Samstag, 07. Juni 2008
Den Gegner schwindlig spielen – was wäre, wenn das gelingen könnte? Wenn es ein solches Fußball-As gäbe, mit solchen überragenden Fähigkeiten? Dies ist eine der vielen Fragen, die hier für den Fußball-Fan, oder solche, die es werden wollen, beantwortet werden.
Gürsel setzt mit Ausgedribbelt seinen alltäglichen Fußballwahnsinn fort, den er mit Abgegrätscht begonnen hat.
Es geht um schnelle Stürmer, Ausnahmetalente, Männer in Trikots, die keine Abwehr der Welt stoppen kann. Die einen nehmen dann doch tatsächlich das Wörtchen Schwalbe wörtlich. Die anderen haben es nur besonders eilig, weil sie ein sehr dringendes Bedürfnis über den gegnerischen Strafraum hinaus treibt.
Und es gibt solche, die es immer wieder versuchen, mit dem Ball ein Himmelstor zu schießen.
Nach einigen Situationen, in denen diese Art der Fehlschüsse natürlich zu Heiterkeitsausbrüchen des Gegners reizt, ist dieser vollkommen überrascht, wenn die Kirsche über einen Umweg dann doch sitzt.
Die Grinsegesichter bei einem Torschuss oder anderen Erfolgserlebnissen sind Gold wert. Wer den Film Fußball ist unser Leben oder FC Venus gesehen hat, kann den naiven Spaß und die besondere Form der Ehrerbietung dem Gott Fußball gegenüber nachvollziehen, die auch von den Spielern und Trainern in diesem Cartoon-Band praktiziert wird.
Aber es kommt auch noch hinzu, dass wir dieses Jahr sechs Monate Lieferzeit für die neuen Ferraris haben.
Derartige Probleme haben Spieler und Trainer hier eher selten. Auch wird die Seite der Fans nur selten beleuchtet – und dass beide Seiten zusammen ins Spiel kommen, ist so gut wie gar nicht der Fall. Es sei denn, man zieht den Priester in Betracht, der den Spieler ermahnt, er möge den Namen des Herrn nicht zum Fluchen missbrauchen.
So kommen wir denn zu den anderen Gesichtern des Fußballs, den Hasserfüllten Motzgesichtern, die neben Gesichtsvarianten, die von Panik oder Verzweiflung künden, die häufigsten Mimiken in diesen jeweils einseitigen Cartoons sind. Während ein Trainer schon mal in sein Käppi beißt, beißt ein Polizeihund in den nächstgelegenen Spielerhintern. So reagiert sich halt jeder auf seine Art ab.
Ausgedribbelt macht da weiter, wo Abgegrätscht aufhörte. Anarchisch, lustig, albern, auch schnell, meist wortlos mit internationalem Fußballwitz, den jeder Fan auf der ganzen Welt versteht. Einfach mal in der Halbzeitpause lesen, wenn Rückstand herrscht und wieder gute Laune bekommen.
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Sonntag, 01. Juni 2008
In diesen Tagen, ach, was sag’ ich, in diesen Zeiten ist Fußball zu einer Sprache geworden, zu einem alles verbindenden Element ähnlich der Musik. Glaubt Ihr nicht? Na, aber der Humor ist es auf jeden Fall. Und wenn Fußball und Humor zusammenkommen, dann kann alles passieren.
So ist es auch in der ersten Ausgabe der Chaos-Kicker mit dem schönen Untertitel Abgegrätscht.
Bei der Lektüre dieser Sammlung von einseitigen Witzepisoden wird erst einmal deutlich, wie viele Situationen eines Fußballspiels zu einer humoristischen Variante einladen – wenn es das reale Fußballgeschehen nicht schon selber schafft und einfach in eine Zeichnung übertragen werden muss.
Freudentänzchen heißt es so gleich zum Auftakt, mit dem uns Zeichner Gürsel erfreut. So mancher Indianertanz durch den Strafraum, nach einem erfolgreichen Torschuss, brachte schon allerhand Freude auf die Zuschauerränge. Dieser hier dürfte auch für einige Schadenfreude sorgen – und bei den Herren der Schöpfung für ein unangenehmes Mitgefühl in der Lendengegend.
Ein Flitzer in Form eines Postboten erhält hier völlig neue Bedeutung (hat vorher ein Flitzer schon versucht mitzudribbeln?). Und was ist eigentlich mit den Trainern los? Regen die sich nur auf, wenn die Kamera auf sie gerichtet ist? Und sonst nicht? Je rauer die Sitten auf dem Platz werden, umso nötiger kann es für einen Schiedsrichter sein, die roten Karten nur noch unter Polizeischutz zu verteilen.
Dank Gürsel und der urkomischen Gesichter all der Spieler, Schiedsrichter, Trainer und Nebenakteure bleibt hier kein Auge vor Lachen trocken.
Dieser Humor ist wirklich international, denn er kommt meistens ohne Worte oder im Höchstfall mit ein, zwei Sätzen aus. (Demzufolge haben die Übersetzer Joost van Duiven und Jens Presche hier nicht allzu viel zu tun.) Jeder, der nur einmal im Stadion gewesen ist oder wenigstens die Sportschau sieht, kann diesen Humor nachvollziehen und herzhaft grölend über den Boden rollen.
Nun bin ich leider nicht in dem Maße der Riesenfußballfan (womit der Beweis erbracht wäre, dass der Humor auch bei weniger versierten Spielbeobachtern funktioniert) und kann deshalb nicht sagen, ob Gürsel hier auch mit real existierenden Trikots gearbeitet hat. In dem Fall dürften die Witze noch tiefer reichen und mit Anspielungen versehen sein – betrachte ich mir allerdings so manche Statur wie auch die Haartracht einzelner Spieler, ist dies auf keinen Fall von der Hand zu weisen.
Fußballfans, die vor der EM 2008 noch so richtig in Stimmung bringen wollen, können mit all diesen Momentaufnahmen über Mann- und Raumdeckung, Sturm, Stürmer, arbeitslose Trainer, genervte Schiris, einfallsreiche Mittelfeldspieler und formvollendete Schlafmützen ihren absoluten Spaß haben – der Rest, also wohl eher Frauen, wird sich angesichts dieser gesammelten Manpower-Episoden eher langweilen.
Wissen halt nicht, was gut ist! Selbst Schuld!
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