Mittwoch, 06. August 2008
Die Ausbildung verlangt von den Jungen absolute Präzision. Nicht mit der Waffe wird getötet, so bläut es der Lehrer ihnen immer und immer wieder ein. Das Herz tötet. Wer das Angesicht seines Vaters vergisst, der hat schon verloren. Roland Deschain hört die Worte mit ausdrucksloser Miene. Seine Gefährten Cuthbert Allgood und Alain Johns warten die Standpauke des Lehrmeisters ebenfalls mit möglichst ernstem Gesicht ab. Sie sind dem Erbe ihrer Väter verpflichtet. Ein Junge, der einmal ein Revolvermann sein will, albert nicht herum. Er nimmt die Herausforderung an. Auch wenn es schmerzt.
Roland kennt die Schmerzen, aber er würde es nie zugeben. Den Schmerz zu schlucken, tief im Inneren einzukapseln, das ist Rolands vordringlichstes Ziel. Diesen seltsamen Stolz will einer ganz besonders zerstören: Marten Broadcloak. Diesen Magier wird Roland später nur noch mit einem bestimmten Namen in Verbindung bringen: Der schwarze Mann. Marten hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Geschlecht derer von Deschain vernichten zu wollen. Dazu ist ihm jedes Mittel recht. Ein Verhältnis mit der Mutter von Roland. Ein Bündnis mit dem Teufel, dem scharlachroten König, der die Weissagung fürchtet, dereinst werde Roland den scharlachroten König und den schwarzen Mann töten. Marten muss hilflos mitansehen, wie sich Roland gegen das Schicksal anstemmt. Bereits vor seiner Zeit absolviert er die Prüfung und wird zum Revolvermann.
Ein gefährlicher Auftrag führt die drei Freunde Roland, Cuthbert und Alain unter falschem Namen kurz darauf weit fort aus Gilead. Auf Roland warten Intrigen, Spionage, Kriegsvorbereitungen, eine Prüfung der Freundschaft und die große Liebe.
Und das ist erst der Anfang.
Zurück zum Anfang, so lautet die Prämisse der vorliegenden Graphic Novel zu der Saga von Horror-Altmeister Stephen King schlechthin: Der dunkle Turm.
Die – zugegeben noch jungen – Comic-Veteranen Peter David, Jae Lee und Richard Isanove setzen die grundlegenden Vorgaben des Meisters in einen Comic um, dessen Optik der mysteriösen Unheimlichkeit und Andersartigkeit des originalen Handlungsbogens vollends gerecht wird.
Aber von Anfang an: In dieser Welt sind Revolvermänner die Ritter. Kaum etwas ist ehrenvoller, als den Revolver jener zu tragen, die vor einem waren. Vor dem Angesicht des Vaters muss man(n) bestehen. Es ist eine Welt, in der das, was wir kennen, vergessen zu sein scheint. Öl ist eine Rarität, Kriegsmaschinen sind beinahe ein Mythos. Realer sind Hexen, Magie, der Teufel und auch das Teufelsgras, das jene, die es nehmen, wahnsinnig werden lässt, süchtig nach mehr, dem Verfall preisgegeben. Es ist nicht leicht, in dieser Welt die Ehre zu bewahren.
Fans der Saga werden die Geschichte als Erzählung Rolands aus dem vierten Band der Saga mit dem Titel Glas wieder erkennen.
Peter David, bekannter Comic-Autor von Spider-Man und Wolverine, mit eigenen Romanen im Star Trek-Universum (u.a. New Frontier Reihe) vertreten und kann sich in Themen sehr gut einfühlen, diese forterzählen oder an ein neues Medium anpassen. Für die Adaption dieses besonderen Themas hat er sich als gute Wahl erwiesen, denn er geht mit der nötigen Einfühlsamkeit an diese hoch komplexe Welt und Stephen Kings Erzählstruktur heran.
Roland Deschain, die Hauptfigur, ist weder hier noch in anderen Geschichten der Saga sehr sympathisch. Er ist zu sehr in seinen Prinzipien und dem, was er tun muss, verhaftet, um sich Abweichungen und wichtige Gefühle erlauben zu können. Der Leser weiß natürlich, dass Roland Gefühle hat und als Leser kann man Roland sicherlich bedauern, dass die Liebe mit ihm ihre Spielchen treibt, doch selber liebenswerter macht ihn das nicht.
