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Comic Blog


Samstag, 30. August 2008

Die Blueberry Chroniken 10 - Am Ende des Weges

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 18:06

Die Blueberry Chroniken 10 - Leutnant Blueberry - Am Ende des WegesBlueberry und seine Freunde, Red Neck und Mac Clure reiten am späten Abend in die Stadt ein. Allen ist nicht so recht wohl, aber in diesem Gewühl werden sie, so glaubt Blueberry, nicht weiter auffallen. Während er ein Bad im Sinn hat, da er schon nicht mehr weiß, wie sich so etwas anfühlt, wollen Red Neck und Mac Clure lieber ihre Kehlen befeuchten. – Blueberry lässt sie gehen, wider besseres Wissen. Und tatsächlich, Red und Jimmy werden erkannt, der Alkohol tut sein Übriges, um die Häscher auf die Spur von Blueberry zu bringen. So war das nicht gedacht!

Vom Bad führt der Weg direkt ins Gefängnis. Jimmy schwört wieder einmal, dass er nie wieder einen Tropfen Alkohol anrühren werde. – Der Leser weiß, dass dieser Schwur nicht gehalten werden wird, denn das wurde er noch nie. – Der Schreiner kommt und nimmt bei den Gefangenen die Maße für die Särge. Am nächsten Tag sollen die Hinrichtungen sein. Es sieht so aus, als habe Blueberrys letztes Stündlein geschlagen, doch da …

Am Ende des Weges beschreibt einen Abschluss, eine Abrechnung und eine fehlgeschlagene Zusammenführung. Vor langer Zeit wurde Blueberry auf eine Mission geschickt, die sein Leben radikal veränderte. Als Dieb und Verräter, später sogar als Attentäter gebrandmarkt stand er lange Zeit auf der falschen Seite des Gesetzes. Nur seine engsten Freunde – Red Neck und Jimmy Mac Clure – halten während des gesamten Zeitraums zu ihm.

Nun wird abgerechnet. Endlich bekommt Blueberry die Chance dazu. Allerdings ist auch dieses Unterfangen halsbrecherisch und risikoreich wie jedes andere Unternehmen, das der Leser in einer langen Reihe begleiten durfte.
1983 begab sich Blueberry in Die letzte Karte auf die Suche nach dem Mann, der ihn entlasten konnte – nur um eine Gefangenenbefreiung in Gang zu setzen. Denn ausgerechnet der Mann, der ihn außerdem abgrundtief hasst, wird bei einem Regimewechsel in Mexiko festgesetzt und soll am nächsten Tag erschossen werden.

Jean Giraud begegnet dem Leser mit sehr glatten, moebius-artigen Linien, stark vereinfacht im Vergleich zu älteren Bluberry-Zeichnungen, aber immer noch zu komplex im Vergleich zu echten Moebius-Arbeiten. In Bonbon-Farben entsteht ein leicht entrückter Eindruck des Wilden Westens. Diese Trickfilm-Eleganz – und elegant sind die Zeichnungen zweifellos – stört ein wenig die Spannung, die ansonsten durch den erhöhten Realismus der Bilder aufkam. Mit einem Spaghetti-Western hat das optisch nicht mehr sehr viel zu tun. – Und mehr auf der letzten Seite genau hinschaut, mag in dem halb ertrinkenden Blueberry ein wenig von John Difool entdecken. Darüber hinaus sollte man aber auch als Leser nicht zu streng richten, denn ein Giraud, der sich selbst nicht so recht treu ist, ist immer noch ein begnadeter Künstler.

1986, als die Fortsetzung Der Weg in die Freiheit erschien, machte Giraud wieder einen Schritt zurück, gönnte seinem Blueberry wieder dicke kraftvolle Striche, weg von der architektonisch sterilen Art der vorherigen Bilder. Hier ist Blueberry wieder so, wie man(n) ihn kennt. Die Details sind wieder zahlreicher, die Tiefe der Bilder gerät wieder größer. Die Farben sind viel erdiger gestaltet als zuvor.
Die Schurken sind in diesem Band noch schurkischer, denn endlich enthüllt sich der Macher hinter den Anschlagsversuchen auf den Präsidenten. Blueberry hätte vieles vermutet, aber das nicht – und der Leser hätte es auch nicht vermutet. Die Auflösung ist jedoch nicht übel, denn es macht Sinn. Wesentlich interessanter ist das Auftauchen eines Handlangers, der Blueberry seine fürchterliche Entstellung anlastet. Hier findet sich alles. Das große Finale, die Rache aus niederen Motiven, eine lückenlose Aufklärung der Ereignisse.

1991 gibt es in Arizona Love noch ein weiteres Hühnchen zu rupfen. Mike Blueberry hat Chihuahua Pearl nicht vergessen. Wie einst in der Reifeprüfung platzt Blueberry in eine Hochzeit und entführt die Braut, bevor sie verheiratet werden kann. Die Optik ist wieder etwas exakter, gestriegelter, aber auch der Humor ist stärker vertreten. Mit dem Titelbild der Geschichte hält auch eine Mischung aus Postkartenkitsch, Jugendstil und Westernromantik in Blueberry Einzug – etwas, was sich immer auf einschlägigen Romanen findet, in denen ein Pirat oder Highlander eine wilde Braut entführt.

Ein langer Abschluss einer langen Handlungslinie, die einen großen Teil von Blueberrys Leben bestimmt hat. Am Ende ist unser Held wieder bereit für neue Abenteuer, nachdem alle Fäden zusammengeführt wurden. Jene, die mit den Vorgängerabenteuern vertraut sind, werden ihre Freude haben. Jene, die darüber nicht so viel wissen, werden zumindest – ein grundsätzliches Geheimnis der gesamten Reihe – spannend unterhalten. :-)

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Donnerstag, 12. Juni 2008

Mister Blueberry - Apachen

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 17:50

Blueberry 44 - Mister Blueberry - ApachenWie kam es, dass Mike Blueberry ein Herz für die Indianer entwickelte? Die Antwort auf diese Frage liegt in der Vergangenheit begraben, in einer Zeit, als der Name Geronimo die Armee das Fürchten lehrte. Blueberry muss erleben, welche Menschenverachtung den stolzen Kriegern entgegenschlägt, die nichts weiter wollen, als in Frieden zu leben.
Leider halten viele die Indianer für Wilde. Da sind einmal jene, die nichts weiter sind als Barbaren in Uniform. Und da sind jene, die sich zur Missionierung und Erziehung dieser Wilden berufen fühlen. Und jene, die ihre Arbeit machen, Soldat sind und dieser Aufgabe in der gnadenlosen Vernichtung der Apachen nachkommen.

Es ist ein regnerischer kalter Tag, als die Kavalleristen den völlig betrunkenen Blueberry absolut verdreckt in einem Schweinegatter auffinden und auf die Kutsche verfrachten, um ihn zu seinem neuen Arbeitsort zu bringen. Es ist eine Zeit in Blueberrys Leben, in der ihm alles egal ist. Die einzige Frage, die es zu klären gilt, ist: Wo bekomme ich den nächsten Schluck Alkohol her?
Die anderen Passagiere, allen voran Reverend Younger, selbst ernannter Indianermissionar und –erzieher, vereinfachen die Beantwortung dieser Frage überhaupt nicht. Wenig später stellt sich eine ganz andere Frage, nämlich die des Überlebens.

Blueberry versucht sein Bestes zu geben. In einer Prügelei mit Geronimo ist das aber nicht gerade ausreichend.

Apachen lautet der schlichte Titel des 44. Bandes der Blueberry-Reihe. Hierbei handelt es sich um eine Überarbeitung mit zahlreichen, bisher unveröffentlichten Seiten, Texten und Bildern.
Dieser Band gehört, um es gleich vorweg zu nehmen, zu den Ausgaben von Jean Giraud, die sich mit dem Wörtchen Perfekt umschreiben lassen. – Und wie bei jeder Perfektion gibt es auch kleine Abstriche. Diese verstärken aber den Wert des übrigen Werks.

