Freitag, 08. August 2008
Gold Sands ist die typische Geisterstadt im ehemaligen Wilden Westen. Umgeben von einer sehr natürlich gebliebenen Landschaft aus riesigen Felsformationen, Sand und großen Kakteen wollten Bob Morane und sein Kumpel Bill ausspannen. Als zu Beginn ihrer Vorbereitungen zur Nachtruhe Schreie einer Frau über die Ebene hallen, ist es sofort vorbei mit der Entspannung. June Landon hat Glück. Die beiden Männer, Abenteurer aus tiefster Seele, stehen der jungen Frau sogleich gegen wilde Hunde bei. Sie verlieren sich am nächsten Morgen in einem Minenkomplex. June hat ein reges Interesse daran, dass sie alle wieder an die Oberfläche zurückkehren.
Oben werden sie bereits von der Polizei empfangen. June ist bekannt dafür, dass sie den Legenden über einen Schatz ihres Großvaters hinterher jagt, während ihr Vater auf einer nahe gelegenen Basis in einer Untersuchungskommission arbeitet. Ein alter Bekannter des Geheimdienstes, Herbert Gaines, nimmt Bob und Bill mit zur Besichtigung. Beider Misstrauen legt sich wieder. Doch wenig später häufen sich seltsame Vorkommnisse. Jemand trachtet ihnen ganz offensichtlich nach dem Leben. Aber warum? Bisher haben Bob und Bill nur Puzzleteile, aber nichts scheint zusammenzupassen. Die Verfolgung eines seltsamen Drillingstrios macht zunächst alles noch verwirrender.
An der Seite von Bob Morane geht es in Operation Wolf in die amerikanische Westernlandschaft, im Westen der USA, wo die grandiosen Felsformationen sofort an bekannte Wildwestfilme erinnern. Hier ist der Westen immer noch wild, aber auch geheimnisvoll. Ein wenig atmet das Abenteuer das Flair eines Films wie Diamentenfieber. Und um bei James Bond zu bleiben: Mit den drei Gaunern Hink, Hunk und Honk gibt es einen Oddjob, wie er in Goldfinger auftauchte, gleich dreifach, sprechend zwar, aber nicht weniger gefährlich.
Coria, der hier den Zeichenstift von seinem Schwager William Vance übernimmt, ist ein absolut gleichwertiger Nachfolger. Der Zeichner, der bei Vance lange mitarbeitete, etwas wie ein Lehrling war, arbeitet etwas weicher, man könnte auch sagen, etwas natürlicher als Vance, der sehr harte Konturen bevorzugt und ein leicht puppenhaftes Aussehen, was sich besonders bei seinen Frauenfiguren bemerkbar macht.
Nach eigener Aussage ist Coria jemand, der realistische Szenarien bevorzugt, echte Landschaften, Lebewesen und Fahrzeuge und sich bei gelegentlichen Abdriften von Bob Morane-Erfinder Henri Vernes besonders anstrengen muss.
Auch in der ersten Episode Operation Wolf kommt es zu einigen phantastischen Einflüssen, aber diese sind technischer Natur – im Zusammenhang mit den Hunden – so dass Coria keinerlei Probleme damit zu haben scheint. Im Gegenteil, die Darstellung von Tieren scheint ihm sehr zu liegen.
Bereits in Schreckenskommando wird es weitaus phantastischer. Nun kommen UFOs ins Spiel. Dank eines Erzähltricks hat Herni Vernes ein Szenario geschrieben, in dem nach kurzer Zeit alles möglich ist. Hypnotisiert scheinende Meuchelmörder, Vampire, alte Feinde wie Miss Ylang-Ylang und natürlich ein unidentifiziertes außerirdisches Flugobjekt, in dem sich die Sinne jederzeit täuschen lassen können. Dank Coria ist es optisch gelungene Schauermär, gruseliger als andere Episoden mit eher thrillerartigem Charakter.
