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Comic Blog


Donnerstag, 07. August 2008

Midnighter - Killing Machine

Abgelegt unter: Superhelden — Michael um 17:48

Midnighter - Killing MachineDer Midnighter hat Langeweile. Er kann mit den Freizeitaktivitäten seiner Kameraden nichts anfangen, noch kann er sich für ein Miteinander begeistern, an dem ihm nichts liegt. Er kann nur eines gut: Töten. Hoch oben im Orbit über dem Planeten Erde, wo die Raumstation der Authority ihre Bahnen zieht, sucht er sich auf dem Globus ein neues Ziel durch Drehen der Erdkugelnachbildung: Afghanistan. Jeder, der dort den Anschein eines gemeingefährlichen Irren hat, kann sich warm anziehen. Die Panzer, die dem Midnighter entgegenjagen, sind keine Gegner. Ein Mann, der den nächsten Zug seines Gegners vorhersehen, braucht nichts zu fürchten. Oder doch?

Die Reise zurück zur Raumstation ist kurz. Eigentlich ist fast alles wie immer. Aber eben nur fast. Ein Unbekannter fängt den Midnighter ab und dieser kann nichts vorhersehen. Die Schläge kommen unerwartet, gemein und treffsicher. Wenig später erwacht der Midnighter in Gefangenschaft auf dem Boden eines kargen Raumes. Sein Gastgeber, ein älterer Mann namens Paulus, begrüßt ihn geschäftsmäßig, stellt ihm eine Art Wachmannschaft vor und erörtert ihm noch ein wenig später seine Aufgabe. Falls er am Leben hänge – man implantierte ihm während seiner Bewusstlosigkeit eine fernzündbare Bombe – müsse er jemanden ermorden.
Das Ziel sei der größte Massenmörder des 20. Jahrhunderts: Adolf Hitler.

Midnighter – Killing Machine beschreibt mit seinem Untertitel in zwei Worten, was unser Held eigentlich ist: Eine Mordmaschine. Für alle Beteiligten kann es nur von Vorteil sein, dass eine seltsame Moral den Midnighter auf die richtige Seite des Gesetzes gezwungen hat. Allerdings hält er von den bestehenden Gesetzen nicht allzu viel. Er hält es lieber alttestamentarisch: Auge um Auge, Zahn um Zahn.
Geprägt von einer Spur Selbstverachtung, etwas Sadismus – den er zumeist relativ kurz auslebt, bei weitem aber nicht schmerzlos – einem detektivischen Spürsinn ist er ein ziemlich böser Batman eines anderen Comic-Universums. Seine Homosexualität ist auch nicht dazu angetan, ihm das Leben zu erleichtern, im Gegenteil.

Dieser Mann, diese Mordmaschine, wird nun in der vorliegenden Geschichte von Autor Garth Ennis, der nicht zimperlich in seinen Erzählungen ist, gezwungen, in der Zeit zurückzureisen, um das zu vollbringen, was diverse Attentaten während des Zweiten Weltkriegs nicht gelang.
Inmitten der Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs taucht der Midnighter zum ersten Mal auf, wo er mitten im Schusswechsel der Deutschen und Franzosen auf den Gefreiten Hitler trifft. Doch bevor er – mit einem gewissen Genuss – zur Tat schreiten kann, wird er aufgehalten.

Wie der Leser es vielleicht auch aus dem allseits beliebten Star Trek-Universum her kennt, gibt es auch hier eine Polizeieinheit, die über die Kontinuität der Zeitlinie wacht. Was geschehen ist, ist geschehen und darf nicht geändert werden. Aus dieser Situation entwickelt Ennis eine Hetzjagd, die kurz darauf in Berlin im April des Jahres 1945 endet.
Was zuerst eine handfeste – wenn auch abgedrehte – Superheldengeschichte war, mit einer Prise Science Fiction versehen, driftet manchmal in die Farce ab und wer ein wenig von Ennis gelesen hat, weiß, dass dies auch durchaus gewollt ist. Garth Ennis lässt sich in seinen Erzählungen nicht einengen. Fast fühlt man sich in dieser Szenerie an den Beginn der gelungenen Komödie Schtonk erinnert, die mit dem Untergang 1945 beginnt. Hier wie dort brennt schlussendlich der Führer, wenngleich man hier keinerlei Schwierigkeiten damit hat, den Leichnam in Brand zu setzen und sogar ein Freudenfeuer daraus zelebriert.