Zu Beginn scheint es, als sei hier ein älterer Giraud am Werk gewesen, der auch das Szenario dieses Bandes verfasst hat. Da gibt es noch diese Skizziertechnik aus ganz alten Tagen, aber auch eine außerordentliche Feinarbeit, wie sie bei Massenszenen und Landschaften besonders zum Tragen kommt. Da ist der Giraud, der eine Skizze wie ein charakterliches Darstellungsmerkmal benutzt und seine eigenen Schauspieler kreiert, die er nach seiner Regie agieren lässt.
Aus diesem Giraud wird später eine glattere Version, der seine Figuren eher wie ein Architekt gestaltet. Dieser Giraud kommt mit weniger Strichen aus, aber er versucht sich auch immer wieder seinem alten Ego anzunähern, um die Linie der Geschichte zu wahren, optisch wie auch erzählerisch.
Textlich gelingt ihm das, optisch nicht immer.

Der Reverend ist zu Beginn ein wahrer Knochen, hager, widerborstig, so dass ein Peter Cushing ihn hätte spielen können. Obwohl die Geschichte nur über einen engen Zeitraum geht, wird aus diesem Reverend ein wohl genährter Gottesmann. Auch mit Blueberry geht eine leichte Verwandlung vor, die sich mit einer Kurvenbewegung über die Handlung hinweg verteilt beschreiben lässt. Zu Beginn hat er ein eher schwammig breites Gesicht. Dann ist er mal jugendlich schmal, wieder außerordentlich männlich, einem Belmondo sehr ähnlich, bevor er gegen Ende wieder jugendlicher wirkt.

Diese Anmerkungen mögen der Einleitung zuwider laufen, aber dennoch lässt sich nur sagen, dass die Bilder letztlich perfekt sind, jedes einzelne, nur an der Feinabstimmung der Bilder zueinander, die Abstimmung von Alt und Neu, hapert es mitunter.
Ansonsten kann jedes einzelne Bild (oder besser eine Szene) als Basis eines Lehrstoffes für angehende Comic-Zeichner herangezogen werden.
Herausragend sind hier zu nennen der Kampf von Blueberry und Geronimo, Blueberrys Prügelei im Saloon, die abendliche Tischrunde von Captain Noonan und auch der erzwungene Unterricht der Indianer.

Es ist eine traurige Geschichte, die auch von Giraud sehr gut erzählt wird – hier muss er sich nicht hinter Jean-Michel Charlier verstecken. Die Traurigkeit, die Hoffnungslosigkeit all der Bemühungen äußert sich durch die Wahl der einzelnen Schauplätze wie auch der Tageszeiten. Regen, Nacht, Schnee, Matsch, verrauchte Saloons, Gefängniszellen, ein ehemaliges Kloster, das ein Internat sein soll und wie ein Gefängnis aussieht und schließlich ganz zum Schluss der Friedhof.
Drama, Tragik, aber auch der Western sind hier nicht nur in der Erzählung zu finden, sondern auch optisch fühlbar.

Ein grafischer Höhepunkt der Blueberry-Reihe, der auch seinen ganz eigenen Western-Weg geht, in dem am Ende eigentlich alle die Verlierer sind, jeder auf seine Art. Eine tolle eigenständige Episode, die ohne sonstiges Blueberry-Vorwissen genossen werden kann. :-D

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Mittwoch, 28. Mai 2008

Die Blueberry Chroniken 9 - Tsi-Na-Pah

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 20:20

Die Blueberry Chroniken 9 - Leutnant Blueberry - Tsi-Na-PahAm Trading Post machen sich Tolson und seine Männer einen Spaß daraus, auf Indianer zu schießen. Die Angehörigen der Armee sind zwar empört, aber ihnen fehlt es ganz eindeutig an Durchsetzungskraft. Anders die Indianer: Sie wollen die Schmähungen nicht länger hinnehmen und ersinnen einen listigen Plan, um sich zu rächen.
Als eine Postkutsche im Trading Post hält, denken sich Tolson und seine Männer nichts Böses. Doch die Passagiere sind alles andere als harmlose Reisende.

Die 9. Ausgabe der Blueberry Chroniken beschäftigt sich mit einer der dunkelsten Seiten der amerikanischen Geschichte. Immer weiter zurückgedrängt, wissen viele Indianer nicht mehr ein noch aus. Einige lehnen sich auf, andere fliehen, wieder andere geben sich auf. Mit den Geschichten Gebrochene Nase, Der lange Marsch und Der Geisterstamm, zusammengefasst unter dem Titel Tsi-Na-Pah, erzählen Jean-Michael Charlier und Jean Giraud das spannende Schicksal des Stammes, bei dem Blueberry nach seiner Flucht vom Attentatsort auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten Zuflucht fand.

Die Chiricahua, bei denen Blueberry Unterschlupf findet, gehören zu den Apachen-Stämmen, die durch die amerikanische Geschichte (und einen bekannten Erzähler namens Karl May) besonders bekannt sind. Bereits früh wurde ein Blueberry gezeigt, der sich auf die Indianer als gleichberechtigte Gesprächs- und Verhandlungspartner einlässt und nichts auf die vorherrschenden Ansichten der Weißen gibt.
In dieser Trilogie verstärkt Charlier diesen Aspekt noch, indem er Blueberry auch in den Sitten und Gebräuchen des Stammes aufgehen lässt. Sein Kampf gegen den Adler, den er nur vollzieht, um eine indianische Frau zu beeindrucken, spricht Bände.

Wie wenig Eindruck er – ebenso wie Vittorio, sein indianischer Rivale – dabei hinterlässt, ist einer der gelungenen humoristischen Einsprengsel in diesen drei Geschichten, die es bei aller Dramatik und Tragik gibt.
Ob sie weiß sind oder rot, die Männer sind Dummköpfe! Der eine bringt mir einen Revolver mit, der andere einen stinkenden Geier, und dann wollen sie, dass Chini ihnen um den Hals fällt.
Ein moderner Zeitmesser wäre Chini lieber, die sich hier durch Mut und Weitsicht als moderne amerikanische Frau darstellt.

Weder erzählerisch noch optisch ergehen sich Charlier und Giraud sich im berühmten edlen Wilden, denn beide stellen auch ganz klar: In der Verzweiflung ist für Edelmut kein Platz, allenfalls für einen letzten Rest Vernunft.
Trotzdem mag man als Leser den Eindruck gewinnen, dass die Figuren allgemein etwas schöner geworden sind. Blueberry sind wieder die Haare gewachsen (die ihm während seines Gefängnisaufenthalts gestutzt worden waren) und selbst Mikes alter Freund Jimmy und auch Red Neck sehen besser aus. Im Vergleich zu vorhergehenden Ausgaben wurde der Strich noch leichter geführt, feiner, zierlicher, zum Teil wie eine ganz eigene Rasterimitation aussehend.

Insgesamt mag sich Charlier selbst nicht einig gewesen sein, wie er seinen Stamm nun zuordnet – Navajo oder Apachen – letztlich aber schildert er sie sehr behutsam, freundlich, auch Mitleid erregend. Es besteht gar keine Frage, auf welcher Seite die Sympathien dieser Geschichte liegen, obwohl mit Vittorio ein recht unbequemer Zeitgenosse eine der Hauptfiguren ist. Und das ist noch sehr vornehm ausgedrückt. Andere würden einfach sagen, dass es sich bei Vittorio um einen halsstarrigen Idioten handelt.
Aber solche Gestalten gibt es auf beiden Seiten. Egg Head und auch Wild Bill Hickok sind äußerst unverträgliche Zeitgenossen. Ersterer ein Indianerhasser ohne Grenzen, letzterer wird als Dandy mit Kopfgeldjägerambitionen gezeigt.

Charlier weicht von den realen Ereignissen des Wilden Westens im Sinne einer spannenden Geschichte ab, ohne den Kern der Historie zu verfälschen.
Im Gegenzug scheint es, als würde er die Odyssee auf amerikanische Verhältnisse übertragen. Nirgends sicher fliehen Blueberry und seine Freunde immer weiter und lassen sich stets neue Pläne einfallen, um zu entkommen. So ist eine sehr verschachtelte Trilogie entstanden, die auch alte Bekannte wie Jimmy oder Chihuahua Pearl zurückholt. So finden sich ebenfalls beste Voraussetzungen, um Girauds Gestaltungsfreude aus der Reserve zu locken. Zur Freude des Lesers sind dadurch grandiose Eindrücke entstanden.