Schlussendlich tritt ein alter Feind auf den Plan. Der gelbe Schatten hat seine Krieger ausgeschickt. Da ist es keine Frage, dass Bob Morane wieder in die Machenschaften dieses global agierenden Irren hineingezogen wird.
In letzterer Episode zeigt sich, wie gut und wie gern Coria mit Menschen zu arbeiten scheint. Das Besondere ist auch, dass die Geschichte keinen technischen Schnickschnack benötigt – sieht man einmal von dem falschen Mr. Ming ab und der letztendlichen Flucht des gelben Schattens. Die Bedrohung entsteht hier durch Schatten, Verfolgungsjagden, die Menge der fehlgeleiteten Angreifer und einem Spiegelkabinett.
An zweiter Stelle, nach menschlichen Figuren, stehen bei Coria sichtlich die Fahrzeuge aller Art. Ob Geländewagen, wie in der ersten Episode, schnelle Sportwagen, wie in allen drei Episoden, sogar Busse, Jagdflieger und Hubschrauber. Die verschiedenen Ansichten in allerhand Action-Szenen beweisen, wie penibel Coria bei seiner Arbeit ist und Wert auf eine möglichst korrekte Darstellung legt. Wer diverse Klassiker wie Bullit gesehen, vermeint bei den Bildern beinahe das Röhren des Jaguar-Motors in der Vorbeifahrt zu hören.
Der Meister des phantastischen Thrillers, Henri Vernes, beweist einmal mehr die Vielfalt seiner Einfälle, deren Originalität auch nach beinahe 30 Jahren neben neueren Produktionen bestehen und noch Vorbild sein können. Coria untermauert sein Können in den Fußstapfen seines Schwagers William Vance eindrucksvoll und unterstreicht gleichzeitig die Eigenständigkeit seines Zeichenstils, ohne die vorgegebene Linie des Originals zu vernachlässigen.
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Stichwörter: henri vernes, coria
Donnerstag, 24. Juli 2008
Alles in diesem Frühstücksraum sieht so aus, wie sich ein an Geschichte interessierter Mensch das Leben Ende des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten vorstellen mag. Die Kleidung ist züchtig, elegant bis konservativ, doch die Manieren hinken der Kleidung oftmals hinterher. So weiß sich die durch einen Betrunkenen angerempelte Dame mit einem Judowurf gegen den Rüpel erfolgreich zur Wehr zu setzen. – Moment! Judo im Wilden Westen? Für Bob und seinen Kumpel Bill ist in diesem Augenblick nur eines klar. Diese Frau ist Sophia Paramount. Obwohl jemand versucht, die Persönlichkeiten aller Anwesenden zu unterdrücken und mit neuen Charakteren zu überlagern, scheint es immer noch erlernte Fähigkeiten zu geben, die in der Not rein instinktiv hervorbrechen.
Leider nutzt den beiden Freunden dieses Wissen nur wenig. Bald stecken sie wieder bis zum Hals in einem Abenteuer, das diesmal ihr letztes werden könnte. Kugel fliegen, Hypnose, Verfolgungsjagden, Giftpfeile, Indianer …
Haben sich Bob und Bill verschätzt? Ist dies das Ende?
Angst und Nebel ist eine passende Überschrift für die hier versammelten Grusel-Abenteuer von Bob Morane. In klassischer Manier der 60er und 70er Jahre schickt Henri Vernes seinen Helden in die Vergangenheit, auf eine geheimnisvolle Insel und verschafft ihm eine Begegnung mit Geistern. Ausführender Zeichner ist in diesen drei Episoden William Vance, dem das Besondere der Episoden sichtlich Spaß gemacht zu haben scheint.