So sehen wir dank der hervorragenden Kunst von Jae Lee einen ständig ernst dreinblickenden Roland. Vor einigen Jahren wurde auch hierzulande die grafisch phantastische Reihe über die Inhumans unter dem Dach der Marvel Knights veröffentlicht. Mit dem Bruder von Black Bolt konnte er bereits an einer ähnlich teuflischen Figur arbeiten, wie es hier der schwarze Mann ist. Die in harten Strichen und Schwarzflächen (am Computer) getuschten realistisch aussehenden Figuren wurden zu Jae Lees Markenzeichen. Wer die Inhumans vor Augen hat, wird den Zeichenstil hier sogleich wieder erkennen.
Die Zusammenarbeit mit Kolorist Richard Isanove fördert aber leichte Veränderungen im Endergebnis zutage. Die Strichführung wird auch von Isanove beibehalten, aber die harten Kanten werden im Gesamtbild abgemildert und mit einer beinahe ätherisch zu nennenden Kolorierung versehen. Sprenkel, wie von einer feinen Sprühdose verstärken den Airbrush-Effekt. Lee und Isanove zaubern gerne mit Falten und Oberflächen, allgemein mit organischen Strukturen, so dass ein fast surrealer Charakter der Bilder entsteht. Eine Parallele zu den weichen und der Welt entrückten Bilder eines Dali ist geradezu offensichtlich – und sehr passend zu der von Stephen King kreierten Welt, in der die Menschen wie Statuen leben und sterben, in der die Schatten der Menschen mit der Natur verschmelzen, in der die Landschaft Schwachstellen besitzt, die zum Verführer werden können.
Eine mehr als angemessene Übertragung in ein neues Medium – der Altmeister des Horrors hat eine neue Spielwiese gefunden – eine Spielwiese, die nun auch The Stand ein neues Gesicht bescheren wird. Peter David übersetzt den Gunslinger mit Respekt vor dem Mammutwerk und mit perfektem Timing. Jae Lee und Richard Isanove könnten kaum bessere Bilder zum Thema abliefern – jedenfalls scheint es schwer vorstellbar, welche Steigerung hier noch kommen kann. Ein perfektes Leseerlebnis!
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Stichwörter: stephen king, peter david, jae lee, richard isanove
Donnerstag, 07. Februar 2008
Mit den Stellungnahmen von Joe Quesada, Jae Lee und Peter David finden sich die Stimmen einiger Macher zum Comic-Projekt von The Dark Tower (Sehr, sehr stimmungsvoll umgesetzt.).
Als Fan des Mammutwerks von Stephen King kann man nur neugieriger auf diese Comic-Adaption werden.
Wer wissen mag, was in nächster Zeit an Comics auf den Markt kommt, kann sich auch diverse Trailer sowie komplette Animationen einfach zur Unterhaltung anschauen. Eine schöne Quelle für viel Material findet sich auch auf spike.com.
Eine kleine Auswahl:
Charlie Caplin 3D Animation (Charlie landet in der Buntwelt, in einer sehr bekannten Szene.) Extreme Limit (Schon eine Spur rasanter animiert, gibt es hier eine flotte Verfolgungsjagd zu sehen.) Fallen Art (Ein Film über recht merkwürdige Experimente, aber toll umgesetzt.)
Stichwörter: joe quesada, jae lee, peter david, stephen king
Montag, 11. Dezember 2006
Die Welt der Witchblade und der Darkness ist düster. Die beiden sind Spiegelbilder, bekämpfen einander oder kämpfen Seite an Seite. Diese beiden Episoden zeigen die neuen Horror-Klassiker in feinen Gruselepisoden.