Der Postkutschenüberfall, Mikes Kampf mit dem Adler und sein Aufenthalt bei den Chiricahua, Pearls Hilfestellung bei Blueberrys Flucht und einige Szenen mehr haben Vorbildcharakter, nicht nur auf zeichnerischer Ebene, sondern generell für einen schönen Bildaufbau und einen guten Sinn für Perspektive.

Ein aussichtsloser Kampf, eine packende Flucht. Charlier ist ein mitreißendes Western-Spektakel geglückt, in dem die Weißen die Bösen sind. Ein dunkles Kapitel amerikanischer Geschichte, dank der Bilder von Giraud eine tolle Abenteuertrilogie. Eine der besten. :-D

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Dienstag, 12. Februar 2008

Die Blueberry Chroniken 8 - Die Verschwörung

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 11:45

Die Bluberry Chroniken 8 - Die VerschwörungDas Leben hat es nicht gut mit Mike Blueberry gemeint. Obwohl er sich nach Leibeskräften bemühte, dem ihm übertragenen Auftrag auszuführen, wird er nun beschuldigt, einen riesigen Goldschatz beiseite geschafft zu haben. Abgemagert sitzt er nun in Francisville ein, einem der härtesten Militärgefängnisse der Vereinigten Staaten.
Darüber hinaus macht ihm Kommandant Kelly im Gefängnis das Leben schwer. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass Kelly mit gemeinen Tricks versucht, an das Geheimnis des Goldschatzes zu gelangen. Indes ist Blueberry unschuldig und versucht seinerseits Beistand von außen zu erhalten.

Nachdem Blueberry durch einen vorherigen Zellengenossen gelinkt wurde, sucht er nun nach einer neuen Möglichkeit, in die Freiheit zu gelangen. Kelly gibt ebenfalls nicht auf. Da trifft es sich, als Blueberry nach einer neuerlichen Züchtigung aufgibt und verspricht, die Soldaten zum Versteck des Goldschatzes zu führen. Außerhalb des Gefängnisses, so seine Annahme, sollte es leichter sein, seinen Bewachern zu entkommen. Und Kelly fällt auf die Finte herein.
Bald schon macht sich Blueberry unter strenger Bewachung auf den Weg in Richtung El Paso, dort, wo nach eigenen Angaben das Gold zu finden sein soll.

Bei einer Zugreise kommt Blueberry vom Regen in die Traufe. In einem der Wagons befindet sich ein stark bewachter Geldtransport: Noch mehr Soldaten. Die Chancen, tatsächlich entkommen zu können, werden nicht besser, sondern immer schlechter. Blueberry rechnet sich inmitten der schwer bewaffneten Männer schon keinerlei Chancen mehr aus, als es passiert: Ein Überfall.

Die Verschwörung, der 8. Band der Blueberry Chroniken, vereint die beiden Folgen
Vogelfrei und Angel Face miteinander. Mike Blueberry wird in der Tat in kompliziertes Geflecht einer Verschwörung hineingezogen, in der er als Sündenbock herhalten soll – wer wäre dazu besser geeignet als verurteilter Soldat, der immer durch Aufsässigkeiten auf sich aufmerksam gemacht hat.
Jean-Michel Charlier nutzt in seiner Erzählung einmal mehr die andere Seite des Blueberry aus, jene offizielle Seite, die sich in Akten und Steckbriefen niederschlägt. Bereits zuvor, in der Trilogie um das Südstaatengold, wurde ihm sein Ruf zum Verhängnis.
War er lange Zeit ein Kriegsheld und als Vermittler zwischen Indianern und Weißen bekannt, ist er nun zum Gesetzlosen wider Willen geworden.

Mit dem Wandel der Figur, des Flüchtigen, der sich gegen sein Schicksal aufbäumt, geht auch ein Wandel in der Gestaltung des Charakters einher. Jean Giraud hatte Blueberry lange Zeit als harten Kerl gezeigt, der durch diverse Torturen ein gestandenes Mannsbild geworden war – ähnlich wie das künstlerische Vorbild Jean-Paul Belmondo. Hier wendet sich das Bild. Blueberry ist kaum noch zu erkennen – na, eigentlich schon, aber in der Tat zeichnet Giraud seinen Helden so, wie ein Mensch aussieht, der gequält und erniedrigt wurde, nicht genügend Wasser und Nahrung bekam und die meiste Zeit in einer kleinen muffigen Zelle zubringen musste.

Dieser neue Blueberry hat seine längeren Haare einbüßen müssen, sein Gesicht ist eingefallen – Blueberry wirkt viel älter, als es der zeitliche Abstand zwischen der Geschichte um das Südstaatengold und seinen neuen Status als Gesetzloser erlauben würde.
Überhaupt tobt sich Giraud in diesen beiden Abenteuern an Gesichtern aus. Man fühlt sich als Leser in die großen Spaghetti-Western eines Sergio Leone versetzt, in denen großformatige Einstellungen von Gesichtszügen noch das letzte Zucken eines Augenlides auf die Leinwand brachten.
Kelly, einer von Blueberrys Gegenspielern, hätte gut und gern von Lee van Cleef gespielt werden können, mit breiten und hohen Wangenknochen, einem Bärtchen und leicht geschlitzten Augen, ist hier das Paradebeispiel eines Intriganten. Eine Guffie Palmer, eine dickliche Frau mit bewegter Vergangenheit, ist eine Art guter Geist, eine Mutterfigur, die wahrhaftig alles dafür gibt, damit die Wahrheit ans Licht kommt. Eine weitere Frau, die Blueberry aus den Flammen rettet, weiß auch das Gute in dem Mann zu erkennen. Knurrig, alt und gelähmt, trägt sie ebenso das Herz auf der Zunge wie Guffie und wirkt ein bißchen wie eine weibliche Version von Blueberrys altem Freund Jimmy.

Faszinierend ist die Auswahl eines Gegners und Schurken: Angel Face. Der Spitzname dieses jungen Mannes ist Programm. Derart hübsch und weich aussehend, dass er sich als Frau durchmogeln kann, ist er doch eine der tödlichsten und skrupellosesten Charaktere in diesem Drama.
Ob als Beschreibung durch Charlier oder als Zeichnung von Giraud, die diesen Charakter natürlich enorm stützt, Angel Face geht ganz in der Tradition von tragischen Gangstern wie Pretty Boy Floyd oder Billy The Kid auf. So gönnt Giraud seinem dunklen Helden auch nicht den Tod, sondern etwas viel schlimmeres. Allein diese Auflösung, wie auch jede Wendung innerhalb des Handlungsstrangs – und davon gibt es viele – ist ein gutes Beispiel für den Erzähler Charlier, der zwar nicht alles immer neu erfand, aber es verstand, immer die richtige Mischung aus Erzählelementen zu treffen. Darüber hinaus lässt es sich wohl behaupten, dass es nur wenige Blueberry-Geschichten gibt, die ähnlich reich an Wendungen und Hakenschlägen sind und den Leser stets in eine andere Richtung führen. Charlier lässt sich keine Gelegenheit entgehen, um auch nicht die geringste Möglichkeit zur Vorhersage eines Schlusses zu geben.

Girauds Gesichter: Bereits erwähnt, bedarf es dennoch noch einer kleinen Lobeshymne. Die Gesichter, die Giraud, der spätere Moebius, hier abliefert, sind vermutlich ein Grund dafür, warum seine Fan-Gemeinde ihm die Vereinfachung in seinen späteren Zeichnungen so vehement vorwarf. Im Film würde man sagen: Selbst die kleinste Nebenrolle ist perfekt besetzt. Das trifft es. Ob es die Detektive von Pinkerton sind oder der kleine Soldat, der Blueberry durch die Kontrollen hilft, Giraud hat stets den richtigen Akteur zur Hand.