Ausgerechnet ein altmodisches Kinderkarussell bringt Bob Morane und seinen Kumpel Bill Ballantine in die Vergangenheit. Nach einer rasenden Fahrt befinden sich die Freunde in Nowhere City im Jahre 1882. Ein Hauch von Wilder Westen liegt noch in der Luft. Das funktioniert optisch, wie auch in der Erzählung von Vernes. Denn ebenso wie seine beiden Helden zunächst zweifeln, ob sie nicht doch in der Vergangenheit angelangt sind, zweifelt der Leser nach einer Kette von Indizien mit.
In einer Reihe von Kontrahenten stehen Bob und Bill nun Doctor Xathan gegenüber. Im Gegensatz zum Gelben Schatten ist des Doctors Vorgehensweise etwas feiner, gewiefter, umso überraschter mag der Leser von der kindlichen Freude des psychopathischen Wissenschaftlers sein, die über den üblichen Freudeswahn eines Superverbrechers hinausgeht.
Viel phantastischer und noch unheimlicher geht es in der Episode Das Archipel der Angst zu, die besonders Freunden der Literatur von Jules Verne gefallen dürfte. Wer außerdem Spaß an futuristischen und unheimlichen Szenarien der 70er Jahre hat, für den ist diese Geschichte ein Spaß. Ein wenig fühlt man sich an Luc Orient und seine riesigen Killersporen erinnert. Hier sind es jedoch mannsgroße rote Gummibälle, hinzu kommen insektoide Roboter, Riesenkraben und unerklärliche Anziehungskräfte.
Henri Vernes schildert die Ereignisse auf der Insel mit einer Genüsslichkeit, die äußerst selten ist. Gleichzeitig schaut es so aus, als wolle er das phantastische Genre, vielleicht sogar seine eigens geschaffene Figur Bob Morane selber ein wenig verulken.
Die großen angreifenden roten Bälle werden von Bob mittels einer sehr kleinen und für den Leser unerwarteten Waffe in die Flucht geschlagen. Auch spätere Kämpfe und Kinderkrankheiten dieser Angriffsmaschinen lassen den Leser zuerst staunen, dann schmunzeln.
Diese Episode lässt sich unter das Motto stellen: Genieße das Abenteuer. Es ist nicht vorhersagbar, was passieren wird. Wie einst Hugo Pratt lässt sich Vernes mit seiner Phantasie treiben, macht seinen Helden das Leben so schwer wie möglich und bugsiert sie mit ungewöhnlichen Maßnahmen wieder aus dem Schlamassel heraus – und gleich wieder hinein in die nächste Bredouille.
Was könnte gruseliger sein als der Nebel von London? Schon Edgar Wallace wusste mit diesem Element zu spielen. Die Augen im Nebel, Titel der dritten Episode, bezeichnen vermummte dahinschwebende Männer, der Augen blitzende und todbringende Strahlen verschießen können.
Henri Vernes holt eine alte Bekannte von Bob Morane auf die Bühne zurück. Von merkwürdigen, aber überaus trickreichen Attacken getrieben, suchen Bob, Bill und ihre Schutzbefohlene Ruth die Lösung auf einer einsamen Insel. Aber auch hier sind sie nicht in Sicherheit.
Wie auch, denn William Vance überschlägt sich hier geradezu mit seinen action-lastigen Bildern, in denen wirklich alles zu finden ist, was in Thrillern, phantastischen Geschichten und Gruselabenteuern vonnöten ist. Gekonnt mischt sich phantastische Ausstattung mit real existierenden Umgebungen und Fahrzeugen. Die männlichen Bösewichter sind nicht nur besonders fies, sie schauen auch so. Böse Frauen sind besonders schön. Wenn sie eine Waffe auf Bob Morane richten, dann mit einem gemeinen Lächeln. Mittendrin, statt nur dabei, dieser kleine Spruch beschreibt die Bildtechnik von Vance auf den Punkt. Man blickt seinen Protagonisten über die Schulter, versperrt ihnen den Weg oder steht mitten in den Flammen. Der Zusammenhang der Bilder, die Kameraführung, ist hier viel stärker ausgeprägt, als es in manch neueren Produktionen der Fall ist.
