Dienstag, 18. März 2008
Der Arzt Julien Saunière verabschiedet seinen Bekannten, den Rabbi, am Bahnhof. Für den Mann ist es nicht mehr sicher in Paris. Saunière selbst wird von der Inquisition überwacht. Der Rabbi lässt den Arzt ungern alleine mit den Problemen zurück. Aber es ist besser so, denn auch die politische Situation verschlechtert sich.
Frankreich will alte Grenzen zurecht rücken und sich wieder das einverleiben, was ihm einmal im heutigen Einflussbereich des Emirates Cordoba in den angrenzenden Gebieten Navarra, Aragon und Kastilien gehörte. Von englischer Seite, von Lord Churchill, erhält Frankreich Zuspruch für diese Ideen – sofern man von französischer Seite die englischen Bemühungen und Expansionen in Arabien und der Levante toleriert. Schnell kommt der französische Lord Lorraine mit Churchill zu einer Einigung.
Von all dem ahnt Saunière zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Er ist viel mehr damit beschäftigt, Licht in das Dunkel verschiedener Nachforschungen zu bringen.
Symbolik, altertümliche Kunst, Legenden und Mathematik spielen eine wichtige Rolle bei der Spurensuche. Das Geheimnis des Heiligen Grals? Wie lautet es? Welche Rolle spielt die Politik in dieser Angelegenheit? Gehen am Ende das Geheimnis und die aktuellen politischen Ereignisse Hand in Hand?
Fest steht, dass verschiedene Templerfamilien die Familie von Lord Lorraine unterstützen. Saunières Neugier wird unerträglich. Und er wagt einen mutigen Schachzug. Indem er der Inquisition all sein Wissen offenbart, hofft er auf entsprechende Unterstützung durch den Klerus.
Als die Spur in die Katakomben führt, scheint die Marschrichtung klar zu sein, insbesondere nachdem ein alter Bekannter wieder in Erscheinung tritt. Aber Saunière täuscht sich. Ganz so einfach, wie er zunächst annahm, ist die Lösung dann doch nicht zu finden.
Rex Mundi - Wir schreiben das Jahr 1933. Die Welt ist anders als wir sie kennen, sie ist anders als unsere Geschichtsschreibung uns hinterlassen hat. Die Kirche ist ein wichtiger Machtfaktor in den christianisierten Reichen. An der Grenze Frankreichs beherrscht das Emirat Cordoba das uns bekannte Spanien. Portugal existiert nicht einmal als eigenständiger Staat. Frankreich, England, Preußen sind auf Kolonialisierung aus. Russland ist riesig. Die islamischen Staaten wie das Ottomanische Reich, das kalifat der Almohaden, das Sultanat der Abbasiden und das Reich der Safawiden teilen den vorderen Orient untereinander auf.
In diesen schwierigen Zeiten stößt der Arzt Julien Saunière auf ein Geheimnis, dass für ein neues Frankreich einen Wendepunkt herbeiführen könnte. Politik und Mystik, auch Religion genannt, werden ineinander aufgehen, sollte das Geheimnis ans Licht kommen. Damit nicht genug. Eine noch geheimnisvollere Macht geht im Hintergrund um, eine Macht mit echten magischen Fähigkeiten. Ein normaler Mann wie Saunière droht zwischen den einzelnen Machtblöcken zerrieben zu werden, wenn er nicht sehr klug und besonnen handelt.
Ein Autor wie Dan Brown kann sich angesichts der Vorstellungskraft von Arvid Nelson und Zeichner Eric J, den Erfindern von Rex Mundi warm anziehen. Hier liegt der Geschichte eine hochkomplex geschilderte Gesellschaft zugrunde. Diese Welt ist außerdem so groß, dass dem Erfindungsreichtum und dem dramatischen Geschick, insbesondere von Autor Nelson eigentlich kaum Grenzen gesetzt sind.
Die Vermischung realer geschichtlicher Figuren und Ereignisse mit dieser fiktiven Welt macht aus ihr einen äußerst faszinierenden Stoff.
Inquisition und politische Machthaber wirken nicht oft derart bedrohlich. Sieht man einmal von der Spur, die Saunière verfolgt ab, ist es allein ungeheuer spannend, die Winkelzüge von Herzog Lorraine zu verfolgen, wie er Stück für Stück sein Netz aufspannt, aus dem es für die Beteiligten letztlich kein Entkommen mehr gibt.