Western, Drama, Thriller in einem Band. Charlier und Giraud nutzen die Umbruchwelle nach dem Bürgerkrieg zu einer überaus spannenden Geschichte, in der sich Blueberry nur mit großer Mühe retten kann. Nur selten zuvor wurden ihm so viele Steine in den Weg gelegt. So wild und nervenaufreibend kann der Westen sein. :-D

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Dienstag, 18. Dezember 2007

John Difool - Der Incal

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 0:47

John Difool - Der IncalEigentlich ist John Difool nur ein Privatdetektiv. Und eigentlich sollte es nur ein ganz einfacher Auftrag sein. Aber plötzlich ist ihm dieser Hund auf der Spur, weil dieser glaubt, Difool habe sein Schäfer(hund)stündchen hintertrieben. Damit nicht genug. Kurze Zeit darauf stürzt Difool auf den Säuresee zu. Haarsträubend? In der Tat glauben die Robotpolizisten Difool kein einziges Wort.

Französische Science Fiction hinterlässt manchmal einen verspielten Eindruck. John Difool gehört sicherlich zu den klassischen Beispielen dieser Erzählkunst. Moebius ist kein Unbekannter unter den Zeichnern. Früher war er unter dem Namen Jean Giraud bekannt und zeichnete sich mit Blueberry in den Western-Olymp. – Aber das muss man einem Comic-Fan kaum berichten.

Die neu bearbeitete Fassung von John Difool und seinen Erlebnissen mit dem Incal erstrahlt in neuer Farbenpracht dank einer sehr einfühlsamen Kolorierung von Valérie Beltran. Die Bilder gewinnen deutlich an Plastizität, erhalten mehr Tiefe. Wer früher die vereinfachte Strichführung von Moebius beklagte, nachdem der den Zeichenstil aus den Tagen von Blueberry abgelegt hatte, wird durch die neue Farbgebung die Grafiken in einem völlig neuen Licht sehen. Man könnte es unter der Überschrift Oppulent zusammenfassen. Der gesamte Band, der die sechs Folgen um den Incal bündelt, ist eine Art Opus des Comics. Er ist sehr rund erzählt, findet immer wieder seine Spitzen, weiß, wann und wie er den Leser mitreißen kann. Und mittendrin ist John Difool, eine Mixtur aus Pierre Richard und Gérard Depardieu, ein Privatdetektiv mit Courage, aber immer auch bereit, den leichten Weg zu wählen.

Lassen wir den Hauptcharakter für den Moment beiseite. Ausgangspunkt der Saga ist eine Stadt, eine Mega-Stadt, in die Erde eingelassen, überschüttet mit den kuriosesten Programmen und Gestalten. Selbstmörder stürzen sich in den Säuresee, der in den Untiefen der Stadt angesiedelt ist. Fernsehen bannt den Zuschauer, verblödet, bestimmt die Emotionen. Der Präsident wird zum wiederholten Male geklont. Eine Live-Übertragung macht diese Prozedur zu einem multimedialen Spektakel. Schnelle Liebe kann leicht bekommen werden, auf den Punkt zugeschnitten.
Diese Welt ist satirisch, überspitzt, stellt zur Rede, regt zum Lachen an, macht aus Lesersicht viel Spaß.

Autor Alexandro Jodorowsky lässt diese Stadt nicht am Leben. Der Incal, besser gesagt die beiden Incals vor ihrer Vereinigung, wie auch ein Aufstand, eine Bedrohung durch die Berks, macht der Stadt, deren Regierung in ihrer eigenen Dekadenz ersäuft, den Garaus. Wenig später heißt das Reiseziel: Flucht. Es geht abwärts. Wer glaubte, es sei bereits phantastisch genug gewesen, sieht sich sehr bald eines Besseren belehrt. Eine Kristalllandschaft, alte hutzelige Männchen, die wie eine Versammlung der lieben Götter anmuten, leiten über zu einem Wasserplaneten und an Bord eines Raumschiffes. Sonnen sterben, Weltraumschlachten, ein merkwürdiges Ritual der Berks sowie eine pechschwarze riesige Eimasse, deren Erscheinen unwillkürlich an den Monolithen aus 2001 erinnert.
Alleine in der Umgebung prasselt ein Feuerwerk der Phantasie auf den Leser hernieder und als Leser kann man nicht anders, als ständig weiterzublättern, teilweise atemlos, manchmal ungläubig angesichts dieser tollen Weltenschilderung.

In all den Beschreibungen sind Riesenhaftigkeit, Winzigkeit, kurz wechselnde Größenverhältnisse Trumpf. Riesige Städte, schrumpfende Raumschiffe, riesige Kegelgebilde, die erklommen werden wollen, ein Kampfstern, der seinen Namen wahrhaftig verdient. Medusen schweben gigantisch wie Wolkenkratzer vorüber, werden zu einer Schlachtformation, die man in dieser Konsequenz nie wieder woanders gesehen hat.

In dem Universum von Jodorowsky und Moebius toben sich kindliche Ideen aus – in alter Zeit konnten Kinder in den unmöglichsten Gegenständen alles sehen und damit spielen. Schuhe wurden zu Automobilen, Fächer zu Flugzeugen, alles eine Frage der Phantasie. Letztlich müssen sich die beiden Macher einen sehr großen Teil dieser Kindlichkeit und Spielfreude bewahrt haben, vielleicht stärker noch als so mancher andere Comic-Autor und –Zeichner, der durch die mittlerweile sehr breite Medienvielfalt beeinflusst worden sein mag.

John Difool ist der Namensgeber dieser Handlung, zusammen mit einer seltsamen göttlich anmutenden Wesenheit, dem Incal. Zu Beginn könnte der Privatdetektiv für einen Tolpatsch gehalten werden, bald wird klar, dass Difool aber auch ein abgebrühter Hund ist, der sich in dieser Welt durchaus auskennt. Und er ist ein Kind seiner Welt. Egoismus ist überlebenswichtig. Doch Difool hat auch ein Herz.
Dipo, sein Betonpapagei, ist wohl eines der knuffigsten Lebewesen im Science Fiction- und Space Opera-Genre. Dipo schafft Lacher (wenn er das Reden erlernt), er schafft durch seine Sympathe zu Difool auch Mitgefühl mit dieser Hauptfigur, die am Anfang nicht sehr zugänglich ist – letztlich aber ist sie der typische Privatdetektiv. Die Klassiker, wie Sam Spade oder Philip Marlowe, sind auch nicht die erste Garde für den Sympathiepreis erster Klasse.

Natürlich beherrscht Jodorowsky die Zusammenstellung seiner Figuren. Nach und nach entsteht eine regelrechte Partie aus zwei anfänglich gegensätzlichen Frauen, einem Profikiller, einem Kind, einem humanoiden Hund, mit Difool und Dipo an der Spitze. Die Reibereien, Querelen, die Eifersucht, die Gier nach dem Incal, all das und mehr wird von Jodorowsky genutzt, um die Helden aufeinander zu hetzen, nur um sie sehr bald schon umso enger zusammenzuschweißen. Die Phantasie stoppt auch bei den vielfältigen Charakteren nicht. Der Meta-Baron ist die Inkarnation eines Attentäters mit Prinzipien, Animah, die Herrin der Ratten, sorgt für Mystik und Erotik. Kill, der humanoide Hund, ist der tierische Aspekt – sehr schön, wenn sich Kill und Dipo später gegenseitig aus der Patsche helfen.

Die allgemeine Stimmung, die sich während des Lesens einstellt, lässt sich schwer beschreiben. Zwar gibt es Parallelen zu bekannten Geschichten – zumeist solche, die später als der Incal erschienen sind – aber das genügt nicht, um dem Incal einen oder zwei Stempel aufzudrücken. Der Humor ist mal unterschwellig, mal putzig, mal beißend und böse. Kämpfe sind brutal, in riesigen Schlachten, auch harmlos, in Slapstickmanier. Mal bewegt sich der Jodorowsky an der Oberfläche, mal ist er tief- und hintersinnig, mal kann man auch zwischen den Zeilen lesen. Die Räumlichkeiten, die Orte sind so vielfältig wie die Erzählebenen. So ist eine Space Opera entstanden, die den Leser auf sehr unterschiedliche Weise vereinnahmen und mit auf die Reise nehmen kann.