Unheimliche Episoden aus dem Leben Bob Moranes. Wer eine große Portion Grusel und Phantastik in Abenteuern mag, der liegt mit diesen Abenteuern genau richtig. Dank William Vance, einem altmeisterlichen Zeichner des Comics, passt die Stimmung auf das I-Tüpfelchen genau.
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Stichwörter: william vance, henri vernes
Dienstag, 22. April 2008
Wer ist der Mann im Hintergrund? Wer wagt es, Regierungen zu erpressen? Wer ist derjenige, der sich selbst Gelber Schatten nennt? Für Bob Morane wird die Antwort auf diese Frage bald überlebensnotwendig.
Es beginnt mit einem Mann auf einer Parkbank. Auf den ersten Blick scheint er zu schlafen. Die Polizisten, die ihn zu wecken versuchen, entdecken nicht nur seine scheinbare Leblosigkeit, sondern auch ein merkwürdiges Zeichen auf seiner Stirn. Der beiliegende Drohbrief wurde durch den Erpresser mit Der gelbe Schatten unterschrieben.
Bob Morane erinnert sich. Vor geraumer Zeit rettete er einem Mann namens Ming das Leben, indem er einen Armstumpf behandelte und den Fremden so vor dem Verbluten bewahrte. Die Nachforschungen gestalten sich schwierig. Gedungene Mörder, die Dacoiten, sind ihnen, Bob und seinem Freund Bill, immer wieder dicht auf den Fersen. Aber schließlich offenbart sich der Mann im Hintergrund, sicher darüber, immer einen Schritt voraus zu sein.
Das Verbrechergenie! Der wahnsinnige Mörder. Edgar Wallace kannte sie, Ian Fleming ließ sie erst recht gegen Mr. Bond antreten. Fantomas, Goldfinger, Dr. Mabuse und viele andere - Der Gelbe Schatten befindet sich in guter Gesellschaft. Allerdings dienen seine Motive nicht der persönlichen Bereicherung, jedenfalls nicht nur. Vordergründig hat der Gelbe Schatten das Wohl einer besseren Welt im Sinn. Leider geht er dafür über Leichen.
Zwei, die sich ihm in den Weg stellen, sind Bob Morane und sein Freund Bill Ballantine. Dieses Unterfangen ist jedoch alles andere als leicht. Denn ihr Gegner versteht es immer wieder, andere nach vorne zu schicken, an den Strippen zu ziehen, so dass es mitunter dauert, bevor Bob und Bill überhaupt sicher sein können, es mit dem Gelben Schatten zu tun zu haben.
Henri Vernes tanzt in diesen Augenblicken auf der Spannungsklaviatur meisterlich und spannt die Nerven des Lesers bis zur Elastizität von Drahtseilen an.
Das beste Beispiel für diese meisterliche Erzählweise ist die Geschichte um Bill Ballantines privaten Rachefeldzug gegen den Gelben Schatten.
Ballantine lässt sich auf ein aussichtsloses Unterfangen ein. Da er seinen Freund Bob tot glaubt, reist er allein nach Birma und macht sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen Verbrecher hinter dem seltsamen Pseudonym.
Vernes lässt den guten Bill mit dem Kopf durch die Wand gehen, einiges einstecken und auch viel Glück haben. Es ist erfrischend und mutig von Vernes, dass er eine Geschichte fast ohne Bob Morane bestreitet und den Sidekick an die vorderste Front schickt.
Coria löst hier Vance als Zeichner ab. Stilistisch liegen die beiden Künstler nahe beieinander. Corias Figuren wirken jedoch etwas weicher, nicht so kantig und hart.
