bereit erklärt, muss die Armee einen Sheriff stellen.
Jim Mac Clure, der gerade in Silver Creek weilt und bereits eigene Erfahrungen mit den Revolverhelden gemacht hat, die dort ihr Unwesen treiben, kennt den richtigen Mann für diesen Job: Blueberry.
Auch Blueberry hat nichts dagegen, diese Arbeit zu übernehmen. Aber er hat auch eine Bedingung. Jim, der ihm diese Arbeit aufgehalst hat, soll ihn als Hilfssheriff begleiten. Bald finden sich die beiden in Silver Creek wieder und der Ärger geht erst so richtig los.

Die dritte Folge der Blueberry Chroniken erzählt von einigen Geschehnissen, die sich während Blueberrys Dienstzeit als Leutnant zutragen. Der Bürgerkrieg ist vorüber, aber der Friede ist nicht stabil, denn die Konflikte mit den Indianern schwelen ständig.
Wer nach den Episoden Das Halbblut, Die Spur der Navajos und Der Sheriff noch daran zweifelt, dass Jean-Paul Belmondo die bildliche Vorlage für Gebrochene Nase Blueberry war, dem kann nicht mehr geholfen werden. Wer diverse Filme von Belmondo gesehen hat, kann eigentlich auch nicht daran zweifeln, dass der Abenteurer, den Belmondo häufig verkörpert hat, auch ein charakterliches Vorbild für Blueberry war.

Die ersten beiden Episoden sind ganz tolle Wild-West-Geschichten, die sich des Themas Indianer-Konflikt annehmen. Autor Jean-Michel Charlier kennt sich nicht nur in der Geschichte des Wilden Westens aus, sondern er hat auch in filmischen Western eifrig seine Hausaufgaben gemacht. Die Figur des Jim Mac Clure erinnert an die Fuzzys, die kauzigen Alten, die dem Genre-Fan in Western immer wieder begegneten. Besonders deutlich wird das in der abschließenden Episode Der Sheriff.
Hier finden sich starke Parallelen zum Klassiker Rio Bravo. Wie John Wayne muss auch Blueberry sich gegen eine Übermacht an Revolverhelden durchsetzen. Es fehlen auch nicht das Revolverwunderkind, damals gespielt von Ricky Nelson, und der Säufer und der Alte. Die letzteren beiden werden von Jim MacClure in Personalunion dargestellt, lassen aber den tragischen Aspekt der filmischen Vorlage vermissen.
Es sei Jean-Michel Charlier aus heutiger Sicht verziehen, denn er wusste damals auch, wie man aus all diesen Zutaten etwas eigenständiges, teilweise etwas Neues und ganz wichtig, etwas Gutes macht.

Charlier ist ein toller Erzähler. Das Halbblut und Die Spur der Navajos ist ein spannender Zweiteiler, in denen Charlier so richtig zeigt, was er kann. Blueberry wird während der gesamten Dauer der Geschichte gejagt, muss sich verstecken, kämpfen und die eine oder andere bittere Pille zu schlucken. Blueberry hat den Vorteil, nicht nur als Charakter, sondern auch als Geschichte, sehr menschlich bleibt. Hinzu kommt, dass auch Nebenfiguren mit genügend Details ausgestattet werden, um jederzeit nachvollziehbar zu sein.

Es ist schwierig noch etwas über Zeichner Jean Giraud, was noch nie gesagt wurde. Viele mögen Giraud seinen späteren Minimalismus nicht verziehen haben oder ihn gerade dort auf der Höhe seines Schaffens sehen.
Unabhängig davon lässt sich nur sagen, dass Giraud auch mit diesen drei enthaltenen Geschichten zeitlos gute Comics gezeichnet hat. Inzwischen lässt sich sogar behaupten, dass Girauds Zeichenstil von einst wieder topmodern ist.
Schön ist der Vergleich der einzelnen Geschichten anzuschauen. Es mag ein subjektiver Eindruck sein, aber ich meine eine deutliche Verbesserung des Tuschestrichs von der ersten bis zur letzten Geschichte festgestellt zu haben.
In Das Halbblut findet sich eine eher dickere Strichführung. In Der Sheriff finden sich sehr viele feinere Linienführungen.

Was die ersten beiden Episoden vermissen lassen, weil sie sehr ernsthaft angelegt sind, findet sich in Der Sheriff vermehrt: Humor. Besonders nett ist der kleine Abschnitt des Westpoint-Absolventen, der zuerst anstelle von Blueberry nach Silver Creek geschickt werden soll. Humor, der ohne Worte funktioniert, ist ohnehin der beste.

Informationen rund um den Wilden Westen, die Apachenkriege und Gesetzlose runden diese vorzügliche Ausgabe ab. Für Western- und Comic-Fans ein absolutes Muss und Highlight. :-D

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