Nicht viele literarische Werke können von sich behaupten, ein Klassiker zu sein. John Difools Abenteuer um den Incal ist ein Klassiker, ein mutiger Vorreiter, ein Ausbund an Phantasie wie auch Schlüssigkeit. Die hervorragende grafische Qualität, ganz besonders in dieser Neuauflage, macht aus dieser rasanten, spannenden und witzigen Science Fiction etwas ganz Besonderes. :-D

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Dienstag, 13. November 2007

Die Blueberry Chroniken 7 - Das Südstaatengold

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 0:01

Die Blueberry Chroniken 7 - Das SüdstaatengoldBlueberry hat sich eingelebt. Eine kleine Schlägerei ab und zu, ein Kartenspielchen und seinen Vorgesetzten das Leben schwer machen. Aber Blueberry ist auch tüchtig. Was er anpackt, bringt er zu Ende. Dieser Bonus ist es, der ihn in noch größere Schwierigkeiten bringt.
Während des Krieges verschwanden 500000 Dollar aus der Kasse der Südstaaten. Jetzt, nach so vielen Jahren, gibt es endlich eine Spur. Ausgerechnet Blueberry kann diese Spur ausfindig machen – und will doch eigentlich gar nichts damit zu tun haben. Aber sein Ruf ist ihm bis nach Washington vorausgeeilt.

An höchster Stelle fasst man einen außerordentlichen Plan. Blueberry soll das Geld in Mexiko finden, wo es offensichtlich versteckt worden ist. Es muss jemanden geben, der das genaue Versteck kennt. Doch dieser Jemand wird einem Offizier der ehemaligen Nordstaaten keine Auskunft darüber geben. Also muss ein alternativer Plan gefunden werden. Kurzum wird Leutnant Blueberry unehrenhaft aus der Armee entlassen. Ein Steckbrief weist ihn außerdem als Dieb aus. Nun bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich auf die Flucht nach Mexiko zu begeben – aber nicht bevor er dem General, der ihm das alles eingebrockt hat, einen rechten Haken zu verpassen.

In Mexiko kommt Blueberry beinahe mit jedem Schritt vom Regen in die Traufe. Seine Kontaktperson, Chihuahua Pearl, eine Sängerin und Tänzerin, die es zu einer kleinen Berühmtheit gebracht hat in dieser verlassenen Ecke, hilft ihm zunächst weiter. Eine Hilfe, die sich von selbst in Luft auflöst, als ein eifersüchtiger Gobernador ihm noch mehr Probleme bereitet. Schließlich endet es, wie es enden muss. Blueberry wird ins Gefängnis geworfen. Und dort, endlich, trifft er auf den Mann, der ihm wirklich bei der Suche helfen kann.

Jetzt heißt es nur noch, aus dem Gefängnis zu entwischen. – Leichter gesagt, als getan.

Die 7. Ausgabe der Blueberry Chroniken präsentiert einen der gelungensten Dreiteiler der Reihe. Chihuahua Pearl, Der Mann, der $ 500.000 wert ist und Ballade für einen Sarg ist in seiner Gesamtheit nicht nur ein spannender Western, sondern auch eine originelle Schatzsuche.

Jeder Archetyp des Westerns ist hier auf perfekte Art vertreten. Blueberry, der Outlaw und Abenteurer. Sein Freund Mac, der abgehalfterte Westmann mit starkem Hang zum Whisky. Chihuahua Peal, die schöne Frau, die es versteht, mit ihren Reizen zu betören. Gangster verschiedener Sorte jagen dem Gold und Blueberry hinterher. Allen voran Finlay, der mit seiner Bande ehemaliger Konföderierter über Leichen geht. Die Mexikaner wollen auch ihren Teil abhaben. Jean-Michel Charlier und Jean Giraud liefern hier ein Meisterstück ab – nicht das Meisterstück, aber ein Meisterstück, denn richtig gut sind viele Blueberry-Abenteuer.
Hier gelingt allerdings das Meisterstück, die Spannung über drei Geschichten hinweg kontinuierlich zu steigern und eine lange Planung schließlich mit Knall endet.

Obwohl die Bände sehr zeitnah entstanden sind, in der ersten Hälfte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts, lassen sich sehr deutliche Stilveränderungen in den Bildern von Giraud erkennen. Chihuahua Pearl ist nicht unbunt, doch die Farben sind gedeckter, deutlich gegeneinander abgegrenzt. Brauntöne, Rot, Gelb, Blau, die Farben sind kräftig, aber nicht grell.
Auch in der Fortsetzung Der Mann, der $ 500.000 wert ist hält sich diese Farbgebung.
In der dritten Episode Ballade für einen Sarg ändert sich schlagartig. Hier knallen einem die Farben regelrecht um die Ohren, als habe Giraud einen Farbkasten über den Seiten ausgeschüttet. Der Effekt ist jedoch verblüffend. Lila trifft auf Gelb trifft auf Rot. Das fetzt! Die Experimente, die hier von Giraud so ungewohnt eingesetzt werden, erzeugen eine für einen Western ungewohnte Atmosphäre. Andererseits verwendet er aber das Farbenspiel auch für mehr Schattierungen, als der Leser es von den vorhergehenden Ausgaben her kennt.
strong>Ballade für einen Sarg dürfte für sich allein genommen zu einem der absoluten Höhepunkte der Reihe gehören.

Wie gut die Geschichten gelungen sind, zeigen auch die Episoden in den Episoden. Charlier zelebriert Szenen wie die Überredungsversuche des mexikanischen Soldaten, der Blueberry zu überreden versucht, ihm das Versteck des Schatzes zu verraten. Giraud steuert Großaufnahmen von Gesichtern bei, in denen man seine Zeichentechnik so richtig bewundern kann. Darüber hinaus zeigen die Cover von Chihuahua Pearl und Der Mann, der $ 500.000 wert ist, was für ein großartiger Grafiker Giraud ist, der ein vollfarbiges Bild ebenso aufzubauen weiß, wie eine reduzierte eingefärbte Tuschezeichnung.

Eine wunderbare Westernerzählung, hoch spannend gleich von Beginn an, mit einem Blueberry, der hier so richtig Gauner sein und seine Outlaw-Seite ausleben darf. Der dritte Teil dieser hier vorliegenden Trilogie ist richtiges Sahnehäubchen im Schaffen des Duos Charlier/Griaud. Für Fans von Western und Abenteuern ein echtes Muss. :-D

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Dienstag, 31. Juli 2007

Die Blueberry Chroniken 6

Abgelegt unter: Klassiker, Abenteuer — Michael um 15:34

Die Blueberry Chroniken 6 - Prosit Luckner und die vergessene GoldmineBlueberry hat sich mit seiner Arbeit als Sheriff vorübergehend abgefunden. Gemeinsam mit seinem Freund Jimmy vertreibt er sich die Zeit mit Poker. Doch Ruhe währt nicht lange in Blueberrys Leben. Plötzlich fällt ein Schuss. Ein Anschlag auf das Leben des Sheriffs?
Blueberry geht in Ausübung seines Amtes in den gegenüber liegenden Saloon. Von dort kam der Schuss. Nur eine kleine Kneipenauseinandersetzung, kein Anschlag, war der Auslöser der Kugel, die versehentlich im Sheriffbüro einschlug. Bei dieser Gelegenheit lernt Mike S. Blueberry einen der schlimmsten Betrüger seines Lebens kennen: Baron Werner Amadeus von Luckner. Rein äußerlich ist von Adel bei dieser zerlumpten Gestalt nichts mehr zu erkennen. In Wahrheit unterscheidet er sich nur durch sein beständiges Gebrabbel über eine Goldmine von den anderen Säufern, die sich im Saloon herumtreiben.

Blueberry nimmt den unsympathischen Kerl sicherheitshalber in Schutzhaft. Der Sheriff kann nicht ahnen, wie groß der Ärger, den er mit diesem Prosit Luckner bereits hat, einmal werden wird.