Nicht zum ersten Mal steht die Witchblade einem Dämon gegenüber. Doch dieses Mal ist er menschlich, eine Tatsache, die den Dämon noch schrecklicher erscheinen lässt. Witchblade: Demon entführt in die Straßen der Großstadt, in der Sarah Pezzini als Polizistin arbeitet. Die merkwürdigsten Motive sind ihr nicht fremd: Dieser Killer will den größtmöglichen Schaden herbeiführen. Er tötet nicht einfach. Er philosophiert, wie er eine Kettenreaktion in Gang setzen kann, damit möglichst viele Menschen an seinen Taten zu leiden haben.
Dieser Killer ist ein Monster in Menschengestalt, ein Dämon.
Jackie Estacado war einmal ein Killer der Mafia. Jetzt ist er die Darkness, ein Wesen, dessen Kräfte sich in der Dunkelheit, in der Nacht vollkommen entfalten. In einem Zustand ohne Sonnenlicht sind der Darkness keinerlei Grenzen mehr gesetzt. Was mag geschehen, wenn ein Mensch, der von Natur aus eine Killernatur ist, diese auch noch in Form unbegrenzter Macht auf dem Silbertablett serviert bekommt? (Nun, es gibt auch Einschränkungen, über die Estacado nicht sehr glücklich ist.)
Ein Mann will sich verstecken. Er hat sich dafür einen unheimlichen Ort ausgesucht, ein ehemaliges Gefängnis. Ein Unwetter zieht auf und die Darkness ist bereits in der Nähe, als Richter und Henker zugleich.
Darkness und Witchblade sind in den letzten Jahren zu modernen Horror-Klassikern geworden. (Unlängst konnten Genre-Fans dieser Klassiker ein Zusammentreffen mit den Alten des Genres verfolgen.) Diese Vertreter des Horrors haben neue Fähigkeiten entwickelt und leben mit einer zweiten Identität, die sie bisweilen auch übermannt.
Und wie bei einer guten Horrorgestalt haben sie ihre Fähigkeiten eigentlich nicht gewollt, wissen sie jedoch später zu schätzen. Die Witchblade und die Darkness haben so manches Crossover-Abenteuer miteinander erlebt. Der vorliegende Band vereint zwei getrennte Geschichten, Short Stories, hervorragend erzählt.
In Demon schickt Autor Mark Millar Sarah Pezzini in einen atmosphärisch sehr dichten Thriller. Wer Filme wie Sieben oder Resurrection kennt, kann die Szenerie schnell nachempfinden, wer unbedarft an die Geschichte herangeht, wird wahrscheinlich noch mehr Spannung aus der Handlung ziehen können.
Zeichner Jae Lee (bekannt von den Inhumans, Hulk u.a.) beherrscht einen außergewöhnlichen Zeichenstil, der ohne jegliche Kolorierung auskommen könnte. Er ist modern, gezackt, leicht abstrakt ausgeführt, aber auch düster und so drückt Lee bisher jedem bekannten Comic-Universum, an dem er gearbeitet hat, seinen eigenen unverwechselbaren Stil auf. Waren es bisher Superhelden, die von ihm gezeichnet wurden, hat er mit der Witchblade (und der Darkness) Szenarien gefunden, die wie für ihn geschaffen scheinen.
Sind schon die großstädtischen Szenen und die Rückblicke des Dämons in der Witchblade-Episode sehr gut gelungen, ist das Prelude der Darkness mit alle seinen Schatten, Verstrebungen, den engen Gassen und den verwitterten Hauswänden außerordentlich gut.
Im Gegensatz zu anderen Geschichten, in denen die Darklings eine regelrechte Angriffsfront bilden und für sehr viel schwarzen Humor sorgen, setzt der Autor dieser Episode, Paul Jenkins, einzig auf das Grauen, das sich in der Dunkelheit manifestieren kann. Eben mit diesem Aspekt spielt auch Jackie Estacado und treibt sein Opfer so in den Wahnsinn. Vorzüglich geschrieben und gezeichnet.
Atmosphärisch dicht, düster, gruselig, zwei perfekte Episoden der Darkness und der Witchblade.
Stichwörter: paul jenkins, mark millar, jae lee, witchblade, darkness
Donnerstag, 22. Juni 2006
Die Fantastischen Vier sind auf dem Heimweg. Die Stimmung ist nach dem Desaster in Las Vegas ein wenig gedrückt. Doch das ist fast kein Vergleich zu dem, was sie beim Anflug auf ihr Hochhaus erwartet. Plötzlich setzen die Motoren des Transporthubschraubers aus.
