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Comic Blog


Samstag, 25. Oktober 2008

Isnogud - Buch 3

Abgelegt unter: Cartoon — Michael um 10:56

Isnogud - Buch 3Möhren sorgen für gute Laune. Wer Möhren isst, verhält sich besser und ist netter zu seinen Mitmenschen. Isnogud, der Großwesir, sollte einmal Möhren essen. Aber wo bekommt man im Orient so etwas wie Möhren? Und wie sehen Möhren überhaupt aus? Harun al-Pussah, der Kalif von Bagdad, wagt sich auf die Suche nach diesem sagenhaften Gemüse. Oder ist es Obst? Die Gutmütigkeit und die Unwissenheit des Kalifen wird mitunter ausgenutzt, so in dem Fall, als ein Händler dem Kalifen Bananen anstelle von Möhren anbietet. Die Wirkung dieser Möhren ist allerdings gleich Null, weshalb der Schwindel schnell auffliegt.

Isnogud gut? Bestimmt nicht. Mag sich der Kalif noch so sehr bemühen, sein Großwesir sinnt weiterhin auf den ganz großen Plan, um seinen unliebsamen Vorgesetzten endlich loszuwerden. In Bagdad selber hat Isnogud schon ziemlich viele Möglichkeiten ausgeschöpft. Neue Ideen ergeben sich hier selten. Da trifft es sich, dass eines Tages eine Landefähre aus dem All in der Wüste niedergeht, außerirdische Forscher dem Landemodul entsteigen und neugierig auf die unbekannte Umgebung schauen. Nachdem sie ergebnislos versucht haben, mit einem Kamel Kontakt aufzunehmen, entdeckt Isnogud etwas sehr interessantes bei ihnen: Eine Waffe, die denjenigen, der von ihrem Blitzstrahl getroffen wird, auflöst. – Und schon hat der Großwesir eine neue Idee, wie er den Kalifen loswerden kann.

Es ist eher die Ausnahme, dass Kalif Harun al-Pussah eine Episode ganz für sich alleine hat. Die Suche nach den Möhrchen für Isnogud ist von René Goscinny ganz besonders liebevoll und mit viel Herz geschrieben worden. Außerdem kann sich der Leser auf einen Gastauftritt einiger Kameraden freuen, die in den Gewässern des Orients ganz bestimmt keine ’öme’ und auch keine Gallier finden werden – so kommen sie wenigstens einmal relativ heil davon.

Nach einigen Abenteuern, in denen auch ein Plan mit einer Tse-Tse-Fliege misslingt, scheint endlich der große Tag gekommen zu sein: Der Narrentag. Endlich herrscht Rollentausch, die Kleinen können groß sein, die Großen lernen das untere Ende der Leiter kennen. Pantoffelhelden haben plötzlich das Sagen, Sklaven lassen sich bedienen und Großwesire? Es ist absolut herrlich, wie Isnogud seine eintägige Machtposition zu nutzen versucht, damit aus einem Tag als Herrscher viele werden.
Goscinny lässt seinen Helden auch nach diesem Debakel nicht aufgeben. Das muss man dem kleinen Mann als Leser lassen: Hartnäckig ist er. Alte Gesetze wie das der Herausforderung sind nur Anlass zu einem Zwischenspiel. Aufwändiger wird es, wenn Wahlen in Bagdad anstehen und plötzlich nicht mehr nur einer, der Kalif nämlich, zur Wahl steht, sondern viele. Plötzlich läuft in Bagdad alles kunterbunt durcheinander.

Goscinny ist ein Meister des kleinen feinen Humors wie auch des knallenden Wortwitzes und der Situationskomik. Derlei kann nicht zur Gänze gelernt werden, sondern es muss auch ein gewisses Grundtalent vorhanden sein, denn einen Menschen zum Lachen zu bringen, ist so leicht auch wieder nicht. Auch wird hier von Goscinny ein besonderes Werkzeug orientalischer Märchen aufgegriffen, das der Leser später in einer anderen Reihe neu entdecken wird – auch nicht ganz bezuglos zu Isnogud.