Prosit scheint noch viel mehr auf dem Kerbholz zu haben, als nur sein loses Mundwerk. In seinem Gepäck findet sich ein alter Revolver, der jemand anderem gehört hat und der vor gar nicht langer Zeit mit einer Kugel im Rücken aufgefunden wurde. Gaunern wird im Wilden Westen schnell der Prozess gemacht. So machen sich die versammelten Menschen aus dem Saloon auf den Weg, um den alten Luckner aufzuhängen. Blueberry locken sie unter einem Vorwand weg.

Eigentlich sollte Jimmy auf Prosit aufpassen. Aber Jimmy trinkt nicht nur gerne einen Schluck zu viel, er ist auch viel zu vertrauensselig. Die Aussicht auf die Hälfte einer Goldmine und das Auftauchen zweier seltsamer Kopfgeldjäger lassen ihn mit Prosit einen Handel abschließen. Jimmy verhilft dem Gauner zur Flucht. Blueberry bleibt nichts anderes übrig, als die beiden zu verfolgen und zu hoffen, dass er sie vor den beiden professionellen Pistoleros findet.

Mit der 6. Folge der Blueberry Chroniken wird eine der spannendsten Doppelfolgen aus den Blueberry-Erzählungen neu aufgelegt. Prosit Luckner und die vergessene Goldmine fasst Die vergessene Goldmine und Das Gespenst mit den goldenen Kugeln zusammen. Obendrein findet der Leser die etwas kürzere Episode Donner über der Sierra, in der sich Blueberry gegen einen gemeinen Überfall zur Wehr setzen muss.

In der ersten Geschichte, in der Blueberry sich plötzlich in einem unerwarteten Kugelhagel wieder findet, stößt der Leser auf Zeichnungen, in denen Giraud einen weitaus leichteren Strich als sonst führt. In der Ausführung ist Giraud erkennbar, aber auf den ersten Blick könnte auch Hugo Pratt den Zeichenstift geschwungen haben. Der Blueberry-Fan, der skeptisch sein mag, ob ihm die Geschichte gefällt, kann ganz beruhigt sein. Die Handlung ist straff durcherzählt, sie hat Action und sie mündet in einer gelungenen Pointe.

Weitaus aufwendiger ist das Abenteuer, für das Prosit Luckner der Auslöser ist. Aus einer völligen Routineszene entwickelt sich ein handfestes Abenteuer. Erzähler Jean-Michel Charlier belässt es nicht bei der Jagd, bei der Blueberry, aber auch sein Freund Jimmy, an seine Grenzen gehen muss. Ein Prise Grusel durch das Gespenst mit den goldenen Kugeln, indianische Verfolger und Auseinandersetzungen unter Gangstern machen aus der Titelgebenden Doppelfolge ein Western-Ereignis, das sich mit den ganz großen Western, die der Fan von der Leinwand her kennen mag, messen kann. Spätestens in der Abgeschiedenheit der Mesa, einem Felslabyrinth, das von den Apachen gemieden wird, herrschen eine fesselnde Spannung und eine unheimliche Stimmung vor, die jeden Leser an die Geschichte bannen wird.

Der Tausendsassa Blueberry ist ganz bestimmt ein sympathischer Held. Aber es ist sehr erfreulich, dass sein Sidekick Jimmy McClure eine größere Rolle in dieser Geschichte inne hat, sogar maßgeblich daran beteiligt ist. Es zeigt auch ein besonders enges Verhältnis zwischen Blueberry und Jimmy. Anders lässt sich Blueberrys verzeihendes Verhalten nicht erklären. Dank Jimmy hat er nicht nur seine Arbeit als Sheriff nicht zur vollsten Zufriedenheit ausführen können, ihm fällt auch noch ein halber Berg auf den Kopf, unter dem er sich erst einmal frei graben muss. Von seinen Problemen, die sich ergeben, als die beiden Freunde wieder zusammen agieren können, soll gar nicht gesprochen werden.
Was die Strapazen anbelangt, die Blueberry zu überstehen hat, gehört diese Geschichte sicher zu den besonders schwierigen Abenteuern.

Das mag daher kommen, dass Prosit Luckner zwar auf den ersten Blick nicht zu den furchtbarsten Verbrechern gehört, aber letztlich zu denen zählt, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit über Leichen gehen. Trotzdem gelingt es Charlier und Giraud aus ihm einen Charakter zu formen, dessen eigene Erfahrungen während der Handlung mitfiebern lassen. Nicht selten wird aus der Sicht Prosits erzählt. Besonders in den Momenten, wenn er sich gegen das Gespenst behaupten muss, ist der Leser gezwungen, weiter zu blättern. Das abschließende Kapitel in der alten Pueblo-Höhle, in der es von Gängen und Kammern nur so wimmelt, in der jederzeit etwas aus den Schatten kommen kann, gehört ganz bestimmt zu den ungewöhnlichsten, aber auch zu den präzisesten Showdowns im Western.

Eine Hommage von Giraud an Morris (Lucky Luke auf Gir-Art) und eine Gegenhommage im Vorwort der Geschichten bieten hervorragend zeichnerisches Anschauungsmaterial und sind für mehr als einen Lacher gut.

Western pur und konzentriert: Prosit Luckner und die vergessene Goldmine gehört zu einer der besonders guten Abschnitte innerhalb einer bereits herausragenden Comic-Reihe. Besser geht’s kaum! :-D

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Dienstag, 29. Mai 2007

Die Blueberry Chroniken 5 - Marshal Blueberry

Abgelegt unter: Klassiker, Abenteuer — Michael um 19:18

Die Blueberry Chroniken 5 - Marshal BlueberryDie Indianer verbreiten Terror unter den weißen Siedlern. Die Übergriffe gefährden den dünn besiegelten Frieden. Blueberry gelingt es dank seiner guten Kontakte zu den Indianern, den Anführer der Aufrührer gefangen zu nehmen.
Aber es formieren sich auch Stimmen in den Reihen der Soldaten und der Siedler, die Blueberry wegen seiner Kontakte als Verräter bezeichnen. Die Tatsache, dass sich Blueberrys Rückkehr in der winterlich verschneiten Steppe verzögert, verschlimmern diese Mutmaßungen zusätzlich. Außerdem verhärten sich die Ahnungen über die Herkunft der Waffen, die von den Indianern bei ihren Überfällen benutzt wurden.
Die Waffen müssen aus Fort Navajo stammen.

Blueberry hat in der Zwischenzeit ganz andere Probleme. Er birgt den Überlebenden eines Postkutschenüberfalls, der ihn dringend sucht. Blueberrys Fähigkeiten als Problemlöser sind gefragt. Von höchster Stelle erhält er den Auftrag einer Bande von Waffenschiebern auf die Spur zu kommen.

Die Spur führt weg von Fort Navajo, nachdem Blueberry bei der Klärung einer gefährlichen Situation geholfen hat. Die Indianer, die ihm freundschaftlich verbunden sind, tun ihr Übriges, um die Bedrohung durch ihr Volk abzuwenden. Bisher konnte Blueberry den Waffenschieberring nicht ausheben. Einer der Verantwortlichen ist flüchtig. Blueberry hängt sich an seine Fersen.
Blueberry wird der neue Polizist im Himmel, der Marshal von Heaven. Begeistert ist er von dieser Aufgabe nicht, aber der Befehl kommt von ganz oben, geradewegs aus Washington.

Diese Stadt ist auf dem besten Weg, eine Kloake zu werden.
Dieser Meinung ist nicht nur die junge Tess Bonaventura, die auf ihrer Ranch andere Frauen aufgenommen hat, um sie aus der Prostitution und der täglichen Erniedrigung zu befreien. Auch an anderer Stelle macht die städtische Obrigkeit sich Sorgen. Allerdings denkt sie dabei auch an die Horde von Sünderinnen, die gemeinsam auf einer Ranch lebt. Blueberry versucht, sich aus all dem herauszuhalten und einzig seinen Auftrag zu verfolgen. Das fällt ihm jedoch zunehmend schwerer.