Corias Bilder wirken am besten mit Hintergründen, von denen es reichlich gibt dank vielfältiger Schauplätze, die ein Markenzeichen dieser Comic-Reihe sind. Somit reiht sich Bob Morane nahtlos in andere internationale Thriller-Serien ein. London im Regen, Hinterhöfe, das strahlende Paris, die Dschungel von Birma, Kämpfe in düsteren Gassen, Explosionen und Verfolgungsjagden durch finstere Tunnel, gehetzt von kleinwüchsigen Eingeborenen mit Giftpfeilen. Die Auswahl der Situationen ist vielfältig. Vernes Erfindungsreichtum stellt Coria vor immer neue Herausforderungen.
Das phantastische Element, auch ein Merkmal von Vernes Erzählungen, fehlt auch hier nicht, ist aber auch nicht so offensichtlich eingesetzt – obwohl der Gelbe Schatten alle Merkmale eines Superverbrechers trägt.
Einer der kuriosesten Gegenstände ist eine mechanische Hand, eine Art monströses eiskalten Händchen. Mit dieser Hand hat Bob Morane kein leichtes Spiel. Sie dient hier als Indiz für die unerschöpfliche kriminelle Energie, mit der Ming, der Gelbe Schatten, zu Werke geht.
Absolute spannungsgeladene Kurzweil rund um den Globus. Endlich hat Bill Ballantine, Bobs Freund, seinen sehr gelungenen Solo-Auftritt. Wer Abenteuer und Thriller in bester Inszenierung sucht, findet hier die richtige Unterhaltung.
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Stichwörter: henri vernes, coria
Dienstag, 22. Januar 2008
Bob Morane und sein Freund Bill Ballantine wollen sich eigentlich ein paar schöne Tage in der Nähe von Hongkong machen. Ein Angelausflug, bei dem Bill mehr an der flüssigen Verpflegung interessiert ist als an den Fischen, wird schnell zu einem Abenteuer. Überrascht sehen die beiden Freunde, wie eine Dschunke ein kleines Boot aufbringen will. Als die ersten Schüsse fallen, lassen sich Morane und Ballantine nicht lange bitten.
Ihr Motorboot macht den Piraten einen Strich durch die Rechnung. Sie retten den verletzten Mann und müssen auch noch feststellen, dass sie ihn kennen. Was macht ein Spezialagent von Scotland Yard so fern der Heimat?
Nachdem der Agent wegen seines Krankenhausaufenthaltes ausfällt, machen sich Morane und Ballantine daran, dessen Kontaktmann ausfindig zu machen. Kurze Zeit später machen sie sich schon in der örtlichen Glücksspielszene unbeliebt. Sie legen sich mit Madame Lung an, die ein eigenes Kasino betreibt, aber offensichtlich an ganz anderen Geschäften interessiert ist.
Bob Morane - Atome und Drachen vereint die drei Abenteuergeschichten Die Atomschmuggler, Die Söhne des Drachen und Operation Schwarzer Ritter.
Die in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts entstandenen Comics basieren auf einer sehr bekannten Roman-Reihe, die in Frankreich ähnlich erfolgreich ist wie bei uns John Sinclair, Jerry Cotton oder unser Mann im All Perry Rhodan. Bob Morane, ehemaliger Militär, erlebt zusammen mit seinem Freund Bill Ballantine Abenteuer, die in den weiten Bereich des Verbrechens führen. Atomschmuggel und Rauschgift sind Themen, die zu Auseinandersetzungen mit Banden führen, weil Morane und Ballatine sich gerne einmischen.
Ein wenig erinnern die beiden auch an James Bond, mit dem Unterschied, dass ihre Eigenschaften auf zwei Personen aufgeteilt sind. Die holde Weiblichkeit ist auch stets ein Thema, als Begleiterin und, eigentlich wichtiger, als Gegnerin. Die Emanzipation hat hier schon zugeschlagen. Während bei dem erwähnten Superagenten die Damenwelt eher noch bessere Handlanger sind, ziehen die Frauen hier im Hintergrund die Fäden. Durchtriebene Bandenchefinnen wie Miss Ylang-Ylang oder Madame Lung lassen die Männer nach ihrer Pfeife tanzen. Kaltblütig und sehr strategisch sorgen sie für die Abwicklung ihrer Geschäfte. Dabei lassen sie sich von kurzfristigen Rückschlägen – die sie von Morane beigebracht bekommen – nicht beirren.