Eric J, Mitinitiator dieser Reihe, für dessen Umsetzung sich anscheinend auch Hollywood interessiert (Ein entsprechendes Interview fand im September 2006 statt. Eine Umsetzung könnte 2009 erscheinen. Johnny Depp würde in die Rolle von Julien Saunière passen. Man darf weiterhin gespannt sein. Im Laufe des Jahres dürfte dazu mehr zu erfahren sein. Infos werden sich bestimmt unter www.rexmundi.net, der Homepage zur Serie finden lassen.), wird im Verlauf des Bandes von den Zeichnern Jim Di Bartolo und Juan Perreyra abgelöst. Bartolo weiß hier eine Spur besser zu gefallen als Eric J (natürlich immer auch Geschmackssache), weil seine Charaktere etwas ausdrucksstärker aussehen. Auch Perreyra kann da nicht mithalten, obwohl er um verstärkten Realismus bemüht ist und seine Zeichnungen technisch ausgereift und schön sind. Ohne Vergleichsmöglichkeit zu Bartolo wäre er toll, im direkten Vergleich fängt er die Atmosphäre nicht so gut ein.
Was Perreyra allerdings im besten Sinne und für jeden erkennbar wunderbar gelingt, ist ein ungeheuer schönes Titelbild im Jugendstil, für das ein Künstler wie Alfons Mucha Pate gewesen sein könnte.
Mystische Spannung, politische Intrigen, ein Spiel mit der Zivilisation in einer parallelen Entwicklung zu der unseren, glänzend inszeniert von Arvid Nelson und Eric J. Eine Top-Serie, die jeden Thriller-Fan begeistern kann.
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Stichwörter: arvid nelson, eric j, jim di bartolo
Samstag, 26. Mai 2007
Dr. Julien Saunière hat die Attacke des Fremden dank der Hilfe seiner jugendlichen Freunde überlebt. Mit kindlichem Wagemut haben sie den unheimlichen Angreifer in die Flucht geschlagen. Juliens Verletzung ist vernachlässigbar. Deshalb nimmt er seine Ermittlungen auch sogleich wieder auf.
Seine alte Freundin, die Ärztin Dr. Tournon, hat etwas herausgefunden, das sie wegen ihrer Freundschaft zu Julien ihm nicht vorenthalten möchte. Der seltsame Spruch Et In Arcadia Ego ist der Wahlspruch der Lorraines, einer alten und sehr mächtigen Adelsfamilie in Frankreich. Die Erkenntnis aus dieser simplen Tatsache ist einfach: Sollte der Hochadel in die unheimlichen Vorkommnisse verwickelt sein, kann es sehr gefährlich werden – noch gefährlicher als es ohnehin schon ist.
Aber wer zur Hölle baute Salomons Tempel in der Pariser Kanalisation nach?
Ungeachtet der Gefahren und der Inquisitoren auf den nächtlichen Straßen von Paris dringt Julien wieder in die Katakomben der Stadt vor. Die Geheimdokumente, die er vorfindet, erzählen eine Geschichte, die weit in die Vergangenheit reicht und die Erinnerungen an die Tempelritter wachrufen. Während Julien seine Nachforschungen betreibt und sehr bald den Unmut einflussreicher Persönlichkeiten auf sich zieht, gärt es auch in der Politik. Stimmen, die sich lange Zeit gegen den Kolonialismus Frankreichs ausgesprochen haben, da eine aggressive Expansion nur kriegerische Auseinandersetzungen nach sich ziehen kann, drehen ihre Fahne plötzlich in den Wind. In Frankreich brechen neue Zeiten an. Die Falken in den Spitzen der Politik haben die Oberhand gewonnen.
Von all dem wähnt sich Julien unberührt, aber er irrt sich gewaltig. Die Mächtigen haben in streng geheimen Zirkeln ihre Macht seit alters her bewahrt und vermehrt. Und sie sind immer noch süchtig nach mehr Macht. Wie es ausschaut, sind sie die Arbeit im Geheimen Leid und wollen sich und ihre Ziele endlich offenbaren.
Mehr noch: Wo der Adel seine Spielchen treibt, kann sich die Kirche nicht lange zurückhalten, zumal Julien in ihre Kreise eindringt. Der Doktor hat in ein Wespennest gestochen, er spielt ein Spiel, das er noch nicht vollends versteht. Sein Einsatz ist sein Leben.