Asterix im Morgenland heißt dieses Abenteuer, in Indien angesiedelt, in dem der Bösewicht eine nicht unwesentliche Ähnlichkeit mit Isnogud besitzt. Nun sind die Teppiche in dieser besonderen Episode von Isnogud mit dem Titel Der Zauberteppich ganz besonders gestrickt … gewebt natürlich. Sie lassen einen Menschen verschwinden, indem sie ihn nach Peking transportieren und dann einfach nicht zurückfliegen. – Warum Goscinny ausgerechnet dieses Ziel für seinen Teppich wählte, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Die ausbleibende Verwunderung der Chinesen über die seltsamen Neuankömmlinge, die das Pech haben auf einem solchen Teppich zu sitzen, ist jedoch für mehrere Lacher gut. Es ist halt das Land des Lächelns.

Jean Tabary vertieft sich wieder in einen herrlich cholerischen Isnogud, der die ideale Rolle für Louis de Funès gewesen wäre. Wer den frankobelgischen Humor zu schätzen weiß, in einer glänzenden Farbenpracht übrigens, der wird mit einer guten Mixtur aus längeren und kürzeren Geschichten bestens unterhalten. :-)

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Montag, 28. Juli 2008

Isnogud - Buch 2

Abgelegt unter: Cartoon — Michael um 11:18

Isnogud - Buch 2Was macht ein Großwesir, wenn ihm die Machtübernahme bei ersten Mal nicht gelungen ist? Und beim zweiten Mal? Auch beim dritten … Isnogud ist hartnäckig, das kann niemand leugnen. So denkt er sich immer wieder neue Methoden aus, greift beständig nach jedem Strohhalm, der sich ihm bietet. Und ein Dschinni, der Menschen auflösen kann, kommt ihm da gerade recht. Da dieser Geist unbedingt ein nasses Klima benötigt, wird er flugs mitsamt ein wenig Sumpfflüssigkeit in einen Bottich gepackt und sogleich geht die Reise los. Aber der Plan, den Kalifen aufzulösen, gestaltet sich trotz der Hilfe des getreuen Tunichgud sehr schwierig.

Wenn das nicht klappen, dann muss eine andere Lösung her. Man könnte, denkt sich Isnogud, den Kalifen auch unsichtbar machen. Mit anderen Sachen hat es geklappt. Oder man könnte dem Kalifen einen Diamanten andrehen, der Unglück bringt. Aber man könnte es auch mit dieser neuartigen Erfindung probieren. Man nehme ein kleines Püppchen, fädele ein Haar eines ungeliebten Menschen in den Stoff und piekse dem Püppchen mit einer langen Nadel in den Hintern. Das ist nicht sehr gefährlich, doch äußerst unangenehm. Leider muss Isnogud dafür ein Haar des Kalifen finden und damit fangen die Schwierigkeiten auch schon wieder an.

Der vorliegende Band beginnt mit einer Kurzgeschichte von 1962, die den allerersten Auftritt von Isnogud zeigt. Alle Inhaltselemente sind bereits erkennbar. Der Kalif schaut bereits recht gemütlich aus, nur Isnogud ist noch nicht ganz so gedrungen und, man verzeihe mir das Wortspiel, noch nicht ganz so gelungen wie im späteren Verlauf der Reihe.
Aber es zeigt auch, womit man als Comic-Leser einmal zufrieden gewesen ist: Zweifarbdruck, Schwarz und Magenta. Oder auch komplett in Schwarzweiß. Und damals hatte man auch schon seinen Spaß. Die nachfolgenden Beispiele der frühesten Erscheinungen von Isnogud, vierfarbig, wirken fast wie eine Revolution. Ältere Leser mögen sich an den Wechsel zwischen Schwarz- und Vierfarbdruck auch in den Lustigen Taschenbüchern erinnern.

Die restlichen Abenteuer des Isngud sind in der gewohnten Farbqualität und andererseits eine Achterbahnfahrt des Humors und der verrückten Einfälle. Alles ist möglich dank des genialen René Goscinny. Die Geschichte über den Unglücksdiamanten ist im Reich von 1001 Nacht noch sehr nahe liegend. Doch der geheimnisvolle Plakatkleber und Isnoguds Raketenstart gehen über die bekannten Märchen von Scheherazade hinaus.

Der geheimnisvolle Plakatkleber könnte sogar als Bühnenstück funktionieren. Ein Sprung hinein in ein Plakat mit der Überschrift Die idealen Ferien lässt den Springer auf einer einsamen Insel herauskommen. Was sich als der ideale Ferienort präsentiert, wird schnell zum Alptraum. Nichts ist hier echt. Wer durch den Himmel zu entkommen versucht, kommt durch den Sandstrand wieder an die Oberfläche.
Die Auflösung der Geschichte ist sehr durchdacht, logisch und sollte in dieser Form auch zu den besten Komödien Goscinnys gehören, gerade da sie so universell ist.