Federführend bei dieser Geschichte ist Chris Sprouse, der im Laufe des hier zusammengefassten Vierteilers mit den unterstützenden Kräften von Joe Philips und Peter Snejbjerg die Bilder umsetzt. Gerade im dritten Kapitel, bei der Zusammenarbeit mit Philips, zeigt sich auch optisch ein Hang zur Farce, zur bitterbösen Komödie, wenn der Midnighter eine Gruppe von Partisanenkindern vor russischen Soldaten rettet. Wenn diese Kinder ihren Retter wegen seiner schwarzen lederkluftigen Kleidung für jemanden von der Gestapo halten, ist das nur die Spitze des Eisbergs dessen, was sich Ennis für dieses Kapitel ausgedacht hat.

Das genannte Kapitel fällt auch insgesamt etwas aus dem Rahmen, ist verspielter, während in den übrigen drei Kapiteln auf möglichst viel Realismus gesetzt wird, den Sprouse mit dem gleichen Aufwand zeichnet, den er auch den einzelnen Covern zuteil werden lässt.
Die von Glenn Fabry (bekannt durch seine Preacher-Cover) gezeichnete Geschichte Blumen für die Sonne schließt den Band thematisch vollkommen anders gelagert ab. Es dürfte sich dabei um die blutigste Liebesgeschichte seit Kill Bill handeln – so ist Garth Ennis eben. Man mag ihn oder lässt es besser sein.

Man nehme die grausamsten Geschichten mit Wolverine, mische ein wenig Batman unter, nehme das grundlegende Flair des Wildstorm-Universums, lasse es von Garth Ennis kräftig durchrühren und schmecke mit schönen (aber keinesfalls für jeden geeigneten) Bildern ab. Das ist nichts für jeden Gaumen, aber auf jeden Fall einwandfrei gekocht. :-)

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Samstag, 22. März 2008

Preacher - Sie kamen nach Masada

Abgelegt unter: Thriller — Michael um 20:53

Preacher 3 - Sie kamen nach MasadaJesse Custer reist nach Frankreich. Wenn man als Amerikaner nicht romantisch veranlagt ist, hat einem Frankreich wenig zu geben, aber Custer ist nicht in romantischer Mission unterwegs, obwohl ihn seine Freundin Tulip O’Hare begleitet. Custer hat nur ein Ziel. Er will seinen alten Freund Cassidy retten – einen Vampir.
Eine Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Diese beginnt mit Warten. Am Flughafen JFK geht nicht alles so reibungslos vonstatten. Als Custer sich die Zeit mit einem Drink vertreibt, hat er eine unerwartete Begegnung mit einem alten Kriegskameraden seines verstorbenen Vaters. Jetzt endlich, nach derart langer Zeit, erfährt er endlich mehr über den Mann, den er bereits als Kind verlor und von dem er bisher so gut wie nichts wusste.

Vietnam. Das ewige Trauma. Custers Vater gehörte zu einer der vielen kleinen Einheiten, die eines Tages auf Patrouille in den Busch ziehen. Sie finden ein Dorf. Leer. Der Vietcong hat es verlassen. Ein mieser Befehl zwingt drei Freunde in das Dorf. Es kommt, wie es kommen muss. Einer stirbt. Die Befehlshaber sind schuld. Manches erledigt sich von alleine, manches nicht. Es ist Krieg. Und niemals weiß man so genau, woher die Kugeln kommen.
So schlimm die Erinnerungen an die Vergangenheit des Vaters sind, wenn Custer dereinst von seinen Erlebnissen erzählt, wird er dem Grauen, was seinem Vater widerfuhr, in nichts nachstehen. Denn in Masada ist alles anders.