Die Edition rund um Rex Mundi geht in die zweite Runde. Der unterirdische Fluss zeigt dem Leser eine alternative Welt, die sehr an unsere erinnert und auch viel mit ihr gemeinsam hat. An verschiedenen Stellen des Zeitstranges kam es zu Abweichungen. Sieht man einmal von den Einflüssen der Magie in dieser Welt ab, wäre eine Entwicklung dieser Art nicht undenkbar gewesen. Rex Mundi ist ein Mystery-Thriller im besten Sinne. Nicht nur die Jagd nach dem Heiligen Gral fasziniert letztendlich, sondern es fesseln auch die Intrigen, die politische Situation und die zahlreichen Hintergrundinformationen, die auf ähnliche Weise eingewoben wurden, wie es der Mystery-Fan vielleicht von Das geheime Dreieck her kennt.
In den hier zusammengefassten 6 Kapiteln entwickelt sich die Hauptfigur Dr. Julien Saunière weiter. Sein Verhalten wird bedächtiger. Die verschiedenen Ereignisse haben ihn vorsichtiger werden lassen. Wer uralte Computerspiele kennt, kann sich bei Juliens Nachforschungen in Tunneln und den Rätseln, die er lösen will, an Adventures erinnert fühlen. Auf den Spuren der Mystery-Welle, die von Veröffentlichungen wie Sakrileg und Illuminati eingeläutet wurde, weicht Rex Mundi sehr schnell von ausgetretenen Pfaden ab und geht einen vollkommen eigenen Weg.
Allein die Beschreibung dieser Welt, die Julien enorme Probleme bereitet, weil ein eigener Kopf (ohne Macht) hier nicht gern gesehen ist, erzeugt enorm viel Spannung. Die Möglichkeit, die Wort- und Bilderrätsel mitzuverfolgen, bildet die nächste Stufe der Spannung. Die Aufbereitung der Vergangenheit ist glänzend hinzugefügt.
Die Vielfalt der Informationen erlauben ähnlich wie in einem gut konstruierten Thriller keinerlei Unaufmerksamkeiten. Jedes kleine Stück komplettiert das Puzzle oder vervollständigt die Fährte zum nächsten wichtigen Teil.
Juliens Nachforschungen zusammen mit dem Rabbi sind ein gutes Beispiel. Allein in wenigen Szenen entfaltet der Autor Arvid Nelson eine derartige Komplexität, dass es beinahe schon wie ein Streifzug durch antike Geschichte und Religion wirkt. Glaubt man sich als Leser auf der sicheren Spur und rätselt mit, wird im nächsten Augenblick ein Krimi daraus, in dem schaurig entstellte Leichen gefunden werden. Julien grübelt darüber nach, ob der Mörder vielleicht ein Golem sein könnte. – Ob das tatsächlich der Fall ist, soll hier natürlich nicht verraten werden.
Was mich persönlich sehr fasziniert, ist die Gestaltung der französischen Gesellschaft und daraus resultierend die Gestaltung einer ganzen Welt. Die Aufteilung der herrschenden Schicht in König, Robe und Schwert ist mit all ihren Facetten einfach stimmig. Die Rückblicke, die an wahren Begebenheiten angelehnt sind, sorgen für einen realistischen Hintergrund. So gibt es ein Wiedersehen mit dem Mann mit der eisernen Maske, dem Untergang der Templer und auch mit dem kleinen Korsen, der es hier nicht zum Kaiser von Frankreich schafft, sondern (freilich von der Geschichte abweichend) in einem Verlies sein Leben lässt.
Eric J zeichnet in eleganten Formen. Seine Figuren haben etwas Unechtes, etwas von Schaufensterpuppen, dank ihrer Eleganz heben sie die Geschichte auf eine höhere Stufe als einen herkömmlichen Thriller. Auf Hollywood-Ebene würde man von einem Hochglanz-Krimi reden. Aber die gesamte geschilderte französische Gesellschaft mit ihrem Adel, Klerus und den Gilden ist hier bereits durch Nelson auf Hochglanz getrimmt. Es wird in einigen Szenen sehr deutlich, wie sehr naserümpfend sich die gezeigten Franzosen über dem Rest der Welt stehend wähnen. Die doch optisch sehr dunkle Darstellung der Bilder, durch Jeromy Cox, schafft eine Atmosphäre aus Antiquiertheit und Big Brother-Gefühl. Ein gutes Beispiel für diese Stilelemente sind die in Masken auftretenden Inquisitoren, deren starre Gesichter alles zu sehen scheinen, an venezianische Karnevalsmasken erinnern und doch keine Gefühlsregung verraten.
Für Mystery- und Thriller-Fans ist diese kleine Reihe ein Muss. Wer nach einer wirklich herausragenden Erzählung in diesem Genre sucht, wird Rex Mundi lieben.
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Stichwörter: arvid nelson, eric j, jeromy cox, rex mundi