Eine weitere Ähnlichkeit zum Superagenten aus England findet sich auch mit der Spionageorganisation SMOG, die doch sehr stark an SPECTRE erinnert, jene Verbrecher, die mit ihren durchnummerierten Gangstern allerhand Attacken auf die freie Welt durchführten.
Henri Vernes’ Welt ist auf Spannung und Unterhaltung ausgelegt. Er selber gibt zu, dass er nichts Neues erfunden hat und auch von den Geschichten seiner Jugend inspiriert wurde. Damit befindet er sich beispielsweise mit Steven Spielberg auf gleicher Augenhöhe, der ein ähnliches Geständnis zu Indiana Jones zum Besten gab.
Bei genauerem Hinsehen trifft dies auf viele Abenteuergeschichten zu. Nur die Frage nach dem Wie muss geklärt werden. Ist es anders erzählt? Ist es gut erzählt? Machen die Geschichten Spaß und unterhalten sie?
Die Antwort ist schlicht: Ja.
Die Geschichten sind nicht nur gut erzählt, sondern sie sind auch passend dargestellt durch das Zeichner-Urgestein William Vance. Seine Männer und Frauen sind in der Tradition anderer Abenteurer wie Dan Cooper, Michel Vaillant oder Buck Danny dargestellt. Kantige Typen und schöne Frauen in perfekt ausgestalteten Szenarien. Die Abenteuer von Vance sind bei genauer Betrachtung auch kleine Zeitreisen. In diesem Sammelband werden die 70er Jahre lebendig mit den alten Flugzeugen und Fahrzeugen, einem alten Hongkong (immerhin über 30 Jahre) und futuristischen Aussichten. Letztere sind immer bestaunenswert, da die Ideen einer möglichen Technik in der Zukunft rückblickend auch viel über diese Zeit aussagt.
Wenn sich die beiden Freunde nach den Thrillern plötzlich in einer Science Fiction Geschichte wieder finden, mag dies zunächst wie ein Stilbruch wirken. In Wirklichkeit folgen sie damit nur dem Motto von Vernes: Die Welt ist mein Reich. Die Technik der Hyperboräer ist schnörkellos, vielleicht ein wenig der Mode jener Zeit unterworfen. Man meint, man könnte das Plastik unter der Hand fühlen, wenn es nur möglich wäre, sie anzufassen.
Dieser Ausbruch der Möglichkeiten eröffnet für die Figur des Bob Morane Abenteuer, für die es keine Grenzen mehr gibt. Trotzdem bleibt er dabei aber auf dem Boden. Operation Schwarzer Ritter ist sehr bodenständig, aus heutiger Sicht ein beinahe konservativer Science Fiction Thriller. Es ist Vernes zu verdanken, dass er seine Mittel sparsam einsetzt, obwohl er es durchaus anders machen könnte – wie hoch das Maß seiner Phantasie ist, ist immer wieder spürbar. Vermutlich hat er sich bewusst gebremst. Die Mischung, der er dabei zusammenstellt, ist genau richtig bemessen und macht, wie ein Filmklassiker aus jener Zeit, immer noch richtig viel Spaß.
Starke, sehr sympathische Helden, rasante Abenteuer, aus einer Zeit, als Männer noch Männer waren, als die Gegenwart und Zukunft scheinbar alles für mutige Kerle bereithielten: Das ist die Welt von Bob Morane. Spannend von Anfang bis Ende, Haken schlagend, mit ständig neuen Wendungen. Der Erzähler Herni Vernes und der Zeichner William Vance sind ein tolles Team. Klasse!
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Stichwörter: henri vernes, william vance