Die Bruchlandung in das Baxter Building verursacht zwar keine Opfer, aber fortan werden die Beteiligten zu einem Spielball einer seltsamen Macht, die sich der Labors bemächtigt hat.
I’m smarter than you. (So das scheinbare Motto des Gegenspielers der Fantastischen Vier.)
Das Spiel nimmt seinen Lauf. Reed Richards wird direkt herausgefordert und muss seine Intelligenz unter Beweis stellen. Leider ist das nicht das einzige Problem, das sich ihm stellt. Er muss die Impulsivität von Johnny und Ben zügeln, andererseits versucht er Susan zu beschützen. Schließlich findet sich der Gegner: Wieder einmal müssen sich die Fantastischen Vier dem Wahnsinn eines Feindes stellen, der keine Gnade walten lassen will.
Denkfabrik ist eine wunderbar gruselige Geschichte im Ultimativen Marvel-Universum geworden. Verantwortlich für die stimmige Geschichte zeichnet sich Autor Mike Carey, Zeichner Jae Lee liefert die perfekt darauf zugeschnittenen Bilder. June Chung sorgt mit einer sparsamen, aber äußerst punktgenauen Farbgebung für einen feinen Kontrast und unterstützt so den Bildaufbau und den zeichnerischen Stil perfekt.
Jae Lee hat bereits mit dem Vierteiler um die Inhumans beweisen können, wie sehr sein scheinbar einfacher Zeichenstil für eine düstere Atmosphäre taugt. Auf den zweiten Blick ist es sogar unglaublich, wie sehr er es schafft, durch seine Strichführung diese umfassenden Eindrücke zu vermitteln. Lee hat einen Stil geschaffen, der zwar gewöhnungsbedürftig ist, aber gleichzeitig auch unverwechselbar. Wollte man den Stil beschreiben, ließe sich vielleicht sagen, dass die Bilder wie Fotografien wirken, die mittels Vektorgrafiken überarbeitet und vereinfacht wurden.
Lees Bilder können sicherlich die Meinungen der Leser polarisieren. Ich für meinen Teil finde es gut, dass es mit Jae Lee einen weiteren Zeichner mit einer sehr individuellen Handschrift gibt und dessen Arbeit sofort zu erkennen ist. Lee besitzt ein hohes Maß an Abstraktionsfähigkeit. Diese setzt er jedoch so geschickt ein, dass es dem Leser (in diesem Falle mir) nicht so vorkommt, als fehle etwas.
Auffallend in diesem Band ist die Darstellung mittels Schattenrissen. In so mancher Szene entsteht ein ziemlich surrealer Effekt. Diese Bilder erinnern ein wenig an die guten alten Borg aus Star Trek. Verkabelungen, rote Lichter, kreisrunde Monitore vor kaltblauen Hintergründen, alles in allem gruselig technisch. Eben eine Art moderne Frankenstein-Variante im Marvel-Universum.
Deshalb muss dem Autor Mike Carey in der Tat ein großes Lob ausgesprochen werden, wie viel er aus dieser Geschichte herausholt. Nicht oft sind kürzere Geschichten derart gehaltvoll. Zu häufig sind die Erzählungen auf längere Mehrteiler ausgelegt, die zweifellos einen hohen Reiz haben. Aber in einer kürzeren Geschichte sind die Autoren viel mehr gefordert, weil sie viel stärker die Kerninformationen in kürzerer Zeit an den Leser bringen müssen. Das erfordert ein viel besseres handwerkliches Geschick.
Carey gehört zu den Autoren, die im Marvel-Universum zu Hause sind. Er verdiente sich seine Sporen bei den X-Men ebenso wie im Ultimativen Universum bei den Fantastischen Vier, den X-Men und er brachte Daredevil und Elektra in einer neuen ultimativen (sehr gelungenen) Version zusammen.
Fazit: Ein echtes Zückerchen für F4-Fans.
Stichwörter: mike carey, jae lee, june chung