Bald gibt es noch einige Rechnungen zu begleichen. Doch zuvor muss Blueberry wieder auf die Beine kommen. Da trifft es sich, dass er die Herzen einiger Menschen erwärmt hat, die sich nun fürsorglich um ihn kümmern.
Hinter jedem mutigen oder mächtigen Mann, steht eine Frau, für die es sich lohnt, mutig zu sein oder für die es sich lohnt, die Spitze zu kommen. Blueberry kann sich der Liebe seiner neuen Freundin gewiss sein. Ebenso kann auch sein Gegenspieler auf die Unterstützung seiner Frau zählen. Die Tragödie nimmt ihren Lauf.

In den Geschichten Auf Befehl Washingtons, Mission Sherman und Blutige Grenze hat Jean Giraud den Zeichenstift mit der Schreibmaschine vertauscht. An seiner Stelle zeichnen William Vance (Episode 1 + 2) und Michel Rouge, der die dritte abschließende Geschichte zeichnet.

Wer sich ein wenig mit Comic-Thrillern beschäftigt hat, wird vielleicht Vance’ Arbeiten von Bob Morane, Bruno Brazil und der Langzeitserie XIII her kennen. Von jemandem, der 1964 seinen Einstieg ins Comicgeschäft schaffte, kann man mit Fug und Recht behaupten, ein Comic-Veteran zu sein. Seine Männer sind harte und toughe Kerle, seine Fieslinge sind finstere Burschen mit zerfurchten Gesichtern. Seine Frauen sind jung und schlank, verführerisch und mutig. Vance’ Figuren sind stets wieder erkennbar. Seine Frauen sind stets identisch anzuschauen, sieht man einmal von Haar- und Hautfarben ab. Ähnlich wie bei Zeichnern vom Kaliber eines Hermann oder Romero ist das aber egal. Hier geht es nicht um Realismus, sondern um Unterhaltung. Wie in einem guten Thriller oder wie hier in einem guten Western sollen die Frauen schön sein.

Der genaue Gegensatz zur Weiblichkeit ist die knallharte Action, die auch vor den Frauen keinen Halt macht. Direkt in der Eingangsszene zeigt sich, was Vance unter Western versteht. Beim Betrachten der Bilder drängt sich einem weniger der Eindruck eines amerikanischen Westerns auf, sondern vielmehr der eines Spaghetti-Westerns, der unter den Fittichen eines Sergie Leone entstanden ist. Sehr oft blicken die Akteure den Leser direkt an und beziehen ihn scheinbar in die Handlung mit ein. Es ist viel Wut, mitunter auch Verzweiflung in diesen Gesichtern. Bei den Männern findet sich außerdem die Entschlossenheit, das Schicksal in die eigene Hand zu nehmen – so, wie es Blueberrys Art im Besonderen und die des Westmannes im Allgemeinen ist.

Ähnlich und doch weicher ist der Zeichenstil von Michel Rouge. Er tendiert mehr zur Visualisierung seines Vorgängers Jean Giraud. Blueberry sieht hier wieder mehr nach Belmondo aus. Schatten und Strichführung erinnern in weiten Teilen an Giraud.
Beeindruckend an der letzten Episode ist der Showdown, an dem Blueberry überhaupt nicht beteiligt ist. Mag der eine oder andere Leser kritisieren, dass Girauds Erzählweise nicht so komplex wie die eines Charlier ist, weiß er doch mit diesem Abschnitt sehr zu überraschen. Es ist schlüssig, wie der Wahnsinn und die Gier um sich greifen. Am Ende lässt dieser Schluss sogar Mitleid zu, denn irgendwie waren die Akteure gezwungen, so zu handeln.
Der tolle Eindruck dieses Abschnitts ist natürlich auch Rouge zu verdanken, dem es durch ein einzelnes Bild gelingt, den Irrsinn dieser Menschen auf den Punkt zu bringen. Vor der Kulisse einer grandiosen und scheinbar ewigen Landschaft ist es gleichgültig, wie sich der Mensch benimmt.

Abseits von Jean-Michel Charlier weiß auch Jean Giraud als Erzähler dieser in sich geschlossenen drei Episoden zu überzeugen. Vance und Rouge vermitteln als Zeichner einen deutlich härteren Eindruck als in bisherigen Geschichten. Ein knallhartes Western-Erlebnis in bester Italo-Tradition.

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Donnerstag, 08. Februar 2007

Blueberry Chroniken 4 - Das eiserne Pferd und die Sioux

Abgelegt unter: Klassiker, Abenteuer — Michael um 19:10

Blueberry Chroniken 4 - Das eiserne Pferd und die SiouxEine Verbindung beider us-amerikanischer Küsten ist der Traum vieler Geschäftsleute und Reisender in den noch sehr jungen Vereinigten Staaten. Die Eisenbahngesellschaften Union Pacific und Central Pacific bewegen sich während ihres Baus quer durch das ganze Land aufeinander zu – sehr zum Leidwesen der Indianer, denn mit dem eisernen Pferd kommen immer mehr Weiße, die ihre Lebensgrundlage bedrohen.
Doch nicht nur die Indianer sind bedroht. In der Geschichte Das eiserne Pferd wird sehr schnell deutlich, wie hart auch der Konkurrenzkampf der Gesellschaften untereinander ist, denn je länger die Strecke des Einzelnen ist, umso mehr Eisenbahnlinie kann hinterher vermarktet werden. Spionage und Sabotage mit allen Mitteln sind an der Tagesordnung. Und Blueberry gerät wieder einmal zwischen die Fronten.

Bereits auf dem Hinweg geraten Blueberry und sein neuer Weggefährte Red in Gefahr. Eine riesige Bisonherde, die bewusst in Panik versetzt wurde, droht die beiden Reisenden zu zertrampeln. Die Reise wird nach überstandener Gefahr nicht leichter. Bald schon treffen Blueberry und Red auf Blueberrys alten Freund Jimmy. Schnell ist klar: Jemand wiegelt ganz bewusst die Indianer auf, um den Vormarsch der Union Pacific zu verlangsamen, wenn nicht sogar zu stoppen.
Im Lager der Eisenbahner angekommen ist es für Blueberry noch vor seinem offiziellen Amtsantritt Streit zu finden. Der Gegner heißt Steelfingers, ein Raubein und Verbrecher, der einst eine Hand verlor und durch eine stählerne Hand ersetzte, die er eigens in Europa anfertigen ließ. Mit Steelfingers hat Blueberry gleich von Beginn an einen Feind gefunden, der ihm noch viele Schwierigkeiten machen wird.

Blueberrys Mission ist klar. Da niemand weiß, warum die Indianer derartig in Aufruhr geraten sind, wird der abkommandierte Soldat zu ihnen geschickt, um zu vermitteln. Der junge Mann legt all seine Fähigkeiten und sein ehrliches Mitgefühl in die Waagschale, aber seine Mission gerät zur schwierigsten seit langem. Die Indianer haben keine Geduld mehr. Nur mit Mühe sind sie von einem Treffen auf Häuptlingsebene zu überzeugen. Sitting Bull und Red Cloud erklären sich bereit, Blueberry zu treffen. Leider stehen seine Bemühungen unter einem schlechten Stern, weil Steelfingers seine eigenen Interessen verfolgt, die zufällig mit denen der rivalisierenden Central Pacific Gesellschaft übereinstimmen.

Der Halunke Jethro Steelfingers versteht es sich, sich geschickt auf neue Situationen einzustellen. Was Blueberry sich nicht vorstellen konnte, geschieht. Steelfingers überredet die Indianer zu einem Zugüberfall. Plötzlich geht es für Blueberry und seine Freunde nicht nur um das Geld der Eisenbahngesellschaft, sondern um das nackte Überleben.

Die vierte Zusammenfassung der Abenteuer in den Blueberry Chroniken erweckt eine weitere dramatische Zeit in den jungen Vereinigten Staaten zum Leben: Die große Zeit des Eisenbahnbaus. Jean-Michel Charlier und Jean Giraud mischen wieder einmal harte Fakten und geschichtliche Ereignisse gekonnt mit abenteuerlicher Fiktion. Erneut entsteht ein Western-Epos, das damals zur Zeit seiner Entstehung wie auch heute den Leser festnagelt und erst wieder loslässt, wenn die letzte Seite gelesen ist.