Mit Wünschen ist das so eine Sache. Der Leser weiß natürlich, was Isnoguds größter Wunsch ist: Kalif werden. Aber ist es auch sein Traum?
Der Tartaren-Talisman eröffnet vollkommen neue Möglichkeiten, nämlich die wörtliche Erfüllung eines Traums. Leider ist Isnoguds Wunsch nicht so stark, dass er auch im Traum eine große Rolle spielt. Und am allerwenigsten spielt es sich so ab, wie Isnogud es gerne hätte. Steinzeitmenschen bilden nur den Auftakt, in den von Jean Tabary gezeichneten Alpträumen.
Da Irrsinn auch manchmal Methode hat und Goscinny auch manchmal eine alberne Phase durchgemacht hat, wusste er auch stets noch aufzutrumpfen. Der Hut, der alle, die ihn tragen, leichter Verwirrung aussetzt, so dass sie in einen seltsamen Zustand verfallen, ist ein gutes Beispiel dafür. Letztlich ist ihm sogar eine Geschichte eingefallen, die jedem Zeichner Spaß gemacht hätte.

Sollte Isnogud Schwarzmalereien richtig erlernen, so dass ein Gegenstand perfekt abgebildet ist und man zerreiße dieses Bild, würde der Gegenstand auch in der Realität verschwinden. So weit, so einfach, doch Tabary darf hier in aller Ausführlichkeit zeigen, dass der Weg eines Künstlers über das Handwerk führt und es gar nicht so leicht ist, einen Apfel zu zeichnen und noch schwieriger einen Menschen darzustellen. Doch Goscinny wäre nicht Goscinny, würde alles einfach verschwinden lassen. Was verschwindet, muss auch irgendwo wieder auftauchen und so …

Herzerfrischender Humor, klamaukiger Ulk, von einem Goscinny, der vor Ideen übersprudelte und auch Geschichten entwickelte, die auf einer Bühne funktionieren würden. Wer die Geschichte über die Zauberkiste liest, wird seinen Computer mit anderen, misstrauischen, Augen sehen. Herrlich gut.

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Sonntag, 16. März 2008

Isnogud - Buch 1

Abgelegt unter: Cartoon — Michael um 16:14

Die gesammelten Abenteuer des Großwesirs Isnogud 1Ich will Kalif werden anstelle des Kalifen! – Eine sehr eindeutige Position, die dieser kleine Großwesir da vertritt. Und er gibt sich auch große Mühe, um dieses Ziel zu erreichen. Aber leider, leider ist der kleine Großwesir Isnogud, der seinen Chef, den Kalifen Harun Al Pussah, ablösen will, ein ausgesprochener Pechvogel.
Wie er es auch anpackt, es geht schief. Jede gestellte Falle schnappt alsbald zurück. Auch der treue Mietsklave Tunichgud kann das Unheil nicht immer aufhalten. Zwar ist er häufig bemüht, seinem Herrn beizustehen, aber allzu oft wird er selber in das Schlamassel hineingezogen. Am Ende ist er selber die Kröte, unter Riesen, in der Luft schwebend – oder auf andere Art verzaubert.

Alles beginnt in einem kleinen Städtchen namens Bagdad, in einer Zeit, die als Eintausendundeine Nacht bekannt ist. Während sich der Kalif Harun Al Pussah, dessen Abenteuer dies in Wahrheit sind, mit dem harten Alltag eines Kalifen herumschlägt, tüftelt Isnogud neue Arten aus, wie er den Beherrscher Gläubigen um die Ecke bringen kann.
Die gesammelten Abenteuer des Großwesirs Isnogud vereinen die ersten drei Bände des von René Goscinny und Jean Tabary erschaffenen kleinen Scheusals, der in der Tradition kleiner Choleriker und Hysteriker, wie sie Louis De Funès in seinen unsterblichen Rollen spielte, auftritt.