Starr hat die Organisation nicht mehr im Griff. Alles, buchstäblich alles, begonnen bei seiner eigenen Libido, scheint ihm immer mehr zu entgleiten. Genau zu diesem Zeitpunkt, als in den Kellergewölben der Festung ein besonders heikler Gast beherbergt wird, zusätzlich zu einem nicht alltäglichen Vampir, kündigt sich das Oberhaupt ihrer Bewegung. Jetzt endlich wird das gesamte Ausmaß der Verderbtheit und der Inzucht ihrer Bewegung sichtbar. Custers Eintreffen kommt dem Stich in ein Wespennest gleich und alles gerät aus den Fugen.

Sie kamen nach Masada fasst in der dritten Sammelausgabe von Preacher die Ereignisse um die Rettung von Cassidy, dem Vampir, zusammen. Zwei kleine Schlenker bringen außerdem auf einerseits furchtbare wie auch vergnügliche Weise Licht ins Dunkel der Vergangenheit.

Masada, die letzte Bastion der Hebräer gegen die römischen Invasoren, lautet auch der Name einer geheimen Einrichtung in Frankreich, wo unter dem Deckmantel einer verqueren religiösen Ansicht nur nach der ultimativen Macht gegriffen werden soll. Leider ist der künftige Messias ein debiler Idiot, dem die Inzucht die letzte Intelligenz und das letzte Quentchen Mitgefühl ausgetrieben hat.
Masada wird für Custer nicht nur zu einer Rettungsaktion, es wird zum Teil auch ein Blick in seine Vergangenheit. Viel länger, als er es selbst geglaubt hätte, wird er beobachtet. Seine Großmutter ist die Tante des derzeitigen Oberhaupts des Grals, jener merkwürdigen Geheimgesellschaft.

Es ist wieder einmal der überbordenden Phantasie und der komplexen Planung von Garth Ennis zu verdanken, dass Preacher so ungeheuer fesselt. Ennis versteht es in einer kleinen abgeschlossenen Episode (zu Beginn und zum Ende des Bandes) ebenso die Handlungsabschnitte in der richtigen Portionierung zu servieren wie in einem übergreifenden Handlungsbogen.
Vietnam, das amerikanische Trauma, wird hier in einer Episode dargestellt, die ebenso ein Oliver Stone in einem seiner Vietnam-Filme wie Platoon hätte verarbeiten können.
Dieser Abschnitt bringt denen, die mit derlei Geschichten vertraut sind, nicht viel neues, das ändert jedoch nichts an der Intensität der Handlung, die so oder ähnlich stattgefunden haben kann. Faszinierend auch der Auftritt des Duke, der seinerzeit mit seiner Rolle in The Green Berets, jener legendären Spezialeinheit, für ein eher gespaltenes Echo sorgte.

Masada steht im absoluten Gegensatz zu der in der Vietnam-Episode geschilderten Realität. Man könnte die gezeigte Handlung mit Monty Python trifft Quentin Tarantino überschreiben. Wer sich ein solches Zusammentreffen in Thema, Humor, Action und Handlung ausmalen kann, kommt der prallen und sehr skurrilen Geschichte sehr nahe.
Die Charaktere stützen die Geschichte.
Da ist der Killer, dem ein kleines anatomisches Anhängsel fehlt, und der deshalb Gott und die Welt dafür bestrafen möchte. Da trifft es sich, dass er einem Vampir begegnet, dessen Wunden heilen und der so unendlich oft und lange gequält werden kann.
Da ist der Sonderbeauftragte des Grals, Starr, der sich bis vor kurzem noch als normaler Mann wähnte und nun dabei ist, die Seiten zu wechseln.
Da ist ein gestürzter Engel und der Herr persönlich, beide eingeschüchtert von Custer, der mit seiner Fähigkeit, das alles befehlende Wort auszusprechen, für beide eine Bedrohung darstellt. Wann war Gott zuletzt auf der Flucht vor einem Menschen?

Zwischen wirklich blutiger Action trägt abgrundtiefer bitterböser Humor den Leser zur nächsten Szene, amüsiert, vielleicht auch schockiert, ungläubig lesend, vielleicht auch schallend lachend über so viel Absurdität, aber immer daran interessiert, wie es weitergehen mag.
Auf seine Art fasziniert Preacher, da sich die Geschichte in kein Korsett zwängen lässt. Die gute Zeichenkunst eines Steve Dillon und die Spitzen-Cover eines Glenn Fabry machen Preacher zu einer runden Sache.
:-)

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