In diesen Chroniken mit der Überschrift Das eiserne Pferd und die Sioux sind die Geschichten Das eiserne Pferd, Steelfingers, Die Fährte der Sioux und General Gelbhaar zusammengefasst. Alle vier Geschichten gehen beinahe nahtlos ineinander über und bilden so einen sehr spannenden Handlungsbogen.
Sehr auffallend ist in diesen vier Geschichten ist die Verachtung, mit der der Großteil der Weißen den Indianern begegnet. Wer sich über die gut aufbereiteten Informationen im Vorfeld der Handlung über jene Zeit hinaus Details anliest, muss zugeben, dass Charlier die Atmosphäre des Hasses und der Verachtung den Indianern gegenüber perfekt eingefangen wurde.
Gleichwohl kommen Charlier und Giraud auch an der Geschichte nicht vorbei, so ist klar, dass Blueberrys Misserfolg vorherbestimmt ist. Sein Bemühen ist verzweifelt, kleine Erfolge liegen eher in seinem Überleben. Sein Pech ist es außerdem, dass er in der Befehlsstruktur der Armee gefangen ist.

Blueberry, wie von Giraud als Belmondo in Reinkultur gezeichnet, kann gegen den Starrsinn von General Allister nicht an, der es sich auf die Fahne geschrieben hat, die Indianer per Waffengehalt zu befrieden und dies auch im tiefsten Winter – selbst gegen Frauen, Kinder und Greise.
Man kann nicht anders, als dieses Westerndrama gebannt zu verfolgen.

Girauds technische Fähigkeiten und sein Talent in dieser Zeit stehen außer Frage. Selbst aus heutiger Sicht gibt es rein gar nichts an den Bildern auszusetzen. Auffällig sind jedoch ein wenig besseren Bilder, wenn Indianer in Szene gesetzt werden, die natürlich wegen ihrer Aufmachung und ihrer Kleidung optisch weitaus mehr zu bieten haben. Vielleicht hat Giraud sie lieber gezeichnet als das übrige Szenario. – Das mag natürlich ein völlig subjektiver Eindruck sein.
Für Humor in diesem Band sorgt selbstverständlich die alte Saufnase Jimmy, der mit Red einen ebenbürtigen Kumpanen erhält. Zum Ausgleich auf der weiblichen Seite taucht Guffie Palmer auf, die Leiterin einer kleinen Variete-Truppe. Giraud zeichnet die resolute Frau mit einem wirklich tollen Schmiss, der ihr lautes Verhalten großartig unterstreicht.

Besser kann Western nicht sein. Ein tragisches Drama aus den Pioniertagen im Wilden Westen. Charlier und Giraud waren ein tolles Team. :-D

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Mittwoch, 29. November 2006

Marshal Blueberry

Abgelegt unter: Klassiker, Abenteuer — Michael um 18:33

Marshal BlueberryAn der mexikanischen Grenze herrscht das Chaos. Immer häufiger werden weiße Siedler von indianischen Banden überfallen und getötet. Die Übergriffe sind brutal und machen vor nichts halt: Männer, Frauen und Kinder. Fort Navajo füllt sich mit Flüchtlingen.
Wieder einmal wird Mike Blueberry ausgeschickt, um mit den Indianern zu verhandeln. Wieder einmal muss Blueberry sich beeilen, denn ihm wurde von seinen Vorgesetzten ein Ultimatum gesetzt. Doch dass es inzwischen Stimmen gibt, die Blueberry wegen seiner guten Kontakte zu den Indianern als Verräter bezeichnen, ist neu.

Die Verhandlungen gestalten sich äußerst zäh, obwohl Blueberry höchstmögliche Geduld an den Tag legt. Er hat Glück. Seine indianischen Freunde zeigen sich verständig.
Was nützt uns die Tapferkeit in einer Welt, die verrückt geworden ist?! So lautet das Fazit des Häuptlings, der gerade noch von Blueberry für die Tapferkeit seines Volkes gerühmt worden ist. Blueberry wähnt sich in einer glücklichen Position. Mit seiner kleinen Truppe macht er sich auf den Rückweg durch die dicht verschneite Landschaft.

Daheim sehen die Zurückgebliebenen die Angelegenheit ganz anders. Argwöhnisch werfen alle immer wieder einen Blick auf die Uhr, aber Blueberry ist noch nicht wie versprochen zurück.
Außerdem haben sie noch ganz andere Probleme. Die Waffen, mit denen die Indianer ausgerüstet wurden, stammen aus Fort Navajo. Leider konnte es dem verdächtigen Mr. Newman nie nachgewiesen werden. All dies stört die Indianer nicht. Für sie ist es eine willkommene Situation, dass die meisten Soldaten zu einer Strafaktion ausgerückt sind. So besteht die Verteidigung des Forts aus einer kleinen Stammbesatzung, alten Männern, Frauen und Kindern – Menschen, die sich verbissen wehren, aber kaum Aussichten auf Erfolg haben.

Unterdessen klärt die Blueberry die Angelegenheit auf seine Weise: durchgreifend, hart und wie immer ein wenig ungestüm, ohne Rücksicht auf sich selbst.

Marshal Blueberry schickt den Zeichner Jean Giraud an die Autorenfront. Wir schreiben das Jahr 1868. Chronologisch angesiedelt sind die Ereignisse zwischen den Blueberry-Alben 10 und 13. Die Zeichnungen hat der Künstler William Vance übernommen.

William Vance kennen Fans von Serien wie Bob Morane, Bruno Brazil oder auch XIII. Nach solchen Thrillern, in denen Vance bewiesen hat, dass er knallharte Geschichten zu zeichnen vermag, hat es ihn mit Blueberry auch in den Wilden Westen verschlagen. Man kaum wohl mit Recht behaupten, dass seine Strichführung er dem Westernhelden, der von Charlier und Giraud erschaffen wurde, einen ganz eigenen Charakter verleiht.
Girauds Zeichenstil in den früheren Jahren war schnell geführt, zuweilen skizzenhaft auf das Papier geworfen.
Im Gegensatz dazu ist Vance’ Zeichenstil eher dokumentarisch, wie der eines Gerichtszeichners, exakt in jedem Strich. Die Figuren wirken härter, besitzen aber einen ähnlichen Realismus wie seinerzeit die Zeichnungen von Giraud. Vance hat sich sehr auf Gesichter konzentriert. Wer die Szenen genau beachtet, wird sehen, dass er Gesichter häufig in den Mittelpunkt der Szene setzt. Die Mimik unterstreicht die Handlung. Bei den Belagerten im Fort lässt sich Verzweiflung ablesen, bei Blueberry ist es Durchsetzungsvermögen und Entschlossenheit.

Aus anderen Geschichten weiß der Leser, dass Vance auch ein Könner von Landschaft und Technik ist. Hier kann dies Talent nicht voll einsetzen, denn es herrscht Winter in Arizona, entsprechend liegt eine dicke Schneedecke über der Landschaft und es schneit zwischendurch immer wieder. Ein Blick auf das spannende Intro und die Bilder, in denen Pferde zu sehen sind, lässt erahnen, zu wieviel mehr Vance noch fähig ist.

Jean Giraud schreibt nun den Plot und hat die Aufgabe seines langjährigen Kollegen Jean-Michel Charlier übernommen. Auffällig ist die Humorlosigkeit der Geschichte. Es fehlt die Belmondo-Schnauze, eine gewisse Schnoddrigkeit, weshalb der Blueberry-Fan einfach nur einen harten Western zu lesen bekommt, ganz im Stile italienischer Spaghetti-Western der besseren Art. Aus Belmondo wurde ein Eastwood. Jeder mag für sich entscheiden, ob er diese Linie bei Blueberry mag.
Spannend wie seine Vorgänger ist es allemal.

Ein Blueberry aus einer neuen Sichtweise, härter als gewohnt. Western pur! :-D

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