Es ist erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit Goscinny den Einstieg in diese Serie schaffte. Running Gags werden ungeheuer flott etabliert und gleichzeitig die kleinen Eigenheiten des Alltags in der westlichen Welt veralbert.
Ein Urlaubsfoto dauert etwas länger, wenn es in einen Teppich geknüpft wird. Elefanten können auf engen Straßen schon Staus verursachen und ein Dschinni, der in Pantoffeln wohnt, kann zu außergewöhnlichen Verwicklungen führen.
Das berühmte Feilschen ist ein wesentlicher Bestandteil in der Welt von Isnogud. Überzogene Forderungen, die in die Hunderttausende gehen, können jedoch schnell in übersichtliche Summen umgewandelt werden. Es ist jedoch sicher, dass der Piaster an galoppierender Inflation leidet.

Auszüge aus Sagen und Märchen werden von Goscinny gerne zur Grundlage der Geschichten verwendet. Der allseits bekannte Froschkönig, der eigentlich ein Froschprinz ist, wird zu einer außerordentlichen Plage. Als Lösung herbeigesehnt, ist er schließlich für Isnogud so richtig gefährlich, gefährlicher als der Großwesir selber.
Die Riesen, Odysseus kann ein Lied davon singen, sollen Isnogud die Arbeit abnehmen, sind aber Vegetarier und haben mit dem Fressen von Schiffbrüchigen nichts zu tun. Es darf sich jedoch gefragt werden, ob ein Schicksal als lebende Schachfigur dem des Gefressenwerdens vorzuziehen ist.

Der größte Coup gelingt Goscinny jedoch mit dem dritten Band innerhalb dieser Sammlung: Gefährliche Ferien. Hier ist er besonders nahe am Urlaubswahn, der in jedem Jahr in der Hauptsaison in den Touristenzentren um sich greift. Seit der Zeit der Entstehung dieses Comics, 1968, scheint sich nicht allzu viel am Urlaubsgebaren geändert zu haben. Jedenfalls zünden die Gags selbst nach 40 Jahren immer noch reihenweise.
Wir erfahren, warum es nicht gut ist in Erdöl produzierenden Ländern Löcher am Strand zu graben. Der Hai, der Isnogud durch das Wasser jagt, erinnert an den guten alten Ich schnapp dich!. Aber besonders Abgefahren, im wahrsten Sinne des Wortes, wird es, als Schnee in der Wüste fällt.

Die Geschichten um Isnogud funktionieren so gut, weil mit Jean Tabary ein Zeichner gefunden wurde, der Isnogud ein gelungenes Gesicht gibt und sein aufbrausendes Wesen perfekt darstellt.
Wer genau hinschaut, wird sehen, dass Tabary Isnogud erst finden musste. Mit Turban, Gesichtsform, Nase und Statur wurde experimentiert, bis spätestens in Der bitterböse Großwesir das Ideal gefunden war.

Wollte man das Äußere charakterisieren, ist Isnogud eine Mischung aus (bösartigem) Raben und Wellensittich. Etwas verschlagen, düster und der Schnabel steht niemals still, sobald jemand in der Nähe ist, der mithört – oder auch nicht.
Zur Wonne für den Leser wird es, wenn Isnogud aus seiner hochherrschaftlichen Tracht heraus muss und sich den Umständen entsprechend kleidet. Ein Isnogud im Bandeanzug ist ein Brüller.
Das Ungewöhnliche – aber ein Umstand, der einfach dazugehört – ist, dass man Isnogud trotz aller fiesen Bemühungen leiden kann. Denn, letztlich tut er ja (fast) niemandem etwas zuleide. Wenn die kleinen Äuglein beim Ausbrüten des nächsten Plans strahlen, wenn er sich selbst schon auf dem Kissen des Kalifen liegen sieht, dann möchte man sich fast wie ein Kind mit Isnogud freuen.

Wortwitz, Bilderwitz, Slapstick, Situationskomik, Isnogud ist nicht nur ein Feuerwerk im Bereich Comic-Komödie, er ist fast schon ein Lehrstück, wie humorvolle Episoden mit der ganzen Brandbreite komödiantischer Werkzeuge aufgebaut werden können. Goscinny gehört zweifellos zu den absoluten Könnern seines Fachs und mit Tabary fand er, neben Uderzo, auch einen weiteren tollen Widerpart, der seine Ideen in Bilder umsetzen konnte. Klassisch gut, klassisch ulkig, immer noch vorbildhaft, immer noch modern. :-D

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